Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1925)
- Date
- 1925-02-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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JUEDJSCHK RUNDSCHAU Seite 07 > i* Zo onserer politischen Arbelt In IUIlen Von M>aes Betllnson (Tcl-Awlw). Wir geben gern den nachstehenden Ausführungen unsere» früheren langjährigen römischen Korrespondenten, die auf seiner Kenntnis der italienischen Verhaltnisse beruhen, Raum. Selbstverständlich trägt aueh er — ebenso wie Heinrich Margulies — persönlich die volle Verantwortung für die darin ausgesprochenen Urteile und Bewertungen. Red, Zwei Artikel, die Heinrich Margulies In der „Jüdischen Rundschau" über unsere Beziehungen zu Hallen und dem Vatikan veröffentlicht hat (Nr. 08 und 102/103) machen den i Eindruck, als ob der Verfasser zum ersten Male eine neue I u'dt erblickt und, vom Schauspiet ganz überrascht, das I peitsche Gleichgewicht verloren hätte. Es ael daher einem |«fl.inbt, der die Oclcgenhcit gehabt hat, diese Welt während „ith'crcn Jahren zu beobachten, die Eindrücke von H, Marrullf» kritisch zu beleuchten. Zuerst Im allgemeinen: es Ist überraschend, welche Er- Khül(crunc in der zionistischen Öffentlichkeit der ungünstige bricht der Völkcrhunds-Kommisslon hervorgerufen hat Et »cMcn ja, als ob Sich in den letzten Jahren der Zionismus 2ur Erkenntnis der überragenden Bedeutung des Aufbaus „nd der direkten Abhängigkeit der politischen Erfolge von ^cm Aufbau durchgerungen hätte. Es genügte aber der (sonstige Ton des Völkerbunds-Berichtes, um diese Erkesntnis zu zerstören und den Zionismus wieder zur alten Einstellung: der Politik gegenüber zurückkehren zu lassen. Hilten wir in unseren Ansichten nicht so leicht nachgegeben, ,o hätte uns In der ganzen Völkerbund-Affire ein ganz judercr Punkt schmerzlich berührt — die kliigliche Zahl ,on 1400 Seelen, die die Zionistische Organisation vermocht tit, während eines Zeitraums von 3 Jahren auf dem Lande jswsicdcln, und die Im Berichte der Exekutive an den Völkerbund steht. Der Schwerpunkt unserer Situation liegt eicht darin, daß der Vorsitzende der Völkerbund-Kommission, Hifthcse Thcodoll, vorn Vatikan beeinflußt Ist, sondern is dieser Ziffer. Wenn In der letzten Zeit die wöchent- Ickn Berichte der Einwanderung wiederum von Dutzenden td nicht mehr von Hunderten t>'.hrcibcn, so ist das für von Möns. Barman die politische wichtiger ansehen kann als alle Agcncy- (Millingen, wie es H. Margulies in seinem zweiten Aufotie tut. Die Agency-Beratungen bedeuten eint Möglichkeit <tr verstärkten und gesunden Immigration — und das Ist, tu wir brauchen; wenn wir sie nicht haben, sind für uns Mussolinis Sympathien überflüssig; wenn wir sie haben, können iir zur Not auch über Mussolinis Antipathien hinwegsehen. Damit will Ich nicht sagen, daß eine zionistische Auf- Itärung (und vielleicht auch gewisse, «ehr vorsichtige Konrmionen) In Rom nötig ist Italien Ist als Faktor des Völkerbinde» — dritter an Bedeutung; es Ist ein Mlttelmeer-Land, äs unzweifelhaft Im Aufstelgen begriffen Ist; seine Haupt- Stadt ist Sitz des Vatikans. Die Arbeit In Italien ist also durchaus nötig — durch keine objektiven UmsMnde Ist (i aber