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Jüdische Rundschau · 1925-02-10 · Heft 12 (10.2.1925) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 12 (10.2.1925)
Date
1925-02-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 112 IUEDISCHE RUNDSCHAU der landwirtschaftlichen Produktion und der Arbdtcrslcdhingen. Sic hat In dieser ihrer Tätigkeit zur wirtschaftlicher» Fundlcrung und Vergrößerung gewisser Wirtschaftszweige, vor allem der Milchwirtschaft, wesentlich beigetragen. Sio begleitete die neue Alijah bei all den neuen Wegen ihrer Arbeit, richtete an allen neuen Arbeitsorten zeitweilige oder. feste Filialen ein und organisierte Ihren gesamten Konsum. Ihr Umsatz betrug Im Jahre 1023 zirka 110000 S.V., der Urullogcwhwi 10076 £11. Dabei arbeitete sie mit dem sehr gering«! Betriebskapital von 7-100 £E, das zur Hälfte auf» Aktienkapital und zur Hälfte aus dem Reservefonds besteht. Die Konsumgenossenschaft hat ein Netz von 12 Filialen im ganton Lande, sowie acht selbständige wirtschaftliche Unternehmungen, wie Milchwirtschaften, Bäckereien und Arbeiterkfichtn. «, Ah In den ersten Monaten des Jahres 1020 die „drittel Alijah" einsetzte und Woche für Woche die Schiffe I hinderte von jungen Menschen brachten, die da kamen voll Tatendrang und Arbeitslust, um ihren Zionismus zu verwirklichen, da stand ihr keinerlei lirfahrung zur Seite. Die Zionistische Organisation empfing sie nicht mit mächtigen nationalen Mitteln, noch mit einem ausgearbeiteten breiten Kolonisation»- plan. Mit ungeheuren kooperativen Anstrengungen, derengleichen keine Lohnarbeiterbewegung kennt, eroberte der eingewanderte Arbeiter neue jüdische Arbeitswege im Lande. Die organisierte Arbeiterschaft hatte den Mut, die von der palästinensischen Regierung übernommenen großen Straßenhauten Tlbcrias-Zemach, Afuleh-Nararcth, und Halfa-Djcdda unter eigener Verantwortung zu organisieren und zu leite» und schuf zu diesem Zwecke den Misrad Laawodoth Ziburioth (Amt für öffentliche Arbeiten und Bauten). Diese Kooperative Unternehmung der Arbeiterschaft, seit der von der Regierung erfolgten Registrierung genannt! Solclbonch, Jewish Workcrs Cooperative Association for Public Works, Building and M a n u f a c t u rc, Ltd., hat im Laufe der letzten vier Jahre der neuen AHjah (bis zum Deginn der Tätigkeit von Solclbonch)* Bauarbeiten im Betrage von »AMill. JiE, davon mehr als >A Mill. C Arbeiten der Regierung zur Ausführung gebracht. Sic hat in ihren Arbeiten 4000 Arbeiter ausgebildet, von denen un^cf.'ifir die Hälfte in ihren Arbeiten beschäftigt sind und die andere Hälfte das Element der neuen landwirtschaftlichen Absiedlung bildet. Der selbständige verantwortliche Arbeiter war es, der In die „Baubewcgiing" in Palästina den Seger. der jüdischen Arbeit brachte, in die Facharbeit und in die Einfache, und er war es, der die Ehre und das nationale Oesvicht «lieser allgemeinen kolonisatorischen Tat rettete, die die letzten vier Jahre — außer der landwirtschaftlichen Anslcdhrng — ausfüllte. Liegt doch die Schönheit der neuen jüdischen Stadtviertel in der jüdischen Hand, die sie erbaute I Nirgends In der Welt gibt es jüdische Landstraßen, viele Kilometer lange gut geschotterte Chausseen und In den Städten moderne neue Betonstraßen, von jüdischen I landen ganz und gar erbaut. Ocwältige Anstrengungen waren nötig, Anstrengungen der Verantwortlichkeit und des genossenschaftlichen Leiden«-, um das Baufach In all seinem Uistiplincn zu einem Stützpunkt der neuen Kolonisation zu machen. Die Baukooperative hat unermüdlich ein Arbeitsgebiet nach dem r-nderen jüdischen Händen erobert. Und Nische* Bauen hieß: Jüdi.