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Jüdische Rundschau · 1925-02-13 · Heft 13 (13.2.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 13 (13.2.1925)
Date
1925-02-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I Tfc 13 rUEDISCHE RUNDSCHAU Seite UP Zur Oroanisationsirage Von Dr. M. J. Bodcnhclmcr. Die idca'c Organisation i*l slärkstc Binduig «1fr Gesamtheit bf* größler Freiheit des Einzelnen. Bei einer Bewegung ttic <irr zionistischen, «Iii: die Entwicklung des Volke, nach einer bestimmten Richtung darstellt, Ist ei ein Fehler, an allen Einrichtungen zu klcbc.i. Jede solche Volksbewegung Hl eine Dilfcrcnzieiung der Aurch.iuungcn zur Folge. Dieser Isit sich die Organisation jeweils anzupassen. Da« cr.de Erfordern!« für eine gesunde niitwlckliing Ut datier üie Einrichtung einer ständigen Kommission für Organ Isatlonsfragcn. Dadurch wird auch ein fehler vermieden, der bisher von vielen störend empfunden wurde. Die jeweils auf dem Kongreß gebildeten Kommis* »ionen bauteen gewöhnlich auf der bestehenden Organisation „,f, ohne deren Vorgeschichte zu kennen. Die meisten der organisatorischen Fragen sind aber schon früher unter mehr oder weniger ähnlichen Voraussetzungen behandelt worden, pic hierüber vorhandenen Materialien müßten für Acndc« rungsvorschläge herangezogen werden. Zu einer solchen, (in gründliches Studium erfordernden Arbeit ist aber die VnjpjH' Zeit de« Kongresses und die Stimmung, die auf rasche Entschlüsse drangt, nicht Künstle Als Materialien von gröflter Wichtigkeit sind die Kon. jjteßprolokollc m betrachten. Ich erwähne vor allem mein Referat auf dem ersten Kongreß, das die Grundlage unserer Ofgan$atüon bildet und das Referat Herds auf dem 5. Kon. Cftfl, wo eine durchgreifende Acndcrung zum ersten Male beschlossen wurde. Die ganzen Vorarbeiten sind dann zu. »immcngefaßt in dein .Motivenbericht mm 10. Kongreß, der von Rechtsanwalt Dr. Münk und mir gemeinsam verfallt worden ist. Dieser vom A.C. für die Kongrcßdclcgiertcn herausgegebene Bericht bot die Onmdlagc für die Beratungen in 10. Kongresses. Es ist anzunehmen, daß dieser Motiven, bcrlcht sich noch im Archiv der Organisation befindet, und es wäre zweckmäßig, ihn einer größeren Öffentlichkeit tu «hergeben, bevor eine Neuordnung der Organisation auf dem Kongrell erörtert wird. Mit Organisatlonsfragcn beschäftigte sich auch mein Auf. «ili „Kongrcßproblemc", der in der Rundschau kurz vor dem II. Kongreß veröffentlicht worden ist. Die darin ent. hallcncn Vorschläge decken sich in manchen Punkten mit denen Ooldmanns auf dem 20. D.lcgiertentag deutscher Zlonisten. In vielen Punkten von wesentlicher Bedeutung kann ich mich allerdings Ooldmniui nicht anschließen. Was zunächst den Schckelzahlcr betrifft, so sehe Ich keine Veranlassung, grundsätzlich von der gegenwärtigen Einrichtung abzugehen. Hiernach ist die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation von der Schckclzahhing bedingt und so. »ohl für das aktive wie das passive Wahlrecht zum Kongreß »««reichend. Lediglich die Ausgestaltung dieser Einrichtung mr Ortsgruppe und das Rechtsverhältnis der letzteren zu den Vereinen ist unzulänglich. Heute ist die Ortsgruppe der Schekelzahlcr ein schemenhaftes Gebilde und deshalb organi- «itorlsch ohne Bedeutung. Es muß darauf bestanden werden, diß die Ortsgruppe die wirkliche Grundlage der Organisation wird. Dieses kann durch folgende Bestimmungen erreicht werden: .; '. 