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Jüdische Rundschau · 1925-03-10 · Heft 20 (10.3.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 20 (10.3.1925)
Date
1925-03-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Hr.» fUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 183 Der Bodeeverkiol der Agnda Frankfurt a. M., den 6. Min 1925. An die „JQdliche Rundschau" Berlin, von der Pilästlna-Zent rale der Agudas J11f0C| erhallen wir folgende Zuschrift: Sehr geehrte Herren I In Nr. 18 ihrer geschätzten Zeitung befassen Sie sich eingehend mit dem neuen Bodenkauf der Palästinazentrale ijtr Agud.it Jlsroel und zitieren zunächst unsere Aufforderung I, den „Blattern der Agudas Jlsroel" zum Kauf für 22 Pfund .t0 Dunam. Mit Recht knüpfen Sie daran die Bemerkung, jiü es sich um ein Rätsel handele, wie die Agudas Jlsroel itiu kommt, Emekbodcn, der „Im Einkauf durchschnittlich j-4 Pfund koslct", zu 22 Plund den ahnungslosen Käufern jnnibletcn. Wir bedauern außerordentlich, daß Sie, bevor Sie sich selbst mit der Lösung dieses Rätsels versucht üben (und nur zwei Lösungen gefunden haben, entweder „Die Agudas Jlsroel treibt einen unglaublichen Bodenwucher" Uder „*le sei' ein Opfer Ihrer eigenen völligen Unerfahren- Kit und Abnungsloslgkclt") Sie uns nicht selbst angefragt hben, wieso wir zu diesem ungeheuerlichen Preise kommen, tlr bitten Sic dann darauf hingewiesen, daß In dem of(|. «ikn Pressebüro der Agudas Jlsroel, Wien, In den A. J. P. B.. Nichrlchtcn, Wien, Nr. 19, vom 27. Februar die Lösung dieses Ritsela zu finden Ist: Auf Seite 5 dieser Ihnen wohl auch «gegangenen Nachrichten wird mitgeteilt, daß der neu ge« kiuftc Boden Im Emck Jesrecl 22 Dollar pro Dunam kostet. Wir haben selbstverständlich auch sofort, nachdem wir den Druckfehler In den Agudablätlcrn bemerkten, die Redaktion Je» „Israelit" ersucht, In ihrer nächsten Nummer eine Richtig, ilcllung vorzunehmen. Wir konnten aber auch zu unserer Freude konstatieren, daß unter den Interessenten für Boden» Uuf wohl kaum einer sich befand, der nicht sofort den Druck, (thlcr als Druckfehler erkannt hat. Wir freuen uns außerordentlich, daß durch Ihre Angabe aber den Preis des Bodens Im Emck Sic uns selbst bestätigt hiben, daß der von uns geforderte Preis von 22 Dollar (nicht Sinz 5 Pfund) In der Tat beweist, daß wir uns selbst weder beim Einkauf übervorteilen ließen, noch durch den Wieder« verkauf Bodenwucher treiben, daß also somit alle Folge* Hingen, die Sie aus dem Druckfehler zogen, gegenstandslos itnd. Wir sind Oberzeugt, daß Sie gerne Gelegenheit nehmen, diese unsere Berichtigung den Lesern Ihres geschützten Rittes zu übermitteln. Mit vorzüglicher Hochachtung Palästina-Zentrale der Agudas Jlsroel, gez.t Dr. Oppenheimer, Dr. Ehrmann. In Ausführung; der Beschlüsse der Palästina-Konferenz der Agudas Jlsroel hat die Wirtschaftadclcgation der Palästina. Zentraue unter Leitung des Herrn Julius Ho11ander (Frank* (urt a. M.) die Reise nach Palästina angetreten. An der Exkursion beteiligen sich u. a. auch die Herren Nußbaum (Halbcrstadt) und Heller (Nürnberg). Herr Davis Trletsch ist als fachmännischer Berater der Aguda ((«Delegation dieser Tage nach Palästina ibgerefst. (J.T.A.) Die Lage der Joden la der Sowjetunion (Aus einem Briefe aus Rußland.)