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Jüdische Rundschau · 1925-03-10 · Heft 20 (10.3.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 20 (10.3.1925)
Date
1925-03-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 181 ÜIoIgonflsbestrcbüDgco der Arbelterscbalt Von Oerda Arlosorof f-Goldberg. Jerusalem, 25. Febtuir. Nicht zum ersten Mal erhebt sich ms den Reihen der .„läMlnenslsclien Arbeiterschaft der Ruf nach Zusammenfinung der auf gleiche Ziele Berichteten Kräfte, nach De« icltipunR der durch die Entwicklung ohnedlei verwischten ultj undeutlich gewordenen Orcnzen zwischen den einzelnen Vf;[:3ndcn. Die Oeschlchte der palästinensischen Arbeiter- (.(,j(t weist eine Anzahl solcher. Versuche auf,'die zu vermiedenen Resultaten geführt haben. Ist auf der einen Seite die unpolitische Allgemeine Arbelterorgnnlsatlon, die heute den Rahmen für fast alle KreUe der Arbeiter im Lande bildet, die Frucht eines solchen Versuches, so ist die politische Partcigruppicrung von heute nur ein Stadium ml dem Wege zu einer engeren Zusammenfassung der verwandten und Scheidung der entgegen gesetzten Kräfte, Daß fWHc Teile der Arbeiterschaft sie nicht als natürliches und Ideologisch begründetes Ergebnis der gegenwärtigen Verhältnisse empfanden, bezeugt der latente Wille der Arbeiten Khilt zur Einigung der verschiedenen Partelen innerhalb des gemeinsamen Rahmens der Organisation, der sich jetzt In den einzelnen Lagern zu manifestieren beginnt. Das Ziel der Bestrebungen lit die Schaffung einer Einheitspartei, deren Komponenten die beiden wichtigsten Verbände der Organ!- ülion, AchduÜi-Hnawoda'i und HapocI-Hazalr, bilden sollen. Die OrOnde für eine Verschmelzung der beiden Lager litgen in zwei getrennten Komplexen, von deren der eine die inneren Verhältnisse der Parteien betrifft, wie sie sich mit der Zelt gestaltet haben, der andere mit der spezifischen Lage zusammenhängt, die durch die „vierte AHJah" im Lande ffjcliaffcn worden Ist. Beide Parteien, sowohl Achdulh« tlaawodah wie Hapofcl-HazaTr haben «Ich In der Zusammen« irhtlt Innerhalb der Arb?lterorganlsa1ion und Ihrer Institute, für die sie gemeinsam die Verantwortung trugen, einander genähert imd sich gegenseitig beeinflußt. Schon seit langem gab es Innerhalb und außerhalb der Parteien Anschauungen, die behaupteten, die beiden Verbünde seien nicht durch Programme eder gar durch Talen, sondern durch den besonderen „Stil" ihrer Denkweise und Ihrer charakteristischen Persönlichkeiten unterschieden. Das Ist bis zu einem gewissen Oradc richtig. Ein wesentlicherer Faktor m der Einiglingsbcwigung Ist Jedoch die Vergrößerung der organisierten Arbeiterschaft und die Häufung d2r Arbeitslast, die sie zu bewältigen hat und die immer weniger Kraft, Zeit und Neigung zur Auskristal'hlcrung und Aufrcchtcrhal'.ung ferner Unlrrschlcde der Ideologie übrig läßt, die ohne Zweifel vorhanden sind. Die Entwicklung der letzten Jahres Insbesondere hat die Arbeiterschaft In eine neue Situation und vor neue Aufgaben ccstcllt. Der „Chaluz", der sich nicht nur als Pionier einer bestimmten Partei oder Klasse, sondern als Bahnbrecher des Volk« betrachtet, lit nicht mehr da» beherrschende Element der Einwanderung wie bisher. Die verschiedenen Fragen, die damit im Zusammenhang stehen, sind In letzter Zeit häufig und von verschiedenen Standpunkten