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Jüdische Rundschau · 1925-02-27 · Heft 17 (27.2.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 17 (27.2.1925)
Date
1925-02-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr.»? fUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 155 Vierzig Jahre*) Von Mordcchai ben Hlllel Hakohen. Viertig Jahre ... vierzig Jahre sind seit dem Todestage Per« ben Rosche Smolcnskins vergangen, und er ist beinahe ver- Jt55Man erwähnt Ihn natürlich In den Lehrbüchern der hebrikchco Literaturgeschichte, und die junge Generation, die S;re Bildung und Erziehung iu „unseren" Schulen in Palästina Lj den Diaspora-Länder» crliält, liest und lernt auch den ittsclixltt uber Smolcnskln. Der neue hebräische Leser jedoch, i,r aus anderen Wetten zu uns kommt, darunter die große Mist' dcr Juscndlidien Pioniere, der in unseren Schoß zurücklehrenden Söhne — wer von ihnen kennt Smolcnskln? Und „ertn sie auch dlescu Namen gehört haben, ja sogar dlcjfnljcii, die über ihn da und dort etwa* gelegen haben, — fcr»tclien *'ei können sie seine Bedeutung verstehen? pic Bedeutung Smolcnskins für seine Zelt, den literarjlulo/ljchen Wert d>cse» Schriftstellern verstehen und fühlen (tlb.<t die nicht, die in den Schulen den Abschnitt über ihn In lUeralurgcschlchtsbucb. gelernt haben. Die Bedeutung- Smolcnskins gerät mehr und mehr in Vergessenheit, I s t beilade vergessen. Seine Erzählungen — sagt man — sind teraHet, ihr Inhalt uninteressant, die Art der Darstellung' (umwiern und auch der Stil hat sich nunmehr modernisiert. Also ... Und wer weiß — wer kann den Qclst der Zeit be- „rkilcn? — vielleicht gibt es viele, die über diese Erscheinung froh sind, froh darüber, daß dieser alte Name allmählich Verden und ausgelöscht ist, und daß die junge Generation7 indcte Schriftsteller hat, auf die sie stolz ist: es gab Zeiten, In denen das lesende Publikum Adam Hakohen, Jt/chak Erter, Mordcchai Aron Glnzburg beifällig aufnahm, — und trotzdem lut es sie im Laufe der Zeit vergessen; warum also sollte es $molciukin besser ergehen? Nur vierzig Jahre sind vorüber, ~ und der Schöpfer ia „Haschachar" gerät In Vergessenheit, der Schöpfer jener [poche, die wir nicht nur fortsetzen, sondern In der ,lr leben, die wir erleben. ja, Die Epoche der nationalen Renaissance, deren Luft vir alle, wir und unsere Literatur, jeden Augenblick unseren beuligen Daseins atmen, — diese Epoche wuchs auf den Grundsiulen der ersten hebräischen Monatsschrift „Haschachir" empor, und Pcrcz Smoleuskin war der Mann, der als erster zur nationalen Befreiung aufrief in eben dem Sinne und Umfange, in der wir sie noch verstehen und erstreben. Und dies sollten wir nicht unterschätzen. Meute ist a freilich ein Leichtes, Hohe* und Erhabene* über die nationale Renaissance, über Palästina und die Repatriierung seiner Söhne zu sprechen, — heute, wo „das ganze Volk Gottes Propheten sind" und es keinen gibt, der sich nicht in Grußspretlierct erginge. Aber wie viel herzhafter Mut gehörte fir einen hebräischen Schriftsteller vor ungefähr 60 Jahren (IS6S) dazu, in dem Vorwort zum ersten Melle des „Haschacliar" die nalloualc Wiedergeburt des jüdischen Volkes zu proklamieren, des Volkes, das die Schar der „Haskalah"- Propheten iu den voraufgehenden Generationen an den Rand des Qrabcs, zu Anglclchung und Assimilation, zu