*) „.....Obwohl wir in Rußland jetzt als voll gtclcltbcrech« ü{te Bürger gelten, sind wir dennoch rechtlos. Wir vermissen sogar das elementarste Recht auf ärztliche Hilfe. Dies ergibt sich daraus, daß Im kommunistischen Paradies Ansprüche und Recht auf irzülche Hilfe nur den Mitgliedern der Gewerkschaften zustehen. Da aber die Juden meistens w der Kategorie der,.nicht arbeitenden Bevölkerung" gehören, wird Ihnen dieses Recht genommen. Es Ist (ine betrübende Tatsache, daß jetzt In Sowjetrußland 75«'» der jüdischen Kinder tuberkulös sind. Die jüdische Bevölkerung Ist gänzlich verarmt, so daß wir In Ruß* lind Immer von den „lebendigen Toten" sprechen. Man »tclit keine Menschen, sondern nur Gespenster. Der jüdische Gewerkschaftler stirbt aus. Charakteristisch Ist, daß sogar de „Jcwsckzla" ein Memorandum an das Zentralkomitee der Sowjet-Regierung gerichtet hat, in dem c« buchstäblich heißt: „Die Lngc der städtischen und ländlichen jüdischen Bevölkerung Ist kritisch und droht katastrophal zu werden." Der Prozeß des moralischen Verfalls unter der Wischen Bevölkerung schreitet unaufhaltsam fort; die kul« tureile Lage ist jämmerlich: es gibt keine einzige ja- "•»che Schule, sondern, wie wir es nennen, einen „kulturellen Friedhof11. Die ehemaligen Verfechter des Jüdischen in Rußland sind jetzt die größten Bahnbrecher der Ukralnl* •lerung der Jüdischen Bevölkerung. Aus den Jüdischen Altersheimen sind die Orcise, Männer und Frauen in die Klöster überführt worden, wo sie zusammen mit den Christen lohnen müssen. Dabei wird gänzlich nußer Acht gelassen, tragisch es 1ör die Attcn 1.1, die rttutWc Küche und die [Mischen Gebräuche entbehren zu müssen. Die „Säuberung" Hochschulen und Universitäten In Rußland hat die Jüdi« Khen Studenten, deren Eltern meistens keine Arbeiter sind, ectroffen. Es Ist die schlimmste Art des numerus clausus. Die zionistische Qcslnnung wächst In den verschiedenen Schichten der jüdischen Bevölkerung. Aber das Spionaget)«d Fiskal-System haben die zionistische Arbeit lahmgelegt. D|e „Tarbuth" arbeitet nicht nur geheim, sondern lumpt* Mchlleh In den dunkelsten Kellern dos ehemaligen sjroßcn Rußland». Gruppen aus 5—7 Kindern Im Alter von 0—11 Jan« lernen gemeinsam In einem dunklen Keller hebräisch, sind unsere „kleinen stillen Helden". Sehr häufig sind Fälle, wo die jüdischen Spione aus der „Jewsckria" der« Jrtjet Kolportage entdecken und Auf dor Spur des gefährlichen Verbrechers, des hebräischen Lehrers, tu sein flauben. Aber Immer bekommen sie von den Kindern fol« sende Antwort? „wir haben keinen hebräischen Lehrer, wir ^fvollkommnen uns nur selbst im Hebräischen". Auf diese ,. „*) Dieses Schreiben stammt von einer jüdischen Per« Pl'lchkelt In RuWaud, die im Jüdischen öflcntliehen üben d L'!' Wir geben es als eine beachtenswerte Stimme au» "»«wü wieder, Antwort tauscht auch der In einem dunklen Winkel des Kellers versteckte hebräische Lehrer. Mehr als ein hcbräl. scher Lehrer wurde so durch die kleinen Kinder vor der Jewsckzla gerettet. Die Lage der verhafteten Zlonlstcn Ist sehr groß. Das Charakteristischste tat, daß derartige Ersehetnungen nur im jüdischen Milieu vorkommen. Während die anderen nationalen Minderheiten Rußlands (Tataren, Armenier