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Jüdische Rundschau · 1925-03-31 · Heft 26 (31.3.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 26 (31.3.1925)
Date
1925-03-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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r Kr.* 1UEDISCHE RUNDSCHAU Seite 239 prcö8C8cbau Die meisten Londoner Zeitungen nehmen die Abreise i.rd Balfours nach Palästina zur Eröffnung der Hebräischen [Lyersltät ium AnlaB, um Betrachtungen über die Lage pjlistina anzustellen. Die «nüzionistischc „Mornlngpost" schreibt u. a. in •fcfem Leitartikel vom 24. März: „Die Vorbereitungen, die in ltrU5alcm zum Empfang Lord Balfours getroffen werden, muß L\ unserem Staatsmannvctcran ein Ocfühl der Ironie ausmn. Jc mcnr ein 8,ch ,n cmcr verzweifelten Lage befindet, um so mehr fühlt es sich verpflichtet, nach nullen diu Versprechungen zu machen. Und wir Engländer verbürgen m hier nicht für eigene» Land, nondern für das Land eine» anderen Volkes, das ein Nationnlhclm der auscrwähltcn Kasse sein soll. Wenn ein Volk, das vor 2000 Jahren ein Land verlief), noch heute Ansprüche darauf erhebt, so kann das ^(,1 für ein Zeugnis der Festigkeit der Tradition, aber |Cnwerlich als ein begründeter Anspruch auf j(n Wiedereintritt genommen werden. Selbst wenn die Ziotisten Meiste» des Taktes sein sollten, so wurde noch immer Anlaß zu Unruhe sein. Wir sagen aber eher n wenig als zu viel, wenn wir annehmen, daß den Zionistcn diese Tugend nicht nachgesagt werden kann." „Daily Express" schreibt in einem Leitartikel, die Eröffnung der Universität in Jerusalem geschieht am 1. April, dem Tag aller Narren. Lord Dalfour, schreibt die Zeitung, hat uns alle zu Toren gemacht. Jerusalem ist der letzte für eine politische Demonstration geeignete Ort. Er enthält mehr Explosivstoff als z. B, Dublin. „Wcstmlnstcr Oazcttc" beantwortet in einer redaktionellen Notiz eine Zuschrift des Expräsidcntcn des aohammcdanisch-christlichcn Komitees und Vizepräsidenten des sechsten arabischen Kongresses, Michel ß c r o u t i, sowie eine antizionistischc Zuschrift des Captain üordon C a n n i n g in den Herausgeber. Michel Bcrouti insbesondere versuchte, den Darstellungen Sir Alfred Monds in der „Wcstminster Oazcttc" über die neueste Entwicklung in Palästina entgegennilrcten. „Wcstminster Gazette" bemerkt dazu: In Palästina ist Raum für Juden und Araber, Sir Herbert Samuels Verwaltung kommt den Bedürfnissen und der Entwicklung der Araber mit Sympathie entgegen und fördert ihre politischen und wirtschaftlichen Rechte ungeachtet des passiven Widerttindcs, den die Araber leisten. Die Araber Palästinas sind ein Hirtenvolk ohne Verständnis für die industriellen und landwirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes. Mau darf aber auch nicht, wie Captain Canning es tut, die historische Verbundenheit der Juden mit dem Lande Palästina Ignorieren. * Die „Kölnische Zeitung", das bedeutendste Blatt des Rheinlandes, bringt in ihrer Abendausgabc vom 26. März auf der ersten Seite einen zwei Spalten laugen Bericht von einem nach Paläst ina entsandten Kcdaktlonsnitgiied. Der Aufsatz ist einer der besten und am sachlichsten informierenden, die überhaupt in der letzten Zeit in t!cr deutschen Presse erschienen sind. Er beginnt mit einer Schilderung der unvergleichlichen Naturschönheit des Uulvcrsilätsplatzcs auf dem Oelberg, schildert die vorbeiziehenden