Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 7 ßcstrebcn, durch eine großzügige Kolonisation arbeitender luden in Paliistina eine nationale Heimstätte für das Volk zu schaffen, als einen Widerspruch zu den Grundprinzipien der Internationalen Demokratie hinzustellen. Der Aufbau seiner Heimstätte in Palästina, von I einer starken nationalen Bewegung getragen, ist die ein- ' * jige, vielleicht auch noch unzulängliche Antwort, die ,jS5 jödlscltc Volk in seinem schweren Kampf ums Dasein rcfundcn hat Solange sie nicht aus einer Losung wirkliches Leben geworden ist, solange die nationale Heimeile nicht .aufgebaut Ist, solange kann die Judenfrage der Welt in keinem Lande der Welt mehr zur Ruhe kommen. Auch daran hätten die Herren der Mandatkommission denken sollen. Solange wird die Judenfrage In allen Staaten ein Quell stetiger politischer Schwierig- ^ilcn sein. "Alle Diplomatie wird un diesem Herd inncfcr Gärung und Unruhe scheitern. Auel» wo die Olut nicht sichtbar war, glimmt sie — wie in Amerika oder In England — unter der Asche weiter. Solange haben die Herren die W.iW in ihren Staaten, mit Pogrombcwegungen oder mit sozialen und ökonomischen Massenboykotten •u kämpfen, mit Flutwellen vergiftenden politischen Antisemitismus oder mit der Hetzagitation zur Frcmdcngcsctzpelmng. Sie haben so 'mge keine Wahl, das Anscncn und die moralisc1«c Kraft ihrer Völker sclbstcnlwürdigt pi sehen. All das haben die Herren von der Mandatkommlssion des Völkerbundes nicht bedacht. Und darum enthält ihr erster Bericht über die Lage in Palästina so schwere Irrtümer und zweifelhafte Behauptungen. Darum ist ihre Lehre vom „clash", über die wir heute gesprochen haben, eine Irrlehre. Und weil ihnen unsere große und reine j Sache, die Sache der Befreiung des jüdischen Volkes durch Palästina, das alles nicht gesagt hat, dürfen wir nicht müde werden, es ihnen zu sagen. Eine Erklärung Lord Robert Ccclls New York (J.T.A.). Lord Robert Cecll of Chclicod hat während seines jüngsten Aufenthaltes In den Vereinigten Staaten ein Schreiben an das Mitglied der pa- Üdincnsisch-zionistischcn Exekutive Coloncl F. H. Klsch;{riclitct, in welchem er versichert, Jetzt wieder für die Piläslina-Idce tätig sein zu wollen. Bekanntlich weilt auch fobncl Kiseh gegenwärtig in den Vereinigten Staaten, um die ►.'impagne für den Kcrcn Hajcssod zu unterstützen. Lord Cecll schreibt: Sic haben Recht in ihrem (Hauben, daß ich mich aus Helen Oründen mit der zionistischen Bewegung verbunden fühle. Unter diesen Oründen sind die Balrour- Deklaration, die Verknüpfung des Zionismus mit der Arbeit it$ Völkerbundes sowie der AnstoB, den die Bewegung tiner internationalen Zusammenarbeit der jüdischen Gemein- »ehalt gegeben hat Immer haben mich die Ideen, In welchen tltt« Bewegung wurzelt, begeistert Ich freue mich zu hören, daß der Erfolg der zionistischen Arbeit m Palästina groß ist und daß die jüdischen Einwanderer ihre Fähigkelten h der Kultivierung des Bodens sowie in anderen Zweigen «wiesen haben. Ich wünsche der Bewegung aus warmem Herten Erfolg und bin Ihnen dankbar, da Sie mir Gelegenheil gegeben haben, auszudrücken, daß mein Verhältnis zu der Bewegung unverändert ist und unverändert bleiben wird. Sokolows Abreise afos Czentowllz Czernowitz (J.T.A.). Am Sonntag, den 18. Januar, niste Herr Nahum Sokolow von Czernowitz nach Kischlnew 4 Auf den einzelnen Bahnstationen wurde Sokolow von <<r lokalen jüdischen Bevölkerung begrüßt. In Czernowitz selb.