aus behandelt worden. Der organisierte Arbeiter muß zu dem Phänomen der neuen Einwanderung und seinen Begleiterscheinungen von zwei Gesichtspunkten aus Stellung nehmen: Er muß die Wege finden, um seine materiellen Interessen zu schützen und zugleich am Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung 1« Palästina weiter arbeiten. Wer die Geschichte der Arbeiterbewegung Im Lande kennt, weiß, daß die Wege zu beiden Zielen nicht Immer die gleichen sind. Die Elnigungsbcwcgung der Parteien jedoch Ist in hohem Orade geeignet, beiden Zielen zu entsprechen. Jede Entwicklung, die die inneren Rtlbungen Innerhalb der Arbeiterschaft verringert, Ist dazu »ngetan, die Organisation als Oanzcs zu stärken und zur Verteidigung der materiellen Forderungen nach außen zu festigen. Die Unterschiede in dcr*ldcologie, oder, wenn man will, Im Programm der beiden Parteien, sind In letzter Zeit 6chr viel schwieriger festzustellen, als das Ocmcmsamc, das sieh >us Ihrer tatsächlichen Politik ergibt. Aus diesen Grundlagen Üßt 6kh heute ungefähr die Stellungnahme der vereinigten Partei zu den hauptsächlichsten Problemen des Zionismus und des Soilallsmus entnehmen. Von einer gemeinsamen Plattform zu sprechen, Ist auch verfrüht, dennoch geben die Beschlösse der Leitung des Hapocl-HazaTr, die veröffentlicht »urdcn und die Resolutionen der Achduth-Awodah-Bcratung In Nachlath Jehudnh, die kurz darauf. gefaßt wurden. An« haltspunktc, aus «Seiten man auf das Programm schließen karw. Die neue Partei wird Ihrem Inhalt nach aorta- Iis tisch sein müssen. Hat man nlch auch, besonders In den Kreisen der alten Arbeiter Palästinas, gegen den Stempel „Sozialismus" gestriiubt, so ist doch faktisch «He Richtung der gesamten Arbeit auf allen Gebieten Sozialismus gewesen. Man hat statt Uber Mehrwert und Verstaatlichung der Produktionsmittel, von einer Gesellschaft der Gerechtigkeit gesprochen und dabei praktisch nach dem Ziel de« Sozialismus gestrebt, nach einer organisierten gcscHmJiaflllchen Ordnung „ohne Ausbeuter w>d Ausgebeutete" mit Ausgleich der aozlalcn Pflichten und Lasten. Man hat sich gegen den Stempel gestriiubt, weil man mit der Dogtnatik und einer gewissen Art der europäischen Sozialdemokratie nichts gemein haben wollte und auch erkannte, daß viele der europäischen Begriffe auf die pallistlnctislschcn Bedingungen nicht paßten. Im Laufe der Zelt hat das Verbindende, da* im So/lalk.mus steckt, das Trennende überwunden. Das Traumbild, das dem palästinensischen Arbeiter vorschwebte, als er Kwuzoth und Moschawim schuf, beginnt sich als dem Ideal verwandt zu zeigen, das zur Schaffung der Internationalen Sozialdemokratie führte. Stellt sich auf diese Weise die neu zu schaffende Partei In den Dienst des Sozialismus, so muß sie als Konsequenz organisatorisch sich den Kräften anschließen, die heute in der ganzen Welt für dasselbe Ziel arbeiten. Die neue Partei wird sich der politischen Internationale anschließen müssen, ebenso wie die Allgemeine Arbeiterorganisation der Ocwerltschaftslntcrnatronalc angehört. Die eine Komponente, Afhduth-Haavvodnh, gehört durch den Weltverbnnd Poalc-Zbn heute bereits der 2. Internationale an. Dur Hapoel-Hazalr wird — soweit sich heute die Lage übersehen 1,111t — dem Anschluß der neuen Purtcl an die Internationale keinen Wider stand entgegensetzen, Die palästinensische