jüdischen Arbeiter und Schüler und kommt dann aut die Universität selbst zu sprechen. Er schreibt: , ... "•;,Dcr Zusanttnetitralt de!s,,jüdisthcii-'Volk« 'Iiät sich Wieder bewahrt und verspricht der vielen noch bestellenden Schwierigkeiten Herr zu werden. Mau will eine geistige Krattquelle schaffen, aus der nicht nur der zünftige Gelehrte Khöpfcu kann, sondern auch das Volk selbst. Und man otint, daO durch Ausbreitungen, wissenschaftliche Kenntnisse auch die Möglichkeit materieller Förderung geboten *ird. Für Israel erklären führende Männer der Bewegung, ist «r Krieg mit seinem Haß und seiner Unrast vorüber; hucl könne keine Flotten und Kriegsgeräte abliefern, um ja der Versöhnung mitzuwirken, es wolle alle seine geistigen Krjfte in den Dienst einer aufrichtigen Versöhnung stellen." D»s könnte freilich auch ohne die kostspielige Universität geschehen, aber die Woge des Nationalismus hat nun ein J»l einen großen Teil des Judentums ergriffen. Das „Jü ciidic Nationalhcim" scheint gesichert; "das Judentum setzt »einen Stolz In den Gedanken, daß es nun auch wie alle •sderen Völker eine eigene Hochschule haben muH. aut der 'inrig In der alten Sprache, dem Hebräischen, gelehrt und je'.crnt wird. Wieder Zionismus eine nationale Bewegung ist, und durchaus keine religiöse, so wird >sich die mosaische Religion wenig, fast nichts, in dem Üben der hebräischen Universität bedeuten. Der Ausbau des Religiösen würde in diesem Lande der muscenhaften Sammlung verschiedener Bekenntnisse und Sekten keinen Wider- 'Prudi herausfordern, die Betonung des Nationalen klingt Jwrcnd für diejenigen, die der Zahl nach die Herren des wndes sind, die Araber. Weisheit und Klugheit wird es Würfen, um Klippen und Riffe zu vermeiden. . Mit besonderer Bereitwilligkeit empfangen die an der '■erstclluitg Oes Oebäudes und der Anlagen arbeitenden Herren «n fremden Wanderer, namentlich der sympathische Amcri- «ä«r, Dr. Magnus , Professor Fodor und Dr. M. Wciz• ^,»nnl ein naher Verwandter des Professors Wclzmaiin ^Sciurtig ist alles an diesem Bau. Zunächst dicArbcitcr. *«mt!ich und ausnahmslos Juden, blonde aus Mannheim und 0'func aus dem Jemen; von etwas über 100 sind 00 mit Wclschulblldung, darunter einige Studenten, die in heiligem f« ihren Eltern und der I lochsclinlc entflohen sind. Die "'««•Wcillcn aus Berlin bilden chic besondere Abteilung, die durch fachmännisch tadellose Aufstellung von Maschinen;f Wasserversorgung und -Verteilung, für Erzeugung von Hfl und Oas auszeichnet. Ein Blick aut die Maschinen ft.'"ren uns, daß sie sämtlich deutsche Erzeugnisse sind. i ie A'bcitsfreudigkcit und Findigkeit der jungen Leute wirkt ^'«ifrischend. Vielleicht ist die Neigung zum Ucbcrgang Geistesarbeit zu körperlicher Muskelarbeit eine Reaktion!">Cfin!b des Judentums, das im Zionismus schlicllllch doch cr^eg zur Schaffung eines einheitlichen, geschlossenen jwites sehen muß, in dem man nicht so viel geistige voller bedarf als heute der Hundertsatz des Anteils des Wentums daran bedeutet." U i r Erfasser gibt dann die Daten über die Universität, jn/körper und Einrichtung, Bibliothek, Finanzen usw. und 5°' im Schluüabsatz einen Ucbcrblick über die Rolle de» tof n'en Zionismus und weist hin auf die große Chance «..Deutschland, In der Judensicdlung Kulturelle und '"Hhaftlichc Beziehungen zu pflegen. Nu„Dlc -kölnische Zeitung" bringt in derselben B*£mer <j|c unverständliche