^ tihen die Veranstaltungen zu Ehren SnWows alle einen -»hr eindrucksvollen Verlauf genommen. Die ganze Stadt stand in diesen Tagen im Zeichen der Anwesenheit Sokolows. Lcsser Ury | (Zu der Graphik und Pastcllausstcllung in der „Neuen Kunst- I "ndlung" Tauentzienstraße 6 und der Ausstellung der Oelbilder im Kronprinzenpalais.) Jeder jüdische Maler stellt die alte Frage neu. Diese [^"gc. warum es so 6plt wurde, bis der Jude bildender [Künstler sein konnte. „Sein" — das Wort wirft die Frage l immer neu auf. Religiöse Hemmung, Verbot, waren Ursache. |Aatr das Schaff«» des jüdischen Malers an sich weist auf ijuf' ^S^fe Gründe, deren wichtigster — man mag zum Zionismus stehen, wie man will — ohne Zweifel — und Jmt In Jüngster Zeit wird es ein wenig besser — der Mangel J11 Unmittelbarkeit ist Der jüdische Küns'.fcr, zumal der des vorigen Jahrhunderts, l*t zugleich Intellektueller. Er weiß zu genau, was Kunst I S und so wird die Kunst Intellekt und Endangst des Jahr- Pwdcrts potenzierend — in der damals neuen Geschwindigkeit |F» Im du siede zu leise resignierend« Artistik, 1 In diese Zelt fällt Lcsser Urys Beginn. Er begann als ir^r. Das künstlerische Weltbild mag in den entscheiden 80er Jahren so für ihn ausgesehen haben: Es gilt I.1" noch das Vorhandene zur Ict/tcn Vollendung zu bringen: Ii? Naturalismus des Verfeinerten — de» Ncrvcnmcnschcn.; ie TicrgartcnstraOcn — wenigstens so weit sie menschen- " sind — selten noch immer so aus, wie er sie datierte «« Auto auf spiegelndem Asphalt — die gespiegelten La- KfSc«- Natürlich, er blickt nach Paris. Ein Porträt in der eucn Kunsthandlung" zeigt deutlich die Herkunft und bei "* Reproduktion: „Aufcrwcckung" In der Monographie Ad. Donath, Verlag Max Perl, denkt man an Mont «we-Kunst — aber die Versuche der Erneuerer macht aicht mit Jener Erneuerer, die den Vorstoß in die neue ' beschleunigen wollten — In Angst, daß es keinen "»^»usten Boden mehr gäbe. Und ob du to wäre, «von wollten (|e sich |a überzeugen. Die Impression Ist Ijj dem Nervenmenschen etwas Verwandtes. Im übrigen b iwCf M dem stoH» dcm Vorwurf 4U» dem Leben, daß lest? tn um 'hn sich, erweitere. Und so* kam es, daß ' Straße und Droschke und gespiegelten Laternen — mit u m virtuos begann r-, etwas Bleibende« sein konnte« JUgDlSCHg RUNDSCHAU Sie und wir (Europäische Briefe I.) Wir hcgfnnen heute mit der Veröffentlichung einer Reihe von Beiträgen elnrs angesehenen zlonistisclicn Schriftstellers und Politikers, die sich mit der Wicderspicgclting der zionistischen Gedanken In der europäischen Welt beschäftigen wird. Hie Aufsätze, die auf unmittelbarer persönlicher Beobachtung beruhen, werden unter dem Titel „Europäische Briefe" periodisch erscheinen. Red. HJ. R." R.N. Pari», 17. Januar 1925. Unsere Beziehungen zum Orient, zu Asien und „Aslafl«. mus" haben öfters als Thema für größere und kleinere Aufsätze, für bessere und schlechtere Bücher, für ganze polltischphilosophische Systeme gedient. Wenn man von unfruchtbaren, nichts beweisenden, extremen Behauptungen absieht, dann bleibt als eine Losung für die politische Marschroute die, wie uns scheint, unanfechtbare These von der bedeutsamen Mittlerrolle, die das jüdische nationale Heim in Palästina und das von ihm inspirierte Qesamtjudcntum und der drohenden Auseinandersetzung zwischen Orient und Okzident zu spielen hat. Diese These sagt einerseits aus: Die Juden kommen nach Palastina nicht als Vorboten eines idealistisch-imperialistischen ErobcrungszugcR der westlichen Mochte; dos von uns ausgebaute jüdische nationale Heim ist nicht ein Vorposten der westlichen Mächte in diesem Sinne, tinsrr Bestreben Int, tut* der uns seelisch verwandten Völkcrfamllle dos Orients, Insbesondere des Nahen Orients, als ebenbürtiger Teil anzuschließen. Aber um der Mittlerinission gerecht zu werden, müssen andererseits auch die Beziehungen zwischen