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Jüdische Rundschau · 1925-01-20 · Heft 6 (20.1.1925) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 6 (20.1.1925)
Date
1925-01-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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T Nr. 6 JUED1SCHE RUNDSCHAU St\it 55 davon ab, oh er »ich solcher bürokratischer weltfremder Borniertheit verschreiben, oder ob er die Entwicklung der Iclrtcn Jahrzehnte und die Tatsachen des neuen jüdischen Lebens erkennen will. Abgesehen von dieser allgemeinen, grundsätzlichen Diffcreuz. zwischen den Vertretern de* überlebten Gcmciiidcjudcnluiiis und den für eine neue Zukunft des Judentums wirkenden '/r.iftrn wird der Landesverband nur dann Erfolg haben, wenn mich die Methode der bisherigen Judcnpolilik geändert wird. Anders gesagt: Soll die künftige Judcnpolilik auch fernerhin mif der überall» zweifelhalleu Grundlage einer Apologetik auf. pebattt werdeji, die zur Rechtfertigung der Existenz «les ludrnlums es In den Himmel heben zu müssen glaubt? Vieltriebt dämmert auch langsam schon In den Gehirnen der fiiiBCSchworencn Centralvcrclnler die Erkenntnis, daß diese Methode völlifj verfehlt ist und nicht den geringsten Eindruck pwlit, daß es schließlich letzten Endes nicht darauf ankommt, was mau sagt und beteuert, sondern was man ist und leistet. Die jüdische Leistung In aller Welt, in Palistina und im Gallith, ist es, die uns die Achtung bei anderen abringt. Nur so wird aus dem Zerrbild, welches der Antisemitismus vom Juden gemacht hat, eine neue Erkenntnis erstellen. Neben den nllftemelnc/i wird der Landesverband große K ii 11 u r a u f g a b c ii zu erfüllen haben. Alles kommt auch hier darauf an, mit überlebten, verknöcherten Anschauungen und Methoden zu brechen. Per Landesverband wird besser als die Einzclgcmoindcn imstande sein, die kulturellen Einrichtungen, die btreit* bestehen, in wirksamer Welse zu fördern und weit darüber hinaus dazu beizutragen, dafl ein vom jüdischen Gellte und indischen Bewußtsein tief durchdrungenes Geschlecht heranwächst. Im Vordergründe seiner kulturellen Betätigung wird die Förderung der Schule stehen müssen. Die Lin^clgemcindcn haben in dieser Hinsicht fast ganz versagt. Sie haben sich damit begnügt, In ihren Rellgionsschulen elende. Brosamen der judischen lugend vorzuwerfen. Fast alles,, was auf dem Gebiete der Einrichtung modern-jüdischer Schulen geleistet wurde, blieb der Privatinitiative überlassen, ijid die Gemeinden haben in diesen Schulen eher einen Stein drs Anstoßes denn ein fördernswertes Werk erblickt. Ls wird Sache des Landesverbandes sein, durch seine Propaganda und durch seine materiellen Mittel alles dazu beizutragen, d.iß die brennenden Fragen des jüdischen Schulwesens, der Forderung der hebräischen Sprache, der Heranbildung eines geeigneten Lehrerslandcf einer glücklichen Lösung zugeführt werden. Das sind in ganz großen Richtlinien die zwei bedeutungsvollsten Gebiete, .mi denen der Landesverband wird wirken müssen. Viele andere Aufgalsrn werden an ihn herantreten, w enn er die lebendige Fühlung zu den Vorgängen des Jüdischen Lebensaufrecht zu erhalten fähig sein wird. Das M freilich zum Teil nicht nur eine Frage drs Prinzips, sondern auch der Personen. Per Landesverband wurde provisorisch von dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin verwaltet, der darin nicht immer eine glückliche Hand bewiesen hat. Wenn ein aufgeblasener Bürokratismus, der der Welt mit der Zahl