Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Programm von Mr. Lipsky Von Dr. A, Oratio v»ky, Jerusalem. Im folgenden geben wir gcra einem der Leiter i» Hauptbüro* de» J.N-F. da» Wort zu einer Spezial- [rjce des Problems der Örganlsatlonsrcform. Die Praß'', tler Fonds bedarf -zweifellos einer Urörtcrunjy, die die fnlscheldung des XIV. Kongresses über deren Kcorganijjlion vorbereitet. Red. p|C ilrben Punkte von Mr. Lipsky, die et auf der Sitzung , fijUotml lixccutlvc Commlttee der Zionistischen Födc- \* Amerikas vcrküudct hat, stellen ein Programm dar. .) bissen oiclit, ob die Exekutive der Weltorganisation , j,]t demselben WenUftzlcrt, Sicher scheint es aber zu (Jid es zum Programm <inr amcrik.iiihchcn Föderation wird. Es Ist von besonderem' Interesse als dk ,„ Kundgebung zum nächsten Zionlstenkongreß, der sich ^nt mit den hier aufgeworfenen Problemen zu bc- ^„ haben wird. Und da sie mit dem ganzen Emst, die Person des Mr. Lipsky auszeichne», gestellt werden, ..j die Diskussion Ober diese Probleme von vornherein auf , felies Niveau erhoben. Charakteristisch für das ganze Programm ist die Betonung ftln organisatorischen Seite der Fragen. Von Politik «illern«, stellt es Probleme auf, die ernst durchgedacht ^jffl müssen, well von ihrer Lösung die Zukunft der nlstiion abhängt. Einige von Mr. Lipsky aufgeführte „to wird Jeder Zionist wahrscheinlich mit Freuden befii und sich Ihnen ohne weiteres anschließen, so z. B. Forderung der raschen Verlegung der Zionistischen Exe- »t nach Ercz Israel, wobei nur das Politische Departc- In London zurückbleiben soll. Die Verlegung der Exee wird schon seit langem gefordert, und es ist an der die Zentrale der Organisation nach Palästina zu bringen, «ro aus sie der Aufbauarbeit nahe, einen starken und rJijcn Impuls der Qalutharbeit wird übermitteln können, er wird die Ausgestaltung des Apparates der Zio- «hen Exekutive verlangt, die es ihr ermöglicht, ohne Interessen der Arbeiterschaft in irgend e'jncr Weise zu alrichtigcn, die Aufnahmefähigkeit des Landes für die Alijah, die aus mehr oder weniger bemittelten Juden cht, möglichst zu vergrößern. Diesen 'Einwanderern soll «der Organisation Hilfe geboten werden, Mr Lljv.ky et daher vor, daß der Kongreß Im Budget der Ziojckn Organisation künftig Kreditgewährungen für versdene industrielle Unternehmungen vorsehen »oll. Um Aufgabe erfüllen zu können, ist die Stärkung der sliKlicn Fonds, dos K. H. und des J. N.-F., erste iu<5ctzutig, weil dadurch auch die nationale Kontrolle die Aufbau-Arbeit ermöglicht wird, is dahin wird jeder Zionist Mr. Lipsky ohne weiteres cd und seine Forderungen unterstützen können. Sic entdun den neuen Erfordernissen, die die rasch fortschrei- Entwicklung der Aufbau-Arbeit an die Organisation Das Programm beschäftigt sich aber iil der Hauptmit den beiden nationalen Fonds, von der richtigen «ung ausgehend, daß die gut organisierte Arbeit für Anbringung der Mittel für das Aufbauwerk die Möglichder reichen F.ntf(iltiiug aller Kr.lftc der Organisation i. Diese Arbeit wird einen lebendigen Konfakt mit Israel schaffen, der der zionistischen Tätigkeit neuen und verstärktes Interesse verleiht. Nun aber stellt M. Lipsky weitere Forderungen auf, die im Vr/fderstand vieler Zionisten begegnen werden. Er eine effektive Kontrolle f-dlens des Kongresses Ober Keren Kajcmeth durch sein Ausführungsorgan, die Welt »live, in der Welse, daß der Kongreß, wie Im Falle Ktren Hajcssod, auch das Budget des J. N.-F. fixieren und stellt außerdem das Prinzip der gegenseitigen im.%keit (intcrdcpcndcnce) der beiden Budgets auf. Ncr Zionist wird selbstredend damit einverstanden sein, die Exekutive, das höchste Organ der Weltorganisation, Kontrolle über den J.N.