Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kr 21 TUBDISCHE RUNDSCHAU Seite 189 englische Politik kein Unrecht, sie werden als voll- ,,flnicn gleichberechtigt behandelt, womit gleichzeitig t, Vorzugsstellung der Juden in Abrede gestellt ''den soll. Die Juden haben freilich die Erlaubnis, ' ^nd zu kommen — aber jeder andere, der will, auch. Alands Absicht Ist, Juden und Arabern fair play zu ' t* ..mj-I CIA rlarlftr/>l< -»1. kiihAI. A rkj.it -nt .eben und sie dadurch zu gemeinsamer Arbeit zu Auch In Herbert Samuels Ausführungen wird Richtlinie der Rcglerungspolitik stets das Streben 'cl, vollkommener Gleichberechtigung bezeichnet. In Lern Sinne schildert er die verschiedenen Bemühungen L Regierung, die Araber zu politischer Mitarbeit her- Richen. Der Plan des gesetzgebenden Rates, die *ild<inff des Advisory Council mit verstärkter Zahl von '„bischen Mitgliedern, die arabische Agcncy.. Der Sinn iejes Vorschlages 6ci gewesen, die Araber in keiner Eichung irgendwie schlechter zu stellen als irgend einen ijdcrcn Teil der Bevölkerung. Die arabische Agcncy jiC) wie der High Commissloncr jetzt ausdrücklich ^stellt, dieselben Befugnisse wie die Jewisli Agcncy ^cn, Von besonderer Bedeutung ist seine Erklärung, ji5 die Regierung bereit ist, jeden dieser Vorschläge „ieder aufzunehmen, wenn die Araber zur Annahme ^reIt sind. Herbert Samuel faßt die Araber-Politik der '.jlistintnsischcn Regierung dahin zusammen, daß sie Araber in Bezug auf ihren Landbesitz, ihre Religion '.4 Ihre Entwicklung im allgemeinen genau« so beendete, als ob die Balfour-Dcklaration Oberhaupt nicht jssen worden wäre". — Die Kommission selbst :it diese Haltung der Regierung gebilligt und untergehen durch die in dem Bericht aufgenommene Anfofderung, die Bemühungen um Teilnahme der arabi- <hcn Majorität an der Verwaltung des Landes fortsetzen. Diesen Erklärungen zur Araberpolitik entsprechen Süißcrungcn über die Rcgicrungspolitik gegenüber den den. Herbert Samuel hebt hervor, daß die Ansiedag der Juden nicht durch die Regierung erfolge. Das idlsche Slcdlungswcrk beruhe nur auf den eigenen •tmühungen der Juden, an denen die Regierung unbestößt sei. Der Unterschied —■ das ist die bezeichwüste Acußcrung — zwischen dem alten, türkischen id dem neuen Regime bestände nur darin, daß die lürken den Juden Schwierigkeiten gemacht hätten, wähnd die jetzige Regierung ihnen Handlungsfreiheit gebe. is Ist nur noch eine Bestätigung dieser Haltung, wenn;itmicl die von Thcodoll angegriffene Aeußcrung Edcrs, liß es in Palästina nur eine na'.ioualc Heimstätte und r»ar für die Juden geben könne, mit Entschiedenheit »urteilt und statt dessen die Entwicklung eines .;cincinsamen Heimes" für Araber und Juden fordert. Die Erklärungen der Rcgicrungsvcrtrctcr vor der tadatkommlsslon haben, für, uns nicht, nur, den •. Wert ichtiger Informationen. Sic gestatten uns -auch, zu prüfen, wie weit die englische Politik auf der Linie erläuft, die von dem polltischen Oedankensystem des Donismus erstrebt worden ist Die charakteristische Forderung des in der zionistischen Terminologie als jütischer Zionismus bezeichneten Anschauung,' \Vic sie <on Ifcrzl geschaffen und durch die Zelt dcr. Balfourfcklaratlon wieder stärker hervorgehoben ist, lautet: k Beslcdclung Palästinas ist durch die Ucbcrtragung formaler Rechte an die Juden zu sichern, dadurch soll politische Anerkennung ausgedrückt und eine politisch 'tarke Position geschaffen werden. Diese Forderung, Ii der Gegner des Zionismus das Streben nach unzu- Üssigen Privilegien im Verhältnis zu der im Lande Khon ansässigen