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Jüdische Rundschau · 1925-02-20 · Heft 15 (20.2.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 15 (20.2.1925)
Date
1925-02-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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i Seite 138 JUEDISCHE RUNDSCHAU festzustellen, was Ist; es kommt immer auf den Anlmus an, der sich in einer Sache auswirkt. Aufdeckung von Gebrechen, um den Drcstlipflcn zu verderben, ist ganz etwas anderes als ehrliches Ringen zur Feststellung der Diagnose als Voraussetzung einer richtigen Therapie. Da ist zunächst ein Mann zu erwähnen, der in den letzten Skandalgcschichtcn gar nicht genannt wurde und dessen Oclst doch über" dem ganzen Sumpfe nehwebt, aus dem jetzt die übelriechenden Binsen aufsteigen. Wir meinen Parvus, der vor einigen Wochen gestorben ist. Parvus-Hclphant ist der vollendetste Typus der jüdischen Entwurzelten, den Judcnschlcksal aus der Gebundenheit seiner Gemeinschaft in die Welt mit einem ungeheuren Kapital von Intelligenz und Energie hinausgestoßen hat. Der plötzliche unorganische Ucbcrgang aus der Geschlossenheit der QhoUn-Engc auf das weite Meer der abendländischen kapitalistischen Kultur innerhalb einer Generation äußcrlc alle In dieser Plötzlichkeit liegenden Ocfährdungsmöglichkcitcn in eklatantester Welse. Natürlich müssen Personen wie Hclphant international fühlen und seelisch nomadenhaft werden. Die Hcmmiiuircn, die In der Abstammung und in der Verbundenheit mit der Gruppe, aus der man herkommt, Hegen, sind abgestreift; eine Verwurzelung mit einem neuen Milieu und die Erwerbung neuer seelischer Hemmungen ist innerhalb eines Menschenlebens in.den meisten Fällen unmöglich. Es entsteht also ein Typus des schrankenlosesten Individualismus, dem bald alles zum Mittel wird, die eigene Persönlichkeit durchzusetzen und sich, wie das moderne Wort lautet, „auszuleben". Attavlsti&chc Empörung gegen soziales Unrecht, angeiKircnc Intelligenz zur Erfassung der gesellschaftlichen Gliederung, sowie die Unmöglichkeit in bereits konsolidierte Bindungen einzudringen, treiben derartige Persönlichkeiten in Organisationen, die noch nicht im Besitze der Macht sind, aber sie erstreben: Damit soll keineswegs der Ernst der sozialistischen Uebcrzcugung eines Parvus angezweifelt werden. Das soll nur zur Erklärung dienen, warum Männer wie Parvus und — sit venia — Uarmat von vornherein seelisch hierfürdisponiert sind, sich zukunftsträchtigen, auf dem Wege zur Macht befindlichen Organisationen anzuschließen. Hierbei kommen trotz stärkster, geistiger Disziplin die Libertincntriebe zur Geltung, von denen die römischen Schrift- .steiler der Kaiserzeit so viel zu erzählen wissen. Der Druck früherer Qcncrationcn, die Enge des jüdischen Lebens in zahllosen Jahrhunderten, der Aufstieg aus der Anonymität eines Sklavcndascins in das helle Licht lonnnlcr, individueller Freiheit (Iben ihre Wirkung. Es tritt die Sucht ein, Macht zu erwerben, Macht zu bc tätigen, restlos zu genießen und Herr des Spiels zu werden. Neben der Fähigkeit, zu organisieren und auf