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Jüdische Rundschau · 1925-04-03 · Heft 27-28 (3.4.1925) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 27-28 (3.4.1925)
Date
1925-04-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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I C,t»# 9iq TUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 27/28 Palästina und wir Von Rabbiner Dr. Bergmann, Berlin.! Die „J üdlscli-llbcrale Zeitung (Berlin), das Organ der Vereinigung; für das liberale .Judentum veröffentlicht nachstehenden Artikel: . Die Juden In Worms erhielten, wie ein altes Sagenbuch erzählt, zu Esras Zelten ein Sendschreiben, nach Jerusalem zu den Wallfahrtsfcsten zu kommen. Sie aber antworteten, daß sie am Rhein ein neues Jerusalem gegründet hätten und vom alten nichts mehr wissen wollten. Das Ist eine Sage, aber diese Sage gibt eine Stimmung und ein historisches Urteil wieder. Auf deutscher Erde lebten die Juden seit unvordenklichen Zelten, In Köln gab es schon vor secluchnhundert Jahre» eine jüdische Oemelndc. Die deutschen Juden gewannen ihre Heimat Heb, und Worms wurde ihnen ein „neues Jerusalem". Man spricht von der Abschlicßung der Juden In früheren Jahrhunderten., Allein eine solche AbschlieOung hat es nie gegeben. Die deutschen Juden sprachen die Sprache ihrer Heimat und trugen diese Sprache in die Fremde hinaus, als sie, in Deutschland eingeengt, In die Welte zogen und Im Osten eine Zuflucht suchten. Sic gaben der Umwelt etwas von ihrem Oeiste und ließen sich auch von ihr In Sitte und Sittlichkeit beeinflussen und wurden gelehrige Schüler und Nachahmer selbst des deutschen Aberglaubens. Die Mystik des R. Jcbuda Chassld In Regensburg hat viele Berührungspunkte mit der Mystik des Mclstt/s Eckhart. Das Bild von der völligen Abschlicßung der deutschen Juden Im Mittelalter Ist falsch. Viel richtiger urteilt das „Buch der Frommen", das tra 13. Jahrhundert in Deutschland entstanden Ist: „Das Verhalten der Juden richtet sich an den meisten Orten nach dem Verhalten der Christen." Das Zeltalter Mendelssohns hat nicht ein Neues gebracht; sondern nur eine graduell stärkere Beeinflussung der deutschen Juden durch die deutsche Kultur bewirkt Den deutschen Juden galt ihre Heimat als „heilig Und" und Worms als ein „neues Jerusalem". Darin behält das Sagenbuch Recht. Nur In einem Punkte entspricht die Erzählung des Sagenbuches der historischen Wirklichkeit nicht, in dem Punkte nämlich, daß die deutschen Juden nichts mehr von dem alten Jerusalem wissen wollen. Iii der jüdischen Gemeinde zu Worms war oft Not. Allein die arme Oemelndc entfaltete, wie David Kaufmann In seinem Buche über „R. Jatr Chalra Bacharach" erzählt, „eine Wohltätigkeit, die reich genug war, neben dem Elend In der eigenen Mitte auch noch fremdes zu lindern". Man verfehlte nicht, „der Armen Im heiligen Lande zu'gedenken und zu Händen der Kassiere In Frankfurt am Main die regelmäßigen und außerordentlichen Spenden für Jerusalem, Hebron'und Safed abzuführen". „Zuweilen erschien auch ein Sendbote von Zion, der unmittelbar mit der Einsammlung frommer Spenden betraut war." Das grüne Buch von Worms verzeichnet genau die Spenden und frommen Stiftungen, die vom „neuen Jerusalem" nach dem alten regelmäßig abgeführt wurden. Die Geschichtsforschung hat uns vor Jahren ein köstliches Buch über die „Familie Oomperz" geschenkt In Ihm wird der Werdegang und Aufstieg einer weitverzweigten jüdischen Familie In Deutschland geschildert, fn der Wissen und Wohlstand vereint waren und deren Wohltätigkeit „sogar In der an solchem Erbgut nicht armen Gemeinschaft Israels'die .Bewunderung der jeweiligen Zeitgenossen ■hervorrief".' "V6n den Männern urtd Frauen, die dieser Familie entstammten, melden die Memorbüchcr, daß sie Pflcgcstättcn jüdischen Wissens In Ihrer Heimat errichteten und von Ihrem Besitz