1. Jedes Mitglied eines zionistischen Vereins hat seinen Scltckel an die Or'sgruppc zu richten, in deren örtlichen Be« mk es wohnt. 2. Ucbcr diese Mitglieder wird eine Liste geführt, die stet* auf dem laufenden zu halten ist. 3. Oic Schckclcinzichung kann hilfsweise durch die ort- Uchcu Vereine erfolgen. Die Eintragung in die Mitgliederli'tc der Ortsgruppe ist aber von der tatsächlichen Zahlung Ji-5 Beitrages für diese Mitglieder abhängig. 4. Außer den Mitgliedern der Vereine unifaßt die Orts-?ruppc alle Schckelzahlcr, die auf Grund des Baseler Protamins ihrer Zahhmgspflicht regelmäßig genügen. 5. Zur Wahl für den Kongreß ist nur ein Schekclzahler I iwrechtigt, der in eine Liste der Ortsgruppe eingetragen ist «ml »einer Schckclzahluugspfticht ohne Unterbrechung seit itm letzten Kongreß genügt hat. Was das passive Wahlrecht nim Kongreß betrifft, so kann dieses meiner Ansicht nach ryt von dem Bekenntnis zum Baseler Programm und von der xhckelrahlung abhängig gemacht werden. Wenn die Erfüllung der Maasserpflicht für I dcnKcrcnHajcssod hierfür maßgebend sein sollte, so I «ürde dies zu einer unerträglichen Inquisitionsmaximc und I Einmischung »' die intimsten Vermögens- und Famillenverhäll- »kse führen. Dieses würde einerseits in hohem Grade demo- "lisicrend wirken und andererseits dam führen können, wertl* Elemente von der Mitarbeit und Führerschaft aus/u- I Limiten. 'Der Maßstab der Maassrr ixt ein starr scliema- I "'eher, der In vielen Fällen der wirklichen zionistischen Lei- I ,f"ng keineswegs gerecht wird. In diesem Zusammenhang I "lächle Ich aber auf die Frage des Kercn Hajevsod nicht I »fiter eingehen, dessen grundlegende Bedeutung für die Ent- I »itklung der Kolonisation ich vollkommen anerkenne. I Was den Vorschlag einer Erhöhung der Schekel I Ohlnng betrifft, so ist dies kein grundsätzliches Problem, I «indem eine praktische Frage. Persönlich könnte ich eine I "übliche Erhöhung des Schckcls mit Rücksicht auf die Oc I »innung der Massen nicht befürworten. I Wie aus meiner Stellung zur Ortsgruppe hervorgeht, die I i!>' Vereinen ihres örtlichen Bezirks als organisatorische I U»heit Ubergeordnet sein muß, haben die Wahlen zum 1 ^ngreß in einer einheitlichen Wahlhandlung innerhalb der I J»*gruppc zu erfolgen. Diene Wahl soll nach Listen ge- I!f fhen, die von den einzelnen Parteien für die festzustellenden I Wahlbezirke einzureichen sind. Nur auf dieser Ortindlage I ^i'en die Wahlen zum Kongreß und der vorausgehende 1 j* aiilkampf einen Inneren Sinn. Nach der heute üblichen I ^ethode, wonach die Wahlen innerhalb der verschiedenen Par- I ,e'ffl und Fraktionen erfolgen, fehlt jeder Anlaß zu einer I J.U|Ji'iandersctzung über die Wcltanschauungsfragcn, in denen •I >t Fraktionen auseinandergehen. I v Mit dem Vorschlage Goldmannt über die Teilung der I "hjndlungen des Kongresses vor dem Plenum und den I "Emissionen Mit Ich einverstanden. Dieser Vorschlag enthält I an« ,,<onsemjentc Ausbildung der bisherigen Entwicklung. Die I Wütltchen Fragen und die Gcneraldiskusslon .gehören vor I u\ um" ^te »Ps**»ellen Fwg«n, wofür technisches und I j c.hml°ni«chc« Material zugrunde zu legen ist, werden füg- I 5n im besten In den Kommissionen vorberaten. I ia WM der verschiedenen Parteiorgane betrifft, I * «timmc Ich der These Ooldmanns Ober die Wahl des Präsl. I