Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1925-03-20 · Heft 23 (20.3.1925) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 23 (20.3.1925)
Date
1925-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2652691-2652714--17244-3518094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1 'l I I 1 Kf # TUFDISCHE RUNDSCHAU Seile 207 Die Alternative Von Adolf Belum, WUn. per hochlntcrccsantc Artikel von Senator Dr. Ringel fjr, 20 dieses Blattes behandelt die uns jetzt ntn eisten bewegende Frage, ob unser nationales und ethi-!hcs Ideal durch die neue Einwanderung und die durch j{ bedingten Erscheinungen bedroht' ist oder nicht, tfenn man auch dem Autor in seinen Gedankengängen •(Kach beistimmen kann, so sind sie doch zu wenig lonkrct. Es handelt sich uns aber darum, was jetzt 0 tun Ist. Dr. Ringel sr~'.: „Die Wellen der neuen Alijah i0llCn unbehindert nach Palästina einströmen, selbst auf |t Gefahr hin, daß .In Stück des Qaluth mitgeschleppt ^fd» Da die Einwanderung .der Chaluzlm erstens ^schränkt ist durch die vorhandenen Arbeitsmöglichkeilen, gleichgültig ob das Zertifikatssystem weiter beiden bleibt oder ob die Tore des Landes geöffnet »erden, und zweitens diese Einwanderung keine natiojilcii Ocfahrc.i mit sich bringt, so kann mit jenem Satz ,gr jene nuch heute nicht beschränkte Einwanderung 0 Mittelstandes, der im Besitz von einigen hundert plwul Ist, gemeint sein. Es kann sich un3 also gar nicht um die Frage der freien Einwcndcrung handeln, wenn es um Schutz der Monistischen Ideale geht. Niemand im zionistischen Ligcr denkt im entferntesten daran, die Einwanderung östlich zu hemmen. Wenn aber Dr. R'njel melnf, daß nur erst einmal ii Juden in Masse in Palästina sein müssen, dann werde itt Einfluß der Schule und der einer'Auslese von idca- Sstischcn Menschen die Qcmcinschaft schon auf den richtigen Weg bringen, so müssen — wenn er auch von Oesetzen, die schon jetzt mit Hilfe der Jcwish Afjcncy eingeführt werden können, spricht — einige Scdcnkcn gegen diese Anschauungen erhoben werden. Zunächst ist die Vorstellung, daß eine Masscncin- «jnderung, selbst von Leuten mit etwas Kapital, ökonomisch möglich ist, keine haltbare. Welche Basis hat die Einwanderung dieser Elemente? Es ist ganz klar, daß die heutige Entwicklungsstufe von. Landwirtschaft, Ißdustrie, Handel und . Verkehr eine Basis für Massen-;j eimvanderung nicht bieten kann. (In Paranthcsc sei g;;agt, daß eine Einwanderung von 2—300D Menschen im Monat, wie sie letzt bestenfalls vor sich geht, zwar relativ sehr hoch ist, aber durchaus keine Ma-.scncinwandcrung darstellt.) Wie werden also die Möglichkeiten für die bestechende relativ hohe Einwanderung gc- «hallen? Zum großen Teil dadurch,, daß mit den Menschen auch fortwährend kleines und mittleres Kapital einströmt, das teils Investiert, teils verzehrt wird. Nur dadurch ist dlo Bodenspekulation,: 6ind„ die Verdienste « dieser möglich, die' abcr-itcilwclM im Lande nur Ccid aus einer Hand in die andere bringen, teilweise solches aus dem Ausland in palästinensisches Kapital verwandeln. Das Bauen von Häusern ist gleichfalls nur durch Einströmen von Kapital möglich, die geschaffenen Werte werden mit der Zeit, wenn das Hypothckcnwcscn ausgebaut sein wird, wieder durch neues ausländisches Kapital (Pfandbriefabsatz) (lottant werden. Der Hausbau gibt Arbeit, die einströmenden Menschen konsumieren «w. Es ist sehr leicht möglich, daß dieser Prozeß iwh lange weiter geht, wegen des ungeheuren Palästinad'angcs der Juden, die sie alle wirtschaftlichen Ucbcr- Isgungcri in den Wind schlagen läßt, nur um frei leben u können. Jedenfalls aber werden in den Städten die i-irncr