usw.) in Ihren nationalen Bestrebungen sogar von der Regierung unterstützt werden, werden die Juden In dieser Form verfolgt. Der einzige Lichtstrahl In dieser Loge ist unsere zionistische Jugend und der natlonnlbewußte Teil des russischen Judentums, dessen Opferwilligkeit und Heldentum in der letzten Zelt sich häufig erweisen konnten. Die landwirtschaftliche Anslcdlung der jüdischen Bevölkerung In der Ukraine und In der Krim geschah ohne Winsen und ohne Mithilfe der Jewsckria, Diese befand sich vor einer vollendeten Talsache, als sie die große Geste machte, um auf sich die Aufmerksamkeit des ausländischen Judentums zu lenken und die amerikanischen Gelder zu bekommen. Die fand« wirtschaftliche Anslcdlung der jüdischen Bevölkerung In den beiden erwähnten Ocbletcn war ein natürliches Rc« sultatdcsKamptesumdlcScIbstcrhaltung. Es entstanden „Kollektiven" aus 20—25 Familien, die einander gut bekannt waren und die sich umschichteten. Der „kollektive" Charakter der Besiedlung Ist dadurch zu erklären, daß die Sowjet-Regierung keine Hilfe an Individuen kennt, während den Kollektiven verschiedene Begünstigungen zuHl werden. Die Kollektiven wählten einen" „Oclicr", der die verschiedenen Vorbereitungen für die Anslcdlung traf. y\uch «las Joint Distribution Cominltc und die Ica standen vor Tatsachen, al« Ihre Hilfe für die Jüdischen Kolonien einsetzte. Die Kolonien In der Ukrnlne tragen russische Namen, während In der Krim, wo die Chnluzlm arbeiten, die Namen der Kolonien hebräisch sind. (Tel Cliaj, Mhchmnr, Awodnli usw.) Es sind bisher 15 Italische Kolonien entstanden, von denen vier von den Clialuzliu bearbeitet werden. Der Bodenumfang dieser 15 Kolonien beträgt 20000 Deflj.itln. Von all dem hat die Jcwsckzla und die Sowjet-Regierung keine Ahnung gehabt; sie meldeten sich, als alles schon fertig war. Erst vor kurzem wurden In der Ukraine 30000 Deßjatin Boden für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Der Boden gehört meistens den Großgrundbesitzern, denn die jüdischen Kolonisten haben es .abgelehnt, die Bilden der Klelngutsbcsitzcr und der deutschen Kolonisten zu besiedeln. Eine Landwirtschaft umfaßt 15 Dcßlatln. Die landwirtschaftliche Hilfe wird nur von den Jüdischen landwirtschaftlichen Komitees gewährt. Die Juden haben die grüßten Fähigkeiten zur intensiven Kultur gezeigt. In der Krim wurden 40000 DeDjatln für diesen Zweck versprochen. In Weißrußland wurden 10000 Deßjatin freigegeben. Eine vollständige Wirtschaft kostet 1200 Rubel •»> 120 £. Insgesamt sind bis letzt ungefähr 2500 Familien umgeschichtet worden. Der umsehlchtungsprozcß macht sehr gute fort sehr It tc, was auch seitens der nicht indischen Bevölkerung anerkannt werden mußte. Zu Betrinn der Anslcdlung war die Beziehung der nlchljüdlschcn Bevölkerung zur iüdlschcn Anslcdlung eine verächtliche, Im Laufe der Zelt aber hat man begonnen, die jüdischen Ansiedler zu bewundern, und jetzt spricht man mit voller Achtung von dem jüdischen Bauer. Die Jüdische :Lsnd- Wirtschaft ist au sielen Orten musterhaft. Die ganze Arbeit wird von folgenden Instanten gefördert: 1. „Komzct" — ein Reglerungsorgan, welches die ganze Arbeit überwacht und die Bodenbesorgung der Kolonisten an der Hand hat 2. „Nazmcn" — (nationale