Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1925)
- Date
- 1925-02-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 100 IUCDISCHE RUNDSCHAU Nr. u Der jüdische Therslles , Von M. S. Olk. CHe ScMachl hl geschlagen. Die Jüdische Volk-spartel hat etwa 25 *;« der Mandate für »ich ctohern können. Da« ist, wenn ninn bedenkt, mit welchen Mitteln ~ Mlticln, In Jcdi-m Sinne des Worte« — die Gegner noch in den letzten Stunden vor dir Entscheidung gearbeitet hsben, ein nicht zu unterschätzender Erfolg. „Die Waffen rulicn, de« Krieges Stürme schweigen" — so würde man gern ausrufen, emco dJtkea Strich hinter die Vergangenheit setzen und den Blick auf die kommenden Autraben richten. Und soweit die Ocgner von gestern bereit sind," diese großen Aufgaben gemeinsam mit uns zu losen, würde man auch sie gern mit dem altjüdischcn Friedensruf „Schalom, Schalom, laraebok welakarow" bcgrÜBcn. Aber leider gibt c« da außer dem Gegner n<xj> die national-deutschen Juden", die uns auch In aiesem Wahlüamp» wieder im letzten Augenblick aus dorn Hinterhalt mit den Kampfcs-Melhoden Ihre» Ahnherrn Ama'.ck überfallen haben. Innen gegenüber muß das Wort gelten: „En Schalem lareschaim'5. Es scheint mir unsere Pflicht zu sein, deren Kampfesmcthodcn hier noch einmal festzunageln, damrt nie wieder ein jüdischer Kampl in solchen Formen gc-. führt werden möge. Das werden selbst unsere liberalen Gegner verstehen, und mehr noch in ihrem als In unserem! Interesse werden diese Zellen geschrieben. Wie Thersites kimpltc. Tbersitrs war bekanntlich — halt nein! — unsere deutschfühlenden Gegner betrachten es am Ende als eine Zumutung, wenn man bei ihnen soviel „Internatlonalltät" voraussetzt, daß sie In der griechischen Sagenwelt Bescheid wissen. Ihnen sei der deutsche Brockhaus empfohlen. Sie werden dort finden, daß Thersites „der häßlichste Mann im Heere von Uion war. vornehmlich berüchtigt wegen seiner boshaften Geschwätzigkeit, der er selbst gegen die Führer des Heere-« freien Laut ließ. Schon von den Alten wurde daher Tlicrsltes überhaupt zur Bezeichnung eines häßlichen oder schmihsöchtigen Menschen gebraucht." Wenige Tag* vor der Wahl wurde in großem Massen von den Nniimannitcn ein Flugblatt zur Versendung gebracht, das auch als Souder-Nummcr des Milleiluiigs-Iilaltcs „D:r national-deutsche Jude" herausgekommen Ist. „Deutsch iühlcnde Juden" lautet natürlich die »Ott gcJruckt« Ucbersclirift. Aus dem Inhalt nur einige Perlen: ,J>icse Wahl ist die Wahl zwischen Deutschtum und Zionismus, zwischen Deutschtum und Fremdheit. 'Deutsch fühlende Juden, wollt Ihr zusammen mit Ostjuden und anderen Fremden in Deutschland ein Fremdvolk sein, oder weiterhin gute Deutsche jüdischen Glaubens? Erkennt die jüdisch-nationale Ocfahrl Bei den Zionistcn (Jüdische Volkspartei) stehen an führender Stelle dieselben Männer, die verantwortlich sind für die skandalösen Zustände in unserer Berliner K ultus-G.cmelfldc, für das hemmungslose Vordringen des Ostjudentums, für den zionistischen Kinderfang... Die Herren Rcgierungs.Zionisten, der preußische Verfassungsdezernent Badt und der preußische Pressechef Ooslar sind natürlich dabei. An vierter Stelle steht der Ostlude Solo we i tsch ik, der noch vor kurzem Im Ausland Minister war. Eine besondere zionistisch-sozialdemokratische Liste wird geführt von Herrn Oskar Cohn den jeder Deutsche kennt und nach Ocbühr würdigt." Es folgen dann einige Worte gegen die Konservativen, die „Helfer der Zionistcn", und die Mittelparte!, die „Partei der unklaren Köpfe", deren Ustenführer, ein Rabbiner, das ungeheure Verbrechen bedangen habe, in der „C.