Bevölkerung sehen, wird damit gcftchtfertlgt, daß nur auf diese Weise das den Juden seit Jahrhunderten angetane Unrecht ausgeglichen, also ein Zustand internationaler Gleichberechtigung geschaffen werden kann. Der Gedanke des politischen Zionismus verlangt also, daß die Stellung der Juden Im Rcchtssystcm Palästinas in einer besonderen Welse hervorgehoben werden soll. Dieser Oedankc ist auch In der Balfour-Dcklaratfou und den entsprechenden Bestimmungen des Palästina-Mandats zum Ausdruck gebracht. (Der Streit darüber, ob das in genügendem Maße geschehen sei, interessiert hier nicht.) Geht man von dieser Anschauung aus, so bedeuten die Erklärungen Herbert Samuels vor der Mandatkommlsslon, daß die Linie des politischen Zionismus, auch soweit sie im Palüstlna-Mandnt markiert worden ist, von der palästinensischen Regierung' mit Bewußtsein aufgegeben worden ist. Daher die Ablehnung des „extremen" Zionismus, der Herbert Samuel so entschieden zustimmt, und die dann auch In der scharfen Wendung des Berichts gegen,diese Anschauung zum Ausdruck gekommen ist. Daher wohl auch der Wunsch Ormsby Gorc's, der Zionismus möge sich mehr mit praktischer Arbeit als mit Propaganda beschäftigen. Folgerung: Was wir zu erwarten haben, Ist — ulc es Herbert Samuel nennt — „füll liberty of action". Keinesfalls mehr, hoffentlich nicht weniger. Es ist ein Ocbot politischer Klarheit, diesen Tatbestand zur Kenntnis zu nehmen. Pro]. Gilbert Murriy Aber VIHkerbond uid jüdische Frauen London. (J.T.A.) Unter dem Vorsitz Nahutn Sokolows hielt Prof. Gilbert Murray Im Angto.palcsllnlnn- Club einen Vortrag über Völkerbund und jüdische Frage. Er führte u.a. aus: Der jüdische Anspruch auf Palästina geht wie ein roter Faden durch die Geschichte. Die ccutripetalc Tendenz nach dem Ideal Jerusalem war Immer hervorstechend. Die fortwährenden Klagen der Araber Palästinas über die Ucbcrfrcmdung des Landes seien nicht berechtigt. Der Prozentsatz der Abcllsloscn Ist In Palästina niedriger als in alten anderen Lindern, die jüdische Einwanderung wird sorgfältig geregelt. Unter einer fortschrittlichen und tüchtigen Regierung könnte Palästina e'ne ungeahnte Entwicklung nehmen. Die Juden, obwohl Über alle Welt zerstreut, vermögen einander recht gut zu verstehen; ein Ideal eint sie. Die Juden verwirklichen In Palästina ein Mcnschhcltsidcnl. indem sie beweisen, daß «1er Wille zum gegenseitigen Verständnis alle Unterschiede überbrückt, Nationen mit Landesgrenzen sehen alle Dinge vom Standpunkt der Landesgrenze an. Das (Ohrt zu Elend und Not. Die Juden haben keine Grenzen, und ihnen Ist der Gedanke menschlicher Verständigung leichter faßbar. Prof. Murray wandte »Ich dann der Frage der Minoritä ten zu. Er drückte seine hohe Sympathie mit der politischen Führung der Juden In vielen Ländern aus. Im allgemeinen werden die Mlndcrhclts Schutzgesetze nicht-gut beobachtet, das Joint Foreign Com»1 mittec (Komitee für auswärtig Angelegenheiten der englischen Juden) hat die Pflicht, überall einzugreifen. Herr Sokolow sagte mm Schluß, Palästina müsse gut bewacht werden, damit es nicht balkanisiert und so ein Herd des Krieges und dtr Revolution werde. Indem die Juden Palästina konsolidieren, nützen sie dem Völkerbund. Oclingt die Arbeit in Palästina, so wird der Kredit des Völkerbundes wachsen. Es könnte noch der Tag kommen da Jerusalem, nicht Ocnf, Sitz des Völkerbünde» wird. Pallsllna is denpolnlsch-cigllschenllandclsvcrlran einbezogen Warschau. (J. T.A.) Das Rcglcrungsgesct/.b!alt ver öffentiieht soeben eine Mitteilung, daß der zwischen Polen und England abgeschlossene