Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1925)
- Date
- 1925-03-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite IM JUED!SCHE RUNDSCHAU Nr ja Russland Das Ende des Idgeskom Von Dr. J. Sehe cht mann. Ich weiß nicht, ob man In westeuropäischen und amerikanischen jüdischen Kreisen einer kurzen Nachricht aus Rußland genügende Aufmerksamkeit geschrnkt hat: am 1. Dezember hat da» „Jdgeskom" (Jüdisches Gesellschaftliches Komitee) «eine Tätigkeit endgültig eingestellt. Ich fürchte, daß man diese Tatsache nicht gebührend beachtet hat, und das wäre zu bedauern, denn am 1. Dezember 1924 Ist eines der traurigsten und beleidigendsten Kapitel des russisch-Jüdischen gescILschaftlichen Lebens m Ende gegangen. Die jüdischen Massen Sowjetrußlands und die wenigen noch zurückgebliebenen indischen Intellektuellen, die noch Lust und Mut dir die llillssrbclt haben, werden Ober den dahingeschiedenen Jdgeskom ein vernichtende« Nachwort sprechen und nur einen sehnlichen Wunsch äußern: nie wieder soll diese verhöhnende Parodie auf ein jüdisches gesellschaftliches Komitee, das an »ich nie etwas Jüdisches oder etwas Gesellschaftliches hatte, eine Auferstehung erfahren. Das Jdgcskom Ist In der schrecklichen Zelt 1920 bis 1021 geschaffen worden. Das russisch-ukrainische Judentum blutete schwer aus tausend In der vorangegangenen Pogromwclle erlittenen Wunden. Die ersten Anzeichen des Hungers machten sich schon bemerkbar. Schnelle und großzügige Hille war lebensnotwendig — Hilfe um Jeden Preis. Das jüdische Volksgcwissen in der gan:en Welt wurde aufgerüttelt. Jeder Jude — arm oder reich, orthodox oder liberal, national oder assimilatorisch, In Europa, In Amerika, In Afrika — fühlte tätiges Mitleid mit den Millionen seiner leidenden Brüder In Rußland, und es Ist wahrscheinlich, es gab keinen luden, der nicht Im Laufe dieser schrecklichen Jahre sein Schärlleln für das Hilfswerk zugunsten dieser leidenden Millionen beigesteuert hätte. Die Hilfsarbclt für das russischukrainische Judentum wurde ru einer wahrhaft alljüdischen Sache. Alle aktiven Elemente des Volkes waren bereit, Alles, sogar Uebermenschllches für diese Sache zu leisten. Sie sahen sich aber Vor eine unüberwindbare Mauer gestellt. Jede unabhängige private Organisation der gesellschaftlichen Kräfte — sogar für eine so apolitische und selbstverständliche Sache, wie die Hilfsarbeit — war In Sowjetrußland verboten. Den ausländischen Hilfsorganisationen verweigerte man jede rvtiitlgiingsmAgllchkrlt In Rußland. Da« gesamte Hilfswerk für die jüdischen Pogromopfer wurde von der Riitcmacht als Monopol, dem Jdgeskom, dieser Filiale der lewsektia (jüdische Sektion bei der kommunistischen Partei Rußlands) übergeben. Und alle ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen wurden vor die Wahl gestellt: entweder vollständig auf jede Hilfsarbeit In Rußland zu verzichten, oder diese Arbeit durch das Jdgeskom zu führen, Tiegen den ersten Ausweg protestierte gebieterisch das jüdische Herz. Und der Joint trat als erster den Kanossaweg an. Seine gesamte vlclvcrzwclgtc Tätigkeit führte er durch das Jdgeskom. füllte die Kassen des Jdgeskom mit blanken Dollars und die Kammern mit