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Jüdische Rundschau · 1925-01-20 · Heft 6 (20.1.1925) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 6 (20.1.1925)
Date
1925-01-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ä Seite 54 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 6 Selbsthilfe und nationale Autonomie Im .Wnhlkampf für den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden wird von den Ocg;ncrn der Jüdi- Volkspartcl immer wieder behauptet, die Zionistcn ver- 'langen letzten Endes für die in Preußen lebenden Juden die „nationale Autonomie", deren Zelle die von ' der Jüdischen Volkspartei geforderte Jüdische Volks- ■ pcnicindc darstelle. Diese Behauptung ist, wofern sich iiinlcr ihr nicht eine bewußte Untslelhtng< und Verleumdung verbirgt, nur aus einer ungeheuerlichen : ltcgriffsverwirrung zu erklären. Unter der fordening nach einer nationalen Autonomie versteht man das Verlangen nach Ucbcrtrafjung allgemein staatlicher Agenden an eine organisierte nationale Minderheit. Eine derartige Forderung hinsichtlich der! preußischen Juden aufzustellen, Ist einem vollsinnigen! Zionistcn niemals auch nur im Traume eingefallen. ,Was die Anhänger der Jüdischen Vo|k.spartci verlangen, ist die Erfüllung jener Sonderaufgaben der jüdischen Gemeinschaft auf dem Wege der Selbsthilfe, die der Staat niemals zu lösen vermöchte, einfach darum, weil diese Aufgaben außerhalb der allgemein staatlichen Verpflichtung liegen und ihm die Kenntnis und die Organe hierfür fehlen. Das hat der Staat z.B. in der Frage der Arbcitcrfürsorge anerkannt und bereitwillig die Regelung der jüdischen Arbeitcrfürsorgc dem Jüdischen Arbcitcrfürsorgeamt iiberlragvn, das von allen jüdischen Parteien unterhalten wird. Es kann, um einige Bei- ,v spiele anzuführen, kein Zweifel vorhanden sein, daß die jüdische Gemeinschaft in Preußen in der Frage der Bcrufsumschichtung der jüdischen Jugend, in der Frage der jüdischen Durchwanderer b.-stimintc Aufgaben yu erfüllen hat, die außerhalb der rein konfessionellen liedürfnisse dieser Gemeinschaft liegen. Nun kann kein Jude vom preußischen Staat verlangen, daß er diesen zwei erwähnten Fragen sein Augenmerk zuwende und durch seine Organe und aus allgemeinen staatlichen Mitteln sich dieser Probleme annehme. Da kann nur jüdische Selbsthilfe durchgreifend einsetzen. Es gibt ferner zahllose Probleme jüdischkultureller und jüdisch-sozialer Natur, für die nur die jüdische Gemeinschaft als solche und nicht der Staat 'zuständig ist. Es sei gestattet, ein Beispiel aus dem Leben einiger anderer in Deutschland lebender Gemeinschaften anzuführen, wobei unbedingt festzuhalten ist, daß die jüdische Gemeinschaft ein Gebilde eigener Art darstellt, die darum nicht mit einer anderen in Deutschland lebenden verglichen werden kann. Die deutschen Katholiken erblicken im römischen Papst ihr geistiges Obcr- Jiaupt, dem sie regelmäßig eine gewisse Steuer, den Pctcrspfcniiig, abführen. Diese Steuererhebung können sie doch nicht im .Wege des Staates voll/jchcn, sondern anur im .Wege einer gewissen Selbstverwaltung. Eine andere Gemeinschaft, die Advcntistcn, erhält in Deutschland eine Reihe von Institutionen für ihre Anhänger und erhebt zu diesem Zwecke einen Maasscr von ihren Angehörigen. Es wird keinem Menschen einfallen zu behaupten, daß die Adventistcn „national-autonom" sind, oder die „nationale Autonomie" verlangen, Sic befolgen bloß das Prinzip der Selbsthilfe. Es gibt preußisch-jüiflschc und allgemein-jüdische Interessen, deren Existenz von keinem einzigen Juden, mag er Liberaler, Konservativer oder Zionist sein, geleugnet werden kann und die