-V.-Zeitung" zu verkünden, „daß sie Uberall jüdische Schuten und jüdische Gymnasien" gründen wollen. Dann geht es in Fettdruck weiter: „Deutsch fühlende luden, wollt Ihr Eure Kinder von diesen Leuten ins Ghetto zurückführen lassen?" Zum Schluß wird dann die liberale Liste empfohlen, die zwar auch nicht alle Wünsche erfüllt, die aber eine ganze Reihe „unzweifelhaft deutsch fühlender Männer und Frauen, darunter mehrere führende Mitglieder des Verbandes satlonaldcutscher Juden enthalte, „von denen erwartet werden kann, daß sie mit der Faust auf den Tisch schlugen, wenn Ostjudentum, Zionismus und starrköpfiges Aüjudentum unser Deutschtum zu rauben oder zu verfälschen suchen". Aber nicht genug damit. Am Tage vor der Wahl und »m Wahltage selbst prangte dieses Flugblatt als rleseagroßes rotes Plakat an allen Berliner Anschlagsäulen. Erstaunt las die christliche Bevölkerung Berlins, daß in der Jüdischen Kultusgcmeinde skandalöse Zustände herrschen, und daß es einen „zionistischen Kinderfang" gäbe. (Wie mir zuverlässig berichtet wird, faßten das viele christliche Bürger so auf, nln werde der Kindcrfnng für verbrecherische, dunkle, unsittliche Zwecke betrieben; es wird also wohl nicht lange dauern, dann wird als neueste Variante ein zionistisches Ritunlmord-Marchcn kolportiert werden.) Kopfschüttelnd standen sie davor, kopfschüttelnd standen aber auch die luden vor diesem Erzeugnis Naumanns. Es mag vielleicht manchen Kurfürstendainm-Judcn gegeben haben, der sonst nicht gewählt hätte und mir daraufhin in schktfernder Angst «liberal" wählte, um solch entsetzliche Verbrechen zu verhindern. Wie aber diese Flugblätter und Anschlage auf die Mehrzahl der Nichtjuden und Juden wirkten, davon sollen weiter unten einige «uthenlische Zeugnisse berichten. Was sagen die Liberalen dazu? Zunächst aber wird man fragen: Was ngen die Liberalen zu dieser Wahlhilfe? War sie etwa von ihnen bestellt und gebilligt? Sie werden hierauf eine *Iarc Antwort geben müssen, wenn lie überhaupt üc" Anspruch erheben wollen, fortan noch Ii jPcFMcr" gewürdigt zu werden und nicht Verbündete von Verleumdern! Bis zu dieser Antwort wollen wir nach jüdischer Art auch von ihnen das beste annehmen. Wir gehen also davon aus, .h s.'c. von. d!".fr Wahlbombe nichts wußten und WahrpI. l-n,ich u ,r ba d.n;ich der Wahl ihren Abscheu und ihre ^n rustung |aut bekunden werden. Wir habco umsomehr Aman zu dieser Annahme, als während des ganzen Wahl- Kampfes das Verhalten der Liberalen, insbesondere des Ccntralvtrelns allen Hinweisen gegenüber, daß sie Naumann-Leute auf in'cr Liste hitten. ungemein charakteristisch war. Ste wußten B*f nicht, wo sie vor Verlegenheit hin sollten. AK.nnfBOnder' rcirvoll war e«, die einzelnen Stadien dieser Aoruckungsmanöver zu verfolgen. .iiJ'«?1,,d'1?,in: lDie Kandidaten-Aufsfcllung! Wahrend bei rit.» QJ,,f1^!1. Kandidaten in den Veröffentllchungcu der Übeiuf»VH?