Kleiden» und Nahrung. Schon im Jahre 1920 ubergab der Joint 75000 Doli., 1123 Pud Kleidung, 6294 Pud Nahrungsprodukte und 520 Pud Medikamente dem Jdgeskom. Im Jahre 1921 hat das Jdgeskom $182 Pud Kleider, 19123 Pud Nahrungsprodukte, 2136 Pud Medikamente und 519 Pud verschiedene Waren vom Joint erhalten. Und Im Jahre 1922 Int der Joint dem Jdgeskoni •10 Millionen Rubel, 13000(1 Doli, und überdies 12000 Doli, monatlich för verschiedene Zweige der Hilfsarbclt bewilligt. Dem Jolnt-Deispicl sind bald auch andere jüdische Organisationen gefolgt, wie Pcoples Relief, Arbeiter-Ring. ORT u. a. Und auf Kosten dieser Organisationen, die Ihm — gezwungenerweise! — viele Hunderttausende Dollar zur Verfügung stellten, hat das Jdgeskom großzügig seine -segensreiche Tätigkeit" begonnen, die von den unglücklichen und ruinierten Massen, als eine wahrllche „Owlra" aufgenommen wurde. Das Jdgeskom mit pclnem rein jewsekischen und Kommunistischen Personal führte, unter der Maske der Hilfsarbeit, eine ausgesprochene und engherzige Partclpolitik. Alle „guten Stellen" besetzte es mit „eigenen Leuten". Die für die jüdischen hungernden Massen bestimmte Hilfe verschwendete es zugunsten verschiedener nicht immer jüdischer und sogar nicht Immer einwandfreier Personen und Gruppen. Den Willen, die Interessen und Gewohnheiten der von ihm „bevormundeten" Massen vollständig mißachtend, nihrte es eine konsequente und herausfordernde antinationalc Politik und verhöhnte offen dos Allcrhclligstc der Bevormundeten. Es Ist ein offenes Geheimnis, daß in den Speisestatten des Jdgeskom Flüchtlinge und Hungernde absichtlich nicht „koscher" verköstigt wurden, daß in den Schulen für hungernde Kinder „eine systematische Arbelt für Ihre Entnationalisierung geführt wird" (wörtliches Zitat aus der Jewsekischen Zeitung „Emcs"); daß diese Kinder, um sie endgültig „weiß zu machen", scharenweise zu den Gerichten Segen Religion, Chcdcr, Zlonlsten und hebräische Sprache geehrt worden sind; daß die riOchtlingscchclone gerade am «abbat befördert wurden und daß „ausgerechnet" am Sabbat He Pogromwalsen Ins Rad geführt wurden usw. wir sind weit davon entfernt, die undankbare Rolle von Sabbat- und Koschcr-Elfcrcrn zu übernehmen. Aber das «lernentarc demokratische Rechtsbcwußtseln empört sich jrC- Bieterisch gegen diesen frivolen Versuch der Jdgeskomwarnten, brutal und unverschämt die Macht der von außen erhaltenen Oclder auszunutzen und das religiöse Oewissen y°n Zehntausenden von Menschen vergewaltigen zu wollen, je durch Hunger, Not und Pogrome In die Botmäßigkeit oieser „Volksversorgcr" geraten sind. . Um Ihre Monopolstellung In der Hilfsarbclt und alle mit m verbundenen Vorteile nicht zu verlieren, scheuten die Machthaber vom Jdgeskom und ihre jewsekischen Herren ^r keinem Mittel zurück. Ats Im Jahre 1922 der groß- [Uirigcr die Sowjetmacht zwang, die Tore jenen ausländischen "'Ifsorganisafioncu zu öffnen, die Ihre Tätigkeit nicht durch ji5n abgezwungenen Anparat des Jdgeskom, sondern durch eigenen Bevollmächtigten zu führen begannen, als, anderer- «.I.. vcrscli!cdencn Städten eine Reihe von lokalen, wirklich gesellschaftlichen Komitees geschaffen wurde, — begriff das Ppkom sehr