uÜ'n" durch den Kongreß und die Wahl de« A.C. durch I 1(4 rttnuoenutttacbuB au Seine Vonchligc Ober die Wahl der „Jewlsh Agcncy" und das einheitliche Volum der zionistischen Mitglieder in dieser , halte Ich für verfehlt. Mit Recht haben die Vertreter de« Misrachi hiergegen Dedenken geäußert, die aber für jede andere Fraktion in gleicher Weise gelten. Was zunächst die Wahl der zionistischen Mitglieder der cwlsh Agcncy betrifft, wobei es sich wohl nur tun die Wahl In den Council handeln kann, so halte Ich weder den Kongreß noch den PcrniancnzaiisKchuß hierfür als eine geeignete Körperschaft. Gerade hei dieser Wahl komm» es auf «lie Prüfung der einzelnen Mitglieder nu, «lie den fVlrglcrlrn des Kongresse* persönlich zunächst unbekannt t-lntl, well die Delegierten gewöhnlich nur den I'ersoncnkrcis ans Ihrer Landsmannschaft oder ihrer Fraktion nach Ihrer Eignung und Fähigkeit zu diesen Acmtcrn abschätzen können. Wie ich früher schon ausgeführt habe, halte Ich den Sciiiorenkouvcnt, der au die Stelle «ler jahreskonferenz. getreten ist, für ein durchaus lebensfähiges und nützliches Gebilde, und ich würde diesen Scnlorcnkoiivcnl für geeignet halten, die Wahlen in den Hat der Jewlsh Agcncy vorzu. nehmen. Das einheitliche Votum muß ich aus dem Grunde ablehnen, weil es in , Fällen, wo die Partclgcgcnsfitzc Inner, halb der Zionistischen Organisalinn gnuul itrlichcr Natur sind, zu einer Zersetzung und Spaltung der Organisation selbst führen könnte. Durch dieses geschlossene Votum der Zlonistcn würde auch der Grundsatz, einer gemeinschaftlichen Beratung mit den Nichtzionistcn durchbrochen. Dieses hat zur selbstverständlichen Voraussetzung, daß die Beschlüsse auf Grum] einer Aussprache und Beratung niich der freien Entscheidung der Mitglieder gefallt werden, andernfalls wiiren ,a diese Mitglieder lediglich Instrumente der innerhalb des Kollegiums bestehenden Parteien, ho daß eine gemeinsame Beratung überflüssig würde und die in der Jewish Agcncy vertretenen verschiedenen Organisationen auch ohne Beratung ihr Votum abgeben könnten. Mit den Vorsehlägen Ooldmanns über die Exekutive bin ich mit der Einschränkung einverstanden, daß als erstes Ressort die Politik einzusetzen ist, während das Rest ort der nationalen Oalutbpolitik in Wegfall kommen muß. Die Politik umfaßt die ganze zur Erreichung des zionistischen Zieles aufzubietende Tätigkeit gegenüber der nlchtzlonlstl. sehen Umwelt. Infolgedessen i«t es auch ein: Aufgabe des politischen Ressorts der Exekutive, die Fra»jc zu prüfen, ob und Inwieweit die Gohtsarbcit Im nationalen Sinne organisiert werden muß. Voll und ganz, stimme Ich Gntdmaiin zu, wenn er den wesentlichen Unterschied von Vcrwaltungskftrpcrii und gesetzgebenden oder grundsätzlich entscheidenden Körper, schatten hervorhebt und hierdurch seinen Vorschlag bezüglich der Exekutive begründet. Dieser Unterschied triflt aher ebenso wir auf die Exekutive auf das Direktorium der Bank, des J.N. F. und des Keren Hnjcssod zu. Wie bei diesen demnach die Wahl der Mitglieder ohne Rücksicht auf die Parteistcllung nur nach der sachlichen Eignung erfolgen sollte, so muß dies auch bei der Exekutive geschehen und wie bei den oben erwähnten Instituten die Entscheidung über die Mit. gliedschaft des Direktoriums in den Händen der Inhaber der Founder sharcs des „Jewish Colonial Trust" liegt, so muß dieser bei der Exekutive im