Notiz, daß die Araber befürchten, w i/.,w.crd« anläßlich icine» Besuches ein Parlament l£Jüdischer Priponderanz In Palästina schaffen. Was die n,"l«lc alles gebären kannl * „Chemikcr-Zcltun In 10. m'u^" »Chemiker-Zeitung" ff._M«K> erschien ein Artikel von Carl Elschner (Mexiko) (Cötheu Nr. 30 vom a/ ' die chemische'Industrie T0tti Metre. Der Verfasser, und ihre der' sich Möglichkeiten am seit vielen Jahren wissenschaftlich mit der Frage der chemischen Produkte Palästinas beschäftigt und auch an einer englischen wissenschaftlichen Expedition teilgenommen hat, gibt eine Daretcliuug der Möglichkeiten der Ausbeutung des Toten Meeres, sowie der Entwicklung Palästinas in technischer Beziehung. Nach seiner Ansieht kann man durch ein besonderes Verfahren wertvolle Salze und Phosphate in beträchtlichem Umfang gewinnen. In der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" (Leipzig, Anhuwtr. 15) Nr. 10 vom <». März, befindet sich du ausgezeichnet Informierender Aufsatz Uber „Die sanitären Ulli rieh tu tagen Palästinas" von Dr. Leo Ofitzki In Jerusalem. Der Verfasser ßibt nicht mir eine Uebcrslcht Ober die Institutionen der Regierung, der lladnssab, der Krankenkasse, das Pastciir-Instiliit untf den llrglnii der medizinischen Fakultät, noiidcrn ntnli eine Uebcrsieht der wichtigsten palästinensischen Krankheiten mit interessanten statistischen Angaben. * In der Tageszeitung „Haarcz" (Tcl-Awfw) nimmt der Chefredakteur M. Ofücktton Stellung zu den Beschlüssen der Ma rsliall-Konferenz vom 1. März In New York. Lr äußert starke Bedenken gegen den Kurs, der in diesem Beschluß zum Ausdruck kommt. Insbesondere ist er dagegen, dall der Kercn llajcssod der Jcwish Agcncy unterstellt wird. Ferner hält er es für falsch, daß wir durch den Antrag, der Völkerbund möge den Artikel 4 des Mandates im lllnklniig mit der neuen Zusammensetzung tlcr Agcncy ändern, seihst die Möglichkeit einer Abänderung des Mandates in einzelnen Teilen zugestehen und uns dadurch auf ein äußerst gefährliches Gebiet begeben. (In diesem Punkte stimmen wir Glückson bei, während wir schien Kampf gegen die Unterstellung des Kercn Hajcssod für völlig widersinnig halten, A.d.R...J.U."). Glückson schließt damit, daß der Kongreß die Frage zu entscheiden haben wird, und es scheint, als ob wenigstens teilweise die nltc Opposition gegen die Idee der Agcncy wieder aufflackern sollte. Das Programm von Herrn Lipsky, das allerdings einer größeren Öffentlichkeit nur fn kurzen &hl»g- Worten bekannt geworden ist und daher eine eingehende Kritik noch nicht zuläßt, hat in einem Teil der Presse große Aufregung hervorgerufen, weil darin der Vorschlag vorkommt, der Kercn Kajemcth müsse nicht nur statutarisch, sondern auch tatsächlich der Exekutive unterstellt werden, und es müsse eine Vereinheitlichung der Sammclmittcl angestrebt werden. Das Hauptbüro des J. N. I". in Jcrumlrm scheint mit großem Elan seine Abwehr dlciics vermeintlichen Angriffes zu organisieren. Die palästinensischen Zeitungen veröffentlichen wie auf Kommando f.ingo polemische Artikel gegen Lipskys Programm. Auch „Haarcz" bringt einen vier Spalten fangen Leitartikel, in welchem die Bedeutung des N. I*. dargelegt wird und davor gewarnt wird, dieses wichtigste Instrument unserer Kolonisation in neue Experimente zu verstricken. Qcwlß ist vieles von dem Gesagten richtig, man muß sich nur wundern, daß gerade von einer Seite, die