schnell, daß seine Stellung gefährdet sei, und; Cfil ra„Sch entschlossen, mit allen diesen „bourgeoisen" Konventen kurzen Prozeß gemacht. Seelenruhig haben die l,r 5k!slen.,das v°n d«r Moskauer religiösen Oemclnde ge- . R'undetc Hilfskomitee geschlossen. Alle Ortskomitees, die f |'; Vertretungen der sogenannten amerikanisch-jüdischen ' ttl,. ma"'"Khaft Rahen, wurden auseinandergetrieben. Die Ä" Vcr!rc«unE<-'ii der Londoner „Fedcration of Ukralulan l wurden ausgeschaltet. Alle unparteiischen und unab- ^cM?cn Hilfsorganisationen wurden zwangsweise liquidier», *• «tri l0,ssfn» verboten. Und auf Ihren Trümmern behauptete; w'eder das Jdgeskom, - das UcbHngsklnd Jenes Häuf- pjrt.iV0.n itHausjuder»'« bei der russischen kommunistischen u «as von den heutigen Machthaber« eine unbeschränkte ">■ luri.„. Qbcf winterte und erzwungen-stumme russische Judentum erhielt. >', Ch»,,?,w'r,dlc.l-aßc bis vor kurzem, - bis der wirkliche i tth»dcr Jdßeskoin-Tdtigkclt allen ausländischen lüdl- 1 sein. 11 ffs?JKanis,allonc" endgültig klar wurde, bis der Joint i Slir.« Hilf8tSfiRke * ln Rußland einstellte und der goldene (liegen des Tnriics uarsenonon. Jüdlsöiß sozlcldcmoüral ftr&clier-oroanisat. Poaio zion Montag, don Iß. Marz 182$, 8 Uhr abend» SplChern«aio,3plohe)rnatr.3(Unwrgmn(lb.Nttrnberg«rPl.) BP für das iitlie isiina K e d n n r : TU>lcb*tac;*-Pr;uide»v l»ool töbO.BelehstagrabßoonlnoteT Eduard BorstaCelit« }talr.b»tA(r«»iic<ior<lnf>t« Toni Soncfer« Alfred Dat-acr, DovHosfPaliUMna), Dr. Worncr rraustAdtor, Molloch Hctirtadt, sch. Rudel u. «. Eintrittskarten von 1 bis 8 Mark Im Vorwkanf hei: Bote- & Bock, in d*n jQdl'ehmi nHchhnmliuwrftn, Sekretär tt Poale Zlon, Aturust*tr. 17 (Nordim 7085), Komlt*« (Qr du •rbMtond« Pa1it*tInfv, Kalkreutbstr. D. Der gesamt« IWn«rtr«!? fallt n>o PaU«Mna-Arb«ltarFoncU in. plJJJJj von amerikanischen Dollars aufhörte. Sobald, seine Oruppt Ost dor Berliner Zionistischen Vereinigung ll'ttworb, deD 4. Mars, abends 8 Uhr in dsn ünloniXlan, Gralfswaldor Str. 323 ITerrBedaktanr Hoset Waldmanni „Zionisteii und Staatsbürger" Einfahrnnf? ynn (HUUa erwtlmehu pyyrm yw. iifiy.^' Yi^TOBT Gruppe Nord der Berliner Zionistischen Vereinigung r~y ■ i — i u PonnTstacr, d*n 6. Mltre, abends 8*/« Uhr lodPoMnMkerfeststtlon.KsUfr-WI'hfllmstr.Dl TTrrr R.«fi. Dr. Alfred KIoqi ä dedfoDi unsers slaaisDiirgerilciion Recfife" Elnfllhrnnir von GHM*n »rwllnsebt. Kasse leer geworden war, hat das Jdgeskom jedes Interesse für seine ,J IllfsnrUrlt" verloren und seine Liquidation beschlossen. Mit einem Seufzer der Erleichterung werden es die von ihm „brglücklcii" Massen Ins späte Orab begleiten. Die Kolonisation In Rußland Moskau. (J.T.A.) Die Moskauer jüdische Hilfsgesell, schalt „Nevopo", welche die jüdische Oemeindcorganlsatlon Moskaus vor dem Oesetz repräsentiert, spendete e|ne Summe von 20.000 GoWrubcln *weck* Förderung de« Jüdischen Kok>. nlsatlonswerkcs In Rußland. Von dieser Summe wurden S00O Rubel In bar, der Rest In Bons geleistet. Dieser Akt geschah In Ausführung des DcscMusses der Repräsentanten der jüdisehen Gemeinde, an der Verwirklichung des Planes der (füllsehen Masscnansiedlung In Rußland auf dem Lande aktiv teilzunehmen. Der