Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1925)
- Date
- 1925-03-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oi) Elnzclnarmncr 0,30 Qoldmeirk O .«L\»!Sa ^LLsI jJ^UkUon und V«iUä W J5. M«lnek«itr*ß« 10. Erscheint f ita Dltnitiit und Freitag. BoxuflipreU bei der Expedition L0ttlleb 1,85 Goldmark. Vierteljährlich 5.35 Goldmark. .,ibentMBtoti w«r<J<« ta d.r Wltiraa| i*f «Iniita» Uod*r txittchatl A*»"1 Nommof 20 I Berlin, 10. III. 1925 Anzeigen-Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.IL, Berlin W15. Melatkeatr.iO Telephoni Amt Bltmarck 7165—70. AaMlltBpr«l*i82«ip>tli<Mp*r*ltl«Mn«9,<aOrM.SuflMtftii«k«0^OO^M. Aaulgta«cblaAi DloiU< «ad Fr»ll»( ■(•«■MU| 4 Ukr. Telephoni ülsmark 7165-70. PoaUcheckkontoi Berlin Nr. 17392. Fflr OatUrrtUhi Poilin.rV.M.n.rnt Wltn. Konto Nr. I5A0JÖ, FO(T«tS.cho»low«Vtli Poilipirkuatn.ral Vitt, Kenin Nr. 39410k, tat Primi roitipuluMtniml W.rKh.u. Kimlo Nr. 19070«. RadaktlonttckluO Sonntag und Miliwoch neehrtilttetf. n"Din Y'D XXX- Jahre- Btr KonHmu» ^crurebt fQr da» IQdUch« Volk eil« Schaffung oln«r ttffanUlth »fthtllch poalcharf n Halmstaito tu Palästina, „Basolor Programm." Deutsche Juden! Aua Krieg und Kachkrieg, aus den Krisen der neuen Wirtschaft mQsocn denkende Juden die Lehre te«o0en haben: dafl der Jude, wo immer er in nichtjüdischem Zusammenhang auftritt, für Jedes Unheil terontwortllch gemacht wird, das die Oeffentlichkcit trifft, ja noch mehr: daß auf Juden noch immer jedor yolksßroll abge'eltet wird, der eigentlich auf andere Gesellschnftskreino zielen mußte. Wie brauchen die fitsachen. auf die wir unn hier beziehen, und die in die allerletzten Tage der Gegenwart hineinreichen, nicht mehr aufzuzählen: sie sind jedem Juden voll bewußt — hat er sich doch mit ihnen die letzten Jahre hindurch standig auseinandersetzen müssen. Der Jude weiß heute: es gibt eine Jud'nfrage. Zn Ott« und Westeuropa, In Amerika bedarf die judenheit und das Judentum eines normalisierenden Eingriffs. Wor d:n Juden zu einer normalen Stellung In der Welt verhlllt, hat Anspruch auf die Beachtung, die Unterstützung, ja auf den Anschluß jedes Juden, itr imstande ist, sich selbst in der Welt zu begre'fen. sich Ober die Ursachen seiner Stellung Rechenschaft tu geben und daraus die Folgerungen zu ziehen, die der aktive und wlllensmfißige Ausdruck solcher Selbst- Kenntnis sind. < Juden! Ea gibt eine Richtung im Judentum, dio an dieser Normalisierung der Judenfrage arbeitet Man nennt sie zionistische Bewegung. Sie will in Zion, in Pa'&stina, jenen Juden zu normalem Leben terhelfen, die das Abnorme in der Zerstreuung nicht mehr ertragen — aus Gründen des Leibes und der Seele. Sie ist es. die Anspruch hat auf Beachtung, Unterstützung. Anschluß. Auf Bcnchtung: diese findet sie. weit Uber ihre zah'onmllßigo Starke. Penn die Iilco den Zionismus ist eine heroische Idee und die zionistische Energie tiefer wirksam, ala es nur nach der Zahl der Zioniaten legreiflich wSre. Unterstützung: auch diese fehlt uns nicht. In der Form des Keren Hajesaod (Palästina-Aufbauwerk) haben sich Schoren von Juden, deren Gefühle und Einsichten sie zu um gesellen, zusammengeschlossen, am praktisch und tätig mitzubauen an dem Gemeinwesen der Juden in Palästina. Heute werben wir um den Anschluß. Ueberzeugt von der Größe unserer Sache, die durch eine politische und kolonisatorische