nationaler Selbstverleugnung geführt hatte! Smolcnskln war der erste, der das Banner erhob, zum Kampf aufrief, gegen die Berliner Aufklärung auftrat und die Strauchelnden und Verirrten wieder zur Herde zurückführte. Er zeichnete am Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts den Weg zur Idee der nationalen Wiedergeburt vor, bekehrte Lilicnblum von dem Irruegc religiöser Reformbestrebungen, heilte Jehalel (Jehuda ha-Levi Lewin) von seinem Welrverbcsserungswahne, und die Besten unserer Schriftsteller wandten sich wieder ihrem Volke zu, um auf es den Lichttau der Wiedergeburt niederträufeln zu lassen. Nicht viele geben dies zu. Die Jungen fühlten nicht mehr die Wirkung Smolcnskins und von den Alten wird dieser Einfluß vielleicht geleugnet Aber es leben »och solche, die Smolcnskln zu seinen Lebzelten kannten «nd verchrlcn, die an seinem Lichte unsere Seele durchforschten, und diese werden es nicht zulassen, daß man « dieser literar-historischen Wahrheit rüttelt, sie werden den Schnellvergcßlichcn es ins Ocdächlnls zurückrufen, daß «eine Zelt gab, in der In unserer Literatur ein Riese wandelte, dessen Name Pcrcz Smolcnskln war. i.Die Erzählungen Smolcnskins 6ind veraltet" Aber man « sie einst mit beispiellosem Heißhunger, weil in ihnen <*» damalige Leben, so wie es war, geschildert Ist weil diese Erzählungen die damaligen Menschen und ihre Lebensart m ewigem Ocdächtnis festhielten. Die Erzählungen Smolcnskins Jas man ohne Aufhör, ohne das Buch aus der Hand legen, weil die Leser in ihnen den Widerschein des nn 'wen vorüberziehenden Lebens sahen. Jede neu erscheinende Erzählung war ein Ereignis, und Jeder Hcbrälschvcrslchcndc ocmfihtc sich, sie zu Ocslcht zu bekommen. Können sich jetzt ""wi die neueren Er/Uhler ebenfalls rühmen, die Ihre Er- ^WniRcn mit modernen Stoffen füllen, deren Vortragsweise «nipt ist und deren ganzes Streben darauf ausgeht, sich vom gfaden Wege zu entfernen und eine nicht vorhandene Wi'Michkclt zu schildern? Gibt es viele, die Ihre Werke lt,cA nußer den Setzern, dem Korrektor und dem dazu höflich MKIcnen Kritiker? „Hatoc", „Kwurath chamor" und '&mchath chanef" haben Im Leben der Jugendlichen Rcvozu Hunderten hervorgerufen, Urnen neue bisher unbc . *) In diesen Tagen jährte sich der Todestag des bedeutenden "Wischen Publizisten und Romanschriftstellers, Herausgeber« "fersten großen hebräischen Zeitschrift„Haschachar" Pcrcz l"°lcnskln zum vierzigsten Male. Die hebräische Presse ccrl diesen Ocdenktag in würdigenden Darst:! ungen der gro-??n Bedeutung Smolcnskins für die Entwicklung der hebräischen yK'alur und imtlonnljüdlncheii Bewegung. I« inst allen "!"cn Jtibilüumsartlkcln wird mit Bedauern festgestellt, daß, »•"nrend die Romane Smolcnskins, in einer vollständigen Ausr* Kcsaiumclt, dem hebräischen Leser zugänglich sind, seine ■ r die Theorie des jüdischen Nationalismus grundlegenden "WUe und Schriften bis heute noch In den verschiedenen vtr t r"lc" verstreut und nicht In einer Gesamtausgabe ""«t sind. Die Veranstaltung einer Ausgabe der g »Riten Werke Smolenskins gilt nicht nur als Ehrenpflicht H Nngjüdlschcn nationalen Bewegung, die In Sinolenskin fcßrH 8cniaJcn Wegweiser und Vorkämpfer verehrt, sondern •für.