der von ihm bearbeiteten Aktenstücke zu imponieren Staubt, im Landesverband eine maßgebende Rolle haben sollte, ann wird ihm von vornherein das Genick gebrochen werden. Mau wird dafür sorgen müssen, daß nicht Bürokraten mit zweifelhaften Methoden, sondern Männer mit modernen Anschauungen und einem ernsten jüdischen Willen In die maßgebenden Körperschaften entsendet werden. Die Jüdische Volkspartct will, wie In ihrem Auf. rufe deutlich gesagt wird, Männern dieser Richtung den maßgebenden Einfluß..auf,.die...Geschäfte...des, Landesverbandes sichern. Ein „starkes, lebendiges, in der Vergangenheit wurzelndes, die Zukunft bejahendes stolzes Judentum", das ist unser Ziel. Preußisch-indische Geschichtszahlen 1906. Cölni Die Liberalen machen den Ausländern bei der Regierung das aktive und passive Wahlrecht streitig. Per Regierungspräsident weist sie am 18. Januar 1007, der Oberpräsident am 20. März 1907 unter Hinweis auf das Gesetz zurück. .- 1911, Hamborn: Hie Liberalen schaffen das'gleiche Wahlrecht ab und führen das Drciklasscnwahlrecht nach der Stcucrleistung ein. Per Obcrpräsident versagt am 18. März. 1012 die Bestätigung wegen der „gegen jede N'cticlnführting des Klasscnwahlsyttcms bestehenden allgemeinen Bedenken". 1911. Düsseldorf: Die Liberalen nehmen de« Ausländem das * passive Wahlrecht. "12. Bochum: Die Liberalen entziehen den Ausländern das Wahlrecht. Der Oberpräsident beanstandet das Statut. Man beruhigt sich nicht und „heweist", daß Ausländer nach dem Gesetz überhaupt nicht Gcmeindcmitglicdcr seien. Steuern läßt man sie trotzdem weiterzahlen. 1912. Duisburg: Die Liberalen rauben den Ausländem das Wahlrecht und führen für die übrigen Juden eine Karenzzeit ein. Sic schreiben der Regierung nm 28. Dezember 1012, der Gegensatz spitze sich dahin zu: „Hie deutsch, hie galizisch-zionislisch!" Begründung für die Karenz: Die stark flutende Angcstclltenschar brauch! die Listen nicht anzufüllen. Die Berliner Leitung des Ontralvcrcilis lehnt es in seinem Schreiben vom 4. Januar 1911 ab, von seinen die Einheit des Judentums zerstörenden Duisburger Führern wegzurücken und rechtfertigt das eigentümlicherweise so: „Ein Verein wie der unstige muß die Jude« einen und stets bemüht sein, alles Trennende innerhalb des Judentums zu beseitigen, um nach außen hin energisch dazustehen". Entscheidung des Ministers des Innern vom 4. Mai 1014: Juden dürfen i'urch Juden nicht entrechtet werden. Alle Juden haben das unentzichbarc aktive und passive Wahlrecht. 19IJ. Danzlg (damals noch preußisch, jetzt noch Geltungsbereich des preußischen Jiidcngcsclzcs von 1817): Die Liberalen entziehen den Ausländern das passive Wahlrecht zum Vorstand und machen das aktive Wahlrecht *ur Repräsentanz für Ausländer ahhüuglg von sechsjähriger Karenzzeit und einem Mindesteinkommen. Der Oberpräsident versagt die Genehmigung. '920. Bonnt Die Liberalen versuchen den Auslandern das Wahlrecht zu nehmen. Der Versuch scheitert auf Orund des oben erwlhnten ministeriellen Entscheides vom 4- Mai 1914, ,9*Q. Aachen und Cölnt Die Liberalen stellen die Ausländer Unter Aiisnahmcrccht und unterwerfen sie einer Karenzfrlst. Der Minister des Innern entscheidet am 21. Februar 1921: In der jadischen Oemelnde ist nach dem Gesetz jeder gleich. JüdSscfoe ^oBEtstaartei Unsere niuersammiunoen: Mittwoch, den 21. Januar Musiker-Säle, Kalscr-Wtlhelm-StraBe 29*30 Referenten i Ohurreglpntng'fat Goslar . Rec.M »anwall l>r. Kies» \ Ministerialrat Dr. Oadt u. a, ureiiero ucrsammiunoen: Montag, 28. Jon.: Loire nhaii», Joarblmstbaler Straf!