Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 14 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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; Mr. 1* TUED1SCHE RUNDSCHAU Seit« 131 Eine Anlizioolstio Ober Palästina Von Anltta MOlJer.Cohen. Vfjll man 6lch gelbst richtig einschätzen, 10II man d«s irrfcil rffr °'S"rT beachten. Nicht nur, daO der Oegner Mt Yt\\\tr schärfer s|c|i», auch die Vorzüge werden durch JJjn ItritlBChea Aug« vergrößert. Bertha Papncnhcln), die ehemalige; Präsidentin des iadi»chen Frauenbundes In Deutschland, veröffentlicht unter irm Titel «Slsyphus-Arbeil" Rclscbricfe aus den Jahren 1911 und I9,a- P*PP<«helm berichtet in Äußerst anregender form, mit einer Jugendlichen Spitze In der Kriyk Ober die «Ulllcltcn Ziwtflndc am Halfan, in der Türkei und dem eheimlinfit zaristischen Rußland, was man da hört, über Mädcheninndcl, "l"r Bordelle, iiiirul.liigllrhe Ahwrhrmunnahincn und |iiiiplsach|ich Qhcr die unselig große Rolle, welche das jüdische Mädchen ans dem Osten und der jüdische HSndlcr dahcl «filrlen, kann auf großes Interesse rechnen, wenn es auch bezweifelt werden muß, ob Agltatlonsrelseii daa richtige Mittel ,„f Hckämpliifig der Prostitution und des Mädchenhandel« "'CViel Interessanter nber für den Leser dürfte ca sein, ms die Autorin Qhcr ihren Aufenthalt in Palästina und über Zionismus und Zionistcn überhaupt sast. Man würde ebuben, die immensen Fortschritte während I I Jahre lassen letc Betrachtungen an Aktualil.1t stark einbüßen. PocJi dem int nicht »o. Iki der Lektüre des Buches gewinnt man den 1 indruck, die vcrllossencu 11 Jahre dienten nur dazu, haar? Jfeln zu beweisen, wie sehr die Antlzioiilsten und Ihre ehrwürdige Vertreterin Im Unrechte «Ind. Er Ist gut, daß dieses Much jetzt crhchelii«. Jetzt IJflt slcli wohl ganz objektiv über die Prophezeiung urteilen, daß die kolonisatorischen Bestrebungen in einigen Jahren einen Zusammenbruch erfahren müssen. Es jst eine mißliche Sache, zu prophezeien, flesouders, wenn man nicht die Anlage zum Propheten hat. lieber das polltische Axiom des Frl. Pappenheim lallt sich natürlich nirht mrhr debattieren. Wenn sie über/engt war, die Türken würden niemals ihre Einwilligung zur Errichtung eine« nationalen Zentrums der luden in Palastina gehen, so haben die Ereignisse seither bcKanntlfch diese Einwilligung erzwungen b/w. unnötig gemacht. Wie diese kluge Frau, der sicher nicht die Fähigkeit dner gesunden Urteilskraft abgeht, so weit sich vom Parteienhift beeinflussen lassen kann, daß sie den Lesern weise midien will, daß ein katholischer Geistlicher doch gewiß «in Kunsteachver6tjndiger sein muß, wenn er mir auf Erzeugnisse der berühmten Kunstgewc/beschulc Pcralel «chlmpfti ist nicht ohne weiteres einzusehen. Besonders nahe geht unserem PalAstinawandcrer der Antiscmitisniu» Im Heiligen lande. Die Ursache dafür kann nilürlich nur in dem alten Rezent gefunden werden: „Das haben mit ihrem Uelzen dir. Zinnfsten getan I" Aus diesem Gesichtskreis heraus Ist es wohl auch zu verstehen, daß in dem Buch die Aeußerung irgendeines alten Herrn, auf den die Autorin aiisnahmswci&c put ru sprechen