Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1925)
- Date
- 1925-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kr.*1 fUÜDISCHE RUNDSCHAU Seite m Rundocbau f rumpcldor - Dculschc Chaluzim RW Berlin, 15. März 1925. lo diesen Tagen Jährte sich zum fünften Male der f)(r »n welchem Josef Trumpcldor und seine Qcnosscn L äußersten Norden Palästinas im Kampfe mit räuberischen Beduinen gefallen sind. Damals war in Syrien [•„ Aufstand ausgebrochen^.und der Bandenkrieg griff ' (jcr syrisch-palästinensischen Grenze auch auf palästi- .(„sisches Ocbict über. Die jüdische Arbeiterschaft verjagte heldenhaft die Isolierten jüdischen Arbeitersiediinccn in Obcr-Oaliiäa, und diesen Kämpfen ist es Dicht ,„„, wenigsten zu danke», wenn der nördliche Zipfel Obcr-Oaliläas innerhalb der palästinensischen Orcnzc Kiblicb. Fünf Jahre sind seitdem verstrichen und die Ugc hat sich gründlich geändert Damals waren gerade je ersten Fluten der neuen Einwanderung in das Land »kommen. Unter den ersten war Josef Trumpcldor, der [ihrer und Schöpfer des russischen Chaluz, eine Persön- Schkeit von großem Charme und wahren Führerqualijitcn. Trumpeldor hatte schon den russisch-japanischen Krieg mitgemacht, er hat in dem jüdischen Maultier- Korps auf Qallipoll mitgekämpft, er war ein begeisterter Soldat; seine kürzlich hebräisoh erschienenen Tagebücher ittigcn von einer bei Juden sicherlich seltenen Freude im Kriegshandwerk. Aber Trumpcldor war darüber hinu$ ein Pionier der Arbeit und des Aufbaus. Von ihm itanunt der Ocdniikc der Arbcltsarmec, er wollte die jupend des Volkes für den großen nationalen Dienst des Aufbaues des Heimatlandes organisieren. Es war ihm ticlit vergönnt, an der Verwirklichung dieser Idee mitiuarb:itcn. Aber sein Name und seine Figur wurden iich seinem Tode zu einem Symbol der jüdischen Arbeiterbewegung in Instina und auch in allen Teilen der ualuth. In jedem Arbcitcrhcim Palästinas hängt das Süd „Josefs des Galiläers", wie er dort heißt. Inmitten Its Emek Jcsrccl erhebt sich „Tel Joseph", der „Hügel loscphs", rings um den das auf seinen Namen gegründete Irbcitcrbataillon, OJud Awodah, den Boden bebaut. Sein Todestag, der 11. Adar, ist in diesen Kreisen längst :in nationaler Gedenktag geworden, lebendiger ciiiptim« len als heute in dem Großteil der zionistischen Welt Hcrzls Todestag, der 20. Thamus. Ucberall in Europa Aurdc von dem Chaluzim und zionistischen Arbeitsitciscri auch der fünfte Jahrestag von Tcl-Chaj in stiller Wir begangen. * Auch in Berlin hing das Bild Josefs Trumpcldors iber der Tribüne der Chaluzkonfcrenz und etwas von idnem Geiste Wirkte auch hier, obwohl In Deutschland die Beziehungen zu der russischen Mutterbewegung ■cht so innig sind. Die deutsche Chaluzbcwegung ist mm Teil autochthon und ihre Verschmelzung mit den «deren Chaluzkrclscn ist noch nicht völlig gelungen. Gerade darum Ist es wichtig, bei dieser Gelegenheit sich zu erinnern, daß die Chaluzbswegung vom russiichen Judentum geschaffen wurde und die Merkmale in steh trägt, die gerade diesen an ungebrochener Volkskraft reichsten und darum auch hingebungsvollsten und ethisch leidenschaftlichsten Teil unseres Volkes ausdehnet. Alles, was heute in Palästina besteht, ist fast msschlicßlich Werk des russischen Judentums. Alle «deren jüdischen Gruppen haben nur relativ Kleines beizutragen vermocht, der Bau ist russisch. Das gilt »ich für die Chaluzbcwegung und für die gesamte Arbeiterbewegung in Palästina. In den Kreisen jüdischwolutionärer Jugend in Rußland wurde schon vor 20 Jahren begriffen, daß Zionismus nicht allein Bekenntnis ' zu einem politischen Programm nein könne, sondern daß er eine unmittelbare Aufgabe Ist, die