-<hes Graben, jüdische* Wegebahnen, indische Drainage, jüdischer Hauserbau vom Fundament bis 'um Dachfirst, Jüdische Lastenbeförderung durch Kamele oder Esel, jüdisches Stcinbrcche-n, jüdische* Steinbchauen. | Die Eroberung der Stcinarbclten für jüdische Arbeiter Ist , ein besonderes Kapitel in der Geschichte der jüdischen Ari heit im Lande. Angefangen mit dem Arbeiter-Sanatorium in - Moia bis zum Chemischen Institut der Hebräischen Universität auf dem Oclberge werden heute schon sämtliche Bauten von; Solclbonch aus jüdischem Stein erbaut. Au» der Slclnwüste ' «m Jerusalem brechen jüdische Hände einen Stein, der poliert % als Marmor auch für den Export dienen wird. Durch die Ausstellungen In W c m b I e y, O e n t und A m s t e rd a m hat - dieser Marmor auch In Fachkreisen Anklang gefunden und er ■ ^.ir<1, Zeugnis ablegen von der unermüdlichen Tätigkeit unserer ' Pioniere im La-ide, in ihrer Eroberung immer neuer Arbeits- Ccbic«c _ Ousta Strumpf. ' Die Abtellnoo fflr Inslroktlon der Versuchsstation. : Von unserem palästinensischen Korrespondenten. * A.O, Jerusalem, 25. Januar. Im Oktober vorigen Jahres richtete die Versuchsstation i «er zionistischen Exekutive In Tel-Awlw eine Abteilung für Instruktion ein. Ihre Aufgabe ist es, die Resultate der verschiedenen Departements der Station den landwirtschaftlichen uclriclicn zugänglich zu machen und den Landwirt in den r»Ren seines Faches zu beraten und anzuleiten. t Die lnr.truktionsabtcilung hat In drei Monaten seit Beginn wer Arbeit die Verbindung mit den verschiedenen Betrieben, ««« Bauern in den Kolonien, den Kwuzoth und Moschawim ju.Benommen. Von der pathologischen Abteilung sind eine ««"c von Pllanzcrikrankhcitcii und Schädlingen festgestellt, , «efiniert und die Mittel zur Heilung bestimmt worden. Die; Kriterien der Krankheiten und die Helhingsmcthodcn werden v"n der Iiistruktionsableihmg den Wirtschaften durch De- ''lonstrailoricu und Erläuterungen zwgiimUch gemacht. Aus ■■ °« Zucht der Station sind im letzten Vierteljahre über 1000 kg scicktionlcrtc Samen von Getreide und Futter an fast alle : »l«ultinRspunktc verteilt worden. Dieses Landgut soll als . Grundstock für die Zucht der Betriebe dienen. Die Beratung der Betriebe In allen Fragen, die eine .- grillig verlangen, wird schriftlich und mündlich durchgeführt. h /'n'cmci1 Siedlungen werden regelmäßig besucht, schwe- .-£ ^'!ac fragen der Station zur Untersuchung und Klärung ",/*">*••» 1« gemeinsamen Beratungen mit den Siedlern '> „ . Im Emck von Nahalal bis Kincrcth arbeitet ein . Besonderer Instruktor fflr Geflügelzucht, der die Hühner- ■ •-. t und Ihre Einrichtung überwacht und Anleitungen zur . 'ucl|l ßibt. Weiterhin dienen der Aufklärung und Beratung Vortrüge, aVi ,.0n Vertc,,l<u"c»cn Fachleuten gehalten werden. In den ^«'«•itcrlnncnfarmcn von Nachtath Jchudah, Pctach-Tlkwah und wuiunatli Borochow werden Kurse von zwei Monaten in «'»"*• und Landwirtschaft abgehalten. Das Laboratorium der . a.auon liefert die Bodcnuiitcrsiuhungcn für die verschiedenen •'„ ,s,.i, und üb«8ibt d'e Resultate durch.die Instruktionv im.. dle ,uf dIe*er OmndUge den Landwirt über die v, Wehten und MögUcbkciten des Anbaus beraten kann. Schließlich