Judentum und Europa( wobei natürlich der ganze amerikanischeuropäische Ktilturkrcis gedacht wird) zu Ihrem Rechte kommen. Das liegt in der Natur der Mittlerrolle, Zwiefaches, Verschiedenes, sich gegenseitig Negierendes einander näher zu bringen und, wo gewaltsame Konflikte drohen, friedlichere Auseinandersetzung und harmonischeren Ausgleich herbeizuführen. Der zweite Tclt dieses Problems —' als ein aktuelles Aktionsprogramm aufgefaßt — setzt das eingehendste Studium der kulturell-politischen Stimmungen, Einstellungen und Zwecksetzungen in Amerika und Europa voraus, setzt nls Ziel eine Aufklärung der offiziellen Meinung Europas und Amerikas über das Juden- und P.ilästinaproblcm und eine Sammlung aller Sympathien, aller Aktivitäten, die in Betracht kommen, fest Das Neue, das die Balfour-Dsklaration und die Anerkennung des P.ilästinamamlats dein gesamten Judentum gebracht haben, indem sie ihm den politischen Status einer in gewissem Sinne politischen Einheit gewährte, muß auf die Ausführung dieses Aktionsprogramms bestimmend wirken. Die Arbeit muß unter dem Zeichen des schon Im Werden begriffenen, offiziell schon existierenden jüdischen nationalen Heims aufgeführt und in dem Sinne als ein integraler Teil der internationalen Politik gedacht werden. Sic kann sich nicht auf ein Land oder auf einen einseitig bestimmten Länderkomplex beschränken. Auf die gesamte Welt muß die Aufklärungsarbeit sich erstrecken, und überall müssen die Kräfte und die Sympathien, die bereit wären, «pro Pa lästina" aufzutreten, gefunden und gesammelt werden. Einer der wichtigsten Exponenten der „organisierten" Menschheit, die aufgeklärt werden muß, Ist der Völkerbund. Als die wichtigste Stätte für eine solche Aktion müssen unzweifelhaft «eben London und New York, Qcrtf, Paris, Rom, Prag und Stockholm, Berlin und Haag, bc trachtet werden. In den „Europäischen Briefen" soll der Versuch gc macht werden, „tho body and the pressure af tlmc" in bezug auf die Judensache zu untersuchen und die Entwicklung der europäischen Stimmung Zion und dem Palästinaproblcm gegenüber in einer aufmerksamen, aufrichtigen, auf persön lieber Beobachtung und Erlebnis beruhenden Schilderung wiederzugeben. Es ist dafür genug Material vorhanden: überall fühlt man ein ganz neues, ganz eigenartiges Interesse für das Judenproblcm. In rascher Entwicklung hat die Judensache, besonders In den kulturell höher entwickelten Lindern, und ganz besonders In den kulturell hoch entwickelten Kreisen in diesen Lfimlcm, sich als Integraler Bestandteil des allgcmeinen politisch-kulturellen Programms durchgesetzt und das manchmal leidenschaftliche Interesse dieser Kreise hervorgerufen. In P a rls wenigstens fühlt man es ganz merkwürdig stark. Das Interesse für den Gesamtkomplex der jüdischen Frage- Ist nicht nur. da — die Judensache wird eine Modesache. Bücher Ober Juden, Romane mit Schilderungen jüdischen Lebens und Jüdischer Menschen werden von den besten Ver.. legem mit Prcudc aufgenommen. Die „jüdischen" Prem» sind am besten besucht Jetzt auf einmal finden drei Aus- Stellungen Jüdischer Maler statt, und am 21. Januar liest Awiwith In dem Saal Gavcaii aus der Bibel — in hebräischer Sprache — vor. Man spricht über die Judensache In den Salons und In einer der vcrbrcltctstcn Revuen Frankreichs, „Revue de Paris", veröffentlicht Pierre Bcnois (der Verfasser der In -100 000 Exemplaren verkauften „Athntide" einen neuen jrtdlsch-palä.