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Jüdische Rundschau · 1925-03-17 · Heft 22 (17.3.1925) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 22 (17.3.1925)
Date
1925-03-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 200 TUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 22 Bild aas Polen (DU Elnlguogskonfereni. — W«r»eh»u und Lemberg. - Die Koalltion«leltuflg,) (Von uniercm Sonderkorrespondenten.) M. H. Warschau, 10. März. Die ersten drei Tage des Monats März. 1925 werden fftr lange Zelt ein historische* Datum In der Oesehlchtc, der Zionistischen Bewegung In Polen bleiben. An die«» Tagen fand In Warschau die ente gesamtpoinische zionistische Konferenz statt, In der der Grundstein zur Vereinigung sämtlicher Landceorgaulsitioncn gelegt wurde, die auf dera Ocbletc .der heutigen polnischen Republik tätig »Ind. Iis Ist kein Zufall, daß dieser erste Schritt zur Einigung » bnnc auf sich warten ließ. Warschau, Lemberg, Krakau und wbna sind nicht nur geographisch entfernte Punkte eine« Kroßen Staates, es sind gleichzeitig Metropolen verschiedener Kulturen, Herde verschiedener Traditionen. Während die Warschauer Organisation von dem russischen Zionismus, mit seinen zahlreichen Vor- und Nachteilen, abstammt, bedeutet Lemberg ein Stück der Wiener zionistischen Tradition. Krakau ist durch und durch polnisch, Wilna Ist jiddisch. Es war daher mehr «1» nolftrlich, dal) die einzelnen Landcsorganlsationcn auch nach der Dildung der polnischen Republik bestehen blieben und daß auch heute eigentlich nur der erste — obwohl der grundlegende — Schritt in der Richtung der „Unifikation," erfolgen konnte. Bereits im vorigen Jahre kamen die Vertreter der vier einzelnen Landesorganisationen In drei Sitzungen zusammen, die in Krakau, Warschau und Lemberg stattfanden. Das Ergebnis dieser Sitzungen war die Bildung eines „Zentralstes der vereinigten zionistischen Organisationen Polens", der allerdings, durch die Not der Stunde Ins Leben berufen, nur damit beschäftigt war, daß er die Differenzen in der Landespolitik auszugleichen versuchte. Die letzte Sitzung, die irre Januar dieses Jahres in Lemberg stattfand, machte einen weiteren Schritt in derselben Richtung. Sie beschloß, eine souveräne gcsnmtpolnischc zionistische Konferenz einzuberufen und.verlief) damit den Ocdankcn der Föderation, um den Weg der Unifikation zu beschreiten. Der neuen Organisation wurde allerdings nur eine beschränkte Kompetent eingeräumt. Sic hat die Grundsätze der zionistischen Arbeit und die Richtlinien der zionistischen Landespolitik fortzusetzen; die einzelnen Zentralkomitees bleiben jedoch auch weiterhin bestehen und fuhren selbständig die innerzionistische Arbeit wie bisher. Die Beschlüsse der Konferenz steifen das Ergebnis eines Kompromisses vor, das zwischen dem Warschauer und Lernburger Standpunkt geschlossen wurde. Warschau vertrat nämlich ursprünglich die Ansicht, daß die einzelnen Landesorganisationen keine Existenzberechtigung mehr haben und das Gebot der Stunde ist, an Stelle der existierenden vier eine einheitliche zionistische Organisation Polens zu schaffen. Krakau und Wilna unterstützten Im grollen und ganzen die Warschauer These. Dagegen wandte sich mit aller Energie Lemberg, das sich ursprünglich lediglich mit einer losen Konföderation, die in einer Koordlnallonszcntrale gipfeln sollte, einverstanden erklärte. Der