Handclsvcrlvi'j das englische Mandatslaud Palästina miteinbezieht. Aus der palästinensischen KYemdenliste Die In Haifa während der letzten 14 Tage eingetroffenen Schilfe brachten eine große Anzahl prominenter Amerikaner nach Palästina, darunter eine Anzahl von Juden, die sich für die jüdische Entwicklung des Landes interessieren. Unter den Jüdischen Besuchern befindet sich u. a. Herr A. Dlx am New York, ein bekannter Kaufmann und Philanthrop, der vor drei Jahren dadurch Aufsehen erregte, dnfl er seine grofle Fabrik seinen Arbeitern übergab. Während seines Aufenthaltes In Jerusalem besuchte er In Begleitung von Dr. Magnes die Hebräische Universität, für deren Entwicklung er grollcs Interesse zeigte und der er wesenülche Unterstützung versprach. Unter den hervorragenden Besuchern Jerusalems während dieser Woche befanden sich Ulla« KadooHc mit seinen beiden Söhnen. Er hatte eine •Reihe von Besprechungen mit den Vertretern verschiedener Institutionen. Herr Ka«. d 0 o r 1 c spendete einen Botrncr für die Eintragung U s s I s c h klns Iiis Ooldcnc Buch des J.N.-F. Herr Simon Plex 11 er, Direktor der Rockcfetler-Stlttung. brachte einige Tage In Jerusalem zu und hatte Unterredungen mit Beamten des Gesundheitsamtes der palästinensischen Regierung und anderen an der öffentlichen Gesundheitspflege und sanitären Einrichtungen interessierte« Persönlichkeiten. Unter den von Aegypten kommenden Besuchern waren Cyrus Sulzbcrger und Frau, die durch Ihre hervorragende gemeinnützige Arbeit unter der jüdischen Bevölkerung New Yorks bekannt sind, und eine ausgedehnte Reise durch das Land macheu. Sir Edward Stern, Bart., Bankier aus London, zeigte großes Interesse für die Jüdische Entwicklung, nachdem er auf seinem Wege nach Tel-Awlw verschiedene Judälsche Siedlungen besucht hatte. Unter den amerikanischen Oäslcn befanden sieh William Johustou, Herausgeber der „New York World", der sich Insbesondere über die zionistischen Verhältnisse informierte. Hermann Her 11 stein, ein bekannter Journalist und gegen« würtiger Herausgeber der „Jcwish Tribüne" in New York bereist Palästina mit der speziellen Absicht des Studiums der zionistischen Kolonisation. LcsIIe V. Marks und Frau aus Cincinnati hatten Unterredungen mit Mitgliedern der zionistischen Palästina-Exekutive. Äron Qarber, ein bekannter Zionlst von Clcvcland, Ohio, wird längere Zelt In Paliistina bleiben und sich insbesondere mit den Fragen des Wohnungsproblems bcschSItigcn. Edgar L Newhouse, Vorsitzender des Direktoriums der „American Smelting aod Rcfinlng Co.", besuchte die zionistische Exekutive uneThatte eine längere Unterredung mit Herrn van Vricslaud. Nathan Chasnh, Direktor, und Joseph Miller, Geschäftsführer der „Judaen" Versicherungsgesellschaft, sind zur. zeit in Jerusalem, um hier das Hauptbüro dieser Gesellschaft zu errichten, Die Jfrusilrmer Uasserversorgosg Ii Celakr Jerusalem. (J. T. A.) Durch das Ausbleiben des Regen*. Ist die Wasserversorgung Jerusalems fn eine ernste Lage geraten. (S. auch den Brief unseres palästinensischen Korrespondenten in der „J. R." vom 0. März.) In der ganzen Stadt wurde das Wasser rationiert. Die Rationierung wurde auch für die Krankenhäuser ausgesprochen. Die ü a utä tlgk cl t* niu fl wegen Wassermangels ruhen. Die ßaukoopcratlvc beabsichtigt, die Jcnisalemer Arbeiterschalt In andere Städte zu dirigieren. Der Vorrat In Zisternen und In den Privathäusern reicht nur noch für zwei Monate. In allen Kirchen, Synagogen und Moscheen wurden Oebetc um Regen angeordnet. Die JcrusaJemer Stadlverwal. tung hielt gemeinsam mit dem