Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1925-04-03 · Heft 27-28 (3.4.1925) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 27-28 (3.4.1925)
Date
1925-04-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2652691-2652718--17289-3518143
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

10 entity mentions

r Kr. 27 28 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 240 lord Ballours Empfang in Td-Awiw Tcl-Awiw. (J.T.A.) Ucber den bcrclU mitgeteilten Lord D 11 o u r i In Tcl-Awiw Ist noch zu berichten: pfjuch L0rd Balfour traf am 25. März, 3 Uhr nachmittags, in ^wiw ein. Samtliche Häuser der Stadt hatten geflaggt. nO Juden waren In den StraOcn versammelt und bereiteten Gast einen enthusiastischen Empfang. Schulkinder, Pfad. jefl Jj'n Spalier, und Mitglieder der Makabbi-Sportorganisatloncn bll- IXc Mitglieder des Stadtrats von Tcl-Awiw ^rußten Lord Balfour vor der Stadt und geleiteten ihn zum pJLius, wo Bürgermeister Dlzcngoff Lord Balfour das Phrenbürgcrdlplom der Stadt Tcl-Awiw überreichte. Lbdcm der Bürgermeister von Tcl-Awiw, Herr Dizcngoff, []nC Ansprache an Lord Ualtour gehalten hat, erwiderte dieser ,11 folgender Redet „Es ist mir eine besondere Ehre, daß diese „roßc, behende Stadt mir das Ehrcnbürgcrrccht verliehen und meinen Namen durch Benennung einer Oassc nach mir unsterblich gemacht hat. Ich hoffe mit Ihnen jiif die Entwicklung und Zukunft Palästinas, da sich diese Zukunft auf den Traditionen der Vergangenheit aufbaut. Viele, Gründe bekräftigen diese meine Hoffnung. Einer der wichtigsten Oründc ist der, daß die Juden wohl wiscen, daß ihre Zukunft, die Zukunft dieses ewigen Landes und der Erfolg des Zionismus abhängig ist von dem Qlaubcn, daß der Wiederaufbau Palästinas nicht allein den Juden, sondern der ganzen Menschheit zugute kommen wird. Die Juden waren Immer die Träger der sittlichen Idee im Leben der Völker. Die Zukunftsarbeit der Juden in Palistina wird sicher die erhabenen Traditionen der jüdischen Vergangenheit rechtfertigen. Wohin ich schaue, Ich muß den schöpferischen Ocist, der beim Aufbau dieser Stadt gewaltet hat, bewundern. Es ist einer der schönsten Anblicke, die ich je gesehen habe. Ich sehe eine neue Qcneration voll starken Lebens und von einem freudigen Arbeitswillen beseelt. Ich teile mit Euch alte Eure Hoffnungen auf eine herrliche Zukunft." Die Rede Balfours wurde mit ungeheurem Enthusiasmus «(genommen. Bei Anbruch des Abends war die ganze Stadt laminiert, die Stimmung war feierlich und gehoben. Lord Balfour wohnte am Abend dem ihm zu Ehren gegebenen Festkonzert bei. Nach Schluß des Konzertes unternahm Btllour einen Rundgang durch das abendliche Tcl-Awiw und vir überall Gegenstand lebhaftester Ovationen. Am 27. Marz stattete Lord Balfour den Ruthenbergschen Elcktrizititsanlagcn In Tcl-Awiw einen Besuch ab, hierauf Richte er einen Rundgang durch die anderen Industriellen Anlagen und drückte seine Bewunderung über die schnelle Entwicklung moderner Industrien Im Lande aus. Am 27. MSrz, 2 Uhr nachmittags, trat Lord Balfour mit seiner Begleitung wieder in Jerusalem ein. /VJerusalem.; (J.T.A.) Am 28.? März fanden In allen Synagogen 'Palistinas Gottesdienste statt, In welchen Gebete für das britische Königshaus, Lord Batlour und Herbert Samuel gesprochen wurden. Lord Balfour erschien zu einem Gottesdienst in Jerusalem und wurde vom Oberrabblncr In einer Ansprache begrüßt. Die arabische ProleslbeweguB , c r u s 1 e m (J. T. A). Die arabischen Zeltungen er« «Minen am 27. MSrz mit Trauerrand und veröffentlichten m englischer Sprache eine Protestkund gebung gegen Lord Balfour. In der Kundgebung wird gesagt, Lord Bil«our sei nur die Etikette auf dem Paket Explosiv- Jtoff, welches Dr. Wclzmann für die englische