Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1925)
- Date
- 1925-02-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Li Kr. I* IUÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 100 Polnischer Brief (Von unserem Korrespondenten.) ' Warschau, den 3. Februar 1925. pcr jüdische Sejmklub hat In den letzten Tagen von ,Reihe christlicher Mandclsvcrcine Zuschriften er* |,en In denen die jadischen Vertreter erdacht werden, L Verordnung; des Staatspräsidenten bezüglich der Revision f. Staalskorucsslonen energisch zu beklmpfen. * i^-c christlichen HandeUvcreine weisen darauf hin, daß ,, Revision der Staatskonzessionen einen VorstoO {fegen tt Konstitution bedeutet und die Existenz nicht nur aditchcr, sondern auch polnischer Händler untergrabe. ' AU Kurlosuro sei vermerkt, daß selbst die antisemitischen posener Händler keinen Anstand genommen haben, sich an jjea jadischen Sejmklub zu wenden. * Das „Lemberger Tagblatt" gibt «In Oesprich ^„ts Vertreters mit dem Lcmbcrger Wojcwoden Dr. Oara- 'ich wieder, der sich in Sachen der gallischen Oemelnj4n t die ziirrcit von Rcglcrungskommissarcn verwaltet werm wie folgt äußerte: „Sicherlich ist Ihnen das letzte Reskript des Bildung* Bisters bekannt, nach welchem die ncugcwählten Gcmclndeurwillungc« Ihre Funktionen übernehmen sollen, unabhlngig ,0l der Ertrdlgtuig der eingelaufenen Protease. Ich werde r;di strikte an die herausgegebenen Verordnungen halten und dllr lorgen, daO in den nächsten Tagen den ueugswähltcn ütmclndcrittn die Verwaltung d«r Jüdischen Angelegenheiten iibtrpcbcn wird." Zu dem Verbote dar Jiddischen Spracht auf {({(oilielicn Versammlungen In Ostgalltien tagte der Woje« iodt: „Sic dürfen nicht übersehen, daß In Klein polen noch gc alten österreichischen Octctzc bestehen, die die fische Sprache nicht anerkennen. So lange kein neues Qesetz :t/!uskommt, Laßt sieh dagegen nichts machen. Eine spezielle [uferenz der Behörden, die diese Frage behandelte, hat sich ist denselben Standpunkt gestellt. Es bleibt nichts anderes iifijj, als das neue Oesetz abzuwarten. .Sein Verhalten zum Jüdischen Schulwesen prSilslerte r wojewode folgendermaßen: „Mein Standpunkt ist der eines jeden Beamten der polstehen Republik. Die Juden müssen, insofern sie loyal sind, gelben Rechte wie die übrigen polnischen Börger genleOen. Pitt bezieht sich ebenso aul das Schulwesen, auf welches £t Juden alles Anrecht haben." rcjmabgeorcTneter Frostig iuBerte sich In einem J m üampf e gegen die Orabskl-Reglerung" betitelten Artikel folgendermaßen: „Für uns Juden ist der Weg klar. Viele polnische Zeitungen schreiben, daß die neue Witos-Korfaoty- «embiuatlon auch von den Juden unterstützt werden v.rdc. Wir können versichern, daß alle diese OerQchte »wahr sind und daß der jüdische Sejmklub nicht du gc- •~ste Interesse daran hat, Im Sejm und In der Regierung tiae neue Wllos-national-demokraüsche Majoritit zu schalfen. Wihr Ist vielmehr, daß wir als Vertreter der Jüdischen Besserung das gTÖfite Interesse haben, daß die jetzige OrabsU- Gerung nach allem, was sie gegen Juden getan, von der Oberfläche des polnischen Lebens schnellstens vericliwlndet." Zo dei