Gouverneur Rouafd Storrs una anderen Reglerungsheamten eine Beratung »b. Man beschloß, zu versuchen, Wasser aus der Quelle Enfarra, einige Mellen von Jerusalem entfernt, nach der Stadt ru leiten. Eine ntoc Sledling zu Kerken* In der nächsten Zelt wird in Kcrkur eine neue landwirtschaftliche Siedlung durch den Kcrcn Hajcssod begründet werden. Die Siedlung wird auf einem Stück Land errichtet, das von der Ocsellschaft „A c h u s a l h London AI c p h" dem Jüdischen Natlonal-Fonds übertragen wurde. Für den Anfang sollen 20 Familien angesiedelt werden. Die Vorberelliingcn für die neue Siedlung wurden vom Kolouisatlonsdcparlmcnt der Zionistischen Palästina-Exckutive mit der Londoner Achusa getroffen. ■____L'.l>____I {«r Midrasch-Literatur von Dr. S. L. Baruch Ji erwähnen, die zirka 503 Seiten stark Ist und Uas Beste ft Midraschim-Litcratur enthalt. Jeder Quelle geht eine ausgliche Einleitung voran, die ihre Entstchungszeit und lltc- "Hschc Wertung darstellt. Außerdem erscheinen In kurzem vier Werke von Dr. Mob Klatzkin: I. Sutot, ein Buch philosophischer ■•'imaturcn (soeben erschienen). 2. Schklat Hachajim (Eutropic), Versuch einer Weltanschauung (Logik, Ethik, J«thcük). 3. Milon philosophia (philosophisches »örterbuch) und eine Anthologie der jüdischen Reiigions- ™*ophic. 4. Mitoch Haphllosonhla Haattka J« der alten Philosophie), ausgewählte Ucbersctzungcn aus Ctr vorsokratischeu, somatischen und nachsokratlschcn Philo- »phie mit Einleitungen. „ Ferner werden demnächst in Druck gehen: 5. Sefer »doiaoth von Dr. J. Bernte Id. III. Band. 6. i'^saot Bin Ja min, die Rciscbcschrcibungcn des Rabbi Flämin aus Toledo. Das bekannte Werk wurde nach einem f^/ölfcntllchtcn Manuskript von Speer wissenschaftlich bc- «beilet und eingeleitet 7. Sefer Schaschulm von Ibn Zbarah. ,tu bearbeitet von Prof. Davidsohn. 8. Machbroth Immanuel •woml, auf Orund eines neuen Manuskriptes, herausgegeben y, Prof. II. Brody. 9. Sämtliche poetischen Werke des '"ad Nagara in drei Teilen, von denen der 3. Teil noch 'tniais veröffentlicht wurde. Das ganze Werk wurde von ''ol. Davidsohn wissenschaftlich redigiert und bearbeitet. f Öle Kabbalah des Arl und R. Cliajlm Vital von Dr. A- Horodetzky. Böcherschau k«,.011 ,v- Buch Ew» und die Apokalypse des Baruch gc- »Vi.? w den sogenannten Pseudcplgraphcn, Jenen Schriften?"s'«chatologlschen Inhaltes, die zur Erhöhung Ihrer eigenen i"°nt$t einen hochangeschcncn Namen der Vorzeit als Vervorschoben. Die meisten dieser Schriften sind nicht in >»L ,not> aufgenommen worden (nur die Daniel-Apokalypse ßfjrt hierher) und sind außerhalb der Oelehrtenwclt wenig Eisegroßartige deutsche Gesamtausgabe der Apokryphen und Pscudcplgrapheu des Alten Testaments ist von E. Kautzsch In zwei Bänden im Verlag von J, C. B. Mohr in Tübingen herausgegeben worden. Das IV. Buch Esra,' dessen Entstehungetwa um das Jahr 10Ü 11. Chr. angenommen wird (wofür sich im Text deutliche Beweise finden), Ist ein klassischer Vertreter dieser Literaturgattung. l!s ist eine wundervolle religiöse Dichtung, deren hebräisches Original leider verloren gegangen Ist und das nur durch eine ganze Reihe von Ucbcrsclzungcu In orientalische Sprachen, die alle auf eine griechische Fassung zurückgehen dürften, erhalten wurde. Das Buch zeigt uns die Gedankenwelt des römischen Oalulh-Judcntiims jener Zeit, das von hellenistischen Einflüssen durchsetzte Epigonentum des Propbctismiis, dessen Leidenschaft entfacht wird von der Trauer um Zion und der Sehnsucht nach Erlösung. Oer Verfasser des Esra IV erzählt sieben Visionen; seine Spekulation knünft an an