Ist, gewissenhaft reßislrjert wird, nach welchem ^dle Juden den Verstand verloren haben: sie sind Zionistcn geworden". Die Mission des Judentums, die messianliche Idee, der Völkerfrlcde, die Sittlichkeit sind für die Autorin die einzigen Inhalte des Judentums: ihre Verkündung soll dag Lebensziel eines Volkes sein, eines Volkes, welches hei allen sittlichen Handlungen und allen prophetischen Verkündigungen nichts als Mohn und Haß als Lohn davonträgt. Ein Prophet in der Wüste, ein Schreier, auf den niemand hört; das ist der Jude nach dem Dilde, das sich unsere lieben Antizionisten noch Immer von ihm machen. — Frl. Pappenheim ersteht dagegen selbst ein, daß sie auf Ihre Versuche, im Dienste der Humanität eine Zusammenarbeit zwischen luden und . Nirhthidep zu «rmötjlfrhcii, die Antwort erhielt, „fn> Verkehr (wischen Juden Und Christen komme man all Christ Immer mf einer) Punkt, In dein man nicht zusammen weiter gehen könne'', wiesen Punkt wollen unsere Heben Gegner nicht lehen. Sie Wolfen es nicht. Genau wie Vogel Strauß iflnen Jäger, so betrachten sie Ihre nielitjüdlschc Umwelt Mit bemitleidenswertem Eifer schickten sie nach Palastina (In Exemplar von „Nathan der Weise", Bekanntlich fehlt den jüdischen Kolonisten In Palästina sonst nichts, als deutsche Kultur aus Frankfurt a. M. Es ist die Zeit abzusehen, wo Jerusalem das „asiatische Frankfurt" werden wird. — Ist jemanden alles Jüdische nur von dieser Perspektive bekannt, soll er nicht nach Palästina fahren! Es passiert lintin dann, daß mau trotz alles jüdisdittjii die Dinge durch die nrllle »es Antisemiten erblickt. Dabei unterläuft einem der kleine Schönheitsfehler, d|c heute noch etwas kulturlosen Araber in den Himmel hinein zu loben, obwohl sie Semiten sind. Die Welt wird eingeteilt In Zionistcn und Antizionlstea und alles, waa den ZTnnfslen wider den Strich geht, muß eben dargm gut sein. Die Uebe (i)r den Araber erstreckt sich so weit, daß Frl. Pappenhelm den Eindruck fcwlnnt. daß die palästinensische Kunst und das kulturelle chen der Juden unter arabischem Einflüsse steht. E* paßt durchaus in dieses Milieu hinein, wen» die Autorin In ihren Rechtschreibungen den Ostjuden gegenüber einen Ton vcf 22jnn •^feEST^S352BI TELEGRAMM AUS FRANKFURT A. M. PURIMFEIER/GROSSER ERFOLG SIEBENTAUSENDFUENFHUNDERT MARK UEBERSCHUSS TOR DEN KEREN KAJEMETH IN JEDEM ORT SOLLTEN PURUM-FEIERN VERANSTALTET WERDEN tua^aazercir^^ wendet, der eigentlich von Ihren nlchtjudlschen Informatoren zu stammen scheint. Ich nannte dieses Buch lehrreich, weil für uns die Vorzüge des Zionismus und der Zionistcn darin recht deutlich erscheinen, ''-«rs unn-ewollt. Ein Reisender, der darauf aurgc'il, die jüdische Welt zu sefrn, und Immer wieder und ühcr.