Gegensatz war ziemlich tief. Mitunter schien es, als wenn ein unüberbrückbarer Abgrund die beiden Thesen trennte. Der Gegensatz wurde noch durch die Differenzen vertieft, die zwischen Warschau und Lemberg in den Fragen der Landespolitik seit langer Zeit herrschten. Während Warschau für eine radikale Oppositionstaktlk und für einen gemeinsamen Kampf mit anderen nationalen Minderheiten und mit der polnischen Linken gegen die Reaktion eintrat, zeigte sich Lemberg mehr opportunistisch und vermied jedes engere Bündnis mit der Linken und mit den Minderheiten. Der politische Gegensatz übte seine Rückwirkung auch auf die organisatorischen Fragen, und Lemberg widersetzte sich mit aller Energie der Warschauer Uoifikationtthesc. Es siegte schließlich das Kompromiß: prinzipielle Unifikation mit beschränkter Anwendung. Der Oeist der Verständigung überbrückte die Gegensätze, und der Ausweg aus der Sackgasse der organisatorischen Differenzen wurde auf dem goWnwi Mittelwege gefunden. Derselbe Pricdcnsgcist kam auch in der Wahl der Exekutive (genannt „Präsidium") zum Ausdruck. Knapp zwei Monate verflossen zwischen der letzten Unilücntlonskonferenz und der „großen WcIchacbtcMachl", In der die Delegierten des „zionistischen Volkes" Kongrcßpolcns den langen Streit zwischen „Etil Ubnoth" und „AI Hamlschmar" zu Quinten des ersten entschieden. Zwei Monate vcrfkr.-K-n seit dem schweren Bruch, der mit der Aiwscbcldung Q r ü n b a u m s und seiner Freunde endete. Die Wunden waren noch frisch, der Kampf — noch nicht vergessen. Und trotzdem wurden In die neue Exekutive — unter den sechs Mitgliedern niu Konprcßpolcn — vier Anhänger der Eth-Lllmulh Uruppe (Leo Lcvltc, Dr. Göttlich, Senator Kocrner, Dr. Hindcs) und zwei Mitglieder der Fraktion „AI Uamaschmar" gewählt. Was dabei als das beste Vorzeichen gelten kann, litt die Tatsache, daß diese Wahl nicht auf dem Wege von Unterhandlungen, Hindern spontan zustande kam, dal) sie als eine Selbstverständlichkeit von beiden Seiten angesehen wurde. D.esc „Koalition" wurde durch den lobenswerten Schritt der „AI- Hamlschmar"-Oriippc erleichtert, "die, obwohl »Ic noch vor zwei Monaten die Hauptlrägcrln des Kampfgeistes war, diesmal aus eigener Initiative Komproinlßkaudldaturcn (Dr. Klumcl und Insbesondere Dr. Davidsohn) aufstellte. Brie! aas Lettland Von M. O-y. Riga, den 10. März 1025. Nach mehrjähriger Abwesenheit wieder In Lettland, habe Ich In seinem jüdischen Leben nicht unerhebliche Veränderungen vorgefunden. Die Zugehörigkeit zu Rußland brachte es mit sich, daß die baltischen, besonders aber die kurischeu Juden ein aus» gesprochenes Sinderlebcn fühlten. Von den deutschen Juden, zu denen sie tendierten, durch politische Umlcsgrcnzcu getrennt, wußten sie sich andererseits von den litauischen, resp. russischen luden sprachlich und kulturell cben.o geschieden. Das Resultat war ein g.inzlichcr Indiffcrcntisinus in jüdischen Dingen, gegen den selbst der Zionismus vergebens ankämpfte. Lettlands Selbstständigkeit schuf für die Juden eine neue Situation. Gleich den Deutschen, Rus»cn usw. wurden «Ic ah nationale Minderheit anerkannt und Ihnen das Recht auf kulturelle Autonomie eingeräumt. Mithin durften die jüdischen Schulen auf Suhvcntioulcrung seitens des Staates und der Kommtiualorganc rechnen. Die neue Sachlage fand die Juden gänzlich unvorbereitet. Während?. B. die Deutschen bereits nach