A.C. liegen. ' ■ Andern ist es natürlich bei der Bildung des A. C, selbst, Herr Goklmann begeht liier den Fehler, daß er der ge. schichtlichcn Entwicklung keine Reclinunrr trägt, sie vielleicht auch gar nicht kennt. Nach dem urspriinglichen Plane sollten die Landsmannschaften ihre Vertreter ins A. C. senden, dessen Milgliedcrzahl auf 23 beschränkt wurde. Diese Zahl erhöhte sich aber fortdauernd mit der Ausdehnung der Organ). Ballon, insbesondere nac'ulem auch die Föderationen entstanden und Anspruch auf Mitgliedschaft im A. C. erhoben. So entstand eine übermäßig große, zu Verhandlungen un. geeignete Körperschaft. Den Beratungen fehlte die Kontinuit.it. Die meisten Mitglieder waren durch die örtliche Ent. fernung vom Orte der Tagung nicht In der Lage, an den Sitzungen teilzunehmen, so daß regelmäßig nur eine kleine Minderheit von stets wechselnden Mitgliedern zusammenkam, die über die früheren Vorgänge nicht unterrichtet war, so daß dice Verhandlungen sich mit endlosen Reden hinschleppten, ohne daß eine klare Onmdlagc für eine Beschlußfassung ge. schaffen worden wäre. Man war sich auf dem 10. Kongreß allgemein darüber einig, daß diesem Zustande ein Ende gemacht werden müßte, Auch Oroncninun und Hanlke traten dafür ein. Es wurden demnach 25 Mitglieder gewählt, wobei auf die Föderationen gebührende Rücksicht genommen wurde. Dieser Onindsatz Wirde auch auf dem Wiener Kongreß festgehalten. Leider wttr«le er auf der Jahreskonlercnz. In London Im Jahre 1020 durchbrochen. Man war der Ansicht, daß Infolge der längeren Unler brechung eine Verjüngung des A.C. notwendig sei. Dies führte aber zu einem Kampf der Landsmannschaften und Föderationen um die freiwerdenden Stellen und hatte zur Folge, daß anstatt der Mltglicderzahl von 23, deren Teilnahme an den Sitzungen vorher gesichert weiden sollte, eine un gehcucrliclie Körperschaft von über 80 Mitgliedern entstand, die auf dem Kongreß in Karlsbad schließlich wieder be seitigt werden mußte, da sie völlig arbeitsunfähig war. Nun will OoUlmann wieder auf den früheren Zustand zurückgehen, dessen Unzulänglichkeit sich mehrfach erwiesen hat. Wenn man den Landsmannschaften und Föderationen ein Recht auf Sitze im A.C. nach einem bestimmten Schlüssel einräumt, muß es immer wieder unmäßig anwachsen, da auch die kleinen Landsmannschaften und Föderationen im A. C. vertreten sein wollen. Wenn man es daher bei der Zahl von 23 Mitgliedern belassen will, so gibt es nur zwei Woge. Entweder man setzt diese Körperschaft nur aus den Vertretern der drei größten Landsmannschaften und Fedcrntlotien nach der Kopfzahl ihrer Mitglieder auf dem Kongreß zu. satnmen oder man wählt die Mitglieder des A. C. unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu Landsmannschaften und Fodc rationen lediglich auf Grund ihrer persönlichen Tüchtigkeit und Erfahrung. Wenn man an diesem Prinzip der Auswahl der Mllglledcr des A.C. und ihrer Beschränkung auf 23 Mitglieder fest hält, ergibt sieh eine neue Funktion des Seniorenkonvents In diesen Seniorenkonvent konnten die Vertreter der kleineren Landsmannschaften und Föderationen sowie verdiente Zio nisten, deren Wahl ins A.C. unmöglich Ist, weil »ic zu entfernt vom Sitze des A.C. wohnen, Aufnahme finden. Diese Körperschaft bietet auch Raum für diejenigen Zionlstcntührer, die nach Ansicht unserer stürmischen Jugend zu alt sind, um den propagandistischen