Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1925)
- Date
- 1925-03-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 180 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 20 »cJion — wir müssen den Klagen unserer Schriftsteller In Ercz Israel glauben — bis nach Tcl-Awlw hinein. Die Frage beginnt also nkut zu werden: Wird es uns gelingen, in Erez Israel da» Ideal einer nationalen Hclmitüttc zu schaffen, oder wird nur ein Surrogat der bisherigen Einwnnderungsländcr geschaffen, eine Art „polfistlncnsischcs Amerika", oder gar ein „Nachtasyl" Ifir die Ucbcrgangszclt, bis „bessere" Zeiten kommen und man anderswo einwandern kann? Eine andere Trage lautet: Ist die Junge, hebräischpalästinensische Kultur Imstande, die Immer stärkere Oaluthwcllc aufzunehmen, sie umzugestalten, zu resorbieren, kurz: sie sprachlich wie kulturell zu assimilieren? Ist der ethische und kulturelle Unterbau, der vom jungen und dem (chronologisch sowie In bezug auf den jugendlich-idealistischen Ulan) Jüngsten Jischuw geschaffen wurde, schon stark genug, um den Druck der amerikanisch sich ausbreitenden Städte, wo die Oahith die Majorität hat, iiuszuhnltcii? Wird nicht umgekehrt die vielsprachige Gallith mit ihrem in dieser oder jener Form auftretenden Kult des „goldenen Kalbes" auf die jungen Priester der Religion der nationalen Arbeit ansteckend wirken? Soll der Zionismus an dem „eugenetischen" Ideal einer sorgffilUg gesichteten, moralisch und physisch vollkommenen Einwanderung festhalten oder die Tore breit öffnen und a 11 e hineinlassen, die da „hungrig und durstig" sind? Wird das hebräische Palästina so stark sich erweisen als „Schmclzticgcl", daß die Schlacken den Oaluth ausgeschieden und das edle Erz zu neuen Schöpfungen benützt werden kann, oder wird dort eine Mischkultur entstehen, ein neuer Lcvantlnlsmus nur mit hebräischer Beimischung? Kurz: es handelt sich darum, wie groß ist beute schon — abgesehen von der ökonomischen — die ethische und sprachlich-kulturelle Aufnahmefähigkeit Palästinas für eine starke Massencinwanderung? Die Frage hat ein Janusgesicht mit zwei Aspekten: Gegenwart und Zukunft Die Oegcnwart des jüdischen Volkes In die Galuth hat ihre brutalen Forderungen, die sich durch einen Wechsel auf die Zukunft nicht vertrösten lassen. Dieses Ocslcht, das sich uns zuwendet, ist von Schmerz verzerrt und angstvoll, das Antlitz des gehetzten Ahasvcr, der vor sich endlich den sicheren Hafen Palästinas zu sehen glaubt, wo man ihn endlich in Ruhe arbeiten läßt. Ucber die dringende und wachsende Massennot und Massensehnsucht nach der Heimat, die zwei treibenden Kräfte, ohne die wir wohl eine „Utopla" a la Hcrtzkas „Frclland", aber keinen Judenstaat bauen können — Ober diese Not der Gegenwart können wir uns nicht hinwegsetzen, sowohl aus OefÜhls* wie aus Vernunftsgründen. Wir, das Aha8vervolk, dürfen und wollen nicht für uns selbst eine „Antl-Allcn-PollHk" einführen und auch keine solche unterstützen. Umgekehrt, wir müssen die künstlichen Dämme, die von der palästinensischen Regierung vor einigen Jahren errichtet worden, möglichst rasch zum Verschwinden bringen. Wir wollen und dürfen keine „Inflltrationspolltik" dulden. Die Wellen der neuen Alijah sollen unbehindert nach Palästina einströmen, selbst auf die Ocfahr hin, daß ein Stück der Galuth miteingeschlcppt wird. Bei