-id, wo nur judisrltts Leben pulsiert, Zionistcn trifft; ist ein recht deutlicher Zeuge dafür, welche Bcdeutuug der Zionismus In allen jüdischen Siedlungen besitzt. Sind die Zionistcn gan* bftse Leute — und nnch «er Ansicht des Frl. PappeuliHm sind sie es gewiß -~- so sind sie dennoch überall dort /u finden, wo im Interesse des Judentum* gearbeitet wird. Aus dem Buche der Sisyphus-Arbcit des Frl. Papprnheim gewinnt min den Eindruck, daß es recht traurig sein muß, Im Intcrcss« de« Judentums arbeitend immer wieder die politischen (Ingncr zu treffen, die mehr und wirksamer zu arbeiten verstehen. — Bertha Pappenheim ist eine wertvolle Kainnferln; sie sollte es cfiisrhrn, daß sin sieh nicht gegen geschichtliche Kraft« auflehnen kann. Der Einzelne ist nichts, alles ht das Volk. Zwischen den Juden, die dieses Prinzip verkünden, sollten die Gegensätze verschwinden. Uonderle lötllschfr Arbeiter verhalte! Warschau (J.T.A.). Die Derufsgeno]scn»:haften der jüdischen Arbeiter in der Stadt Daranowlcz veranstalteten mit Genehmigung der!\>!uci eine offent'icbe Versammlung, in welcher Herr S, Arthur ans Warschau halle sprechen sollen. Unmittelbar nach Beginn der Versammlung umzingelte die Polizei das Vcrsanimliingshaus und. durchstellte alle An> wesendeu, auch die Frauen. Die Untersuchung dauerte mehrere Stunden. SßQ Personen wurden als verhaftet erklärt und ins Polireibüra gebracht, wo ibermals eine gründliche Untersuchung stattfand. SiiqUIdir Verhafteten wurden am Tage darauf entlassen, doch hcjürchltt man 4KUi! Uthcrrascluiugcii selten« der |\)llrd, In Warschau «Hut schaffen dl« fu rtdaueniücn Verhaftungen unter der Jüdischen Arbeiterschaft immer wieder Sorga und Unruhe. 27000 Juden In Brasilien. Nach der snrhr.n veröffentlichten Volks/jihlungsslatl»l|k leben in Hrasl'lcn gegenwärtig etwas mehr als 27(100 Juden. Die jüdische Emwandcruiuj nach Brasilien hält sich noch in sehr be«cheldcncn Orenzen. Der jüdische Wandcrcrstroin bewegt sich mehr nach Argentinien. üebralslcn and Jiddischsten Warschau. (J.T.A.) Die auf Initiative der hebräischen Kullurorganlsallon „Tarbuth" und de« Jüdischen Nat|on»lral« zusammengetretene Konferenz sämtlicher Bildungsorganlsallonen, rlnschlleßllch der extrem |idrlisrhlstlsehen Organisationen, die die Aufgabe halle, eine einheitliche Außenfront de» hebräischen u.id Jiddischen Schulwesen« zu bilden, verlief resultatlos. Die extremen JlddischliHsehen Organisationen waren für ein einheitliches Programm picht zu gewinnen. Vom lüdlsehen Nalloaatrat In Prag Prag. (J.T.A.) In der Sitzung des Jüdischen Nationalrate« der Tschechoslowakei vom 1|. Februar wurde heschlössen, eine besondere Kommission zur Prüfung jener konkreten Fiillc einzusetzen, In deaen einerseits veraltete Bcstimmungen, andererseits die Praxis der Acmtcr im Oegensatz zum Faktum stehe», daß durch die tschechoslowakische Verfassung die jüdische Nationalität anerkannt Ist. Zur Mitarbeit »ollen jüdische Juristen aus Prag und au» der Provinz herangezogen werden. Ferner wurde beschlossen, den jüdischen National-KongreO zu verschieben und In der nächsten Zelt eine Plenarsitzung einzuberufen, welche sich Insbesondere mit der Konstituierung der jüdischen Völkcrbundllga befassen soll. Die lüdlisrlifi Kullurlordfrunqe« In KarpMhorufMind Der Minister frtr Volksaiifklirunc;, Dr. J. Markovlc, wellte dieser Tage |n Karpathorußland. In At u n k a c s und m uzhoroej wmde er von verschiedenen Jüdischen Deputationen begrüßt. In Munkaes empfing rr eine Deputation der Zlotihten und Mlsrnehlslni unter Führung d« Vi«- liürgermclslers