*b,?,icr uPd ,n dca P^le» Zeitungen eingehend '"'gezihlt wird, welcher Jüdischen Organisation die Betreffen- MB «"gehören C-V., Frauenbund der Loge, Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens. DcutKChjudir.che Jußen<lgcmcltischaft, Rcichsbund jüdischer I roittsoldaten usw. — heißt es 7. B. unter Nr. 2o ganz schlicht: Dr. Alfred Peyser, Sniiitälsrat. Kein Wort davon, daß ei sich hier um ein Vorstandsmitglied des Verbanden nntionaldtutiwher Jude« handelt! Man wußte viel zu gut, daß ein solcher Hinweis geradezu kalA-.lirtpli.il gewirkt und «lie liberale Llnte Tausendc von Stimmen gekostet hätte. Kann en eigentlich rJnc größere Verurteilung des Verbandes nnllonaldeuKcher Juden auch von liberaler Seite geben, als das Abrücken schon In diesem Stadium, als diese* Verstcckspicl? II. Stadium: Nun haben aber einige Jüdische Volksparteiler doch entdeckt, daß der harmlose Sanltätsrat Peysftf zufällig Identisch mit dem Vorstandsmitglied der Nationalkutschen ist, und hielten da» in den Versammlungen den gegnerischen Diskussionsrednern vor. Da war es nun geradezu niitleidcrregend, wie sich diese armen liberalen Debatter vor Verlegenheit drehteu und wendeten. Das Uoste leistete sich wohl In diesem Punkt einer der H.itiptmatadorc des C.-V. in der Versammlung im „Schweizer Garten". Aul die Frage, wie er sich zu dieser nauinannlllselien Kandidatur stelle, antwortete er sehr betreten: „Bitte fragen Sie mich heute nicht, wie ich zu Naumann stehe. Nach der Wahl will ich Ihnen gern darauf Auskunft geben." Das schallende Gelächter, mit dem die fausendkfipflge Versammlung diene« Vcrlcgenhc-lts-Oe-.tammcl quittierte, zeigte wohl dcutllcli, wie man diese Auskunft beurteilte, und da wies er dann, um die Sache wieder einzurenken, darauf hin, „es sei ja nur ein einziger" N.iuiiiannltlker auf dieser Liste. Nun, diese Ausflucht erinnert lebhaft an die Antwort jener Jungfrau, der ein Kind „passiert" war und die sich damit entschuldigte, es sei ja man ..bloß ein ganz kleines". Hier entsteht folgende interessante Frar»c: In dem Naumann- Plakat wird der Berliner Bevölkerung an allen Anschlagsäulen verkünde», „mehrere führende Mitglieder unseres Verbände« sind auf der liberalen Liste". D!c Liberalen sagen: es sei ja nur einer. Frage: Wer torpediert hier die Wahrheit? Denn offensichtlich kann doch nur einer von beiden recht haben. Ich stelle hiermit in aller Öffentlichkeit die Frage und bin auf die Antwort gespannt. III. Stadium: Im allerletzten Augenblick gaben dann die Liberalen noch ein grünes Flugblatt heraus; grün Ist bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Und was steht darin? Die zionistischen Gegner, so wurde geklagt, verbreiten die Verleumdung, die Llhrralen waren In dlcjcm Wahlkämpf mit dem Verbind na'ioual deutscher Juden eine Listen- Verbindung eingegangen. Diese Verleumdung sei nur dazu bestimmt, der liberalen Liste; Stimmen zu nehmen. Da bleibt einem — wie der Berliner sagt die Sp...räche weg! Aber ich frage: Kann es einen größeren Triun-nh für unsere Sache geben, als dle«cs Abrücken der Liberalen von ihren eigenen Kandidaten? Sic bezeichnen es also seihst als Verleumdung, <M\ man ihnen Beziehungen zum Verband national-deutscher Jude» vorwerfe. Dc-i Nauinannitcrii können wir zu diesem ungeahnten Erfolg ihrer Plakate nur gratulieren. Sic mögen jcdcnlalls daraus eines ersehen: Hatten sie eigene