spielen die Publikationen der Station eine wichtige Rolle in der Instruktiven Arbeit. Es sind bis Jetzt Flugblätter über chemische Düngung, über die Fäulnis de» Tabaks und über Kohlläuse erschienen. Außerdem sind zu nennen die populär gehaltenen Broschüren über die Obstfliege des Mittclmecrc», die Desinfektion des Tabaksamens und Anleitungen /um Getreide-, Gemüse» und Tabakbau. Spczlalhefte über die Krankheiten des Tabaks, über die Trocknung der Orangenbäume usw. sind In Vorbereitung. Die Arbeit der Inslriiktionsabtcilunrr wird viel da/u beitragen, die Verbindung zwischen der Station und den Betrieben zu stärken. Das Ist um so wesentlicher, als die Station, die erst seit wenigen Jahren besteht, unter einem kontinuierlichen Druck der Öffentlichkeit und vor allem eine« Teiles der Presse steht, die den Charakter der praktischen Forschungsarbeit völlig verkennt, und nicht damit rechnen will, daß in Palästina die Voraussetzungen für exakte Resultate zum Teil erst mühsam geschaffen werden müssen*). Dabei sollte doch klar sein, daß, wenn wir unter den schwierigen objektiven Prodtiktionsbcdingnngcn der Jüdischen Kolonisation dem Druck der Weltmarktkonkurrcnz auf der einen Seite und dein der billigen arabischen Konkurrenz auf dem Inlandmarkt standhalten sollen, wir jeden, auch den kleinsten Vorteil, den wir aus einer überlegenen wissenschaftlichen Bctrlcbsfflhriing und einer cludrliigcudercn Analyse ziehen können, wahrzunehmen haben. Eugenik-Experiment Dr. Israel S. Wechsler, ein berühmter New Yorker Arzt, der Sekretär des Komitees amerikanischer jüdischer Acrzte, besuchte Palästina im vergangenen Jahre, um die letzten Vorbereitungen zur Eröffnung der blo-chemlschcit Abteilung der Hebräischen Universität zu treffen. Den stärkster» Eindruck fn Palästina hatle Dr. Wechsler von den C h a I u z f m. worüber er in Nr. 22 der Zeilschrift „Ylic New Paicsllnc" berichtet. Er laßt sich aber nicht In Lobpreisungen aus. sondern er erörtert das Problem der Schaffung eines neuen Menschen in Palästina als Expcrimcntder Rassenvcrcdelungst h c o r i c, das, wie er sagt, anstatt lu einem Laboratorium mit Pinzetten und Kaninchen, mit lebendigen Menschen in einer Gemeinschaft vor sich geht. Dieses Problem ist die Verpflanzung eines intellektuellen Städlers aufs Land, die bislang immer negativ ausgefallen ist, und die Vcrcini^unr» alter Weisheit und aller Tradition mit der Landwirtschaft, dieser Grundlage der jüdischen Gemeinschaft. Es ist eine feststehende Tatsache, sagt Wechsler, daß die Hauern, infolge der Gleichförmig* keit Ihrer Arbeit und durch die Beschränkung In jeder Richtung hin, einen begrenzten Horizont haben. In letzter Zelt ist allgemein eine Einwanderung der Bauern in die Städte zu bemerken gewesen, In Fabrik-, Handels- und gewerbliche Berufe. Bei den Juden hat die Flucht vom Lande schon vor 2000 Jahren eingesetzt. Als Wandcrvolk hatten die Juden praktisch Keinen ftaucrnslnnd, Jetzt sind wir in Palästina Zeugen einer Umkeliniiig des Waiidcrcrpronsscs. Und zwar Ist dies kein iiifällicrci Geschehen, sondern eine überzeugte Rüfkkchr zum Hoden. Ein neuer Typus ist Im Entstehen, ein edler und wohlgcbildcter, der sich der harten Wirklichkeit zum Kampf entgegenstellt. Der Typ, der vor Jahrhunderten zu existieren aufgehört hat, wird jetzt, einem Phönix gleich, aus seiner Asche wiedererstehen. Wohlgemcrkt, es ist kein Verschmelzen eines liöhcrn, geistigen