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Jüdische Rundschau · 1925-01-23 · Heft 7 (23.1.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 7 (23.1.1925)
Date
1925-01-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I Nr. 7 JUEDISCHE RUNDSCHAU Von den natürlichen Grenzen der zionistischen Ideologie Von Ocrhard Hold he Im. I. Hie rlonlslischc Bewegung wir dem Kriege unterschied ,iclt In Ihrer Physiognomie erheblich von dem, wm wir heule als Ihr entscheidendes Kriterium zu bezeichnen gewohnt »Ind. Seitdem sich herausstellte, daß die Ficmfihiinfrcn um die Irlangung des Charters kaum mehr chic Aussicht auf Erfolg rmteii und iwcli dazu die Bewegung d?s genialen Führer» tu-raubt war, in dessen Person die mannigfachen politischen lüden zusammenliefen — seit dieser Zeit begann eine Entwicklung, *ls deren Kennzeichen die Ideologische Fundlcrung der natlnnaljüdischoii Idee anzusprechen ist. Wahrend In dm ersten Jahren des politischen Zionismus die Augen geblendet waren von dem Glan/, den die große Hcrzlschc Konzeption ausstrahlte, während bis dahin der feste Glaube 411 die alsbaldige Lösung der Judenfrage durch die politische l'rtnöglichimg einer Atasscnkolonisalion in Palästina die Ofmüter in H.11111 hielt und trotz vereinzelter Kritiker (Achad Haan). Martin Buher und sein Kreis) Politik und Massenjjitation den fast alleinigen Tätigkeitsbereich bildeten, begann in der zweiten Hallte des Vorkrlcgsrlonismus eine evolutiouistlschc Auffassung sich durchzusetzen, die zwar in keiner Weise das Endziel des politischen Zionismus preisgab, aber doch mit anderen Mitteln, mit einer IV>lilik auf weite ficht die Bewegung fortführen und gleichzeitig konsolidieren 711 müssen glaubte. Und dieselben Menschen, die (entgegen der früheren Auffassung, daß vor Erlangung öffentlich-rechtlicher Garantien keinerlei Werte in Palästina investiert werden dürfen) auf kolonisatorische Betätigung in Palästina drängten, waren auch die Träger und die Inatiguratorcn einer Entwicklung, die in der Ausgestaltung und Vertiefung der zionistischen Ideologie eine primäre Aufgabe erblickten. Wer liierin lediglich eine Beschäftigungstherapie sehen, wer etwa behaupten wollte, dafl die damaligen Fuhrer der Bewegung ans der Not eine Tugend machten, der verkennt die lebcnsnichtige Funktion, die das geistige Element in der Renaissancehtwegung gerade eines so geistigen Volkes wie der Juden ('irstclleu muh*. Wenn auch zuzugeben ist, daß die änderen entstände, die erzwungene Untätigkeit auf politischem und InViiiisntnrlsrlicM Gebiete, diese Entwicklung begünstigten, »o darf nicht überscheu werden, dafl eine so 'ungeheure Aktion wie die Rückführung der Juden nach Palästina ohne den Impuls und die Stofikraft nicht denkbar wäre, den die vicllälligc geistige Durcl.denkung de» Problems zur Folge hat. Waren somit die letzten Jahre vor dem Kriege neben den quantitativ geringwertigen kolonisatorischen Versuchen und d.m Ausbau der Zionistischen Organisation vorwiegend von der Ideologie beherrscht, so vciändcrtc sich das Bild, als mit den politischen Erfolgen der Aulbau Palästinas zur beherrschenden Aufgabe des Zionismus wurde. Die Notwendigkeit der lauge ersehnten und nun gebieterisch geforderten realen Lelitung muhte es mit sich bringen, daß die Kräfte der Bewegung und Ihrer