zubauen, entfalten derartige seelisch Libcrtinc einen Ein Muß moralischer Ungebundcnhcif, wirken dadurch zerstörend, »Climen für sich Uebcrmcnschcnlum In Anspruch und stellen sich jenseits von Out und Böse. Sind diese Persönlichkeiten von höchster seelischer und intellektueller Qualität, dann können sie* trotz vcrschlcdcntlichstcr rein persönlicher Eskapaden in die Ocflldc des Geld verdienens dennoch auf den Weg ihres gewählten Zieles zurückfinden. Ihre Weggenossen und Trabanten jedoch erleiden Irreparablen Schaden an ihrer Seele. Parvus Ist jedoch nur der vollendetste Typus des jüdischen Entwurzelten, der offen und hinter den Kulissen der zeitgenössischen Umwälzungen als Drahtzieher unc Beeinflusser tätig war. Sein Name ist im übrigen in all diesen Skandalgcschlchtcn nicht gcilnnnt und kein Beweis kann dafür erbracht werden, daß er seine Hand im Spiele der kleinlichen Geschäfte des Glücksritlertuins und der Korruption gehabt hat. Trotzdem Ist zwischen i arvus einerseits und Barniat und Kutiskcr andererseits eine gewisse Verwandtschaft (Parvus und Barmat halten übrigens sowohl zum Deutschland Ludendorffs wie auch zur deutschen Republik Beziehungen). Auch Bantul und Kutiskcr sind Entwurzelte, die aus dem großen namenlosen Reservoir des jüdischen Atisicdlungsrnywis stammen. Ihre Energie und Ihr Intellekt sind denen eine» »arvus nicht vergleichbar. Aber ihre Hemmungslosigkeit entstammt demselben Orumlc wie die philosophisch verjrümte und intellektuell drapierte Hemmungslosigkeit eines Dr. Hclphant: der Wurzclloslgkclt, Hierbei muri, um der Wahrheit die Ehre zu geben, auch zwischen Uarmat und Kutiskcr streng unterschieden werden. Kutiskcr ist der grobschlächtigere Typus, dessen Hemmungslosigkeit offenbar auch klar formulierte Bestimmungen des Strafgesetzbuches nicht als Hindernis anerkennt. Instinktives, selbstverständliches, in der Gegebenheit eines normalen Gruppen- und Volkslebens bc gründete* VcranUvortliclikellsgefiihl entbehren jedoch Parvus, Barmat und Kutiskcr in gleicher Weise, wenn auch nicht verkannt werden kann, daß der individuelle Hang zur Kriminalität, wie er wohl Kutiskcr eigen ist, von der allgemeinen Disposition zu Hchrnnkenloscr Gier nnch Macht und Odlitiitf In Abstrich gebracht werden nuiß. Die berührten Affären und die genannten Personen haben in diesem Zusammenhang nur symptomatische Bedeutung. Es ist klar, daß die Rcvolutlons- und Nachrcvolutlonszcit, daß das Zeitalter des Krieges, dafi die allgemeine Dekadenz der kapitalistisch-abendländischen Epoche in starker Weise dazu beigetragen haben, daß derartige Erscheinungen wie die Skandalaffärcn in Deutschland — sicherlich gibt es auch in andern Ländern derartige Affären, doch sind sie noch nicht entdeckt ~ möglich geworden sind. Nutznießer des politischen, moralischen und wirtschaftlichen Chaos sind alteingesessene Schwcrindiistrlclle und emporgekommene Kricgsgcwlnncr. Von diesen „legitimen" Schwcrverdicncrn ist weniger die Rede in der Öffentlichkeit, die nnch dem Grundsätze „Haltet den Dieb" auf die „illegitimen" jüdischen Verdiener, die noch nicht gelernt