Exzessen In Lodz Von unserem Korrespondenten. i i—y Lodz, 3. Februar 1925. ■> Das Rcglcrungskommissarlat zu Lodz veröffentlichte ein t'liiitllcs Kommunique, in dem die Lodzer Ocschehnlsse a sehr -milder Form geschildert werden und gleichzeitig >-5c«igt wird, daß der „Expreß Wicczorny" (ein jüdisch- •ictites Blatt) zur gerichtlichen Verantwortung gezogen wird, .»eil es die Geschehnisse In der Altstadt nicht im Einklang ait den Tatsachen dargestellt hat". Als Antwort hierauf brachte gestern die „Rcspublika"!u im selben Verlage wie das obengenannte Blatt erscheint) fitn mit großen Lettern übcrschricbcnen Artikel: „Und. "otzdem war cn Exzesse", fai dem die Geschehnisse "i 2, Februar ausführlich beleuchtet werden und das Regio- ^•Kommissariat für das obenerwähnte Kommunique stark •griffen wird. Zu den Oeschchnlssen selbst schreibt Sejmabgeordnetcr c'. Rosenblatt Im „Lodzer Tageblatt": ..... So war es auch In Lodz, wo der Pöbel einige Stun- »" gewütet hat, bis es der Polizei gelang, die Exzesse zu «Mmpfen. Schreiber diese» hatte Gelegenheit, die Oesclich- ' "e an Ort und Stelle zu beobachten und sich zu überzeugen, <l& Ehrend einige PolUeibcamtc U>re P.'llcht erfüllt haben N das ReglertmgskommlMarlat alle nötigen Verordnungen "läMcn hatte, um die gleiche Zeit der 3. Pollzelbezlrk nicht [f der nötigen Höhe war und mit seinem unentschlossenen •'»«dein dazu beigetragen hat, daß sich die Exzesse länger Otogen," . Öas „NaJe Volksblatt" schreibt: „Die Lodzer Polizei "! alles, um die Exzesse zu bekämpfen. Sie hat das Blut- ^'Kletten verhindert, weshalb Ihr die jüdische Bevölkerung I' Dank verpflichtet Ist. Weshalb war es aber flötig, die ,nh« «> darzustellen, als ob die Exzesse keine Exzesse f*utn sind, sondern bloß Ausschreitungen von einigen ™m Leuten und Betrunkenen?" wie soeben verlautet, hat das Rcglcnmgskommlssariat f!1 Lodz nunmehr auch den Redakteur des „RcspubUka" zur «'fichtlichen Verantwortung gezogen. Die Stelger-ABIre . ^»rschau. (JT-A.) Der Klub der jüdischen Dcpu ""Jn brachti - - . -...... ««Iii ■•«mi orachtc Im polnischen Sejm eine Interpellation «er Angelegenheit der in Lemberg vorgenommenen Verdungen angesehener jüdischer Bürger In Verbindung mit J«! Proze8 Steiger ein. Auch die Beschlagnahme der In ^Biberg erscheinenden Jüdischen Tageszeitungen „Lember* f' Togblau« Oldisch), „Chwila" (polnisch), bildet den Ge* instand einer Ai frage Im Sejm. M Die Verteidigung der verhafteten Juden Glasermann, b,,81»'Jltrer und Kornhaber haben die Jüdischen £umentarler Dep, Reich und Senator Wurxel, sowie , D*ttner übernommen. Die letzten »tljadlschtB Exzesse Ii Pole» Warschau. (J.T.A.) Es stellt sich Jetzt heraus, daß am vergangenen Montag nicht allein In Warschau um* ''» Lodz, sondern In einer ganzen Reihe Städte In Polen usgedchnte antijikfischc Ex/cr.sc stattgcluiidcn haben. Mai ist deshalb versucht zu glauben, daß es sich tun eine plan« volle Propaganda gehandelt hat, die mit dem Schlagwort arbeitete, die Juden hätten bei der Regierung die AulhcbunfT des Feiertags durchgesetzt. Ueberau" spielten sich die Excesse in der gleichen Welse ab, daß auf ein Signal hin die Kirchen* besucher