-liiicnsischcn Roman „Lc but de Jacob", der im März in Buchform erscheint und, wie aHe Bücher Benols', In himderttauscndcn von Exemplaren ver. kauft und auch gefilmt werden. Der „S11 b c r m a n n" von Lacrcteile hat schon eine Auflage von 75 000 Excmplaren erreicht, und es ist verlockend, zu versuchen, nach diesen zwei Büchern — „Silbcrmann" und „Lc but de Jacob" — die Distanz, zu bestimmen, die die Evolution des Iranzf.Mi.chen öffentlichen Interesses nn der Judensache durchschritten hat. Die beiden Bücher sind so verschieden, wie die seelische Grundlage ihrer Verfasser, ihr Milieu, die Gefühle, mit denen sie an das jüdische Problem herantreten, wie die Seiten des Problems, welche die Dichter gefesselt haben, verschieden sind. „Silbemmnn". der vor kurzer Zelt erschien und große» Aufsehen erregt hat, stimmt aus dem feinen protestantischen Milieu und schildert das fundamentale Problem der Beziehungen der christlichen Gesellschaft zu den Juden. Lacrcltllc zeigt uns, wie auch In der Schule, in der die Jungen zwitschern, wie die Alten sungen, der Protestant und der Katholik sich vereinen in einer gemeinsamer Hetze gegen die Juden. Der ph&nomcnal begabte jüdische Junge Silbermann, der vielleicht besser als alle seine Mitschüler die Schönheit der französischen Sprache fühlt, sie am besten In unvergleichlich schönen Deklamationen wiedergibt, der viel besser ola seine Kameraden die französische, ja sogar die französisch-kirchliche Tradition und Kunst versteht, von dem Stil des französischen Erlebens und Empfindens ganz erfüllt Ist und seine ungewöhnliche Kraft in den Dienst der französischen Kultur stellen will, wird als unerwünschter Fremdkörper von allen Selten empfunden und aus der Schule, ja aus Frankreich herausgeekelt Einen einzigen Freund hat er gefunden, einen lieben, feinen, sehr zart empfindenden jungen Protestanten, der sich ihm trotz aller Anfeindungen gegen alle anschließt und seinetwegen »nit seiner ganzen Umgebung bricht. Aber mich er verrät ihn nach seiner Abreise in schnödester Welse. Er sieht die Hoffnungslosigkeit des Kampfes cüi, seine Einsamkeit wird ihm unerträglich, und er will mit der Umgebung, die ihn, da er von unmittelbarem Einfluß der dämonisch-genialischen Persönlichkeit Silbermanns befreit wird, wieder anzuziehen beginnt, paktieren. Er verstößt nicht die ihm angebotene Hand seines früheren katholischen Freundes, und um die Versöhnung mit einem Akt zu besiegeln, der sie beide in gleichem Oefühl ver. einigen könnte, weist er auf die an der Wand von einem Schüler gemalte Karrikatur Silbermanns (mit Aufschrift „Mort aux Juifs" versehen) und fügt eine spöttische Bemerkung über die Achnllchkcit der Karrikatur mit dem jüdischen Origiutil hinzu. Mit dieser Szene schließt die protestantische Schilderung des dramatischen Konfliktes, von einem selten sympathischen, wissenden und verständnisvollen Oefühl erwärmt, und weist die hoffnungslose faillit de l'assimilation auf, ohne Irgendwelche Aussicht auf Erlösung auch nur anzudeuten. Der soeben erscheinende Roman „Lc but de Jacob" ist von einem katholischen Manne geschrieben, der stark kadas seinen Weg begleitete In mannigfachster Variation und Immer größerer Vollkommenheit, wovon erst In der jüngsten Zelt: der Nollcndorfplatz in der Sezession wieder Zeuge sein konnte. Lcsser Ury Ist kein einheitlicher Künstler. Er ist kompliziert — ganz unter den mannigfachen Eindrücken und Belastungen des jüdischen Intellektuellen. Er ist Künstler, und er kann gestalten. Das macht seine Arbeit noch schwerer. Und er sucht nach einfachstem Ausdruck — nach größtem Maß. Die Bank am Meere mit den vertriebenen Juden ist nur Vergangenheit — „Jerusalem" — so wandern Juden immer 1 Sein Stoff ist gültig über der Zelt — aber das Werk Ist doch in ihr. Die große Lockung wurde zur Epik. Zwar zu einer bleibenden aber Sehnsucht und Resignation schwingen weiter. In dem gleichfalls groß