über das reine israelitische Religionsbekenntnis hüiausreichcn. Diese Interessen heischen dringend eine Regelung, die nur die Juden selbst in Angriff nehmen können. Die Jüdische Volks- | gemeinde und der Preußische Landesverband Jüdischer .Gemeinden al* Zusammenfassung der preußischen Juden sollen die .Werkzeuge dieser judenheit sein, mit denen sie an die Lösung dieser spezifisch jüdischen [^Aufgaben herantreten sollen. Die Arbeit dieser Institutbnen soll von dem Gedanken der Selbsthilfe getragen; werden. Unter jüdischer Selbsthilfe Ist al>cr nur die , Anstrengung zur Regelung spezilücher jüdischer Auf- | Raben zu verstehen, die wegen der Eigenart der jüdischen , *, Gemeinschaft nicht in den Umkreis der staatlichen Agenden fallen, M.W.; Das Bevßlkeronflsproblera und die Preußemvaül Dr. Felix A .Thcilhabcr, Berlin-Wilmersdorf. » In der Inflationszeit haben die deutschen Juden sehr , Eorne die Dollar» aus Amerika genommen. Denn ohne den Joint" wiireu die Jüdischen Gemeinden, auch der Großstädte i und auch Ucrlln, völlig zusammengebrochen, und die ganze; soziale jüdische Füisorgc halte trotz des Emporsteigens ver- | - einzelner Reicher ihr Ende gel uwlcn. Ei itf aber oft seliger iu nehmen aU iu gtben, mindestens bequemer und einträglicher. Jetzt, wo die deutsche Judenheit diese ihre Dankesschuld an Paliistina und an den , Orlen wieder abtragen soll, zeigt sich auf einmal, daß das > »•■'tionaldcutschc Selbstgefühl vieler Juden in Hinsicht auf . ihren Gclds.ick erwacht ist Auch andere ttationaldcutschc , „ Kreise hahen den Gedanken gepredigt, man dürfe das Geld ' «er Auslander sich schenken lassen, ohne dadurch sieh dankbar erweisen zu müssen, oder seine Politik danach' zu orien- ' ueren. Noblesse n'obligc pas. Uns interessiert der adäquate Vorgang auf dem Gebiete; «er jüdischen Ikvölkerungsentwicklung. Die Assiniita. : jionspcriode hat bekanntlich zu einer i nncren Au f-; losung der deutschen Judenheit geführt, die sich in vielen , Erscheinungen widerspiegelt. Es erschien mir stets wichtig f. auf die Folgen der Ehelosigkeit, der Kiiidcramuit, der Taufe, | «es Austritts hinzuweisen. Die Einwanderung der Osljudcu hat ■ "«cht nur das religiöse und nationale Leben der deutschen i Juden befruchtet und belebt, sondern auch das Bevölkerung»- »jiassiv vor den erheblichsten Einbußen bewahrt. Leider Hegen ''«^liir keinerlei neue Zählungen vor. Aber eine Statistik spricht P'Joch so stark für »ich, daü wir keinerlei natkmalökonomischc! fccmitniMc besitzen müssen, um »ic zu verstehen. ZlirealisiiBiisEiSioi'ioiisssieiiFrau Von Siddy Wrosiky i. Übe da« Rcoht, daa man Dir gageben hat, au», damit ei Deinem Volke dienlich aeil Auoh D e b o r a h wühlteunterderKraftderVerantwortung denFuhrer,dor Ihr Volksohüuen«ollte,ausl a. Umkleldo Di oh beim Wahl gang mit der Würde der Prau, die »loh der Verantwortung ihrer Handlung für Ihr Volk be wus at latt Auoh A b i g a i 1 ging den politischen Weg iur Entscheidung mit Ruhe und Uodaoht. 3. Wahleso, diu min erkenne, wltgron die Liebe tu Deinem Volke latt Auch die Stammutter Rahel war stets auf dem Weg« zu finden, der für ihr Volk tur Entscheidung führte. 4. Oib Deine Stimme don Führern, denen , die Erhaltung und Mehrung jüdiaoher Volkskraft Ziel ihrer Arbeit ist! Auch Mirjam jubelte den Führern tu, die ihr Volk durch Not und Leid cum Hello führtenl 5. Bekenne Dich su donen, die In der Wahrung und Vertiefung jüdlioher Kultur die Veredelung der Volksart erstreben! Auch D 0 r u r i a wirkte für die Erhaltung und Entwicklung der Lehret 6. Erkonne, wie das Wohl Deiner Kindor davon abhängt, da»» Du dio rechten Volksvertreter wählst! Auoh Hnnnnh stellte da» Wohl Ihrer Kinder über alles und brachte Jedes Opfer dar, 7. Wisse, das» ea um die Zukunft Deiner ringenden Schwester geht, wenn die Volksfahrung, die Du wühlst, ihrem Wesen Vorstündnis entgegenbringt! Auoh Bathsoba lehrto den Führor ihres Vol- kos das Verständnis für das jüdische Frauentum. 