Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1925)
- Date
- 1925-03-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 182 fUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 20 Betrachtungen Ober die Orßantsatlenitraflc*) Von Df. J. Hellmann. Zweiter Artikel. (S. Rundschau Nr. 17.) Ks l>t belremdcnd, daß gerade aus denjenigen Kreisen, die noch kürzlich In der Bildung der Fifty.flftyW\gency die Odährdung unserer national-ideellen BcUtlgungsmöglichkcitcn und eine Ermattung unserer propagandistischen Stoßkraft erkennen zu müssen Klaubten, daö gerade am diesen Kreisen heraus die Zuversicht gepredigt wird, daß die neu zu bildende Agcncy die zweckvoJlc Zusammentassung und I-ruktlfiilerunir der Volksencrglcn (Qr das Palästlisawcrk Im Gcfolcc haben und sie sich daher zu einem permanenten, souveränen Grhihle konsoUllcrcn muß. Sogar die zionistische Agencv-Dclcgatton aollt« — einmal vom Kongresse gewählt — viel eher einen Wcccnsteil des Agcncy-Ratcn als der Zionistischen Organisation bilden, da sie ja durch diese Abnisor.dertheit von den organischen, rein zlonlstlsch-idcolotischen Funklfoncn ausschließlich praktische Aufbau-Probleme als Aulgab'! zugewiesen bekommt Die chrentlichen Organe der Bewegung sollen ja nach wie vor Kongreß, Aktions- Komitee und Exekutive bleiben. Wenn auch die Kompetenz und Aurgaben dieser Organe höchst schematisch und verschwommen erscheinen, so wird allerdings zugegeben werden müssen, daß auf diesem Wege der Konlllktatolf und die RclbungsriSchcn innerhalb der Organisation aut ein Mindestmalt reduziert worden. Unverständlich bleibt aber, weshalb in diesem Falle die schwerwiegenden Fragen nach der Homorcnltät der Exekutive, der Zusammensetzung des Aktions- Komitees usw. so schart herausgearbeitet und aulgcrollt sind und in diesem Plane so weite Berücksichtigung (luden, wahrend tlc sich doch bloß im Zusammenhang mit den praktischen Aulbau- und Budget-Erfordernissen zu überwältigenden Problemen auswuchseil und ntir In diesem Zusammenhang ihren eigentlichen Sinn und ihre eminent aktuelle Bedeutung erhalten. Faktisch ist mit der erste lappigen Agcncy-Btldung in der geplanten Form ebenso wenig die Palästlna-Volksorganlsalron definitiv geschaffen, wie mit der organisatorischen Einkreisung der tradllioncll-zlnnlstl'chcn Idcologlcträgcr eine Erweiterung und Vertiefung der schöpferischen Kraft und de» ideellen Elnllusscä der Letzteren zu erzielen Ist. Die Wty-fitty- Agency geht, gedrängt von psychologischen Motiven und objektiven Lebensfaktoren, unaufhaltsam ihrer Verwirklichung entgegen und erst nach ihrem voHcn Entstehen und der Ausweitung Ihres Wirkungskreises wird da» Problem nach einem, alle praktischen Wirkungsweisen und ideologischen Denkarten umspannenden und vereinheitlichenden Organisationrahmen, In «einer ganzen unabsehbaren Tragweite und Tic!« autlauchen. Diese Krisis Ist mit Bestimmtheit vorauszusehen und unsere Rcorganlsationsprinzipien und Tendenzen müssen schon jetzt danach bestimmt sein, datt ihre schleunigste und rationellste Ucbcrwindung am schmerzlosesten und natürlichsten, innerhalb einer zionistischen Ideenatmosphäre und schöpferisch-nationalen Tradition erfolgen kann. Dies wird entschieden dann der Fall sein, wenn die lebendigen Kräfte unsercrOrganlsatlonen in zeitlicher Parallelität zu dem Prozesse der provisorischen Agcncy-BiMung sich ihrer alten, taktisch längst gesprengten Schranken, auch bewußt entledigen und sich In einen Rahmen hineingliedern, der