mehr steigenden Bodenpreise die Anforderungen "i das mitzubringende Kapital steigern und daher diese Att Einwanderung drosseln, ebenso jene, die ous Menschen sich zusammensetzt, die nicht bauen, sondern in Miete wohnen und Kleinhandel usw. betreiben. Weitere Anreize für die Einwanderung werden aber immer wieder geschaffen werden. Der Bau des Hafens von Haifa durch auswärtiges Knpllnl z.B. wird wieder Einwandcrungsmöglichkcitcn Iii der geschilderten Art schaffen und r.o wird es sicher, irgendwie weitergehen. Dazu kommen die ßtcigciulen Vcrdiciislmögüchkclten, durch den Immer größer werdenden Tpurlstcnstrom. In der Landwirtschaft ist eine solch sprunghafte Entwicklung nicht möglich. Dnrüb:r ist ja weiter nichts zu sagen. Wenn es auch hier manchmal Oclcgcnhcit gibt, die Produktion und die Zahl der Bcschäfligungsinöglichkcitcn rasch zu vermehren, wie beim Tabakbau, so sind diese Fälle selten. Im allgemeinen verringert sich mit dem raschen Wachstuni der Städte der Prozentsatz des landwirtschaftlichen Anteils an der jüdischen Bevölkerung rap'd und die „Basis" wird immer kleiner. Die Konsumkraft der Städler kommt Immer mehr den nichfjüdischcn Lrndwirtcn zugute, stärkt ihre Position, macht schließlich den jüdischen Jischuw zu einem städtisch-industriellen Ucbcrbnu über eine .zu B/i« arablsehe Landwirtschaft. Ich will die Phrase, daß damit dieselben Verhältnisse, .wie im Oaluth geschaffen wüidcn, nicht wiederholen. Denn selbst wenn es so käme, so wäre die politische, ökonomische und kulturelle Starke der Juden in Palästina groß genug, um ihnen eine Eigenkraft zu geben, wie nirgends sonst in der Diaspora. Aber was da entstände, wäre keine jüdische Heimstätte, sondern eine gewisse jüdische Machtposition. Wird es aber so kommen? Können wir bei der oben skizzierten Art der ökonomischen Fundlcrung erwarten, daß diese eine auf die Dauer haltbare ist? Ich glaube, daß eine ungesundere Art des Wachstums des Jiüchuws nicht denkbar ist. All das Ist zum großen Teil künstlich und muß früher oder später zu großen Krisen führen. Ockonomisch schwebt ein großer Teil dieses Mittelstandes in der Luft, sein: Existcnzinögllchkeit Ist nicht gegeben. So viel Raum ist bei der heutigen wirtschaftlichen Stufe Pnliistinas schon jetzt nicht da, um auch nur den sehen vorhandenen Mittelstand, namentlich bei den unerschwinglichen Mieten und sehr hohen Lebenskosten, zu ernähren. In Tel-Awiw gab es im September 1924, also vor der „großen" Mittelstands« cinwanderunjj 369 Ladengeschäfte und 215 Marktbuden und Kioske. Ruppin hat kürzlich an dieser Stelle ausgerechnet, daß auf 60 Einwohner ein Lebensmittelgeschäft kam! Alte eben angeführten Momente, die für ein zeitweiliges Fortdauern der Mittclstandsclnsvanderung sprachen, werden doch nicht ermöglichen, daß für sie in ihrer ganzen Ausdehnung Existcnzniftglichkcltcn vorhanden sein werden. Und deshalb wird es gar nicht so lauge dauern, daß sich für einen Teil dieser Einwanderung der Mangel einer Exlstcnzmögliclikcit herausstellen wird. Mit diesen Ausführungen soll dargelegt werden, daß wir in der-Praxis gar nicht vor'der Alternative „Massencinwanderunj" oder „Idcalstaat" stehen und uns daher diesbezüglich gar nicht zu entscheiden haben. Denn eine Einwanderung von wirkliche« „Massen" wird es in Palästina in den nächsten Jahren nicht geben und nicht geben können. Wenn besonders günstige Umstände die Einwanderung selbst auf 30—4OO0O Im Jahre steigern sollten, so sind das keine Massen. Das heißt aber, daß es für uns.kein aut-aut gibt, sondern daß wir trachten müssen, auch bei der gesteigerten, aber absolut genommen, nicht hohen Einwanderung unsere sozialen und nationalen Ziele