Reülerung bereitet hat Die Araber des Distriktes Ramlch, ik schon am 25. MSrz eine BcgrüBungsabordnung zu Lord Bilfour nach Ludd gesandt hatten, sandten nunmehr aus Anlaß der bevorstehenden Eröffnung der hebräischen Uni- »trsität ein Memorandum an Lord Balfour, in welchem zum Ausdruck gebracht wird, die Araber des Distrikt« Ramlch l>c&rüßen d!e Eröffnung der hebräischen Universität und hoffen auf einen guten Fortgang des Aulbaus Palästinas durch Zusammenarbeit aller Nationen im Lande, Die Jüdische Tclcgraphcn-Agcntur In London erhielt das folgende, vom Presidenten des mohammedanisch-christlichen Komitees, Omar Ü111 a r, unterzeichnete Protcsttelcgramm aus Jaffa: Die mohammedanische und christliche Bevölkerung Palästinas sieht In dem Jetzigen Besuch Lord Dalfours Im Lande und In dem von ihm vollzogenen Akt der Erölfnung der hebräischen Universität zu Jerusalem eine Bekräftigung der Deklaration der Britischen Regierung, die die Errichtung eines jüdischen Nntlonalhclms in Palästina versprach, mit welcher die Vernichtung der mohammedanischen und christlichen Bevölkerung In diesem Lande verbunden Ist. In allen Kirchen und Moscheen Palästinas wurde am 25. März um Befreiung von den zionistischen Vorstößen, die von britischen Waffen unterstützt werden, gebeten. Wir erheben vor der Oeffcntlichkclt Oroß-Brltaniilcns und der ganzen Welt Protest gegen die Unbill, die uns zugefügt wird. Während der britische Innenminister strenge Maßnahmen gegen die Einwanderung von Fremden In England selbst ergreift, läßt es dieselbe Regierung zu, daß un«cr Land von Auswanderern aus Deutschland und aus den polnischen Oh et tos überflutet wird. Das Tetegramm zeichnet Omar Bittar Im Namen der national-arabischen Handelskammer, der mohammednischenund christlichen Stammführcr, der religiösen Funktionäre, der christlichen Woblfahrtsgesellschafte-n, der Vereinigungen von Landbesitzern, Acrztcn, Pharmazeuten, Rechtsanwälten, Studenten, Handwerkern usw. Maßrf elnaqeo J e r u s a 1c m (J. T, A). Die Palästina-Regierung verfügte die Amtsenthebung des arabischen Reglcningsbcnmt,,n M 11 m I Fattayani, der einer der Redner auf dem Protestm e c 11 n g war, welches am 25. März, dem Tarjc der Ankunft Lord Balfours In Palästina, In der Omar-Moschee abgehalten worden Ist. Hilm! Fattayani forderte In seiner Ansprache die arabische Bevölkerung zum B^vkott der Reglcrungsmaßnahmcn und zur Verweigerung der Steuerzahlungen auf, um so Großbritannien zur Zurück »Miung der Balfour-Dcklarathn zu zwingen. Die Regierung h<ttc vnrrw eine Warnung an alle arabische Rceleningsbeimten cr'asscn, In welcher allen jenen Beamten, die der Strciknarole der arabischen Exekutive folgen würden, die Entlassung angedroht war. Jerusalem. (1.T.A.) Im allgemeinen haben die arabischen Schulen In Palästina am 25. März, dem Tage der Ankunft Lord Baffours, der Streikparole der arabischen Exekutive nicht Folge geleistet. Nur In wenigen Schulen wurde gestreikt. Diese Schulen werden nun gemaßregeft. Die Reelerung verfügte die Schließung arabischer Schulen In faffa, Tulkeram, Oaza und Hebron, wo die Schüler trotz der Mahnung der Regierung am 25. März dem Unterricht demonstrativ fernblieben. Das Unterhat» ond lord BaHonm PalUMlaa-Besocb , Im englischen Unterhaus richtete Mr. Mackenzle LlvIngStone an den Staatssekretär für die Kolonien die Frage, ob er In der Lage Ist, Informationen über die Volksstimmung Im Zusammenhang mit Lord Balfours Besuch In Palästina zu erteilen. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Mr. Ormsby-Oore, erwiderte, er besitze keine anderen Informationen, als die, die In der Presse erschienen sind. Mr. LlvIngstone: Witt die Regierung Aufklärung geben, ob Lord Balfour ein Prcsbytcrlancr ht? Mr. Ormsby-Oore: Ich erfahre, daß er am 20. MSrz dem Bihel-Oottcsdienst in der anglikanischen Kathelrale zu Jerusalem beigewohnt hat. Hier rief Sir William Lane Mitchell dazwischen: Er tat es nichtI In Erwiderung einer Anfrage des Mr. John Baker sagte Mr. Ormsby-Oore, er wisse nicht, ob In Verbindung mit der speziellen Leibgarde für Lord Balfour Irgendwelche Mehrkosten entstanden sind. Wenn ja, so wird die Palästina- Regierung sie tragen, _ Die meisten zionistischen Zeitungen haben der Eröffnung der Universität Festnummern gewidmet. Elo icoer Artikel der „Times" «Times" beschäftigen sich in ihrem Leitartikel vom 27. März wiederum mit der Lage In Palästina. Die Protestbewegung der palästinensischen Araber gegen Lord Balfour, heißt es In dem Artikel, entspringt eher dem Kummer als dem Haß. Auf der anderen Seite Ist ein Ucbcrschwang der jungen Juden zu verzeichnen. Die zionistische Siedlung In Palästina ist heute noch nicht so stark, wie es die zionistischen Führer wünschen mögen. Nichts wäre so geeignet, die arabische Furcht zu wecken, die ein Hindernis für eine friedliche Entwicklung Ist, nlsdlcTaktlosIgkeltgcwlsscrenthusiaitfscher Zlonisten, die In ihrem Eifer, sobald wie möglich das indische nationale Heim verwirklicht zu sehen, gerne die Bestimmung der Balfour-Dcklaration außer acht lassen, die eine Sicherung der zivilen. und religiösen Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina vorsieht. Die beste Deutung der Deklaration, heißt es In dem Artikel weiter, Ist vielleicht In dem Schreiben des Kolonien- Ministers aus dem Jahre 1022 zu finden, In welchem die Aufmerksamkeit auf die wichtige Tatsache gerichtet wird, daß die Deklaration nicht das gesamte Palästina als jüdisches Nationalheim gestaltet sehen will, sondern ausdrückt, daß In Palästina ein solches Helm errichtet werden soll. Die Verwirklichung dieses Ideals Ist ein Bestandteil der britischen Politik dieser Zeit. Es Ist heute unmöglich, sich dieser Pflicht zu entziehen, und niemand, der mit eigenen Augen die Entwicklung In Palästina, den Fleiß der Jüdischen Siedler In den Weingärten, auf den Feldern von ßalfourla, sowie die jüdische Arbeit In den Industrien zu Haifa g?schcn hat, kann sich des Wunsches enthalten, daß die jüdische Rasse In Palfistina, als auch Palästina selbst gedeihen möge. Der Araber hat kein Recht zu klagen. In der Rcgci protestiert der Araber gegen eine starke jüdische Einwanderung, sowie gegen die Beschränkung seiner Freiheit. Die britische Regierung hat während der Oenlcr Tagung der Mandatskommission nachgewiesen, daß diese Klagen unberechtigt sind. Die britische Regierung wies auf die bestehende Elnwandcrtingsbeschränkung hin, und nicht nur der Völkerbund, sondern auch das britische Volk selbst anerkennen die Notwendigkeit einer Ucbcrwachung der Einwanderung. Es ist notwendig, das industrielle Element aus den bereits überfüllten Städten auf das Land zu bringen. Es Ist ein Zwiespalt zwischen dem arabischen Politiker und dem arabischen Landbesitzer festzustellen. Der Erstere will aus dem jüdischen Bodenerwerb politisches Kapital schlagen, der Letztere Ist zufrieden, sein Land günstig verkaufen zu können. Die steigende Tendenz unter den Arabern, mit den Juden Ocschäfte zu machen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen fn der schweren Lage, die sich Lord Balfour im Jahre 1917 gewiß nicht vorgestellt hat. Es sei zu wünschen, daß der durch die Anwesenheit Lord Balfours In Palästina erregte Enthusiasmus zu Fortschritten in dem Aufbau Palästinas führen soll. Es wäre schade, wenn die Flut der leichtsinnigen Berichte, die von der anderen Seite In die Welt gesetzt werden, die Ansichten des britischen Volkes In bezug auf die wirkliche Lage Palistinas trüben sollte. Urd Alleiby