Typus mit einer niederen, nur körperlichen Art, sondern das Verpflanzen der höheren Art In ein Medium, dal der niederen mehr gemäß wäre. Nun ist die Frage, was für eine Art Bauer wird das Produkt sein? — Jedenfalls eine Art, die noch nirgends aufder Erde vorhanden ist. Menschen, getränkt mit ältester Kultur und durchdrungen von westlicher Zivilisation, die niedrigsten Arbeiten des Alltags verrichtend. Am Tage schwer arbeitend, mit schwieligen Händen und verwitterten Gesichtern, folgen sie des Abends und am Sabbat dem Flug der Künstler, Philosophen und Staatsmänner, der sie der Erde entrückt. Diese Krcurung zwischen jüdischer Kultur und mechanischer Zivilisation scheint den Wert, den sie In sich birgt, zu kennen. Sie muH erhalten bleiben und der Nachwelt überliefert werden. Und daran zu arbeiten, hat nicht nur der Chatuz, sondern vor allem auch die Chaluza Anteil, Ihre Aufgabe ist neu und nicht minder groß. Und sie erfüllt sie; „ein wundervoller Typus einer Frau geht nach den Kolonien". Die Kinder solcher jüdischen Bauern müssen dem hohen Typus trci« bleiben, um am Werk Ihrer Eltern weiterzuarbeiten, Der Glaube an jüdische Kultur und die Liebe zum heiligen Lande verbürgen im übrigen das Oclingcn dieses Experimentes der Verjüngung in der Geschichte. Ka. U. Das zionistische Leben In Halten In einem Briefe eines In Italien lebenden Freundes unsere» Blattes heißt e.s u. a.: „Es wird für die jüdische OcffcutllchkeJt nicht ohne Interesse sein, daß auch hier fn Italien jüdisches Leben zu pulsieren bcRinuL Nicht nur bloßer Imitation bzw. Kuriosität ist dies zu verdanken, sondern vor allem dem Zustrom fremdländischer, zum Teil national-oricnlicrtcr Juden, nicht zuletzt aber auch der sich in geistig regeren Schichten vollziehenden Gärung, die viele, besonders Jugendliche, zu ganz bedeutenden Wandlungen treibt. Auch äußerlich läßt sich das zunehmende Interesse an jüdischen Dingen an vielen charakteristischen Erscheinungen erkennen, die natürlich denselben Verlaul nehmen, wie immer und überall: Gruppen- und Ver» clnsbilduug. Diskussionen und — neben sehr vielen Worten — auch praktische Arbeit, Bei alledem spielen gewohntmveisc die ostjfldisch.cn Studenten eine eminente — wo nicht führende ~ Rolle, wobei es ihnen in vielen r'&ltcn gtmngcn Ist, den nUhcrp.cbtachkn Oegensatz zu der einheimischen Judenschaft glücklich zu überbrücken. Durch diese Zusammenarbeit war es möglich, verschiedene Institutionen akademischer sowie nichtakademischer Färbung ins Leben zu rufen und ihre Leistungen auf einen „normalen" Wirkungsgrad zu bringen. AI« die JllngHtc Organisallon dieser Art darf die „V c rc i u f gu n g Jüdischer Studenten In Ma 1 fand*' genannt werden, deren Tätigkeit, trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens, bereits fühlbare und befruchtende Resultate gezeitigt hat. Auf einzelnes einzugehen, wird es noch sicherlich Anlaß geben." Ein Warschauer Jude Professor fn Rom. Aus Rom trifft die Nachricht ein. daß der aus Warschau stammende 25 Jahre alte Oclchrte Schalem Mandelbrot zum Profcssor der Mathematik an der Universität Rom ernannt worden ist. Mamlclbrot hat schon als Kind ein staunenswertes Talent für Mathematik bewiesen. Im Jahre 1020 beendete er seine Studien nn der Warschauer Universität und ging nach Rom, wo er sich bald als Mathematiker einen Namen machte. •)Erst in jüngster Zeit hat die Wo;henschrlft „Hajlschuw" in Tel-Awiw die Leitung der Versuchsballon in einer Serie Von etwa 6 Artikeln angegriffen (wegen Entlassung eines Beamten, wegen „Dcfizitwlrtschafl" usw). — Ad. R. Vorlflnllflc Bemerkung Die C.