durchzusetzen. Das ist gar keine unmögliche Aufgabe, und die gestiegene Einwanderung stellt uns nicht vor unlösbare Aufgaben. Ja noch mehr, und dies ist ein Punkt, der diese ganze Alternative als eine nur scheinbare auch im theoretischen Sinne nachweist: Die Kapazität für die Aufnahme der Einwanderer Palästinas wächst mit der Durchsetzung unserer Gcmeinschaftszicle. Dies kann an einem und zwar dem wichtigsten Beispiel leicht gezeigt werden. Wenn wir die Boden. Spekulation verhindern könnten, so würden viel mehr Juden einwandern können, was ohne nähere Erläuterung jedermann verständlich Int. Aber darüber hinaus wären durch billigere Mieten die Arbcltskosten niedriger, die Leistungsfähigkeit aller produktiven Berufe größer und auch dadurch die Kapazität Palästinas für Unterbringung von Einwrndcrcrn bedeutend erhöht Es ist also um. gekehrt: Je mehr wir unsere nationalen Ziele durch, setzen'werden, desto höher können die Einwandcrungs- Ziffern steigen. Ich möchte hier einschalten, daß die Nicdrighaltung der Mieten nicht allein durch die Bodenpolitik ^erzielt werden kann. Denn wenn sclb.it der K.K.L. alles städtlsehe Qcländc besäße und in Erbbaurecht vergeben würde, so bliebe in einem Lande, wo die Elnwnndcrungszunahinc auf lange Zelt hinaus die Nachfrage nach Wohnungen weit über das Angebot steigern muß, die Tendenz 2ur Mieterhöhung bestehen. Ergänzend müßte daher eine städtische Wolinungspolitik geführt werden, bei der durch geeignete Stenern der Munkipicn ein Fonds angesammelt wird, durch den die Gemeinde selbst Wohnungen zu bauen In der Lage sein würde. Gänzlich wird sich auch dadurch die Steigerung der Mieten nicht eindämmen lassen, aber sie wird sich in engeren Grenzen halten lassen. Aber selbst wenn es richtig wäre, daß die Alter« native: Massencinwandcrung oder Idealstaat bestünde, so wäre es doch jedenfalls klar, daß es das Bestreben jedes Zionlsten sein müßte, im Sinne der nationalen Ziele zu wirken. Dies wäre auch unsere Funktion in der' Jcwish Agcncy. Das betrübendste an der heutigen Situation ist gar nicht die Bodenspekulation au und für sich, die — solange nicht geeignete Mittel gegen sie gefunden und angewendet werden — eine unausweichliche Folge der starken Einwanderung ist, sondern daß sie auch von manchen zionistischen Kreisen, die sich über jede Art „Verdienen" in Palästina freuen, nicht ungern gesehen wird, ja daß auch Zionistcn unter ihren ' Nutznießern sind. Diese Erscheinung, und nur diese allein, ist dasjenige Moment, das uns mit Skepsis er« füllen muß. Wo soll sich die Kraft finden, die Gemeinschaftserfordernissc durchzusetzen, wenn von führenden Zionistcn gegen sie gehandelt wirdl Bei Haifa, das noch zukunftsreicher ist, als Tel-Awiw, hat eine zionistische Gesellschaft 80 000 Dunam gekauft. Mit dieser Fläche, oder mit einem Teil davon, könnte der K. K. L, ganz Bedeutendes gegen die künftige Bodenspekulation in Haifa leisten. Aber es ist nach dem heutigen Stand der Dinge sehr unwahrscheinlich, daß er von der zionistischen Gesellschaft einen Teil des Bodens erhallen wird. Ich muß gestehen, daß mich der ganze Streit um die "Jcwish Agcncy sehr kalt gelassen hat, aus Gründen, die aus obigen Ausführungen hervorgehen. Wenn gesagt wurde, daß unsere nationalen Ziele durch die Heranziehung der Nichtzlonistcn zur Jcwish Agcncy, gefährdet sind, so muß ich fragen: und durch die Zionistcn nicht? Sind wir wirklich noch die Hüter dieser Ziele, wenn Zionistcn mit Boden spekulieren und dadurch die Grundlage unseres ganzen Siedlungswcrkes den Boden, der von vornherein nicht reichlich zugemessen ist, maßlos verteuern? Wir stehen an einem kritischen Punkt der Entwicklung. Und