Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1925)
- Date
- 1925-02-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Hr. 15 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 137 Die Arbelferaassptrrnog la Td-Awtw Von Mose« Belltnson (Tel-Awiw). Die Aussperrungen In Tef-Awiw haben die öffentliche Meinung Palästinas lange In Atem gehalten. Ei tntstand sogar ein neues hebräisches Wort, d. I. Lock-out (engl. Aussperrung), das die Zeltungen füllt. Wir behalten uns vor, auf diese Angelegenheit noch zurückzukommen. Red. gerade Im Augenblick, als die Arbeiterschaft die Durch, r.v'jng einer Keren Hajeasod-Ktmpagnc beschlossen hatte, jid den 15- Schwärt als „Arbeltstag" für den Keren Hajcssod .Idjftc, sah sie sich gezwungen, einen schweren inneren k'jinp! aufzunehmen. In Haifa wurden Streiks in den „Oroßen Mühlen" (40 Arbeiter), In den Fabriken „Naher" (210 Juden, « Auher, 12 Deutsche) und Im „Schemen" (60 Arbeiter) „fcilimlcrt. In Tcl-Awiw haben die Bauunternehmer eine Aussperrung beschlossen, die 350 von den 1500 bei i(n Bauarbeiten beschäftigten Arbeitern betraf. So sprechen ikf.c Woche die Redner auf den Arbcltcrvcrsammlungcn cfckli'citig über 2 „Fonds": den Grüudungsfonds (Keren Hjjrfjcd) und .... den Streikfonds. Es ist nicht etwa Aulbw mit einer Hand und Zerstörung mit der anderen gemeint Beide Fonds sollen demselben Aulbauzwcck dienen. In der letzten Zelt war man in Palästina Zeuse einer rtUtiv Intensiven Entwicklung der schon bestellenden Industrie, lach mehrere neue industrielle Unternehmungen wurden ins Ubffl gerufen. Oanz besonders rege ist die Bautätigkeit. r>;f bekannte Zicgclfabrik „SIIikat" arbeitet Tag und Nacht und sieht sich sogar gezwungen, vorläufig neue Aufträge „cgen Ueberlastung abzulehnen. Die technische Bauabteilung ,5fr Sladt Tcl-Awiw ist nur 3 Tage in der Woche geöffnet, ii man sonst nicht die Zeit hätte, die cur Begutachtung und Genehmigung vorgelegten Baupläne zu prüfen. Achnlich ist die Lage in Haifa., Gleichzeitig aber mit dieser Besserung der industriellen kge Ist Im Lande die Lebensmittel, und, ganz besonders, i:\Vohnungsteucrung sehr fühlbar. Die Lebensmittel lind während, der letzten Monate um 30~43»/o geMicgcn, die Mlclsprclsc gar um 200—300»/« 1 Teilweise ist allerdings if*e Teuerungswelle durch die neueste Inirnlgralionsllut zu riiilircn. teilweise durch gewissenlose Spcku'aüon. Wie dem weh sei, die Arbcltcrlöhne, die vor einigen Monaten noch .tnilRen konnten, reichen, heute nicht zur Bestreitung ilcs [chcimmlulmum*, namentlich für verheiratete Arbeiter. In iklcn Unternehmungen haben deshalb die Arbeiter eine Lohn* tfböming verlangen müssen. Es soll hier erinnert v.erden, iiß in der Baubranchc trotz ihrer guten Lage der Durchjchnlllslohn 25 Pt. per Tag (etwa 5 Mk.) betrügt. In einigen Unternehmungen, wo namentlich Arbcllcrinncn beschäftigt sind, sind die Löhne noch viel niedriger und sinken gar bis zu 10 Pf. per Tag. Die neuen Forderungen nach Aufbesserung sollten eine Lohnerhöhung von 10—20% erzielen. Da nun die Unternehmer diese Forderungen nicht annehmen zu können rjaublcn, Ist es hie und dort nach längeren Verhandlungen ra Streiks gekommen. In Tcl-Awiw sind die Unternehmer den »rlxiterfordcnwgcn zuvorgekommen und es wurde, wie oben erwähnt, Inmitten der Verhandlungen eine Aussperrung erklärt. Diese Tcl-Awlwer Aussperrung Ist für die Mentalität