j cd cm Auszug aus Mlzraim, den wir in unserer Geschichte hatten, mußten wir Ja bekanntlich die Ocfahr mit in den Kauf nehmen, daß sich auch viele wesensfremde Elemente (damals nannte man vlc Mischvölker, «31 a^V ) unserem Zuge anschließen. Trotz aller Gefahren, trotzdem unser Ideal eines Mustcrlandcs durch mancher dieser Elemente bedroht erscheint, die ihre Krämcrpsychologic nach Palästina mitnehmen und In Tcl-Awiw, an der Schwelle Palästinas stecken bleiben, um Boden- oder Häuscrspckuhlloncn ru treiben — trotz der moralischen Ocfahr für umerc Chaluzim müssen wir mutig und beherzt die Massenkolonisation akzeptieren. Akzeptieren heißt aber nicht ein resigniertes System von „lalsscr faire" einreißen lassen oder auch sich damit begnügen, In pathetischen Ucbcrschwsng Kassandrarufe auszustoßen. Wir müssen die Bewegung In der Hand behalten und die Zügel ruhig und fest meistern. Denn gegen die Ocfahrcn des Einreißen* der Oaluthgefahr in Ercz gibt es Mittel, die auch in unserer jahrtausendlangen Ocschlchtc oft erprobt wurden. Diese Mittel sind: selbstgcgcbcn« Gesetze und freiwillige Hüter derselben, Propheten und Priester. Ins Moderne übersetzt heißt dies, daß die Einwanderer gezwungen werden müssen, möglichst rasch der Ocsamttendenz des jetzigen Jischuw sich anzupassen : sprachlich, kulturell, ethisch. Dies kann früher oder später, besser oder schlechter — aber es kann erreicht werden, wenn wir uns selbst Gesetze geben und die Einwanderer daran gewöhnen, daß nur Selbstzucht und Disziplin eine junge Gemeinschaft, wie die unserlge, vor Verfall und Untergang retten kann. Uebrigens haben wir glücklicherweise dank der 'jcwlsh Agency die rechtliche Möglichkeit, unseren „Oesetzen" ~" «uQei durch die moralische Wirkung auch durch d<» «weltlichen Arm" der Palastina-Regicrung — Ochör und Oeltung zu' verschaffen. . Voi Jahrtausenden entstanden solche Gesetze, um Innen herauf« einen Zaun zu bilden, der unser Volk gegen das Einreißen des Qöl/ciidienste« und der Immoralltät der benachbarten Hcldcnvölkcr In Palästina, schützen sollte. Auch In der Oaluth retteten nur die Oesede unser Volk vom Untergang. Wir müssen und können jetzt dr.*:•!:« tun, um umgekehrt die Ücfnhr der lllnschlcppung der Onluth nach Palästina zu beseitigen. Aber da/u Ist es notwendig, daß auch minore ticbrälsclicn Dichter und Schriftsteller, die schon In Palästina sind, nicht von einem „Turme von Elfenbein" nus, die Ocfahr herannahm lassen. Sic sollen und müssen von Zeit zu Zeit von Ihren Höhen lilnunlcrstelgcu in das Tal des täglichen Lebens In den Städten Palästinas und es wird kein Unglück sein, v:.— sie den modernen Anbetern des „goldenen Knlbcr." Ihre Buiulcstnfcln von Zelt zu Zeit nuf den Kopf werfen. Im Kampfe muß sich der neue Jischuw mit seiner , ung-hcbräiseltcn Kultur und seiner jung-jüdischen Ethik Itirchsctzcii gegen die Rückfälle In die Oaluth-Psychoogle. Dann werden solche Auswüchse verschwinden, daß Stadträte in Ercz Israel nicht hebräisch, sondern — ciißlifcb beraten, da" Bodenspekulation getrieben wird, und dann wird auch der Uiiischlchfun^prozoü nicht durch massenhaftes Slch-fcstsctzcn der Einwanderer in den Hafenstädten r^ntört werden. Eine gesunde Verteilung und „Zerstreuung" In 'Paästina, sowohl In geographischer wie beruflicher Hinsicht, wird die Entsteh:::!