-F. ausübt. In dieser Hinsicht »f rs aber keiner besonderen Neuerungen, da die ExC' doch konstitutionell und faktisch das Recht und die jichfaclt hat, In weiterem Maße die Tätigkeit des J. N.-F Erwachen. Die Exekutive besitzt im Direktorium des f. zwei Vertreter, die Oovcmors sind. Laut den Sta< des J. N.-F. haben sie das Recht, Im Auftrage der •«live jeden Beschluß des J. N.-F.-Direktoriums, den die ''Hvc aus irgend welchen Oründen für unrichtig findet, || das Veto, das sie gegen den Beschluß einlegen, zu ''tftft. Die Exekutive ist auch In der Lage, einen Go- '* abzuberufen und durch einen andern zu ersetzen, gehende und prompte Informierung über alle Erclg J'! Iü der J. N.-F.-TäUgkcit, über alle Beschlüsse des Dirck auch solcher vertraulicher Natur, erfolgt mittels Zu %53ü aller Protokolle und ausführlichen vertraulichen Bc ' an den Finanz- und Wirtschaflsrat der Zionistischen Ration. Die Konstitution des J. N.-F. hat also zum 3 der Exekutive die Möglichkeiten der weitesten Kon< 'einzuräumen, ohne dabei der Verwaltung sie» J.N.-F (»twegtingsfrclhcit bei der Arbeit zu nehmen. Ist sehr fraglich, ob das Prinzip der Zentralisation u7: Lipsky augenscheinlich vorschwebt, angetan ist, die E'tit der verschiedenen zionistischen Institutionen zu för- <* dljHcs System nicht vielmehr In grolkin Maße Jod wirken wird. Die Zionistische Organisation hat J1« Arbeit, lu Palästina bereits eine Reihe von Insti- "« ins Leben gerufen, und es war für die Entwicklung Tätigkeit äußerst günstig, daß Jede Institution ungeihre Kräfte entfalten konnte. Es Ist Aufgabe der i^ve, die Arbeit all dieser Institutionen mit ganzer iu fördern, Ihr obliegt es auch, sie in entsprechender q *u kontrollieren. Sic muß vor allem darauf achten, li!c Institutionen von einem Qeist getragen, daß Rciu und gegenseitige Störungen vermieden 'werden ^■m ist der Vorschlag Mr. .Lipsky», daß dem Kongreß "«dget für die J. N.-F.-Arbeit vorgelegt werden solle, (Sfnßer Vorsicht aufzunehmen, Man muß sich verfertigen, wie ein Budget einer bodeaerwerbenden In- ■ifl> wie es der J. N.-lJ. ist, aussehen kann. Das Budget '•Vir bcstent Jctrt fast ausschließlich aus zwei Ponten: <,;'*erb und AmeUorntion, .abgesehen von einem ver- «öf;i% geringen Posten für die Pflanzungsarbcltcn, die 'iliti ""»cm der Bpczicllen „Baumspcndenfonds" aus- VrtWcr(Jcn' ,st dcra 8ani unmöglich, dem ein detailliertes Budget der Bodenerwerbungen vor-!hl - ^a,,e'0C Bill für die vorzunehmenden Amelioratlonen, v^'öhnllch mit den neuen BodcnkSufcn Im Zusammen- 1 ''eben. Die Bodeherwerbstätigkeit erfordert bekanntlich die größte Unauffälllgkclt und Vertraulichkeit und bfs zur endgültigen Durchführung des Bodcnkaufcs Ist mit diesen Agenden nur clu ganz kleiner Krcla von Personen vertraut. Der J. N.-F. kann deswegen vor den Kongreß nur mit dem Vorschlag hlnlritcu, daß so und so viele Tarnende von Dniinin erworben werden sollen, wofür ungefähr so und so viel Tauscndc von Pfunden benötigt werden. Aber auch gegen eine solche Verkündigung können Bedenken erhoben werden und mit Recht, da das Breilwcrde-n von Gerüchten baldiger größerer Podcnkfiufc nellm* der Organisation »Irlierlkh nicht ohne Einfluß auf die Dodcnprelso In Ercz Israel bleiben kann. Eben aus dUsen Erwägungen wurde doch schon verschlcdcncrsclts bemängelt, daü der J.N.