eian Teiles de* palästinensischen Unternehmertum« charnktcnstith, und sollte sie ihr Ziel erreichen, so würde 'darin rwtilcllos eine große nationale Qefahr stecken. Gleich- «illjr mit der Aussperrung haben die Unternehmer bekannteegeben, daß sie mit den meisten ökonomischen Forderungen ttr Arbeiter einverstanden wären, also auch mit der Lohnerhöhung, sie verlangten aber dafür, daß die Beziehungen falschen Arbeitern und Unternehmern in der Zukunft nicht «ehr durch die Arbeitskammer, sondern unmittelbar durch die beiden Parteien reguliert werden. Dir politische Zweck, •er schwerwiegenden Maßnahme ist somit zweifelsfrei klar. Um die ganze Tragweite dieses Versuches, die Arbeiterwgartisalion zu brechen und in Palästina den reinsten ökonomischen Individualismus früherer Zelten clnzuführcei, ins fechte Licht zu rücken, braucht man nicht erst an die 'pciicllcn Verhältnisse eines Landes, das national kolonisiert •erden soll, und noch jeden gesetzlichen Arbeiterschutzes Mtbehrt, zu denken. Man muß die entscheidende Bedeutung •er Arbeiterorganisation im Leben des ganzen Lnndcs voll »«I ganz In Erwägung ziehen. Diese Arbeiterorganisation Ist nicht etwa nur ein Werkzeug des Klassenkampfes. Sie Ist natürlich auch das, und wenn ein Laib Brot 3 Pt. kostet und noch vor einigen Wochen 2 Pt. kos'.ctc, so verlangt man eben eine entsprechende Lohnerhöhung. Außer riiecer sorlnlcn Aufgabe erfüllt aber dlc*c Organisation, und «le allein, eine wichtige Rcgnlierungsarbelt des Arbeitsmarktes und ihrer Tatkraft ist es zu verdanken, wenn auf dlc.cm Ocbictc keine Anarchie herrscht. Darin Hegt die allgemein wirtschaftliche Bedeutung der Organisation und noch viel grelicr tritt sie auf dem nationalen (Jeblclc hervor. Nicht von jenen Unternehmern, die gestern ins Land gekommen sind und wahrscheinlich noch Jetzt fremde Arbeiter bevorzugen würden, wenn nicht eine starke jüdische Arbeiterorganisation im Lande vorhanden wäre, haben die Arbeiter nationale Moral und Verantwortungspflicht zu lernen. Die Arbeiter sind ins Land gekommen, als es dc:i meisten Unternehmern noch eine hoffnungslose Wüste schien, und durch schwere opferreiche Arbeit haben die Arbeiter ihre nationale Hingabe erwiesen. Aber gerade diese* Verantwortungsgefühl für den Aufbau des Landes .zwingt die Arbeiter mit aller Kraft für die Rechte ihrer Organisation zu kämpfen. Denn, der wichtigsten, konkreten Aufgabe, der Arbcitsrcgullcruug beraubt, würde die Organisation ihren Einfluß zum guten Teile einbüßen. Sic bedeutet aber eine organisierte, disziplinierte, gebildete, zielbewußte und deshalb oplcrlreudlgc Arbeiterschaft. Fehlen einer starken Arbeiterorganisation würde hingegen bedeuten: eine chaotische, undisziplinierte, allen zufälligen Einflüssen ausgesetzte Masse und, was das eigentlich heißt, wird man leicht ermessen, wenn man nur die Länder kennt, aus welchen unsere Jungen heule kommen, und die zersetzenden Kräfte, die gerade bei der Arbeiterschaft besonders zäh, wenn auch vorläufig ohne Erfolg, wühlen. Abgesehen also von allen sozial-wirtschaftlichen Betrachtungen, und abgesehen davon, daß in Palästina noch die primitivsten Rechte, wie Unfall, und Kranken-Versicherung der Arbeiter zu erkämpfen sind, und nur die Organisation dieses tun kann, — will man sich die von Tag zu Tag zunehmende Immigration olinc die tagtäglich wirkende erzieherische Stätte der