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Jüdische Rundschau · 1925-02-13 · Heft 13 (13.2.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 13 (13.2.1925)
Date
1925-02-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. » IUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 117 Die Jndca-Aoswclsnnfl ans Erez-Israel Von Moni Bcllinson, Tcl-Awiw. Als End« November, nach dem Zwischenfall bei Afulc. Kommunisten einen aufreizenden und häßlichen Aufruf »ctöffcntlichlcn, war hauptsächlich die Arbeiterschaft darüber äußerst aufgeregt. Da im Aufrufe nicht nur die Ziorisllsche Organisation, sondern auch dlp Arbeiterorganisation jcr Mitschuld-am BlutvergieOcn bezichtigt wurde, so zogen jj. Arbeiter daraus den lokischen Schluß In dem Sinne, «t,8 cäic Kommunisten nichts mit der Arbeiterorganisation „«d üiren Instituten gemeinsam haben wollten; man Im deshalb den Kommunisten noch am selben Tage nahegelegt, jjjh aus der Arbciterknchc in Tel-Awiw zu entfernen. Ks l,ia ru Schlägereien. Die Polizei schritt ein. Di« folgende &richlsverhandlung halte einen unerwarteten Ausgang; einige der Verhafteten, fünf an der Zahl, wurden nicht nur ,„ Haft, sondern auch zur Landesverweisung wegen Zugehörigkeit zu einer iilcgalcn Partei (der kommunistischen) verurteilt. Nach einigen Tagen, , in Zusammenhang mit den» «Iben Schlägereien, wurde noch ein /weites Urteil Ober r,ti Kommunisten verhängt. Der Richter war ein Jude ,jaJ Zionist. Die höhere gerichtliche Instanz hat aber das Urteil aufgehoben. Trotzdem wurde dieser Tage einer der Verurteilten, schon auf administrativem Wege, des Landes ver« «lesen. Die bürgerliche Presse verhielt sich dem ganzen Vorfall gegenüber gleichgültig und nur die letzte - adminidtitivc — Ausweisung rief schwache Proteste hervor. Die gerichtliche Verurteilung zur Landesverweisung fand man aber in Ordnung, > Es ist nicht zu bestreiten ,daß die Kommunisten ein itirendes Element bei der schweren Aufbauarbeit darstellen. U'cnn sie auch wenig Aussicht haben, mit ihrer Propaganda isaerbalb der jüdischen Aibciterschaft selbst Erfolg zu haben, io können sie leicht unter der arabischen Bevölkerung, die politisch tingeschult und kulturell niedrigstehend ist, schweres Unheil stiften. In ihrer Propaganda scheuen die Kommunisten ton keinem Mittel zurück und ihre Literatur strotzt von Ver« k-jmdungen uud Verdrehungen. Sie scheinen des jüdischen Cefühls vollständig bar zu sein und da es schwer anzunehmen tt, daß sie für die nationalen Bestrebungen der Araber von rSttlichcm Enthusiasmus ergriffen sind, so ist zu folgern, iA sie ihre, von außen vorgeschriebenen, Zwecke verfolgen; £e Erreichung dieser Zwecke, die sicher nicht die Freiheit .:$ arabischen Voleks im Auge haben, setzt die vollständige Zerstörung unseres Werkes voraus. Ebenso ist zuzugeben, Ji3 den Anhängern der Dritten Internationale kein Recht zutieht .sich über politische Verfolgungen zu beklagen, und es st grotesk, wenn die Kommunisten sich jetzt an die Ach- Calli.haawoda und den I lapocl-Hazair um Unterstützung und Verteidigung wenden — gerade jetzt, worauf den Solowctzkil-scln die Chawerim dieser Parteien als politische Gefangene Swjctrußland darben und in Jaffa wöchentlich die aus Ruß. lind ausgewiesenen Zlonisten landen. Der scharfe Kampf Ken die Kommunisten Ist also von