der Revolution von 1005 ihr eigenes Schulwesen ehielten, das sie in der Okkupationszeit noch weiter ausbauten, fanden die jüdischen Schulen mit der allgemeinen ludctinuslrellmng aus Kurlami ein jähes Ende. Nach und nach wurden sie wieder errichtet, um in punkto ihres pädagogischen Niveau* manches zu wünschen übrig zu lassen. Kcir. Wunder daher, wenn die begüterten Klassen, die schon vor dein Kriege ihre Kinder in die allgemeinen Schulen schickten, diesen vor den jüdischen den Vorzug gaben. Gesetzlich Ist dies vorläufig nicht verwehrt, wiewohl sich die Regierung, wiederholt dagegen ausgesprochen hat. Fürchtet sie dodi mit Recht, daß hierdurch die anderen Minoritäten erstarken, während die Juden iU solche weniger gefährlich sind. Inzwischen vollzieht sich der Ucbcrgaiig von den nicht« jüdischen zu den jüdischen Schulen, mitunter allerdings durchaus unfreiwillig. Die jüdischen Gemeinden stehen jetzt vor der Aufgabe, den Ausbau Ihrer Schulen energisch zu betreiben und sie den Bedürfnissen «amtlicher Öcvölkcrunjs- Massen anzupassen. Die Sprachen frage in den Jüdischen Schulen Ist ein Kapitel für sich. Kaum gibt es ein Land, «las man Lettland hierin an die Seite stellen könnte. Wahrend z. B. Im benachbarten Litauen eine Sprarhenfrago kaum existiert, indem in den meisten jüdischen Schulen hebräisch unterrichtet wird und während der Snrncheuk.iiupf in Polen unter der Lösung hebräisch oder JidJIsch vor sich geht, so kann man in Lettland geradezu von einem babylonischen Sprachcnwirrvvar sprechen. .In der einen jüdischen Schule wird deutsch, in der anderen russisch, in der dritten hebräisch und In der vierten jiddisch unterrichtet. Ein getreues Abbild dieser Zustünde bietet die jüdische Scjmlraktiou, wo sich in der Sprachenfrag« zwei Parteien gegenüberstellen. Während die zionistischen Vertreter für hebräisch und jiddisch ah gleichberechtigte Sprachen der nationalen Autonomie sind, treten der natlonaldcinokratische (sc. assimilatorische) und achudiitlsehe Deputierte für eine vollständige Sprach frei h ei t ein. Jede Partei brachte ein gesonderte», lediglich In der Sprachenfrage abwii(|ltnj AiiUmoinleproJckt ein. Da aber zwei jüdische Autunomu Projekte aus formalen Gründen unzulässig waren, wurde ein genuiusames, zwei Varianten (jiddisch und hebräisch Sprachcnfrtlhclt) enthaltendes Projekt eingereicht. Die £m Scheidung Hegt nun bei den nlchtjüdi'.chcu Scjimkputjcric die, wenn sie die nationale Autonomie überhaupt aktcpiicrta eher für die zionistische Variante zu haben sein dürlun Oben skl/rlcrlc Vorgänge haben dazu beigetragen, Oi» haitischen Juden mm ihrer Lethargie zu erwecken. |n,mtf mehr selten sie «ich veranlaßt, zu den brennenden Taget, fragen Stellung zu nehmen. Daß unter diesen die Palästinafrage nicht d* letzte Ist, braucht nicht erst ffcsngt zu werden. Die Palästina, hcwrgutig steht heule ui Lettland Im Vordergründe jt| Interesses. Auch hier rüsten sieh zahlreiche Personen mr Ucbcrslcdhing nach Ercz-Isracl. Dies muß umso hoher an. geschlagen werden, als es In- Lettland, im Oegcn*ati w Polen und Litauen, nicht unter dein Drucke des Antiscmllis. mim geschieht. Wohl ist die wirtschaftliche Lage der t«tt- Kindischen Juden z.Zt. keine glänzende, doch ist dies auch bei der Gcsamtbcvü'.kcri'n,'; nicht ander*. Zur VcnvlIständigiNitf des Uildcs sei hier noch jü[ die wachsende Jugend- und Turnbcwegung In Lettland