Arbeiterschaft Ist heute ols Bewegung stark genug, um als beachtenswertes Mitglied sich dem sozialistischen Bunde einfügen zu können und wächst täglich durch Nachwuchs aus der Gnluth. Wc neue Partei wird nicht eine gewöhnliche fozlnllsllscbe sein können. Neben ihren sozialen wird sie gleichbedeutende nationale Aufgaben haben, die sie gleichfalls In ihrem Programm zum Ausdruck bringen muß. Beide Partelen haben bisher de facto nn den Arbeiten der Zionistischen Organl sation verantwortlich teilgenommen. Daß es der Mapoül Hazair offiziell, die Achduth-Awodah nur Inoffiziell tat, fällt in praxi wenig ins Qewicht. Die verantwortliche und offizielle Teilnahme an der Zionistischen Organisation wird einen der Kardinalpunktc im Programm der neuen Partei zu bilden haben. Ein weitorer Diskussionsgegcnstand, vielleicht der schwierigste, zu dem die neue Partei wird Stellung nehmen müssen, ist die Frage des Klassenkampfes. Dies Schlagwort, um dessen Klärung und Ausdeutung man sich von allen Selten lionilllit, Ist schon unter cunnVIlsrlic-H Vrrh'illiilMteu einer der kompliziertesten Begriffe. In palästinensischen Verhaltnlsscn von heute kann er der verschiedensten Anschauung Verschiedenstes bedeuten. Seine Aufnahme In dts Programm der neuen Partei würde seine Definition voraussetzen. Im Falle Palästinas handelt es sich Jedoch nicht um die Anerkennung des Klassenkampfes schlechthin als soziologische Erscheinung, sondern darum, ob er als (einziges oder ein) Mittel des Aufbaus angesehen wird. Die Anschauungen darüber sind heute nicht ganz geklärt. Sicher Jedoch b.t, daß die Frage einen zum großen Teil theoretischen Charakter hat. Es scheint, als werde man diese komplizierte und gefährliche Frage aus dem Mittelpunkte der Diskussion rücken und es vermelden, den Begriff selbst Im Programm der vereinigten Partei zu gebrauchen. Dagegen wird es nötig sein, dem positiven Inhalt dieses Begriffes Ausdruck zu verleihen. Die Verteidigung der wlrtscliaftlichen und sozialen Rechte des Arbeiters mit Mitteln, die dem momentanen Entwicklungsprogramm Palästinas entsprechen, wird als ein Punkt des Aktionsprogramms der neuen Arbcilsparlel einzureihen sein. Neben diesen Fragen des Programms — die hier nur kurz gestreift werden konnten — entstehen bei der Vereinigung organisatorische Probleme, In beiden Lagern gibt es Stimmen, die für die Schaffung eines Rahmens eintreten, der nicht nur für die genannten Verbände, sondern auch für Odud Haawodah und Haschomer Hazair Platz haben soll. So viel Verlockendes ein solches Projekt auch auf den ersten Mick haben mag, so bleibt es dahingestellt, ob die Lage heute bereits dafür reif Ist. Die Schaffung einer Organisation, die Ober die beiden großen Partelen hinaus, nicht parteiisch organisierte und Im Werden bcgrlffcno Verbände umfaßt, bringt eine Reihe von neuen Problemen mit sich, die heute noch nicht geklärt sind. Ucber die Aussichten und Möglichkeiten zu urteilen, ist deshalb verfrüht. Die Vereinigung von Achduth-Haawodah und Hapoct- Hazair würde nicht nur die Lage In der palästinensischen Arbeiterschaft selbst stark indem, sondern urmvilzcnde Wirkungen auf die Jüdische Arbeiterbewegung Im Ausland ausüben. Der Verbcird, der den Krlstallationskern für «ine neue Partei in den Galuthliindcrn abgeben muß, die die ExposItur und das Reservoir der vereinigten