Im Leben ver« wirklicht werden will. Es wurde begriffen, daß die Erlösung des Volkes nur durch Erlösung des Einzelnen, nur durch seine Verbindung mit Boden und Arbeit kommen könne. Aus diesen das jüdische Leben der Gegenwart, das ein typisch kleinbürgerliches Stadtlcben war, völlig revolutionierenden Tendenzen entstand die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina, die sich aus ihren ersten Anfängen in Dagania und Klncreth bis zu dem heutigen stolzen Br.u der Histadruth Haowdiin entwickelt hat. Nach dem Kriege hat die Chaluzbcwegung auch andere Länder erfaßt un;l es entstand ein neues . Problem, das bis heute nicht restlos gelöst ist: das Problem des westlichen Chaluz. I>cr westliche Clinluz, der vor allem in Deutschland existiert, hat einen relativ weiteren Weg zurückzulegen als der östliche. Die jüdischen Bürgerskinder in Deutschland sind sehr weit entfernt nicht nur vom lebendigen Judentum, sondern auch von jeder revolutionären Tendenz der Lcbcnsgcstaltung. Erst die Jugendbewegung, die auch im nichtjüdischen deutschen Bürgertum eine Auflehnung) der Jugend gegen die konventionellen bürgerlichen Lebensformen brachte, hat die Bahn gebrochen für die Entstehung einer Chaluzbcwegung in Deutschland. Es ist charakteristisch, daß die Länder westlich von Deutschland, die eine Jugendbewegung nach Art der deutschen nicht kennen, auch bis heute keine westjüdische Chaluzbcwegung haben. Aus dieser Eigenart der deutschen Chnlu/bcwcgung erklärt sich auch ihre eigenartige Stellung zu den wichtigsten Fragen. Die deutschen Chaluzim haben einen weiten Weg durchgemacht und haben ein berechtigtes Ocfüht eine große Leistung vollbracht z« haben, die jedoch nur subjektiv groll Ist. objektiv, d. It. in ihrer tatsächlichen Bedeutung für den Aufbau, jedoch bisher sehr gering. Die deutsche Chaluzbcwegung stammt geistig nicht von der elementaren Wicdcrgcburtsbewegung der jüdischen Massen 'ab, sondern in erster Linie von der deutschen Jugendbewegung. Sic ist also zunächst vom Judentum sehr weit entfernt und muß erst wieder zurückfinden. Da sie aber gleichzeitig propa« gandastischc Funktionen hat, und sich daher von dem Wesen der Kreise, die sie noch erfassen will, nicht zu weit entfernen darf, wird sie gleichzeitig nach zwei Richtungen gezogen. Dieser Tatbestand ist der letzte Grund der Konflikte, die in der letzten Zelt gerade zwischen den typischen I>,-.r. ntauten der Jüdischen Jugendbewegung In Deutschland, dem Blau-Weiß, auf der einen Seite, und den mehr von der russischen Bewegung abhängigen Teile auf der anderen Seite zum Ausbruch gekommen sind. Dieser Konflikt hat auch die letzte Chaluz-Konfcrenz beschäftigt und ist friedlich gelöst worden. Dies Ist zv.^r erfreulich, aber wir müssen uns darüber klar sein, daß eine w!-' *•-•"» T ^snnir nur Im Verlaufe einer langen und tiefgehenden Erziehungsarbeit erfolgen kann. Die wichtigste Vorbedingung ist die Befreiung der dr.:t-:!.cn donistlscNm Jugend aus Ihrer (geistigen Isoliertheit. Bei aller Anerkennung der Be- 'deutung der fachlichen Ausbildung für Palästina darf man nicht übersehen, daß ohne eine geistige Eingliederung in die werdende nationale Heimstätte cht Aufbau des Landes im C h a 1 u z s i n n c nicht möglich ist. Ocwiß soll auf die Güter europäischer Kultur nicht verzichtet werden, aber die geistige Anteilnahme an dem jüdl sehen, hebräischen Werke in Palästina, das nicht jetzt von einzelnen westjüdischen Qruppcn begonnen wird, sondern schon im Werden Ist, erfordert «In tieferes Verständnis für die eigenartigen Bedingungen des Aufbaues und eine Aneignung der geistigen Voraussetzungen. Die deutschen Chaluzim müssen zumindest das Tatsachenmaterial