Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 14 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 130 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 14 < Zu unserer Goluspoliük Von Dr. Fritz Lüwcnstcln, Jerusalem, turzelt Zürich. Nachstehender Artikel eröffnet die Diskussion über die zionistische Golusarbcit in Deutschland. — Red. Bei unserer Ideologischen Neuorientierung, von der schon *o lange gebrochen wird und mit der man endlich beginnen sollte, wird nncli die Frage nach Wesen und Wert der zionistischen Oohispolltlk neu zur Dct>altc gestellt und entschieden werden müssen. Die Frage Ist gerade jetzt durch die Wallten zum Preußischen Landesverband und die diesen Fragen vorausgehenden prinzipiellen Diskussionen mit den nichtzionistischen Oruppcn neu aktuell geworden und sie wird schon deshalb aktuell bleiben, weil die Zlonlstc» in dem neu organisierten preußischen Landcsparlamciit einen so wesentlichen Faktor ausmachen. Die Vorbereitungen der Wahlen haben auch In unserem eigenen Lager über die Fragen der Gotuspoütik recht verschiedenartige Abfassungen hervortreten lassen und haben sicherlich bei denjenigen, die aktiv an dem Wahlk.uupf teilgenommen haben, das Bedürfnis zur Klärung dieser Frage erwachen lassen. Ich will es mir versagen, hier eine einwandfreie Dcfinilion des Begriffs Golmarbcit am versuchen. Nach der negaliven Seile sei zunächst klar verstanden, daß darunter natiirlieh nicht diejenigen Aktionen fallen, die durch Gewinnung und L'r/icliting neuer Menschen oder durch Sammlung von Gildinillcln dem direkten Aufbau Palästinas dienen. Auf der anderen Seite existiert bei uns bisher joner Zweig der Gohrspolilik überhaupt nicht, der in Osteuropa die wichtigste Form ist, die Teilnahme an der Politik des Staates als organisierte jüdische Gruppe. Vielmehr verstehen wir In Deutschland im allgemeinen darunter die Mitarbeit der Zip nisten in den Gemeinden und ähnlicher Organisationen und die Beteiligung an der Bekämpfung des Antisemitismus. Auf diesen Gebieten liegt heute in praxi die zionistische Golurarbcit in D.iiischland. Es ist bekannt, daß die Frage der Beteiligung der Zionistcn an Oaliithaufgabcn ein jahrzehntelange» Kanipfobjckt war. VHc Lösung, zu der man im allgcmeinen In Osteuropa, aber z. 1J. auch in Oesterreich r.;ckommen ist, durllc als befriedigend empfunden werden: iic besteht bekanntlich darin, daß die eine Gruppe der Zionistcn sich bewußt von dieser Arbeit abwendet und sich auf die reine zionistisch-palästinensische Arbeit konzentriert (z. B. die Gottlicbgruppe in Polen), die andere sich put besonderer Energie auf die Golusaulgabcn konzentriert und dabei nur allzu häufig den Zusammenhang mit der Gesamtbewegung und das Gefühl für den Primat Palästinas verliert. Aber es ist vielleicht Im deutschen Zionismus nicht genügend klar, daß wir uns auf einem sehr ähnlichen Wege befinden. Jeder, der die Verhältnisse kennt, weiß, daß die überwältigende Mehrheit des deutschen Zionismuu, vor allein seine aktiven und seine jugendlichen Kräfte an der Golusarbcit in dem oben umrissenen Sinne keinen Anteil nehmen, sondern diese Arbeit einem kleinen Kreis von Gesinnungsgenossen ulk flauen. Wäre das so zu verstehen, daß es sich um eine Art planmäßiger Arbeitsteilung handelt, bei der jeder Zionist auf