Organisation vergegenwärtigen, so wird man zugeben müssen, daß das Attentat auf die Organisation die schwerste nationale Sünde darstellt. Es mag zugegeben werden, daß die Arbcltcrleltiing Fehler begangen hat; es mag zugegeben werden, daß das private Eigentum für den Aufbau des Luniks sehr förderlich, sogar unentbehrlich Isl, jedoch unter der Bedingung, das dickes private Kapital einmal begreift, wie unmöglich es wäre, mit einem versklavten Lumpenpro'c'arlat das Land aufzubauen. Entweder wird es durch freie Menschen aufgebaut oder überhaupt nicht. So steht in diesem Augenblick der städtische Arbeiter In schwerem Kampfe um sein Brot und sehe Würde. Gleichzeitig ruft die Organisation ihre Genossen auf für den nationalen Oründungsfnnds und für den Streikfonds. Denn beide bedeuten den Airfbau. Transjordanlcn als Kornkammer. Professor Passarge sucht in den „N a t u r w I s s c u s c h n f t c n" die Frage zu beantworten, wie es kommt, daß das Osljordanland, welches im Altertum von märchenhafter Fruchtbarkeit und eine der wichtigsten Kornkammern des alten Rom war, heute eine fürchterliche Steinwüste sei. Seit der Islam hier herrscht, sagt Prof. Passargc, ist es ödes Land, das keine Frucht trägt. Prof. Passarge setzt sich mit den neuesten Forschungen auf diesem öcblctc auseinander. Er macht auf Beobachtungen aufmerksam, die von der nach Aegypten entsandten Expedition der Hamburger Wissenschaftlichen Stiftung gewonnen wurden. Unter den Lavastcinplattcn der Wüsten Aegyptens liegt eine feine staubige Erde, die im Hauran »o fem und locker ist, daß man sie nicht zu pflügen braucht; man streut die Samenkörner einfach out die Erde und eggt die gesäte Fläche mit einem Akazienast. Die rätselhafte Hnuran-Erde dürfte nun nichts anderes sein, als der Salrstaubbodcn der ägyptischen Wüste, der unter den Platten des Steinpflasters, der sogenannten Hamada, liegt. Nach Entternung der Lavaplatten tritt die fruchtbare Erde zutage, und so lassen sich die reichen Octreldcfcldcr erklären, die einst den Haurnn zur Kornkammer machten. Der Verfasser schließt: „F.lnst war der Hauran, als geordnete Verhältnisse herrschten, eine Kornkammer des römischen Reiches; könnte er es jetzt nicht wieder werden? Bei der heutzutage sich vollziehenden Neugestaltung In Palästina dürfte auch die Zelt gekommen sein, dieser wichtigen Frage sich zuzuwenden, Streiks In Palästina Jerusalem. (J.T.A.) Die „Schemcn"OelFabrik in Haifa Ist Infolge eines Angcstclllenstrciks stillgelegt worden. Die am 13. Februar gepflogenen Eiiugungsvcrliandlungca zwischen der Firma und der Arbeiterschaft sind rcsultatlos abgebrochen worden. Auch in der „Orands Moullns de Palest Ine", einer großen, der Palcstlne Jcwbh Coloulsatlon Association (Plca) gehörenden Muhle, war ein Arbeiterstreik ausgebrochen. Am 13. Februar wurde zwischen der Verwaltung und den Arbeitern eine Einigung erzielt, so daß die Arbeit wieder aufgenommen werden konnte. Jerusalem, 17. Februar. (Tel. d. J.T.A.) Der Streik In der Oclfabrlk „Schemen" zu Haifa Ist beigelegt, die Fabrik arbeitet weiter. Man erwartet, daß dieser Tage auch der Lohnstreik in der Zcmcutfabrlk „Ncscher" und die Konflikte In Tel-Awiw beigelegt werden. Rtglcronoverlräge mit Rothenberg Jerusalem. (J.T.A,) Wie die Pal. Tcl.