nach Prinzipien geformt Ist, welche aus den realen Antordertmgen un-.crcr quasistaatlichen Zeitaufgaben und ihnen möglichst adäquat hergeleitet sind. Die Umformung der Zionistischen Organisation muH durch Ihre allgemeine Koinnclcnzhestlinnumg und entsprechende Rahmencrweltcruiig so vollzogen werden, daß sie als die eigentliche und einzige Pal&sUna-Volksorgani- «allon vorderhand vielleicht nur potenziell, nach und nach aber faktisch aUc nattonalen Energiequellen für den Palästina- Aufbau umspannt und letzten Endet die provisorische Agency In ihr zielbewußt eingehen und von ihr restlosabsorbiert werden kann. Das jüdische Dias|tttalcben Ut territorial, wie kulturell so beispiellos mannigfaltig, verwurzelt und verzweigt, daß eino jede Konstruktion, die es als ganzen und einheitliches zu umlasscn anstrebt, nur schemati*ch-idealcn Charakter tragen kann. Eine selbst Ihre allgemeinsten Umrisse veranschaulichende und verdeutlichende Formhcschrclbung durch etwaige Analogien mit Bestehendem und Sichtbarem, wird immer unzulänglich und schemenhaft bleiben, Wir sind nun einmal darauf angewiesen mit Punkten, Im besten Falle mit Linien, zu operieren. Es fehlt uns die dem menschlichen Auge zugängliche, den Sinnen faßliche und wahrnehmbare Flache. Wenn wir von dem staatlichen Charakter der neu zu schaffenden Organisation sprechen, so i.'nd wir uns dessen vollauf bewußt, daß hier für uns nicht mehr als ein Nolbcgrlff von ganz bedingter Oeltung vorliegt. Unter Vorbehalt dieser Bedingtheit muß postuliert werden, daß mit der Bejahung des PnlaMInn-Auftemvcrkcs, durch eine nost- •) Beitrag zur Diskussion. tlve Einstellung zu diesem Werke In «einer allgemeinsten Form, bereits die Zugehörigkeit zu der Organisation, die Einbeziehung in den staatlichen wenn auch nur organisatorisch bcslliiimlen Ratimabschnllt gegeben sei, IXis ein/eine Organisatkinsclied hat ebenso wie <lk Ocsamlhclt sellvttverständlich staatliche Pflichten personaler und sachlicher Natur. Damit ab-T bei den gegebenen Abnormitäten der einzelne sich «einer staatsbürgerlichen Verantwortung durch diese Zugehörigkeit voll bewußt wird, muß er sich vor allem in den Tiitlgkcltskrvln, der durch die Organisation geschallcne Paläsilnagcmclntchaft hlnclngcrogcn sc/ien. Die* ist chen dadurch zu bewerkstelligen, daß schon allein das positive Bekenntnis zum Palilstinawcrk einem Jeden das Recht zusichert, an dem Zustandekommen der stetig wirkenden und entscheidenden Instanzen mitzusprechen und mitzubestimmen. Pas Wahlrecht zum Kongresse muß daher all denen /iilntlen, die Ihre positive Beziehung zu der zentralen Palästina-Funktion «es Kongresses, zu dem wie auch gearteten Aufbauwerke, wenn auch allein durch diesen Wahlakt dokumentarisch zu bekunden, willens sind. Andererseits begründet dieses Wahlrecht als bestimmte Willensäußerung den Ansprueh der Oesamtorganlsatlon auf diejenigen Leistungen, für welche ein Jeder in Oeniäühcit seiner l\3sllioii, seiner Talente oder Vermögensverfiiillnlssc fähig ist. Diese LckttMigen müssen aber direkt zu den zentralen Orgnnlsntlons-Autg.ibcn, zu dem eigentlichen Aufbauwerke in l'aiäslin.i in Beziehung gebracht sein. Die heute übliche Sehekclzahlung hat mit all dem nichts gemein, Sic bildet cht Moment der Zufälligkeit, hat AImosenform imd Ist keine staatlich verpflichtende und wertschaffende Abgabe, sondern leistet vielmehr nach Ihrer traditionellen Bestimmung einer engherzigen Vereinsmeierei Vorschub, Die Palästina-Propaganda bekommt ebenso wie die Wahlagitation und die gesamte Wuhlhewegung Ihren erzieherischethischen Oehalt und neue Triebkräfte, Indem sie die Aulbauidee als Mittel- und Ausgangspunkt nimmt. Die Organisation, selbst wird das staatlich geformte Gcläll für die Gesamtheit der das nationale Leben bejahenden jüdischen Wlllcnsencrglen und Mr deren weilinögtiehsle praktische Nutzbarmachung In dem Palästinawctkr. Die Verwirklichung eines solchen Organ!