begründet, wenn man dieser Arbeit eine so überngende Bedeutung zuschreibt wie es H. Margulies tut Mm darf sich nicht so leicht und so schneit von dem falschen Pathos des Impera Romano, von welchem Mussolini angeblich fcstelt Ist, beeinflussen lassen. Daß es in Italien Strömungen i:M, die an Expansion denken, Ist richtig, ebenso richtig pt es aber, daß diese Strömungen -— wenn auch heute politisch itcrcieh — in Wirklichkeit unbedeutend sind. Die ganze Linke und der große Teil des radikalen und katholischen Zentrums wissen ganz genau, daß Italien industriell, kulturell, RJitärisch viel schwächer als England und Frankreich ist, <i3 es wirtschaftlich aufs Ausland angewiesen ist (Brot fehle, Metalle) und daß — bevor es im Ernst an eine tipinslon denken kann — es noch ungeheuer viel bei sich n Hause zu tun hat Das Einlgrationsproblcm hat In Jtallcn den deshalb solche Schärfe ni'jcnommei», weil ein Drittel Italien (der Süden) jahrhundertelang vollständig verehrtest war und es heute noch zum großen Teile Ist; nächste Aufgabe besteht ki Italien darin, den Süden '•'-wr zu machen — diese Aufgabe wird die Kräfte des ^ndes für Jahrzehnte in Anspruch nehmen. In Italien gibt j td nicht mehr von Hunderten h-.hrcicx 1 ta verhängnisvoller als alle Angriffe 1 'iisl n a. Es ist unbegreiflich, wie r I Arbeit in Italien als wichtiger ansehen kai «s genug nüchterne Politiker, die das verstehen, und wer »och an Expansion gedacht hat, den hat das Mißlingen des trinolitanlschon Versuches eines Besseren belehrt. Von der Wlcdcraufrichtung der Macht des alten Rom trSumen In Italien auch die nationalistischen Phantasten nur bei besonderen Octegenhcltcii, und wohl nur öffentlich, nicht aber wenn sie allein unter hich sind. Daß H. Marrulics auf Orund von trügerischen Parallelen zwischen „Römcrgruß" und „Schalom" Konlaklpiinktc zwischen Faschismus und Zionismus gefunden hat, muß als eine StimmuiiRssachc gewertet werden und kann kaum Resultat des Studiums des Faschismus sein. Dieser Ist eine Befreiungsbewegung eines unterdrückten Volkes und eine Rückkehr zu vergessenen Werten und zu verlorener Würde. Er 1»» eine ausgesprochene antisorlallstbche, antidemokratische, antl< kommunistische, gewalttätige, von großlnditstridlcn und phitokratlschcn Interessen getragene, von nationalistischen Sclilagworlcn genährte Bewegung, die nicht die Befreiung des Volkes, sondern die Unterdrückung der Mehrheit di'-ch die Minderheit desselben Volkes zum Ziele hat. Die ganze ausländische Politik Mussolinis, die angeblich zur Stärkung der Internationalen Situation Italiens und des Selbstbewußtseins Italiens beigetragen hat, Ist In seinem deklamatorischen Teile nichts als Mittel und Resultat der gewalttätigen Inneren Politik; im Wesen ist sie aber absolut nicht originell. Indem sie in Orumlllnicn nur die Fortsetzung der Politik von Nlttl, Sforza und Oiolittl is» (Annäherung an Rußland und Deutschland, Friede mit Jugoslawien). Der Faschismus hMtc seine Berechtigung in speziellen Erscheinungen des italienischen Lebens des letzten Jahrhunderts (auf welche nicht hier der Platz Ist, näher einzugehen), und damit Ut es zu erklären, daß viele idealistische Kräfte, sperkll anfangs, in seinen Reihen Platz