Listen aufgestellt, so wäre unzweifelhaft — hei der einmütigen Ablehnung Ihrer Kampfesmethoden durch alle deutschen Juden — kein einziger Ihrer Kandidaten gewühlt worden, Wirkung der Nau man n sch cn Kampfmethoden. Die Wirkung der in Massen versandten Flugblätter und der Maucraiischl.'icc war für uns durchaus erfreulich. So berichtete in der grollen, mehr alt dreitausend Personen zahlenden Versammlung in der Stadthallc, der Landtagsabgeordnetc Dr. Badt. zahlreiche Chris tlfche Landtagsabgeordneto, die Herr Naumann gleichfall» mit seinem Flugblatt begnadet liatte, seien entrüstet zu Ihm gekommen und hatten ihn gefragt, was das eigentlich für ein Mann wäre, der so etwas zu versenden warje. Ein ergrauter Abgeordneter habe der Entrüstung über dienen „üblen Denunzianten", wie er Ihn nannte, in. besondem temperamentvoller Weise Ausdruck verliehen, und alle lüttem sie gefragt, was eigentlich die christlichen Landtagsabgeordneten der jüdische Wahlkampf anginge. Man muß es erlebt haben, wie spontan auch In allen Wahlversammhiiigen der letzten Wochen die Empörung sich Luft machte, sobald nur der Name Naumann genannt wurde, Aus hundert Kehlen gleichzeitig ertönten dann die ent« rüsteten Pfuirufe. Es hat sieh r.wigf. daß sich überraschend schnell gegenüber solchen Kampfniethoden eine Einheitsfront gebildet hat, der selbst große Teile der Liberalen angehören: die Einheitsfront der anstandigen Menschen. Und nun mßge der elnn durchgekommene Kandidat der Naumann-Leute — alle andern sind »scheinend durchgefallen — nun m6gc er nur kommen und auf dem Verbandstag „mit der Faust auf den Tisch schlagen'*. Ich glaube, er wird dann auch von seinen Fr.iktionskollc'gen verlassen sein. Denn auch die Liberalen werden c» ihm wohl nie verzeihen, was er an den Anschlagsäulen der Berliner IVvolkcrung von den „skandalösen Vorgängen in der Berliner Jüdischen Gemeinde" vorgcfabclt hat. fliese Behauptung richtet slrh gegen die Liberalen selbst, die doch bisher im Vnrstand und In der Repräsentanten-Versammlung die überwältigende Mehrheit hatten und somit schuld an diesem Zustande sind. Ja, wir beneiden die Liberalen nicht um die Ther-Sltuatlon, in die sie ihr Freund gebracht hatl Oenugtuung für Thersllt« Eine Genugtuung hat Herr Naumann allerdings doch kurz vor Tore/.srhlnlt gehabt, und gerecht, wie Ich nun einmal .]?»•, ic" "ic-'ie nicl,t vcrsc»wclcen! Am Tage vor den Wahlen erschien nämlich eine zweiie Wahlboinbc, dicAmal nicht an den Anschlagsäulen, sondern In der „tlrrliner Volkszdtung" unter der fetten Ucbersclirift „Ein jüdisches Parlament in Preußen" und — cekürzt und ein wenig verändert auch Im „Berliner Tageblatt" (s. vorige Nr. d. „J. R." — A. d. R.). Iri der „Zuschrift" an die „Volks/eltimg" wurde, ebenso wie Im ,,!}. T." die groteske Behauptung aufgestellt, es handele sich hier um bealislchtlglc Ulmvirktingcu auf die pol tische Entwicklung Innerhalb des Deutschen Reiches; gleichzeitig wurden die bekannten Naumannschen Verdächtigungen der „internationalen" Zionisteu wiederholt. Man hat auch hier hinter diesen Zuschriften Herrn Naumann vermutet. Ich glaube, man tut Ihm ausnahmsweise unrecht. Wenn mich mein Stilgefühl nicht täuscht, l«t vielmehr jener ZusehtIf(gelehrte der „Berliner Volkszellung" kein anderer als der „Welse von Zion", dein Naumann vor einiger Zeit wissentliche Unwahrheit vorgeworfen und Ilm dann folgendermaßen charakterisiert hat: „Sein Bild hat mir yorgeschwebi, als Ich In dem Aufsatz jpatiz-Dculschc oder Halb-Dcutschc' den Umriß eines psctido- Politikcrs zeichnete, von dem es heißt: .Schwätzer dieser Art sind es, die .,.