deshalb ist es meines Erachtens nicht richtig, im engsten zionistischen Kreis eine Art laisscz passer zu vertreten. Ocradc das Gegenteil tut not. Allen Zionistcn muß die ungeheure Vcrantwor« tung klar gemacht werden, die auf ihnen ruht Wir dürfen nicht aufhören zu versuchen, in unseren eigenen Reihen das moralische Verantwortungsgefühl zu stärken und gegen ungesunde Erscheinungen anzukämpfen. Es , 1 .'; :fl < t ■ ' , ■ " » Tod elaes Ittdisclico Gelehrten In Madrid . Ein Telegramm aus Madrid meldet, daß dort der jüdische ™'t und Kmturhlätorikcr Dr. Philipp Häuser im Alter von »Jahren gestorben Ist. Dr. Häuser begab sich im »Jahre 1838 F> Auftrage des Barons Salomon v. Rothschild na.-h Tctuan 0Marokko als Arzt der dortigen jüdJ sehen Qcmeindc. der Krieg zwischen Marokko und Spanien ausbrach, kam P'-Häuser pach Gibraltar. Im Auftrage der Alliancc Israelis I?' « während der schwierigsten Zeit von dort aus die Wlcgnng der Juden in Marokko mit Hilfe eines einfachen %W.iinnfcr8 durchgeführt. Im Jahre 1872 gin;z Dr. Häuser ,?th Sevilla, wo er sich in der Folge aU Arzt einen grollen ""nen machte. Später 11:1) er sich In Madrid nieder, wo er 7,1!8fl3 bis zu seinem Tode seine ärztliche Tätigkeit aus- Die Stadt Madrid verlieh Ihm das Bürgerrecht und er 3>etc ihr seine wertvolle, aus 3400 B.Hmicn bestehende Irf-hck. Er veröffentlichte eine ganze Ucihe von wissen- J^lt!:hcn philosophischen Werken, die ihm die Ernennung <3 Korrcsnondenzmitglicdc der französischen Akademie der "."«nschaften einbrachten. Oroßcs Aufsehen erregten seine fi "sophischen Publikationen „Lcs Orcrs et le* S-m'ci dans '«Moire de l'Humanltc" und „L'Evolutlon Intcllcctuclle et »cuse de l'Humanltc". Die Stadt Sevilla benannte eine Mr»2c nach ihm. Im Ein Vorlauter des Zionismus kim itOoldlngcnschcn Anzeiger" vom 20. August 1838 Cn\,wir clncn dcr »frankfurter Zeitung" entnommenen 5* Yorker Bcilcht folgenden Inhaita: Tj^ntcr den Passagieren der .Angoria', welche vor einigen nach rjlasgvw absegelte, befand slrh der bekannte W ertnon Sivcrtha aus Chicago, welcher eine Be- *lf ,nK zur Wlcdcraufrichtung Palästinas ins Leben ruten »Iii». w Amerika und England schon zahlreich; Enthu- S*I«n gefunden hat. Dr. Slvertha ist kein Phantast, kein Min» r» »ondern ein ruliigjr, weitsichtiger und prak'.bchcr in w glaubt nicht, daß die Gründung eines neuen Reiches «Irl. st:fl* durch ein Mirakel zu geschehen hlttc und Ä M, daß die Israeliten aus, allen .Lindern vorläufig /» der Bevölkerung des neuen. Laade» - Uetern würden. Er hat tiefe Studien über den Ocgcnsland gemacht tmü fertige Pläne zur Ocwinnung, Bevölkerung zum Aulbau von Städten, darunter der Restauration Jerusalems nach England mitgenommen und hofft, gcslflt't auf seine Argumente, schon Im Herbst einen grollen Erfolg für seine Sache zu erzielen. Sobald der Grundstock zur Bevölkerung gelegt Ist und c.nc genügende Zahl von Ansiedlern vorhanden, Intft er, dali die Großmächte den Staat als neu trat und unabhängig erklären werden, wie In den füllen der Schweiz und Belgiens. Dr. Sivcrtha sagt, daß bei ciinm Territorium von der Oröllc Groll- Britanniens und mit jeder Varietät In beziig auf das Klima, das neue Lnml hol richtiger lichniidhmg nn l'ronpcrlt.'lt mit Südltalicn rivalisieren könnte und prophezeit daher, das Tai des Euphrats, „di? Wiege der Menschheit, werde« noch einmal wieder der Sitz lebensfreudigen Schaffens und friedfertiger Glückseligkeit werden", BOcherschau Studics in Judatsm. 