nach Schluß des OoUcsdieiistes in die von Juden bewohnten Viertel stürmten. Ucberall waren neben Dcmollc* rungsschäden auch umfangreiche Ratibschhdcn zu verzclcli* nen. Zahlreiche jüdische Kauflcute büßten den letzten Rest Ihres Vermögens ein. Die Erschwernnfleo IDr Palistlaa-Relseade Ii Pol« Entgegen allen Envartungcn hat der englische Qenerat*. konsul In Warschau die erschwerenden Uestimmun* gen für Palästina reisende aus Pjlcn nicht aufgehoben. Unter denjenigen Juden, die für die kommenden Passah-Tngn als Touristen nach Palästina gehe« wollten, herrscht Uber dlo Praxis des englischen Generalkonsulats große Erbitte* rung. Wie das Warschauer Pnläsllnaamt dem J.T.A.-Vertreter mitteilt, haben sich mehr als 1000 Personen aus Polen zu einer Palästlna-Rclso aus Anlaß der Passah-Tage gerüstet. Jeder dieser Touristen hätte ungefähr drei Wochen In Palästina gewellt. Wenn man ausrechnet, daß ein Tourist täglich ein Pfund ausgibt, so kommt man zu dem Resultat, daß durch die Nlchtclnlnsaung der Touristen aus Polen etwa 20000 Pfund Palästina verloren gehen. vi P'? popu'-lrrton Juden In Polen. Das „LoO/e r Tage* blatt" veranstaltete unter seinen Lesern eine Prclsumfrage nach den zehn populärsten Juden In Polen. Da« Ergebnis Ist: An erster Stelle steht der Scjm-Dcputlerte J. Grünbaum, dann folgen der Vorsitzende des jüdischen Parlamcntsklubs, Dr. Leon Reich, Dcp. Rabbiner Dr. Thon, der Dichter Schalom Asch, der folklstlsche Deputierte Noah Prllutzkl, der berühmte Chassldim-Rabbi von Gora Kalvarla, „Oerer Rcbbc" genannt, der Publizist Hlllcl Zeltlln, der bekannte Novellist H. D. Nomberg, der Hauntrabhincr von Warschau, Prof. Schor, der jüdische Historiker Prof. B a 1 a b a Ii. „Das jüdische Warschau". Warschau beherbergt bekanntlich nach New York die größte jüdische Oemclnde der Welt. Schätzungsweise leben gegenwärtig In Warschau mehr als 300000 Juden. Dennoch existiert bis Jetzt noch keine Schrift, die über die Warschauer Jmlcnhcit authentische Mitteilungen gäbe. Die Leitung des Jüdischen Natlon.ilfonds In Warschau bereitet nunmehr die Herausgabe eines Handbuchs unter dem Titel „Das jüdische Warschau" vor, welches das gesamte jüdische Leben in Polens Hauptstadt in allen seinen Zweigen darstellen wird. Das Buch erscheint Im März dieses Jahres. Plnchas Krasny verhaftet. Pluclias Krasny, einst Minister für jüdische Angelegenheiten in der Regierung des Hetmans Peil Jura, wurde dieser Tage in Warschau verhaftet und unter Militärgclclt nach Rußland abgeschoben. Krasny war nach dem Sturz der Regierung Pelljuras nach Galizien entflohen, wo er zwei Jahre lang als politischer Flüchtling lebte. Vor längerer Zeit kam er nach Warschau, ohne die Veränderung seines Aufenthaltsortes der Polizei zu melden. Die Warschauer Behörde sprach seine Ausweisung aus und stellte es Krasny frei, sich entweder nach Danrl? oder nach Rußland abschieben zu lassen. Kr*ny ließ sich nach Rußland abschieben. Die Polizei beschlagoabmte in dem Hause, In welchem Krasny wohnte, das gesamte Archiv des Ministeriums für jüdische Angelegenheiten In der Ukraine unter der Regierung Pctljuras, sowio zahlreiche andere Dokumente. Nene Unruhen