Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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* ^iitm**iMm^*». 1 Seile 168 IUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 21 Verstärkung der Einwanderung nimmt die Arbeitslosigkeit nicht zu, sondern bis zum fast völligen Verschwinden ab. Das bedeutet doch: die jüdische Einwanderung »humt keine Arbeitsplätze weg, sondern schafft neue. Djcic Erfahrung der letzten liluwaudcruiigscpoche wäre nicht nur der Beachtung der MandatkommUtimt, sondern vor allem mich der Regierung wert. ■•'/.-.■ ■ II. ■ '.'•■'Unter den Mitgliedern der Mniidatkommlsslon tritt etne Gruppe besonders hervor, die bemerkenswert wenig davon verspürt hat, daß das Palästina-Mandat eine l>atronats-Vcrpfllcht ung des Völkerbundes für die Sicherung der Existenz des jüdischen Volkes enthält. Die Frage, ob die Mandatarmacht alles getan hat, um diese historische Verpflichtung möglichst schnell und In möglichst weitem Umfange durchzuführen, existiert für diese Uruppe nicht. Sic empfindet nur, datf die Balfour-Deklaration zu einer Auseinandersetzung zu/ischen Juden und Arabern geführt hat, und ist lediglich bemüht, an dieser Auseinandersetzung im Interesse der Araber teilzunehmen. Zu dieser Gruppe gehört der Spanler Pala,cios, Er macht zwar einige höfliche Verbeugungen vor der palästinensischen Regierung und vor der Gleichwertigkeit der beiden Ziele des Mandats — Jüdische Heimstätte und Selbstverwaltung der palästinensischen Bevölkerung. Aber mir um die letztere glaubt er sich bemühen zu müssen. Denn, so meint er, auf dem Wege zur Errichtung der jüdischen Heimstätte hätte dec Mandatar recht viel erreicht, die Maßnahmen für die .Selbstverwaltung der arabischen Bevölkerung wären durchweg gescheitert. Das, nur das macht ihm Sorge, und dafür verlangt er Abhilfe. Die bestimmende Persönlichkeit der Kommission ist der Vorsitzende, der italienische Marquis Thcodoli. Wenn wlf das Protokoll lesen, wissen wir, wem wir die ungünstige Färbung des Berichtes In erster Linie zu verdanken haben. Einige Beispiele der jeden Zweifel ausschließenden Haltung des Marquis Theodoli sind schon erwähnt. Er zeigt ein politisch-polemisches Talent, allerdings auf Kosten der objektiven Haltung, die die Mitglieder der Kommission und besonders ihr Vorsitzender In Ihrer einer richterlichen ähnlichen Stellung zeigen müßten. Schon vor Beginn der Diskussion stellt Thcodoli fest, daß der Kommission nur zwei „offizielle" Dokumente vorlagen, der Bericht der Mandatarregierung und die arabische Petition; andere Schriften, von privaten Personen und Organisationen stammend, könnten nur informativen Charakter haben. Damit soll offenbar das Memorandum der Zionistischen Organisation aus der Diskussion ausgeschaltet werden. Die formelle — übrigens auch formell gegenüber dem Bericht der offiziell ancr« kanten Jcwish Agcncy unangebrachte — Methode Theodolls weicht auffallend" nb von seiner Praxis in einem früheren Fall (Sudwestafrika), Wo er mich Mitteilungen einer unbeteiligten Organisation bereitwillig zur Kenntnis nahm. Den Arabern gegenüber ist Thcodoli auch diesmal freundlicher. Denn obwohl ihre Eingabe , gar nicht als Petition bezeichnet ist, sondern.als „Bericht", wird sie dem Verfahren über Petitionen entsprechend behandelt und daher ausführlich diskutiert. Die Diskussion selbst beginnt Theodoli damit, daß er .Herrn Morgcnthau in die Arena führt. Verwundert fragt man sich: was hat Herr Morgcnthau mit der Kontrolle (iber die Ausführung des Palästina-Mandats und der Bnlfour-Dcklaration zu tun? Nun, er gibt dem Marquis Thcodoli Gelegenheit, die