and der Zloilsmni Der Britische Oberkommissar für Aegypten, FeldmarschaJl Lord Allenby, der Eroberer Palästinas, erklärte in tiner Unterredung mit dem Vertreter der Palästinensischen Telegraphen-Agentur, er habe »eine Meinung über den Zionismus geändert. Er . gäbe gerne zu, daß seine Stellung. nahmcgcgcndenZlonlsmuiln früheren Jahren ein Fehler war. Die Entwicklung der Vcrh5ltnissc in Aegypten habe Ihn eines Besseren belehrt. Er begreife Jetzt vollkommen, daß Palästina für OroO-Brl. tannlen von großer Bedeutung sei. Der Wiener Rothschild Uber Palistila Jerusalem (J.T.A). Baron von Rothschild, da» Oberhaupt des Wiener Rothschild-! lauses, der In Jerusalem eingetroffen Ist, um der Univcrsitätscrölfnungsfcler beizuwohnen, äußerte sich in einem Oespräch mit seinen Freunden In Worten größter Bewunderung Ober die Entwicklung Palästinas und über den industriellen und landwirtschaftlichen Fortschritt In diesem Lande. Was die Juden, sagte er, In wenigen Jahren in dem jahrhundertelang vernachlässigten Lande vollbracht haben, erwecke große Hoffnungen für die Zukunft dieses Landes. «bischer Schauspiclcrtyp überhaupt existiert; denn zumeist «gibt er sich aus Mischung von germanischen mit roina- «isdicn u. a. Einflüssen. Der jüdische Schauspieler endlich in der Spieler der Lebendigkeit schlechtweg — irgendeiner "«nicbendigkcit oder vieler Lebendigkeiten. Die Flächen «dien abwechselnd Im Licht. Auch Kari Kraus, so wenig w typischer Jude Ist — selbst Im Acußcren ist er es lium — hat diese jüdische Wärme des Tons und der Leiden- »*»ft für alles Gegenwärtige; alles was lebt. Was einem Wiildkraut das Vatergefühl zu einem mächtige« Urgcfühl 'ttmpcrt, das lebt auch In Karl Kraus, wenn er den Natur- '»sbruch des Negers tiernah' brüllt oder mit Nestroy und Gmunds Sinnenfreude den Körper bejaht In jeder Bc- »tgung. °le Freunde von Karl Kraus mögen diese Bejahung 5« großen Podiumskünstlers nicht als Verneinung des eufischen Menschen und Bekenners betrachten. Aber Kraus »'Künstler in erster Reihe, deshalb bleib» er selbst im [Kenntnis der Porm treu und darum läßt sich der Bc- «tnncr nicht vom Künstler trennen. In der Hitze des Ocfcchts warf man Kraus vor, Ihm raöre n|cjj{s durch dal Lebcn( sondern alles durch die '«itung, E8 S|immt natürlich nicht und doch ists nicht J«k unwahr. Der Zcltmensch Kraus, der Im Mittelpunkt weltpolitischen Ocschch-ns steht, seiner Theorien und J""«; Kampfe, hält den Künstler im Gleichgewicht. Und £ AusKhließllchkelt dieser Lebcnshilfte, der geborene Prorfnaenker und Problcmjongleur, das (st westJQdisch. Das ^«r jüdische Intellektuelle, was nicht Immer ein Schimpf. 2n *u bedeuten braucht. „Die chinesische Mauer" und ^nchts Wort der Fackeljahrgänge beweisen es: die Zeitung, «rtikci iT18'^Angriffsobjekt Ist hier gereinigt. Zeitung». te., ««n Ocgenzweck, zum remen Zweck der wirklich Je pfnßlgcn Presse, wenden sich hier gegen ihn selbst: „ nln"ktc, der Llcbhsberjournallst, aber doch Journalist — <! .Un°0cn. Und nebenher,' Im Tag, Im Einzelangriff — i.,!?/*1 das Temperament, das sich gegen die oft geringe ^fiHifUche wirft mit ganz großem Ocwicht Kari Kraus kämpft, unaufhörlich, unablässig und bleibt doch stark und genußlroh; denn starke Ströme umspülen Pins der Künstler, der Schauspieler, der mehr Ist als nur Gleichgewicht und der darum — Im vorigen Jahr deutlicher — manchem kleinen Angrilf sofort die Spitze nahm. Mit dem, was er diesmal gegen Jcßncr und Fehling sagte, werden viele kaum einverstanden sein. Belm Fest der Handwerker hätte Karl Kraus vielleicht doch eine Einschränkung zum Günstigen gemacht. Er ist nicht nur Olympler für sich, erspricht zur Zelt und er spricht stark zu Ihr. Zur Bejahung der kleinen Teufel des Fleisches gehört es, daß vielleicht