freudig opferten, um die Armen und'Frommen im heiligen. Lande zu unterstützen. Wenn einmal die Archive der jüdischen Oemelnden in Deutschland der Forschung erschlossen werden, die Steine auf den Friedhöfen zu reden und die aus der Verborgenheit ausgegrabenen Dokumente zu zeugen anfangen, dann werden sie zwar von Druck und Verfolgung berichten, aber auch von der Wohltätigkeit der Armen und Verfolgten, die reich genug war, Segen In der Heimat zu stiften und auch die Oemeinden In Palästina zu bedenken. Als R. Jesaja Hurwitz, Rabbiner in Frankfurt am Main, Talmud gelehrter und Mystiker zugleich, zur Zeit des dreißigjährigen Krieges aus dem ruhelosen Europa nach Jerusalem kam, rief er die deutschen Juden zu Stiftungen für das heilige Land auf und bestellte In allen Oemelnden Spendensammlcr und „Fürsten des heiligen Landes". Freudig folgten die deutschen Juden (einem Rufe.' Auf dem Orabsteln David Oppenheims, der ein Führer der deutschen Juden war, ist zu lesen, daß er füret- Ein indischer Gelehrter Von Max Brod, (Episode aus dem noch unvollendeten Jüdischen Renaissanceroraan „Dawld Rcubeni".) Aus einem Briefe des1 Dichters an die . Redaktion: Ihrem Wunsche, zur Eröffnung der. Jüdischen Universität In Jerusalem einen Beitrag zu schicken, komme Ich gern nach, da ich es als besonderes Olück betrachte, liesen Zeitpunkt mitzuerleben.. Möge jüdische Wissenschaft zu, der,alten Würde zurückkehren, von der ich in nachstehender' Episode aus meinem historischen Roman ein Bild zu entwerfen versuche ... .... Der Vater ist Oelehrter. Für Lebensunterhalt, "ibst Wohlstand, »orgt die Mutter, deren Altelsenkram im Erdgeschoß guten Ertrag bringt Slmwn Lernet, der Sdutlber, so wird der VaAtr In der JudensUdt genannt Er schreibt Thorst-ollcn; mit besonderer Vorliebe aber schreibt er die heiligen Verse für die Teffilln, «lo Denkriemen, die man beim Morgengebet. an d!« ■ Stirn «iwl rechte Hand befestigt — Er schreibt, well es ihm Freude macht, bei Erfüllung eines göttlichen Gebotes behilflich w sein. Den Entgelt seiner Arbeit gibt er den Armen, — "ebc-n dem Zehnten seines Einkommens, dir, ohnehin den A'rorn gehört Sein g&nzcs Leben Ist dem Preise, des Schöpfers gewidmet «Inen Augenblick vergißt er, daß er vor dem König aller K«nlgc steht, dessen Herrlichkeit diö Erde voll Ist Am Morgen erhebt er sich wie ein Löwe zum Dienste °" Herrn. So raten es die Welsen. „Oleichsarn ungeduldig «ent man auf, von Feuer und Kraft, all. wolle man (dle «orgenröte wecken."; Der Verlauf des Jage« ist In den heiligen Schriften pnau vorgeschrieben. Slmson Lerne! kennf den geweihten 'nhalt jeder Stunde. Es gibt nichts, was nicht zu »einer Zelt «eboteo öder verboten! wlre." Hierdurch stsht aBcs im Zu- "»meflbang mit dem Herrn der WiK. >."■'<> liehe Freigebigkeit geübt hat und auch ein „Fürst des heiligen Landes" gewesen ist Als Z'wi Hirsch .Kallschcr In Thorn um die Mitte des vorigen Jahrhundorts in seiner Schrift „D'rlschat Zlon" die Juden zur Kolonlslcrung Palästinas aufforderte, fand er bei den deutschen Juden warme Zustimmung. Es Ist, schrieb er, eine heilige Pflicht der Wohltätigkeit, daß wir unseren Brüdern Im heiligen Lande helfen. Allein Almosen Und Spenden genügen nicht; vielmehr müssen wir unncren Brüdern helfen, daß sie das heilige Land bebauen, ihrer Hände Arbelt genießen und zugleich das dürstende Land erquicken. Die deutschen Juden haben für das heilige Land getan, was ihre Brüder In anderen Ländern auch getan haben. Vielleicht war Ihre Wohltätigkeit um einen Orad noch wärmer, weil sie aus der warmen Hcrzcusfrömmlgkclt kam, durch die die deutschen Juden früher ausgezeichnet waren. Am kommenden Mittwoch, den 7. Nissan, wird in Jerusalem die jüdische Universität feierlich eröffnet. Als einst die kleine Schar der'Vcrbannten aus Babylon nach Jerusalem zurückkehrten, war Ihre erste Tat, daß sie den