Meinung vorzutragen, daß die zionistische Anschauung nicht die des Haupttclls des jüdischen Volkes sei. Natürlich hat diene Betrachtung mit den Aufgaben der Kommission kaum etwas zu tun. Denn die Balfour- Deklaration Ist geltendes Recht, und die Mnmlatkommisslon selbst betont immer wieder, daß sie nur zu prüfen habe, ob die erlassenen Vorschriften richtig ausgeführt werden, nicht aber, ob es richtig war, nie zu erlassen. Wenn aber der Vorsitzende die von ihm berührte Frage für wichtig hielt, so wäre es für ihn wohl nicht allzu schwer gewesen, sich darüber zu Informieren, daß in der Tat, wie Herbert Samuel ihm nun erklärt, die Masse des \ jüdischen Volkes dem Zionismus günstig gesinnt ist. Er hätte es vielleicht auch Herrn d'Andrnde ersparen können, darauf hinzuweisen, daß Morgentaus Feindschaft gegen den Zionismus möglicherweise auf seine angenehme gegenwärtige Position zurückzuführen sei, daß aber jedenfalls —„wie Herr Frcirc d'Andradc als Mitglied der Mnndatkommission wisse" —- das Mandat für Palästina die Schaffung einer jüdischen Heimstätte im Lande vorsehe. Diene lielehrimgcn hindern Herrn Theodoli keineswegs daran, auch weiter statt sachlicher Prüfung Polemik zu betreiben. Es wird die arabische Petition beraten; man sollte ineinen, daß es sich nur darum handeln könne, ob sie, gemessen au den Bestimmungen des Mandats, berechtigt oder unberechtigt sei. D'Andradc referiert und kommt zu dem Schluß, daß die Petition nicht zur Kenntnis genommen werden könne, weil ihr klar ausgesprochenes Ziel sei, die Errichtung der jüdischen Heimstätten unmöglich zu machen, also einer der Bestimmungen des Mandats entgegen zu handeln. Thcodoli hält es nicht für seine Aufgabe, diesem klaren Gedankengang zu folgen und zu unterstützen, wie die Bestimmungen des Mandats auf die arabische Petition passen. Er entgegnet, daß Dr. Ed er, der frühere Vorsitzende der zionistischen Exekutive in Palästina erklärt habe, es könne nur eine nationale Heimstätte, nämlich für die Juden, In Palästina geben, und es sei eine jüdische Vorherrschaft im Lande zu erstreben, sobald die Zahl der Juden entsprechend gewachsen sei. Diese Erklärung, fügt Thcodoli hinzu, wäre cbjuso dein Inhalt des Mandats entgegengesetzt wie die Vorschläge der Araber. Diese Art der Argumentation zeigt, daß dem Vorsitzenden der Kommission nicht an einer objektiven Prüfung gelegen Ist, sondern daß er eine Diskussion auf der Seite einer Partei führen will. Nur so ist es zu erklären, daß er die typisch-polemische Methode anwendet, ein kritisches Urteil, das sich schlecht widerlegen läßt, mit einem Angriff abzulenken, der mit der gerade zur Verhandlung stehenden Frage nicht-» zu tun hat, Theodoli ist ständig bemüht, die Floskeln der Anerkennung für die Mandatarmacht abzuschwächen, jedes anerkennende Wort über die Juden mit einer ungünstigen Bemerkung zu parieren (Beispiel: wenn einige Mitglieder der Kommission die Zionistische Organisation in günstigem Sinne erwähnen, well sie bei der Auswahl der Einwanderer verständnisvolle Rücksicht-auf die Bedürfnisse des Arbeltsmarktcs nehmen, erwidert er, daß'die Einwanderer 2iun größten Teil den Intellektuellen Klassen angehörten). Auf seine Initiative ist die Stelle des. Berichts über die Notwendigkclt der Beschränkung der Einwanderung entsprechend der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes zu' rückzuführen. Er verteidigt mit Zähigkeit das Vcr< langen der Araber nach einer absoluten Majorität im gesetzgebenden Rate, und versieht Ihre Weigerung, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, Im Bericht der Kommission mit dem Argument, daß