gewollten „Jeremias" sehen wir heut nur ein Ihm Fremdes. Stuck liegt das Motiv näher. Im großen Vorwurf zur großen Kunst Ist er fibethaupt Suchender. Eine Frau, die den Boden harkt, hat Mlllct's Symbolik. Und bei 6cbicn alten Frauen, Frauen überhaupt, spürt man in Licht und Bewcgungstcilung den Zug, an dem Licbcnnann groß wird. Seine Möglichkeiten sind mannigfach. Eine Kohlezeichnung — es Ist eine Studie zum Mose — zeigt, daß er die Charaktere schon zum dramatischen Gesamtbild zwingen kann, aber Dramatiker ist er nicht. Ein anderes liegt ihm näher, die Landschaft In jeder Form — die Straße. Immer wieder hat er sein bestes gelegt in ein Stratlcnbild oder ein« wirkliche Landschaft, wie das feine Pasten" „Landweg mit Knrren" aus der jüngsten Zelt oder das schöne Pastell Fischerhäuser in Holland aus dun Jahre 1912. Porzcllanzart und welch fließt die Farbe und Leben, dessen Atmen man nicht stören möchte, schwingt um die Form. Es lag ihm schon früh alles an der Voll* endung bis zur letzten Möglichkeit des Ausführbaren. Ein Revolutionär vom Stamme der Alten, die die Steine neu behauen, ist er nicht. Darum gibt es auch kerne großen Spannweiten In seinem Werk. Buber nennt Ihn den exkuslvtten Kolorlsten. Das Wort exklusiv stimmt und noch viel mehr für «eine Graphik. Seine kleinen CafChausstudlen sind in der Ausführung unübertroffen. Kritiken aus der gleichen Zeit nennen ihn „In der Farbe visionär" und ,/nlcht von dieser Welt". Das erinnert au die verschiedenartigen Begrüßungen der Künstler, <nc neute neue Töne In ihre Farben mischen. Jedenfalls, eins hat die Zelt schon heut berichtigt: „eine promcthelsche Natur" ist er nicht. Und aus dem „von der Farbe Besessenen" Ist ein feiner und guter Kolorht geworden. Ein Maler, dem aus der Landschaft und Im besonderen der warmen grüntn Sommernatur Kräfte zuströmen, die es ihm ermöglichen, die Palette kultivierter Töne zu weiten zur vollen Aufnahme und Wiedergabe In einfach schlichter großer Form. Dtnn das sieht man in vielen der Rhcinlandschoften dco vorigen Sommers — in den Oclbildern im ehemaligen Kronprlnzcnpalais und den Pastellen in der „Neuen Kunsthandlung". Namentlich die 5 ersten der kleineren Bilder im Kroiiprlnzenpalals zeigen alle Vorzüge vereint, den vollen Strom ungezwungener Formgebung, die warme weiche Farbe und den exklusiven Koloriten. Es sind u. a. die Bilder „Pfalz bei Caub", „Sirandweg nm Rhein", „MBuscturm bei Bingen" und „Sonniger Weg mit Turm" mit dem tiel violetten grollen Schatten. Oanzc Kraft zeigt auch der Wäschetrockcnplatz mit der kraftvollen Olicdcrung der Farbmassen von tiefstem Dunkelgrün bis zum hellen Odbgrün der sonnenbeschienenen Bäume und des Sonncnrasciis. Ilm reizen auch hier die subtilen Aufgaben. Oanz deutlieh sieht und spürt man den „Nutzrhcln" mit den Frachtschiffen. Er will es haben, daß man das spürt Oder „die Sonne Ist soeben untergegangen". Nur einmal gelang es restlos bei dem Sonnenuntergang mit dunkelblauen Bergen. In diesem Oclb der Sonne traf er die richtige Farbe. Und ganz ohne Sonne gelang es Ihm In der „Abcndstlmraung mit Teich" und violetten Bcrgeu. Er liebt überhaupt dai Problem der Ucbcrgängc. Ein großes Bild: Morgensonne ein Parkweg Im Hintergrund mit einem Hsua — atmet Frische und man spür» es, die Natur Ist hier wirklich gebend. Aus gleicher Kraft »tammt ein „Waldweg mit Sonneoflccken", Und eine Berlin W-Straßc 1020 zeigt das neue Dasein der klaren Sachlichkeit Er ist auch hier, Lcsser Ury ist Maler. Aber die Farbe Ist doch nicht Urmacht. Sie hängt am Material, wenn es auch nur die Natur Ut. Lesacr Ury ist ein jüdischer Maler, aber nur darin, diß «r Nervenmensch Ist, SubtIHst, Zergtlederer, Anah/.