jedem Standpunkte bc lechtigt. Trotzdem muß das System der Landesverweisung die «hwerslcn Bedenken hervorrufen. Die Arbeiterschaft hat ihre eigenen Mittel, die Kommunisten zu bekämpfen, und tie hat zu diesen Mitteln schon gegriffen. Sie bestehen — ia.allgemeinen — in der Schaffung einer ruhigen, friedlichen, n besten Sinne kulturellen und geistigen Atmosphäre der schöpferischen Arbeit im Lande, und — Im speziellen — h der Fernhaituns der Kommunisten aus allen Instituten itr von ihnen so beschimpften und verleumdeten Arbeiter. erganisaUon. Was die Beziehungen zu den Arabern antttrifft (der Vorfall in Afulc diente ja als unmittelbarer Vor. »and zum letzten Hervortrete nder Kommunisten), so ist ge> nie jetzt die Arbeiterschaft auf der Suche nach den Methoden, « eine Mitarbeiterschaft von Juden und Arabern, bei voller Wahrung der nationalen Eigenart beider Völker, sichern »Ifen. Inmitten dieser Arbeit kommen die polizeilichen Maß. rahmen und zwingen die Arbeiterschaft gegen die Aus* «eisungen ihrer Irgsten Ocgner zu protestieren. Das Bedenkliche der Ausweisungen besteht nicht allein carin, daß unwillkürlich die Schärfe des Kampfes gegen die Kommunisten abnehmen muß, und nicht darin, daO einer kleinen an sich unbedeutenden Gruppe die M.lrlyrcrkrone aufgesetzt wird, und nicht darin, daß dem feindlichen Auslände Agllationsmaterlal geliefert wird. Da» Bedenkliche besteht darin, daß unter den Juden, die — man merke — schon In Palästina sind, eine Anzahl — gleichwie, von welchem Standpunkte nus getroffen und entschieden wird, wer Im Lande bleiben darf und wer nicht. Somit stellt man das Prinzip nuf: Palästina ist nicht für alle Juden da, sondern nur für auscnvälillc, wobei die Polizei bestimmt, wer von den Juden für da* Land mit ist und wer nicht. Einmal dies zugegeben, weiß mau nicht mehr, wo man stehen bleiben wird. Meute erscheinen die Kommunisten für das Land ungeeignet, morgen können es andere Juden, nach anderen Kriterien, sein. Ein Präzedenzfall wird geschaffen, von welchem nicht ab« zusehen ist, wohin er uns führen kann.' Angenommen, »ber nicht zugegeben, daß .alle Kommunisten unehrliche und unwürdige Leute sind — nicht i|cr Polizei steht es an, darüber zu urteilen. En gibt Im Lande Gesetze, die gcsctzcswldrlgc Handlungen mit allen möglichen Strafen belegen, und diese Strafen sollen über die Kommunisten verhängt werden, es kann aber kein Verbrechen exkr Vergehen existieren, das mit Ausweisung ans der Heimat bestraft wird. Und das ist der springende Punkt: für den Juden, der schon In Palästina ist und hier zu bleiben beabsichtigt, eventuell für die palästinensische Staatsangehörigkeit optiert 1i.it, Ist Palästina die Heimat. Auf dieser Grundlage basierttinscre ganze außenpolitische und inncrnationalc Arbeit; Im letzten Grunde sind wir vielleicht eben deshalb hierher gekommen, um unsere eigene Heimat zu haben, um ein Stückchen Boden zu haben, wo wir zu Hause sind, wo wir unsere Krankheiten selbst überwinden, wo wir auch das elementare menschliche Recht haben, auch unwßrige oer gefährliche Leute in unserer Mitte zu haben. Nichts anderes konnte-auch das Weißbuch meinen, In welchem Churchill schrieb, daß die Juden nicht aus Toleranz, sondern auf Orund eines Rechtes In Palästina r-cleii. Genau so wie ein französischer oder englischer Verbrecher noch