demjenigen Gebiete tutig ist, das ihm am meisten liegt, alle aber durch die Zionistische Organisation zusammengehalten, durch das aktive Paläsllnalntcrcsse verbunden sind und die Arbeit jedes Einzelnen der Kontroll? und der Kritik der Gcca'iilbcugung unterliegt, so wäre djejer Zustand vielleicht sehr erfreulich. D.mii ist aber nicht so. Es existiert eine mehr oder weniger bewußte Wertung. Während Kcrcn llajcssod und Kcrcn Kajcincth, zionistische Propaganda, Mcduihu- und Huchscliarah-Arbclt doch im allgemeinen als gleichwertige Teile der zionistischen Arbeit angesehen werden, bücken viele Zionistcn, besonders die Jugend, auf Gemeindearbeit und andere Zweige der Golusarbcit etwa mit dem Gefühl, als ob das eine zweitrangige Arbeit sei. Wie bedenklich das ist, geht am klarsten daraus hervor, daß alle diese Oo!n ai heilen gewissermaßen zu unserer Außenpolitik gehören, Vertretung des Zionismus gegenüber dem nichtzionistMicu Judentum und gegenüber der uichtjüdischen Umwelt. Dieser heutige Zustand ist auf die Dauer unhaltbar. Entweder die gedankliche Klärung führt zu dem Ergebnis, daß wir diese Arbelten entweder prinzipiell ablehnen, oder daß wir sie zwar als wichtig anerkennen, In der gegenwartigen Siluatlon jedoch unsere i;nnzcn Kräfte auf die Palästinaarbeit zu richten haben und deshalb diese Arbeit zurückstellen müssen. Kommen wir zu diesem Ergebnis, so werden wir die Konsequenzen daraus ziehen, Indem wir unseren Standpunkt in der Ocffcntlichkclt darlegen und um» darauf beschränken müssen, den In der Gcmclmlearbcit beschäftigten Gesinnungsgenossen moralisch jede Unterstützung angcdclhcn zu lasneu, ohne aber irgendeine Verantwortung für die Arbeit zu tragen. Dann, aber nur dann Ist et richtig, wenn wir als Jüdische .Volksparlcl auftreten und nicht ah Zloiiialcu. Wird aber die Entscheidung entgegengesetzt lauten — und das muß sie schon aus dem einfachen Argument heraus, daß die Erhaltung eines gesunden Oolusjttdcntuius die Voraussclzung für den Aufbau Palüsliuaa Ist — dann müssen wir anfangen, diese Probleme mit demselben Emst zu behau, dein und mit derselben Aktivität au ihnen mll/uarhclten, die wir bei anderer jüdischer Arbeit zu zeigen gewohnt »Ind. Dann werden wir unser Interesse au dicken Fragen nicht nur zu beweisen haben, wenn Wnhlcii stnltflndcii, sondern uns konstant mit ihnen hesch/ifligcn; duuu werden die Oesinnungsgenossen, die besonders aktiv in dieser Arbeit sind, nicht mehr das Gefühl haben, auf einem verlassenen Posten zu stehen. Sic werden In ständigem Gedankenaustausch mit der, Gesamtbcwegiing neue Kräfte 6chftpfcn, werden ober auch wissen, daß sie verantwortlich vor' den Instanzen sind, vor denen jeder deutsche Zlonlst mit »einer Arbeit verant. wortlich Ist. Eine derartige Beteiligung" aller deutscher Zlonislcn an diesen Problemen erscheint mir vor allem deshalb notwendig; weil ich nicht den Eindruck habe, daß unsere bisher an dieser Arhcit allein beteiligten Freunde schon zu restloser Klarheit über unser Programm und über seine D.irchführungsmögllchkeilen gekommen sind. Während sonst zionistische Arbeit dadurch charakterisiert Ist, dnll wir völlig neue Aufgabengebiete für das jüdische Volk erschlossen haben und sie zu unserer Domäne gemacht haben, liegt es hier anders. Die Gemclndevcrwaltuiigeu bestehen