-F. In diesem Jahre mit der Losung „100000 Dunam — 500000 Pfund" vor die Öffentlichkeit getreten ist. ZW Die PuriBSi,-&G&8Boii 1II0 am SonutAg, den 8. Marx In Borllo stattfand, soll ara Bönning, den 15, Mtlrt als BUchson-Aufstcilungs* Aktion fortgeführt werfen. Wir bitten alle Gesinnungsgenossen, besonder» diejenigen, die am 8, Mftrs an der Teilnahme verhindert wwvn, sieb nns fltr diesen flonuUif sur Veriniritng tu stellen. Die Aktion beginnt n« VilO Dar voruittatrs tind wird vom JüdUcheo Volks-" heim, DragonerstroSt 12, an« geleitet. Wir bitten nnsere Mitarbeiter, sich am Sonntag, mn VitO übr ' tnr MHnrbelt ein« mfludcn. IU smmmm^avssu'sjsaz Was aber u. E. von viel schwerwiegenderen Folgen begleitet sein kann, Ist die Einbeziehung d«i Budgets für Bodenkäufe in den allgemeinen Palästina-Etat. Die Ver waltung des gesamten Etat müßte von ein- und der selben Stelle aus geschehen und die unvermeidliche Folge wäre — wie es auch Mr. Lipsky konsequent vorschlägt — eine gegenseitige Abhängigkeit der beiden Budgets, des jenigen des J.N.-F. und jenen des K.J-I. Das heißt, daß di: StUie, die die Budgets verwaltet, dlc.ee In ein bestimmtes Verhältnis bringen kann. So K B., wenn keine ausreichenden Mittel für die Besiedlung neuer Böden vorhanden sind nachdem, wie in diesem Jahre, die K. H.-Mittcl nur für die Konsolidierung der bestehenden Siedlungen Verwendung finden konntin — darf auch kein neuer Boden grk/iult werden und ..da* Geld de» J.N.-F. würde evtl. auch für andere Zwecke benutzt wcrxlcn, nämlich an Stelle neuen Fodcn erwerbs würde Kolonisation gtlrlcben werden. Beim ersten Blick könnte mau glauben, daß es keinen Sinn hat, neue Böden zu erwerbon, wenn der KolonNationsfonda über keine Mittel für die ßcidtdlung verfügt. Wenn es auch richtig ist, daß die Bodenpolitik in Ucbcrclnstimmung mit der Koloni sationspolitik gebracht werden soll, so doch nur In dem Sinne, daß Böden gekauft werden, die den Anforderungen der Kolonisation entsprechen. Es bedeutet Jedoch eine wahre Gefahr für unsere Arlull, wenn man den Bodenerwerb von dem Vorhandensein der Mittel für die Kolonisation abhängig machen würde. Die Aufgabe des K.K. Ist es, möglichst rasch, möglichst viel Boden in den Besitz den jüdischen Volkes zu überführen. Sowohl auf dem Lande als auch bei der Stadt sollen größere Bodwircscrvcu geschaffen wrrden, die der llntsvlcklung der nitchsti-11 Zelt mit der immer steigenden Immigration Rechnung tragen. Der J.N.-F. hat ein großes und weites Programm: nicht einfach Boden zu erwerben, sondern eine Bodenpolitik zu führen, um auf den palästinensischen liodcuniarkt eine aus hchl.urgchuide und führende Kelle spielen zu können. Nur dadurch wird er bedeutende Flächen In den Besitz des Volkes bringen und sein großes soziales Programm der allmählichen Nationalisierung des jüdischen Bodens in Ercz Israel erfüllen können. Dafür braucht er Mittel, die nicht in Hundert tausende, sondern In Millionen von Pfunden gehen. Seine Mittel können demnach keinesfalls für andere Zwecke als Bodenerwerb verwendet werden. In der Geschichte des J. N.-F. gab es leider eine viel zu lange Periode, in der er, als elnizlges Fluaiizinstilut der Organisation, die gesamte zionistische Kolcnisntionsarbcit bestreiten mußte. Die Folge davon war, daß fiist ncitic gesamten Mittel für lindere Zwecke als Ikxlencrwcrh gebraucht wurden und In 20 Jahren seines Bestehens nur?lrka 20 (100 Dunam erworben werden konnten Das Prinzip der gegenseitigen Abhängigkeit der beiden Budgets birgt in sich die Gefahr, daß der J. N.-I". wieder In den früheren verhängnisvollen Ztislnml /iirikkfiillt, Ferner, und dies soll mit allein Nachdruck hervorgehoben werdeu, Ist die gegenseitige Abhängigkeit der beiden Budgets insofern eine Gefahr, als bei den palästinensischen Verhältnissen unter dem Druck der Notwendigkeiten des Tages sehr leicht Verschiebungen stattfinden können, und zwar stets zu Ungunsten des Kodcncrwcrbcs. Wer mit den Verhältnissen in Erez Israel vertraut ist, wird dies ohne weiteres einsehen. Der äußere Druck wird die Männer am Ruder der Verwaltung trotz des besten Willens zwingen, auf Kosten des Bodenerwerbs andern