kennen lernen, sie müssen wissen,' daß es vor Ihnen bereits eine auf persönliche Verwirklichung gestellte Bewegung gegeben hat, daß sie nicht die Entdecker sind, sie müssen etwas bescheidener, werden, sie müssen vor allem Hebräisch lernen, sonst können sie nie verstehen, was in Palästina vorgeht und' werden stets ein Fremdkörper bleiben. Wenn es ihnen gelingt, sich mit der Arbeiterbewegung, d. b. mit der Chaluzbcwegung aller anderen Linder, zu verschmelzen, $o Ist es für sie, die ganz anderen Ursprungs sind, eine viel größere Leistung als für andere, die aus1 dem Osten kommen. Aber eben diese Leistung wird von ihnen verlangt Auf dem Wege zu dieser Erkenntnls Ist die letzte Berliner Chaluzkonfcrenz eine wichtig« Etappe gewesen. ' * In den Kreisen des deutschen Chaluz hat man uns übel genommen, daß wir In unserem ersten Bericht die Bemerkung machten, daß auch bei der Chaluz-! Konferenz der Parlamentarismus seine Rechte forderte] und demgemäß auch formelle Fragen ausführlich cr-i örtert wurden. Vor all—i handelte es sich dabei umi die Anerkennung der Wahlen, bei denen sich die schärfet Konkurrenz der Parteien geltend machte. Nun würden; wir gewiß bedauern, wenn aus jener Bemerkung der^ Eindruck entstanden wäre, daß die ganze Konferenz} In Formallsmus erstickte. Im Oegcnteil: Wir haben] gleich darauf hingewiesen, daß hier die lebendigstem Teile des Zlov.'.z;:;.:* zusammen waren und daß mit! großem Ernst alle Fragen der Bcnifsumscltlchtung, Ilachecharah und der ideellen Z!c des Chaluz erörtert; wurden. Nur eben schien es uns, da» solche wesentliche Erörterungen mich dazu flilf-m sollten, das Partclwcsen zurücktreten zu lassen. Bei einer solchen Konferenz sollten die Menschen mit offenem Herzen einander gegenüberstehen, willig zu hören, was der Freund zu sagen hat. Und dieser Eindruck wird gestört, wenn eine scharfe Parteigllcdcrung 6chon nach außen kenntlich Ist, wenn offensichtlich nicht nach vernünftiger Ucbcrlc« gung des Sachverhalts, sondern nach der Parole der Fmk«! tloncn oder Bünde abgestimmt wird. Vielleicht kann, auch das nicht anders sein, ttnd der augenscheinlich gerade jetzt In Deutschland wieder anhebende Parteikämpf innerhalb der zionistischen Jugendbewegung scheint auch dafür zu sprechen, daß unerbittliche sozio* logische Ocsetzc auch das Leben der Juden in ähnliche Formen zwängen wie sie die Politik sonst ausgebildet hat. Dies mag unvermeidlich sein, aber man möge uns nicht verübeln, wenn wir, vielleicht aus einem Rest romantischer Oesinnung, darüber ein Wort des Bedauerns, sagen. Es war nicht bös gemeint und bedeutet nicht, daß Formalismus und Parteiwesen alle anderen Eindrücke überwucherten, es bedeutet nur, daß sie auch da waren,' wo man sie am liebsten vermißt hätte. Bsroo Edmoid Rothschild In Aegyplei Kairo. Ü.T.A.) Am 10. MSrz ist Baron Edraond Rothschild in Kairo emgetroftem Baron Edrnond; Rothschild weilte bekanntlich auch im Jahre 1924 In Kairo,/ zur Zeit, dh die von Ihm gegründete Palestlne Jcwisli Co-! Ionisation Association (Rica) In Palästina registriert wurde.' Cr wollte damals die Reise nach Palästina fortsetze», cs: traten aber Umstände ein, die das unmöglich machten. Einer! Delegation aus Vertretern der jüdischen Kolonisten in Palästina, die zu 6ctncr Begrüßung nach Kairo gekommen waren' sagte Baron Edrnond, er hoffe, daß es Ihm möglich werden wird, Im Jahre 1<)25 Palästina zu besuchen. Auch eine au ihn gerichtete Kundgebung des Jüdischen Nationalrats in Palästina (Waad Leumi) beantwortete Baron Edrnond Rothschild mit dem Ausdruck der Hoffnung daß es Ihm vergönnt' sein würde, ein Jahr später In Palästina zu wellen. Jüdische Tlieaterversnche In Wien Von unserem