seit langer Zelt. Die Nichtzlonislcn, mit denen wir zusammenarbeiten besitzen lnngjilh. rige praktische Erfahrung und unsere Freunde sind nicht Imstande, ohne weiteres zu allen Zweigen des Gcmctndclebcns mit eigenen Gedanken nul den Plan zu treten. Fragen wie Finanzlcnrng der Gemeinde, wie Einrichtung neuer Synagogen, wie Maz/otvcrtcilung werden von unseren Freunden prinzipiell nicht ander« behandelt werden können, wie von den Nichlzlonlsleu. So entsteht der mctkwfirdige Eindruck, als ob die Zionistcn in der Gemeindeverwaltung nur anwesend seien, um auf bestimmten, uns interessierenden Ocblcten Ihre Stimme vernehmen zu lassen, während sie dem Oros der Oemeindcarbeit teilnahmslos gegenüberstehen. Versuchen sie aber, in den Gesamtkomplex der Gemcludcfrngen einzutreten, so besteht wieder eine andere Gefahr: die nämlich, daß sie in den neuen Vcrwallungsaufgabcn der Gemeinde rufg:hcn. Was bisher von unserer Seile erreicht wurde, ist dabei keineswegs gcrlnp; anzuschlagen. Im Oegcntcill Die Demokratisierung der Gemeinden und die Gründung des Landesverbandes sind großenteils, wenn nicht ausschließlich, unser Verdienst. Aber daneben Ist nur wenig an positiver Leistung zu erwähnen. Manches konnten wir zum Schutz der Ostjuden tun, gelegentliche Erfolge für eine Beteiligung der Gemeinden an der Palästina-Arbeit haben wir cr/ielt und auf dein Gebiete der Erziehung eliil«c Fortsein Ute vielleicht augrlnhiit. Aber Im ganzen bleibt der Eindruck einer nicht ganz planmäßigen sporadischen Betätigung, bei der die Gefahr außerordentlich groß ist, daß die Tätigkeit unserer Freunde einen mehr deklaratorischen, als wirklich aktiven Charakter bekommt. Hier scheint mir die erste und wichtigste Aufgabe zu liegen: ein Programm für unsere Arbeit In den Gemeinden und Landesverbänden aufzustellen, das picht cht Programm für Wahlversammlungen ist (d, b. unsulnlaulllcrtc, letzte Ziele enthält), sondern ein detailliertes Programm, das aufhört nur Forderungen einer Oppositionspartei zu enthalten, sondern anfällst Grundlage unserer eiirencn aktiven Tätigkeit zu sein. Wir haben im Wahlkampf mit Recht «die Bc- I hauptung zurückgewiesen, daß wir die »nationale Auto nornlc" der deutschen Juden erstrebten. Was aber erslrf ben wir? Ist unser Ziel die Volkege meI ndc und wCl|' ja, wie Ist dicic Volksgcuiclndc zu denken und wie zu tj reichen? Da« nur als Beispiel: Ebenso unklar wie <\.t, Fragen sind fast alle anderen Probleme der Ocmcindcaiben Achnlichcs gilt auf dein Ocbictc der Bekämpfung dc< Antisemitismus. Ich brauche nicht zu erklären, daß ich in d« Verurteilung der Tällgkclt des Gentralvcrcins mit dir a||[,f, meinen zionistischen Meinung koulorut gehe. Aber Ich \tl inlssc «las Aufzeigen eines klaren Wegen, wie dieser K.imPi von uns zu führen Ist. Auch hier existieren nur einige Schi,', wortc: daß der Kampf würdig zu lilhrcn Ist, daß er auf tjt'j Grundlage unserer verfassungsmäßigen Rechte, aber nicht patriotischer Versicherungen zu führen Ist. Das viiut ilchtjp, Gedanken, aber es mußte aus ihnen ein Aktionsprogramm werden. Was Ich also vorschlüge, Ist: ein neuer EntschluS des deutschen Zionismus im Sinne einer positiven Sicllun-.. nähme zur Golusarbcit und daraus folgen ein klares Aktion',. Programm und eine aktive Beteiligung der gesamten Org.mi". Ration