pr. Spiegel, die ihn b.it. in den Jüdischen Gemeinden das Problem des Wahlrechtes hl radikaler Welse durch Einführung des allgemeinen, gleichen und proportionalen Stimmrechts zu Iftsen. Die Deputation verlangte ferner die Genehmigung des hebräischen Gymnasiums in Munkaes. Der Minister empfing In Uzhorod eJne Abordnung der orthodoxen Gemeinde unter Führung des Oberrabhlners Grüt|Wald und thie Deputation der Expositur der orthodoxen Lnndfskanzlel, deren Sprecher Oberrabbiner Lleberniann war. Ferner empfing er In Uzhorod eine zionistische Deputation, die um finanzielle Unterstützung der Jüdisch-nationalen Schulen und um Forderung des MunfTacser Civronas|ums durch den Staat bat. Der Minister versicherte alle Deputationen seines Wohlwollens und versprach, dahin zu wirken, daß die geäußerten Wünsche nach Möglichkeit erfüllt werden. Für die Jrrosalrmer UotverMlä. Wien. (J.T.A.) Der Weltvcrband der jüdischen Stil, dentenschaft hat die Ihm angeschlossenen 18 Landcsorganl- *atloneii «ufgefordert. mit einer Büchersammclaktinn für die Jeriualemcr Universitäts-Bihliolhek zu hcfirinen. Die Aktion soll so durchgeführt werden, daß die am I. April zur feierlichen Eröffnung der Universität in Jerusalrm eintreffende Exkursion des Wcltvcrhandes der jüdischen Studentenschaft, bestehend aus 2Ü") Studenten aus allen Ländern, In die tage komme, die Bücher al« Geschenk der gesamten jüdischen Studentenschaft der Universitätsbibliothek zu übergeben. Polnische Judtnliclt und Jcrusalemer Universität Auf Anwehen d?s Direktoriums der Hebräischen Diiiw. allst In Jer»isalen| hat die Vereinigung der Freund« der Universität fn Pnltn folgende drei Herren In das Direktorium der Univerrjlat delegiert: Ah£' Vr- Oiias Thon, Ralih. Prof. Dr. ftchorr und den bekannten Warbchauer Mediziner Dr. Gotdflaium. der, fiiiher extremer Assimflant, auf seine allen Tage — er liililt bereits 80 Jahre — große» Interesse der Frage der natiqnMcn Renaissance der Juden eutqegeubringt. Dr. Thon rel»t am 10. MUrz über Konstantjnopel nach Paliistina, um qn der Pcler der Eröffnung der Universität teilzunehmen. (ZIWo.) Wassorresarvon In Jerusalem- Seitens der Jcrusalemer Ktudlverwnltiiiiff wird mitgeteilt, daß zum ersten Mal in der Geschichte Jerusalems noch in der zweiten Hälfte des Monats Pezembcr eine beträchtliche Wassermenge in den Rescrvols für das nächste Jahr verblieben ist. JLILU..IJ_U JJ Von den Filasehas Dr. Jacob Felllovi tsch, der Entdeohcr der Falaschas (schwarzer jüdischer Stamm in Abesslnlen), Ht vor kurzem In New York eingetroffen, nachdem er sjch wieder einmal 15 Monate lang bei den Falaschas In Abcsslnlcn aufgehalten lut. Dr. Icit'xivilsch hat es sich zum Ziel gesetzt, die ralatcha-Juden mit der Weltjudeiihcit In Dcrührung zu hrtngen, sie über die Entwicklung des Judaismus zu belehren, Schulen für Falaacha<Kludcr zu errichten und sie überhaupt der euiopÜlHchen Zivilisation niiher zu bringen, Oegenüher einem J.T.A.