-V.-Zcltung vom 5. Fcfcruar beschäftigt sich mit dem Ergebnis der Wahlen zum preußischen Landesverband und stellt eine entscheidende Niederlage der Zionistcn kn Dagegen läßt sich nichts sagen, da bekanntlich sich auch d:« Mischnah gefallen lassen muß, nach dem Beheben des betreffenden Exegcten kommentiert zu werden. Die C.-V.. Zeitung schreibt aber auch wie folgt: „Heber die überaus traurigen Erscheinungen im Waid, kämpfe, die möglicherweise zu einer Anfechtung der Wai,i In einzelnen Kreisen führen werden, wird noch geschrieben1 werden. Heute können wir schon sagen, daß es der ii>. nlsilschon Parteileitung trotz ihres besten Willens nicht gelungen Ist, jugendliche Teile ostjüdlscber Elemente im Zaum zu halten, die mit bolschewistischen Mt. thoden und vielleicht In Rußland üblichen Formen (von uns gesperrt, Red.) einen Terror aufm, richten versuchen, der jeder Beschreibung und jedem Anstand spottet. Dledeutschcn Zlonistcu werden sich wohl vor die Frage gestellt sehen, ob sie diesen Elementen in Laufe der Zeit überhaupt noch etwas zu sagen haben werden. Hier gilt das Wort: ,Bci dem Ersten seid Ihr frei, beim Zweiten seid Ihr Knechte.' Als sie um die Seele d.cscr Leute warben, haben sie sich der Psvcholoj-i«, dieser zum Teil auf recht niedrigem Kul. turnlvcau stehenden Elemente angepaßt, (Von uns gesperrt, Red.) Deshalb dürfen sie sich jetzt nicht wundem, wenn ihnen die Zügel entgleiten." Ich hätte ea nicht für möglich gehalten, daß der C.-V., bei dem Ich stets (trotz einzelner Vorkommnisse wie seinerzeit in München) vorausgesetzt habe, daß er sich ängstlich wir« Methoden i la Naumann fernzuhalten wünscht, In den Ton des dümmsten Nationalsozialisten verfallen könnte. Denn van soll die Anrufung des Bol«chcwistenschrccks? Will man dc,- deutschen Jndcnhelt das Gruseln beibringen? Ist tatsächlich das ostiftdischc Element der Inbegriff der schwersten Ocfährdung der crbcingcscssencn preußischen Juden? Wann undwo haben jugendliche ostjiidischc Elemente gegenüber deutschen Juden einen Terror zur Anwendung gebracht, dec „jeder Beschreibung und jedem Anstand spottet?" Spielt etwa die C.-V.-Zcitung auf jene Versammlung an, In der ein C.-V.-Rcdner in seiner Rede über die Jüdischen Landesverbandswahlen von den osljüdischcn F r c m d cn sprach oder von der zweiten Versammlung. In der die C.-V.-Vcranstalter tlberflüsslgerwcisc die Schupo herbeiholten? Lag etwa in der von dem C.-V. veranlaßtcn Feststellung von ostjüdischen Versammlungsteilnehmern durch die Schupo ein Terror der 0>tjuden? Und wenn sich auch In Wahlversammlungen anwesende jüngere Elemente temperamentvoller zu benehmen pflegen als ältere Besucher, so ist das in der Jugcndlichke.t dieser Teilnehmer und nicht in ihrer Herkunft gelegen. Ich bin überzeugt, daß sich auch wcstjüdlschc junge Leute im Vcrü.imtnlungcH lärmender benehmen würden als Vorstandsmitglieder des C.-V., sofern es dem C.