und nicht nur lilnzclucr. Bei den Beratungen Iii,,, das Aklionzprogranun wird sich zeigen, daß wir vor allem unsere Aktivität auf einem Ocblcte außerordentlich verstärken müssen, das In Wahrheit wirklich unsere Domäne ist und in der wir mehr gearbeitet haben als andere Gruppen: das Ist d„ gesamte Gebiet der F. r z 1 e h u n g s f r a g c u. Es darf in Zu. ktmft nicht nur die Aufgabe unserer Vertreter nein, gelegen!, lieh für eine Subvention oder die unentgeltliche Uchcrlastung von RHuinllchkcItcn einzutreten, sondern wir müssen in di, Gcsamtgcblct dieser Fragen eindringen und sie mit unserem Ocistc erfüllen. Dazu gehört z U. auch die ganze Fragt dea Religionsunterrichts, die Frage des Hebräischen und der Jüdischen Schule. Auf diesen Gebieten werden sich auch unsere Freunde am schnellsten zu Hause fühlen; denn Cr. Ziehung war ja für uns stell ein Integrierender Bestandin! unserer Arbelt. Eine neue Gefahr Von unserem Warschauer Korrespondenten. —y, Warschau, 8. Fcbm»r. Mit dem Jüdischen Handel Ist man in Polen so iitm- Urb fertig geworden; bloß ein Viertel der bisherigen Qe- 6chäflsleute haben im neuen Jahre Handelspatente gelöst. Jetzt hat man es auf den jüdischen Handwerkerstand abgesehen, dessen Recht auf Arbeit ernstlich be droht Ist. Das vom Handelsministerium ausgearbeitete Projekt über die Handwerkerinnungen zielt darauf aus, die Juden auch aus dem Handwerk auszustoßen, resp. ihnen den Zulriu zu demselben unmöglich zu machen. Das Oesctzcsprojekt 6ieht u.a. die Schaffung von Handwerkskammern vor. Das W a Ii I r e c Ii t zu denselben sollen bloß diejenigen polnischen Bürger haben, die die polnische Sprache tu Wort und Schrift beherrschen. Aufgabe der Handwerkskammer wird es u.a. sein, am ihrer Mitte eine Kommission zu bilden, vor der sich künfti; Handwerker, die sich selbständig betätigen wollen, Ihr Meisterexaincn ablegen müssen. Achiiiich (st es mit den Gesellen, die keine Stellungen annehmen dürfen, bis sie nicht ihr Gcscllenexamen gemacht haben. Kaum braucht man zu sagen, welchen Schikanen künliij die indischen Handwerker ausgesetzt sein weiden. Vor schult, die das Wahlrecht zur ll.n.dwerkrrk.iuimer von >ki 1 Sehen nelninp der poluifehm Sprache alihiu :ii; inschl, tr.ict eine zu offenkundige antijndlsclic Spitze, als dar! man über Absichten des neuen Gestt/es im Unklaren zu sein braucht Immer neue Wolken überziehen den Horizont de« polnischen Judentums. Die Klirjc Dr. Rupplns neu« dei „Doar Ilalom** Die Verhandlung über die Vcrlcuindungsklafr dir 1» Kuppln gegen den „Doar Hnjom" erhoben hat. M infolge Anwesenheit des Vertreters des k'l.'irjcrs, Herrn Sachcr am 10. Januar für den In. Februar vertagt wnrdm. Laut „Haare«" dürfte auch dieser Termin verschoben wordre. da der Vertreter de» ücklagtcn, Rechtsanwalt .Samuel, in London wci|t. Autorenabende Arnold Zweig las in der Hochschule für die Wissen, schalt des Judentums; Szenen aus dem Manuskript seines Dramas ,,f) c r A b t r ü ii n I g c" vor, die den I fftrer stark bannten, erschütterten und aufrichteten', die ein herrliches Drama erkennen ließen und die Zweig als großen Dichter zeigten. Dor Abtrünnige Ist ein Ostjude, der aus Sehnsucht nach Wahrheit die Heimat verließ; der im Suchen nach dem wahren Glauben an den Mysterien des Katholizismus betört wird und dem