« 39 DiBWoJ. 27. JaiUMiwelz.e.rOarttn, Am FrltdrtehibtlaO rililtWOfA 23. JBP.: Nord-Wc»t-H«tel, Tunnstraß« S fiülIWOCX 2fl. Jan.: Artnln-Slllfl, KnmmamlaBt«nitr*0e*8-S9 OSCnorSt30.20.Jan.:««phlen.SKl«, SophlnnstraO» 17-1« C0ni10rsllQ,29.J;n.:Kalser.yrleilrlebirhule,Kaei«beekstr.24 sotuia&and, 91. Jan.:m«.hb«iia. KioMemraßa Boginn i 8 Uhr abend« Thema: JüaSissno Uiamssn m pmgsi Referenten: Apfol.Dndi.Dloth.Mumcnfcld, rarlGoldmann.QoVar, Qroncmann, Prau CJronomann, Hantkt. Kareski, Klee, Kollenscher, Fmll Low/. Londsber«. Lclcvor. rrou leszyntky, Löb. Loewe. Prau Loewa Auerbach. Rosenber«. Sandler, Sotowcluchlk. Thollhabor, Prau Turnowskl Pinner, Waldmann, Frieda Walnralch, Prau Wronskl, Zwirn. VXSUX^IAyS^Z^äm^^^mi^Omm^ saii^ij?t'j'm.ggTOrmfAU.^ Berliner »pacsn-epüppa ßablbi AilSiet (Antwerpen) sprieht am Eonnerstag. don 22. Januar, abends 8 Uhr, in den Mujlkerftstsllen, Kaiser-Wilhelm-Strasse 31, Mt>er HllSrSOlii.ZiOEIiSlIIS.Oi'ütOtt. Gtste willkommen. — AnseblioMeod freie Aussprach»- iiatnfwmiwwwm»-.' iwiiiT^wiBWM\-Bi»iiMi .na»«—mj 1922. 'Düsseldorf: " Die 'liberalen'," die den"'Xü*liindern das passive Wahlrecht entzogen haben, lehnen es ab, das Unrecht wieder gutzumachen. Nach dem Statut besteht der gesetzwidrige Zustand noch heute. 1922. Crfurtt Die Liberalen beschranken das Wahlrecht der Ausländer durch sechsjährige Karenzzeit. Der Ober« Präsident versagt am 27. April 1022 diesem Verstoß gegen das Gesetz die Genehmigung. 1924. Recklinghauscns Die Liberalen sprechen den Aus- . hindern das Wahlrecht ab. Die Regierung greift am 21. Februar 102t ein und stellt das Recht wieder her, i Ostjuden, jüdische Jugend, Angestellte! Wenn Ihr jetat daa Recht habt, sunt ersten Juden» Parlament in PrenOe.i eu wühlen und gewählt au werden, ao denkt daran, daß Euch dlea Recht in tausend Mühen vieler Jahre erklmpft haben die Manner der Jüdischen Volkspartct! ErklSrairj Die unterzeichneten Vorsitzenden des Vereins für die Jüdischen Interessen Rheinlands, der Agudath llsroel, der Achduth und des Misrachi erklären, daß Ihre vereint- §ungen der unter der Bezeichnung liberal-orthodoxe Liste in er Jüdisch-liberalen Zeitung vom l. Januar 1025 veröffentlichten Liste des Wahlkreises 12 (Rhrlnprovlnr) vollkommen fernstehen und an ihr in keiner Welse beteiligt sind, Köln, den 10. Januar 1025. gez. Nathan Kahn, gez. Pr. Max Cohen, gez. J. Schnelling. Welzmann In Köln Am Dienstag, den 13. Januar, traf Dr. Welz mann aus Berlin in Köln ein. Am Abend fand eine Massenversammlung statt, zu der ein solcher Andrang herrschte, daß viele Besucher keinen Einlaß fanden. Den Vorsitz führte der Vorsitzende der Kölner zionistischen Ortsgruppe, Pr. Kr am er. Als erster Redner begrüßte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Herr Blumenau, mit einer herzlichen Ansprache den berühmten Oast. Sodann hielt Herr Kurt Blume Ilfeld einen Vortrag über Kcren llajessod, Jewlsh Agcncy und Zionistische Organisation. Schließlich spracii W c I z in a u n über den Aufbau Palästinas. Wclziuauu wurde mit Jubel uiid Begeisterung aufgenommen. im Anschluß an die Vcrsainrilung fand in der Wohnung des Herrn Alfred Tlctz. ein Empfang statt, der mit einer Kercn HaJcssod-Vcranstaltung verbunden war. Unter den Erschienenen waren viele Nichtrlonistcn, die Jedoch gleichfalls großes Interesse für die zionistischen Probleme zeigten. Pic Stimmung; In dieser Zlrkclvcrsammlung, an der führende Juden aus allen Städten des Rhelnlandcs