Aufgaben des A.C. zu genügen, Dieser f.enlorenkonvcnt sollte zum außerordentlichen Kon. groß ausgestaltet worden, indem er in Fällen, wo eine rasche Entschließung von grundsätzlicher Bedeutung zu fassin ist, zusammen mit «ler Exekutive und dein A. C. zu einer Tagung einberufen werden könnte. Wahrend der Dauer des 'ordentlichen Kongrosses könnte der Sciiiorenkouvcnt In dieser Zusammenfassung mit dem A. C. und der Exekutive auch die Aufgabe eines Oberhauses oder Senates übernehmen. Auf diese Art würde den Kongreß, beschlossen, «lie vom Senat zu bestätigen sind, eine größere Wiikling verliehen. Der Sitz der Exekutive sollte baldmöglichst nach Palästina verlegt werden und nur eine politische und Propaganda, zentrale In London 'bleiben. Ich versage es mir hier, die Gründe hierfür auseinanderzusetzen; es sind dieselben, die mit Erfolg für die Verlegung des Sitzes des J. N. F. nach Ercz-Isrntl geltend gemacht worden sind, «lie sich glämcnd bewährt hat. Es freut mich besonders, daß heute auch Hanlke dieser Ansicht beitritt, der beim J.N. F. früher mancherlei Bedenken gehabt hat, der Ucbcrsiedlung zuzustimmen. Eine Bemerkung will Ich zum Schluß nicht unterlassen. Wir verbrauchen unsere besten Männer viel zu rasch, weil wir Ihnen nicht den richtigen Platz, für ihre Betätigung gehen. In anderen politischen Bewegungen bleiben die Führer bis in» hohe Alter der Sache, der sie sich gewidmet haben, erhalten. Es Hegt kein Grund vor, weshalb Männer mit großer Frfahmng und gereiften Anschauungen In der zionistischen Bewogung nicht wertvolle Dienste leisten könnten. Den geeigneten Platz können wir für einen großen Teil dieser Männer Im Sciiiorenkouvcnt schaffen. Für andere aber wird sich durch die Umwandlung der leitenden finanziellen und politischen Körperschaft in Verwaltungsorgane, die Möglichkeit einer Entfaltung Ihrer Talente geben, die bei vielen unserer Führer in hohem Maße vorhanden sind, aber unter den widerstreitenden politischen Hemmungen und der Ein. zwängung der leitenden Körperschaften in das Fraktionsprinzip, nicht zur Betätigung kommen konnten. Köln, Januar 1025. Zur Frage der Zionistischen CalutlipolltJk Von Dr. Arjah Tartakowcr, Lodz. Wir haben bereits mehr als ein Vierteljahrhundert der Ocschkhtc des Zionismus hinter uns. Innerhalb dieses Zeitraums hat die Bewegung manche Aciidcrungcn duithgenncht, sich in mancher Richtung entwickelt, manche innere Krise erlebt und überwunden und sieht heule in vielen Hinsichten, ganz anders aus, als es vor 25 Jahren der Fall gewesen ist. Der Prozeß dieser Inneren Wandlung, der noch bis zum, heutigen Tage nicht ganz abgeschlossen ist, läßt sich wwhl am Richtigsten so definieren, daß der ZronUmus aus einer ein ganz bestimmtes nationales Ziel verfolgenden Bewegung zu einer nationalen Bewegung par oxccllcnce wird, einer Bewegung, die die Ocsumuing und Weiterentwicklung des nationalen Lebens in allen Beziehungen anstrebt. Von diesem« Gesichtspunkt aus wird uns sowohl der Ktilturzionismus', wie auch die zionistische Jugemlbcwcgung, wie auch schließlich alle anderen Erscheinungen verständlich, die mit dem« eigentliche«! Wesen des Zionismus, als einer auf F.rkämpfung der nationalen Heimstätte gerichteten Bewegung eigentlich nicht viel gemeinsam haben. Ich glaube, die Verkantung dieser Tatsache ist eine der wichtigsten Ursachen der Inneren Krhc, die der Zionismus Im gegenwärtigen