- von Wliltcchapels und Derdyczews im „Lande der Verheißung" verhindern. iCäcs große Werk birgt Gefahren In sich, auch unseres. Sic können aber und sollen gebannt werden; die Ocfahrcn, aber nicht — die Einwanderer. Denn für ein Volk wie lür das Individuum gilt die altrömische Maxime: Primum vivere, deinde philosophari. Zuerst muß unser Volk die Möglichkeit Inbcn, das Leben zu retten und zu erhalten, dann werden imscrc Propheten und Apostel das Gatuthwcscn Ihm schon t-ustreiben; In der Luft Palästinas, die ja nach dein Talmud klug macht, wird es recht bn!-J umgeformt werden. Dieser Umwandlungr.pro/cß wird um so rascher gelingen, je intensiver wir den Hcbralslcruiigsprozcß bei den Auswandcrungslustigcn schon vor der Auswanderung betreiben und Ihnen die Ucbcrzeugung einprägen, daß die Unkenntnis des Hebräischen ein auch praktisch fühlbarer Mangel ist, der raschestcus behoben werden muß (z. U. bei Erwerbung der Staatsbürgerschaft in Palästina usw.). Die Zukunft, die Ideale Zukunft der jüdischen Heimstätte in Palästina wird noch durch einen anderen Faktor gesichert, dies ist das hebräische Schulwesen. Die „Generation der Wüste", die im Manncsnltcr nach Palästina kommt, kann in der Regel nicht umgebildet und unserem Ideale angepaßt werden. Aber die scliulplllchtlffe Jugend, wird von dem ersten Moment nn In das Netz des hebräischen Schulwesens elngcfangcri und sprachlich, sowie seelisch, dem Zukunftsldcal angepaßt werden. Neben dem Propheten und Priester der modernen Zeit ist es der Lehrer In Palästina, welcher die Gefahr des Rückfalles In ein Nalcwkl oder Bcrdyschcw vermindert. Dazu kommen noch die Ausstrahlungen von solchen Kulturstätten wie: die hebräische Universität, die Im Werden begriffen Ist, oder eine religiöse Hochschule, die geplant Ist. Schließlich ist es immer und überall nur eine kleine, erlesene Minorität, welche ein Volk zu den Höhen des Geistes und der Ocslttung hinaufführt. Wenn In Palästina unsere modernen Leviten wachsam sind (In wenig Ländern Ist übrigens die Zahl der gehifigcn Arbeiter und Schöpfer Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Bevölkerung so groß, wie im jüdischen Palästina) so braucht uns vor einer immer stärkeren Einwanderung, wenn sie auch einen mehr städtischen Charakter haben sollte, nicht bange zu werden. Wenn der moralische Druck der geistig und ethisch führenden Elite nur recht stark und energisch dem Einwanderer gegenüber gleich von Beginn sich durchsetzt, dann droht uns nicht die Ocfahr, daß Palästina nur ein Einwandcrungs- oder gar Durchwandcrungsland wird, oder vielleicht gar ein Nachtasyl. Im steten, wachsamen Kampfe wird und muß sich die nationale Heimstätte dem Ideale nähern, welches unsere Edelsten als Endziel In ihren Träumen geformt haben — soweit eben eine aus Menschen zusammengesetzte Gemeinschaft überhaupt fähig Ist, ein Itlcat zu verwirklichen.,.. pie K.-B.-T3tlgktlt Dr. Me-ssiasohis In Brasillea Dr. Mos sin so Im kam am 23, Dezember tu Rio de Janeiro nn, wo Ihm ein begeisterter Empfang bereitet wurde. Aus allen Stadtteilen waren die Juden zum Hafen herbeigeeilt, um Dr. Mosslnsohn ru bewillkommnen. Die offizielle Begrüßung fand In der Zionistischen Halle statt, die als jüdisches Zentrum RIos gilt. An dieser Begrüßung nahmen sowohl die aschkcnasischcn wie auch die «phänischen Juden teil. Die K.-H.