ersten Orundstcln für das Heiligtum legten. Auch die neue Universität Ist ein Jüdisches Heiligtum; sie soll eine Pflege Stätte jüdischer Wissenschaft w'c rden. An Ihr sollen die Erzieher der Jüdischen Jugend'in Palästina ausgebildet werden Und die Pioniere, die als Helden stiller und entsagungsvoller Arbeit das Land wieder aufbauen werden. An ihr werden die jüdischen Studenten, die der numerus clausus In Ihrer Heimat hart getroffen hat, frei ihrem Studium obliegen können. Vielleicht werden auch jüdische Theologen aus Europa und Amerika zu dieser Universität später wallfahrten, um Im Lande der Bibel die Bibel und den Ursprung und Werdegang des Judentums verstehen zu lernen. Die Ocburtsstunde dieser neuen Jüdischen Lehrstättc kann in unserer Ocschlchte eine Stunde der Onade werden, gleich Jener, in der das Lehr haus zu Jnbne entstand. Die Universität In Jerusalem kann ein Markstein In der Ocschlchte des jüdischen Geisteslebens werden und zur religiösen und geistigen Erneuerung des Judentums beitragen. Es Ist begreiflich, daß am Tage Ihrer Eröffnung I in Herzen vieler Juden historische Erinnerungen und frohe und gehobene Empfindungen wach werden. An dieser Freude nehmen auch viele liberale Juden teil.*) Wir sind in unserem religiösen Denken und Lehen liberal, weil unsere ans der Wissenschaft gewonnene Ucbcrzcugung von dem Werden und der Entwicklung der jüdischen Religion uns dazu zwingt Wir sind liberal, nicht well wir es sein wollen, sondern weil wir es sein müssen. Der religiöse Liberalismus Ist ein Stück unserer Weltanschauung, aber zugleich auch eine Forderung, jüdisches Leben, wo Immer cs waeliscn mag, zu fördern. Nie und nimmer aber kann der Liberalismus gleichbedeutend 6cln mit dem Indlffcrentlsmus oder gar mit dem Willen, neue Enlwlcklungsmögllchkeitcn des jüdischen Lebens, zu stören und zu zerstören. Warum-war cs In früheren Jahrhunderten unsere rcllgl.'ise Pflicht, die frommen AlmoscnempMngcr In'Palästina zu unter stützen, und warum sollte cs nicht von Jetzt an unsere religiöse Pflicht sein, den Juden Im heiligen Laude zu helfen, well sie nicht mehr Almosenempfänger sein wollen, sondern Kolonisten und Arbeiter? Es war mit .unserer Heimatliche wohl vereinbar, daß wir unsere heimatlosen Brüder nach Argentinien und Mexiko beförderten und durch unsere Hlllsverclnc ihnen halfen, daß sie aus Ihrer Hölle Im Osten vielleicht nach einem Fegefeuer fm Westen kommen. Dagegen sollte es mit unserer Liebe für unsere deutsche Heimat nicht mehr vereinbar sein, den Heimatlosen zu helfen, daß sie In Palästina vielleicht eine wirkliche Heimat finden. Ich verstehe nicht, warum die Ehre des Judentums erhöht wird, wenn die Auswandernden Im Ohctto von London nach New York Trödler werden, und warum diese Ehre erniedrigt werden soll, wenn die Auswandernden als Handwerker und Techniker, Winzer und Oärtner in Palästina produktive Arbeit leisten und das „dür- •) fm Original gesperrt Red. „J. R." iib_iuiiiuj_i.-lji_uuj_i-!4_i..u__im. _ti- .u._r.. ..i ULjumnamroK stende' Land" erquicken oder gar als Bauern, auf steinigem aber heiligem Boden säend, das herrliche Lied wieder singen' werden: „Die unter Tränen säen, werden mit Jubel ernten,« Was kann nach menschlicher Voraussicht kommen, daß wir die Erfüllung jüdischer Hoffnungen fürchten müßten? Der weitaus größte Teil der sechzehn Millionen Juden wird auch In Zukunlt außerhalb Palästinas leben. Nur ein kleiner Ucbcr. rest wird zurückkehren. Es wird auch In Zukunlt englische französische, amerikanische und deutsche Juden geben, und! die deutschen Juden werden auch In Zukunft wie bis Jetrt in den sechzehn Jahrhunderten Ihrer Oeschlchte, mit der Liebe für die deutsche Heimat und Kultur die Treue gegen ihr Judentum verbinden und Heimat und Glauben In einem Herzen heilighalten. In Palästina wird vielleicht eine neue Nuance des Judentums