teilnahmen, war glänzend. Pr,. Wcizmann sprach zweimal und erwiderte auf alle au Ihn gestellten Fragen. Per Vorsitzende des neutralen Kcren HajcsMvl, der Nichtzionlit Gahen, hielt eine bcgeUterle Rede über den Zionismus. Als Vertreter der alten Generation sprach einer der iiltcstctt Rabbiner Deutschlands, Dr. Rosen* blutn, der ebenfalls tu Oplern für den Kcren Hajessod aufforderte. Die „Kölnische Zeitung" brachte ewien spattnw langen, freundlichen Bericht über die Welzniann-Versammhinj. Auch die anderen Blätter brachten Berichte. Sokolow In RumäQtcu Wie uns .im Czernowitj» telegraphiert wird, 1*1 dort Herr Sokolow am 14. Januar eingetroffen. Samtliche jüdischen Organisationen der Bukowina haben sich zur Begrüßung eingefunden. Sokolow wurde ein grandioser Empfang bereitet. Unter der jüdischen De» vülkcmng herrscht ungeheure Begeisterung. An der in Anwesenheit Pokotow-s abgclTRjteiten K. H.-Konferrnt nahmen 150 Delegierte teil. J*e Aussichten für die bevorstehende K. H.-Kainpagne sind überall» günsti:;. •MaMHMwa Vom Jüdischen Verlag Per Jüdische Verlag G. m. b. lt., Berlin NW 7. Dorothern- Mraße 35, hat soeben den G es a m tk a t n Iog seiner Werke bis zu Anfang des Jahres 1025 herausgegeben. Die ea. .50 Seiten starke Schrift gibt eine Darstellung der Geschichte des im Jahre 1002 begründeten Verlage^. I erner enthalt sie ausführliche Würdigungen der bedeutenderen Autoren drs Verlages, außerdem eine genaue Anführung aller lieferbaren Werke, «Linn die Aufzählung der vergriffenen Werke und schließlich in der dritten Abteilung ein Verzeichnis der Im Verlag erschienenen hfbräteclirn und jiddischen Bücher. Der K»t»*-g M mit ganzseitigen Bildnissen von Achad Haam. Asnon. Hiallk, Huher, Pulmow, Herrl, Mcndale und Nordau geschmückt, ferner sind schöne Bucheinbände von Werken des Verlages und die Verlagssi^neltcn wiedrri;c7cbcn. Per Katalog «igt, daß im Jüdischen Verlag bisher lt>) Werke in 205 Banden oder Ausgaben erschienen sind. Von den Büchern, die der Verlag für das Jahr 1025 ankündigt, sind hervorzuheben: Jüdische Fnzyklopädie. Urningegeben unter Mitarbeit von etwa 110 namhafter judUclier Gelehrter und Fachmänner von Pr. Oeorjj Herlitz- und Pr. Brunn Klrschiiec, Zwei starke Hände im' Format von ra. '/IX 32 cm ml» vielen Illustrationen und Ta'cln. S. M. Dil h - now, Weltgeschichte des jüdischen Volkes. In zehn Bänden. Aus 'dem Russischen von Pr. A. StcinNerc. Umfang jedes Buches ca. 'JD bis 35 Bogen. 1925 erscheinen die ersten drei Bände. C h. N. ßia I i k, I; ss a vs. Aus dem Hebräischen von Viktor Kellner. CIi. N. Bialik, Novellen. An» drin Hebräischen, Ch. N. Uialik und Ich. Rawnitzky, t>as Buch der Agada. (S, fer haagada.) Zwei Bände. Ueberselzt von Pr. Nathan Birnbaum. Joseph Trunipcldorfü Tagebücher und Briefe. Ans Uem Russischen.' Achad Haam, Am Scheidewege. (Bd. III und IV der deutschen Gesamtausgabe seiner Schriften.) M v n dale Molche r Sfuriin, Gesammelte Werke. Band II: Per WunschrliiL». Band III: Die Reisen des drlttf* Benjamin. Band IV: Fisehkc, der Lahme. Martin Buber, Sieben Reden über das Judentum. Ins Hebr.iiscbe übersetzt von Schalom Streit. Prof. Ludwig Ries, U e schichte Englands Im 10. und 20. Jahrhundert. (Hebräisch.) — Der In der Pidot-Antiqua gedruckte Katal.ig gibt ein repräsentatives Bild der jungiüdlschcn Literatur In diu letzten Jahren. Cr wird vom Verlag Interessenten auf Wunsrli zugesandt und lst auch durch'alle Buchhandlungen m beliehen. \ Vorlesung Ernst Toller Toller erzählt in seinem ersten