Entwicklung von 35 Jahren offenbar geworden ist, wollen wir das unsere tun, jeden Juden, der innerlich zu uns gehört, auch durch einen einfachen und dennoch symbolischen Akt tu seiner eigenen Stellungnahme zu ermutigen und aufzurufen: Er zahle den Schekel, der auf »,— M. pro Jahr festgesetzt wurde. Wer den Schekel zahlt, bokennt, daß er an ein jüdisches Volk glaubt, daß er dies Volk erhalten wissen will, daß er sich selbst einbezieht in sein Schicksal, daß er selber zu denen seiher Bestandteile gehört die erhalten bleiben wollen. Wer den Schekel zohlt, wünscht reinen Tinch zu machen mit der Galuthpnychoso des Judon, der beständig Angst hat, ihm könne von seinen Bürgerrechten in europäischen Staaten abgezogen werden, was er mehr für sein Judentum tut. Wer den Schekel zahlt, will irgendwo in Leben und Seele frei sein von Aengsten und Rücksichten, will den Weg zur Judcnheit gehen um der Juden willen und um der eigenen Errettung willen. ' ' Wer den Schekel zahlt, bekundet, daß die Entjudung den Juden als politisches Programm verwerflich' 11t, daß der mit den geistigen Gütern Europas genährte Jude seinem Volk die Bedingungen eines ungebrochenen jüdischen Lebens schaffen will. Juden! Das Rad der jüdischen Geschichte drehen wir aufwärts 1 Genüg der Entwürdigungen! Judenl Besinnt Euch: Zahlt den Sshekell Der Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Hm englische RegleronRMrkllrnin Ober Trinslordmlfs London. (J.T.A.) In der Sitzung des englischen Oberhauses vom 4. März stellte Lord Raglan an den «slcniiiffsvcrtrctcr eine Frage bezüglich der gegenwärtigen «Kc In Trasjorndnnlen. Der Unterstaatssekretär für Krlcgs- *t<cn, Oraf von Onalow, gab folgende Antwort: Die Rcwning HUirt In Palästina die Politik der Balfotir- ^Maratlon, die Schaffung eines jüdischen nationalen "tims im Lande westlich des Jordan, durch; Im Tcrritorium jenseits des Jordans, In Transjordanlcn, erfüllt die ^Rierung die von Sir Henry Mac Mahon übernommene «ipflichtung, die Unabhängigkeit der Araber an« ^erkennen und zu unterstützen. Die Hauptmächte der perlen und assortierten Nationen, und nach ihnen der Völkerbund, haben mit Recht eingesehen, daß Transjordanien "™t In der Lage sei, allein zu stehen, sondern der Unlcr- «ülnjng und Führung durch die Mandatsmocht bedarf. Ich 5«ihe, die Einwohner Traiujordanlcns geben selbst zu, daß 7 'toanülcll unfähig sind, sich seihst zu verwalten. Die Rcl*n>nR führt die Geschäfte In Transjordanlcn durch fünf """«che Dcamtc; drei sind der Palästina.Regle- 'Unß unterstellt, einer ist Beamter des Könlgl. Luft- Kens, einer im zeitweiligen Vcrlragsdlenst. Es war not-!Cn<% den britischen Hauptresidenten in Transjordanlcn i/JJ paläsllucntlscUtn Obctkommhssr unterzuordnen, da üct ^fkommlssar der Vertreter der Mandatsmacht für das ganze j^atstcrritorlum, d. h. Palästina und Transjordanien, Ist. « Ist aber nicht so zu verstehen, daß die transjordanlschc Haltung ganz von der Palästina-Regierung abhängig sei; {^stieren zwei ganz gesonderte. Verwaltungen. Aus ad- «iJtratlvcn Rücksichten aber stehen verschiedene Leiter von ^ilinadepartcmcins dem transjordanischen Residenten als ."