an den rumänischen Dochsrhiilen Bukarest (J. T. A.). Während der Vorlesung des Prof. Raviny an der medizinischen FakultSt in tassy überfiel™ die antisemitischen Studenten im Vorlcsuugssaalc Ihre jlidlschin Kollegen. Es entwickelte sich.ein hartnäckiger Kampf, in dessen Verlauf mehrere jüdische Hörer blutige Wunden davontrugen.. Sämtliche Juden wurden schließlich aus dem OebSude hinausgedrängt; vier erlitten schwere Kopfverletzungen. Gleichzeitig fanden In einem zweiten Saal der Fakultät wo Prof. Spiridon eine Vorlesung abhielt, Tumulte statt. Die antisemitischen Studenten forderten die jüdischen Hörer auf, den Saal zu verlassen. Die Juden kamen, um Weiterungen zu vermeiden, dieser Aufforderung nach, wurden Jedoch am Ausgang überfallen und blutig geschlagen. Es wurde dann noch vor dem Gebäude der Universität demonstriert. Ali Militär anrückte, stoben die Demonstranten auseinander. Die Vorlesungen an der medizinischen Fakultät wurden sistlert. Die christlichen Studenten fordern den Ausschluß der jüdischen Hörer von den Ucbungcit im Anatomischen Institut. An der Universität Klausen bürg spielten sich ihnliehe Szenen ab. Eine Streikdrnhung der Studenten wurde vom Rektor zurückgewiesen. Der Rektor nahm Polizei und Oendarmerleasslstcnz In Anspruch. Der Untcrrichtsmlnlstcr Anghclesen ordnete an, daß die Leichen In den Splt.llcrn verstorbener Personen Ihren Aukchörigen bis höchstens mm sechsten Verwandtschaftsgrad ausgefolgt werden, wahrend die übrigen ohne Rücksicht auf Religion der medizinischen FakultSt zur Verfügung»gestellt werden müssen. Diese Verordnung bezweckt, auch lüdlsehe Leichen für anatomische Zwecke zu erhalten und so die anti stmttWche Studentenschaft tu besJnttlgen. Die Lage der Joden in Rußland Der fetzt In Paris wellende Obcrrabblncr von Leningrad, Efsenstadt, der erst vor einigen Monaten Rußland verlassen hat, sprach am 29. Januar In einer Versammlung In Paris über die Lage der jüdischen Bevölkerung In Sowjet- Rußland. Er führte aus: Das Verhatten der Regierung zu den ^den ist ein gutes. Die Regierung gewahrt der Jüdischen völkerung sllc Rechte. Allein die „Jewsektla" (jfl* dische Sektionen der kommunistischen Partei) erschwert In einem hohen Maße das jüdische Leben In Rußland. Die jüdische Bevölkerung wünscht sehr, daß die Institution der Jewsektla aufhören möge. * , mmm^mmmmma^mmmm Die PaliUIIni Elnwindernng Im Januar Jerusalem. (J.T.A.) Im Monat Januar 1925 sind 1840 Personen in Palästina eingewandert, Das bedeutet eine Zunahme der Einwanderung gegenüber Dezember 1921, In welchem 1665 Einwanderer im Land kamen. Pressestimmen Die ErSUnoDo der hebräische Universität' London. (J.T.A.) „Daily Chronlclc" veröffentlicht In Ihrer Ausgabe vom 3. Fcbrunr einen Leitartikel unter der Uebcrschrilt „Zionismus", in welchem es heißt: „Der Bcsuch Lord DaIfours In Palästina Im kommenden Monat wird mit einem Ereignis von weittragender Bedeutung für die jüdüchc Rasse verbunden sein. Lord Balfour wird die hebräische Universität auf dem Scopus-Bcrge cröffneu. Das a 11 c I d e a I d e r ZI o n I s t en wird dadurch In die reale Wirklichkeit getreten sein. Vor wenigen Jahren noch