gefunden haben; jetzt hat er seine Funktion voll und ganz erfüllt und beginnt, moralisch und politisch zu verfallen. Es wäre schlecht um uns bestellt wenn die Faschisten wirklich die „Zkmlstcn" Italiens wären. Wollte H. Margulies Analogien zwischen Italienischer und jüdischer Bewegung suchen, so sollte er nur ein halbes Jahrhundert zurückgreifen: Im Risorglmento hätte, er wirklich viele Kontaktpunktc mit dem Zionismus gefunden. Was den Vatikan anbetrifft, so stellt er sicherlich «Ine sehr ernste politische Macht dar. Nur stoßen wir hier an eine unüberwindliche Schwierigkeit. Die Wlcdcraufrichtung der jüdischen Siedlung In Palästina bedeutet für die römische Kirche einen sehr schweren Schlag — vom religiösen und vom Prestige-Standpunkt — der nicht weniger, vielleicht noch mehr, cmnfmdlioh Ist als die Besetzung Roms durch die Italiener. Während der Jahrhunderte wurde das Heilige Land als rechtmäßige Domäne der katholischen Kirche — wenn auch zufällig In fremder Hand — betrachtet, die Juden hingegen als zur ewigen Zerstreuung durch göttlichen Willen verurteilter Stamm. Keine Aufklärungsarbeit — sogar bester Wille bei den Vatikansleuten vorausgesetzt — kann hier ernstlich helfen, denn es handelt sich nicht darum, wie die Juden nach Pa'Islina kommen, sondern darum, daß sie überhaupt dorthin kommen. Alles, was wir heute machen können, Ist, geRcn Verleumdungen kämpfen und dem Oegncr keine neuen Waffen liefern — d. h. In und außerinlb des Landes, In Wort und Tat, uns einer Korrektheit befleißigen1 und die Oefühle der Millionen Christen für das Heilige Land respektieren lernen, was übrigens auch geschehen müßte, wenn der Vatikan nicht unser Oegncr wäre. Im übrigen haben wir nichts anderes zu tun als zu arbeiten — vor dem Falt accompli wird sich der Vatikan auch In Ercz-Israet beugen, wie er sich tatsächlich, wenn nicht formell, In Rom gebeugt hat Damit kehren wir aber zu den 1400 Angesiedelten während der letzten vier Jahre zurück. Ich wiederhole! ich meine gar nicht, daß nolltische Arbeit in Italien und beim Vatikan überflüssig Ist. Es stimmt auch nicht, daß die Zionistische Organisation bis jetzt Rom keine Aufmerksamkeit geschenkt hat, seil vier Jahren existiert in Rom ein politisches Büro, direkt von der Londoner Zentrale abhängig und geleitet, das mit tätiger persönlicher Hilfe von Dr. Weizmann arbeitete und arbeitet Nur darf die Bedeutung dieser Arbeit nicht In solchem Maße ßher- I trieben werden, wie es in den Aufsätzen von H. Margulies 1 geschieht Ein tcxUlindostrlflles Zentrum In Palästina , Von unserem Korrespondenten. Lodz, den 20. Januar 1925. In Anbetracht dt.- günstigen Aussichten für die Textilindustrie in Palästina hatten die In Jaffa lebenden Oebr. Rosenberg »us Lodz das Projekt einer kooperativen Textilfabrile ausgearbeitet Sie gingen vom Oeslchtspunktc aus, daß elno Einzelperson eine solche Fabrik kaum gründen würde und daß dies daher auf genossenschaftlicher Orund- Isgc zu geschehen hätte. Auch soll hierbei eine Verbindung zwischen Industrie und Landwirtschaft geschaffen werden, inn solcherart den Krisen zu begegnen, die in det Textilindustrie nicht selten sind. Die Fabrik soll neben einigen hundert Webstühlen