-Agenrtir erfährt, bereifet die palästinensische Regierung ungeachtet der arabischen Proteste Verträge mit der Ruthenberg- Oescllschaft in Ilaifa vor, so daß die Haifa-Station sofort nach Ihrer Vollendung mit Aufträgen für Lieferung von elektrischer Kraft und Licht versorgt sein wird. Herbert Samuel besichtigte während seiner letzten Anwesenheit In Haifa die Ruthcnbcrg-Kraftstatlon und drückte seine Zufriedenheit über den Fortgang der Arbeit au». Er sagte, die Station sei von größter Bedeutung für die Ent- Wickelung der Handclsmögllchkcitcn der Stadt. Wirtschaftliche Nachrichten Gute Bidlngungcn für Blcistlftfabrlkatlon in Palästina. Laut Mitteilungen des Handels- und Industrie-Departements der zionistischen Palästitia-lixckutivc bitte! die Bedingungen für die Herstellung von Bleistiften In Palästina aus folgenden Gründen günstig: I. Blelstlltc werden weder in Palästina noch In den mehr oder weniger nahen Ländern wie Syrien, Türkei, Oypcrn, Aegypten und Mesopotamien, ja auch nicht in Indien fabriziert. 2. Eine in Ilaifa etwa errichtete Wclstiftfahrik wiid miwoIi! heim Import der nötigen Rnhslolfe wie auch heim Export Ihrer Fabrikate mit dem billigen Seetransport rechnen können. 3. Zedcrnholz ist in Jaffa ebenso billig wie wo anders erhältlich, während Oraphit aus Indien hier noch hilliger wäre. Eine besondere Konzcssion ist nicht nötig. Das Handels- und Industrie-Departement ernicht Interessenten um nähere Angaben und Wünsche und Ist gern bereit, nähere Auskünfte zu erteilen, wie auch auf Verlangen weitere Studien anzustellen. Lieferungen der palästinensischen Shcmcn-Gcsellsehatt nach Amerika. Aus Haifa wird mitgeteilt, daß die Palcstlne Oil Industry „Shcmcn" Ltd., derzeit in vollem Betrieb steht und jetzt mit den ersten amerikanischen Verschiffungen beschäftigt Ist. Die „Shcmcn".Fnbrik, in die über eine Million Dollar investiert sind, beabsichtigt, außer Olivenöl und Castille Seife auch Scsamöl, Mandelöl, Pflan/enstoff- und andere Seifen her/ustellcn. Es sollen nur kosrherc Produkte fabriziert werden. Die Oescllschaft hat, wie „New Palcstlne" berichtet. In New York In der Madlson Avenue Nr. 1 eine eigene Agentur eröffnet. Der Post- und Telegraphen verkehr In Paläst fix In einem Artikel des lerusalrmer „Palestinr Wceklv" finden wir folgende Zahlen über den Post- und Tcligraphenverkehr in Palästina: Im Laufe des Jahres 1023 beförderte die palästinensische Post 5 Millionen Briefe, 6A0OHO Karten'und 310OC00 Zeitungen, Drucksachen und Warenmuster und 120000 Pakete. Die Zahl der ein- und ausgegangenen Telegramme betrug rund chic V'ertclmillion und die Zahl der ielenhonlschen Intcrtirban-Oes.trächc 367 000. Die mehr als 2000 Tclephontcilnchmcr sind größtenteils Juden. Alkohol- und Hcfe-Fabrlk In Haifa. Eine Alkohol- und Ilcfc-Fabrik wurde In Haifa errichtet, die sich bei der Regierung unter dem Namen „Hakharlf* eintragen Heß. Die Unternehmer beabsichtigen, den gesamten inländischen Bedarl zu decken und noch einen UebcrschiiU für Exportzwerke herzustellen, Die Firma deponierte bei der Palästina- Exekutive den Betrag von £ 200 als Garantie, daß die Arbeit sofort fn Angriff genommen wlrw. Palästina Importiert Jährlich zirka 500 ton« Alkohol, was einer täglichen Produktion von zirka 2 tons entsprich' „Hakharit" hofft, dieses Quantum täglich produzieren zu können. 109 beinahe Jedem anderen Dichter hätte sagen können. Alles "11cm also: Kenntnisse, erschwert durch Lyrik. Es schmerzt, ein Buch, das aus reinster Oesinnung und t% Qlut entstanden Ist, so abfällig beurteilen zu müssen, ,!