Partei In Palästina zu bilden hat, bestellt heute In fast allen Ländern. Es Ist der Wcllverband der llltachduth. Um Ihn werden sich alle die gruppieren müsse«, die mit der neuen Partei einen Verband bilden wollen. Welche Parteien, «der welche Teile davon dazu bereit sind, bleibt abzuwarten. Jedoch wird die Einigung der palästinensischen Verbände ohne Zweifel auch die Annäherung der Im Sinne der palästinensischen Arbeiterschaft orientierten Gruppen mit sich bringen. Jeder, der die Verhältnisse kennt, weiß, wieviele sonst im gegenseitigen Kampf zersplitterten und vergeudeten Kräfte damit auf ein großes und nichtiges Ziel konzentriert würden. Der Prozeß der Vereinigung, d.h. die parlamentarische Form, In der sie vor sich gehen wird, ist heute noch Gegenstand der Diskusston. Ein — unserer Meinung nach 6ehr klarer und eindeutiger — Weg Ist die Einberufung der Konferenzen beider Parteien, die jede für sich die Stellungnahme und die Bedingungen für die Einigung festlegen. Darauf hülle eine gemeinsame Konferenz beider Verbinde stattzufinden, die die leitenden und ausführenden Organe der neuen Partei tu wählen hat. Eine zweite Möglichkeit Ist die Einberufung einer allgemeinen Konferenz mit dem Programm der Einigung. Sic würde voraussetzen, daß ein Rahmen über die beiden Parteien hinaus gewünscht würde, c'nc neue Partei geschaffen werden sollte, In die man Jeden einzutreten aulfordcrt, der sich zu einem auf der Konferenz festgelegten Programm bekennt. Palästina hat eine solrhe Konferenz bereits gekannt: die Elnlgungskonfcrenz von Petach-Tikwah. Mau kann verschiedener Ansicht darüber sein, oh sie Hiren Zweck erfüllt hat. Jedenfalls hat sie die Einigung von Hapocl-HazaTr und Poalc-Zlan nicht gebracht. Wichtig ist jedoch, daß damals die Lage im Lande und unter der Arbeiterschaft ganz anders war. Damals handelte es sich um einige Hundertc, heute um viele Tansendc. Eine allgemeine Konferenz würde ganz unübersichtlich sein und vermutlich zu uferlosen Debatten, zu wenig Resultaten führen. Es Ist immer mißlich, unter die Propheten zu gehen und vorauszusagen, was sein wird. Es scheint jedoch dieses Maf, als ob In beiden Lagern der ernste Wille zur Eln'gung. vorhanden Ist. Sollte er »legen, so wilre da* Im Interesse der Arbcltcrfiehaft, wie des PalfistlnMufbnus überhaupt, freudig zu begrüßen, Itlobamneileolsebcr Jndtnboykott Ii Jugoslawien Belgrad. (J.T.A.) Die Mohammedaner der Jugoslawischen Provinz Bosnien werden von dem offiziellen Organ der mohammedanischen Partei Bosniens, der in Sarajewo erscheinenden „Prawda", aufgefordert, die Juden wirtschaftlich zu boykottieren, well sie angeblich bei den letzten Parlamentswahten radikal gestimmt haben. Die Boykottbewegung Ist Im Gange. Das geistige Oberhaupt der Mohammedaner Bosniens, Dr. DjcmaTouddlneEffendi Tchaouchevltch, hielt am 4. März eine Rede, in welcher er ausführte, wer bei jüdischen Kaufleuten einkauft, unterstützt Indirekt die zionistische Bewegung, die danach strebt, Palästina für die Juden zu gewinnen, das seit 1100 Jahren moslemetlsch Ist. I'olnlscbe Fabriken ud jüdische Techniker Warschau. (J.T.A.) Die Leitung des Vereins jüdischer Akademiker wandte sich mit einer Bitte an die Gesellschaft „ORT", die Ica und die Jüdische Wcltliilfskonferenz, den jüdischen Absolventen der technischen Hochschulen tn Polen die Möglichkeit zu verschaffen, In ausländischen Fabriken Ihr Praktikum durchzumachen, da für die jüdischen Absolventen in Polen die Fabriken verschlossen sind. ■» wr*»...'