ein« Spinnerei, Färberei, Wolltnckcrci usw. besitzen. Die Produktion dürfte zu 85 Prozent Hauinwollwarcn für den palästinensischen Ocbrauch und zu 1} Prozent gemischte' Waren für den syrischen Export bestehen. Die Zahl der Genossenschaftler soll 303 betragen. Du' der Aufbau der Fabrik gegen 90 003 engl. Pfund kosten würde, so entfielen auf jeden Genossenschaftler 300 Pfund, An Boden würde jedes Mitglied 12 Dunam erhalten. Hiervon sind 7 Dunam für ein Wohnhaus (au* 2 Zimmern nebst Küche) bestimmt, der Rest von 5 Dunam für den Gemüsebau. Auch erhält jeder Genossenschaftler lebendes Inventar. Die Kosten von Land, Wohnhaus und Inventar würden gleichfalls 300 Pfund ausmachen. Dafür würde jeder Genossenschaftler 50 Prozent «eines Unterhalls (d. h. einer fünfköpflgcn Familie) aus der Landwirtschaft bestreiten. Das Projekt Ist nach eingehendem Studium von der zionistischen Exekutive bestätigt worden. Gleichzeitig wurde mit dem palästinensischen Vertreter der „Pika" wegen einer Anleihe verhandelt. Eine solche Ist unter der Bedingung zugesagt worden, daß sich eine Oruppc von 300 Personen bildet, von deren Jede 40O Pfund einbringt in welchem Falle die „Pika" die rcstHchcn 200 Pfund pro Kopl geben wiäl, Dann soll ein ganzer Komplex gekauft werden, um eine geschlossene Kolonisation zu gründen. Eine Delegation der Interessenten dieses Projektes wurde vor einigen Monaten nach Polen entsandt, um hier eine entsprechende Propaganda zu entfalten. Die Haupttätlgkclt der Delegation war m Lodz, das Ja bekanntlich das Zentrum der polnischen Textilindustrie bildet. In dieser Woche ist nun die Mitgliederliste geschlossen worden, nachdem sich In Lodz 200, In Tomaschow 25 und in Blalystok 75 Personen eingeschrieben haben. Eine In der nächsten Woche In Lodz angesetzte Verssmm« tung wird nun von den unternommenen weiteren Schritte» Rechenschaft geben, r-i Selbstblife der IDdiseben Kanlleote In Pol« Warschau, (J.T.A.) Angesichts der fortdauernden Wirtschaftskrise In Polen, von der Insbesondere die Jüdische Kaufmannschaft betroffen Ist haben sich die jüdischen Kauf- Icute zu einer Organisation zusammcngesehlorsen, deren Aufgabe es sein wird, eine sofortige Aktion für Selbsthilfe der jüdischen Kaufmannschaft einzuleiten. En soll eine Notstandskasse gegründet werden, die den In Not geratenen Kaufleuten schneite Hilfe gewähren soll. Die zahlreichen aufsehenerregenden Selbstmorde jüdischer Kaufleute in der letzten Zeit hätten vielleicht zum Teil vermieden werden können, wenn eine Selbsthilfe-Organisation schon früher bestanden hätte. Der Konferenz wohnten ÖD gewählte Delegierte aus 20 Kreisen der polnischen Republik bei. Senator Adolf Trusker, einer der Vertreter der Jüdischen Kaufmannschaft im Parlament, eröffnete die Sitzung und schlug vor, die geplante Selbsthilfe-]notltutlon sofort Ins Leben treten zu lassen. In das Präsidium wurden die Senatoren Raphael Schereschewakl und Adolf Trusker, sowie der Deputierte WlschilUki gewühlt. V___J.Jlil.UL.t!Ll-.ili....JJl.J_-[...lll,l,.U 1.1 J___LI Jüdische Haler .Zäden Ausstellungen im Scholera Alechem Klub, Klelststr. 