('verständige zur Verfügung, aber nur zeitweilig. Der Tillen Bevölkerung Palästina« steht keinerlei Kontrolle Tfa"sJordanIcii zu. Die Lage dieser Bevölkerung in dtn n"*' 'nso'crn 8'c c'ne ^sondere ist, gründet «Ich auf Vor?cs"m">ungcn des Mandats, welche eine Jewlsh Agency l°,s«nen. Ea wird ausdrücklich bemerkt, daö dle Agency itJ ran»Jordanien nicht gilt. Der britische Hauptitrö 1 ln Transjordanien, Colonel Cox, hat auf Weisung <t„ Wcning in den letzten Monaten verschiedene Reformen 4 rc"Refflhrt. Gegenüber feindlichen' Ueberfillen unternahm il, R«glerung scharfe Maßnahmen, um das Volk vor den 1 tk ilen Räuberbanden zu schützen. In dieser Beziehung hat <«e Lage sehr gebessert. ■■• ■'■ « '♦•< '•• ' ..... Welr.main voi New York abcerel&l Prof. Welzmann hat am 6, Marz New York verlassen, um sich zunächst nach London zu begeben, Iii London wird Weltmann nur. wenige Tage bleiben, da er bakl die Reise zu der am 1. April In Jerusalem statt* llndcnden Eröffnung der hcbrUlschcn Universität antreten muß. BeUeguig der Streiks nnd des Uck'Out Dank der Intervention der palästinensischen Zionistischen Exekuüvc und des Waad Lcumi gelang es, einer Depesche der J.T. A. zufolge, die Streiks und die Aussperrungen In Palästina beizulegen. Ein eingesetztes Schiedsgericht soll die Differenzen zwischen Arbeitern und Unternehmern schilchten. Tel-Awlw als Elsenbahnknolenpnak) Jerusalem. (J.T.A.) Herbert Samuel ernannte am 4. MSrz eine Kommission, die die Frage der Schaffung einer Eisenbahnverbindung zwhchen Ludd und Tel.Awlw zu ptüfen haben wird. Die Koniiiilosion besteht aus den Direktoren verschiedener Rcgleruiigsdcpnrlcmciils den Bürgermeistern von Jaffa und Tcl-Awjw, sosvlc den PrSsidcntcn der jüdischen und der arabischen Handelskammer in Jaffa, und der Handelskammer in Tcl-Awlw. Die Frage einer Eisenbahnverbindung mit Ludd Ist für Tel-Awiw von großer Bedeutung, besonders Im Hinblick darauf, daß die Regierung beschlossen hat, den Pa!5stlna>Hafcn nicht In Jaffa, sondern In Haifa''zu bauen. Ludd, das etwa 10 Mellen von Tcl-Awlw. entfernt ist, ist die Verbindiingsstatlon zwischen den Elsen, bahnlinicn Kanta ra—Half a und , Jaf f a—Je ruealein, Nunmehr soll aber Tcl-Awlw die K n 01en s ta11on zwischen diesen beiden Eisenbahnlinien werden, Auf diese' Welse wird Tcl-Awlw ein wichtiges Handelszentrum. „Nco-BcrdyczcwV* oder Ideal-Staat? Von Senator Dr. Michael Ringel. Das RroQe Judcn.Rcscrvolr zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee ist einem wachsenden Drucke ausgesetzt, ür muß überströmen. Die bisherinen Abzugskanälc nach England und Nord.nucrlkft »lud hcrmctlrch abgesperrt. Andere Länder kommen für eine größere Juden- cinwanderung nicht in Betracht, da Hindernisse politischer Natur oder der niedrige Stand der ökonomischen Entwicklung die Aufnahmefähigkeit auf ein Minimum reduzieren. Es verbleibt also nur ein Land, wohin dje Juden das völkerrechtlich garantierte Recht haben, einzuwandern, noch dazu mit der offen zugegebenen Absicht, dort eine kompakte Ansicdlung, eine nationale HcimstSttc zu schaffen. Palästina Ir.t durch die in aller Welt (sogar In Südamerika) einsetzende Anti-AlictvDcwcgung jetzt nicht mehr ein Einwandcrungsland (lir Juden, es ist das Elr.wnndcrunsaland geworden. Da nun der Druck Im Reservoir stfißt, wird auch die Aiir.