nicht deshalb, weil er Verbrecher ist, seiner Heimat beraubt wird1), genau -so wie ein palästinensischer Araber nie aus Palästina verbannt werden kann und darf, genau so darf kein Verbrechen eines Juden den Verlust der Heimat nach sich führen. Kein Jude darf aus dem jüdischen Lande ausgewiesen werden —• wenn wir von diesem Orundsatze abweichen, zerstören wir das moralische und rechtliche Fundament, auf welchem wir hier stehen. Wir machen uns den Kampf mit den Kommunisten sehr leicht, wir verschaffen uns momentane Ruhe, können aber dafür schwer büßen — mit unserer Dcgradlerung zu Bürgern zweiten Ranges, mit der Entwertung der Hclmatsbcdcutung von Palästina für die einwandernden Juden. Dtr Scholz der beilfrjta Stillea Rom. (J.T.A.) Die katholische Organisation ft'ir den Schutz der Heiligen Stätten in Palästina, die während der Tagung des Völkerbundsrates in Rom demselben ein antlzionistisches Memorandum übergeben ließ, hat soeben eine neue ausgedehnte Kampagne gegen die zionistische Politik in Palästina cmgclcitet. Alle In Italien erscheinenden katholischen Zeitungen veröffentlichen auschrJnciid aus der gleichen Quelle inspirierte Artikel, In denen gefordert wird, daß Italien die'Bewachung der Heiligen Statten übernehmen tolle. Es wird welter gefordert, daß die faktische Uebcrwachung durch dl: Franziskaner geschehen toll. Die Kampagne wird von Monsignore de Sangro geleitet. Aus den Kreisen der Organisation für den Schutz der Heiligen Stätten wird versichert, daß die italienische Regierung die Bewegung tatkräftig unterstützt. >) Wo die Ausweisung praktiziert wird, Ist sie entweder eine Art zeitig beschränkter Ehrcnstrafc (der Fall Malvy!rs Frankreich während des Krieges) oder das Resultat einer freiwilligen Wahl zwischen Gefängnis oder Verbannung in der Heimat und Landcsauswelsung (Ausweisungen aus Sowjetrußland). i „in»__i.'i.i_t -ii iu»i'ii:U.iiL^iuju,ij^uja!uitm;f^'.^i!Ti»iimie_u-ihecl u.aws'jiLag ' " " UcScria*4irnc0 zze tzx&vih'izäizU Von unserem palästinensischen Korrespondenten. A.O. Jerusalem, 4. Februar 1C23. Dm Landeskomitee für Einwanderung (Waad HaarzJ L'inanc Olim) beim Wand Lcuml, das auf der letzten Alijah- Konferenz In Tel-Aulw gcwJhlt wurde, hat. auf verschiedenen v lenkten, seine Tätigkeit aufgenommen. Eine seiner Institutionen, die In d:r letzten Woche Ihre Arbeiten begonnen hat, verdient berondere Beachtung und — In weiterem Zusotnrncnhajitf — besondere Bewertung. DI: Untcrkoininiiision für die landwirtschaftliche Beratung und Installierung der Einwanderer hat ein Büro In Tel-Awlw eröffnet. Seine Aufgabe i»t. nach den kurzen Zeitungsnachrichten, die Information für diejenigen Olim, die sich landwirtschaftlich ansiedeln wollen. Die landwlrtschaftllchc Kommission und ihr Büro hat jedoch einen vH weiteren und umfassenderen Arbeitsplan, der von einer richtigen Erkenntnis der Lage aiutjeht, wenn aii.h die ScMumc, die daraus geo^n werden, nicht Immer ganz richtig sind,' r-ic Kommission nicht unter dorn Eindruck der Tatsache, daß die Immigranten der „vierten Alijah" zu einem großen, oder zum größten Teil In der Stadt bleiben uikI nicht zur landwirtschaftlichen Kolonisation gelangen oder auch nur tendieren; daß bei einer mangelnden sicheren WirtschifCjrund'.agc in der Stadt,* die Spekulation um sich greift und zu einer schweren