Drama selbst die Geschichte seiner „Wandlung": ein junger indischer Mensen, im Gefühl seiner Ausgestoflenheit, voll dunklen, undeutlichen aber unwiderstehlichen Dranges nach hohen Zi-Ien, nach Seihstbcwährimg, Heldentum. Menschentum, mit tider. inbrünstiger Sehnsucht nach dem Wahren und Guten, lüulct, nach der furchtbaren Verlrnmg In die Kriegspsychose, den Weg zur Menschheit. (Den Weg zu seinem Volke sah er noch nicht.) Seine stürmische Liehe umschlingt die Millionen, er hört die Herzen klopfen, aber er sieht auch alle Schrecken des Leibes und der Seele, er leidet an der Uncrloslheit, an der schrecklichen Vcrstrlckthcit der Menschen, die verlernt haben. Mensrhen zu sein . . . „Wer kann von sich sagen, er sei nicht gefangen . . .?" Dieser Pichter, der so brutal und cinnlof geschändet und mißhandelt wurde, hat über die fünf laugen Jahre Kerkerhaft seine Jugendlichkeit, seine edle und leine Gesinnung bewahrt, er tritt heute vor uns als ein Anklagender und ein Künder besserer Zeil. Toller las am 17. d. M. in der Philharmonie au» seinen Werken. Seine hohe, etwas abgezehrte Gestalt mit der leuchtenden Stirn, der helle und feste Klang seiner Stimme, die Leidenschaft und das (manchmal etwas monotone) Pathos seines Vortrags hielten die Zuhörer gebannt, und der Ausbruch der Sympathie, diese spontane Kundgebung der besonders zahlreich erschienenen .lugend, galt nich' nur dein Pichter. auch dem von gemeiner Hand unmenschlich gemarterten Menschen. Sic töten den Geist nicht, ihr BrüderI Per Geist, der „um das Sakrament der Lrde ringt" (Brod nennt dies das „Diesseitswunder" — Im Ocgcnsatz zum christlichen Jenseits), das Reich des Friedens zur Lrde tragen will, die ekstatische Freude am Leben und der Wille zur Heiligung des Lehens, dies ist es, was gerade uns vergangcnhcitsbcwußtc, zukunftsbejahende Jude ti so packt. Dieser Pichter mag ein deutsche» Pichter sein, als Mensch gehört er auch zu uns. Er streitet gegen Gemeinheit, Roheil und Gewalt, er streitet für Gemeinschaft und Liebe. Seine Waffe ist die Liebe. Und diese Ist das wahre Werkzeug jeder echten Revolution. W. Wclzmann beim ReUhsVanztcr. Utbcr die VSMtmtJwii Wci/nvm'is mit Dr. Marx brachte die J. T. A. einen Bericht, der den Tatsachen nicht entspricht. Berlin, (ürunpi Donnerstag, den 22. c Nord und Ost der B-Z.V.fc Januar 1025, pünktlich 8 Uhr abends. In der Aula der Jüdischen Mädchenschule, Kaiscrstr. 20-39J Scholen! Alec Iicm• A b end. Programm: I. Einleitende« Referat von Herrn Rawldowitsch. 2. Rezitationen aus den Werken von Scholcm Alechcm von Frau Uliiiitcnth.il und Herraj Herz Großhart. — Eintrittskarten zum Preise von 1.--, 2.— und 3. M. Inkl. Steuer im Vorverkauf erhältlich bei: B.Z.W, bei Hugo Wolferuiann, Prenzlauer Str. 23-24, Köuigstadt 2.572J bei Rosa Glücksinann, Alexanderstr. 37 a, Köuigstadt 3424) bei Haubenstock, Orcifswaldcr Str. 1, Königstadt 7118. Hebräische Gesänge der jemenitischen Juden, myttlsdV religiöse Llcbeslicdcr au» kabbalistischer Epoche (Erst-Auf« führuiig), ostjüdischc Volkslieder in neuer Bearbeitung, sowie rräludlcn von C. V. Alk an (zum erstenmal in Berlin) gelangen am Dienstag, den 20. Januar, abends 8Uhr, Im Rönlsch-Sanl, Leipziger Str. 110, zur Vorführung durch Rahel Ermolnlkoff (Gesang) und Alice Jacob-Loe> wenson (Klavier). Ple Blllets für das erste Konzert slnal ausverkauft. Eine Wiederholung des Konzerts Ist iu Autslckt genommen.. Das Datum wird bekanntgegeben werden. 1 I ' \

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