unaufschiebbaren Erfordernissen gerecht zu werden, wenn Ihnen konstitutionelle Möglichkeiten dafür zur Verfügung 6tchen. Und wirklich, wer könnte den eisernen Willen aufbringen, die Budgets scharf getrennt zu halten, wenn, wie es vor zwei Jahren der Fall war, Hunderte von Menschen Im Emck, die die schwere physische Arbeit vollführen, durch das Ausbleiben der Budgets der minimalsten Ernährung beraubt Kind? Sollte man den Leuten die allcruotweudigste Ernährung vorenthalten oder Boden kaufen? Oder, wenn Hunderte von Lehrern monatelang wegen der Nichtaus- Zahlung der Oehälter mit ihren Forderungen Tag und Nacht die Verwalter der Budgets bestürmen? Trotz aller Anerkennung der Wichtigkeit des Bodciicrwcrbcs würde der Druck der Not des Tages stets stärker sein. Und hierin liegt die Gefahr, daß der Bodenerwerb in den Hintergrund Iterflckt wird, zum großen, nie wieder gutzumachenden Schaden ür die ganze Aufbauarbeit An die zionistische Welt soll hiermit eine ernste Warnung ergchen! Bringt die Bodencrwcrbstätlgkelt des J.N.-F, die vornehmste unter nllen Arbeiten 'de* neuen Palästina, nicht lu Gefahrl Wer besäße den Mut,*cin derartiges Risiko zu übernehmen. Wer wird der jüdischen Welt gegenüber es verantworten können, daß an Stelle eines immer fortschreitenden Tempos des nationalen Bmlcncrwcrbcs eine Verminderung dwH'lbcn eintritt. Und als unvermeidliche Konsequenz der frtthercu Forderung Mr. Llpskys kommt der letzte Punkt des Programms: enge Verbindung und Koordinierung der beiden Fonds der Zionistischen Organisation, des J.N.-F. und des K.II.; wenn es geht, strebt Mr. Lipsky eine Vereinigung der beiden Sammcl-Apparatc an. Er erklärt es damit, daß er eine Intcrcssciikollislou und ein Durchclnandcrarbcitcn bei der Sammeltätigkeit der beiden Fonds vcnnledcn sehen möchte. Es ist klar, daß nur durch eine fixe und feste Ordnung In der Sammeltätigkeit der beiden Fonds die Interessenkolllslon und ein Aufeinanderprallen vermieden werden kann. Dieses Ziel soll vor allem angestrebt werden. In dieser Hinsicht hat eben die Zionistische Exekutive ihre ganze Macht auszuüben. Die Exekutive muß bei richtiger Ein» Ordnung der Interessen der beiden Fonds, deren Entwickhing ihr doch In gleichem Maße am Herzen liegt, ein System, finden, das beiden Fonds die Möglichkeit gibt, ihre Arbeit ungestört durchzuführen. Sic muß eine strikte Abgrenzung der Tätigkeit der beiden Fonds vornehmen, Ihre Samuielmethodeu streng fixieren und andere Mnßnamen treffen, wie, um nur eine der vielen zu erwähnen, die Teilung der Arbeit nach geographischen Gebieten und Zcllperiodcn. In der Praxis der Saminelarbcit haben sich bereits verschiedene Methoden herausgebildet, und es ist nur Sache einer autoritativen Körperschaft, sie im Einvernehmen mit den beiden Fonds zu einem System auszugestalten. Und die Fonds mflsjen sich den Bestimmungen der Exekutive fügen. Eine Regelung In diesem Sinne wäre zu begrüßen. Hingegen wird mit der Vereinigung der beiden Fonds, wie sie Mr. Lipsky, wie es scheint, vorschlägt, denselben sowie der. ganzen Finanzierung des Aufbaues gar nicht gedient sein, Ja, en wird gerade dan OegenUil eintreten. Die Vereinigung der Fonds Ist nicht notwendig und niclit zweckmäßig. Sic ist nicht notwendig, weil man auch auf anderem Wege dasselbe Ziel erreichen kann. Zwecks Vermrldung von Konflikten und sonstigen Reibuiigsinö;:lichkeitcu soll ein System der Koordinierung der Arbelt geschaffen worden. Die Vereinigung der Fonds ist aber vor allem nicht zweckmäßig, weil materiell und moralisch dadurch ein großer Schaden verursacht wird. Durch die Vereinigung werden die Gesamteinnahmen der vereinigten Fonds bestimmt verkleinert werden. Solange man aber nicht die Sicherheit hat — und diese