Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1925)
- Date
- 1925-01-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 9 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seile 8t Wahlkampf und Antisemitismus!. Das große Plus, das dem Ccnfralvcreln von »einen Anhiiieern und Mitläufern immer wieder gut geschrieben wird, hftfeht In seinem unermüdlichen Kampf gegen den heutigen deutschen Anti»cmltismus. Zu gleicher Zeit wirft man den Anynßcrn der Jlidischcn Volkspar ei höhnisch die Präge In» Ocslcht, was sie denn eigentlich zur Bewältigung dieser schwierigsten und gefährlichsten Aufgabe des deutfchai Judentums tue. Es gibt viele Parteigänger dieser un» »empatischen und von uus vertretenen Partei, dJc offenbar <jiieklc Antwort darauf nicht /u geben Witten, »oilaß es »Ich lohnt, einmal anzudeuten, oder, vielmehr zum hundertsten .Male zu wiederholen, was denn eigentlich unsere Absichten ,n Minsichl auf den Antisemitismus seien. Das so gcstcltc Problein hat zwei Abteilungen; wir »Wien sie getrennt betrachten. Die erste, die Tätigkeit dfs Ccntralverelns betreffend, die zweite, die Haltung der jüdischen Volkspartei untersuchend. 2. Ad l: wir sind natürlich die Narre» nicht,, zu leugnen, djfl der Ccntralvcrrln sich auf seine Weise mit Energie und tAtt gewissen betriebsamen Tapferkeit in den Kampf gegen die Antisemiten gestürzt hat. Ein großer Teil dessen, was fi der Öffentlichkeit geschieht, um von Fall zu Fall e'c Agitation der erklärten antisemitischen Parteien zurilckzutcUcn, kommt auf seine Rechnung. Die C. V.-Zcltung verkeime! und bekämpft mit Eifer antisemitische Prcsscausfallc, und wenn sie nicht die leidige Gewohnheit angenommen hätte, ihrerseits die gleichen Methoden, die die Antisemiten den deutschen Juden gegenüber anwenden, im Kampl gegen die Zionistcn nachzumachen, und mit Geschick cid Begabung nachzumachen, Jede Perlidic, jede geschickte Verdächtigung, jede Entstellung von Tatsachen, Jedes Ausspielen Lmcst verjährter, aun dem Zusammenhang gerissener und Vcs ursprünglichen Sinnes beraubter Artikclbructwtfteke ... >d würde sie es noch mit mehr Nachdruck, nämlich m i t btiscrcr innerer Berechtigung tun können. Auch « Versammlungen läßt es der Central verein nicht fehlen, rf stellt Fonds auf, die Ocn Kampl gegen die Judenfeinde »od ihre Anhänger unter den deutschen Parteien und der;wOcn Masse der Parteilose» und Mitläufer finanzieren; kurz, »r kaon mit einer beträchtlichen Masse von Aktivität seine inli-antistmitlschc Tätigkeit nachweisen, von einem Fall /um andern, unermüdlich. Versteht man unter dem Kampf gegen den Antisemitismus tkhli anderes, so ist In der Tat die Leistung des Centralvtrclns durchaus in nller OcHcntlichkcit sichtbar und verdienstlich. IXmn selbstverständlich muß all diese Arbeit geästet werden; bei dem Zustand der deutschen Nachkriegs« jcele wäre e» ein Fehler, nicht zu versuchen, auf jeden Klotz (inen Kell zu setzen. 