arbeitenden Menschen hierdurch al porhicrt und die Beschäftigung mit den theoretischen Fragen f.i<t völlig vernachlässigt wurde. Daß dieser Prozeß der Vcrsichlichung dadurch eine Begünstigung erfuhr, daß die innerjüdische Situation im Sinne einer palästinafreundlichen Stimmung und der Mitarbeit weitester Kreise sich veränderte, unterliegt keinem Zweifel. Aber selbst wenn sich unter dem rindruck des Palästinamandates die Annäherung bisher abseits stehender Kreise nicht vollzogen und die (im übrigen falsche) Vorstellung nicht prävalicrt hatte, daß nunmehr der idcoloüischc Gegensatz zwischen Ziotiistcri und Nichtzionistcii überhnKkl wäre selbst dann würde sich eine Abkehr von der Theorie bemerkbar gemacht haben. Wenn das Haus brennt, p'lrgt sich der Insasse nicht philosophischen Spekulationen hinzugeben, selbst wenn er hierzu besondere Vorliebe hat, andern er wird die Löschung betreiben. Dieser etwas abrogriffenc Vergleich drängt sieh immer wieder auf, wenn nun die neue zionistische Situation betrachtet. Wenn in c'.-r gegenwärtigen Lage, wo der Zionismus um die Verwirklichung kämpft, wo es darauf ankommt, alle verfügl'irni Kralle für die mannigfachen konkreten Aufgaben zu flmbilisicrcn, wenn heute, in der Stunde äußerster Qcfahr, 'l r Schwerpunkt der Bewgung in der Schaffung neuer Jti-.toglschcr Begründungen, neuer wissenschaftlicher Systeme liegen würde, so wäre dies nicht nur ein Verhängnis für die p™ Offling, sondern auch ein Zeichen von völliger Vcrkcnniing *-r Lage. Was dem Einzelnen nicht verwehrt werden kann «"J auch nicht verwehrt werden soll, dar.' nicht zur Losung <*;r Gcüamtbcxvcgung erhoben werden. Die Stunde des Zionismus wird beherrscht von der Tat und nicht von der Literatur,!" dieser Feststellung Hegt nicht eine Herabsetzung des ."••istigen Clements (die gerade dein Verfasser besonder» fern tiegr-n würde), sondern die Erkenntnis von der Notwendigkeit des Augenblicks. P-rr Leser wird fragen, warum mit solcher Akzentuierung ri"e These verfochten wird, gegen die sich im allgemeinen '*'i<t.-rsprijch nicht erhebt. Dieser Einwand sei vorwegge- '; '»nun und eine Antwort sogleich erteilt. Was hier ans c'ht Besorgnis heraus zum Ausdruck kommt, ist weniger jid die Gegenwart als auf eine nahe Zukunft zugeschnitten. j:«n aufmerksamen Beobachter der ikmte*.i*:h.ciA Entwtektang '•■inn es nämlich nicht entgehen, daß Tendenzen sich anpndigen, die im Augenblick vielleicht noch unter, der Oberh-'rhe leben, »her demjenigen, der Stimmungen abzuschiitzin ';"iß. n ir al'z.i d:utlich hörbar sind. Es besteht die Ocfahr, J;'» auf die Erreichung der gcmlxhtcn Jewish Agcncy und damit verbundene vermeintliche Entlastung von den Aufc-ihcn der Politik und der Wirtschaft eine höchst uncr- \Un1Sc.'llc R<;3,<»'On eintreten wird. Die richtige Erkenntnis, Ujö kielt der Zionismus um seiner Existenzberechtigung willen \*<* den anderen Oruppcn abgrenzen und seine besondere 1- ■'icllung Im Judischen Leben in die Erscheinung treten lassen nu0, kann leicht zur Folge haben, daß er diese Abgrenzung VCI'iger In der Richtung einer Intensivierung der Leistung, rf Radikalisierung seines Palästinawillcns und der Hcbralt!tf"ng zu erblicken sucht als In der Schiffung neuer differierender BcgriHskotupltve. Au* der Irrigen Annahme, mit der Konstituierung der Ageucy die Last de* Aufbaus :cr t Scnu,lcrn der Zion/istcn genommen und bisher von I' w/ .''Besorge absorbierte Kralle für andere Zwecke frei I' i..