Präsident der Moskauer jüdischen Oemclnde, Herr Albert Fuchs, sowie zwei führende jüdische Funktionäre aus der Zeit vor der Revolution, Dr. Bomach und Dr. Brande, wurden In das PrSsidium der offiziellen Orscllscbnft für |fldische Kolonisation koootlcrt. Die allrussische Landwlrtsduftsbank sandte e>n Zirkular, schreiben an alle Ihre Filialen In der Provinz, in welchem diese aufgefordert werden, den neuen jüdischen Sied lern Kreditczu den gleichen Bedingungen wie derortsansSssIgenBauernschnft zu gewähren. Ein gleiches Zirkularschrclbcij sandte da« Direktorium der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaflen an die lokalen Büros. Das Syndikat für landwirtschaftliche Maschinen stellte der Gesellschaft für Jüdische Kolonisation einen Warenkrcdlt in der Höhe von 150.000 Ooldrubeln, der binnen vier Jahren zurückzuzahlea Ist zur Verfügung. Die Maschinen und Traktoren werden In die neuen Slcdlungsorte gebracht und den jüdischen Siedlern m gemeinsamer Benutzung übergeben. Den Verlrag mit dem Maschinen-Syndikat unterschrieb der Präsident der Finanzkommission der Gesellschaft für jüdische Kolonisation, Herr Abraham Dragin. Die Gesellschaft für jüdische Kolonisation stellte den Jüdischen Siedlern Baumaterialien für 1500 Häuser t ra n sport f re l zur Verfügung. Von der Summe, die nach der Liquidierung der Hungcrhilfs-Kommlssion zurückgeblieben Ist, wurden 100.000 Rubel für jüdische Kolonisationstätigkeit bestimmt. Das Ist die Summe, die von dem Verkauf der In den Synagogen beschlagnahmten V/crtgegeiistände /u"i'istcn der Hungernden nunmehr zurückgeblieben Ist. Die Initiatoren der JndenkoIonlsaUon in P<'nianeJ Von einem Korrespondenten, jungster Zeit mehren sich die Nachrichten über großzügige Kolonisationspliine, die die Sowjctreglerunr' mit den Juden vor hat. Nun veröffentlicht der „Vorwärts" In "New York einen Brief, der über die Initiatoren dieser Pläne Aufschluß geben will. Das Blatt bemerkt, daß der Verfasser nicht nur ein bekannter jüdischer Soziallst, sondern eine durchaus vc r tra u o n s w e rt e- Persönlichkeit sei. In dem Brief hciflt es: „In seinem Buche: ,Zwcl Jahre Kampf auf der Innenfront" schreibt Lazlt: ,DIc Tsclicka Ist das Beste, was unsere Sowjetorgane schaffen konnten." Und dieser Lazlt Ist von der Regierung an die Spitze der Kommission für die Jüdische Kolonisation gestellt worden. , Das zweite Mitglied der Kommission Ist Larln (ein Jude, dessen wahrer Name L'urje Ist). Er ist einer der wildesten Fanatiker des sogenannten „revolutionären Kommunismus". Er agitiert energisch dafür, daß die Tschek» mit blutiger Hand das bißchen ökonomische Freiheit unterdrückt die Lenin Im Jahre 1921 «i geben gezwungen war. ' Lazit und Larin sind dafür, daß Im Dorfe der Kriegs, kommunlsmus mit Feuer und Schwert eingeführt wird. (>4 aber die Sowjctrcnlcrung ihre kommunistischen Lxpcrimrnte Im Dorfe teuer bezahlt hat, will jetzt Larin seine fanatischen Theorien bei den Juden versuchen. Mit den russischen Da uern fürchten seihst die linken knmnimiMUchrn l au*, tlkrr Jetzt anzufangen. l>.