sonst so ängstlich über die Autorität der Zionistischen Organisation wacht, in diesem Punkt anderer Meinung zu sein scheint. Das Zentralorgan der amerikanischen Zionistcn „The New Palcstinc" veröffentlicht in seiner Nummer vom 13. Marz ein Interview mit Dr. Alfred Landsberg über den Zionismus In Deutschland. Dr. Landsberg macht darin Angaben über die heutige Leitung des deutschen Zionismus, die deutsche Chaluzbcwcgimg usw. Das EltklrlzllSlswerk In Tiberlas Der Üau des Ecktrizltätswerkes in Tibcrias, der vom Solef Bon eh ausgeführt wird, geht seinem Ende entgegen. Das Elektrizitätswerk befindet sich aut einem der schönsten Flecken Tibcrias, angrenzend au Klrjnth Samuel, mit Ausblick auf den Kincrclh-Scc und das Gebirge. An dem Betonbau, der vor drei Monaten in Angriff genommen wurde, sind gegen 50 Arbeiter ständig beschäftigt. Dieser Tage soll mit der Installierung der Maschinen und der Autstemmt» der Lcitungsmostcn begonnen werden. (Ziko.) Eise Laudwlrlschallllche Ansslellnng Ii Jalla Am 20. Mal 1925 soll In Jaffa eine landwirtschaftliche und Gartenbau-Ausstellung stattfinden. Ausgestellt werden! Zcrcalicn, Futter, Zitrus- und andere Früchte, Vcgctabillcn, Milchprodukte, Honig, eingemachte Früchte und Vcgctabillcn, Oclc, Seifen, Blumen, Sträuchcr, Ocflügel, Pferde, Maulesel, Esel, Schafe, Ziegen. Auch für landwirtschaftliche Maschinen, Düngemittel, Produkte der landwirtschaftlichen Industrien, Samen usw. ist Raum vorgesehen. Im Anschluß an die Ausstellung findet eine Prämierung statt. Weitere EinzcUtcitcn sollen laut „Commcrcial Bulletin" noch mitgeteilt werden. Kleine Nachrichten Wie der „Haarcz" berichtet, wurde als Termin für den Prozeß Dr. Rupplns gegen den „Doar Hajoin" der 15. April festgesetzt, Wie der „Haarcz" berichtet, hat die palcstlnensfoche R c g l c r u n g bei Ben Dow in Jerusalem einen Palästinafilm für die Ausstellung in Wcmblcy bestellt, der hauptsächlich Naturaufnahmen enthalten und die Schönheiten Palästinas vor Augen führen soll. Das beim Waad Lcuml gebildete Komitee für Alllah- Fragen hat an die Juden In Jaffa und Tcl-Awiw einen Aufruf erlassen, in dem für die Durchführung der Kampagne für den Alijah-Fonds bestimmten Tagen vom 12. bis 17. Adar eine der Wichtigkeit des Zweckes angemessene OpfersvIIIIgkelt an den Tag zu legen. Der Merkns der Zionistischen Organisation in Bcßnrnhlcn hat an Stelle von Dr. Bcrnstcln-Kohan, der nach Palästina gereist Ist, lug. Göttlich zum Präsidenten der bcßnrablschen Zionistischen Organisation gewählt. Auf Initiative der hebräischen Kulturgcscllschaft „Tarbuth" hat der polnische Unterrlchtsmlnlstcr verfügt, daß den Jüdischen Scnulcn gestattet werde, am Tage der Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem Schulfeiern zu veranstaltcn und den Unterricht ausfallen zu lassen. Anfang April werden die neuen Palästina-Postm'arkcn ausgegeben werden. Ocphutt sind 26 verschiedene Wertzeichen, deren Werte In der neuen palästinensischen Valuta (Dinar, Schckel, Drnchma und Pruta) lauten werden. Seit dem 1. Juli 1924 wurden In den verschiedenen Ländern 25O 000 J. N. F.