- satlonsrahmeiiK Ist die Frage einer großangelegten Technik und soll nicht hier weiter erörtert werden, jedenfalls bleibt die Hauptrolle, wie bisher, den bestehenden Landcsorgaiilsationcn und Ortsgruppen vorbehalten. Der Hauptclnwnnd. der bisher der Schckclabschaflnng entgegengehalten wurde, Ist die Flnanzlcriin'rstragc. D*a Notwendigkeit einer organisatorischen Umformung oder Neubildung wird fast von allen Seiten anerkannt und nachdrucke Hellst betont. Sie Ist In dem Wesen und dem Umfange unserer nciirnlstandcncu Aufgaben, In dein Palastlna-BudgeM'/criart und In unserem ganzen Bcwcgungslcbcn begründet. Sollte sie etwa nur deshalb ausbleiben oder vermieden werden, well die heutige Schckclclurichlung Im Durchschnitt 8-10 OOO Q der OrganIsatiot\ska«ise zuführt? Merkwürdig, daß auch denkende Zionistcn eine derartige Argumentation Ins Treltcn führen Können. Die Flnnnzlragc existiert übrigens schart genug auch heute! Die Erhaltung der zentralen hinrlchlungcn, der Büros und des Personals unserer Organisation erfordern, eine Summe von über 30000 Ü Jährlich, während der Schckcl kaum ein Drittel dieser Summe deckt. Das zionistisch-fachkundige Beamtentum sollte doch beizeiten an die Ausarbeitung eines realen l'lnanzplancs herangehen und vor das Kongreßforum bringen. In erster Reihe muß an die Möglichkeit gedacht werden, diese 30 000 £ zum Teil den einzelnen Llin-lcrn als Pflichtabgobs unter der Verantwortung der einzelnen Landesorgnnlsatloncn aufzuerlegen und zum Teil deren ressortmäßige Einstellung in das Qcsamlbudget durchführen, was gerade bei der Umformung der Zionistischen Organisation in eine Palästina-Voiksorganisation vollaur begründet und berechtigt wäre. Die Finanzlage wird übrigen» auch vor dem neu zu bildenden Agrncy-Rat stehen und wahrscheinlich In dieser Richtung Ibra Lösung Midien und finden. Die zentrale Funktion der neu zu formierenden Massen- Organisation muß an den allseitigen Ertordcrnisscn des Palästlnawcrkcs stetig und ununterbrochen orirntlcrt sein und bleiben. Ihre Organe sind für seine Fortführung, Erweiterung und Ausbau, sowohl In polnischer wie In Ökonomischer Beziehung, moralisch und faktisch verantwortlich. Daß dnn letzte entscheidende Wort formal, wie wir überzeugt sind zeitweilig dem Jetzt im Uilden begrlftencn Agcncy.Rat« zustehen wird, kann wohl die Autorität und Aktionsfähigkeit der Organisation In mancher Richtung nicht unwesentlich beeinträchtig«!. Durch Ihren quantitativ ausgeweiteten Umtang{ durch die sachkundig von ihr zu schaffenden realpallti#chen Und sachlichen Voraussetzungen de« nationalen Riesenwerkes, die QiYilWchung und 1 lerbeischafluug des staatlich verwertbaren A\c«sclicninatcrlnls und die Aufbringung des überwiegenden Teiles der nötigen Sachwerte, müssen ihr aber Im grollen und ganzen den Charakter der ureignen Volk», präsentanz nach Innen und außen zusichern. Neben dem aus der Volkswahl hervorgegangenen Palästina-Kongresse, wird sich schwer eine andere Tribüne der Wcltjudcnhelt einbürgern und behaupten können. Die vom Kongreß zu schaltenden