Oefahr für alle zu werden d;o!it; diß schließlich infolgedessen iiiibedachtsaiuc uud unsystematische Bodenkäufe nicht nur in der Stadt, sondern auch In den Kolonien immer häufiger werden, und den Käufern ebenso wie der Allgemeinheit Schaden bringen. Angesichts dieser TaUivhcn steckt sich die Kommission die Aufgabe, eine Verbindung zwischen den verschiedenen EodcnkaufsgcsclUchaftcn herzustellen, um die Konkurrenz auszuschalten und ein gewiss« System In die Kaufbcwegurig hineinzubringen. Audi Vorschläge bodenrcformcrlschcr Färbung, von Verkäufen mit Hauvcrpflichtung Innerhalb einer bestimmten Frist, werden laut, ohne da^ sie bisher eine konkrete Form erhalten hätten. Die Kommission hat ferner richtig erkannt, daß versucht werden muß, den neuen Elnwandcrungsstrom auch in die Kolonien zu lenken, die bisher fast unberührt von ihm geblieben sind, und zu untersuchen, welche Punkte für Ansiedler aufnahmefähig smd. Sic hat dcshalh beschlossen, mit einer Propaganda für landwirtschaftliche Ansiedlung zu beginnen uud die Lage In den bestehenden Kolonien darauf zu untersuchen, Inwieweit sie für die Aufnahme neuer Familien in Betracht kommen. Sic will schließlich dem Siedler in den technischen Fragen des Bodenerwerbs und der Landwirtschaft Informatorische Hilfe leisten und behält sich ein Recht vor, die geeigneten Elemente zur Ansiedlung auszuwählen. Diese Tendenzen der Kommission entsprechen weitgehend den Bedürfnissen der Alijah. Ob sie dagegen dem Willen der Olim entsprechen, Ist eine andere Frage. Das Gros der neuen Einwanderer steht Organisatlousbcmühungen ziemlich verständnislos gegenüber. Es hat auch nicht die Tendenz zum Dorfe, zur Landwirtschaft, Es kann sie auch nur schwer haben, well die landwirtschaftliche Arbelt mit ihren Begleitumständen den wirtschaftlichen Tendenzen und Bcdürlnisscn und inr .allgemeinen den Ocwohnhcitcn widerspricht. Letzten Endes jedoch Ist Jeder einzelne palästinensiche Bauer einmal im Oaluth ganz etwa» anderes gewesen. . . Es Ist bereits mit der Exekutive und dem Nntlonalfonds wegen der Ansiedlung aus Kreisen der „Baale Mischpachah", der „Familienväter" verhandelt worden. Der Nationalfonds hat sich bereit erklärt, für 100 Familien Boden, eine halbe Stunde von Haifa entfernt, zur Verfügung zu stellen. Weiterhin wird über eine Fläche von 0—10 000 Dunam zwischen Tcl-Schamam und Afulc verhandelt. Der Nationalfonds hat eine Reihe von Bedingungen gestellt, die von wesentlicher Bedeutung sind. Unter anderem: Sclbstarbcit der Ansiedler, Beschäftigung jüdischer Arbeiter, Auswahl dtr Kandidaten durch den Nationalfonds, das Kolonisationsdcnartctncnt und die Einwandererkommission, Bereitstellung der Mittel für die 8* i« ts n >\ * UV er: ff,1 » 4 ki fi ut i Fi Si-'i (.-! U Revue Julvt t Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts, als die Ideo- , >-;ie der Assimilation ihre Herrschaft über das Judentum Ii '«rat, verlegte sich der Schwerpunkt des jüdischen Lebens |j dem Osten nach dem Westen. Es war Im Westen, daß 1 •* Assimilation ihre höchste Vollendung erreichte, so daß! der Entwicklung des Ostens als ein Vorbild dienen konnte, j Hii dem Wicdcrcrwachcn des jüdischen Bewußtseins, das sich Ii j.tru und am stärksten Im Osten kundgab, ruhte die Schwerifa!t des Judentums wieder Im östlichen Judentum und dieses! *]»dc Lehrer