8. Sei Dir bowusst, das» die Zufluoh* Deines umherirrenden Druder» gesichert Itt, winn Du wählst, wer Verständnis für das Leiden Delaei Volkei hat! Auch Fromet Molsol wählte die Männer ihres Volkes au», deren Seele die Not der Umherirrenden fühlte. 9. Bedenke, dass jede Unterlassung Deiner Pflicht Deinem Volke, da» Du über alles liebst, unabsehbaren Sohaden zufügtl Auch Jephtas Tochter ging trots aller Hemmungen den Weg; tum Heile ihre» Volkes, 10. Vergiss nioht, welohe Maoht DI.1 durch die Wahl iu Deine Hand gegeben Ist, und übe »ie zum Segen Deines Volkes aus! Auoh Esther (Uchte on de» Königs Thron nur an das Wohl und Woho ihres Volks. Obwohl die Zahl der Dcrliucr Juden sich iu den letzten 15 Jahren ungefähr verdoppelte, ist die Zitfcr der Schüler der Religioiissclit'lcn um etwa die Hälfte zurückgegangen. Vom Laude wissen wir, daß die jüdischen Dorfschulen langsam entschlummern. Es mag *cin, daß ein großer Teil der llcrlincr Juden ihre Kinder vom öffentlichen Uilii'.ÄuisunIcrriclit ferne hält, daß also die Abnahme der Kinder nicht in dem rapiden Tempo von 100 wie sie dieser Statistik entspräche — vor sich ging. Dann handelt es sich nicht nur um einen Itcvölkerungsrückgang und einen Kindcrmnngcl bei den deutschen Juden, sondern auch um eine weitere E 111 j u d u I s i e r 1111 g der Massen. Die sogenannten liberalen Kreise behaupten, Interesse fur die jüdische llcauttcnschaft und den Lehrerstund /u haben. Aber eine Richtung, welche die liniere Zersetzung unter ihrer Anhängerschaft nicht meistern kann, 14 die ungeeigneteste Vertretung für eine gedeihliche Entwicklung der jüdischen Gemeinde und der jüdischen Ileaiutcnschaft. Gewiß würde auch eine national gerichtete Judenschaft mit den schweren ökonomischen, sexuellen und politischen Einflüssen der Umwelt einen Kampf führen müssen. Aber die national eingestellte Judenschaft sieht nicht iu der vollkommenen Ausgleich,;ig das Gluck de* Judentums, das für die Assimilation schon die grollten Opfer gebracht hat. Im Wiihlkanipf gibt es diese großen Gesichtspunkte zu beleuchten, um so mehr als die Judenheit Preußens bisher au all diesen Dingen achtlos vorbeiging. Das Wort discits nionili gilt leider nicht von unseren Liberalen. Sic sind zulrieden, da» die Bcvo&crungsbilanz. einen Uebcrschuß ergibt, der allerdings auf das Konto der eingewanderten Ostjudcn zurückzuführen ist. Während sie so mit Mille der O.djudcii ihre Qemcindcit noch auf dem alten Stand erhalten, hat sieh dank gewisser jüdischer Organisationen eine Stimmung vieler ihrer Mitglieder bemächtigt, die «ich eegen dio armen jüdischen öst liehen Volksgenossen wendet und im Verzicht auf jede Unter Stützung des Paiastinawcrkcs den Höhepunkt findet. Es ist bedauerlich., daß alle diese Probleme in dieser Form besprochen werden müssen. Denn eine Erhaltung des Judentums verlangt die Zusammenarbeit aller jüdi scheu Kräfte, und sie ist nicht durch einige mehr oder weniger glückliche Prozesse mit einigen antisemitischen Rc daktcuren, durch die blotlc Zugehörigkeit zu einer Gemeinde usw.. gelost. Die deutschen Juden haben — das steht gc schiehtlich fest — nur durch die Verwurzelung den g a n z cd jüdischen Menschen im Judentum und. durch die stetigen Beziehungen (11. a, durch die Wanderung) zu der ausländischen Judenheit, insbesondere der ostjüdischen, sich 2000 