Organe, wie Akllons-Komitcc und Exekutive müssen allerding» da» höchste Maß an Saclvkundigkcit, realem Sinn um Idealer Hingebung aufweisen. Das ganze AurbiunutcrUi muß vom Aktioiis-Komltee zusammengetragen, geordnet und verarbeitet werden, ebenso wie die dem Mciischcnmatcfial und der Mcnsclicngesliinung. wie den Laudesbedlngiingcn best an. gemessene Wirtschaftsform von Ihm vorgczclchnct werden muß. Dieses Aktlons-Komltec muß nicht nur au« gcclnnung?. tüchtigen und zielbewußten Männern aller Parteien und ürup. plerungen bestehen, sondern auch aua solchen, die In den noch so subtil verästelten Zweigen des Aufbaus sich mit ihrer ganzen Pcr»on hlncingclebt habru und die uiibcitreithir d;c wlrlschaftllch-lMlItlschcii und kulturell-sozialen Möglichkeiten und Notwendigkeiten des komplizierten Werkes bestens kundig sind. Wenn tolchc Repräsentanten als der zionistische Tcli im Agcncy-Rafe auftreten, so w/rd schon allein Ihre überragende Sachkundlgkclt, ihr Tatenwlllc und Ideale Hingebung an die Sache des Aufbaues ihnen sowohl ideologisch, praktisch eine entscheidende Autorität garantieren. Daraus ergibt sich, daß das Aklioiis-Koinltcc zugleich die Palästina- Organisation im Agency-Ratc zu repräsentieren h.\ttc und daü, wenn der zionistische Teil geeint auftritt und sein VotunJ bei allen entscheidenden Fragen auch einheitlich und ungeteilt abgibt, er dieses Votum Jeweils nach einer freien Erörterung und engster'Fühlungnahme mit der Oegenseite bestimmen kann und nicht von außen h:r mitbringen und so die Gegenseite brüskieren und ignorieren muß. Die Frage nach der Zweckmäßigkeit einer separat bestehenden und wirkenden Agcncv-Organißation, da Ja bereits fachkundige Instanzen der Palüsliiia-Örganlsa'.ion alle Fragen des Aufhaiis in der Richtung des Hauptzieles tcstzulegen und zu lösen voll In der Lage sind, — diese Frage wird »ruh genug vor den Wortführern des jetzigen AgcncvPlanes auttauchen. Eine Lösung dieser Frage kann nur In dem Sinne erfolgen, daß beide Organisationen sich verschmelzen und sämtliche Träger des Werkes Innerhalb des Rahmens der Palisllna- Volksorganlsatiou Ihre DctütiguiigsaurKabcn und nationale Mission mit geeinten Krallen zum Nutzen des Oesanttaufbauei durchführen, Kleine Nachrichten Am 3. Marz verschied fn New York der Leiter des Jüdischen Nationalfonds für Amerika, Mr. Senior Abel. Der Verstorbene war auch Mitglied der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas. Am 4. Marz beging In Warschau der bekannte Ziontst Moses Feldstein seinen 70. Geburtstag. Feldstein beteiligte sieh bekanntlich In hohem Maße an der Gründung des J.C.T. und war auch Mitglied des Direktoriums der A.P.C. Coloncl I. H. Pattcrson, der Im Kriege Befehlshaber des „Zion Mule Corps" fu Gnllipoll und des 33. königl. Füslllerbatallloiii (jüdisches Regiment) gewesen Ist, traf am 4. Milrz in Jerusalem du. Am 4. März traf auch der Professor der semitischen Sprachen der Chleagoer Universität, Prof. Richard Qoth eil, nebst Oattiu, in Palästina ein. Am 3. März reiste der Präsident der Zionistischen Organisation In Bcßarablcu, Dr. J, M. Bernstein-Cohen, über Konstanza nach Palästina ab, um sich dort dauernd, niederzulassen. Die bekannte Dichterin Ewanowna Dzirkowi (Elischcwa), die sich, obwohl Nlchtjüdin, als hebräische Dichterin einen Namen gemacht hat, begab sich dieser Tage auf die Reise iiac Ii Palästina. Der Verein jüdischer Schriftsteller und Journalisten in Warschau entsendet als seinen Vertreter b;l