[unsere theoretische Literatur zur Begründung national- Wüm> Weltanschauung wesentlich bereichern. Obige; "'%ung Smolcnskins stammt aus der Feder des bekannten i^nenslschcn Schriftsteller* Mordcchai ben Hille» *«ohen und Ut im Londoner „HaoUm" veröffentlicht. Jüoischq soziaidcmoKraL Articiicr-oraanisat. poaie zion Mlttwooh, dtn 4. MOrx 1025, 8 Uhr abend* 8plchorn0ttlolSplchornotr.3(üntergranab.NlUTibflrcerPl.) PrWncto für das attiifg UM R « il d e r : TtrlcliMoRn-rrrldlilonl PDUI töbO.Rf lr)mt«irn(»r>(r,fordufi1rr Eduard Darnntcln, iiokhMnirimhceorilneta Vonl Sondor. Aflffrotl Boroor, DovBloe rTiilMMln»), Dr. Werner rrau*tßtftor, MollCMn N«u« uiaat. Seh. Bsudol n. n. Elotritukarteo von 1 bin 3 Mnvk Ira Vorverkauf bol: Bote & Hock, In den .}ü<1Wehm Buehnnoil'ungen. Sekrotar'st Poale Zion, *ucm«tstr. 17 iNorilim 708Ä), KomttM für <U» arbMtondn r«lKitlnrt, KnlkrenthMr. °, Der geisrat« Rolnflrtratr Mit don PnllUUna-ArbelterFond» zu, konnte Begriffe und Vorstellungen übermittelt, — welches von den neuen, modernsten Büchern kann heute diese Lücke ausfüllen und die gleiche Bedeutung erlangen? Wir kennen alle die Fehler seiner Darstcllu'igswclsc, die vielen publizistischen Partien, die er Iu seine Romane eingeflochten hat; Oeslalt und Uni der Erzählung leiden stark unter diesem Durcheinander. Aber wir dürfen nicht außer Acht lassen, daß Smolcnskln gar nicht die Ahnlclit hnttc, nm seinen Erzählungen l'art pour Vnrt zu machen, daß er vielmehr auf seinen Leser einwirken und Ihm den guten und richtigen Weg zeigen, sich ihm iiützl'ch erweisen und sein persönliches, gesellschaftliche« und nationalen Leben verbessern helfen wollte. Zu diesem Zwecke wühl* er, unter anderen literarischen Formen, auch die Erzählung als Mittel für seine Absicht. Er hielt es für feststehend, und das Ist ja auch eine ganz richtige Meinung, daß seine Tendenzen, wenn er sie den Helden scher Erzählungen in den Mund lege, lebendigen Menschen, die er vor sein Leserpublikum stellte, und für die er Sympathien bet ihm erweckte, pruflere Wirkung lütten, als wenn er sie in einen pub'lzlstlsclicn Aufsatz vorlrilgc. Er halte stets den gesellschaftlichen und nationalen Nutzen, den seine literarische Tätigkeit haben Rollte, die für die Fragen des Lehens erwünschten Löst ragen im A\i«c, und sie zu bieten strebte er In den verschiedenen Acußcrungen seines literarischen Ta!cntcs. Was den SM und die Fü'lc der Begriffe und Vorstellungen anlangt, durch die unsere Sprache in der nach-S-:iolcnrkiiisehen Periode r.o bereichert wurde, so hat auch <hrnn Smolcnskln den Löwenanteil. Er war es, der uns mts der Knechtschaft der ganzen und IHbcn Nibclzltatc, vorn Stile Mapus und Kaiman Schulmans befreite. Der Reichtum an neuen und modernisierten Worten verblüfft mich, unter uns gesagt, nicht sehr. Wenn alle wirklich lebendigen, Im läg. liehen Ocbrauch bewährten, ein ua'ür'lches Dasein führenden Sprachen allgemeine technische Bezeichnungen gebrauchen wie: Redaktion, Telegraph, Te'ephon usw„ so ist es nicht nötig, besondere hebräische Wörter dafür zu erfinden. Auch unsere grundlegende Literatur, die Bibel, hielt sich nicht von der Aufnahme und dem Ocbrauch von Fremdwörtern für neu entstehende Begriffe fern. Was aber die D'irdeHimg den Inhalts in leichtem Stil und damit verbundener Reinheit der Sprache anlangt, — so gibt es keinen moJcrncreu In Jener Zeit als Smolcnskin. Iland iu Hand mit Lilicnblum sprengte Smolcnskln die Schranken und Grenzen, die die Knechte des biblischen Stils