schien der Ckdankc des Wiederaufbaus eines Heims für die Juden In Palästina vielen phantastisch, anderen gefährlich. Zu Ende des Krieges bildete die jüdische Bevölkerung In Palästina eine kleine Minderheit; ihre Ansprüche aul das Land gründeten sich auf die Historie, sowie auf ein religiöses Ocfühl, dss in gleicher Welse zu den Juden wie zu den Christen spricht. Auf Seite der Araber erhob sich ein feindseliger Widerstand, eine weitläufige Propaganda wurde Kclflhrt, die den Zweck hatte, den Eindruck zu erwecken, d.iD die arabische Pcvülkcrung ungerecht behandelt und In Ihren Hechten gc?*cn. über den fremden Einwanderern beeinträchtigt wird All d a s I s t u n b c g »• 0 n d e t. Sir 1 lerbert Samuel hat sich fortdauernd bemüht, zu beweisen, daß die Juden fccHcawegs gegenüber den Arabern bevorzugt werden. Eher schien es, daß der Aufbaupinn au* Mangel an gcflr*nrlen Einwanderern scheitern würde, als daß die Juden so stark werden könnten,. die Araber auszutreiben. AUinihllch aber tritt der Aufbauplan In die Wirklichkeit. PntHstlna leidet nicht au Uebcrvölkerung, sondern Im Gegenteil, an einem Minus an Entwicklung. Die neu Ins Land Kommen, de« nehmen ein verwüstete!, steiniges, nicht entwässertes Land In Empfang, machen es urbsr und erzeugen ein Wachstum für spätere Jahrhunderte. Sie bringen Qc4d Im Land, gründen Schulen, bauen StJdte, Straßen usw. Sic sind noch gering an Zahl: etwas über 1000OO; aber ihre Arbelt bringt Palästina eine neue Entwicklung, der auch die A «ber teilhaftig werden." Die Zeitung setzt fort: „Die Zionistcn glauben, die he« brälschc Universität werde in gleicher Welse Palüstlna und den Juden der ganzen Welt dienen. Sic bemühen sich, die Intelligentesten Ihrer Rasse nach Jerusalem zu bringen, wo die Möglichkeiten für eine höhere Erziehung und Kultur derzeit noch beschränkt sind. Man hofft, den besten Typus Ins Land zu ziehen und in der Hauptstadt eine geschulte Mittelklasse zu konzentrieren, sowie Gelehrte und Organisatoren zur Entwicklung des Landes emporzubilden. Diejenigen, die In einer solchen Entwicklung eine Zurücksetzung der Araber crblicl.:n, sollten sich In Erinnerung rufen, daß Palästina unter der unschöpferischen Herr, schaft der Türkei In Sterilität und Schlaffheit gehalten worden Ist Es ist auch heute noch ein nur halb produktives Land, welches durch weitere Vernachlässigung ganz veröden kann. Wenn nun die Juden mit Ihrer Intelligenz, ihrem Kapital und ihrer Energie Ins Land kommen, es kulturfähig machen, eine Industrie aufbauen, so kommt das Allen zugute. Solange sie politisch in der Minderheit sind, werden sie Mlndcrhcitsrechtc genießen." Kxlharioa von Ohchnb Ober Zionismus Ein Artikel im „Berliner Tageblatt". Die bekannte Politikerin und Schriftstellerin Frau Katharina von Oheimb (die bekanntlich der Deutschen Volkspartei angehört) veröffentlicht Im „Berliner Tageblatt" vom 7. d. M. einen ausführlichen, temperamentvollen Aufsatz über das „Auf bauwerk in Palästina". Der Aufsatz beginnt folgendermaßen: „Anläßlich seines Aufenthalts In Berlin wurde mir die groOc Freude /uteil, Herrn Professor Welz mann, den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, kennenzulernen