Minderheiten), dessen Aufgabe die Registratur des Mcnschenmatcrlals und seine Verteilung auf die verschiedenen Rayons Ist. 3. „Joint" — welcher von den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln nur denjenigen Pamlllcn hilft, die Im Besitze von 400—500 Rubel «Ind. 4. „Ozet" — Ersatz eines jüdischen gesellschaftlichen Komitees, In dem natürlich die Mehrheit der Sitze den Kommu« nisten gehört*). Natürlich kann diese Anslcdlung die Judenfrage In Rußland nicht lösen, denn es wurde mathematisch und wissen* schaftlich auf Grund der Bodenverhältnisse In Rußland festgestellt, daß das Maximum des Erreichbaren auf diesem Gebiete innerhalb der nächsten drei Jahre nur die An. Siedlung von 12000 Jüdischen Familien sein kann, d. h. also nur 2 <ft der jüdischen Bevölkerung Rußlands"). Was soll aher das Los der restlichen 98 •/* der jüdischen Bevölkerung Ruß« Itnds sein? Au diesem trüben Himmel Ist nur ein leuchtender Stern, das ist unser Clialuz in den Jüdischen Kolonien. Wir alte betrachten diese Arbeit nur als einen Uebcrgnng für Palästinn und wir können den Choluz verstehen, wenn er geheim und Im stillen die Hatikwah singt. lach Em et Ii. Joint und die jüdische Kolontsilloi Ii Rußland In einem Ocspräch mit dem Moskauer J. T. A.-Vertreter schilderte der Direktor der Kolonlsatlousabtellung des Joint Distribution Commlltcc „Agro-Jolnt", Dr. Joseph Rosen, die gegenwärtige Lage des Agro-Jolnt, sowie den Tätigkeit«« plan dieser Körperschaft für das Jahr Oktober 1921 bis September 1925. Der Agro-Joiiit, sagte Dr. Rosen, arbeitet in den Distrikten von Chcrson und Kriwerop; In der Ukraine, in dem Distrikt des unteren Dn[cster, In dem Distrikt von Odessa, In der Provinz Wolhynlcn und In der Krim. Die vom Agro-Jolnt für Weißrußland geplante Arbelt wurde von der Rcglcnmgskommissloii für jüdische Lnndanslcdlung und der Gesellschaft für Jüdische Kolonisation übernommen. Die Hälfte des vom Joint Ina Auge gefaßten Arbeitsplans Ist bcreltsvcrw Irklicht worden. Die andere Hälfte bleibt dem zweiten ArbcltsJ.hr vorbehalten. Im Distrikt Cherson wurde eine Landflächc von 24 300 Dcsjatin (etwa 72000 Morgen) für die Jüdische Kolonisation reserviert, Das Land befindet sieh In der Nachbarschaft der Jüdischen Kolonien Sede-Mcnucha, Bobrowl-Kut, Lwowo Und Ncu-Dcrlslaw. Auf dieser Fläche werden Im Laufe dieses Jahr« 800 jüdische Familien angesiedelt werden. Die Kolonisierung einer Familie kostet hier 1170 Rubel, die getarnten Kosten werden 829700 Rubel betragen. Von dieser Summe wird Agro-Jolnt Jeder Familie ein langfristiges Darlehen von 514 Rubeln gewähren, was Insgcssmt 308 400 Rubel, 43-fc der Gesamtsumme, betrifft, Ferner siedelt Joint In •) Der Ozet scheut keine Mühe, um das Vertrauen des WeltliKlrntums zu gewinnen........ ••) Uns scheint die Ziffer, fall» Uo richtig lit und eingehalten wird, doch sehr beträcht ff eh. — A. d. R.) diesem Jahre 200 Jüdische Familien in dem einstigen Dnjepr* Distrikt, dem gegenwärtigen Cherson-Dlstrikt, an. Hier kommen nur lokale Siedlungen In Betracht. Hier braucht Jede Slcdlerfamlllc 310 Rubel, von welcher Summe Jomt je 190 Rubel beisteuert, Insgesamt 38000 Rubel. In der Krim werden In diesem Jahre 420 Familien auf einer Fläche von 28350 Dcsjatin angesiedelt. Das erfordert