und die IHdcn der „Mclizah" nun Rc«ct/t hatten, und der Rediktcur des „Itiseltaclnr" öffnete die Tore seiner Monatsschrift weit jeden Hcbrälsch-Schrcibcdcn, In welchem Stil nur immer er schrieb, wenn er nur der Ocffcut lichkeit etwas Rechtes zu sitcd hatte. Und wnnrn so'.lcn wir es lcu'fiifjii, — die pub'lzhtisclte:! Aufsätze Smctenskl'in haben auch heute noch großen stilistischen Wert und die Schärfe seiner Polemik wirkt noch heute. Ohne Zweifel begehen wir eine große Sünde nicht nur gegenüber dem Andenken des Schriftstellers, sondern auch gegenüber der Leserschaft, wenn wir ihr die Aufsätze Smolcnskins, besonders die über nationale Fragen, die bisher noch In keiner besort' deren Sammlung vor'i-gcn, vorenthalten. Die hebräische Literatur erneuert sich, erstarkt. Sic hat in Palästina ihre natürliche Basis, ihren Multcrbodcn Im eigentlichen Sinne erhalten. Auf jüdischem Boden wächst unsere Literatur und die hebräische Sprache Ist hier zu neuem l.rlien erwacht. Unserer Sprache i-ehöii die Zukunft, Ungefähr fünfzchnlnuscnd Kinder erhallen ihre Erziehung In unseren Schulen, — fünfzehutauseud Vaterhäuser werden wir nlso haben, deren natürliche Sprache dis Hcbrahchc sein wird. Die nationale Sprache dringt auch jenseits der Grenzen Pa> liistinas, so daß auch In einigen Dlaspora-LBiidcru die Unter richtsprachc hebräisch sein wird. Die Wiederbelebung des jüdischen Volkes und der hebräischen Sprache hat aufgehört eine abstrakte Frage, ein bloßes Ideal, eine reine Vorstellig zu sein, sondern sie ist reale Tatsache, starkes pulsierendes Leben. Ochclmc Kräfte kommen ans Tageslicht, die zerstreuten Oruppen organisieren sich uid mit den «Ich Sammelnden vereinigen sich auch die hebräischen Schriftsteller. Denn es existiert ja ein natürlicher Sammelpunkt ein Zentrum — Palästina, die Heimat der Sprache und ihrer Literatur. Die «Ich sammelnden hebräischen Schriftsteller werden sich bemühen, nllcs Verlorene und VcrgcsHcmc, alte noch nicht verglommenen Funken, jeden wcg-erhcllcndcn Stern In ihre Schatzkammer einzusammeln. Und es wird die Zelt nicht auf sich wnrtcit lansen, da man In diese Schatzkammer auch das legen wird, was l'erez ben Moschc Smotcnnkin unserer Literatur hinterlassen hnt. (Aus dem Hebräischen übersetzt von M. M.) Palästlnarcfsondo Schriftsteller. Arthur Holltecher, dessen 1021 erschienenes Palästina-Buch noch in frischer Erinnerung Ist. begibt sich dieser Tage neuerlich auf eine Palästinarclse. Der Dichter wird von Palästinn aus mehrere Länder Vordcraslcns bereisen und dann über Indien nach China reisen. Mit Ihm zugleich fahrt Ernst Toller, gleichfalls über Palästina, nach Südostasien. Auch Franz wcrf.cl beabsichtigt in diesem Frühjahr Palästina tu besuchen. Brcslauer Brie! Von unserem Berichterstatter. Breslau, am 15. Februar l<y£>. Das jüdische Winterhalbjahr Breslaus, das nunmehr seinem Ende zugeht, wurde durch zwei Abende eingeleitet, die jeder in seiner Besonderheit Höhepunkte des vergangenen Winters bildeten: Anfang November sprach Nahuni Qoldniann über den „Neuen Juden iu Palästina", kurze Zeit nachher wurde die hiesige jüdische Volkshochschule mit einem Vortrag von Martin Bub er über „Das prophetische Wort" feierlich eröffnet. Mau kennt ja die groß- Beredsamkeit Nahum. Ooldmauus und man weiß, welche Wirkung von all seinen Vorträgen ausgeht. Oer Vortrag den er hier In dem bis auf die O.iugc dicht gefüllten Saal der Lcssingloge gehalten bat, gehört Insofern zu dem besten und wirksamsten, was wir je von ihm gehört haben. nln er iiemeindrücke von einer f'nl.istlnartlito ijah und «Jen neuen palästinensischen Typus de» „selbstverständlichen luden" wirkungsvoll «lern Oaluthjudentum der Demonstration im«! der t'roklaitiie.runr «utuegeuhalten konnte. b h Dem Vortrag Martin Bubcrs ging eine lugeodver. Sammlung im hiesigen K. J.V.