\vnndeniin'6\vellc nach Pullistlna Immer mehr steigen. Die Juden sind „europamüdc" geworden. Die blutigen und unb-lttUgen I'ogromc und andere Erschüttemngcn haben die A;:swandcrcrpsychologic selbst in solchen Kreisen geschaffen, die bei keinen» anderen Volke zum Wondcrstobc greifen. Es sind nicht allein die „Desperados*' mehr, die auswandern. Es sind in steigendem Maße wirtschaftlich produktive und über Kapital verfügende Kreise, sowie . Intellektuelle, die mit ihrem Kapital — sei es in Form von Geld oder Maschinen oder Erfahrungen, Kenntnissen und Initiative — in ein freies Land wollen. Es sind übrigens keine rein wirtschaftlichen Erwägungen mehr, von denen sie getrieben werden. In gewisser Hinsicht kann man einen Teil der heutigen JudenniifiW/iHdentiig mit der fiTl\villlf:uiilrcIwlllli;cn llugcnottennuswanderung vergleichen oder mit den englischen „Mayflowcr^-Auswandcrcrn. \; Wie immer es sei — das Problcrn der Massene In w a n d c r« n g in Palästina Ist schon aktuell,- es kann aber bald brennend werden. . Daß eine solche technisch und finanziell durchiuhrbar Ist, zeigt ein praktisches Beispiel aus der letzten Zelt Unter Leitung des Völkerbundes wird nämlich jetzt die Ansicdlung von nicht weniger als anderthalb Millionen aus Klclnaslcn nach Griechenland geflüchteter Griechen mit Erfolg durchgeführt, wobei In den ersten sieben Monaten nicht weniger als etwa 120 000 (hundertzwanzlgtauscnd) Personen dauernd angesiedelt werden. (Näheres darüber habe Ich in der Londoner New Juden Nr. 11 mitgeteilt) ' ■ ♦ Für uns kommt jedoch dabei eine andere nicht rein technische, sondern die Zukunflsfragc unseres Volkcß In Betracht. Von Hcrzls Judenstaat angefangen zieht sich durch unsere Erwägungen und Taten wie ein roter Faden die Idee: wir wollen in Palästina einen Mnstcrstaat, ein Ideales Modelland schaffen, wo es keine soziale Frage, keine Auswüchse des Kapitalismus mehr geben wird und keinen Klassenkampf, ein „Altnculand", wo wir auf Grund der neuesten' Errungenschaften der sozialen und technischen Wissenschaft» etwas Neues und Schönes schaffen werden, ein leuchtendes Beispiel für die kranke Menschheit, eine Art neuen Monotheismus — diesmal nicht auf dem Gebiet der Religion, sondern dem der Arbeit und des sozialen Friedens. Was wir aber absolut nicht mitschleppen wollten, war die Gallith, waren die OcbreclKii unserer zwcltuuscmljährlgcu Knechtschaft. Auf den letzten Tagungen der Zionistischen Organisationen, Insbesondere der judenrekhsten Stadt Europas, In Warschau, hat dieser Kampf dcskompromißfclndlichcn Ideallsmus gegen chic „Wiederholung von Bcrdyczcw und Nalcwki in Ercz Israel" geradezu dramatische For- Wic der „Haarcz" berichtet, soll die britische Regierung dieser Tage eine Bekanntmachung veröffentlichen, worin zur Einreichung von Vorschlägen fQr die Ausbeutung der Bodenschätze des Toten Meeres eingeladen wird. men angenommen. Was Ist der tiefste Gnmd des starken Ausbruches dieses Konfliktes gerade jetzt? Weil wir gerade die Übergangsperiode durchleben: das Ideal des Zionismus steigt in die Niederungen der Wirklichkeit hinunter,, wir sehen die Flcischwerduug. des hohen Gedankens. Wir glaubten einst, daß der Traum Hcrzls Im besten Fall nach einigen Generationen in Erfüllung gehen wird. Die allgemeine Lage nach dem Kriege hat es dazu gebracht, daß die Erfüllung schon In unseren Tagen.In einem beschleunigten Tempo vor sich geht Bei diesem Auszug aus Mlzralm ist uns kein vierzigjähriger „Yorbereltungskursus" für unsere Reifeprüfung gegeben, worden,, Zwischen den Oaluth und Eres Israel liegt heute keine Wüste mehr. Sie reicht