Jahre auf deutschem Boden nl^ Juden erhalten. Aus den zwischen 1050 und 1100 vertriebenen deutschen Juden wurdcu bekanntlich die Oiljudeii, die seit dem Jahre 1G0Q konstant wieder zurückwandern. Das J«t die geschichtliche Wahrheit. Die Ablösung vom Gesamtjudentum hat In einer durchaus übersichtlichen Weise die unerhörte Zersetzung der deutschen Judenheit mit sich gebracht. Dies» Zersetzung überwiegt bei weitem alle die kleinlichen jüdischen Ansätze, welche die deutsche Judenheit dagegen in Deutschland zeiiigte. Die deutschen Juden, die an Zahl und finanzieller Kraft, an Dilduug und Möglichkeiten der zionistischen und nationalen Masse nicht allzusehr nachstehen, haben iu den Icl/tcn 20 Jähren iu keiner Wehe die l ulle der jüdischen Aufgaben, Arbeiten und Erfolge erreicht, die von nationaljüdisclicr Seile geschaffen wurde. Wenn Jemals da» Wort: „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen", zutrifft, fo gilt das von den Erfolgen der jüdischen Politik des Liberalismus. Mangels irgend welcher neuer Ideale, irgendwelcher großzügiger jüdischer Arbeit ist er auf dem Wer;, die deutsche Judenheit dem Untergange zuzuführen und den Aufbau einer jüdischen Welt in Palästina zu hintertreibt n. In meinem Werke „Der Untergang der deutschen Juden1' habe ich den Nachweis erbracht, daß die Fruchtbarkeit des deutschen Juden knapp die Hälfte der erwachsenen Personen ersetzen kann. Die statistische Wissenschaft hat diese Reut- Inte jetzt allgemein anerkannt. Die Gesellschaft für Rassenhygiene halte eine Spezialuntersuchung über die llcrlincr Juden selbst mit dem Preise gekrönt. Es waren das allerdings keine Juden, welche soviel Verständnis für derartige Probleme hatten. — Die jüdische Gasse mit ihren Institutionen, mit der judischen Schule, di in Zusammenleben der jüdischen Menschen, fur deren ökonomisches und sonstiges Leben von früh bis abends gesorgt wird, kann eben durch thcMrallschcii Gottesdienst an den höchsten Feiertagen zu den billigsten Eintrittspreisen gegen Vorbestellung nie vollgültig ersetzt werden. Eine jüdische Gemeinde, die seit 25 Jahren z. U. nicht einmal der jüdischen Turnorganisation cüieu eigenen Sportplatz geschaffen ha», die körperliche Erziehung ihres Nachwuchses dem Zufall um! fremden Sportvereinen überließ, sieht auf einmal das Anschwellen der Mischehen bis auf 50 Prozent und wundert sich darüber, daß die jungen Leute die Mädchen heiraten, mit denen sie eben gesellschaftlich, sportlich, vercinsmälüg zusammenkommen. Aus tiucrii kimlcrarmcn Geschlecht, das ohnedies um die Hälfte geringer i.t, als zur Ersetzung der vorhergehenden Generation nötig wäre, scheidet ein Teil durch den Austritt, ein Teil durch die Mischehe aus. Und der Austritt ist für alle die selbstverständlich, denen das religiöse Moment nicht mehr so bedeutsam erscheint. Statt sich aber um diese Dinge zu bekümmern und sich darüber don Kopf zu zt rbicchcn, findet man es cinfachcr.-eine Zionisteiihetze zu entfachen. Der Kampf gegen den Aufbau moderner jüdischer Schulen, gegen die nationale Gemeinschaft, gegen die In sieh beseligende Pa- Instinaarbeit, frißt die Mittel der Antizionistcn zum Teil auf. Und der Antisemitismus wird so erfaßt, daß ausgesprochen gegnerische Zeitungen immer wieder ihre Annoncen wn Juden bekommen, daß Juden liberaler Richtung Hakenkreuze verkaufen und Gelder allen möglichen antisemitischen Organisationen zur Verfügung stellen. Darin ist man allenfalls liberal, liberal auch gegen jeden Juden, der nichts mehr vom Judentum hält, nur nicht gegen den Juden, der positiv Jüdisches will. Historisch, sozial, ökonomisch und national Ist der sogenannte jüdische