der Ucbcrtritt zum Christentum leicht wird, da die Größe der Jcstiigcstalt und der Madonncnkult ihn bezwingen. Dieser getaufte Judo glaubt durch Frömmigkeit dns Rauschen und die Urinacht seines Hintes zur Ruhe bringen zu können. D;r am Tage ah Bischof ein Fürst ist, findet in der Nacht nicht erquickenden Schlaf, da „die Verwandten" ihm erscheinen, da die Seelen der aul sein Geheiß geopferten jüdischen „Ketzer" ihn anklagen. Er findet allein nicht '"rück; die Gepeinigten bitten den Baal-Schern um Beistand. Und dieser Gewaltige gibt Hui dem Judentum wieder, das ihn nach den Prüfungen, denen er sich unterziehen muß und die er willig auf sicli nimmt, wieder gelten läßt. Zweigs Schürtet, kralt scheint mir seine Stärke daher zu haben, daß die Sendüng des Dichters selten glücklich mit Klugheit und Wissen Repaar» ist, daß ein tiefer und auch naiver Qlaubcn die Gewalt der Visionen köstlich zu halten vermag und daß Jle Kunst der Sprache dem Oclühl einer großen Musikalität entspringt. . E« war Bcliön, daß die Buchhandlung Ferdinand Ostertng 1 «na Sochaczower Gelegenheit gab, «eine Novelle ..Uaronlu Lcselillzko" vorzulesen. Diese Erzählung bewies «u Dichter. Berlin im letzten Kriegsmonat Ist der Hinterfjfund der psychologisch tief schürfenden Novelle, die ge- «rangi, aus einem Guß erzählt wird, die oft von einem bissißcn, kritischen Humor unterbrochen wird, der auch, j(iir Satire waciiicn kann. D.-r junge Autor hat von Dostojewski viel und r£«nf??i ' i0l,".c tlon ,^us^e»„^^ kopieren. Zwischen einer c« 1 - ...... ....... 'der das <uaben b'H «eicrm, onuc den Küssen zu kopieren. Zwischen i pealkrien, obßctancn J'rau, die viel erlebte und der «o«i nicht freundlich w»r, \intj einem, der gerade den Kiuui »Pgeslrcift |,at, tlncj Betljlmngen, die VPn der ersten Begeg- ^"ß bi» zum Abschied vom Verfasser-mit einer Objckllvitit erzählt werden, die scheinbar kühl Ist und nur den Er/ählcr sprechen läßt; die In Wahrheit aber nur der aufbringen kann, der mit seinen Gestatten fest verwachsen Ist. Ich möchte dorn Dichter vorschlafen, den Schlull /u .indem, da die Frau, von der die Novelle auch den Titel nahm und deren Tragödie sich vor uns abrollte, die „Heldin'* |st und doch mehr interessiert als der Jüngling, dessen Selbstmord den Ausklnng bildet. Aber dieser Einwand ändert an dem Wert der Erzählung nichts, der seine Bestätigung im starken Beifall fand. Heinz Stroh. In der „Voss. Ztg." urlirleb II. F. über Zweig.; Vorlesung: „In ceincin schonen und tiefen Bckennlulsbuch .Heidentum, Christentum, Judentum' spricht Max Broileinmal davon, daß dem jüdischen Künstler keineswegs die Naivität abgehe, sondern daß ihm chic andere Ursprüngllchkelt als die gemeinhin verlangte eigne, die Naivität der religiösen Beziehung. ,die arglose Vertraulichkeit mit dein göttlichen Urllcht*. In diesem Sinuc ein naiver Dichter trotz seiner scharfen, zielsicheren Inttllektualität, Ist Arnold Zweig, der in der Hochschule für die Wissenschaft des fudeulums ausgewählte S;cnrii seines zweij/cleiiten Dramas ,Dcr AbttuimiKC,' vovUs. Vis spricht lür das Drama, flau es selbst aus den Fragmenten, «Me zehnten wurden, sieh ah ein Ganzes und von einem ClelsU:' Geformtes darstellte.... In diesem Drama gibt en Szenen von bezwingender Gewalt, Mau denkt nicht mehr an Rlchhmgsstrclt und