-Heltn voraus., lieber diese Versammlung muß etwas ausführlicher gesprochen werden, weil sie ein Anfang werden kann, ein neuer Typus von Verv. Sammlungen. Zu <lirscm Abend war ein kleiner Kreis von Jugendlichen aller Oruppen geladen. Ilubcr hielt keinen Vor- * trag. Die Versammlung einigte sich erst am Abend selbst auf ein Thema, auf das Thema der jüdischen Arbelt. Es entstand bald ein Koloquluin, das trotz aller Mänrrcl In der Kragestellung einzelner, doch sehr bedeutsame Ansätze zum gemeinsamen Aufspüren von Problemen und Lösiingsmöglichkciten darbot. Natürlich kann gar keine Rede davon sein, daO dieser Abend etwa den Auftakt zu einer gemeinsamen Arbeit der verschiedenen Jiigcndgruppcn bildete. Im Gegenteil: man sah an diesem Abend sehr deutlich, wie für die verschiedenen Oruppen ganz verschiedene Probleme aktuell geworden sind und dal) eine „Einigung" vielleicht auch ein unbilliges Verlangen Ist Aus einem zweiten Grunde war dicker Abend bedeutsam genug, um hier ausführlicher erwähnt zu werden: man lernte uuhcr selbst kennen und man spürte, daß er ein anderer geworden Ist Er betonte immer wieder: „Je älter ich werde, desto konkreter werde Ich." Man spurte das In seinen Ausführungen über das Qcsctz, filier das Bibellesen, über die Reform. Der Vortrag des darauffolgenden Tages über „Das prophetische Wort" zeigte wieder mehr den alten Bubcr. Seine Ausführungen, die in diesem Rahmen nicht wiederzugeben sind, machten auf die Anwesenden den stärksten Eindruck. Eine besonders günstige Rolle spielte in diesem Halbjahr der Verein für jüdische Ocschichtc und Literatur. Diese Gründung der späten Emanzipatlons/clt beschränkt sich in den meisten Städten auf einen obligaten Vortrag, der schlecht genug Ist, um die zahlenden Mitglieder nicht aus ihrem Schlafe zu erwecken. Der Verein Ist, was lehciidigc Wirkung betrifft, zumeist durch spezielle Gruppen, durch die Jugendgruppen, durch die Zionistische Ortsgruppe usw. abgelöst und ersetzt worden. Aber mau sieht an dent Brcslauer Beispiel, daß es wesentlich an dem Leiter des Utcraturvcrcins liegt Dr. R a b I n, der hier den Lltcraturverelii leitet, hat es verstanden, eine für bisherige Begriffe ganz außerordentliche Tätigkeit zu entfalten. Er hatte drei bedeutende Männer für diesen Winter gewonnen: Dr. Leo Bocck, Professor II ii g ii ,i d und Dr. Felix W c 11 s c Ii. Es gab keine glücklichere Zusammensetzung. Der Baeckschc Vortrag über „Paulus und seine Trennung vom Judentum" enttäuschte wissenschaftlich, not aber ästhetisch so außergewöhnlich viel und war Im Aufbau und im Stil ein solches Meisterwerk, daß von ihm eine große Wirkung ausging. Der Ungnadschc Vortrag über die „Bedeutung der Hctlter für den Orient" war wissenschaftlich eine ganz außerordentliche Leistung. Ungnad hat bekanntlich eigene Forschungen über das Problem der Hctiter angestellt und konnte aus dem Vollen schönten. Felix