™'"» wird, wie zu fürchten Ist, eine Stimmung entatchen, V s'ün»u"LUcbtrwuchcr" dw tö««>ogl«- In illrluter Welte be- %M Seite 81 Wer wie der Verfasser dieses Aufsatzes nicht in dem Verdacht st heil wird, die Bedeutung des Ideologischen Element* Im Zionismus zu unterschätzen, hat ein besondere» Recht und eine besondere Pflicht, vor einer Entwicklung zu warnen, die schwerste Schäden in sich birgt. Die Ocfahr einer ungebührlichen Hervorhebung der Ideologie sehe ich aber nicht nur darin, dafl unsere Menschen abgelenkt werden von den konkreten Aufgaben und das Gefühl der Verantwortlichkeit für den Aufbau erlahmt obwohl dies allein hinreichen würde, Denn es wäre die Bankeroftcrklärung des Zionismus, wenn in einem Augenblick, wo die Tat gilt und nur die Tat, ein Theorctisicren einsetzte, das auch dann, wenn c* geistige Bedeutsamkeiten zutage förderte, sich notwendig zur „unzeitgemäßen Betrachtung" degradieren würde. .Aber die Ocfahr einer derartigen Entwicklung liegt auch auf einer anderen Ebene. Ich glaube nämlich, daß gerade jetzt alles darauf ankommt, die Zionistische Organisation Innerlich zu stfirken, und daß alle« vermieden werden muß, um die Gegensätze in der Bewegung unnötig hervorzukehren. Nichts aber wäre zur Untermliilertiiig der Organisation geeigneter, als wenn der großartig einfache Gedanke einer Lösung der Judenfrage durch Schädling eine* jttdtechcn Palästina verkoppelt und kombiniert würde mit Elementen, Veranlasset Eure Bekannten jittiiiiisr zu wählen I die nicht unmittelbar dem Bereiche des eigentlichen Zionismus entstammen. Wir müssen uns endlich darüber klar werden, daß die Zionistische Organisation aus den heterogensten Gruppen zusammengesetzt ist und in Fragen der Weltanschauung, der Tradition, der WirtMh.ifWnrin unüberbrückbare Divergenzen bestehen.!> muß betont werden, daß über bestimmte (später noch zti entwickelnde) Grundprinzipien hinaus eine klcotogischc Fcstlegim« aller Zinnistcil unter keinen Umständen erfolgen darf. Sehen wir bereits von den religiösen und sozialen Smderidealeit des Mlsrachl und der Lhtkrgriippcn ah, so finden wir auch hei den „Allgemeinen ZimiMen" ko starke Ideologische Gegensätze, daß eine Einheitlichkeit etwa bezüglich de* Bcrufsldcals, der Stellung zur Umwelt, /um Internationalismus usw. nicht geschaffen werden kann. In «liesein Augenblick, wo wir im Interesse eines starken, eines nationalen Zionismus dringend einer gefestigten Zionistischen Organhaltou bedürfen, müssen wir weit mehr als bisher darauf imheltt sein, da« Einigende zu betonen und das Trennende liliitaiiziisetzeii. Es gilt zu erkennen, daß Systeme, die (unter Uniständen ex officio) zur Abgrenzung gegen die Nlrhtzionlsten geschaffen werden, die wenig erfreuliche Begleiterscheinung haben können, daß ein Keil in die eigenen Reihen getrieben wird. Wenn die Forderung nach -- ich möchte sagen — Vereinfachung der zionistischen Theorie mit allem Nachdruck erhoben wird, so geschieht dies wahrhaftig nicht, um den Zionismus zu verbilligen und laue Elemente bei der Staube zu halten. Um der Ehrlichkeit und der Reinlichkeit des zionistischen Lebens willen wird dieses Verlangen