Liberalismus eine unfruchtbare Doktrin, deren Schädlichkeit darzulegen die Aufgabe jedes wcit<chaucn<!en Juden sein muß. , Der Sinn des Walilkamples Von c i 11 e in Wähler. Wahrend des 10. Jahrhunderts sind innerhalb tl-r deutschen {iidfiihcit viele grödere Organisationen geschaf/cn worden, s kann nicht bestritten werden, daß einzelne von ihnen auf manchen Gebieten verdienstvolle Arbeit geleistet haben. Im Grunde genommen aber Ist die Tätigkeit dieser Organisationen fast immer auf halbem Wege stehen geblichen. Nicht nur, daß sie des öffentlich-rechtlichen Charakters entbehrten, auch die Ziele, die sie sich steckten und die Mittel, mit denen bIc sie zu erreichen suchten, ermangelten der grollen Gericht >■ punkte Die giunds.it/liche Einstellung zu jüdischen 1'ragrn Konnte bei den Nolabehi, die diese Organisationen im wesentlichen beherrschten, nicht viel verschieden von jener Kirchturmspolitik sein, die nicht über den sehr eng begrenzten Bezirk der Gcrnclndcstubcn hlnauszublicken vermochte. Daß es so etwas wie einen Zusammenhang der luden der einzelnen Lander gibt, davon war bei diesen verbanden nur iu sehr seltenen Pollen eine Spur zu entdecken. Soll .null der Preußische Lniiilcxvcrhami jüdischer Gc melnden dicc Wege wandeln? Soll er, Isoliert von all dein, was brüte die Judenheit der Welt bewegt, sieh in partikularislischer Selbstzufriedenheit mit der Wahrnehmung von Interessen begnügen, die nicht über die Landekreuze reichen? Oder soll der Landesverband, gegründet auf der Uebcr/eugung von der Einheit des Judentums, der Interessen der jüdischen Gemeinschaft ohne Einschränkung zu dienen, als sein Ziel ansehen? Das Ist die wesentlichste Frage, um die der Kampf geht. Hunderte Male ist es den deutschen Juden, namentlich den Vertretern der Mehrheit in den Gcincimlcstuheu, gesagt worden, daß sie durch ihre Politik und engherzige Auffassung der Dinge das deutsche Judentum gewaltsam In eine Isolierung drängen, die weder seiner geschichtlichen Rolle entspricht, noch seiner Zukunft forderlich sein kann. Man hat bisher auf die warnenden Stimmen in den offiziellen Kreisen wfcM hftten wollen. Jctrt bal die judenheit Prcntlcn* eine Gelegenheit, mit dieser Einstellung /u brechen und darüber hinaus mithelfend die großen Zukunftsaufgabeii der Gesamt. judenheit zu lösen. Wer dieses Ziel erreichen will, der wird vor allem die Forderung erheben müssen, die Kräfte möglichst zu einer Einheit zu la 111 in ein. Soll der Ahvvchrkampf Sinn und Wirkung haben, soll der Kampf um die Gleichberechtigung mit Wirksamkeit geführt werden, dann müssen sie einer Organisation übertragen werden, die mit Autorität ausgestattet, aus demokratischen Wahlen hervorgegangen die Vertreter aller Richtungen gleichberechtigt in der Arbeit vereint. Eine solche Stelle kann nur der Landesverband bzw. der, wie wir hoffen, nicht albu lange darauf entstehende Reirhsvcrband sein. Der Landesverband wird eine wahre politische Vertretung der Juden aber nur dann sein, wenn er die selbstverständlichen Voraussetzungen einer demokratisch-jüdischen Politik erfüllt. Er darf keinen Unterschied zwischen Ost und West kennen, er darf nicht jenen unsinnigen, augenblicklich in der berliner Gcmeindestiihc belichten Standpunkt einnehmen, daß iu die jüdischen Angelegenheiten nur die sogenannten „religiösen" Parteien, d. Ii. die Liberalen und Konservativen etwas mitzusprechen hätten, die Zionistcn aber als die Vertreter einer „politischen" AnschauungausgcscliIost.cn oder jedenfalls nicht als gleichberechtigt angesehen werden dürfen. Das Wohl und .Wehe de« Landesverbandes hängt

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