Programme," Drei Jatirlnuseiide Irischer Dicltluiifj (Rczjtation.szyklus der Freien Jüdischen Volkshochschule.) Diese Rezitationen haben die Aufgabe, das große Volkngut des Juden zu einem allgegenwärtigen Faktor des neuen jüdischen Lebens zu inafheu. Die begeisterten Wortc Dr. Israel Auerbachs entrollten in ihrem Schluß diese neue Wiedergeburt. Die Jiiilemnythe wäre groß genug, um auch Letztes der Gegenwart auszusprechen I Nach den einleitenden Worten Dr. Israel Auerbachs gehurlo der Vormltlag l.'rmit D e u t s c h, Dieser Rezitulionszyklus Ist, \ylc «chon der Redner des ersten Vormittags betonte, ein Versuch. Dieses ganze Neuwerden ist ein Tasten und wenn uns der Weg ernst Ist, müssen wir das zugeben. Daß Emst Detitsch cfn guter Künstler ist, wissen wir, aber ebenso sicher Ist, daß keiner aus unserer aerrlsacnen lüdischen Jugend, *u der Em»! Deutsch unstreitig nehört, die Bibel so lesen kann, daß ihn Primitivität und Größe zu den Sinnen spricht, da» sie wnU wie d.K4, was eic ist: die große in den Fels feiunene Geschichte. Enct Deutsch i?t ein großer Künstler iuueihalh seiner Grenzen. Darum gestaltete er bei Ilccr-I loffmann - den Notruf des im Zwiespalt leidenden Juden so überzcmieiul und darum klang die Sehnsucht echt in Israel Auerbachs Mose. In diesem Aufbruch war Hoffnung, wie sie mir l.chcnsangst gibt. Dieses Land bedeutete?<cttung fur dir Seele. Innerhalb der gelesenen Ilihclstückc zeii'len Teile ans „Elicser und Rebekka** und aus dem Abschnitt: „loset eil.: sich seinen Brüdern zu erkennen", wo der richtige Wcr lei;t, dieser Weg, der erst frei wird mit dem Fall der letzten westlichen Eitelkeiten. Einer aus dem Volk, der die Bibel vorliest wie Wenn er selbst mit durch die Wüste pe/ogc« wäre, vorliest in der Not des Wiedercrlclicus und »1er Zukuiiftshoffnuiig, solch einer kann heute vielleicht am ehesten den Eindruck schaffen, nach dem wir verlangen. Wenn wir den Versuch zur Konsequenz, in der Ursprünglichkeit i'i Zukunft nicht machen — zumindestens bei dem c-ri.iK n Bibelknpitcl Urzeit ist er notltf — dann zeigt solch ein ZvUu; nur, was noch fehlt — auch.das hl ch\ Fortschritt — aber i-chöner wlttc es, v,'cwa In ihm Bcmst der neue Sechiilon de.« Juden schon erklänge. Rmh Morold. * Am Sonulag, den 22. Februar, vormittags II Uhr, 6C!/t die geschätzte Re/Ilaloiln Edith llc rr nst.nl t-Oct Ii npe,1» den Zyklus Im l.ngenhaus fort; «las Thema ihrer Vorträge »ei t: „Volk und l.nnd". — (Die Bitte der Jüdische« Volkshochschule, die Karton nicht erst an der Kasse, co.nicni womöglich bei Heiz oder im K.d.W. zu. nehmen bzw. heim Sekretariat, Lüt/nw 4721, zu bestellen, geben wir hiermit gern wcllrr.) . Arnold Zweig begann am 12. Fehurar seine Vorlesun; U1 dcr.',rS,f" jüdischen Volkshochschule über den „l.tuduß der Bibel auf die europäische Kultur". Der erste amlertlialbstüuili«c Vortrag war der Gegensätzlichkeit in den (iriindlraiten jüdischer und westlicher Welt- und Lehern.- anschauung gewidmet und iel»tc in fesselnden Ausfühnumcn von großen Aspekten die Spannungen, die zwischen der durch ds« ChilMcntuui vermittelten biblischen Lehre und dem I chensgefühl der klassischen und nordischen Volker namentlich auch auf sozialem Gebiet entstanden, Nächster Vortrag Donnei-aUrr^ dqn 1Q. Februar, 8 Uhr, Synagoge Pasancnstr,, großer 5»»).