gestellt. Zionismus ist nich". eine Weltanschauung, nicht eine Lcbcnsphilorophie und nicht ein Vori.tellung-.k.mtplex über das Jüdische Leben der Zukunft. l_s wäre eine Vergewaltigung des Geistes, wollte der Zionismus in Bezirke eingreifen, die außerhalb seiner Kompetenz stehen. Wir brauchen, wie Fcliv Rosenblfillt in seinem Schreiben .111 den Dclegierlentag fordert, eine Wiederbelebung sles ideologischen lulercsie-t, und zwar in dem Sinne, dall endlich einmal festgestellt wird, was Zionismus iüt und was er nicht l'.t. Keiner Gruppe um! keinem Einzelnen kann es verwehrt sein, all seine- Sehnsüchte In seinen Zionismus hiiicinzugehcimiiLsseit, aber diese Gruppe und diese Einzelnen haben nicht d.is Recht, Ihr synthetisches Ideal als „den" Zionismus zu proklamieren und die freie Meinung der anderen in Irgend einer Form zu terrorisieren. Zionismus ist die national -politische Idee des modernen Judentums, die die Voraussetzungen schaffen will für ein jüdisch« Leben im eigenen Lande. Und von allen Palästinafreundlichen Gruppen unterscheidet er sich dadurch, daß er den Kampf in vorderster Reihe führt, In unbestechlicher e.rkciiittiis der abnormen jüdischen Situation, und mit dem Bewußtsein der nationalen Einheit des ganzen indischen Volkes. II. T>cr Zionismus steht vor einem Scheidewege. Bald i«t (hoffentlich) der Augenblick <la, wo er seine Macht als Sachwalter der Juden abtreten wird an ein CoinilOe, in dem er nur zu fünfzis* Prozent vertreten Ist. Er war stets nur eine Parlei im Judentum, aber da außer Ihm keine andere Gruppe die Paläslinafordening vertrat, empfand er sich als negotiorum gestor der gesamten Judcnhelt, deren geoßc, aber unorganisierte Mehrheit den Glauben an Frcz-Isrnel nie verloren hatte. Nach der Konstituierung der Jewish Agcncv wint der Zionismus wirklich cütc Partei, und zwar der radikale, nationale Flügel der Ageucy. FHc Frage liegt nahe, ob die Einheitlichkeit der Zionistischen Organisation gewahrt bleiben kann. Werden die Oruppcn, die dort organisiert sind, so zusammenhalten, daß eine einheit liehe Vertretung in der Jewish Agcncy ermöglicht wird? Denn der Sinn der Abmachung, nach der die Ziottlstcn die rlälfle der Mandate erhalten, kann doch nur darin liegen, daß In einer outsc'Hd-udcn Frage gegen den geschlossenen Wil'er. d:r Zionistischen Organisation nicht votiert werden kann, Hier liegt ein Problem, das letzten Endes nicht durch ein Statut und flicht durch einen Mehrheitsbeschluß des Kongresses entschieden werden kann, zu dessen Losung viel mehr die Untersuchung d.trüber vonnGtcn Ist, ob bei allen welUntthaulichcn und fcacJilichci! Differenzen ein oberes Prinzip vorhanden ist, das «||c Oruppcn an die zionistische Partei kettet. Es ist kein Ochclmnis, daß der Entwicklung in dieser Hinsicht von in.wher Seite mit Besorgnis entgegengesehen wird. Wenn einzelne Menschen und Oruppciisptlttcr die Zk> uliitlscho Organisation verkucn und an dl« nlcJttzionritlschea Gruppen der Jewish Agcncy Anschluß suchen sollten, so wäre die» kein Unrdfick, •rmderit Im Gegenteil meistens eine erwünschte Bereinigung. Falls aber eine Hb in partes in großem Mafistabe vor sich gehen würde, falls wertvollste zionistische Kräfte aus Ideologischer Notwendigkeit, das heißt aus NIchl-inehr-Aiierkeiutuug einer prmciiisamru engeren Basis zu einer Umorgauisierung sich gedrängt sähen, so wäre <laa Ende der Zionistischen Organisat>>ii gekommen. Was eins bedeukn würde, liegt auf der Hand. Eh gilt nUo, mit allem Ernst zu prüfen, ob wir es mit einem zwangsläufigen Prozeß zu tun haben, oder ob (wie Ich glaube) alle zloniMI'-cIrn Richtungen und Gruppierungen in der Zionistischen Org.