haben, im Verborgenen zu schieben, gehetzt wird. Daher hat es den Anschein, daß Juden, und zwar entwurzelte Juden, in diesen Vorkommnissen in hohem Maße eine Rolle spielen. Wir meinen, daß die Tatsache des Anteils von Juden an diesen Dingen gleicherweise ihre Erklärung in den ZcrsctzuiifTscrscheinungcu der Gegenwart wie auch in der abnormalen Lage der jüdischen Gesamtheit findet. Es sind eben im jüdischen Volke, wie Wcizmann sagte, un< geheure Kräfte der Zerstörung und des Aulbaus vor banden, hu Interesse der gesamten Welt liegt es, daß der Großteil der in den Juden steckenden Energien im Sinne des Aufbaus sein Betätigungsfeld linde. Der Ver such des Zionismus, die jüdischen Energien der Ocgcii wart in den Dienst des Aulbaus zu stellen und sie vor anarchistischer Auswirkung fernzuhalten, ist darum ein Werk nicht nur zum Heile des jüdischen Volke», sondern auch zum Wohle der gesamten Menschheit. Moses W a I d m a n n, Der RBckfrllt Dr.lnrlrs Jerusalem. (J.f.A.) Der Direktor des Erziehung, wesens der Palästinensischen Zionistischen Exekutive Dr. Jo^ef Luric und seine beiden Assistenten Assaryau und titsch Hz, die vor kurzem ihren Rücktritt anzeigen, siclv aber bereit erklärten, auf ihren Posten bii zum Ende des Unterrichtsjahre« tu bleiben, teilten am 13. Februar mit, daß sie nun cndRlillliT zurücktreten und llire Ponten sofort ver. lassen wollen. Den Grund /n diesem Entschluß f»nb ein Zlrkularsehrcllicii der hebräischen Lchrcrvcrelnlguug Palästina« ftber die Lage In den Schulen. Herr I>r, lurle und seine Mitarbeiter eibliekei In diesem Schreiben eine schwere Kränkung ihrer Person. Derberl Samuels Nacbloloer Die Londoner Sorinlags/ciliing „Raynold ich»,:.! In Ihrer letzten SonntaRsausgabc: „Ea erweist »ich »i, schwierig, einen Nachfolger lür Hc rbcrt Sa mu e 1 zu f,,,^' Einige Persönlichkeiten, denen man das Irelwcrdemlc Am, | angeboten hat, haben die Ucbcfiialime abgelehnt. Aller v/l(l[ »chclnlichkclt nach wird die Regierung Herbert Samuel ai,||0( dern, das Amt für eine weitere Periode zu b c h a 11 c n. MJn j,J( | gute Gründe, anzunehmen, daß Herbert Samuel das Arti^h-,. akzeptieren wird, «obald man un Ihn deswegen beram,^', sollte." ' (Veuetutelluag In Palästina Jerusalem. /J.T. A/> Das ofli/tellc Organ tlcr Pi «stinciisiilt-Arabischcn Exekutive „F c I c s t i n" teilt am y, f, bruar mit, aus einer autoritativen Quelle »cl es dahin Inlormien worden, daß Palästina ab 1. April d. J. in mir ,W{; VcrwattungMliKtrlktc geteilt sein wird. Der Nord dlstrlkt werde unter der Verwaltung de* Colone! Symct, des jjegcnwiirtigeii Gouverneurs de* Haifa-Distrikts MC;!cn der Süd-Distrikt unter der Administration des Major* Abram' son, dessen offizielle Residenz Jaffa sein wird. Jeru. saiem wird dem Sud-Distrikt angehören und eine Subur. wallung erhalten. Paläutlna war in den Jahren 1020 bis 1022 in Mcbm Distrikte geteilt gewesen: Jerusalem, Jaffa, Plmeni/icn. Galiläa, Samaria, Gaza und Bccrscheba. Am I.Juli 1022 wurden die sieben Distrikte in vier zusammengezogen: Jem salcm-Jalfa, Nord-Distrikt. Samaria, Sud-Di&trikt. Am i.Apr! 1021 wurde der