hingewiesen. Es gibt kaum «och eine Ocmcmdc, In der nicht der „Makkabl" vertreten ist. Ein neuer Geist beseelt Ute jüdische Jugend, der zu den schönsten Erwartungen berechtig. Neuerlicher Doöe»cnvtrb des Kcren Kalrmeth Das Direktorium des K. K. L. hat soeben die Durchführung des Ankaufes von weiteren 12000 Dunain Boden im Emek Jesrccl beschlossen. Durch diesen Kauf wird der jüdische Bodenbesitz im Emek, wo der K. K. L. erst vor wenigen Wochen 2S00O Dunam neuen üoden erworben hat, entsprechend arrondiert und der Gcsamtbodcnbcsitz des K.K.L. auf gegen 190 000 Dunain erhöht. Zito. Die Utile-Konmsloa Da« in Jaffa erscheinende arabische Organ der palästinensischen arabischen Exekutive „Fclcstin" meldet, daß e'nt Gruppe britischer Kapitalisten vom Kolonlalmlnistcriun die Konzession zur Urbarmachung der Kult- Sümpfe erhalten hat und Aktien an Engländer und Araber verkaufen will. Der erwähnte Boden liegt in Obcrgalilij am Mcrom-Sce und wird, wenn er entwässert und saniert ist, zu den fruchtbarsten Böden des Landes gehören. Unser« Wissens wurde die Konzession zur Eutsumpfung bereits vor dein Kriege au chic Gruppe syrischer Araber vergehen und die englische Regierung hat gemäß den Bestimmungen des Friedensvertrages diese Vorkriegikonzession anerkenn« müssen. Allerdings ist es unwahrscheinlich daß diese Syrer selbst das notige Kapital investieren werden;- viel eher ut anzunehmen, daü sie bereit sind, die Konzession zu verkaufea. Daß wirklich eine englische Gesellschaft dieses Werk unternimmt, scheint uns Äußerst unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, daß es sich hier um ein Ocrüclit handelt, das den Wert des Rodens und der Konzession hinauftreiben soll, Die Jaäcu als Freunde des Islam Der neu ernannte ägyptische Ocsandtc für die Vereinigten Staaten Mahmoud Samy.Pascha, der sich dieser Tage nach den Vereinigten Staaten begibt, sprach sich gegenüber dem J, T. A.-Vcrtrclcr In folgender Welse über seine MNtha in Amerika aus: Ich werde mich bestreben, dauernde gute Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Aegypten zu schaffen. Ich werde mir alle Mühe geben, die grolle jüdische Bevölkerung Amerikas für diese meine Mission zu Interessieren. Ich besitze in Aegypten vkk jüdische Freunde und werde auch in den Vereinigten Staaten mir jüdische Freunde zu schaffen suchen. Ich bin überzeugt, daß die Juden Freunde des Moslcitiitischcn Volkes sind. Der Wjsserrastt0tl In Jrrasnlem Jerusalem. (J.T.A.) Der Infolge des Ausbleiben« von Regen bestehende Wassermangel In Jerusalem ist fortdauernd ernst, Der lateinische Patriarch Monslgnorc Barlasslna ordnete In allen römisch-katholisch:n Kirchen Bittgottesdienste um Regen für den 8., 9. und 10. März an. DUcIierscliao Hubcrt Grimme, Althcbrülsche Inschriften vom Sinai. Alphabcth, Textliches, Sprachliches mit Folgerungen. Hannover* 1923, Oricnt-Üuchhandlung Heinz Lafalrc. Bei der Durchforschung d:r von den Acgyptcrn vor mehr als 4000 Jahren ausgebeuteten altslnaitischcn Minendistrikte wurden Reste eines Tempels gefunden, der den lokalen Göttern geweiht war. In diesem Revier fand Flindors Pctric Im Jahre 190-1/05 einige nuffälligc Stücke und Reste von acht afcln mit fremdartigen Inschriften. Diese Ausgrabungen hat der' Professor der semitischen Sprachen in München, H. Orlmmc, zum Gegenstand umfangreicher Studien gc- "incht, die ihn zu erstaunlichen und für die Auffassung der altiüdischen Oesehlchtc höchst bedeutungsvollen Resultaten gebracht haben. Der Verfasser breitet nun In dem vorlegenden Buche sein ganze;) Material vor uns aus; er hesnügt sich nicht mit Feststellungen, er führt uns In die WckstaU des Forrschm, et gibt ras Gelegenheit, de» langen und Interessanten Weg der schwierigen Entwirrung und Eni. 