im Mandat die Entwicklung von Selbstverwnltungsorgaucn vor gesehen sei. . Diese Haltung des Marquis Theodoli paßt nicht gerade harmonisch zu der allgemeinen politischen Linie, die er bisher in der Kommission verfolgt hat. Ocrade von ihm hätte man Verständnis für den Ideellen, frclicltllclien Chdroktcr des Palästina-Mandats crwar|Cn dürfen. Er hat Stets die neuen Gedanken des Mandat. Systems mit besonderer Lebhaftigkeit und Energie vet! (ekllgt, er hat schon einmal einen offenen Konltikt mji der Mandatkommission nicht gescheut, weil sie scin;i Meinung nach den Fortschritt des Mandatsysteins nicht genügend gegenüber der bisher üblichen Forin dCr Kolonlalpolltik hervorheben wollte. Er Int ein Ocg,itr kolonialer Unterdrückung, er sucht auf dem Gebiete der Kdlonlalpolitllc nach Kräften der Freiheit einen Wen 2U ebnen. Für die Interessen der Bondclzwaarts in Südwcstnfrikn hat er sich mit nachahmenswertem Et(tf eingesetzt, und nun verschließt er Herz und — "\vif wir sagen müssen — Hirn vor dem großen Befreiung, werk, das durch die Balfour-Dcklaratlon völkerrechtlich sanktioniert ist. Was mag der Grund sein? M<|„ Herr Marquis, ein Mann wie Sie, sollte das besser vcrstchii. Nicht überall fehlt das Verständnis für die Idee der jüdischen Heimstätte so sehr wie in diesem Falle Der Portugiese Frelrc d'Andradc, der mit Hinweisen auf die. bestehende Verpflichtung zur Errichtung der jüdischen Heimstätte die polemischen Acullcrungcn Thcodolls Immer wieder wirksam korrigiert, ist rcIioii mehrfach erwähnt worden. Er wird öfters von dem Engländer Lugarcl unterstützt. Bei der Beurteilung der Qualität der jüdischen Arbeit zeigen auch der Franzose Bcan und der Vertreter des internationalen Arbeitsamtes Qrlmshaw eine objektive Haltung. D'Andradc ist auch deswegen hervorzuheben, weil er, als einziger,' es für nötig hält, der Regierung vorzuhalten,'daß'sie nicht genügend für die Errichtung der jüdischen Heimstätte getan habe. Er kritisiert, daß die Regierung die Einwanderung der Juden Wirtschaft, lieh zu wenig vorbereitet und unterstützt habe, in diesem Zusammenhang äußert er die Meinung, daß man den Arabern auf politischem Gebiete, nämlich .in ihrer Forderung nach Majorität im gesetzgebenden Rat ruhig hätte weiter entgegenkommen können — wobei er freilich von der optimistischen Annahme mis geht, daß eine arabische Majorität sich mit den Bestimmungen des Mandats über die jüdische Heimstätte, die unangreifbares Recht seien, abfinden müsse. Dieses Programm — aktive wirtschaftliche Unterstützung der jüdischen Autbau- Arbeit durch die Regierung und, als Kompensation dafür, größere IJcwegmigsfrclhrll der Araber auf politischem Gebiet, Ist auf alle Fälle interessant; aber es erhebt sich hier die Frage, wie weit sich die Entwicklung eines so ausgesprochenen (und Im Grunde politisch orientierten) Wirtschaftsprogrammcs von der Entwlck. lung des politischen Systems Isolieren läßt. III. ■ Vielleicht noch 'wichtiger als die Diukusuloiicii def' Kommission selber sind die Erklärungen der Vertreter der englischen Regierung, Ormsby Gorc's (in der Juni- Sitzung der Kommission) und Herbert Samuels. Die Erklärung Ormsby Gorc's — der als Freund des Zionismus bekanntist — schildert die zionistische Bewegung mit Sympathie. Er hebt besonders die Tendenz: „back to the laud" (Rückkehr zum. Boden) als notwendige Bedingung ihres Gelingens hervor. Ormsby Gore rühmt, daß die Juden die für die Entwicklung des Landes notwendigen Menschen und Mittel steilen, die ohne sie der englischen Regierung fehlen würden. Hier haben wir eine Erklärung des Interesses Englands an der Zionistischen