und einen seiner hier gehaltenen vortr.igc über den Aufbau Palästinas mit anzuhören. Ich muß gestchen: seine Persönlichkeit und die Sache, die er vertrat, machten einen tiefen Eindruck auf mich. Obwohl ich gewiß nicht eines einzigen jüdischen Tropfens In meinem und meiner Vorfahren Ohrt verdächtigt werden kann, erweckten die Worte Professor Weirmanns doch eine warme Sympathie für seine Sache in meinem Innern. Welcher Idealismus, welche Zähigkeit und welcher Opfermut beseelen doch diese Juden, die sich nach einer Diaspora von über IStB Jahren (im Jahre 70 wurde Jerusalem zerstörtI) an die schwere Aufgabe gemacht hoben, trotz des unfruchtbare« Bodens, trotz der zunächst «ehr großen Gegnerschaft der einheimischen Araber, sich eilen neuen jüdischen ,Zcntral- und Mittelpunkt aufzuhauen f Die Judrn in Palästina haben nur den einen Wunsch: mit den Arabern und der übrigen Bevölkerung In Palästina In friedlichem Einvernehmen zu leben. Der (Joden, den «lc besiedeln, wurde durch rechtschaffenen Kauf erworben, nicht den früheren Besitzern gcwaltuam entrissen. Dennoch wurden die jüdischen Siedler, vor allem am Anfang, sehr oft von den Arabern angegriffen und überfallen, und viele Jüdische Siedler s'nd bei dksrn Kämpfen umgekommen." Die Verfasserin schildert dann die Leistungen der Juden aul ökonomischem, kulturellem, sanlUrcm Gebiet und den Aufschwung des Landes unter jüdischer Arbeit, Sic fährt dann fort: „Wenn man die ungeheuren Leiden bedenkt, denen die fuden Im Mittelalter ausgesetzt waren und denen sie in vielen -Indern noch heute ausgesetzt sind, so wünscht man ihnen wirklich von ganzem Herzen, daß sie endlich für ihre Olaubcnstteuc. Uwe Ausdauer und Zähigkeit belohnt werden und hier ein dauerndes, unbestrittenes Asyl finden mögen. Man versieht es nur zu gut, daß die luden sich nach einer derartigen Heimat sehnen, vor allem die Juden der Länder, die auch heute noch nicht von Pogromen lassen können, in denen auch heute noch die Juden ebenso schlimm, vielleicht noch schlimmer behandelt werden als bei uns im Mittelalter. (Dies Ist nicht nur In Teilen Rußlands der Fall, sondern zum Beispiel auch In Polen, dem ncucrrlchtctcn Polen, obwohl man man doch meinen sollte, daß die Polen, die selbst so lange unter nationaler Unterdrückung zu leiden halten, kaum zur Selbstbestimmung und Macht gelangt, nun nicht gleich wieder Ihrerseits ein anderes Volk unterdrücken würden.) Aber auch In den Ländern, wo die Juden nur mit geistigen wallen bekämpft werden. und einer gesetzlichen Gleichberechtigung mit den -anderen Staatsbürgern sich erfreuen, hat man sie In den letzten Jahren, trotz alle.* Opfer, die sie auch im Weltkrieg für Ihre Jeweiligen Völker gebracht haben, In so häßlicher Welse bekämpft, daß man es Ihnen nicht verdenken könnte, wenn sie Ihre Augen sehnsüchtig nach Palästina rieh-' tcn. und es Ist anerkennenswert, wenn die Juden eine solche Anhänglichkeit emplinden für das Land, mit dein Ihre frühere Kulturvcrnangenhelt verknüpft war. Angesichts der scharfen Vorstöße, die der A n11s em111s mus In den letzten ti.'iren auch in Deutschland gemacht bat, wäre ca auch den