eine Summe von 502760 Rubel (1197 Rubel pro Familie). Agro-Jolnt steuert 219000 Rubel (521 Rubel pro Familie) bei. Im Bezirk Odessa werden 200 Familien auf einer Pläche von fllOO Dcsjatin angesiedelt. Die hierzu erforderlich« Summe beträgt 220000 Rubel (1100 pro Familie). Agro- Jolnt leistet 81000 Rubel (120 per Familie). Iii Wolhynlcn wurden Hopfenfelder für 100 ortsansässige Familien auf einer Fläche von 135 Dcsjatin anbaufähig gemacht. Darlehen in der Höhe von 11 800 Rubel wurden an verschiedene ChBlutgruppen gewährt. Insgesamt Ist Agro-Jolnt an der Kolonlslcrung von 1730 Jüdischen Familien auf einer Landflächc von 67095 Dcsjatin beteiligt. Dieses Kolonlsatlonswerk erfordert eine Summe von 1639260 Rubel, wovon Agro-Jolnt 711000 Rubel, das sind 43«'», trägt. Die restlichen 57 «y, werden von der Regierung durch die offizielle Kommission für Jüdische Landanslcdlung, sowie von anderen Organisationen, wie Oeseltschalt für jüdische Anslcdlung und „Ort" getragen. 300 Rubel In bar oder In Hausbesitz muß jede SicdlerfamHie selbst beistellen. Die von Joint geleisteter» Summen gehen zur Hälfte als rückzahlbare Darlehen, zur anderen Hllfte als nicht zurückznttlbare Subventionen zwecks Anschaffung von Häusern, Inventar, Maschinen, Saatgut usw. Rückgezahlte Summen werden von Joint für weitere Kotonlsatlonsarbeit verwendet werden, Milte Februar wurde In Sowjclrußlaiid mit der Ueberführiing der jüdischen Kolonisten-Familien nach den ihnea zur Verfügung gestellten Ländcrclcn begonnen. 2342 Seelen, In 16 Dorfkollcktivcn organisiert, wurden aus dem Gouvernement Kiew nach dem Oouvernement Cherson gebracht; ebenso weitere 59 Familien, die auf Individuellen Farmen arbeiten werden. ForHatNjr des Lock-Oat — Tellbeendlpog Von unserem Korrespondenten. o.g. Jerusalem, 13. Februar 1923*). In Haifa ist es gelungen, einen Teil der Streiks beizulegen. ..Schemen" und die „Qrands Moulln» de Palüsttne" haben die Arbeit wieder aufgenommen. Nach schwierigen Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist eine lilnlgunjj erzielt worden. Die Fabrik „Schemen" hat vor zwei Tagen den Betrieb wieder aufgenommen. Die Leitung hat den Arbeitern die folgenden Zugeständnisse ccnuclit: Tagelohn von 30 Piastern (gegenüber von 25 vor dem Streik). Für Mädchen 20 Piaster pro Tag an Stelle von 15. Qualifizierte Arbeiter erhalten |0*> Zulage zu den genannten Lohnquoten. Die drei ersten Tage des Streiks wurden von der Fabrik bezahlt. Die Mit* tcllung der Leitung, daß die Fabrik geschlossen würde, ist widerrufen, die Arbeit In vollem Umfange wieder aufgenommen worden. Die „Grands Moulios de Palestine" "hat ebenfalls den Betrieb wieder erneuert, Folgende Abmachungen sind getroffen worden: Der Lohn beträgt pro Tag 32,5 Piaster anstatt 28,5. Für die Streiktage hat die Leitung 50»,« des Lohnes als Vorschuß ausbezahlt. Die Mühle verpflichtet sich, die Arbeiter sechs Tage In der Woche zu beschäftigen und sie zwischen leichter und schwerer Arbelt abwechseln zu lassen. Zugleich ist die Zusicherung gegeben worden, bei Unterbrechung der Arbeit den Arbeitern 50»;« der Löhnung der ersten 10 Tage auszuzahlen. In der Zementfabrik „Mrschcr" ist noch keine Ucbcrclnstimmuug erzielt worden, Der Streik dauert fort. Die Lage In J a t f