.\n ll'-ULL'-l-il____J________I Samroy Groneinann zum Ffiafzlosteo Manchen Menschen gratulieren zu dürfen ist eine solche Freude, daß jeder Anlaß dazu willkommen und auch der ^beträchtlichste gerade gut genug dazu Ist, — um wieviel wehr Ihr Fünfzigster, lieber Oronemannl Sie werden sich '»'jr wehren, werden mit herzlichen Augen hinter Ihrer dicken Brille rauuzerlsch dagegen protestieren, daß man einem wnschen Olück wünschen könne, well zwei Drittel seines «bens verflossen seien, wenden Ihrerseits fortfahren zu bewei- |c"i daß die Menschen bei diesem Anlaß sich selber gratu- ""cn, well sie 60 lange Zelt mit Fassung diesen Erdenbürger jinter »ich ertragen hätten — und dergleichen mehr Scherze. »Inier denen, wie stets bei Ihnen, eine melancholische Ernsth5'tlgkelt sich auf somatische Weise verbirgt. , Aber bei uns kommen Sic an die Falschen, Wir sind "Wände, Sic an Ihrem Fünlzlgstcn In eine Ecke zu nehmen!ir^ mit Ihnen zu streiten. Ihnen darzulegen, daß an solchen ^ücn man Menschen zu ihrer Existenz gratuliert, zu Ihrem «Hin, zu dem Werte mehr, der sie imd, und den sie dem "wmelnen Leben, dieser farbigen und höhnischen Alltags- W durch ihr pures Mittun und Dabeisein hinzufügen. da Sie ein an der Ocmara geschulter Kopf sind, werden einsehen, daß Ich recht habe — Jene unglückliche Eigen- •J^'t also, die die arme Sankt Johanna mit dem Feuertode ''"»endlich zu büßen hat, und zwar auf so bezaubernde und 'uiirende Welse wie Elisabeth Bergner es den Berlinern vor- ""cht. Und Sic, ein Enlhuslait des Theaters, verstehen das "srukostcn und denken an Ihr großes, so gut geglücktes und wieder zerstobenes Experiment, das die Wilnaer — "nsere Wilnaer von damals — nach Berlin verpflanzte. Das ein Sieg, den Sie gewannen, für die jüdische Bühne, für '^geliebten Judischen Osten und für die Theiterstadt tUnd dennoch wäre all das, und Ihr humorl&tisch-zSrt- Eintreten für die Rechte der Ausgebeuteten und raschen unter den Oelstlgen als Anwalt des Schutzver- F *>e* deutscher Schriftsteller, nur Anlaß und Stoff für eine "rrede in eogern Kreise, wenn Sie nicht von Ihrem Wesen und Wollen in die Welt der Lebende,» hinaus jene zwei Zeugnisse gestellt hätten, Ihre beiden Bücher „Tohuwabohu" und „Hawdoloh und Zapfenstreich", die die Leser dieses Dlattcs bestimmt keimen und lieben. Und damit kennen *l« Sre und lieben Sic — denn dicht hinter Ihren Büchern, unver« borgen und zum Greifen deutlich, stchn Sic selbst, Sammy Groneinann: tätig und skeptisch, erfahren und warmen Herzens, ein Anwalt der Schwachen und ein zärtlich-welscr Liebhaber des Lebens wie Sie es scheu, Immer bereit, die Quintessenz Ihrer Erfahrungen In eine brillant erzählte Anekdote zu tröpfeln, und unter all dem Wortwitz den gefaßten und geprüften Ernst eines leidgewohntcu Mannes und Juden zu bewahren. Und well Tausende Sic lasen und kennen, die dies lesen, hören Sie viele Menschen sagen und herzlich fühlen, was hier bloß als Buchstabe, ohne den warmen Klang der Stimme, stehen muß: Lieber Oronemann, Glück auf den weiteren Weg, Ihnen uml ihrer Oattin. Im Auftrage von Tausenden aus West und Ost: Arnold Zweig. Das Ducti Esther In der Literatur (Von einem Mitarbeiter.) Das