-V. gelingen sollte, das jüdische Interesse der ihm nahestehenden jungen Juden soweit zu steuern, daß diese sich veranlaßt scheu, indische Versammlungen fleißiger und In größerer Zahl zu besuchen. Ich halte es für eine ScJiädigung des Ansehens) der gesamten deutschen Judenhcit, wenn man nach den Wahlen derartige dcnunziatorlsche Wendungen gegen Qemeinschaltiangehfirige — die Ostjuden sind in der Gemeinschaft des Landesverbandes eingeschlossen — gebraucht Die gegen die deutschen Zionlstcn gerichtete Behauptung, d»ß sie sieh der „Psychologie dieser zum Teile auf recht niedrigem Kultumlvcau 6tchcndcn Pementc" anpassen, ist eine unangebrachte Besorgnis um das zionistische Seelenheil. Das niedrige Ku lturnivcau (was versteht der C.-V. unter Kultur?) der ooljüdlschen Jugend wäre noch zu beweisen, was hinsichtlich des Kultnruivcaus der C.-V.-Kampfesmctliodcn uberflüssig Ist. Denn die Knlturtlcfe der Ocslnnung, die derartige Methoden ermöglicht, geht aus dem von mir angeführten Passus des Artikels der C.-V.-Zcitung zur Evidenz herre>r. Min kann nämlich europäisch-glatte Umgangsformen haben und genau wissen, wann man Frack und wann mau Smoking zu tragen hat, und doch keine Innere Kultur haben. Jedenfalls kein auf jalirtauscndaltcr Jüdischer Tradition fußendes inneres Kiilttiremplinden. M. Wald mann. , Duhnow und Wlnnwcr für Jcwtsh Agency. In dem demnächst erscheinenden, von Dr. M. Hindcs redigierten russischen zionistischen Sammclbuch „Swcrschcnic" (D.is Werden) nehmen zwei führende Männer der russischen Judenhcit, der jüdische Historiker und Begründer der national-demokratischen „Jüdischen Volksnartci1' (FolMslcn), Prof. S. Dubnow, und der einstige Fünrer des jüdischen Liberalismus in Rußland, Rechtsanwalt M. WInawer, zu der Frage dir lewish Agcncy Stellung und befürworten mit Nachdruck die Einheitsfront der Juden Im Aufbau Palästinas. Prof. Dub now schreibt: „Die tiefe Tragödie der gegenwärtigen Epoche bestellt darin, daß hinter dem Recht aut das „nationale t leim" in Palästina ein so kleiner Bruchteil steht, wie die jüdische Bevölkerung, die ein Sechstel der Gesamtbevölkernd? bildet. Alles, was diesen Bruchteil Irgendwie vergrößern kann, Ist gut. . . . Seit einem Viertel Jahrhundert nronaglcrc Ich den Gedanken, daß der Zionismus keine Partei-, sondern eine Volkasachc oder ein Teil der jüdischen R c u a f ssa ucc In allen Ländern «ein muß. Jetzt hat dies auch das Leben bewiesen, und die Stimme des Lebens muß befolgt werden." Rechtsanwalt Wfnawcr führt aus: „Palästina bt dem Judentum, dem gesamten Judentum gegeben worden. Die Gabe muß mit würde empfangen werden. Die Würde fordert Einmütigkeit. Sie fordert die Anstrengung alles Kräfte, damit der Teil der Judenhcit, der den Wun«rh he«t, In einem selbständigen Staatswesen zu leben, die volle Möglichkeit erhallen soll, dort — In der (wenn auch inclii für mich einzig möglichen) Umgebung — seine Kristinen Kräfte und staatlichen Fähigkeiten zu entfalten. Wir, die Nichtzlonlstcn, sind uns dessen bewußt, daß wir die Verantwortung für das würdige Einziehen unserer Brüder auf die neue Scholle tragen. Wir werden freilich auch künftighin mit den Zlonisten In den weiteren Perspektiven verschiedener Meinung sein. Wir halten es aber für unsere Pflicht, bei dem Wisdcrntifbau Palästinas als eines jüdischen Zentrums, Arm in Arm mit den Zlonistcu — In dem Rahmen des Möglichen — zusammenzuarbeiten.14 Jiddisch nts Gcschüftssnrachc, Dieser Tage wurde In Lemberg die gemeinsame Konferenz der polnischen, ukrai rjIschen und Jüdischen Gewerkschaften 0»tgallz!cns cn ni^* u D^c,r0,!'erenx beschloß, daß die drei Landessprachen JuinlKhV Ruthcnlsch und 11 d d 1 c h als die otlizicllcn Sprachen der Konferenz zu gelten haben.

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