3. Scries. ßy S. Seh echt er, M. A., Litt. D. Philadelphia, Jcwish. Publ. Soc. 1024. Wer die ersten beiden Bünde der „Jüdischen Studien" des großen Forschers kennt, der wird mit Erwartung und wehmütiger Freude auch diesen dritten Band begrüßen, dessen Veröffentlichung wir in erster Reihe seiner getreuen Arbcitsgcnossln, der Gattin, verdanken. Der Freund und der Sohn Schcchtcrs, Prof. A. Marx und Frank J. Schcchtcr, haben gemeinsam die Herausgabc besorgt, die teils schwer erreichbare,, teils überhaupt bis Jetzt ungedruckte Essays des geistvollen Mannes In dankenswerter Form vereinigt. Ein« zclnc Aufsätze, die. Schcchtcrs großer Entdeckung, der Schatzkammer hebräischer Manuskripte In Kairo (Gcnlzah) gewidmet sind und sich vornehmlich an den Fuchmann richten, behielten die Herausgeber einer Sondcrveröffcntllchung vor; im vorliegenden Bande dagegen faßten sie,, dem Charakter seiner beiden älteren Brüder entsprechend, alle jene Vorträge und Aufsätze zusammen, in welchen Schcchtcr, der Laienprediger, wie er es so gerne tat und In unnachahmlicher Welse verstand, Ergebnisse der Forschung, — der eigenen wie der fremden — einem größeren Kreise zugänglich machte. Wir haben In unserem deutsch-jüdischen Schrifttum — vielleicht seit des alten Stclnthals „Ucbcr Juden und Judentum" — kaum ein Buch, dessen Gelehrsamkeit so anmutig und dessen Anmut so gelehrt zu nennen wäre. Ocwiß zeigt einzelnes die fragmentarische Forin des vorzeitigen Abschiedes — so besonders die Vorlesungen über „Jüdische Philanthropie", mit denen Schcchtcr sich Im Icl/.lcn Lebens, wlntcr, ja in den letzten Stunden vor seinem Tode noch be« "chüfligle. Anderes, wie z. B. der Eliigangsaufsnlz „Jüdische Heilige hu mittelalterlichen Deutschland", zeichnet mit alter Meisterschaft In knappen Strichen die Oninduntcrschicde zwischen Scplmrdlm und Aschkcuasim und reiht sich würdig den großen Arbeiten der beiden ersten Binde an. Und der gerecht abwiigende Aufsatz über Abraham Oclgcr gibt nicht nur eine gedrängte Charakteristik der deutschen Judcnhcit im 19. Jahrhundert — er wird zu einem Bekenntnis, ja fast zu einem Testament Salomon Schcchtcrs selbst. Dr. Bertha Badt-StrauD. Wilhelm Herzog. Im Zwischendeck nach Südamerika. Mnlik-Vcrlag, Wien 1024. Der erste Teil des Buches lüßt uns einen Blick tun in die furchtbaren Verhältnisse und Schicksale des Emigrantentums. des Auswandcrcrtrnnsportcs, der Ausbeutung Verzweifelter; der zweite Teil erzählt die Erlebnisse des Verfassers bei seiner Landung in Argentinien: Er wurde, infolge von Denunziationen als Sowjet-Spion, ins Gefängnis gcworlca und nach einigen Tagen zwangsweise nach Dcutrchlana zurück« transportiert. RJc Episode beleuchtet die Willkür der Einwanderungsbehörden und den Mißbrauch der Polizeimacht in einer demokratischen Republik. Unter den Mitreisenden ist auch eine Gruppe von Juden, die Ihr Neujahrsfest feiern. ..seltsam und rührend zugleich"; auf der Rückreise lernt Herzog das pöbelhafte Verhalten der völkisch-antisemitischen Schiffsinannschaft kennen. Diese Reise, obwohl sie ihr Zld nicht erreichte, Ist doch eine Quelle reicher Erfahrungen Ober die Beschaffenheit der heutigen bürgerlichen „Kulturwclt" geworden. , M |;; u ■ V 'I , 'A%' )>.«, "', H''t "•<V.! ■; l-i. h i. V1 : ■. f;t *! 1 1 ' . r ' ifi-;0: ' 1 i ■; 'f.* . . f * vr.<': 1 '» »•<:',; f M, ) 1, f ' 1 J t 1 ' ', )^ >\h 4 'S' 1 ' 1 ' i f f S:' i\' i, 9' fiyt ■'•V l ' *>.•,'. )i Ml', vr..ry r1 ' ■'f.- l':vy. i 1 / t.. ■ f. ■ ,.r ■ ,;;*t! f \f; ,i ' >, V 4. 1; '\ >''r ,,••>., .rr'-J ^.^•! , ■ * >•>' > ..•,'•) -» V'i ■ ) •i ') //f'' ''.Vi,/ 1, •;<-,' m-{ ><■ r'.M v" •-■>■■ ' } , ,ys> : M U ' ^ifS V^. WM. ' i,.' ,'' ■ 1' x V,'.! v, <•';;i : i' i'. ■> : v.*- .,t ' .•••{'••»! '•i'.v'tf ,: -I f^ ' , M,> m--?! \ Ii. i i;■ /: >' i' V!1» ' .',;i'', ■ {p>

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.