3. Qinz anders sehen sich die Dinge aber an, wenn man zunächst einmal die Frage stellt, was der Centrafvcrcin tue, um die Wirkungen de» Antisemitismus in den Juden zu bekämpfen. Jeder Verständige wird mit uns einer Meinung »ein darüber, daß das Abwchrproblcm nur zu einem Drittel in der Tätigkeit besteht, die wir eben beschrieben. r>a zweite Drittel, die Stärkung der jüdischen Seele, ihre innere Aufrichtung, die Oberhaupt erst das eigentliche Ciift der antisemitischen Atmosphäre erfaßt und unschädlich macht, wird selbstverständlich von dieser Oegenagitatton von Fall zu Fall nur ganz unvollkommen betroffen; und das M/tc Drittel, das allcrwichtigste, die vorbeugenden Maßregeln sowohl politischer wie auch seelischer Art, der rositive und schöpferische Kampf gegen den Antisemitismus, bleibt überhaupt von jener Tätigkeit unberührt. Ihn meinten wir, als wir von der zweiten Abteilung des Problems am Eingang dieser Ausführungen andeutend »prachen. Aber in der Tat hat der Zionismus »eine Verdienste gerade auf dem zweiten und dritten, dem weitaus entscheidenden Tätigkeitsgebiet. Was zunächst die Innere Aufrichtung der deutschen Juden anlangt, *o besteht sie selbstverständlich wesentlich in einer Bewußt machung des jüdischen Wertes, in dein Nachweis und dem zum Ocfühl erhobenen, zur Einsicht verstärkten und vertieften Wissen um die Berechtigung des Jüdischen Menschen in Deutschland, judisch zu sein und bleiben »u wollen. C» ist leicht einzusehen, d»ß hier einige tradltlonstrcue und die jüdisch-natlonal genannten Kräfte Im Judentum bei weitem Intensiver zu wirken Imstande sind, als die bestgemeinte Ideologie doi Ccntralverelns, die Immer und Immer wieder, wenn sie positiv sein will, In dem Nachwers sich erschöpft, daß man das sein könne, was der Centralvereinter einen „guten Juden" nennt, und dennoch ein vollberechtigter und wertvoller Bürger der deutschen Volksgcmrinschafts-Erkcnntnis. die niemand ernsthaft bestreitet, der überhaupt in seelischen Dingen des deutschen Judentums das Recht mitzureden hat. Die Wiederholung solcher Selbstverständlichkeiten vermag keinem Qekränktcn, keinem tief Vcrlclztcn, keinem in seinem Selbstbewußtsein Unterhölten unter den deutschen Juden auch mir ein Oran Hilfe zu gewähren. Und wie man mit diesen AUthoden den gefährdetsten Teil der deutschen Judenhelt. der deutsch-Jüdischen Jugend nämlich, Hilfe zu feisten vermag, das ist eine Preisaufgabe, an deren Lösung der Centralvcrein selber längst verzweifeln mußte. Denn die Jugendorganisation, die er und nein nat'onaldeulschcr Flügel sieh immer wieder wünscht, hat er »Ich nicht schaffen können, und er sollte* wissen, daß er die Möglichkeit dazu auch künftighin einfach nicht hat Hier liegt zunächst einmal die erste Ucbcrlcgcnhcit des Zionismus: er hat die Ihr angeschlossene jüdische Jugend gegen das antisemitische Oift mit soviel jüdischem Selbstbewußtsein geimpft, daß Erkrankungen nicht mehr ernsthaft vorkommen können. Endlich aber hat der Zionismus und nur er — um in dem medizinischen Bilde zu bleiben — das getan, was man Prophylaxe nennt, jene Summe von Vorb e ug u n gsm a ß rc gel n nämlich, die der antiscm.'tisehen Entzündung des deutschen Volkskörpers auf lange Sicht einzig zu begegner. imstande sind. Es ist gar kein Zweifel daran erlaubt, und jüngste Ereignisse haben es immer wieder bewiesen, daß das deutsche Judentum mit dem Antisemitismus laugst fertig geworden wäre, d. h. ihn auf seine unheilbaren, zahlenmäßig und dem Einfluß nach fest begrenzten Träger beschränkt hätte, wenneskein Os t jud c npro blem gilbe. Die national-deutschen Juden sind auf ihre Art ß.mz konsequent, wenn sie die Schließung der Grenzen nach Osten durch gesetzgeberische Mittel propagieren, sofern das überhaupt ginge, ohne