Organisation. Sn weit verteidigt OrmKhy Gore die zionistische Orientierung der englischen Politik. Im Übrigen aber ist seine Rede ganz und gar dem Nachweis gewidmet: den Ambern geschieht durch zwar; 1 verur •, .gern ',' {•;< , Manclj; , wicht, prüfe >.i; verlät;/; Zioniji Ford<!.; politir' » von!j! . DekW1 die E ( formt': politir stark»v In d( , I.1SMJ •; schobt recht; , :t der „ 7U Cl. der t/ futtrlf j rarisj lakj; Mini« (lud Acstl Wort philo (•ms! i der ' <.f>ph Hat! Mai IScnJ WW'i arbe neu 1 Mar. von Ii- I nien Pro: to.. s. i ülfl c V h hör tue! Am \ tosi \<ICB ^:cl Die politische Idee des Jodentams (Das neue Buch Haas Kohns.) Es ist nicht allzulange her, daß man den Wert reflektierender Schriften nur nach den neuen Definitionen beurteilte, die sie vorbrachten. Wir sind . religiöser geworden und haben es wieder gelernt, vor dem Abgrundloscn jeder Erscheinung zu schoudern. Wir wissen, daß jede Erkenntnis von Lebensprozessen nur In der Verdeutlichung eine» Gefühls besteht, das wir von ihnen besitzen; daß der Verstand nur <t>«, Werkzeug solcher OcfühUvcrdcutllchung Ist und daß unsere Sprache, ohnmächtig Ung«fühltcs zu erwecken, nur ein Mittel bleibt, an schon Verdeutlichtes zu erinnern, Darum ht für die Erkenntnis des wirkenden Lebens der Gefühls- Zuspruch das, was das .Experiment für die Spielereien mit dm Stoffen der Natur. Die Tatsachen und Erscheinungen I» ihrer vcrsdibssenen Einzelheit leuchten erst tm Sinn' Ihres Zusammenhanges auf, weil nicht ihre dcfwilerbarc Kontur, sondern die Richtung ihres Wesens uns Im Tiefsten UCWCRt. Hans Kohn hat mit seinem architektonischen Gefühl >j*r den Bau der Jahrhunderte die Richtung der jüdischen Geschichte, das ist die Entfaltung, des jüdischen Wesens durch die Zelten, in einer Schrift verdeutlicht, die vor kurzem unter dem Titel: „Die politische Idee des Judentums" erschienen ist*). Daß die politische Idee des Judentums eine religiöse ist, deren unaufhörliche, fast widerstandsfrohe Kraft der Liebe zum unendlichen Sein und damit au« der Uebe mr einheitlichen Menschheit herstammt, daß jüdisch* Nationdpolltik religiöse McnschhcltspoWik Ist, diesen Glauben n»t um Martin Bubcr, gelehrt. Und wenn Hans Kohn in!t!chcm Glauben Entwicklungen schaut, so trügt uns nicht einen Augenblick das Ocfuhl, daß er diesen Glauben nicht "»chempfundeni' sondern wieder- und wiederempfunden hat. Die zentrale. Idee der Schrift ist kurz zusammenfaßbar. Jude sein, heißt gßttlkhc Politik treiben, die , Verantwortung 'ur_ ein gerechtes Zusammenleben aller In dieser Welt auf «eh nehmen. In drei Gedankenkreisen haben fleh die Ercig- »" Judentums vollzogen r' Im Ocdankonkrcl» des *) Bei Meyer u. Jessen, Mönchen,. £50 M'. Bundes, der Mutterstatt sittlichen Zusammcnwollcns, im Gedankenkreis des Menschen, der die unterschiedslose Brüderlichkeit menschlicher Wesen als der QefiiQc des einzigen Qoltr-s meint, und im Gedankenkreis des allirdischcn Reiches, in welchem Leid und Armut, das heißt also menschliche Ungerechtigkeit, überwunden sind. Wer In den einen Ocdankenkrcls eintritt, wird auch Bürger der Anderen, denn jeder Kreis bedarf der anderen zu seiner Vollendung Und wenn auch Hans Kohn die jüdische Geschichte von Moses zu den Propheten (denen er in scharfer Abgrenzung gegen das Christentum Jesus zuzählt) und den Psnlmistcn als ein gesteigertes Sich-Entdcckcn schildert, so will er doch nur sagen, daß die gcschiclttlichc Entfaltung der Qedauken vom Dunde zum Menschen und zum Reich hu jüdischen Seht nebeneinander und einer durch den anderen lebendig sind. Darum erfüllt alle drei Teile der Schrift dieser Drclgcdankc. Im