auch er, der In der großen Linie unantastbar Ist, Im Klclnkampf selber manchmal „a Wiener" ist — halt aus der Natur. Und der Dialekt — auch der Dialekt des AHzumcnschllchen Ist der geringere Fehler. Ich nehme keinen der Angegriffenen In Schutz — Ich bin nicht Partei — Ich spreche nur für mich selbst und bin mir bewußt, daß Ich das, was Ich sage, noch nicht mit dem Gewicht eines Namens belaste. Ich sehe nur ein Porträt und es heißt: Karl Kraus. Ruth Morold, ÖUeherschau Egon Erwin Klsch, der rasende Reporter. Erich Reiß Verlag, Berlin 1925. Egon Erwin Klsch entstammt einer alten und bekannten T..gcr Judcnfamilic; er ist ein Erbe einer zerfallenen, man könnte sagen dekadenten aber doch noch ihren Stil bewahrenden jüdischen Kultur oder, besser gesagt, Tradition. Mit wachem Kopf und klarem Blick begann er von dort seine Streifzüge durch die Welt; sein Sinn für das Anekdotische, sein Humor, der Blick für das Sonderbare Im Alltag, seine Ocwandthcit der Auffassung, vor allem aber sein menschliches Empfinden machen ihn zu einem Reporter ersten Ranges, und mehr als das. Er Ist kein Sensation»- jäger, aber er sieht durch die verschlossene Hülle unserer mechanisierten Zeit die „verblüffende Wahrheit" die phantastische, absonderliche Wirklichkeit. Seine Abenteuerlust treibt ihn durch die ganze Weiti Von Whitechapel zum Meeresgrund, aus dem Hcizraum des RJescadampfcrs zum Türmer von St. Stefan. Unzählige kleine KahlnettslOeke, hilchst amüsant und zuweilen sogar etwas nachdenklich, sind In diesem Buch vereinigt. Besonders Interessant Ist das Abenteuer Im Präger Ghetto: Dem Golem auf der Spur. Von demselben Autor erschien Im Verlag „Die Schmiede" Berlin, in der interessanten Serie Außenseiter der Gesellschaft „Der Fall des Oencralst.ibsoberet Redl", jenes Spions, dessen Entlarvung und befohlener Selbstmord vor dem Kriege In Oesterreich so viel Aulschcn erregt hat. Das spannende Buch Ist eine gesunde Beleuchtung des Militarismus und des militärischen Kastenwesens, die schließlich das Volksleben unterwühlen müssen. — In derselben Serie •erschien Emst Weiß: Der Fall Vukobrankovics (ein änderst interessanter Olftmordprozcß), Alfred Döblln: Die beiden Freundinnen und der Qiftmord (vom Dichter pathologisiert und analysiert), Eduard Trautncr: Der Mord am Polizei- »Kenten Blau (weniger Interessant wegen der Personen als wegen <lcr Hintergründe). Diese Bearbeitungen bemerkens. werter kriminalistischer Stolle durch bekannte moderne Autoren bilden eine höchst originelle Serie, auf deren Fortsetzung man gespannt sein darf. Josef Popper-Lynkeust „Das Recht zu leben und dlo Pflicht zu sterben''. R. LÖwlt-Verlag, Wien. 3 M. In diesem Werke sind alle Ideen enthalten, die die Grundlage für Popncr-Lynkcus' Lebenswerk bilden sollten. Besonders aber tritt hier die Hauptforderung Popper-Lynkcus', Schulz und Achtung für jeden Menschen als solchen, hervor, ans der die Ablehnung des Kriegszwanges und der Wehr-!(flicht sowie der Aufbau des wahrhaft sozialen Staates, der edes Individuum vor Hunger schützt, unmittelbar folgt. Qe- :rönt Ist diese Orundlagc seiner Weltanschauung von dem herrlichen Kapitel über Voltaire, Popncr-Lynkcus, der liebens- ■vrrte, urjüdlschc Mensch und Denker, tritt uns In dieser Schrift am reinsten und stärksten entgegen. In den kommenden Passahtagen jährt sich zum zehnten Male der Tag des Ablebens des jüdischen Dichters I. L. P c r c z. Aus diesem Anlaß wird auf dem Orabc des Dichter» auf dem Warschauer jüdischen Friedhofe ein von dem Künstler Astzcgo geschaffener Gedenkstein enthüllt werden. Der Jüdische Schrlftstcllervereln ■ fordert die jüdische Bevölkerung Potent auf, den 10. Todestag des Dichters zu feiern. V

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.