Augenblick durchmacht. In dem Moment, wo der Aufbau den Paläslinawerks in die Hände einer vieH breiteren, lediglich zu diesem Zwecke gebildeten Organisation übergehen soll, kann die Frage des Weiterbestehen* der zionistischen Bewogmig nur dann aufgerollt werden, wenn man eben im Zionismus noch dasjenige sieht, was er vor 25 Jahren gewesen ist. Dies ist er aber nicht mehr und darf es auch nicht seJn. D;r Zionismus ist eine nationale Wiesler. aufltbungsbcwcgung, in deren Programm die PdäslinaarMt nur einen, allerdings den weitaus wichtigsten, ,-ibcr doch nur einen Punkt ausmacht. Diese Tatsache kann nicht oft genug wiederholt werden, weil ihre Außerachtlassung von sehr schlimmen Wirkungen nicht nur für den Weiterbestand dor zionistische« Bewegung, sondern, was viel wichtiger ist, für die Entwicklung des nationalen Lebens überhaupt werden kann. Di; Nutzanwendung dieses Satzes ist vielleicht in keinem Falle von solch eminenter Bedeutung, wie in Bezug auf dio Frage der zionistischen O-ihithnolilik; daß der Zionismus' auch die weitgehendste Wiederaufri;hti«ig des nationalen Lebens in der Gallith anstreben muß, steht heute wohli tli««-.rcllscli fest. Dk« Zelt der naiven Versuche, besondere nationale Vereine oder Parteien nebc-n der Zionistischen' Organisation zur Führung der Oahithpolitik zu gründen, deren Mitglieder fast ausnahmslos, dieselben, wie die der Zionistlsehen Organisation waren, gehört bereits ganz zur Vergangenheit. Und doch Ist diese Erkenntnis nur chic theoretische. In «ler Praxis sind wir heute von einer zielbewußten, einheitlirlten zionistischen Oaluthpolilik ebenso weit entfernt, wie es noch vor zwanzig Jahenr der Fall war. Allerdings wird von manchen (übrigens nur sehr wenigen) zionistischen Landesorganisationen der sogenannten Lamlcspoütik ziemlich viel Aufmerksamkeit zugewendet. Doch kann auch In diesen Fällen nur selten von einer das ganze Volksleben im Laude umfassenden lolilik gesprochen werden und schon vollends! fehlt der Blick auf des ganze Volksleben In der Gallith und der Wille, sich In erster Reihe durch die Bedürfnisse dieses Lebens leiten zu lassen. Man kann somit, so wie die I>:n;e heute liegen, im besten Falle von mehreren (nicht inm»cf wesensähitlichen und nicht Immer dieselben Ziele verfolgenden) Fällen der zionistischen Landespolitik, aber ni.hrt von einer zionistischen Oaluthpolilik Im Sinne einer einheitlichen Bceinflussitngdes nationalen Lebens in der Oaluth1 sprechen. In dieser Hinsicht ist selbst die zionistische Theorie nicht weiter Ober die (übrigens nicht von ihr stammenden) rein formalen Qcdanken einer national personalen Autonomie hinausgekommen. Daß diese Autonomie nur eine Form «ein kann und man zunächst einen klaren und dauernden Inhalt' für diese Form haben muß, scheint bisher nur sehr wenigen eingeleuchtet zu haben. Die Nachteile eine» derartigen Zustandet liegen auf der Hand. Seme unmittelbare Wirkung Ist die Immer weiter gehende gegenseitige Entfremdung der einzelnen Teile de* Volkes auf wirtschaftlldicm, In vielen Beziehungen aber auch auf gel«tigern Ocblcte. Solange nicht die einheitliche Linie der Interessen des Voiksganzcn gefunden worden ist, muß dieser iintfrchtdurigiprozcO andauern. Dies bedeutet natürlich ',':«'» i '' i f* I,' 1 I V'-'r' < i, , '/H > .■ >' '1) i." > ' , S ', .1 i "\(M.. I

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