entstehen, ein Judentum aus einem Ouß, sagen wir ein „jüdisches" Judentum, das durch die Berührung mit dem helligen Lande seine Schöpferkraft wiedergewinnt und, von den Juden in der Welt gefördert, Ihnen etwas von seinem Oeiste schenken und zu ihrer religiösen und geistigen Erneuerung beitragen wird. Führende Juden In Amerika und England, Männer, die keine Zlonisten sind, haben sich bereit erklärt, In die „JewUh. Agcncy" einzutreten und den Aufbau des heiligen Landes aU Jüdische Sache und nicht mehr als Partclangclcgcnheit zu über, wachen und zu fördern. Es gibt keinen sittlichen Orund, daß die Führer der deutschen Juden und die Liberalen voran, nicht das gleiche tun. Ocwlß ist die Not In unserer eigenen Mitte groß genug, aber die deutschen Juden waren nie hilfreicher und für das Judentum opferfreudiger als In den Zeiten der eigenen Not. Von Zlon ging schon einmal die Lehre aus und aus dem helligen Land« kann wieder die religiöse und geistige Wiedergeburt kommen, die allein die Juden in der Welt von dort ersehnen können.') Die Oeschlchte der jüdischen Gemeinschaft Ist einzigartig, für sie gibt cs In der Welt keine Parallele. Für unser JQdi. sehen Schicksal können wir aus der Weltgeschichte nichts lernen. Nur unsere eigene Vergangenheit ist lehrreich für unsere Zukunft 42ODO Männer, Frauen und Kinder kehrten vor bald zweieinhalb Jahrtausenden aus Babylon nach Palästina zurück. Diese kleine Schar sammelte und schuf die Bibel, ihr verdankt die Welt nicht nur die monotheistischen Religionen, sondern auch die Umgestaltung und Erneuerung der Menschheit und Ihrer Kultur. Die jüdische Universität In Jerusalem ist ein Panier und Wahrzeichen, das die Juden In der Welt zur Hilfe für den Aulhau Palästinas aufruft. Die Eröffnung dieser Universität bedeutet vielleicht den Bcginn einer neuen Epoche in unserem Geistesleben und ist In unserer vlcrtauscndjährlgcn Oeschlchte eine Stunde der Onade, die die Vdrschung uns In einer Zelt seelischer und wirtschaftlicher Not tchenkt Wir wollen der Vorsehung für die Stunde der Onade danken und dem heiligen Lande mit warmen Herzen hellen. Ilebrälsrhe Freilichtbühne Aus Te!-Awlw wird uns geschrieben: An der Schwelle zwischen Tel-Awlw und Jaffa ist ein hebräisches Theater gegründet worden, welches, da cs entgegen anderen Theatern Im Freien, inmitten von Blumen und Hfitimnrt llcgty die erste hebräische Freilichtbühne darstellt Wegen der außerordentlich großen Hitze im Sommer Ist ein Theaterbesuch im geschlossenen Haus nlt schwer erträglichen Strapazen verbunden, und daher können geschlossene Theater im Sommer nur sehr schwach besucht sein. Da nun In Palästina der heiße Sommer mehr als ein halbes Jahr währt, so liegt der Entwicklung des hebräischen Theaters ein starker Hemmschuh im Wege. In der Erkenntnis dieser Umstände hat der Begründer David Haltrecht, der seit einigen Monaten in Tel-Awlw wellt, versucht, ein Theater zu schaffen, das frei von Wänden und Dächern Ist, was ihm nach Uebcrwindung vieler Schwierigkeiten gelungen Ist. — Ein Repertoire des neuen Theaters, das elsva 50) Sitze fassen wird, Ist zurzeit noch nicht aufgestellt, doch hat cs sich zum Programm gesetzt, nur guto werke zur Aufführung zu bringen, und Ist bestrebt, eine Stätte der Kunst, der Erziehung und Bildung zu sein. — Von den Schauspielern Ist vor allem Dawidow hervorzuheben. — Die offizielle Eröffnung findet am 9. April d. J. statt (am 2. Scdernbcnd, den cs In Erez-Israel nicht gibt). •) Im Original gesperrt Red. „J. R." Ist er nicht mit 6clncn Dcnkricmcn beschäftigt, no studiert er. Am Nachmittag versammeln sich 6clne Schüler, von denen einige noch älter sind als er. Denn man schätzt seine scharfsinnigen Auslegungen. Dennoch gibt cs keinen bescheideneren Menschen als ihn. Mit fünfzig Jahren hat er einst begonnen, die Ergebnisse seiner Forschungen niederzuschreiben. Bis