und Vorbild der Entwicklung Im Westen. Der I MCl!l(rieß hat in den Ländern des Ostens nicht nur die; 'anomische, sondern auch, wenigstens für eine Zeit, die '"tl5tiCc Lebenskraft der Juden gebrochen. Dafür finden!ir 1" den Ländern des Westens, in Italien, Amerika und funkreich, ein Wiedererwachen des jüdischen Bewußtseins, % wenn es auch erst In seinen Anfängen vorhanden ist, «moch darauf zu deuten scheint, daß diesen Teilen des «'sehen Volkes wieder eine aktivere und führende Rolle " <km geistigen Gesamtbild des Volkes zufallen wird. , Seit einigen Jahren hat das französische Judentum bedie Anfänge einer Bewegung gekannt, deren Wurzel ^ht so sehr In dem Anstoß des Antisemitismus zur Zeit der ^yfuß.Atfärc lag, als In einer Besinnung auf die geistigen «satnmenhänge ihrer Existenz bei einigen Intellektuellen, ~e "nter dem Einflüsse de» großen Franzosen Charles Pcguy :än<1cn. So klein der Kreis war, entwickelte sich doch ein >"« Milieu, dem wir den besten jüdischen Roman der ^Cenwart, Jean Richard Blochs „et Clc." und den stärksten L'. cn Achter in europäischer Sprache, Andre1 Spirc, versv^'c" ,n al,en <licscn Erscheinungen lag eine Lebenskraft \.f frische, die verblüfften und die sonst fn der jüdischen '»attir In den europäischen Sprachen nicht anzutreffen ]"cn- Unsere jüdischen Lyriker sind oft In ihrer frühen ' „cnd bereits In vollster Entfaltung und kennen keine Zeit ., 5 S'mmlung und Reife. Sic geben Ihre schönslen Werke 1: ,., *wanrig Jahren und haben zehn Jahre später bereits ihr «; ^""^idendes Wort gesagt. Andre" Splre schenkt uns mit j jJ""? Jahren Gedichte, die reifer, aber auch lebensvoller sind l iädi'u"6 JuEcndgcdlchte. Mit diesem Wiedererwachen des i'deV'v» n B«wuß««cins ging auch «In wachsendes Interesse;. " NichtJuden an dem Jüdischen Problem Hand in Hand, So erscheint es nicht unnatürlich, daß ru einer Zeit, wo die Zahl der hebräischen Revuen außerordentlich gering Ist und die repräsentative' Zeitschrift des deutschen Judentums „Der Jude" In seiner Existenz bedroht Ist, in Paris eine jüdische Revue großen Stils „La Revue Julve" unter Leitung Albert Cohens, des Autors der Ocdichtc „Parolcs Juivei" im vornehmsten französischen Verlag, Im Verlag der Nouvelle Revue Francalse, erscheint Die erste Nummer dieser Revue Ist ein Beginn und ein Wagnis. In ihr sind große Möglichkeiten für die Zukunft eingeschlossen. Sie wird ohne Zweifel einen tiefen Einfluß nicht nur auf das Judentum ausüben, soweit es französisch liest, und das heißt weit über die Grenzen Frankreichs hinaus, sondern auch auf die Intelligenz des französischen Volkes. Aber die Revue Juive will von Anfang an Ober den französischen Umkreis hinaus. Sic nennt sidi eine Internationale Revue, in dem Sinne, daß für sie es die Qrcnzen des Landes und der Sprache nicht gibt. Das Rcdaktionskomltcc mag In seiner Zusammensetzung snobistisch erscheinen, aber gerade dieses Zusammenwirken großer Namen an der Spitze einer jüdischen Revue gibt ihr nicht nur von vornherein in jeucn französischen Kreisen, wo dies nötig Ist, Ochung, sondern es wirkt auch als eine Solidaritätserklärung mit den Zielen der Zeitschrift und mit der Bewegung der jüdischen Renaissance. Dem Komitee gehören an: Georg Brandes, Albert Einstein, Stegmund Freud, Chalm Wciztnann, die der Revue ihr internationales Oepräge