sofort schwerwiegende Ocgcnmaflregcln östlicher Staaten herauf, zubeschwören. Aber davon ganz abgesehen: gegen verzweifelte, zu allem entschlossene, vor der Vernichtimg stehende Einzelne, wie gegen Scharen solcher Einzelner gibt es einfach kein legales, und auch kein illegales, noch so radikales Hilfsmittel. Wer auch nur die geringste Möglichkeit hat, der svirtschaftlichcu Vernichtung in Polen, .Litauen ©der Sowjetrußland zu entrinnen, Indem er sich, gesetzlich exfer gegen das Oesetz, über die deutsche Grenze flüchtet, der wird die* tun, wenn ihm ein anderer Ausweg nicht gezeigt wird, und er wird dabei ein Urrechtdesgepeinlglcn und gejagten Menschen für sieh haben. Ihm zeigt der Centralvcrein und seine Taktik keinen Ausweg, Und daher würde er immer wieder an der Entstehung neuer antisemitischer infektk>ntn mitschuldig werden, wenn nicht die Zionistcn, indem ihre Anstrengung auf den Aufbau Palästinas gerichtet ist, den Kampf gegen die immer erneute antisemitische Infektion In dieser positiven und schöpferischen Wehe führten. Jeder Jude, für den in Lrcz Israel Raum geschaffen wird, jede ostjüdische Familie, die drüben in das welthistorische Neuwerten des Jüdischen Menschen produktiv eingebaut werden kann, wird dadurch erstens vor der Assimibtioii gcrct'.ct, vermindert sber auch zu gleicher Zeit die Zahl der Einwanderer, für die dann der Centralvcrein, ob er will oder nicht, die Mitverantwortung und den Kampf aufzunehmen gezwungen wäre. Wären die Führer des Ccntralverelns konsequent, so mfinten sie aus ihren Fonds gegen den Antisemitismus eine beträchtliche Summe alljährlich derjenigen Orldsammlung zuführen, «ilc diesen Kampf auf allein wirksame Weise betreibt, Indem sie zu gleicher Zelt auch der Jüdischen Jugend Deutschlands zum Ausweg aus Ihrer seelischen Not verhilft, dem deutschen Kcren Hajessod. Dies, meine Herren Anhänger und Oegncr, ist die Knmpfe.swclsc der Jüdischen Volkspartrl gegen den deutschen Antisemitismus. Der Ausgang der Wahlen zum Landesverband wird beweisen, wieweit die deutschen Juden politisch denken zu lernen vermochten; ob sie lieber »IchVerteidigen wollen von Fall zu Fall, oder ob sie schon ihre Interessen wahren können auf lange Sicht. Abr. Laban. Unvergessenes Von M. S. Dlk. (Schluß.) IQ,*'« Einzelverleumdungen. Neben diesen generellen Denunziationen und Verdacht!- guncen der Zionistcn insgesamt, der Zwischenschichller des «-ciitralvcrcins und der Osljuden findet man in fast Jeder Nummer eine ganze Anzahl schwerster Verunglimpfungen Indischer Persönlichkeiten, die die „nalionaldcutsclicn" Juden ok mißlichic empfinden. Und zwar, das muß man gerechterweise /.ugrhcn, geht man darin gar nicht einseitig vor, die Mitglieder des Centralvereius, Ja seihst die ,,Libcralen,, werden genau so verunglimpft, wie einzelne Zioiiisten. Man versichert zwar von Zelt zu Zeit immer wieder scheinheilig, m.ui führe den Kampf sachlich und ohne personliche Beschimpfung de» Gegners. Hören wir, wie das in der Praxis ausgeht. I.'in dankharr« Objekt für diese Denunziationen und Verunglimpfungen sind natürlich die dopnclt und dreifach gehallten „Rcgicrungs-Zioulatcn". Ihnen wird, besonders gern auch In der deutsch-nationalen und antisemitischen Presse, von Naumann und seinen Mitscrilientcn vorgeworfen, sie seien keine „richtigen" Deutschen, man könne zwar von den Zionistcn