\ verfiel man auf den < leitnnken hierfür die Juden auszunutzen, zumal aus Amerika ge! meldet wurde, daß man dort für diesen Zweck einen groüen Fonds auftreiben könnte. Das dritte Mitglied der Kommission Ist Mereschnl der Führer der Jcwsektla (Jüdlachc Sekten de kommunistischen Partei). Ich wcJO nicht, ob Ihnen sein Name bekannt Ist, bei uns Ist er geradezu „berühmt". Er wurde « infolge seine« drakonischen Kampfes gegen die indischen Mctaimliin (Lehrer), Rabbiner, Svnngogrti und Jcsclilboth. II* ist derselbe Mereschnl, der Jüngst Im Moskauer „Cmes" ein Pasquill veröffentlicht hat, In der er die Juden alles Schlimmen bezichtigt. Die russischen Juden wissen von ihm ein Lied zu singen. Sein Name Ist bei Ihnen genau so verhaßt, wie es einstmals der Name Pichwcs oder Kruschewoon war. Das sind die drei „Ueglückcr" dt-s russischen Judentums. In den kommunistischen Kreisen glaubt man. daß die amerikanischen Juden den Kotonlsatlonsp'an aufgreifen und hier denselben einen MJIliotienfonds schallen werden. Sicherlich wer. den zu Luch besondere Delegierte kommen, um für die „ja. dlschc Kolonisation" Geld zu sammeln. Sic werden euch er« zahlen, daß der Plan die Zustimmung der gesamten russischen Judenhclt hat, und daß ein unparteiisches Komitee, In dem auch Nichtkommunlsten sitzen, die Arbeit leitet (ähnlich wie bei dem „Idgcskam"). Ich schreibe Ihnen daher diesen Brief, damit die jüdische Oclfcntlichkeit In Amerika weiß, worum ei lieh handelt." Der „titalouri" gcrjci den ZlonLstaos Moskau. (J.T.A.) Das offizielle Sowjelorgao „Prawda" veröffentlichte am 15. Februar einen von dem Orientbüro der kommunistischen I nte rn»t Ion ale unterzeichneten Aufruf, in welchem die Arbeiterschaft der ganzen Welt aufgefordert wird, gegen den „weißen Terror" in Palästina zu protestieren. Der britische Impetlalismiift, Itcißt es in dem Aufruf, benutzt den Zlonismus als Werkzeug tut Zerstörung der nationalen arabischen Bewegung. Die zionistische Boiirgolsle füg! »Ich Englands Forderungen, weil sie das Pri. vilegium einer herrschenden Nation in Palästina erhält»' obwohl die Juden dort nur 13 e/o der Bevölkerung ausmachen. Die zionistische Kolonisation vertreibt die arabischen Fellachen von ihrem Boden, was einer» blutigen Kampf zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern zur Folge bat. In dem Aufruf heißt es dann weiter: Imperialismus, Zionismus und Feudalismus finden einen Mitarbeiter in der Zionistisch-Sozialistischen Partei „Achdut Haawodah" (Palästinensische Poale 7.lon), die der iwellen Internationale angehört. Es wird an die arabische und jüdische Arbeiterschaft PaUstlnas appelliert, »Ich zu vereinigen, und d e Befreiung der Opfer der britischen und zionistischen Okkupation Palästina* aus den Gefängnissen, In denen sie jetzt schmachten, zu fordern, sowie gegen den gemeinsamen Klassenfeind zu kämpfen. Moskau. (J.T.A.) In Verbindung mit dem Aufruf des Orientbüros der Kommunistischen Internationale an die Arbeiterschaft der ganzen Welt, In welchem diese zum Kampf gegen den engtischen Imperialismus und die angebliche zionistische Vorherrschaft In Palästina aufgefordert wird, führt gegenwärtig die kommunistische Presse In Rußland eine scharfe Kampagne gegen den Jüdischen Aufbau Palästinas, üesonders die In Jiddischer Sprache erscheinende kommunistische Presse bringet