-Vertreler äußerte sich Herr ör. FciCovItsch wie folgt: Es sind 20 Jahre verflossen, scllikm ich die Falascha-Judcn cnjdcckt habe; Ich weilte seither wicdcrho't in ihrer Mitte. Bis jetzt gelang es mir, (ine Schule In Addis Abbcba. zu errichten und einen lehrernarhwuchs zu organisieren. Juugo Falaichns wur»lcn In cuiopiischc Städte geschickt, damit sie eine Er/Ichung Scnhßen, die sie zu führenden Stellungen Innerhalb ihres Stammes befähigen ro'.l. Unleugbar sind Fortschritte erzielt worden, aber wir 6lchcn dennoch am Beginn unserer Arbeit. In Abcsslnleu, Ubca unter einer Bevölkerung von 10 Millionen Seelen etwa 50000 Falaschas. Sic sind der meist arbcilcndq tlcvölkcrmigstell den Landes, Ein Teil \o,\ ihnen obliegt der Landwirtschaft, ein Teil <km Handwerk. Ein g.oller Teil dient Im Heere. Sic leben In abgesch'oisenen Dörfern. Ihre Stellung im Lande hat «Ich In den letzten Jahren gebessert, <>ir KioiiprliurcRcnt hat vor einiger Zelt der Schule Add'n Ahlxba tlncn Besuch abgestattet Und R«l"e höchste Zu. "hdenhell über das von Dr. Fcitbvitsch g Icls cti C-zlei.u gii ^'erk ausgedröckt. Pic Falaschas, sagte pr. Fclllovilsch, weisen die kauka- 'liehen RissMinerkmal« auf. Wenn sie auch dunkel «lud, 10 sind sie doch keine Neger. Ihre Gesichtszüge «lud aus- Keimölen semitisch, sie sind nur etwas dunkler ala die in Indien. Es besteht keinerlei Verwandtschaft zwischen mnetj und den NcgerJuden |n Amerika, die aus Afrika •lammen und Proselytcn oder Sohne ypn Prosclytcn sind. Vor dem Kriege, setzte Dr. Feltk>vit»ch fort, war die irische öffentliche Meinung In Europa für eine HUf*«ktbn 5?Sunsten der pataschai In Abcssinien günstig gestimmt, ^gwwirllg fincj aber <JI« «uropSischcn Juden materiell zu "ntt weltrekhntden Unterstütiungsakttou nicht Imstande, Wir müssen uns daher an die fudcnhelt In Amerika wenden, daß sie uns hilft, unsere Aiilgibe, die Falaschas die Errungenschaften der modernen Zivilisation tcl|h?(Hg werden zu lassen, zu erfüllen. ' Dr. Fcli'ovIUch gedenkt, in wenigen Monaten nach, Abcssinien. zurückzukehren. Dlldicrscliaa Dns Hcldenopoa das Allen Bundes- Von Friedrich Wolf. Iu Ganzleinen gebunden M. 5,—. DzuUchc Verlags-Anstalt, Stuttgart J'J:»5. „Und so sei es gciagti Ein Sohn unserer Tage hat das Heldenepos, des alten Wandcrvolkea neu gchflrt, neu aufgespürt und reicht ca In deutschen Worten Euch dar. Er hat die Heerstraße der Olmihcimlchrc und Gcnclihhliidculutig. die Pionierpfade der l.iterur- und Textkritik verlassen, ist quer durch das Dickicht des Prlcstcrkodcx hlndurclißcschrittcn, er hat versucht, durch die schwere Schutt- und Lnvadcckc der pogmen, Kultvorschrlftcn, Staatsgesetzc und Opferrcgcln mit der Wünschelrute dichterischer Fühlung die fortlaufende Goldader der Dichtimg des Alten Testaments aufzuspüren. Ihr nachzugehen, dieses nlOck Urhlbc) wieder aufzudecken, das Heldenepos, die Sage, die Eddn des Allen Bundes." — Mit diesen Worten schildert der Verfasser selbst «eine P.ntdcckcrfrcudc und die Absicht dieses Buches, Die Entdeckerfreude Ist zweifellos subjektiv berechtigt, objektiv wohl kaum, denn die Entdeckung Ist nicht neu; aber da es «Ich hier nicht um du wIsseMschaftllchrs Werk handelt, ht diese Frage Irrelevant. Entscheidend ht die Begeisterung, mit der der Nathdichtcr.an die deutsche Formung des Materials heranging, Er hat die