sichern, und von Franzosen Leon Zadoc-Kahn, der Sohn des verstorbenen Grofirabbiners von Frankreich und Präsident des französischen Kcrcn-Hajcssod- Komitees, und der Nichtjudc Charles Oldc, der berühmte Nationalökonom der Pariser Universität. Vielleicht fehlen da einige Namen, die man in diesem Zusammenhange gern gesehen hätte und deren Beziehung zu einer jüdischen Zeitschrift unanfechtbarer wäre: Andre" Spirc, Israel Zan^will, Bialik, Martin Bubcr. Schön uud gewichiig ist die Erklärung, mit der Albert Cohen die Zeitschrift einleitet Es heißt dort: „Die ,Rcvue Juive* ist von Männern gegründet, die sich bewußt sind, einer lebenden Rasse anzugehören, deren geistiges Werk noch nicht vollendet ist die eine Aufgabe zu erfüllen hat und daran arbeiten muß, sie zu erkennen. . . . Man muß wisse», warum man kämpft. Man muß wissen, worauf man stolz ist- Für die Menschen unserer Rasse wird die .Revue Juive' die Gelegenheit sein, ihr Bewußtsein von sich selbst wiederzugewinnen; für alle freien Geister wird sie die Möglichkeit sein, die Seele Israels kennen zu lernen.... AU das Organ der Renaissance Israels wird die ,Rcvuc Juive* die Aufgabe haben, aufmerksam die Leistungen der zionistischen Bewegung zu verfolgen. Nur so wird sie nicht bloß die Revue der Zerstreuung und der Gegenwart sein. . . . Eine Internationale Revue, weil sie das Bindeglied der Juden aller Länder sein will. Eine Internationale Revue, weil sie die Möglichkeit der Aussprache zwischen Menschen verschiedener Rasse und Religion bieten will." Der übrige Inhalt scheint uns glücklich Rcwählt das Interesse des französischen Lesers zu wecken. Große Namen der französischen Literatur sind hier vertreten. Die nichtjüdischen Verfasser der zwei jüdischen Romane, die in der letzten Zelt In Frankreich du größte Aufsehen erregt haben, Jaqucs de Lacreteile, der Autor der auch Ins Deutsche und Englische übersetzten Novelle „Silbermani\" und Pierre Bcnoit, dessen letzter Roman In Palästina spielt, sprechen über diese Werke, und es ist vor allem Lacrctelle, der vieles Interessante zu sagen weiß. Aber der Inhalt der ersten Nummer Ist verhältnismäßig arm an jüdischen Werten. Vielleicht konnte dies nicht anders sein. Die Revue muß sich erst Eingang verschaffen bei dem Publikum, für das sie bestimmt ist. Dann erst wird sie an die schwierige und systematische Aufgabe der Erziehung dieses Publikums herantreten können. Die wertvollsten Beiträge in der ersten Nummer stammen von Pierre Hamp, vielleicht dem mcnschliclulcn unter den lebenden französischen Schriftstellern, einem Nlchtjudcn, der der Dichter der Arbeit geworden ist und von Andre Spirc, der den ersten Teil einer Studie über den früh verstorbenen jüdischen Dichter Henry Franck veröffentlicht. Aber die erste Nummer Ist nur ein Beginn. Man fühlt in ihr einen lebendigen Elan, der vorwärts drängt. Sie gibt heute nur einen Ausschnitt jüdischen Lebens. Für viele wird es interessant sein, diesen Ausschnitt kennen zu lernen, der hier zum erstenmal sein Organ findet das die Stimme eines Teiles des Judentums, die bisher wenig gehört wurde, in den allgemeinen Chorus des so vielsprachigen Volkes einmünden läßt Aber In dieser Revue lebt der Wille, Ausdruck der Totalität des jüdischen Lebens ru werden. Haas Kohtu

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