das tiefste philosophische und rclirj'uise Problem: Wenn Gott allmächtig Ist, wieso will er das Ikisc? Warum sebut er den Menschen mit dem bösen Trieb? Und dann der Zweifel an Ooltcs historischer Gerechtigkeit: Warum, wo doch alle Völker böse Kind, hat er gerade Israel, sein \o% vernichtet? — Er cifeit leidenschaftlich mit Oott, und Oott antwortet Ihm, was er dein I Hob geantwortet: Nicht Menschen ziemt es, flottes uucrforschllclic Wege nachzuprüfen. I>cr ringende Mensch nber verflucht sich, seine Oeburt, seinen Verstand, seine Freiheit; er llurht dem Adam, der die Menschen (dimlii'oii Wirte. Aber dns Unglück Zlons geht über alles pcrsimlichc Loht. Gegenüber dieser Verzweiflung tritt dann die Heilsbotschaft, die Vorkündigung des Messias und des Messlasrclches. Mit Jubel und Posaunen wird der Tag anbrechen, da die Herzen gewandelt werden und Gerechtigkeit triumphieren wird. Das Buch ist voll von tiefen Gedanken, philosophischen Diskursen, phantaslevollcn Gleichnissen. Die Schilderung des Gerichtstages und der Visionen Ist von hinreißender poetischer Wucht. Wir glauben, daß dieses Werk unserer Nationalliteratur, das bisher nur Domäne christlicher Forschung war, In Jüdischen Kreisen mehr bekannt zu werden verdiente. Vielleicht wäre der Oedankc einer populären und billigen Ausgabe zu erwägen. — Dasselbe gilt, freilich In geringerem Maüc, auch für die Baruch-Anokalypse. — Der Herausgeber Dr. Violct hat sich dem Werk Jahrelang mit Hingabe gewidmet und eine Fülle wissenschaftlicher Anmerkungen (nebst Einleitung) beigegeben. Seine deufeche Tcxtgesialtung Ist besonders zu lobon. Angehängt sind Textvorichlüge von Prof. Hugo Oroflmann. W, Heinrich Heines sämtliche Gedichte. Herausgegeben von Jonas Prünkcl. (1000 Selten.) In Leinen 10 M., in Leder 17 M. Im Inscl-Vcrlag, Leipzig 1025. Die liiscl-Ausgnbc von Heines sämtlichen Werken, deren erster Band — die Gedichte enthaltend — eben erschienen ist, zeichnet sich aus dureb besonders schönen Druck und die geschmackvolle Ausstattung, die allen Ausgaben dieses Ver- Inges eignen. In handlichem Taschenformat auf Dünndruckpapier sind alle Verdichtungen Heines In einem schmiegsamen Band zusammengefaßt, süßes Singen und wehmutsvolle Weisheit, unsterbliche Mc'odlcn und schmerzlicher Spott/über menschliche Unfreiheit. Dies Ist ein Buch, das noch immer iung und darum auch heute besonders für ücschenkzwcckc geclgnet Ist — fiel dieser Gelegenheit sei auf eine Stelle hingewiesen, die heute sehr aktuell klingt und die, wie uns scheint, von Hugo B lebe r In seiner verdienstvollen Anthologie „Confcsslo Judoka" (im Wclt-Vcrlap, Berlin - besprochen hier am 10. Februar), die alle auf Judentum bezügliche Heine-Stellen zusammenträgt, übersehen wurde. In dem Oedicht ..Die Wahlescl" (Nachlese, Zeltgetllchtc II. Abt.) wird geschildert, wtc die Esel einen König wühlen; es gab auch eine klc'n? PtcrdÄpatleU Als einer jedoch die Kandidatur Des Rosse» cmplahl, mit Zctcr ,' Ein Lang-Obr Iii die Rede Ihm fuhr Und schrie: Du hht ein VerräterI Im bist ein Verräter, es (Hellt In dtr 'Kein Tropfen vom Eselsuhilcj Du bist kein Esel, Ich glaube schier, Dich warf eine wälschc Stute. Du stammst vom Zebra vielleicht, die Hn Sie Ist gestreift zcbrälsch; Auch deiner Stimme näselnder Laut Klingt ziemlich ägyptisch-hebräisch. Und wärst du kein Fremdling, so bist du do Vcrstandcscscl. ein kalter; Du kennst nicht die Tiefen der Eselsnat.- Dir klingt nicht Mhr mystischer Psalter. Ich aber versenkte die Seele ganz. In jene* süüe Gcdöscl; ' fch bin ein Esel, |n meinem Schwa.i. I Ist jedes Haar ein Esel u.».f,