9. , Der Typ des Jüdischen Intellektuellen Westjuden verl'-'Vttl weiten Kreisen der deutschen Juden den Begriff "i Juden in der Kunst Aber wer verfolgt, wie In Amerika 'fl reiches jüdisches Kunstlcben sich entfaltet wer weiß, in Frankreich und England die jüdischen Künstler so M wie Alle aus dem Osten stammen — dem russischen <>.!cn — der weiß auch, daß der Intellektuelle Westjude >ir«I n Typ ist, und nicht der glücklichste. Nicht Immer ruft eine Kunstausstellung zu einem Fertigen, »>nt Großen, Nicht immer muß es ein Genie sein. Aber was 2 geschickt wird aus den kleinen litauischen Städtchen Wsr den ebenso kleinen Städten von Podolien oder irgend <»cr anderen Ecke des unübersehbaren Reiches, das deckt Seiten auf: Vielfalt des Lebens, frische Quellen, Ver- •K'ucnscin mit der Natur, Vertiefung und in der Sammlung 3 Zusammenhang mit dem Untragbaren der Kunst: mit 'nchtung, mit Lyrik (im guten Sinne) kurz die Zone, In ,,r iedea Mittel sich untcroi'. it der Gestaltung des Ewigen. . ker Jude des Ostens Ist stark. Die ruhige Sammlung ««sm auf das Ewige gerichteten Denkens schließt Lehre i** L«bcn an den Kreis der Erde. So ist er trotz Oolus noch '4ennah und trotzdem sein talmudischcs Denken reiner »1» das abschnurrende Denken des Westlers, das nur "ocrlragcncn Sinne talmudlsch Ist — von den Vätern her. Der junge Künstler A. Cahn, dessen Partelle und Zeichnen der Scholcm Alechem-Klub zeigt, richtet wie t> w ** Interesse auf den jüdischen Menschen des Osten*. .Mensch der jüdischen Kleinstadt Litauens Ist es. Cahn ' «in Fertiger — er fängt erst an —. Er Ut auch keiner 4!° viel drängenden Ocslchten wie Rybak, bei der» ^e»l»ltungstrleb zur künstlerischen Umformung greift lies .WnU|n der Herrschaft der mit Unrecht abgeleugneten «m, . M unterwerfenden Macht ,Cahn Ist Ly.tter. Auch lü,! 'f? BHck Wr das' Ewige ki den Köpfen Syrier alten iX, Du Pastell Ist gefügig für die Blicke, dl« dem <lt ,?un 0Ur wc"te »"gehören wie bei den beiden Alten, <tn h,,b jeitorben sind, oder dem WunderrabM mit naglKow Färbte und dem Harfen ton des alten Juden, .IMJHII der die Scmlraus geigt Das alte Leid ist da, wenn auch grad im Osten das Junge Leben darüber wächst Cahn sieht das Junge Lehen mit einem welchen Unterton. Novellen des Lyrikers nannte der jüdische Dichter Salus »ein schönstes Buch. Die Lust am Fabulieren läßt ihn in echtem Zeichnerblut zum Kleinen greifen,, zur Einzelheit. In seinen Talmudjuden zeichnet er aueh das Problem. Sobald er einen geistigen Zug faßt, spürt man keine technischen Mängel. Das Geistige stellt obenan. Es Ist aber doch nicht so stark, daß es das Epische Oberwuchert Der vergnügte DaUcsjudc und die Schalctbäucrin sind Zeugen eines reichen illustrativen Naturtalents und der kleine jüdische Wntecnknnbe mit dem Bündel bestätigt daß dort vielleicht sekie gioßcn Möglichkeiten liegen. Es soll damit nicht gesagt sein, daß A. Cahn kein Maler wird. Im Gegenteil. In einem seiner Pastelle — auch ein altes Ehepaar — zwingt er dem Pastell erstaunlich viel Plastik ab. Nur, er malt vorläufig noch nicht OcL hi dem kleinen Ort Janowo hatte er keinen Lehrer, nur ein paar schlechte Drucke Ms Vorlagen, Die Vorlage merkt man in anfiingerhafter Zeichnung der Landschaft. Russen der unfruchtbarsten Zelt waren es — der Jahre vor der Sammlung wir Jungnisslschcn Renaissance