<«• Ist c» da nicht entzückend zu sehen, wie diese beiden \l"rcJ' ,d,lc »Ich gegenseitig so zflrtllch titulieren, vereint für die liberale Liste werben und ihre Vertreter auf diese femelnsame Liste entsenden? Herrn Naumann wird nichts brlg bleiben. «Is den neueii Kampfgenossen reuig so tri, Herz zu drücken. Vielleicht tut er dies mit den Worten: Selten habt Ihr mich verstanden — <• Selten auch verstand' Ich euch Doch wo wir In der — liberalen Liste uns finden, Da verstanden wir uns gleich. Die lüdlsche Aulononlc In Icltland In der letzten Sitzung des kttlandischen Sejms haben die jüdischen Sejm-D;pullerten L. Flachm*.n, M. Laserson, M. Nurok, M. Dübln und R. Wittenberg ti„ Oejtetzprojckt, betreffend eine jüdische nationale Autonomie iu Lettland, eingebracht. Da» Projekt wurde der KommU^n» für öffentliches Recht zur Begutachtung übergeben. Punkt 7 dieses Piojekts, welcher »Ich auf die Unterrichtssprache |„ den Schulen bezieht, hat zwei Varianten. Die eine Variante, die die Unterschriften der Deputierten M. Laserson und M. Nurok tragt, bestimmt, daß die jüdlwlic und hebräische Unterrichtssprache Ift den jüdischen Schulen eine Vorbedingung Ist; der künftige Nationalrat wird einen Termin bcitimrern, sn welchem die jüdischen Schulen mit fremder Unterricht^ spräche eine der jüdischen Sprachen als Unterrichtssprache anzunehmen haben. Dio zweite Variante, die die Unterschriften der Deputierten L. Flschiwin, M. Dübln und Wittenberg tragt, spricht Im allgemeinen von der Freiheit der Spracht. Die |Üdlr,cuc Kolonisation In RuMand Moskau. (J.T. A.) Offiziell wird am 30. Januar rnitfe, teilt, daß I5(V>0 Jüdische Familien in der Ukraine für die Landanslcdlunr/ registriert worden sind. De überwiegende Mehrheit besteht ms Handwerkern, Klein, handle™ und Arbeitslosen. Bekanntlich hat »Ich die von Joint gegründete Gesellschaft „Agro-Joint" verpflichtet, Im erster» Jahre mindestens yiöOfW Ooldrubel für die jüdische Koloni. satlonsarhcit auszugeben. Es wurde beschlossen, von dieser" Summe 5110OOO Rubel for die Vorbercitung^arbci'en in der Ukraine zur Verfügung zu stellen. Eine größere Geldsumme wird von der tinlanr;st von den auuti'..anlsch.jüdisciteo Arbeiterorganisationen gegründeten Gesellschaft für jüdiiche Kolonisation In Rußland erwartet. Die offizielle Ge-ellsclnft für jüdliche Kolonisation in Rußland hofft, in Rußland selbst einen Fonds für Kotonlsationsarbcit autbringen zu können. Die Kownoer IW»bl«er vor ein MIHlSrqfxIchl geslelll Kowno. (f.T. A.) Die Rabbiner von Kowno halten den Tag, an welchem Im litauischen Sejm über das Zw.inr<. sonnt.