ersten Kapitel, welches das Jüdische Wesen erörtert, Ist er als dos Material der jüdischen Lebensformen gesehen, im zweiten Teil, der dem jüdischen Werden gilt, als ein geschichtlicher ProicQ, Im dritten Teil, der die gedanklichen und geschichtlichen Acußcrungcn zu einer Lohre zusammen* faßt, als das Merkzeichen des Judentums. So sehr wir an der ganzen Schrift den vornehmen Schwung rühmen, der über den tragischen Unterbau dieses Lehens sanft zu höherem Optimismus hinauftrügt, so scheint mir ihre Bedeutung für den Stand unserer heutigen inneren Ocsclilchtc doch weit mehr In einer Qcdankcnkctte zu liegen, welche dem ersten Teil das Profil gibt. Der jüdische Nationalismus hat die Menschen gefunden, die seine Charakterologie gesdirieben haben. Indem sie sich und uns beschrieben und entdeckten, haben sieh allmenschliche Quellen in uns erschlossen. Aber die einmal entdeckte Formel, mit der man den Nationalismus einer Mcnschcngruppc klar bestimmt, gerfit In das Licht des vernünftigen Für und-Wider1, sie verliert die dynomliche Kralt, die dem Prozeß des Entdecken« noch eigen war. Vor etwa einem' Jahr habe Ich im'„Juden" versucht, den Sinn de» Nationalismus aus den Klammem feststellender und abgrenzender Formern zu befreien; kh habe Ihn aus,dem Rcaktlonsgefühl auf die Unendlichkeit der Zelt, also icjigiüi und als menschlichen Ewigkeitswert zu erklären versucht.' Ich' fühle mich Innerlich bestütigt, daß Hans Kohn das Zeitmoment In dr-n Mittelpunkt dcä jüdischen Nationalismus rückt. 'Un<1 wenn er es auch charaktcrcoloRlsch tut, indem er an geschichtlichen Bewegungen, an Ocdnnkcnformen und durch Gegenüberstellungen zu zeigen weiß, daß der Jude mehr in der Zelt als Im Räume lebt, so scheint hier die cwlsc nationale Quelle eben deutlicher als bei einer anderen Gemeinschaft auf den zeitlichen Charakter des Jüdischen Volkes übergeströmt zu sein, dessen Lebensinhalt seit je religiös war. Die Erkenntnisse Hans Kohns, in denen sich die breite Fülle des heutigen Wissens vom Judentum, konzentriert, deuten aber nicht bloß die Richtung der politischen .Idee des Juden-» tuins aus seinem Wesen und aus seiner Ocsclilchtc, sie sind Forderungen au ntlc, in die Zeit zu Icbim, mit der gan/cn religiösen Verantwortung vor dem Jetzt, auf das es ankommt und mit der ganzen Hoffnung auf das. Einst, da< uns bewegt und triigt. Prag. Friedrich Thlcbcrger, KebrSlsche Nenerschclnonfjfn Außer den bereit» angekündigten Angaben des „Euchkpl-V erlag es", die in der hebräischen literarischen Well lebhafte Aufnahme fanden, wie die ersten Vüiulc des Werkel von Dr. S. IJernfctd (Scfcr Mndniaoth — das Huch der Triincii — eine Ocschlclitc der jüdischen Mnrtyrologie n.ich den Quellen dargestellt), der erste Band der KnWnlä-Bibllothek des bekannten Forschers der jüdischen Mystik und des Chassidlsmus Dr. S. A. Horodctzky (Torat Hakk.ibbala schcl R'Mosche Kordovcro, die Kabbala des Rabbi Mosche Kordovero) sowie das talmudische Lesebuch von Dr, J. L. Bnruch sind trotz der schwierigen Verhältnisse auf dem hebrfilschen Uüchcriiinrkt weitere zwei Werke erschienen. I!« handelt sich zunächst um eine ausgezeichnete Monographie des hebräischen Dichters S. Ts c Ii er n J ch o ws k y über den klassischen hebräischen Dichter der . Frllhrcnaissance Immanuel 'Maroml. Die interessante Gestalt des Immanuel I laroml, des, Freundes D.mtcs und Petrarcas, dessen weltliche Dichtungen, an manchen Stellen an Iloccacio erinnern, wird hier in cht neues Licht gerückt, das stell auf dem Untergrund des jüdischen .Leben», Jn,Rallen zu Bcglnn dcr neueren Zelt besonder» hervorhebt. Ferner Ist die Anthologie