'i .!."£ m" Ibm zu gehen, seiner Arbeit zu folgen. Er identifiziert die ottsinaitischc Schrift mit der hebräischen und gelangt R0 zn einer Deutung der Inschriften. Die Sprache «er Inschriften Ist reines Hebräisch, das also schon im Jaiire 1500 v. Chr. in der Sinai-Oegcnd gesprochen und sonar geschrieben wurde, also erst von dort nach Palästina Kcdruiigcn sein kann. Im Texte findet sich aber auch der f»?mc eines Oottcs Jahu - was natürlich die Verwandtschaft II' <lcm,J«acngoltc nahelegt. Grimme sieht darin die Er- Mimmg fftr die lintutchung des mosaischen Oottcs, neben dem «'er alle Jahu als Volksgott noch lange erhalten bleibt. 'hm S?1*uc Geographische Lokalisierung des biblischen Sinai it. ,0r,mm,e ferner eine Handhabe, die Erzählung über den .„ 5,n5 durch das Rote Meer Ihres Legendencharakters zu cn kleiden und als historisch zu rehabilitieren. Indem er'ele Noiiig rationalisiert. Moses ist durch das «eichte, von einem Rtinstlgcn Ostwind trockengelegte Sumptgcländc de» Schilf.?uC.e\,?cz,02e"'.wä.,'rcmJ d'e verfolgenden Acgypter Infolge tl ies „Wechsels der Windrichtung" (also doch ein Wunder-T) Hiwercr vorwärts kamen und allmählich von den heranfenden Fluten de» Roten Meeres erlaßt wurden. Die •um» Au»Br>»unR«n bestithjen ferner, entgegen den T3ci'iuptungen der modernen Bibclkrltik, die Melichkclt der Hn, m cn 0«e*«»Ufcln des Moses. Schließlich «1elit Orlmmc •«e Hypothese «uf über die Persönlichkeit de» Moses, der vielleicht derselbe Mann war, der unter dem Namen Hlalucniu. hnciii-Jamon-Mosc In den Inschriften erwähnt wird,. Allerding» ist er in dieser Richtung vorsichtig, er warjt nur Vermutungen, denen nachzugehen aber dringende Pflicht der Fachl.utc Ist. Ein weiteres Vordringen In dieser Forscliuiij', die Grimme so überraschend gefördert hat, könnte viele Ansichten über die älteste jüdische Geschichte revolutionieren. Aus dem hier kurz Angedeuteten geht schon hervor, wie wichtig das Buch (hiumtes Ist; es sei noch hiiuu'rclügl, «laß die beigefügten Tafeln mit liüdcrn der ausgegrabenen Altertümer sowie die Schriftproben und die genaue Reproduktion nl!cr Inschriften, dank der vorzüglichen Ausstattung des Buches das Verständnis auch dem — einigermaßen jüdisch gebildeten ~ Lslcn wesentlich erleichtern. Z. Dfo Umschichtung der europäischen Vermögen. Von Richard Lewin söhn (Morus). S. Fischer Verlag, Berlin 1923. 61 Die letzten 10 Jahre haben nicht nur politische Veränderungen von größter Tragweite gebracht, sondern auch wlrtschafthehe Umwälzungen, einschneidende Vcrflndcrungcn der sozialen Struktur der Völker. Diesen Prozeß der Umschichtung beschreibt Lcwlnsohn In diesem fesselnden Buch. Der wilde, tolle Erwerbstrieb, die Jagd nach dem Gold hilft die Menschen besessen, deren Ocsch.iftc hier vor uns aufgedeckt werden, das ncrvcnaufpcltschcndc Getriebe der Börse Ist der Schauplatz dieses (— Romans, hätte Ich beinahe geschriebenI)... dieses Kampfes um Durchsetzung der eigenen Interessen. Das Buch legt die Ursachen dieses Prozesses bloß; es Ist Intcressant, zu