Eröffnung der hebräischen Universität In Jerusalem den bekannten Publizisten Hille! Zeitlin. Am 2i. Februar Ist In Lemberg Herr Chaim Kohatin, einer der angesehensten und ältesten Juden au* der Zeit der Itaskala-I'eriode, hoehbetagt gestorben. Zu Iknimi der siebziger Jahre des vorigen lajjirhundcrls gab Rohatln in Lemberg die erste jüdische Zeltung Oalizlcns, „Jiddische Zelt ung", heran«. Die Zionistische Organisation der tschechoslowakischen Republik hat beschlossen, Präsident Masaryk anläßlich seines 75. Geburtstages Ins Ooldenc Buch des Jüdischen N-t.'onalfonds einzutragen. Der Präsident des Rabblncrverbandc* in Deutschland und Oroßpräsldcn» des Deutschen Ordens Bncf llilth, Dr. Ha eck, begibt sieh Ende dieses Monats auf die Reise nach Amerika, um nn der Convention der Oroßlogc In Atl.intlc City am 20. April teilzunehmen. Matinee Mcinlmrt Maar (Drei Jahrtausende Jüdischer Dichtung.) Dieser Vormittag galt dem Oolug-Judcn, dem ewig wandernden, dem die Heimat — zuerst noch bildklar und menscheunah — Im Laute der Jahrtausende zur Oclstcshclmat wird. Heimat, unelngestanden, aber allzu tatsächlich wahr, nur noch Im Leben des Ödstes. Auch Jehuda Halcvy Ist moderner Dichter In diesem Sinne, wenn sein „Oott Elijamis" such In Btbclkraft gewaltig nn Tcmpclsäulcn rüttelt. Wandern, Leiden, Haffen stand als Motto Über den Dichtungen. Von Heinrich Heines Spott, der geboren ist aus Glut und Größe eines Geistes, der auf zerrissenes Land sieht, bis zu Blalik* Pogromschlldcnmg Ist Oolusdlchtung Ocschichte eines Getriebenen, eines Verfolgten; Schmerz des Körpera und der Seele, eine Ocscblchtc aus Schmerz und Ltbenszähigkcit! Von Bacharachs Rabbi bis zu Alfred Kcrrs Jcruschalajim und dem Roten ltzlg Richard Ueer-Hoffmanus. Wie Heinrich Heines Rabbi sagt, daß die Innigkeit und die Liebe zur Familie Ersatx wurde für Kampf und Schande des äußeren Lebens, so Ist dem Oolusjudcn, wenigsten» dem der kleinen einsamen Städtchen des Ostens, In »einer Hingabe an dos kleine nahe Alltagsleben die Rettung erstanden: Von dort her kamen die Jüdischen Künstler, Maler wie Chagall, Rybak und Msx Band Und daher kamen ein Blalik und Scholcm Alclchem: Die Möglichkeit der Wiedergeburt, die selbst die Zerrlebenheit des Westjuden Immer nocn j„ $(Ch trägt, und die als Lebenscnergle, als „Hoffen" durch den Trotz des Widerstandes lodert Denn sie W J» dasOchchnnts der Jüdischen Ewigkeit Im guten Sinne. Ef«t der nächste Vormlllnu; Ist der Wiedergeburt" gewidmet. Aber diese beiden Vormltlage lassen sich nur rlumllch trennen, well der Jahre des Leidens so viele waren und noch Jung de Zelt der Wiedergeburt. Auch Meinhart Maur selbst ist die Synthese dieser beiden Sllcnmungcn. Er las die Dichtungen der Zerrlebenheit und jus jedem Wort strömte die erdnahe Lebenswlrme des Ostens. We Oolustrogödlc des Intellektuellen hatten wir bet elnart anderen Müller deshalb mehrt gespürt. Aber die Pogromszenc von Blalik und die visionäre Gestalhuig ans Landschaft und Schicksal In Heines Rabbi wurden bei Ihm zum Erlebnis. Sehr stark war die Szene des roten ltzlg; denn Mclnhart Maur Ist vor allem Schauspieler, Ocstnllcr nus der Orößc des Gegenstandes. _ Ruth Morold. Vortragsabend Dtflwig Waigel > Klse Usker-Scltflltr Thema dca w:i Frau Hedwig Wajjgcl und Frau EUu Laskcr-Schftle r veranstalteten Vortragsabends waren Blbcltcxlc und an sie angelehnte Ocdlchla und Lieder. Besser als Rcltgioncstuidcn sind 6olcbc Vortrage dazu geeignet, die Wunder und Herrlichkeiten der Bibel