-niisation Ihre Heimat finden können und müssen. Im Zionismus sind, wie wir alle wissen, die helervigenM< n Auffassungen vertreten. Am krassesten tritt diese Tatsache bei den Föderationen zutage. Nehmen wir zunächst d:n Mlsrachl. „Der Mlsrachl ir.t eine Vereinigung von ZbniMen, welche die Verwirklichung des U.vcler l*r.)«rain;iis auf «ler Grundlage und Im Sinne de» traditionellen jüdir.ehcn Gesetzes erstreben." Für ihn ist das Gesetz eine konstante lotm des nationalen Lebens. Religion und Nation sind untrennbar und «synthetisch verbunden. Der Misraehi sieht in dem Abf.-.M vom Gesetz eine Krankheitserscheinung und erkennt nh deren Ursache die unnormale Lage des jüdischen Gihithlehcns. Gleich den anderen Zionlslen postuliert er als alleinige« Heilmittel die Schallung eines Jüdischen Palästina, weil nur dort eine Ocsundung des Judentums erreichbar ist und als (seiner Ansicht nach) notwendige Folge dieser Nonnalir.ierung das Thoraid;al im Volke wieder lebendig werden muß. Im G.geusat/ zur Trcntimtssorthodoxic lehnt er ein Zusammengehen mit den andersgesinnten Teilen des Judentums nicht ab. Durchdrungen von der gemeinsamen Erkenntnis der Uithaltbarkeit der jüdischen Oesamtlage und von der nationalen Einheitlichkeit des ganzen jüdischen Volkes erstrebt er mit denselben Mitteln (der Polilik und der Kolonisation) das Ziel de» jüdischen Palästina. Während der Mlsrachl als untrennbare Komponente der nationalen Idee das Oesetz .insieht, ist für die Po.i'c Zioii dir Marxismus wesentlicher Bestandteil ihres Zionismus. Sie verlangen gleichzeitig mit der „territorial*n Lösung der Judenfrage durch die Schif/tintr einer jüdischen Volksg.mciii'-cuaft in Palästina" die lrAb.;chaf(un< der kapitaUJ. selten Ordnung und der Klassenherrschaft der Bourgeoisie durch den okunotiilselii'ti und pulitl*ch.'i! KU^si'uknmpf des Proletariats und die Vergesellschaftung d.T ProdukticiiMtiittel''. Fs tut nol, sieh nn diesen Ivisleii extremen Auflassung-n die ivldeitlcn ideologischen Differenzen Iii ihrer ganzen Bedctitfiatnkeit zu vergegenwärtigen, um die schmale (al>er wie Ich nachher zeigen werde, durchaus ausreicht ndc) gemeinsame ideologische Basis des Zioit!sinn<i zu erkennen. Ganz verfehlt aber wäre es zu denken, dtß neben diesen Flügelgrnpi cn der Rest Zkmi«tcn ohne Bindestrich wären. Die „Allgemeinen Zimiisteii" sind unter »ich genau so uneinheitlich wie die Föderationen, und wenn es mittels progr.iiumatikcher Formulierung Orgaitisationstiiögliehkriten gäbe, so würden sie In eine ganze Reihe von Untergruppen zerfallen. Ihn nur einige Dlffcrcnzpuiikte anzuführen: Die verschiedene Auffassung des Nationalismus und damit im Zusammenhange der Araherfr.ige; die nndirrartigc Stellung zur Umwelt und P.c- Wertung der Galutharbcit; die Divergenzen in der Frage der Sicdlunnsform, in der Stellung zur pa'ästinenslr-chen Arbeiterbewegung usv. Das sind mir Schlagwotte, und es muß dem Leser überlassen bleiben, sich eine Reihe von bekannten Namen zusammenzustellen, um die tiefe Kluft der Ueberzrugungen sich ad ocn'ras /u demonstrieren. Gibt es nun also bei diesem Konglomerat von Meinungen eine übergcordnrtr, verbindende Idee, die die Vvreiieguiig dieser Menr.clien und Gruppen in der Zionistischen Org;mlsatr.