Distrikt Samaria mit dem Nord-Dislnkt veteinigt, to daß im ganzen drei Vcrwallungsdistriktc bestehen Major Abramson, den „Fclcstin" als den zuUinfiic.fr Leiter des Süd-Distrikts bezeichnet, ist kein Jude. „1'iiestm" fügt noch hinzu, daß die U n t e r-Oou vc rueu r e Arabet sein werden. Geplanter Wellverband der sepbardlscbei Juden Jerusalem. (J.T.A) Am 13. Februar wurde |n Jem salem die Konferenz der sephardisehen Juden PalSstiaj« eröffnet. Es wurde beschlossen, eine Wcltorga niutios der sephardlachcn Judenheit zu gründen Die Konferenz nahm ferner eine. Resolution an, i welcher die Zionistische Organisation aufgefordert wiid, Vci freier der sephardisehen Juden in die noii>i sehen Einwander u u gsämter In Jaffa und Haifa i„! zunehmen. Die Aufgabe dieser Vertreter wird es sein, Ueine verstärkte Einwanderung sephardisdicr J'j<1cnach Palästina' m sorgen. Die Konferenz beschloß auch mit den Vorarbeiten für die Errichtung von Siedlungen tep'av dltch:r Juden in Palastina zu beginnen. Der jetzt in Palästir-n weilende Sekretär der Brandcis-Gruppe, Herr Jacob de H a as hielt auf der Konferenz eine Ansprache und unterbreite'« derselben einen eingehenden Siedlungsplan. Die Uerkunli der Pallslüia-Eiiwandcrer Wie aus einem eben erschienenen Bericht der Imrmgu tionszenlraJe In.-Jerusalem hervorgeht, kamen 7u,45"> de: Immigranten im Jahre 56&t aus Zentral- und Osteuropa u.~ den Vereinigten Staaten, 2),Sj0h aus den orientalischen] Lindern und dem Üalkan. Wahrend deu Berichtsjahre* wilderten Mitglieder aus folgenden sephardisehen Ocmcinden ein: Afghanistan, Mesopotamien, Aualolicn, Urfa, Bwgarien. i Georgien, Indien, Tunis, Griechenland, Serbien, Marokko Aegypten, Pcrsicn, Kurdistan, Jemen und Pürkci. Olm , und eikli'','' Kam', ', Müh'.' . ,<?i 1 prnk; Aus.' den diese' Ulrif'.'! Il.i;<" An»' . r,em«; I, relall (,i jiurh ' 1<1'C D.e I, , und 1 uege, " der : ,■ i! <!a r und i: ist d ,' < ' t.-igf; die V.v sind? die?, diese rrkl.ii auch; i:iin'i| ,, Lehel vielel', erhöff : d..5 „ •chnl Untei sind , in p; sohle , die II gt.uib ::><p /u St i Ar hfl f-.'.;':- crw.lt* ff erkläi ,w , r ' 1 '; - ^, emr» ^'4 mü*< l1 \ rwrif; ,<:>|',a ' ""il'K v'l'. ec^cl <v i . der i ■{'} . trhf.l :;A , rwlsC; >'*l: ■ ,*» 1 * •(" 1 mehr. Die Eröllniino der UnlversftSt . Unser Mitarbeiter Sylvain Ca ho (Paris) schreibt ur* In Ihrer Kr. 13 bringen Sic auf der ersten Seite *-'"" I Meldung Uber „Die Lröffiiunfisvorlcsunircii in Jerusalem"., nach der auch der Oberrabbiner von Frankreich. Dr. Uranl Levi, an diesen Vorlesungen teilnehmen wird. Ich erfahreI aus Informierten Kreisen, dnll diese Nachricht u n rieht ii;[ ist und chic Reise «Ich Obirrabblncra Israel Lcvl nach IV listlnn überhaupt nicht In Aussieht steht. (I^e von un< olinedie» mit Vorbehalt — wiedergesehene Nathricht flu Jcriualcnu-r Telcsrnmm der J.T. A.' Wir haben zu dif*?' Art der •cusatioiisfrciidigcn Herfehtcrstatlung schon Stellun; | gciioimucn. A. d. R.) die I.,!,,. der! ' \ vzih noml recht «perl werd tntbi der und if> \M i .t . Um Sakhelm t Vor kurzem erschien im Verlag „Hazorcf" (Goldschmidt) w Hamburg ein Buch: Das Jüdische Element Inder Weltliteratur. Sieben Vorträge von Arthur Sak- Heim. _ Da» Uuch hat betriebliche und berechtigte Auf- »»crksamkclt hervorgerufen. So lltflt ei sich wohl mich recht- '«i nen, wenn wir - entgegen der sonstigen Praxis — «laiühir nicht ein, aondern zwei Urteile veröffentlichen. latsachc, daß die beiden angesehenen und geschätzten!