Berichterstatter. Seit der „Freien Jüdischen Volksbühne" und dem sechsewiüchin Oastsplel der „Wiinacr" hat Wien — sieht man dem kurzen Verweiten des New Yorker Künstlcrthcatcr» (xhw-arziruppe) ab — kein jüdisches Theater. Ob die allitmünvn Ocldvcrhiilliiisse oder ob eine gewisse Theater- P'^xkcit die Ursache dieses unter jeder Bedingung bedaucrk\™ Mangeln Ist, soll hier nicht gefragt werden (denn die *ä,1''c tiefe Ursache liegt m. E. dort, wo man die Anlässe zur ^meinen Destruktion der jüdischen Bewegung in Wien rj Juchcn hat); das Faktum genügt. , kam es aber, nach einer Pause von etwa zwei 7Jn. zu einem neuen Versuch, der, schon seiner Orjuinali- 'V,Wt«cn, wert Ut, In die Oeschichtc des jiddischen Theaters 'glommen zu werden. Eine Oruppc von jungen Schauf'titr,i unter der Führung des „Wilnacrs" Leo Halpcrn jT. Miriam Schnabel-Hocflieh, nicht zu vergessen LV»rl vom hebräischen Theater in Palistina, Bcnoni r1. 1 cn Lcwi, der jetzt In Palästina spielt, gründete die!c jiddische Kleinkunstbühne unter dem glücklichen Namci finanzieller Hinsicht und ganz nuBcrordciitliclie '..C^iKkcit der Teilnehmer stigmatisierten das Unter- U?0"- An einem Kaffcchaustisch wurden etwa 200 0M Cm' d'1* M ctwa zwöl< *Mark» ««'gebracht. Mit diesem nun begann man Theater zu spielen. In zweiwöchcitt- <amcu Hi „^!t.lcnc_. Pawc". Absoluter Mangel an"Hilfe von außen, k\l •ty*- "An" chiem ' kWcchäustlselT würden etwa" 200 CM '"CT, " ''Hai Stund Arbch, " der Arbeitstag zu vierzehn oder sechzehn <i»tSCn gerechnet, wurden die technischen Vorbereitungen ftm»'l "rt»' wurdc geprobt und eine kleine Propaganda ■nd £ .Kostüme wurden entworfen, geschnitten, genäht cm jj<m«lt. die Dekorationen wurden von Tibor Oergely ton« na e s z n a l — zwei ungarischen Emigranten, deren *hn J?an sich sehr wohl merken soll I — entworfen und f»äh, H,utcn TOr Beginn der ersten Vorstellung fertiggestellt. f»rbe„ ■ dcr Arbci* SinS drei- oder viermal das Ocld für vtrd" "yd Pinsel aus und konnte nur dadurch aufgebracht '»8 die Schauspieler Ihre Zigaretlcnaoxn und ihre Wt ,vc.r8ctrt«i.) Was in diesen zwei Wochen an Nerven- - rein physischer Anstrengung hingegeben wurde h u\ ,he, der Mitarbeiter lebten dabei nur von einem 0'J»s einem Stück Brot im Tag — übersteigt alle Btgrlfte. ^° war mao to weit in dem von dca russische* Küästlei> spielen seinerzeit mit großem Geldaufwand — der auch zu ihrem Zusammenbruch geführt hatte — zum schönsten Wiener Kammertheater umgebauten Kimst«ptclen „Pan" den Vorhang aufflehen lassen zu können. Der Lrfblß war, wenn man von gewissen technischen MiiiiRcIn absieht, die hi einem Theater, in dem die Schauspieler auch den BiHinen.iufI>au zu besorgen haben, selbstverständlich sind, ein durchschlagender, [>ic gesamte Wiener Presse brachte grolle und außerordentlich tobende Kritiken, manche stellten Ro^ar die Kunst der I'awe Uber die der Ruinen, Wni war die Ursache de« ürfolcp»? Abgesehen von der Sensation, d!c ein jiddisches Theater als exotisches Theater an und für sich mit sidi bringt, war es das Programm und seine Bikthaftigkclt. Der Regisseur und die leitenden Mitglieder der Truppe glnrjcn von der Idee aus, das Leben des jüdischen AtltaRCR, dort wo es am tiefsten und Innerlichsten empfunden wird, cinzufanrjen und darzustellen: man Inszenierte Volkslieder. So wurde cltto Kroße Anzahl von Volksliedern, trotz dci drückenden Mangels, farbenprächtig und außerordentlich plastisch mü phantastischem Geschick au! die BüYinc Rebracm. Zum ersten Mal v.