sehen, wie diese von schlechten Rcgicmn, unfähigen Politikern, Mangel an Weitblick crzcuctc Situation not. wendig zu Spekulation führen muß. Das JQd lache Element ist relativ schwach vertreten, nur zwei grofle Juden stehen Im Vordergrunde: Herzberg und Michael; die viel entscheidenderen, auch die Gesamtheit der Wirtschaft-treffenden Tran«. Aktionen werden von Nlchtjudcn vollführt, vor allem von Stinnes. Aber Immerhin spielen Juden, die seit jeher Im Finanzgeschäft sich bestätigten, ouc'i hier eine Rolle. In Oesterreich sind z. a die beiden Jnflatlonskönlgc Bösel und Casllgllonl Juden. Nach Lewlnsohns Buch empfiehlt ca sich, noch zu dem kleinen Buch des bekannten Wiener Journalisten Carl Co|. bert „Banklcutc und Börscnsplelcr vor »X» Jnhrcn" (Oskar WöI'^ic.v.cr,aC.Konstanz, 1021) zu greifen. Dies zeigt uns; vor 2000 Jahren, Im alten Rom, gab es denselben Hexentanz; das kapitalistische Wettrennen nach dera Oold, mit allen modernen Begleiterscheinungen, Spekulation, Korruption, Millbrauch der Politik für persönliche Geldzwecke usw. — Colhcrt rollt das Bild einer untergehenden Welt vor un-> ab und manche Idealgestalten der Oymnaslastenzcit werden kühn cnt/auhcit . . . und dann lohnt es, in diese heutige Welt zurückzuschallen. Eiirppa-AImannch. Herausgeber Carl Einstein und Paul West heim. Gustav Klepcnhcucr Verlag, Potsdam I025. Das neueste, modernste Europa in Malerei, Literatur, Musik. Architektur. Plastik, litlhnc, I ilni, Mode (außerdem nicht unwichtige Nebrubemcrkungcn, notahene) Ist hier vorgestellt. Deutschland und Frankreich vereinigt. Großartig ist da* gemacht. Ganz toll. Viele schöne Sachen, und mutig. Seht es euch an. Der Kulturspießet. Herausgegeben von Emil Szitlya. Potsdam, Gustav Klepcnhcucr Verlag. Erster Band: Tagebücher der Henker von Paris 1635-1817. von Henry Saimon. — Zweiter Bind: Der schwarze l oa. Eine Chronik der Pest. Bearbeitet von Johannes Noll. üJ«cr „Kullumilogci" leuchtet in die tiefsten Niederungen mciirchllchcr Brutalität, Sünde, Ocuicinhclt und - Schwäche, dazwischendnrch blitzt immer wieder ein Strahl von Güttf auf, der Hoffnung weckt, damit man diene Bücher nicht völlig entnervt und verzweifelt aus der Hand legt. Demi das Grausamste daran Ist, daß hier — trotz Mittelalter. Scheiterhaufen, 'Oltcr und Guillotine — die Fratze unserer Zeit, wahrscheinlich Jedes In solchen Höllcmvirbel getriebenen Geschlechtes, uns entgcirengrlnst, Das Buch vom schwarzen Tod enthält ein Kapitel (Iber die Judenverfolgungen, die furchtbaren Metzeleien stehen vor uns auf, die Märchen von Brunnenvergiftung, Ritualmord und Zauberei, hinter denen sich der blutdürstige Hall gegen den Anderscreartetcn und außerdem die Habsucht, das Suchen nach einer Rcchtlcrtlguiis der Expropriierung der Juden, der Befreiung von jüdischen Gläubigern verbirgt. Zehntausende von Juden erleiden standhaft den Märtyrertod. Die Menschheit, von der Pest verfolgt. Ist sii» den Fugen. Diese Bücher sind wirklich «in Kultursplegel, sie geben einen besseren Begriff vom Leidensweg der Menschheit als manche Ocschlchtsbüchcr.v «Der Dybuk", Legende In drei Akten von An-ski, deutsch von Rosa Nos« I g, wurde nach der deutschen Uraufführung an der Roland-Buhnc in Wien von Direktor Hellmer für sein« Berliner Bühnen und für das Neue Theater In Frankfurt«. M. zur Aufführung erworben.

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