<c»cnscntcn in ihrer Beurteilung de« Qcaamtwcrtca de* werke» auseinandergehen, wird wohl för viele un»crcr Leser 7 Al"elz sein, das Buch kennen zu lernen, um »Ich ein elßene» Urteil zu bilden. I. •.Kamerad, die« Ist fcu'n Buch — das Ist ein Mensch |" Könnte man mit Walt Whltman zu diesem Buche sagen; und ws Ist sein Reiz. Um «o reizvoller, well ungehotft. in »•etten Vortrügen durch die Weltliteratur — wen „graut da , vor To,tn?*' ~ Aber Oolt sei's gedankt, das Grauen cgt. Freilich - auch hier bleibt die Ufas von Namen, «'° Unsumme von Urteilen, die notwendig nicht Immer aus ki 1!?nd kommcn können, dem Leser peinlich. Daran Irl. Mons,rosi'ät de» Thema« schuld. Sicht man jedoch "ucr, to verblassen alle die Kenntnisse zur Nebensache" - Hauptsache wird das Bckcnntnli. Literatur, durch ein di«i!eraomcnt.KCSC,,e,1! mU allcn Loekungcn und Mängeln S Betrachrungtart. Zu den Lockungen zähle Ich die 3! ßcschci(en» »clbwachscncn Urteile, die hier und da buhrtt?1' *i den MänReIn dcn nilb ekitatlschen, halb an ESa c", S!"' dcf ,n dcr röl,e <elner Anklinge manchmal ü S!ich Schmidt« „lultdiclit gepackte Koffer"-Satzc erinnert Man«. . c" bcdculct eine Station auf dem Wege eine« mann t Cf mll .clncr t'5n"'»dcn Studie über E.T.A. Hoff- S». ßann?Iich an clncn Doslolcwskl-Stoff wagte - JeUi der & " "ftL Dfan" "Der Zadd'k" an- Nach 0sl«n Ährt «er weg «uch diesen Heimkehrenden. »Dr. Bertha Badt-StrauO, 11. Mir bchcint zunächst der Titel diencs Buche* keinem Inhalt nicht angemessen. Wenn mau von dem JttdUchcit Clement in der Welilltcralur handeln will, »o mltiitc imii von der Weltliteratur sprechen, soweit slo dureli dan jllititclie Clement beeinflußt zu sein scheint. Ulu Thema von ungeheuren Welten, da* vielleicht von einem einzelnen Autor nahem unerfüllbare Voraussetzungen erforderte. S.ikhclni hat »Irl» beschrankt. Cr beginnt zwar mit der Entstehung von Christentum -und Islam aus jüdischem Geist, betont auch im Sozialismus die Einwirkung de« jüdischen Clement*, gibt aber Int flbrlficn nichts anderes aU eine Geschieh«: der jüdischen Lltcraiiir In sehr gedrängter Form. Diese Beschränkung nmg weho «ein, ist. aber (ttv Uvn Leser, den die Prätention de» Tilcl« zu gaiii nmlcrcii CrwartmiKen verlockt hatte, sehr enttäuschend. Es ist also eine Literaturgeschichte. Und was nun Llleralurgcschlchtcn überhaupt anbetrifft, so niiif) Ich gestehen, daß sie für mich nur in seltensten Ausnahmefällen chic genußreiche und fruchtbare Lektüre gewesen sind. Je weniger man von dem GcRcnstand wclB, desto kompetenter Ist rinn al« Beurteiler. TX-nn auf einem gewissen -Niveau kommt es nicht mehr darauf an, nachzuprüfen, ob etwa« richtig oder falsch ist, »ondern lediglich darauf, ob c« gelungen l«t, Menschen, Epochen \md