Achtung haben, die nach Palästina ciu^cn, nicht aber vor den „Regicrtingszionistcn mit dem umschaltbarcn Nationalgrfülil", den „kläglichen Heim: und EtappenkrieRern des Zionismus", die hier als Prc<Jc-CheN und Ministerialräte ihr wichtigtuerisches Wesen treiben, und was ähnliche Liebenswürdigkeiten mehr sind. Aber auch die „Zwischciischichtlcr" erhalten ihr redlich Teil. Den Zwischciischichtlcr, Dr. Paul Nathan, beschuldigt Herr Dr. Naumann, er habe „wissentlich die Unwahrheit gesprochen" und schreibt dann weiter: „Sein Bil>J hat mir vorgeschwebt, als ich in dem Aufsatz .Ganz-Deutsche oder Halb-Deutsche' den Umriß eines Pseiido-Potitikers zeichnete, von dem es heißt '..Schwätzer dieser Art sind es, die einem Teil der national-deutschen Juden eingeredet haben, da-; deutsche Volk müsse sich mit einem Teil ihres Empfindens begnügen, der Rest gehöre land- und kulturfrcmdcn Stamnicsgcrinsscn.'" In ähnlicher Weise wird ein Vorstandsmitglied des Central- Vereins Rechtsanwalt Dr. Focrd.'r-Breslau, als „uiidrutsch" denunzier», und als es nicht g.lingf, den Centralverein zu einem Vorgehen gef»cn Dr. I'oerdcr zu veranlassen, werden die Vorstandsmitglieder des Ccntralvereliis In gleiche/ Weise beschimpft, wie das schon In einem der vorhergehenden Mitteilungsblätter geschehen Ist. Dort sehreibt Herr Naumann: „Besinnt sich einmal der dcutsch-fühlcnde Teil d-r Centralverrinsmitglleder auf sich selbst . . . fegt er d'e iindciitsrlten und halbdcutsclien Vorstandsmitglieder, dir Ostjuririi-Schützcr und Zionlstciifreunde, die Palästiuafonds- Zeichner . . . nebst den ihnen dienstbaren Verwaltung*- Opportunisten . . . fort, dum ist der Tag gekommen, an dem der Verband nationaldvutschcr Juden überflüssig ist." Hern Direktor des Centralvereins, Herrn Dr. Ludwig Holländer, werden folgende Liebenswürdigkeiten gesagt: „wer ... die Praktiken des Schriftleiters der Centralverehis-Zrltung, Dr. Ludwig Holländer, nicht längst kennt, muß erschrecken über den Orad von Skrupcllosigkeif und Verantwortungslosigkeit, mit der liier die Wahrheit auf den Kopf gestellt wird." . . . »•«»aueiicn vortragen zu wirkungsvollem Ausarui f'orien Massenversammlung, in der er eine außci l'w»g erzlene, Ir/jtc er den »Virilsten Nathdru r'iionaJc Moment, seiner Eigenart entsprechend, Die Vorträge des „Raw Amlel aas Antwerpen" Raw Amiel aus Antwerpen .ist für die religiöse Judenhelt f'iltel- und Westeuropas seit einigen Jahren eine führende 1 "krtiillchkcit. Gebort er auch zur große» Schar der ost- Nochen Rabbiner, die mit Selbstverständlichkeit im nationalen JMcntum verwurzelt sind, so darf man ihn doch gleichzeitig w" an Zahl geringeren zurechnen, deren tiefstes Interesse ''uiifhöriich' den dringlichen geistigen Problemen zugewandt die sowohl im Lager der traditionellen, wie auch der der 1 chtrlicferung indifferent gegenüberstehenden Zionistcn gcle- R'ntlich vcruivChlässiKt werden. Raw Amiel verdankt seinen Rollen Einfluß und sein bedeutende» Ansehen im Mlsrachl j!n<f iiber ihn hinaus der Eigenart «einer grilligen Person- ''"nkeit, die nicht nur in sich nationale und religiöse Faktoten!.fr,'inifil. sondern auch einen Sinn für moderne geistige ' "Ren hit. Diese dreifache Befähigung kam in den drei In Berlin Mullcucn Vorträgen zu wirkungsvollem Ausdruck. In der "" ... jne j,uflcrordcnlliche Nathdruek auf das ......