Weltsch (Prag) endlich sprach über „Max ßrod als Dichter und Denker". Wenn man weiß, in wie enger Freund-' schaft Weltsch mit Brod verbunden ist, wenn man die philosophischen Schriften von Felix Weltsch kennt, dann mußte man von vornherein dem Vortrag mit großer Erwartung entgegensehen. Diese Erwartungen wurden nicht getäuscht Leider . war der Vortrag wegen der Wahl nur wenig besucht. Damit wären wir bei dem politisch wichtigsten Ereignis des letzten Winterhalbjahrs, bei den Wahlen. Man kann sich kurz fassen. Vieles ist ja auch den Lesern der „Rundschau" nus den allgemeinen Nachrichten bekannt. Die Brcslauer Wahlbeteiligung war außergewöhnlich stark: etwa 60 •/» aller Wähler nahmen an der Wahl teil. Dis Endergebnis Ist ja auch bekannt. Das für die Zlonistcn relativ günstige Ergebnis Ist der Lohn für die unermüdliche Arbeit, die ganz besonders R.-A. J a c o b s o Ii n hier geleistet hat. Sämtliche zionistischen und konservativen Wahlversammlungen verliefen ruhig. Nur eine liberale Versammlung-, in der Justizrat Cohn, Dessau, außerordentlich ruhig und zlousfrcundllch sprach, bildete den Auftakt zu einer wüsten Hetze gegen die Zionlstcn. Der Leiter der Versammlung desavouierte den I Intmtrcducr des Abends und warf ihm allzu große Milde gegen die Zionlstcn vor. Er ließ es zu, daß ein Redner die Zlonistcn als „Feinde seines Deutschtums" bezeichnete. Nneh Weiteren Benrhlmpfiiugeii den Vrrnaiuinhinivdeltpri verliehen die Zionlstcn demonstrativ den Sial. In j lugbläHern, die zum Teil von der antisemitischen Presse wiedergegeben wurden, ergingen sich die Liberalen iu einer uferlosen Hetze gegen Zionlstcn und Konservative. Wie überall, so, Ist man auch hier froh, endlich die Wahl hinter slc|i zu haben. Die Hauptarbeit wird nun In den einzelnen 'Gruppen In Arbeitsgemeinschaften geleistet werden. Vor einiger Zeit Ist hier eine zi on I s tIsc h s ozialistiachc Arbeitsgemeinschaft gegründet worden, an der sich außer der Poale Zion und dem Hapoel-HazaTr noch der Brith-Haolhn und der Hcchaluz beteiligen. Es finden allwöchentlich Vortragsabende statt; am kommenden Freitag wird beispielsweise cm Palästinenser, der zufällig In Breslau Ist, über die geistigen und sozialen Strömungen Im neuen Palästina sprechen. Auch das K. J. V. pjedenkt sich nunmehr allmählich zu regenerieren. Wie weit das pelingen wird, wie weit Insbesondere Fiislonsvcrhandlungcn mit der hiesigen „Hntlkwnh" gedeihen werden*, Ut heute noch nicht nbzii. sehen. L'n In» ein Glück, daß es außer Vereinen und Vortragsabenden auch noch Institutionen gibt, In denen stille, jüdische Arbelt geleistet wird. Eine solche Institution ist die hebräische Sprach seh nie. Man kann mit Recht sagen, daß sie den besten hebräheheu Lehrer hat, den man sich wünschen kann. Es gibt neun Kurse, unter anderem einen besonderen Kurs fßr Chaluzlm, die In kurzer Zelt praktische Anleitung zum Hebrälschsorccutn erhalten. — Es wird die Aufgabe eines zweiten Briefes sein, über die Kchlllaelnrlchtungen und das eigentliche Kchlllaleben, das sich Ja außerhalb von Versammlungen abspielt, zu berichten. Dr. J, P. Die palästinensische Regierung hat Major LHtlc für das Jahr 1025 wiederum /um Commtsstoner für den Palästina-Pavillon In Wcmbley, welchen Posten er auch im vergangenen Jahre bekleidet hat, ernannt (Ziko.) )

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