fortgesetzt Artikel und Berichte, die die zionistische Arbeit In PalSstina als schädlich hinstellen. Fs werden angeblich aus Palästina stammende Briefe veröffentlicht, in welchen über die dort herrschenden Verhältnisse geklagt und von jeder weiteren Einwanderung abgeraten wird. Sehr scharfen Angriffen ist In der jiddischen kommunistischen Presse insbesondere die palästinensische t>oalc-zionisti'clie Partei „Achdiith llaawrxlaii" ausgesetzt, die als ein Vorspann des englischen Imperialismus geschildert wird. Soeben veröffentlicht die Zeitung „I-incs" ihren fünften Artikel über die ökonomischen Bedingungen in Palästina. In demselben wird gesagt: „Die Juden in Palästina unterscheiden «Ich auffallend von Ihrer arabischen Umgebung. Von den Arabern leben 00 bis 70 <V» auf dem Lande und auch der Rest geht Beschäftigungen nach, die mit der landwirtschaftlichen Tätigkeit direkt verbunden sind. Dagegen leben S/A der luden Palästinas Iii den Städten. Sogar von den 30—10000 jüdischen Einwanderern, die In den letzten srclw Jahren nach Palästina gekommen sind, Ir.hen PS In den Städten. Die jüdischen städtischen Ansiedluiigen sind so groß geworden, daß sie Jeder Jüdischen Lanoansledlung im Wege stehen. Nehmen wir z. B. Tel-Awiw. Im Jahre 1007 Kauten sieh einige russische Juden Häuser auf den Dünen außerhalb Jaffas. Heute, nach 18 Jahren, Ist Tel-Awiw eine Stadt mit einer Bevölkerung von 20000, die noch Im rapiden Wachsen begriffen Ist. \X'as aber Ist Tel-Awiw sonst? Ein Sammelpunkt jüdischer Kaufletite, Makler, Vertreter europäischer Firmen, Kommissionäre und Bodenspekulanten. Reiche russische Juden haben ihre Geschäfte von Odessa nach Palästina verlegt. Ferner gibt es In Palästina russische, deutsche und amerikanische luden, die In öffentlichen Aemtcrn tätig sind; ebenso Schriftsteller. Lehrer, Journalisten, Rechtsanwälte, Aerztc und zionistische Beamte. Alle diese beziehen ihre Gehälter von Institutionen, die außerhalb des Landes sind. Es gibt zwar einige Industrien, aber die Hauptindustrie Ist gegenwärtig nur der Häuserbau. Im ganzen leben In Palästina nur 35O0 bis 4000 jüdische Arbeiter, Bei <|cn Staatsclsciibahnen tänd unter etwa 300O Arbeitern nur 400 jüdische. Das Ist das Ergebnis von 40 Jahren zionistischer Arbeit und 7 Jahren intensiver Aulbautätigkeit." Die Kiewer ltddlsebe Konlerenz Moskau. (J.T.A.) Poalc.zionistischc Delegier.c, die der sogenannten Uiiparteiischcn.Konfcrciiz jüdischer Studenten In Kiew beiwohnen wollten, wurden aus dem Saale gewiesen. Die Konferenz, an der 300 Delegierte teilnahmen, nahm eine Resolution an, In der die Auswanderung von Juden aus Rußland mißbilligt und die jüdischen Arbclferorganlsalioncn In Europa und Amerika eingeladen werden, Abordnungen nach'Rußland zu entsenden, um die wahre jüdische Lage In Rußland kennen zu lernen. Ein Jahr GcfSncjnls für einerituelle Handlung. In dem Städtchen Deraschnla Im Gouvernement Podollcn wurden der greise angesehene Jude Elias Sofer und seine Frau zu Je .einem Jahr Qcfüngnls verurteilt, well sie aa ihrem neu creborenrn Tochtersohn die rituelle Bcschncldung vornehmen ließen. Der .Schwiegersohn, ein Kommunist, war mit dieser Handlung nicht einverstanden.