*' in der Welt des Oelstes kommt es gar nicht auf Oejnaung und auf die Olut des Herzens nur soweit an, wie *r Qcist sie wicdcrzustrahlen Imstande ist. Oust a v Krojanker. BlbelwissenscbalUiche Rundschau Die kritische Bibelwissenschaft, von Jeher im wesentlichen v°n protestantischen Theologen gcpflcRt und entwickelt, scheint ,llcn weiterhin eine Domäne christlicher und damit chrlstolof'Hlifr Forschung zu bleiben. Die Scheu der Jüdischen Oc- «flt.i vor einer so weit als denkbar voraussctzungslo*cn, kritischen, von falschen Scntimcnts und praktischen Rück- V«l?n und Bedenken freien Betrachtung und Erkenntnis V" Bibel, Ihrer Religion, Ocschlchte, Kultur usw. Ist ollennoch nicht tiberwunden. Zu den bemerkenswerten Jüngeren J'J,n.i!imcn gehört der mutige Dozent an der Hochschule für "•«Wissenschaft des Judentums In Berlin, Dr. Harry Tor- ,'v."er, der mit den 1922 Im Philo Verlag (Berlin) |,Jj:encnen 13 Abhandlungen über „Die Bundcstadc * d die Anfänge der Religion Israels" (80 S.) ij'pfcrum einen Beweis seiner glänzenden Kombinatorik gc- """t hat. Ihm ist die Bundesladc, dieser ehrwürdigste Kultrpstand des alten Israel, der gewöhnlich als Gesetzesals Thronsilz und als Wagen der Ootthelt aufgefaßt '■s eine auf dem Wüstenzuge entstandene plastische Dar-, jÄng des Führers Israels in der Viilkauwolkc, eine Nachywunjr der Feuer- und Wolkcnsäulc, in der Oott bekanntlich Stämmen bis zum Sinai vuranzog, während er selbst von da ab zürnend dem Volke versagt. Der Beweis- -ng Torczynert für diese seine Thesen und den Spuren, ,.,,'f In der Bibel für seine Auffassung entdeck», Im ein- '«n nachzugehen, Ist überaus* reizvoll, wenn mich manche '"Sem yten "nd Kombinationen Widerspruch heraus- Li.5'1.' . anderes Orundproblem der blbelwissenschaftlichcn «ttÄlk. und damit zugleich eine wichtige Perlode der ""«cUUscnta ReJIgtonsgetcblchto unterzieht Theodor Ocstrelchcr In seinem „Deute ronom Ischen Grundgesetz" erneuter Untersuchung (120 S., 1023 Im Verlag von C. Be r t c I s m a n n Gütersloh als 1. Heft dca 27. Bandes der „Beiträge zur Förderung christlicher Theologie" erschienen, die bereit« zahlreiche wertvolle Arbeiten über biblische Gegenstände gebracht haben; Preis M. 3,—). Ocstrcicher tritt der, bereits von Wcllhauseu begründeten herrschenden These entgegen, daß die Kullusrcfortn des Königs losla 621 v. — wie sie im 22. und 23. Kapitel des Zweiten Königsbuches geschildert wird und Im Dcuteronomlum ab Kap. 12 kodifiziert Ist -~ der Konzentration des Kultus auf Jerusalem gegolten haben soll, somit In hohem Maße auch politische Bedeutung hatte: vielmehr erblickt er In den In Betracht kommenden Berichten und Oesetzen den Hauptton auf der Herstellung der Kiilliisreliihelt, der Säuberung des Israelitischen Kultus von dem assyrischen IMIglowuw.iiig. Die auch tcxtkrltlsch sehr eindringliche Abhandlung darf von keinem Bihelwisscnsclialtlcr übersehen werden. Gleichfalls eine Monographie über einen einzelnen biblischen Oi'gcmtand WWtt Dr. Man» Kruppscher» „He* urtci 1 iing der Armut im Alten Testament" (12 u. 120 S.). Diese aus dem Scldwyfa-Vcrlag in Bern stammende Arbeit ganz Jungen Ditums (1021) widmet sieh der subjektiven Seite des wlrtschaftllch-sn/lalcn Teils der israelitischen Kultur und sucht die Frage zu beantworten: Welche Reflexe erleiden