-Kampagne wurde am. 5. lanuar eröffnet, nachdem alle nötigen Vorbereitungen getroffen waren. Am 7. Januar fand Dr. Mosslnsohn 7U Ehren ein Tee statt und am 10. Januar eine zweite öffentliche Versammlung. Am 11. Januar reiste Dr. Mosslnsohn nach Pernambuko ab. Auf dem. Rückweg nach Rio wird er auch B a Ii I a besuchen. Nach Beendigung der K.-H.-Kam. pagne in Rio wird Dr. Mossinsohn nach San Paolo und dann nach dem Süden gehen. Nach Durchführung der K.-IL- Aktion In Brasilien wird Dr. Mossinsohn sich nach Argentinien begeben. (Ziko.) Die ßesamlpolnlsclie Zlonlstcakentcrcnz Wie wir schon mitgeteilt habe«, hat <llc Warschauer Zio. nistcnkonfcrcni die Schaltung einer einheitlichen Or^ni. satlon beschlossen. § 1 des EliiluuiigsstatuU lautet: "t>cr Vereinigte Verband der zionistischen Laudcsornmisatlontn In Polen dehnt seine Tfillßkclt über das ganze Oebict d«r polnischen Repub'lk aus; Slsdci llauptkomltrcs Ist Warschau Oberste» und souveränes Organ Ist die Kotifcrciu der Zi0. nlitcn ganz Polen». Von den weiteren von der Konferenz angenommenen |)t, »olulloncn Ist zu erwähnen! Die Konferenz verpflichtet »Hc allgemeinen Zlonlsicn, auf dein 14. Zionistciikoiigrcß eine einheitliche Fraktion zu schalten. Die Delegierten aus Polen werden sich, auf dem kommenden Zlonlstcnkoiißreß für die Einführung eines einheitlichen Schckcl und die Aullirliiin/; aller sogenannten l-'üdcratloimrlu'kcl ein. «el/cii. Iis wird der Wunsch ausgedrückt, daß die Zionistisch« Weltcxckullvc aus London nach Palästina über, führt werde; In London und Ocuf sollen p0. 1111s c Ii c E x p o s 11 u r c n bestehen. Am letzten Sit/ungstnge wurde durch ein Ha-Tclcgramm der Konferenz bekannt, daß die amerikanische Konfcreni der Unparteiischen den Anschluß nn die Jcwlsh Aecmcy benchlosscn habe. Gleich daran! faßte die Konferenz Aller polnischen Zlouisten die folgende Resolution: Die Konteren« begrünt die vom Präsidenten Dr. Chalm Weltmann In Amerika unternommenen Schritte, die die Schaffung einer breiteren Onuullagc für den Aufhau eines jüdischen Palästina bezwecken. Die Konferenz drückt Ihre Zufriedenheit damit aus, daß die Vorschläge Dr. Wclzmanns von der Konferenz der amerikanischen Judcnhcit angenommen worden sind. (Sic Konferenz hofft, daß es auf dieser Grundlage gelingen wird, die Judcnhcit In allen Ländern heranzuziehen. Die Re*olutlou wurde mit 03 gegen 3 Stimmen angenommen. Herr Lcvltc brachte dann die folgende Resolution ein: Zwecks Vereinigung der gesamten jüdischen Bevölkerung Polens Im Aufbauwerk des jüdischen Heims in Palästini beschließt die erste polnische Zionlstcnkonfcrcnz, in den n3ch. üten Monaten eine PropalSstln a-Kon feren z der gesamten polnischen Judcnhcit einzuberufen. Die Konferenz stellt fest, daß die gesamte polnische Judcnhcit durchdrungen Ist von dem heißen Wunsch, In naher Zelt cia jüdisches nationales 1 leim in Palästina aufgebaut zu sehen. Die Konferenz fordert alle Schichten der Jüdischen Bcvülkcninj; Polens auf, sich mit dein Aufruf zu der Propalästlna-Konferenz solidarisch zu crkl.ircn. Diese Resolution wurde ein. stimmig angenommen. Herr Dr. M. II lud es begründete hierauf in längeren Ausführungen die von Ihm ausgearbeiteten politischen Resolutionen, die mit allen gegen eine Stimme angenommen wurden. In diesen Resolutionen heißt es u. a.: In Anbetracht der Ausrottungspolitik gegen die Juden in Polen, die