_______ _..„______ _... .rechend, begründete fr den jüdischen Nationalismus von der Tradition her, Indem;f Ranz, allgemein di m Oedanken Ausdruck gab, daß Jede ,,fneration eine leitende Idee ihr eisen genannt habe. Keiner Y fuhrenden Oedanken ist als absolut neu zu bezeichnen, f."« Jeder, der für eine Epoche bezeichnend Ist, erlangt In 'nr eine ausgezeichnete Stellung, wird fundament und erhält yniit konstitutive Bedeutung. Einer Idee für ihre Zeit den ,,0,fr*"8 geben, heißt erkennen, daß die Zeitumstände es . "'pfdern, da» jüdische Oedankengebäude zeitgemäß zu ge- »'Wen. Diesen Oedanken findet Amlel in vielen Weisheit»- V'uchen der Alten bereits vor. Daß für unsere Oegenwart r.fr nationale Oedankc und Palästina die Rolle der führenden;?.Ce »plelcn müssen, wUl er. eindringlich dem Hörer ver- ' -manch machen und zwar Im wohlverstandenen. Interesse *ucn des religiösen Judentums. — , jn tiner D'raschah, die er am Sahbath In der Synagoge ,! der Dragonerstraße hielt, standen mehr rein religiöse ';»Ren Im Vordergrund. Der Frciheltsgedankc Im sozialen n,? geistigen Oeblet wurde an Hand von Thor» und tnünd- LCft" Uhre eingehend behandelt. — m.i jr Sonntag war einem wissenschaftlichen Thema gewid- Ql< o*i schon durch »einen Titel zahlreiche Hörer herbeiffiT i\ RiW Amlel »prach über die Bedeutung de« Pilpul £r die Jüdliche Mentalität. Allerding» umgrenzte er daa ..nuTu «nders »|a mancher vermutet hatte. Als Pllpnl bc- ^hncuj er nicht die zur Virtuosität gewordene Dialektik, die wir gewöhnlich von Jaakob Pollak herleiten. Pilpul Ist ihm vielmehr die Denkweise der ll.ilach.ih und der Hahchisten ganz allgemein. Mit Recht erkennt er in der llalaclnh die eigentlich* große Leistung des jüdischen Volke*, die Ansjiruch auf OrlKinalilät hat. Es Ist leider unmöglich, die Fulle der Oedanken und die Beweiskraft der Beispiele hier wiederzugeben. Deshalb sei nur aphoristisch angedeutet, daß Raw Amiel wohl als einer der Ersten den bedeutsamen Versuch gemacht hat, die logischen Grundlagen der halachlschcn Denkweise aufzuzeigen und die OegcnsSlze zwischen manchen ragenden Gestalten der Halachah auf gewisse geistige Ocgen- »ätze (Typcnlchrc) zurückzuführen. Interessant waren seine Hinweise auf die Versuche der Verallgemeinerung (Induktion, AbstiaktionJ in Mischnah, Oemoro und Rischonlm. So zeigte er, daß selbst dort, wo die Mlschnah gci;cnuher der Thornh Ins Einzelne geht, sie dennoch neue Verallgemeinerungen systematischer Natur anstrebt. Der Talmud wiederum, cic« wir als Sammlung reichster Kasuistik anzusehen gewohnt sind, stellt oft genug der Mischnah gegenüber einen Fortschritt systematischer Verallgemeinerung dar. Oegensätzc zwischen ÜcsUUcn wie Rasern und eAslmonldcs sls Kommentatoren werden klar, wenn man Jenen als Analytiker, diesen als Syntetlker begreift. Die Beeinflussung die z.B. der Ha ladt (st Malmouldes von dem Philosophen Malmnnlde» empfangen hat, läßt «Ich vielfach nachweisen, so In der Rolle der Kausalität, der Begriffe Möglichkeit und Tatsächlichkeit usw. Umgekehrt hat die jüdische Mentalität durch die Kultivierung des halachlnchen Denkens eins Prägung erfahren, deren Eigenart darin zum Ausdruck kommt, daß jüdische Denker im allgemeinen gute Interpreten anderer nichtjüdischer Systeme geworden Bind, selbst aber der Orglnalltit entbehren- — Der Eindruck aller Vortrlge