Not und Mangel fn der Seele des alten Hebräers? Das sorgfältig disponierte und durchgearbeitete Wcrkchcn ist somit eine schätzenswerte Ergänzung zu jenen zahlreichen Untersuchungen, die In den letzten 30 ' Jahren über die objektiven Totucständc der sozialen Verhältnisse In den biblischen Zelten geschrieben worden sind. Es zeigt die Armutsauffassung Im Volke Israel im Wandel der Zeiten und widerlegt die vielfache christliche Anschauung, die Not sei nach altlüdlschcr Auffassung Im Willen der Gottheit begründet und gehöre zum göttlichen Heilsplan. Der Sozialrevolutionäre Charakter der Propheten, die die eigentlichen Träger der sozialen Forderung der lllhei sind und die zu ihrer religiösen Predigt wohl erst durch ihre Konzeption des allerdings sozlalcthlschcn Ideals gelangt sind, kommt bei der Einstellung des Verfassers zu kurz. Nicht minder interessant Ist eine Studie, die Prof. Hermann Ounkcl '— auch werteren Kreisen bekannt durch «einen rcllglonsgeschlchtllch wie lltcrarlsthctlich gleich wertvollen Orneslskommcntar und durch seinen systematischen Versuch „Das Märchen Im Alten Testament" — der Figur des „Ewed Jahwe" gewidmet hat, die Im zweiten Jcsala eine so große Rolle spielt. In einem 1021 In dem Berner Verlag Seidwyla erschienenen Schriftchen: „F.In Vorläufer Jesu" (26 S.) setzt sich O. für die Auffassung eines jungen norwegischen Oclehrten ein, der in der bisher sehr rätselhaften und umstrittenen Gestalt des Knechtes Jahwes niemand andern als den Propheten Jesaja selbst, d. Ii. Dcuterojesaja. erblickt. Ounkcls Argumentation, durch die angenommm^ Pracforination Jesu Im Jahwckncchtc stark beeinflußt, bedarf freilich noch mannigfaener Nachprüfung. Ein tiefes Versenken In Ocist und Schönheit religiöser Lyrik »teilen Dr. M. Spaniern „Psalmen" dnr {^o S., A. Schwctschkc (V Sohn. Berlin 1022), ein Huri», da* als Einführung In diese herrlichste Volkspoesie und ah Anleitung zu nachfühlendem Erleben Ihrer seelischen und formalen Orößc lebhaft begrüßt werden darf. Wie der Liebhaber eines Ruten Tropfens Duft, Farbe und Geschmack des Wvt»cs mit Nehden prtU und gctUetU, wie die sachverntämlige Hand kosend über einen edlen Stoff gleitet, so erquickt Spanier sich und seine Leser au den olfcncn und geheimen Wundern der Psalmen, von denen er zwölf der edelsten als Probe für seine Behandlungsmethode aiis:-ewählt hat. Das Wcrkchcn eignet sich wie zu eigener, stiller Lektüre, so namentlich auch vorzüglich zum Studium für den Rcliglonslehrcr. So lebendigdieses Büchlein wirkt, so trocken mag den Nichttachmann Jlrkus „Altorientalischer Kommentar zum Alten Testament" (14 u. 254 S., A. Delchertsche Verlagsbuchhandlung. Lcipzip-Erlangen 1023, Prcl« M. 0.—) anmuten, der, eine Ergänzung von Schräders „Keiliiisclirlftcn und A. T." und von A. Jeremias „Das Alte Testament Im Lichte des Alten Orients" das Vcrwsndlschaftsverhältnis Israels zu seinen Nachhaiu nach dem Jetzigen Stande de* Wissens beleuchtet. Und doch — die durchgehende ParnllclUieriing der biblischen Schritten mit den ägyptischen, assyrisch-babylonischen,. palästinensischen und sonstigen vorderasiatischen entsprechenden Erscheinungen, bisher In zahlreichen Elnzclwcrkcn zerstreut, nun systematisch und aus den Quellen selbst geboten, bedeutet nicht nur für den Bibelforscher eine erhebliche Arndt*. crlclchtcrung, sondern Ut auch für ein größere« gebUdcte«