Völker, die In der Literatur ihren Ausdruck gefunden haben, aus dem einheitlichen Blickpunkt eines heule überschauenden Oclstcs neu zu beleben. Und» nur wer das kann, kann Literaturgeschichte «chrclben, denn nur er hat den Rahmen, In dem da« Material, dl« entsetzliehe Material nn Namen, Buchtiteln und gar Biographien verschwindet. Wenn ein Geist wie Gundolf z.B. die „Oeschichte von Casars Ruhm" »chrclbt, so vcrglflt man gern sogar den zufälligen Anlaß diese* hochtt belanglosen Themas, und cj schadet nichts, wenn man außerdem aucli sehr schnell viel von dem Tatsachenmaterial vergißt, das als Gerüst hineingearbeitet wurde, weil das Wesentliche bleib!: Das lebendige Bild von Zeiten und Menschen. Aber wenu die Tatsachen sclb'.t den Rahmen bilden, wenn mehr oder wenijei verschollene Namen und Bücher In noch so gef.illiflfr Fori" »uciiiamlerp.crciht werden, wenn ein Verstorbener nach eiw halben Seite den anderen erschlügt — dann ist iii.ui f,clb-'. nach kurzer Zelt vollständig erschlugen. Man bewundert vielleicht den kenntnisreichen Manu, der all dies wei», aber e» Ist ihm nicht gelungen, dem Leser seine Kenntnisse k vermitteln, weil er das Gedächtnis belastet und den üei>' leer gelassen hat. Sakhcims Uucli ist von dieser Art. E' saRt im Vorwort: „Dies Buch ist nicht um der Kenntnis*: willen entstanden, «Ondern al« ein Bekenntnis." Iis ma; so cutstanden »ein. Aber dem Lc«cr vermittelt es Kenntnis und kein Bekenntnis, Und gerade dksc Tatsache, da» i, eigentlich ein IV kcniilul» geben wollte, erschwert noch die Aufnahme der Kenntnisse, Im «clbcn Vorwort nämlich heißt es; „Va< jemals meinem Herzen auf die eine oder andere Art Strudel, Oclühl, Stachel, Süßigkeit, Leckerbissen, Brandfackel, Schmetterling, Dämon und Seraph war, habe ich herangezogen". LeiJ« Ist da« Buch nicht nur uns Gefühlen dieser Art entstanden, sondern auch In einem Stil dieser Art ccschricbcn. Aber w schreibt man Lyrik und nicht Kritik. Wenn etwa Kcrr seinem snbjcktlv-imprcssionistlschcn Chuchlag (früher) weitvolle Kritiken geschrieben und dabei einen D.chter wirklich hingestellt hat, daß man ihn sehen konnte, so gcichah " trotz und nicht wegen diese» Einschlags. Ein Beitpid aus Sakhelm für viele: .......ist erfüllt von schwermütig' Lust nach Wahrheit. Ein BQßcr de» Oclste«, dessen Schmc» «Ich In ergreifenden Klageliedern ergießt. . . . »diongcisii;« Versöhnung der Kulturen und metaphysisches Sehne» ver schmelzen. SflO schluchzen die Nachtigallen von .... h»1 das Genie zu «agen, wa» er leidet. Schi Werk ist ein wild«» uferloses Meer der Gedanken und Empfindungen." Ich Iiab< nicht« fortgelassen al» den Namen de« Dichter* und Ortbczclchnungcn. Welcher Dichter ist das? Oder bci.^r: welcher Ist es nicht? Es soll Oablrol seht. Ich weiß nlcl"'- ob er für Sakhelm Leckerbissen oder Brandfackel war, »uet Ich well), daß man all das ebenso gut oder ebenso ichlcchl von in t, ollti aber sinn' der von ■Miel;:kc I< hr um •»ich «kr lur Am die c * < «rsi u n wie tief. s:<ß trul uir Mfl l'ÜC den siel liih die /eh ^ci| fon Litt .»w (

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