Purlm fest hat heute leider einen großen Teil «i«m-:n Einflusses aut das jüdische Gemüt verloren. Die Iujii ,i i Begleiter des Festtages, das Schenken, das Verkleiden und «'in Puiinisplelc sind aus der Mode gekommen, und da» Volkskbcr1, das den Karneval erst ermöglicht, fehlt Im Gnluth, Das ist sehr zu bedauern, denn Purlm bildet ein Interessantes Kapitel des jüdischen Volkslebens. Das Chanukkoh-Fcst Ist zu hohen Ehren gekommen, und wenn auch Purlm nicht so heroische Elemente In sich trägt, wie der Kampt der Makkabler, so liegt doch genug Romantik darin, um die Honnnng zu rechtfertigen, dal» es wieder aufleben wird. Das Buch Esther gewinnt eine Vorzugsbchandlung. Wahrend kein elnrlgci Buch-, das über die Siege der Maccabäer berichtet, kanonischen Rang erhielt, htt das Buch Esther, dem der Talmud eine längere Abhandlung widmet, einen Platz In der Bibel gefunden. Besonder» ab« In der allgelmelncn Literatur Ist dieses Buch beachtet worden. Neben zahlreichen wissctuchaftiichcn Autsätzen jüdischer und christlicher Gelehrten bildet das Buch Es.her in den letzten sechs Jahrhunderten eine Fundgrube für Komödien, ernste Dramen und Operetten. Die Bibliographen ziUilcn einige hundert Dramen, welche die Geschichte Esther behandeln; sie sind In allen wichtigen Sprachen geschrieben und teils verlegt worden, teils In verschiedenen Bibliotheken vorhanden. Uarou James Rothschild besitzt allein 130 Dramen darüber In deutscher, englischer und französischer Sprache. Der grolle Ocgcnsntz zwischen der stolzen und eingebildeten Vaschti und der schlichten und anspruchslose» Esther, zwischen dem unverschämten mid zudringlichen Antisemiten Hainau und dem einfachen und gutherzigen Mordochal, der dem Könige das Leben gerettet hatte, die verschwenderische Pracht des Königs, und die großen Festlichkeiten, die beinahe ein Jahr dauerten, der leichtgläubige und schwache Charakter des Königs und seine ubccmütUgc Neigung tu Esther, der unvermutete Sturz des Hainau und die Erhöhung des Mordoc.pi, die plot.liche Umgestaltung der königlichen Politik -- altes dieses gab Dichtem und Schreibern Material. Schon im 14. Jahihundcrt gab es französische, deutsche, polnische, englische, nissische und hebräische Dramen, welche das Buch Esther zum Vorwurf hatten, die teils sogar gehässig und vorcliiirci» m n. n waren. Einige katholische Schreiber entsteilten »Ins Ituch und machten daraus du Drama, In welchem sie die lüdb:hc Nation von Haß und Neid erglühen ließe. So taucht im lö. Jahrhundert die tragikomische Legende auf, daß Ahasvcru* der wandernde Jude sei, ohne jedoch den Zusammenhang deu Aliasverus mit dem Juden zu erklären. Einige benutzten die Gestalten dlcsej Buches, um In ihren Dramen gut bekannte Politiker nnztiRrtllen und herabzuziehen. In einem solchen Drama war Kardinal Wotecy, der stolze Premierminister Heinrich Vlll„ als bÖ6er Haman gezeichnet. [>ie meisten dieser Dramen haben leider nur sehr geringen dramatischen Wert, mit Aufnahme des Meisterwerkes „Esther" von Qrillnarzer, welches unvollendet Ist; Von den zahlreichen hebräischen Dramen ..Esther" von denen einige satirisch ilnd, hat keines höheren Wert, nicht einmal „Ahaaverus" von OoWtadcn. Das beste Drama, welches nie seine Bedeutung verlleren wird, H» - das Buch Esther selbst U St.

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