erstellen zu lassen. Denn nictuaU (nicht nur \u\sct«tt heutigen UcUgtotmclmkn nicht) wird es gelingen, Religion In Seelen zu tragen, wenn sie nicht schon darin ist. Bester Mittler bleibt der Künstler, uns das Wesen der Bibel zu verlebendigen, — denn wann lesen wir noch die Bibel um Ihrer poetischen Schönheit willen? Hedwig Wangel lieh all ihre Empfindung und Ein [Willingsfählgkcit diesem Zwecke; und das Heß nie auch die richtige Wahl der vorzutragenden Stücke treffen, Die Schöpfung«, gcschlchtc leitete den Abend glücklich ein. In Ihrer uns 'so nahen und doch so erhabenen Erzählung und Sprache stand sie ganz Im Ocgenratz zu den von der Dichterin Else Laskcr-Schülcr selbst vorgetragenen „Hebräischen Balladen". Man kann ohne restlose Bewunderung und Anerkennung Ihrer starken und klangvollen Vers« dieser Dichterin nicht gerecht werden, Selten Ist von einer Prau die Monumentalität einer Idee durch einen Blick für das Oroßc, Massive, ohne sich In Einzelheiten zu verlieren, besser erfühlt und noch seltener In entsprechender Form Ausgedruckt worden. Aber diese Kompromlcrthelt und. andeutende Art der Rilke und Ocorge, die, ihr verwandt sind, 'diese Bilder, dlo niclit der Natur entnommen, sondern der Phantasie des Dichters, kurz, dieser Expressionismus fordert einen eigenen Abend, damit man Ihn von tuf «Ich wirken lasse. Hier, zwischen den Vorträgen Frau Wftugels kam Ihr Reiz nicht zur vollen Oeltung, Die unwandelbare, von slcr Zeit unabhängige Schönheit de» Hohen Liedes Salontonls tat auch hier wieder ilnc Wirkung. Leider traten beim llohciillede ganz, besonders die Schwächen der Uchersetzung znt.igc — dl.-ses uihcbrlinhc aus einer anderen OefühUwclt erwachsene Poem läßt sich eben nicht int Abendländische umgießen, Rahel l.lpschüt/. Universitätsbibliothek Jerusalem. Die Jcrusalcnicr Bibliothek erhielt soeben aus Kopenhagen eine ans 150 Bänden bestehende Sammlung von Sichern. Die Sendung enthält eine große Anzahl von neuen medizinischen Werken, l!»mbehr|{tc,ukalak>gc der dänischen Bibliotheken und wichtige historische und philologische Wcike. •- Aus Wien übersandten, vliü Herten Dr. Stlasny vmu Dr. K. Natanao» eine Sammlung von 150 Büchern wissenschaftlicher Literatur In polnischer Sprache. Die Kosten der seemäßigen Verpackung der Bücher trug In dankenswerter Weise die Firma llckn In Mödllng bei Wien, welche es« eigene» Resort hierfür eingerichtet hat. — Aus Prag erhielt'die Bibliothek eine Spezlalsammlung von 200 Bänden pädagogischer Schrillen, Insbesondere von Büchern über Erziehung von zuiflckgchllcbencn Kindern. Die Sammlung war Im Besitz, eine* Spezialisten, Oberstabsarzt Dr, Julius FlsChl, und wurde durch die Bemühungen doM Herrn Oustav Steiner In Prag tür die Bibliothek erworben. Nachdem nun die berühmte Oomperz-Bibllothek nach Palistina abtransportiert worden war, wird Jetzt wegen des Anksuf» weiterer zweier großer Bibliotheken für die Jerusalemer Natlonalblbllotnck verhandelt. Es handelt sich um wertvolle geschlossene Bilchersammlungcn In den I'Bchcrn der Mathematik und der Naturwissenschaft. Die Verhandlungen, die vor dorn Abschluß stchon, leitet der hebräische Schriftsteller Dr. DIosendruck. Am 19. l'cbruar verschied zu Moskau der bekannte russische Literarhistoriker und Präsident der Litcraturscktion der russischen Akademie der Künste und der Wissenschaf». Michael QcrschciiiOn. Vor soinem Ableben sprach perschenson die Bitte aus, auf dem jüdischen Friedhol nach Jüdischem Ritt» bestattet zu werden.