Raw Andels, öle auch von zahlreichen Nichtmisrach'stcn und Nlclit'lonlsteo besucht waren, war außerordentlich stark. Die Anregungen, die er gegeben, werden nicht so bald vertoren gehen. In Raw Amiel gelangt das Programm des Misrachl, das Land, Volk und Thorah umschließt, zu besonder« geschlossenem Eindruck. — Oskar Wolfiberff. SoDCino-CcsclIschall Daß wir nnn auch eine Oesellschaft haben, die Ihre persönlichen und finanziellen Kräfte ausschließlich dem ichönen. Jüdischen Buch widmet, die Herausgabe »eltener Texte- und wertvoller Drucke von Werken jüdischen Inhalt» oder Oelste« bezweckt unter besonderer UcrOekilchllgung von hebrälichcn Werken; daß also die jüdische Uibliophilic nunmehr eine Würdige Stätte gefunden hat: das darf als sicheres Zeichen für die Erweiterung ncujüdlscheii Kulturhedürfnisses, für die Wiederbelebung gediegener jüdischer Buchkunst hier Ireudtg bestätigt werden. Schon als Im Frühsommer 1921 die Initiatoren der Gesellschaft, als die wohl In erster Reihe die Herren Dr. Siegfried Wolff und Dr. Hermann Meyer angesprochen werden dürfen, die Gründungsvcrsammlung mit der Wiedergabe einiger Seiten aus dem ersten Machsordruck der Familie Soncino (118077) überraschten (außerdem mit einer von Herrn Lamm festifteten Struckschcii Radierung), ließ die prachtvolle, jede ypc zu ihrem künstlerischen Recht bringende Reproduktion erwartungsvoll aufhorchen. Nun hegt die erste Publikation der Gesellschaft vor: Das r'aksimile der unter dem Nnmcii Sefcr Mcschallm bekannten Sammlung von Fabeln und Parabeln In jfidisch duitseher Sprache aus «lern Jahre IfW. Die Reproduktion des Werkes und seiner zahlreichen Holzschnitte, als Privatdruck lediglich für die Mitglieder der Soneliio-Oesellsehaft hergestellt, fr.t hervorragend gelungen; auch Einband, Papierwahl, Wiedergabe des TUi'lMattti, der Kopfleisten usw. verdienen hohe Anerkennung. Ein zweiter IJand mit Uehertragung des Werkes Ins Deutsche und wissenschaftliche Einführung von Prof. Dr. A. I'rclmann in Frankfurt a. M. Ist in Vorbereitung, ebenso die geplante Zeitschrift für das Jüdische Buch und andere Veröffentlichungen. Ausgezeichnet In Ihrer ganzen Aufmachung, In Ausst.ittunc Typeiiwahl, Satzbild uod Zusammenstellung sind auch das werbeheft (mit Proben aus einer vorbereiteten Sammlung hebräischer Drurkcrzclciicn und aus anderen Publikationen) und das Mltgliedervcrzelchuis. das bereits per 15. Oktober 1024 über 250 Nummern aufweist; die Oesamtzahl d<r Mitglieder Ist auf MX> beschränkt. Die Erreichung dieser Zahl dürfte, hei dem wachsenden Stande der Anmeldungen, In nicht »ehr ferner Zelt erreicht sein; dann wird die Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches, im geschlossenen Kreise ihrer Organisation, mit fester Hand ihre vorbildlichen Arbeilen ausbauen können. Von vornherein »ollte übrigens die Sonrlno-Oesellschalt Fühlung zu Unternehmungen suchen, die, wenn auch nur peripherisch, ähnliche Zwecke verfolgen; so tu den »Mon u m e n t a h e b r a 1 c a". in denen Benzion Katz und Heinrich Locwe Erstdrucke dtr hebräischen Literatur in gereinigter, wisienschaftllch einwandfreier Oestalt herausgeben wollen; zum „Thesaurus typographlae hebraleae", In dem l'rcimtnn die hebrAliehc lukunahelnfor«chung konzentrieren will. Hier dürfen wohl manche Verbindungen und Vereinfachungen möglich »ein. Dr. Klr»ebner.