dahin ■ hatte er aber nur die Schriften der „Früheren", das heißt der Erklärer vor Malmonidcs studiert, denn er ging sehr gründlich und methodisch zu Werk, wie es dem erhabenen Gegenstand entsprach. Nun schrieb er eine Zeillang sehr eifrig; doch cs war sehr vieles dabei, was die Schriften der „Späteren" längst bekanntgegeben hatten, ohne daß er es wußte. Aus Ehrfurcht wagten Freunde und Schüler nicht, darauf aufmerksam zu machen. Als es dann doch geschah, strich Simson Lemcl ruhig das Geschriebene durch und legte es In die Lade. Keinen Augenblick reute cs ihn, sich auf diese Art fruchtlos abgemüht zu haben. Kannte, er den Begriff des Ruhmes? Und Ist.nicht jede Beschäftigung mit der Lehre in sich selbst höchstes Olück und die eigentliche Bestimmung des Menschen? , So lebt Slmson Lemcl nun schon hm sechzigsten Jahre seiner schlichten unerschütterten Herzensruhe, Er kennt den Sinn seines Lebens und er kennt den Sinn der Welt: Gott zu dienen. Er weiß auch, daß co Myriaden von Geheimnissen gibt und er ehrt diese Geheimnisse, indem er das Joch der himmlischen Herrschaft aul sich nimmt In seiner Mäßigkeit ja Enthaltsamkeit, Ist. er, gleichmäßig heller, doch kamt er, zur Feier des Sabbath». oder der..Freiidcnfeste,, auch kindlich froh ■ werden und seine fröhlichen Stunden sind von demselben Frieden erfüllt wie seine ernsten. Fünf Kinder hat Ihm die Krankheit weggerafft,, nur der Jüngste ist am Leben geblieben, Aber nie, hat, man ein Wort, der Auflehnung oder gar der Verzweiflung aus seinem Munde gehört. .,.,••',' .•. v ..<-',. Nie hat er auf seinem Wege gewankt, nie auch nur Zögern' oder Aufregung verraten .... Karl Kraus Wir sahen gelegentlich des großen Zyklus: „Drei Jahrtausende Jüdische Dichtung" auch Jüdische Schauspieler- Persönlichkeiten. Der jüdische Schauspieler an si:h Ist nicht allein durch Emil Franzos' Pojazz, sondern seitdem durch „die Ocschlchte der Schauspielkunst repräsentiert In Ihren großen Ocstaltcn" Ins Typische gewachsen. Und das Typische hat die Mannigfaltigkeit der Variation nicht beeinträchtigt Jetzt ist wieder einer der großen Schauspieler hier: Karl Kraus. Ich vermute, daß er dliscn Namen oltne Hintergedanken als unbedingten Ehrentitel gelten läßt Abgesehen von seinem Traumtheater, das nur das feinste Fingerspitzengefühl des Instinktiven Schauspielers so schaffen konnte — gehören von seinen ö Vortragsabenden 4 dem Theater uneingeschränkt und wir wissen cs vom vorigen Jahr, daß Karl Kraus hier nicht nur sein Idealer Regisseur Ist, wildern zugleich auch sein eigene? EnsemWt. Der Ucg\s<.t«r ist hier ulcht nur, ein Kapellmeister, sondern er tat auch das große Instrument für alle Stimmen. Und wer ihn hier al* Podiumskflnstlcr aah, weiß es auch, daß er Schauspieler nicht nur der Stimme nach ist, sondern in Jeder Bewegung. Mit einer Bewegung der Hand,« Im Ausdruck des Oesichw und mit dem Befehl an alle Muskeln gibt er seinem Hörer auch die Einheit des Auges, den einheitlichen Willen, das einheitliche Werk.. Kaum cs geben, well er auch Schauspieler Ist, Schauspieler als bildende Hand, Ausführender eines mächtigen Bildners, dem alles zu Oestalt wird, zum BIM, oft genug vcrbund?n durch Musik, die Legitimation der BcschwIngunfT des großen Spiels. Was Karl Kraus durch Kunst und ein Leben Im Kampf als überragende Persönlichkeit Oberhaupt bedeutet, das zu sagen Ist hier nicht mehr nötig. Dafür'steht sein Werk. Ich sprach von Karl Kraus als Typus des Jüdische« Schauspielers. Ich habe als Qcgentypen den deutschen und den südlichen Schauspieler vor Augen. Der Schauspieler des Südens hat die, große geschlossene Oeste, der deutsche Schauspieler .Bild., und , Twigenaulgkcit sofern e{a .reut 10 Des, ' Te!i' 250 , den find dcH' l.cK Ii.it-, Eh1 : Nac «Inf , mit', i 1' i'.. ,i c",. f >';: , «■ y) •>•, ( l

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