der Mussogorskt und Rimsky Hcrsakoff, Der Verkauf der Pasldlc — es sind eine ganze Anzahl verkauft worden — soll ihm eine intensivere Weiterbildung ermöglichen. In der Bewegung und der oft falschen Perspektive hat er es nötig. Er ist jetzt Jüdischer Lehrer und steht im Alter von 26 Jahren. De - gleichfalls noch Junge Künstler Mintchln Ist herber äIs Cahn. Wie der Maler Max Band vom Intellektuellen zur Sinnlichkeit durchdrang und im biblisch Herben die Kraft sucht, so geht auch Mlntchfat zur Bibel, aber zu ihrem orientalisch Bunten, von dem man spürt, daß es die aus der machtvollen Sprache der Väter rückkonstruierte Färbkr«U ist So wurde der Auftrag der Bühnen tntwürfe zum Bcltizarsplel des Hebräischen Theaters Anlaß fOr die Entstehung seiner wesentlichsten Arbelten. Die Aufgabe wurde Ausgang zum Freiwerden Innerster Kräfte, in der Ausdrucks- ■ kraft der Bewegung und Ihrer Rhytmon- und Formenfülle, die gebändigt tat durch kraftvolle Clsureti, offenbart sich wohl der zukunftsreichste Ausdruck Juug-Jüdiiciien Schiffen*, III" >vt Mintchln kam vom Kubismus. Aber der Kubismus ist Sara nur dasselbe was Max Band der jüdische Intellekt ist —« Widerstand. Die Mystik der Q.-.tjudcn, mit der Cahn den Wunderrabbi In magischen Farben malt und Band einen vorgeahnten „Armen Vetter", diese Mystik hat Mintdiin In der Farbe und in seinem Weg. Den exprcsslonfetischcrt Exstalikcrn fühlt er sich verbunden, aber seine Kraft löst sich erst, nachdem er durch die Abstraktion und mit Ihr zu erhöhter Bewegung durchdrungen M. Auch die Faabtechnlk der Materialisationen ist wie geschaffen für die Dantcllung der gesteigerten Buntheit des jüdischen OrlenK Die Starrheit der kubijehen Form und die Ocfühlsghrt V id Pracht stimmen seltsam gut zu dem herben und großi tlgcn Guttural der hebräischen Sprache. Und der reifen t.hcrnschung der Bewegung gelingt das Zarte einer Rachel w; die Blbclglut der Propheten und Asiens große Linie eis Wcltsymbols Weib, zu dem er die Prlcstcrinnen steigert Natürlich Ist die Art der Figurinen nicht neu, die Oontscharewa, Bakst sind die Urheber. Aber es handelt sich hier um das, was er als jüdischer Künstler daraus gemacht hat Und er hat diese Form fruchtbar gemacht für Palästina. Zumindestens aber Ist sie eine starke und lebendige Anregung für das Junge Jüdische Theater. Von seinen Oemäldcn Interessiert ein Frauenkopf un<f ein Frauenkopf mit Glas. Dieser durch das, was Ich weiter oben als FarbmyaUk bezeichnet habe. _______ Ruth Morold. Konzert Jüdischer Hailk (I.ledcrabend Ermolnlkofi.) Was sehr zu wünschen Isit daß nämlich Jüdische Konzerte, die mit östlichen Dingen zu tun haben, nach der „modernen" Seite keine schiefe Linie bekommen, oder, was noch schlimmer Ist einen Ncbblch-Ohcttocharakter tragen, das Ist hier, Im Kammer-Rahmen gewissermaßen, geschehen. Das Programm hatte zunächst Stil. Hebräische Qettage der Jemenitischen Juden, fünf Präludien für Klavier von Alk an und ostjüdlsche Volkslieder In einer guten Auswahl. Die Bearbeitungen der Frau Alice lacob-l.oewenson alnd geschmackvoll, nach den Richtlinien dea leider jung verstorbenen F. M. Kaufmann ein wenig zu stark und streng gehalten, aber meiste« mit feinem Geschick und gutem