-»n rechtfertigt? Die Antwort lautet: Ja. Wenn wir Jetzt darangehen, die Zionistische Orgarr?Mijn zu neuem Leben zu erwecken, sie sozusagen zum zweiten Male zu gründen, so gleitet unser Blick zurück in jene erste Zeit des Zionismus, der wir das Beiwort „heroisch*' zu gehen pflegen. Und es drängt steh unwillkürlich die f rage auf, mit was für einer Ideologie es dama's gelang, den stolzen Bau des interterritorialen zionistischen Kongresses zu schaffen. Was war das für eine Losung, die vor 2a Jahren die verschiedenartigsten Menschen- und Jmtenlypen zu einer kämpferischen Einheit zusammenfaßte? Kein Zweifel, dall die faszinierende Persönlichkeil Theodor llerzls und sein gewaltiger Wille als eine cnl.scheldcnde Bedingung des Erhi'gcs anzusehen Ist. Aber die Wirkung dieses s-hcr^ehen Menschen war nur dadurch denkbar, daß er dis Ju<lenptohlcm auf die einfachste, allen faßbaren und für alle gültige Formel brachte. Wir betonen so oft, daß die Bewegung über llcrzl hlnaiisgcwnehsrit Ist. Diese unstreitig richtige Einsicht darf aber nicht dazu führen, in dem Schöpfer des modernen Zionismus nur mehr den Mann zu sehen, dessen man dankbar und pietätvoll gedenkt. Merz] ist nicht nur derjenige, der dem jüdischen Volke den Willen zur aktiven Politik wiedergegeben und diese in seiner Person verwirklicht hat, iwht nur der geniale Staatsmann und Organisator. Iis hieße der Bedeutung seines Werkes ' in keiner Weise gerecht werden, wenn man sein glühendes Herz und seinen leidenschaftlichen TaUvillcn als die allein entscheidenden Elemente seine* Wirkens betrachtet. Theodor Heut ist — trotz Moses Ihn, Plnsker und Achad tlaatn --der Tlieorcliker des modernen Zionismus. Mögen andere vor Ihm d.-n jüdischfit Erlösttngsgedauken In tieferer, substantiierterer, in vielleicht «.^car gelfiulertercr Weise verkündet haben — in der großartigen Einfachheit »einer, Konzeption, in der intuitiven Erfassung der jüdischen Situation, In seinem weltpolitischen Aspekt Ist Hvrzl unvergleichbar seinen Vorgängern. Er hat kern logisch geschlossenes System geschaflen wie Achad H.ntn oder Bnbcr oder Klalzkiu (welch letzterer sich übrig* 11.« stark an Herz! orientiert), und In einer Oesehkhte der /lonlallschen Ideologie Ist es schwer, Hcrzl anderen Mclsletn zu kijoidlitlcrcn. Zu der Frage der konstitutiven Kriterien dca Judentums hat er sich nicht geäußert, die Bedeutung der kulturell-nationalen Rcnaissaucci als deren Vorbedingung die eigene Sprache anzusehen Ist, hat er nicht erkannt. Doch wozu der Meinungen Herzls gedenken, die Irrig sind und Irrig •ein mußten, da er als Fremdgcwordmer zu seinem Volke wiederfand. Gelöst von allen historischen und soziologischen Dctcrmlnlerungen bleibt als Kern seiner Lehre die Freiheils- Idee des »Ich »clbst erkennenden und sich »clbst bejahenden Jüdischen Volke», Hcrzl »chuf da« neue Jüdische Bewußtsein, da» W|»»cn tnn eine einheitliche, ungeteilte Jüdische Volk«, gcmclnachaft. Auigongipimkt »einer Lehre wir „die trel-

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