in Konsequenz der chauvinistischen Auffassung Polens als eines exklusiven Nationalstaates als Fremde betrachtet werden, beschließt die erste polnische Zionlstcnkonfcrenr, daß die Jüdische Repräsentanz In Sejm und Senat mit aller Energie den Kampf gegen die Ausroltungs- und Entfremdungspolitik führen und für die Verwirklichung der nationalen Mlndcrhcllsrcchlc, die Im Versolller Friedensvertrag festgelegt sind, kämpfen soll. Die Zloiihtcnkoufercnz drückt dem Jüdischen Partamcnlsktub die Anerkennung für die euerglschc Arbeit In der Verteidigung der Jüdischen Interessen in Polen aus. Es wurde dann das Präsidium und der Zcntralrat gewählt. Das Präsidium besteht aus den folgenden Personen: Dr. Oottlieb, Dr. Davidsohn, Dr. Hlndes, Leon Levltc, Dr. Klumel, Senator Ing. Körner, alle aus Warschau; J. Borger, Wllna; Senator Rottcnst reich, Ostgnllzlcn; Dr. J. Schwarzbart und Dr. Schniorak, WcstKallzicn. In den Zcntralrat wurden lolgcndc 25 Person :n gewählt: Senator Braude, Dcp. Orünbaum, Qrawlckl, Dcp. Hartglas, Adv. Seldcmann, Stadtrat Elcnbcrg, Dr. J. Schipper, Dr. Welzmann, Suwalkl, Dr. Feldman, Dr. Roscnblatt, Rosen hin, Schwlz, alle In Kongreß-Polen. Dcp. Dr. Reich, Ing. Landau, Dr. Rosenkranz, Dr. Tcnucnbaum, Dr. Mandel. Dr. Wclnbluni, Dr. Ritte rman n, alle Ostgnll/ieii. Dcp. Dr. Thon, Dr. Kusch, Dr. Fclzer, Dr. Hilf stein, Octgcr, olle Wcstgnllzlen. Ing. Schetkln, Wltna. Mit dem Ocsang der Hatikwah schloß die Konferenz. Jodenaoslrelbuifj ans dei polnische Oslproviazra Warschau (J.T.A.). Der polnische Innenminister Klcrnlk hat In einer der Icl/tcn Stt/nnwi der Verwaltungkommlsslon des Sejm einen Antrag eingebracht, aus den Grenzgebieten Polens alle jene Einwohner, die die polnische Staatsbürgerschaft' noch nicht besitzen, auszuweisen. Die Kommission hat don Antrag des Ministers mit einer Mehrheit angenommen. In den polnischen Ostprovinzen, auf die filch der Antra« des Ministers bezieht, wohnen viele zehn tau» ende Juden, die zwar In l\>lcit geboren oder In Ihrer jel/luc» llrlmnt seit Jahrzehnten wohnen, dennoch aber wegen iler bestehenden verwickelten Ilfirgcrschaftsbcsliminungen hH \<tä die polnische Staatsbürgerschaft noch nicht erlalten haben, Alle diese sind nun von der Ausweisung bedroht In Jüdischen Kreisen hat die Annahme des Regierung*- antrage* durch den Seim-Ausschuß große Bestürzung hervorgerufen. Der jüdische Parlnmentsklub erläßt eine Erklärung tu die jüdische Ocffcntlichkclt, in welcher gesagt wird, die Annahme des Antrags durch die Sejm-Kommission bedeute noch nicht dessen Gesetzgebung; sobald der Entwurf vor das Plenum des Sejm gelaugt, werden die Jüdischen Abgeordneten mit allen Kräften gegen dessen Annahme ankämpfen. Der Jüdische Natlonalrat macht die jüdischen Orenzbewohner auf die Notwendigkeit aufmerksam, unverzüglich neue Gesuche wegen Ihrer StaatszugehörtgkeH einzureichen. Antlztonlstische Terrorakte U Bulfjarltn Rustachuk. (J.T.A.) Die mazedonischen Revolution! ren haben weitere Erpresscrakte an Juden 1" Bulgarien verübt, um Ihre Kricgskassc zu füllen. In mehreren bulgarischen Städten brandschatzten sie jeden jüdischen Bürger mit mindestens tOO.000 Lewa. Bewaffnete Mazedonier gehe« von Laden zu Laden und terrorisieren die jüdischen Kaullcut«- Die Geschäftsinhaber werden oft grausam mMhvtde'i. neu« <le nicht sofort mit dem Qeld herausrücken.