Sicherheit kann keiner gewähren — daß durch die Vereinigung der Fonds derselbe Betrag summa smtmarum für den Aufbau Palästinas aufgebracht wird, dar! man nicht nn die Vereinigung herangehen. Man hat bereits eine Erfahrung mit derartigen Versuchen, indem man itj dem einen oder anderen Lande dir Vcreluh'unn der .Sammlungen für beide Fonds vorgenommen hat. Und dies hat sich überall als ein Fehlgriff erwiesen. Das Resultat war, daß man Insgesamt weniger aufgebracht hat. Durch Erwägungen allgemein organisatorischer Natur, die sehr oft auch uur theoretisch sind, soll man nldi nicht täimchcti laiscu und die Höhe der für den Aufbau aufzubringenden G.-ldcr nicht gefährden. Die Folgen werden sein, daß man vielleicht Konflikte vermelden wird, aber materiell wird dafür Palästina leiden Die Vereinigung wäre noch aus dem Grunde unzweckmäßig, weil es sich um zwei ihrem Wesen und Charakter nach vollständig verschiedene Fonds handelt. Die Fonds bedienen sich ganz verschiedener Sammclmclhoden: der K. II. der steucrinäßigen Abgabe, indem er au alle Juden mit der Forderung, eine Verpflichtung gegenüber dem Aufbau Palästinas zu übernehmen, herantritt, und der J. N.-F. der tnglagllrhen freiwilligen Spende. Dementsprechend sind sowohl der Apparat als auch der Milarbcltcrkrcls der beiden Fonds von Grund aus vcrschl:dcn. Es ist gerade ein eminent wichtiges zionistisches Interesse, die Apparate nicht zu verschmelzen. Im Ofgcnteil, durch Immer schärfere Betonung der Unterschiede In den Methoden der beiden Fonds kann eine stets ausgesprochenere Spezialisierung der Arbeit erreicht werden, so daß die Rclbungsmöglidikciten nach und nach gänzlich verschwinden, andererseits die Finanzierung Ercz-Isracls viel gewinnen wird. Aber vor allem kommen sehr wichtige moralische Momente In Betracht, die gegen die Vereinigung der Fonds sprechen. Man soll nicht etwas zugrunde richten, was Im Laufe von Jahren mühevoll aufgebaut wurde und das Tau- senden und Abertausenden von Menschen teuer geworden tst. Es Ist bekannt, daß der J.N.-F. sich der Liebe einer sehr großen Znhl von Mitarbeitern erfreut und als ältester zionistischer Fonds eine Tradition geschaffen Int; die Hingebung wird einer Inslllutlou dargebracht, mit der mau sieh verbunden fühlt, die zum Ideal, zum Symbol Palästinas geworden Ist Ist man sicher, daß durch die Vereinigung von Fonds resp. durch das Vcruchwlnden des olnen und des anderen die Bildung eines ganz neuen Fonds sich dieser derselben Liebe und Ta-ue erfreuen wird? Braucht nicht jede Institution Zelt, um clno Tradition auszubilden, und werden nicht gerade durch die Kraft dieser Tradition immer neue Menschen zur Milarbcitcrschafl für den J.N.-F. herangezogen? Und zum Schluß — das eminent wichtige ideologische Moment, das beim J. N.-F. eine so große Rolle spielt. Es Ist die Idee, die der Institution zugrunde liegt, die so viele Leute für den J.N.-F. begeistert. Der J.N.-F. verdankt seine Popularität der doppelten Idee, die Ihm Innewohnt! der Qculnth-Hanrcz und dem sozialen Ideal — Volkseigentum au Grund und Boden. Der J. N.-F. ist für Jeden Juden, der mit der Aufbauarbeit vertraut Ist, zu einem mit dem neu werdenden Palästina untrennbar verknüpften Begriff geworden. Der mornllsch-ldcologlsche Moment zusammen mit der organisatorischen Tradlllon habcu eine nach mehreren Tausenden zählende Armee der J. N.-F.-Mltglledcr, die «Ich eng mit der Institution verbunden fühlen, geschaffen, die alle von einem Geist, von einem „esprit de corps" beseelt lind. Und darin Hegt vielleicht das ganze Geheimnis der Popularität des J.N.-P. Vorsicht Ist daher geboten; es ist leicht, etwas zu zerstören, aber unendlich schwer, wieder aufzubauen. Der Vorschlag der Vereinigung der beiden Fonds