n Ist ungleich komplizierter. Der „Lock-Oul" und damit der Streik dauert unverändert au. wenn es aut der einen Seite gelungen ist, mit einigen wenigen Unternehmern eine Ucbcrclnslimniung zu erzielen, so haben sich andererseits andere Untcrnclmicr dem Lo:k-Out an;eschkwscn. Elsher ist es weder der Stadtverwaltung von Tcl-Awlw, noch den Vertretern der Exekutive und des Waad Halcuml, die zwischen den Kontrahenten zu vermitteln versuchten, gelungen, einen Vorschlag zu formulieren, der von beiden Seiten angenommen worden wäre. Die Schwierigkeit und die besondere Komplikation der Situation in Tel-Aww wird verständlich, wenn man die Faktoren betrachtet, die In Tel-Awivv zu Konflikten führten. Der umstrittenste Punkt des Lock-Out Ist kein wirtschaftlicher, sondern es handelt sich In diesem Falle um eine organisatorisch-politische Forderung, um das Monopol der Arbeitsämter der Arbeiter* Organisation In der Arbeitsvermittlung, In den Verhandlung«! zwischen Vertretern der Exekutive des Wand Lcuml, der Unternehmer und des Jaliacr Arheltcrrat* erklärten sieh die Unternehmer bereit, den ungelernten Arbeiter nur mit Vermittlung des Arbeitsamts einzustellen, wiesen Jeilocli dieselbe Forderung für qualifizierte Arbeiter ab. Die heutige Sitzung des Wand Lcuml war der Erörterimg der Fragen, die mit dem Lock-Out Im Zusammenhange stehen, gewidmet. Außer dein Wand I.cmnl und der zionistischen Uxcktitlvc waren die haiipts.'iculldistcn Vertreter der Industrie, der städtischen Arbcltcrdtc und die Exekutive der Allgemeinen Arbeiterorganisation anwesend. Au» der Tagesordnung stand nicht die Grlcdigunjj der aktuellen Streitigkeiten, die natürlich vor solchem Forum nicht ausgetragen werden können. Dagegen wurden die Gründe der Streiks und der Aussperrung erörtert und versucht, Wege zur Besse* tung der Lage zu finden. Die beiden Hauptpunkte der beiden Debatten bildete die Ausarbeitung eines Arbelterschutzgesctzcs, das von der Regierung gefordert werden soll und dessen Paragraphen unterdessen durch Verträge zwischen Arbeitnehmern und •gebern sichergestellt werden und die SchsftuiiT einer Ausglelchskommlsslon (Schiedsgericht), vor dem die Konflikte beider Selten ausgetragen werden sollen. Wir wiesen in unserem vorigen Bericht daran! hin, dal» «ler Jaffacr Arbeiterrat chic Reihe von Forderungen gestellt hat, die den elementarsten Paragraphen des Arucltcrschutzgcsctzcs entsprechen. Von Selten der Unternehmer wurde In der heutigen Sitzung (und bereits früher bei anderer Gelegenheit, ein Gegenvorschlag gemacht., Er hat eine Reihe von Punkten, wie Minimallohn, Unfallversicherung usw, mit dem erstgenannt Entwurt gemein, unterscheid«' sich Jedoch In der zentralen Frage: Anerkennung des Arbeitsamtes der Allgemeinen Arbeiterorganisation oder eines neutralen Arbeitsamtes, das gemeinsam zu gründen wäre. Dieses neutrale Institut soll an die Stadtverwaltung (InTelAwlw) bzw. an die Kolonieverwal* •) Dieser Brief Ist unbegreiflicher Welse erst am Ö.MIrz in Berlin elngelrollcn; obwohl sein Inhalt zum Teil durch spätere Berichte uberholt Ist, halten wir doch die Einzelheiten de» Lohnkampfe* für Interessant genug, um den Bericht noch nachträglich zu veröffentlichen; Red.

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