\>W wurde hier der chassidischc Jude nicht in der traditionell schwarzen Ilckcschc dargestellt, sondern In nllcn frohen Farben, de, aufeinander nbtjcstimmt, Im farbigen Lichte der Reflektoren Bilder von höchster, eindringlichster Wirksamkeit ergaben. Neben den Volksliedern wurden Einnktcr gestellt, so |> I u s kls (recht schwache) Dath-Scheba — die den Hauptdarstellern Halpcrn, Bcnoni und Miriam Schnnbcl-Hocflich Gelegenheit bot, aus dem Dunkel anonymen Spiels In das Licht clRcnpersonllchcr Kunst herauszutreten — und eine erbärmliche Mache aus dem Italienischen (mit der übrigens, selbstverständlich, der größte Erfolg erzielt wurde), sowlo von J. Hcrzbcrg dramatisierte Erzählungen und Anekdoten wie Pcrezs „Bonze Schwelg*» Rasrylcwkc von Scholcm Alelchem und Hcrschele Oatropotcra Geschichten. — Vom künstlerischen Standpunkte ward alles gegeben, was eine Kleinkunstbühne, die ein gewisses literarisches Niveau zu halten bestrebt Ist, geben kann: Programm, Darstellung, Farbcnfrohclt, Originalität und Hingabc der Mitarbeiter. Trotzdem mußte dieser Verweh schließlich doch scheitern, denn wenn er auch genossenschaftlich autgebaut war, mußte er Im allgemeinen , Wirtschaftsleben verankert seht. Diese Verankerung aber fehlte, so daß das bei einem neuen Unternehmen Wichtigste, die Propaganda fast vonständig unmöglich war. De betten Zeitungskritiken nützen nichts, woro da« Publikum nicht uelß, an welchen Tagen gespielt wird. So kamen eben nur die, die Im Besitz der! (von den Jüngeren Schauspielern selbst ausgeteilten) Flugzcttcl waren. Diese zufällißcn Besucher konnten natürlich das Theater nicht halten. S) mußte es kommen, daß Hude Februar die Pawc Ihre Beine vwn sich streckte. Vollkommene lutcresscknlgkeit der offiziellen Jüdischen Kreise (nur diel SchrUtstclIcrorgnnisatlon llaruacb gab eine ihren Verhältnissen entsprechende Subvention und die Dnc-brith kaufte eine Vorstellung) ein hoffnungsloser, nrrvcnatifrclbciider Knuipt von Vornlellung zu Vor Stellung (dabei fortgesetzt, aufmunternde Worte der Presse, die aber keinen Untern .'Inner und keinen Mäzen vom Ofen hervorfockten) und endlich Verbitterung der Schauspieler ließen die Wcitcrarbcrt nicht zu. Diese äußeren Anlässe beschleunigten die innere Krise: die anonyme Arbeit. Nummer unter Nummern zu sein, kann den Schauspieler nicht befriedigen, da Ja In diesem Spiel seine Individualität und ihr sinnfälliger Ausdruck, «ein Name unterdrückt wird. Er aber, der auf persönlichen Zusammenhang mit dem Publikum nicht verzichten kann, kann auch nicht anl sein Etkcrm\wjrs7.c(ctriv *ut seine pcr&MkUc. Firma, seinen Namen verzichten. Der S:hausrtlelcr, fonder ich der Agierende diese»'Versuches, der chic Saison lang ohne Groschen Gage gespielt hat, muß wenigstens den Ideellen Erfolg der Persönlichkeit buchen können, schon weil Ilm die Gefahr bedroht, namenloser Teil einer Ortinpe zu werden. Eine Gefahr, die, abgesehen vom Moment kunstfördcrndcr Eitelkeit, auch eine eminent ökonomische Oclahr ist, sonderlich In dem Augenblick, da die Truppe auselnnndcrfilllt und der Einzelne, cngagcmcutstichcnd, nichts weiter als eine Nummer Ist. Diese Erwägungen mußten die Tmppe im Zustand Ihrer von außen genährten Verbitterung zersetzen und die Katastrophe des Vcrsudics beschleunigen. Die Gildenc Pawc, zumindest in dieser Form, ist abgetan. Ihr Andenken aber sei erhalten, denn sie schür ein neues jiddisches Kunstdetail und wies einen Weg, Wenn nicht alles trügt, wird nächstens in Wien ein Versuch gemacht werden. Ein neuer Versuch, ein neues Großkunsttheater zu schaffen. Geld ist natürlich noch Immer nicht da (wenn auch dem Regisseur der Wiinacr, David Hermann, oft und oft von den platonisch Interessierten solches versprochen wurde), aber es »Ind die Menschen da, die um eines Versuches willen bereit sind ihr Bestes zu geben und nach beitem Können zu hungern. bis Qawriel;