-Bflchscn verteilt, d. h. fast ebensoviel Wie in all den Jahren seit dem der J. N. F. diesen Sammclzwcig aufgenommen hat. Das palästinensische Amtsblatt veröffentlicht die Budgets einiger palästinensischer Städte. Danach betragen die Einnahmen von Jaffa im Budgetjahr 1924/25 £E 43,642 und die Ausgaben £E 42.833, die von Tcl-Awiw £E 40.750 resp. £E 40.066. Ramich und Ludd haben Einnahmen und Ausgaben von Je £E 8.667 resp. 6.253. Der Direktor der Orient-Abteilung de? Viktoria In Berlin, Allgemeine Versicherungsgesellschaft, und der Viktoria-Feuervcrslclierungsgcsellschaff, D. Cohen, wellt. laut Commerelal Bulletin, gegenwärtig in Palästinn, um die palästinensische Agentur dieser Gesellschaften wieder einzurichten. Am 4. März fand In Tcl-Awiw die feierliche Orimdstein- Icgung für ein eigenes Haus des „Haaret" statt. . Halleillassangen Im Stelgerproze& Lemberg. (J.T.A.) Vor mehreren Wochen wurden In Lemberg vier angesehene Lcmbergcr Bürger Olasermann, Münz, Jäger und Korn Iiabcr, welche führende Stellungen im jüdischen öffentlichen Leben einnehmen, unter der Beschuldigung verhaltet, daß sie im Wege der Bestechung versucht hatten, den auf den Jüdischen Studenten Stanislaw Steiger fallenden Verdacht, einen Attentatsversuch gegen den Staatspräsidenten Wojcicchowskl unter, nominen zu hnbcii, auf andere Personen abzulenken. Obwohl gegen sie nichts vorlog als die Aussage eines Polizeispitzels, der sich ihnen mit provokatorischen Absichten zu nähern wußte, wurden dlo vier Bürger längere Zelt In Haft behalten. Nunmehr hat das Lemberger Appcllatlonsgerlcht ent- , schieden, daß die vier Bürger gegen eine Kaution von insgesamt 35000 Dollar aus der Haft entlassen werden. Die Enthafteten wurden bei Verlassen des Gefängnisses von zahlreichen Lemberger Bürgern beglückwünscht. Oer Prozeß gegen Stanislaw Slclgcr soll schon in der ersten Hälfte des Monats April stattfinden. Massenverhallung von Jaden In Foeaanl? Wien. (J.T.A.) Aus Buknrcst litt hier die Meldung eingetroffen, daß nm 23. März in Focsanl 22 Juden verhaftet wurden unter der Beschuldigung, am Tage des jüdischen Pogroms eine Sclbstwchrorganlsatlon gebildet zu* haben. Vereiilgnog der IQdlichen Jogeniorijantsatlonen In Frankreich Paris. (J.T.A.) Dieser Tage fand In Paris eine Versammlung von Vertretern verschiedener jüdischer Jugendvereine Frankreichs statt. Es wurde die Gründung einer Union der jüdischen Jugcudvcrcinigungcn beschlossen. Die Union wird sich mit der Förderung der Jüdischen Kultur und Erziehung in Frankreich befassen. Der Professor au der Sorbonne Victor Bäsch hielt ein ausführliches Referat über die Zukunftsaufgaben der Union. Bis jetzt haben sich die folgenden fünf Vereinigungen zusammengeschlossen: „SchemaU Israel", „L'Union Universelle U Jcunnc Julvc" (Laudcsgruppc des Wcltvcrbandcs der jüdischen Jugend), „l'Union icolalrc" (Schulgcscllschafl), „le Ccrcle salonisien" (Künstlergruppe) und „la Jcuncssc brachte liberal" (liberale israelitische Jugend), Mehrere andere Jugcndvcreiuigungcn haben Ihren Anschluß an die Union angekündigt. Bcrulsumscblclitunfj der Jaden Die Gesellschaft „Ort", Abteilung Deutschland, und der „Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands", die sich vor kurzem zu einer Arbeitsgemeinschaft verbunden haben, veranstalteten Im Logenhaus, Kleiststraße, einen Vortragsabend. Dr. Felix Thcllhabcr besprach die zwei großen Faktoren, die das Wirtschaftsleben der Juden Im heutigen Deutschland bedrängen: einerseits die kapitalistische Entwicklung, die zu einer moralisch und hygienisch ungünstigen Zusammenballung der Juden In den Großstädten führt, wobei gleichzeitig die kleineren und mittleren jüdischen Existenzen prolctarisiert werden; andererseits