mythischen 1'r.ignicnlo und einen Teil der Heldengeschichtet» aus dem Text herausgelöst und iusainniennffa»*i wobei er von den Eugclxchcn in Ocn. VI einen roten Faden zieht zu den Engclscrschelnunpcu bei Josua, SIm«on und Gideon, die er als Heroen. Halbgötter betrachtet. Sicherlich Ist die Existenz einer Jüdischen Heldensage, dl« verw«ndte Züge mit der griechischen und germanischen aufweist, tlnt Tatsache, die vielen noch unbekannt Ist} vielen modernen Lesern der Bibel ist diese Parallele längst geläufig, dem altjüdlschen Blhcllescr sinef diese Helden vcrtriutQ Gestalten, an die die Volksplmiitatio anknüpfte. Wolf« Nachdichtung wendet «|ch aber nicht an den Bibelkundigen, sondern und«« Unkundig«^ dam «r dj« Qmt dieses Buche«, das die Qrundlage) »ll»r Kultur. »»• Wt« hüllen will, Sein Werk ist geeignet, Uebe xur Pichtung der Bibel wieder zu wecken, wo 6le abhanden kam; gerade ein christliches Publikum, das nur den theologischen Atpckt der Bibel kennt, wird daraus auch den großartigen nationalen Wert de« Buches ermessen können (der für uns freilich nicht nur |u der „llcldfiusnge" liegt). Wolf hat offenbar an Luther angeknüpft, aber auch andere Ucbcrtctzungen herangezogen. Seine Tcxlgcslaltung Ist sprachlich und dichterisch wirksam, für unseren Geschmack allerdings stellenweise allzusehr dem germanischen Enos angepaßt (last an Nlchpl Wagner gemahnend), Die Einleitung Ist nackend geschrieben, und ebenso wie die Anmerkungen für den Völligen Laien berechnet. Einige Irrtümer seien hier angemerkt! Der König, unter dessen Regierung das Dcutoronoiniuni I.J.62I aufgefunden wurde, heißt Josla und picht Josua (S. 133); das „Buch Jaschar" welches neben dem ,,Bucli der Wackeren" genannt wird, Ist mit diesem identisch (Scpher hajaschar ' * Buch de» Wackeren); die Stelle Jcs. 23,'il spricht vom Tale Glhcou (Olw'on) und hat nichts zu tun mit Uldcon (S. MO). , , , Der Fall zeigt, wie stark das A. T. auf dichterisch empfindende Menschen zu wirken vermag, wenn sie es entdecken i die Ergriffenheit des Autors übertragt sich auf die Leser de» Buches. Wir wünschen ihm viele. — o —. Ein jüdisches Thealer!ür MHIcI- und Osteuropa Auf einer In Wien am 2. Februar Mattgcfundcncn Besprechung der Freund« des jüdischen Theaters wurde die Parole der Oründung eine» jüdischen Theaters für MHk'N und Ostcnrop.1 uiit Wien nfs Zentrum ausgegeben. |Vr bekannte ItcgUsciir David Hermann, früher Mitglied der Wilnaer, soll mit seiner jetzt fn Rumaulen gastierenden Truppe ein neues Repertoire bilden und für den Herbst «In zweibl» dreimonatige« Gastspiel In Wien vorbereiten. Von Wien aus soll die Truppe Tournees durch Mittet- und Osteuropa unternehmen, t>o »oll durch Zusammenwirken d«r Wiener Judenheit mit den Juden Mittel- und OsUuropa« ein zentrales Kunstlnstltut geschaffen werden, wi« es d|e einzelnen Thcatcrstädte allein nicht zu erhalten «.na auszubauen In der Lage wären- (Ziko.) „Tb« New Judaea" veröffentlicht eine überaus (nteressanle Arllkelserlq von to»l* Zangwl I (Bruder des Dichters Israel Z.) über die lebenden Jüdischen s?hrlftste(ler der englUclnu Wteralur. Der Iftit« AufHti l|t Philipp Quedalia gewidmet.