-ipMiihegcsetz abgestimmt werden sollte, als einen Fast- und Heltag proklamiert, und die jüdische Einwohnerschaft aufgefordert, «ich an diesem Tage in den fkthäuseru ru versammeln. Wegen dieser Anforderung wurde gegen die Rabbiner eine Untersuchung eingeleitet. Nunmehr verlautet, daß die Verhandlung ßcr;en die Rabbiner vor einem Militärgericht anberaumt worden ist. Die Anklage stützt sich auf Artikel 120 dca Strafgesetzes, welche» eine Oeflingnisslrafe bis zu drei Jahren wegen Nirhtbcfoli>ung von Anordnungen der Regleruit? vorsieht. Vor dem MIIMrgerlcht wird sich auch der grtlse Rabbiner Karg zu verantworten haben, dessen muilgcn Auftreten In der Frage du ZwaiigssonntagKruhecesctzct noch in Erinnerung ist Das Präsidium des Jüdischen Nationalrats hat berchlosun, den jüdlschnafionalcn Konc-reß für die Tschechoslowakei, der tn der ersten Hälfte des Januar hätte stattfinden sollen, auf einig« Wochen zu verschiebe-:. Die ZlonlsfravrrfolgoBR Ii Rulllaou ,, Riga (I- T. A) Soeben ist aus Minsk die Nachricht hier eingetroffen, daO dort im Zusammenhang mit der fntdeckung einer geheimen zionistischen Organisation SO Zionistcn verhaftet worden sind. Die Organisation soll unter der Leitung der Tochter des Rabbiners von Minsk, Rabbi Leiser, gestanden haben. RI g a (J. T. A ) Nach den letzten Berichten aus Moskau sind außer den 25 Mitgliedern der „H11 a c h d u t b", die vor kurzem — wie schon berichtet — nach Palästina aufgewiesen worden sind, eine Anzahl weiterer Mitglieder der Hitachduth nach entfernten Gegenden Rußlands ausgewiesen worden. Aus Odessa sind Lcdermano und Snexiclis und aus Ozakow Peper nach dem berüchtigten Verbannungsort, der Insel Solovrzkle, für drei Jahre verschickt worden. Eine größere Anzahl Verhafteter erwartet das Urteil In den Gefängnissen von Charkow, Odessa und Moskau. In JeksterinosTaw sind neuerdings acht Mitglieder der Hitachduth verhaftet worden, Die tone der Juden In Oslfuro;. London. (I.T. A.) Die Leitung der Anglo JewIOi Association hat den Bericht Mr das Jahr 1024 zusammengcsltllt, welcher der am 1. Februar zusammentretenden Jahre«- Versammlung vorgelegt werden soll. Dem Bericht ist m entnehmen: Die politlftche Lage der Juden Im Osten und Südosten Europas hat sich einigermaßen gebessert Trotzdem haben das Auswärtige Komitee der Anglo Jewlsh Association und der D:putkrtcnrat (Board of Depu'lcs) ihre ÜC' tnflhungen fortgesetzt, um überall, wo ein Unrecht vorkommt, 7ii Intervenieren. Es Ist wahr, daß der Antisemitismus in Mlt el und Ost-Europa nech Immer eine gefährliche Aktivität entwickelt, jedoch Ist'es wahrend des vergangenen Jahra zu keinen erneuten Pogromen gekommen. Wo es zu gefährlichen Manifestationen gegen die Juden kam, haben die betreffenden Regierungen schnell eingegriffen. Der Antisemitismus heißt es In dem Bericht weiter, scheint In eine mehr ko.istltuüonellc Phase eingetreten xu «ein. Er Ist deswegen nicht wenigerunhclldrohcnd. Die Bestrebungen ddr* Antisemiten gehen auf eine Rechtlosmachung der Juden In denjenigen Ländern hinaus, in welchen — wie in Deutschland - internationale Minoritäten- Verpflichtungen nicht in Ücltung sind, sowie auf eine KotxlohungderMlnderhclUrcehtedcr Juden in Jenen Landern, in welchen die Juden in die M!noritStcnvcrtr.ige einbezogen sind. Die hinterlistigsten Mittel kommen hierbei zur Anwendung-. Oegcn diese Bestrebungen muß ein« wachsame Aktion aufrecht erhalten werden. Jassv. (J.T.A.) 170 Studenten überreichten dem Rektor r-li °cm ,:An ewcic"öm ,ic tl4h m" dtn «"«geschlossenen antisemitischen Studenten solidarisch erklären und mitteilen, daß sie solange die Universität nicht beuchen werden, bU nicht die »umschlossenen Studenten wieder aufgenommen