die antisemitischen Bovkolt-Tciulcnzen in der deutschen Wirtschaft. Die Zeit dränge somit von selbst auf die von der Arbeitsgemeinschaft ausgegebene Parole der Berufsumschichtung; insbesondere gilt es, die jüdische Jugend der Landwirtschaft und dem Handwerk zuzuführen. — Dr. A. Singalowsky wies in einem historischen Exkurs auf ein eigentümliches Zusammentreffen hin: Der Gedanke der Bcrufsumschlchtung ist zuerst im westeuropäischen Judentum — in Frankreich nach der französischen Revolution — aufgetaucht, Ist dann nach Deutschland gewandert, wo Ihn der „Verein für die Gcschlchle und Wissenschaft des Judentums" Ideologisch vertrat, und ist schließlich durch die Aufklärimgsbcwegung In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Osteuropa gelangt, wo er in Rußland seine Verkörperung In der Gestalt der Im Jahre 1880 gegründeten Gesellschaft „Ort" fand. Durch die Orfindung der Arbeitsgemeinschaft gewinnt es nunmehr den Anschein, als träfen die beiden Ströme wieder zusammen. Der Redner illustrierte dann mit Zahlen den Zusammenbruch der osteuropäischen Wirtschaft Im letzten Jahrzehnt und formulierte die gegenwärtige Lage mit den Worten: „Dem Volke, das meistens vom Kleinhandel und den vom Mittelalter her übernommenen kleinstädtischen Beschäftigungen sich ernährte, ist die Welt?u eng geworden. Der jüdische Kleinhandel ist überflüssig geworden, die Völker brauchen lim nicht mehr, die Länder Osteuropas wollen ihn nicht weiter dulden. Das wirtschaftliche Schicksal dir Ostjuden wird durch zwei allgemeine Erscheinungen bestimmt: 1. die Vorherrschaft der Agrartcndenzcn in der Politik der osteuropäischen Regierungen, was zur Vernachlässigung der Interessen der städtischen Bevölkerung führt, 2. die genossenschaftliche Bewegung, die In manchen Ländern von den Regierungen aus sozialen Motiven, in anderen aber nus offensichtlichen antisemitischen Motiven gefördert wird. Dies alles hat In den jüdischen Massen einen Drang nach neuen Erwerbsquellen erzeugt. Dr. Slngalowsky schilderte die bisher geleistete Arbeit der Gesellschaft „Ort", die in drei Gebiete zerfällt: 1. Wiederaufbau des Handwerks, 2. Vcrsorgung der Landwirtschaft mit Maschinen und Kredit, 3. berufliche Ausbildung der Jugend. Der Redner schloß mit den Worten: „In der Arbeit liegt unsere Zukunft; die Arbeit wird unser Blut verjüngen, unseren Geist stärken und unser Ansehen unter den nlchtjüdlschcn Bürgern heben." Im Namen der Jüdischen Ocmclndc und des jüdischen Ilandwcrkcrbunde» sprach Herr Willy Markus, Im Namen der Oroßlogc U.O.U.B. Herr Saultutsrat Ooldschmldt, ferner der Vorsitzende des Ccntral-Vcrcins deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens Herr Justizrat M. Brodnitz, Herr Clkeles für den Rcichsbtind jüdischer Frontsoldaten, Herr S. Rudel für das Arbcitcrfürsorgcamt, Dr. Nathan für „Hcchalu«", Dr. N c u m a n n für den Dcutsch-lsraclitischcn Gemclndebund. Alle Redner erklärten sich bereit, mit der Arbeitsgemeinschaft zusammenzuwirken. Zum Schlüsse wurde von der Versammlung einstimmig eine Resolution angenommen, In der die deutsche Judcnheit aufgefordert wird, die Bestrebungen der Arbeitsgemeinschaft ideell und materiell iu unterstützen. Ferner wurde beschlossen, •Ich an den Preußischen Landesverband jüdischer Oemelnden mit dem Ersuchen zu wenden, die nötigen Mittel durch dl« Gemeinden aufzubringen.

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