Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1925)
- Date
- 1925-01-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1UEDISCHE RUNDSCHAU Seite 43 Propaganda als Inhalt Eine Antwort so Kurt Blumenfeld. Von Ernst Simon, Frankfurt a. M. Der folgende Aufsatz Ut, wie sein Autor un» schreibt, etwas wie eine nicht gehaltene Dlskussion» rede zu Blumcnfelds Referat auf dem Wiesbadener Delegiertcotag. Wir Hauben, daß durch eine kritische und rückhaltlose Erörterung der Ideellen Orundfragen unserer Bewegung die dynamische Kraft der Bewegung nur gefordert werden kann und erachten es auch als eine Pflicht der Loyalität gerade gegenüber einem Oeguer der heutigen "Leitung der Z. V7f. u., ihn voll zu Worte kommen zu lassen. Red. Dem Referat, das der neue Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland auf dem Delegiertentag alt «ein Programm vorlegte, Ut ea Im Verlauf der Diskussion Ihnllch ergangen, wie es Spenglera „Untergang des Abend, lindes" in der Beurteilung durch die deutsche Wissenschaft erging. In beiden Fällen fand sich nl milch niemand, der einer Oesamlkonreptlon, eine gegenteilige und nicht minder umfassende Konzeption hätte entgegenstellen können oder wollen; sondern es fanden sich nur viele, die an mehr oder minder wichtigen Einzelheiten eine mehr oder minder berechtigte Kritik übten. Aber ebensowenig, wie Spenglers ge> schichtsphilosophischer Wurf dadurch aufgefangen wird, daß man manche seiner Tatsachen als Irrtümer nachweist, son. dem nur dadurch, daß man seine Orundansleht vom gleichwerllgen und vergleichbarem Ablauf der Gesehlrhliiperlodrn widerlegt, ebensowenig Ist Blumenfelds Theorie und Einfluß zu bekämpfen und zu schwachen, wenn man ihm zu viel oder zu wenig zionistische Ideologie, oder auch dann schlagwortmüßlg <— „Innere Leere" oder gar „mangelnde Leidenschaft" vorwirft. Ea gUt vielmehr, der von ihm auf. geworfenen Präge wirklich Ins Oer.lelit zu sehen und sich dem zu stellen, was er zu sagen hat. Diu kann nur aus einer Oesanilelnstellung erfolgen, die in den Dimensionen nicht weniger umspannend ist als die seine. I. lilumenfeld warf du Problem der besonderen Funktion des europäischen, des deutschen Zionismus innerhalb der Weltorganisation auf. Damit Ist zugleich du politische und geistige Problem der Assimilation suis neue gestellt. Die gerade von unseren schärfsten Gegnern, besonders von Isaac Breuer, stets hervorgehobene Oesamtassl. m Hat Ion, die der Zionismus sei, indem er nicht nur, wie die Reform, den einzelnen Juden, sondern das gesamte Volk einem fremden Bilde angleiche — sie wird in Blumenfdds Konzeption zum Bestandteil der eigenen, der zionistischen Ideologie. Nur wer grundsätzlich der Meinung Ut, das jüdische Volk sei eins wie alle anderen Völker, kann überhaupt zionistische Propaganda so fuhren, wie sie von der jetzt zur Herrschaft gelangten Schicht des deutschen Zionismus geführt worden ist und vermutlich weiter geführt werden wird: mit den Argumenten aus der Theorie des allgemeinen Nationalismus, wie sie insbesondere in Deutschland von Fichte bis zu Mclnecke ausgebildet worden sind. Dieser Nationalismus, Ins Jüdische übertragen, wirkte zwar radikal, aber er war sehr weit entfernt vom Urslnn dieses Wortes, der seine fruchtbare Anwendung allein recht, fertigen könnte: er war ganz und gar nicht wurzelhaft. Selbst der Uebcrzeugte mußte die Frage immer aufs neue unterdrücken, ob nicht In der völlig kritiklosen Anwendung europäischer Kategorien und Kriterien, ob nicht In der vor. bchaltlosen Uebertragung eines uns grundsätzlich fremden Natlonalltitsbegriffes eine Vergewaltigung der jüdUcl.en Eigenart enthalten seL Die frage nach der Volksfremd. helt des Nationalismus wagte sich zwar nie recht nach außen, doch verstummte sie kaum Je in den Gewissensbedenken der einzelnen Zlonlslen. Blumenfeld selbst hat <ie gefühlt und zu beantworten gesucht, wenn er vor Jahren ik Parole gab, den Nationalismus weseohafter zu gestatten. Ued auch in seinem letzten Referat meldete sie sich wieder, wenn auch freilich In anderen Worten.* Blumenfeld sprach davon, daß die zionistische Arbeit •n Deutschland Ihre Triger als Menschen leer lasse. Er C«b zu, daß nach einiger Zelt Ermüdungserscheinungen auf. •feien, die nie — vielleicht selbst In Palästina nicht — ganz w überwinden seien und deren Quelle nicht In der Liebe/, •fbeirung liege, sondern darin, daO die Arbelt selber zunächst nicht auf die Dauer zu befriedigen scheine. Das Ist Im Gründe In der Tat die alte Frage: die Frage nämlich, wie derjenige Mensch existieren könne, der aus den deutschen Zusammenhingen herausgerissen, „entwurzelt". Ist, — das Wort wird Jetzt vermieden — ohne in jüdischen Dingen r« eingewurzelt ru sein. Auf der völlig dlmenslonslosen, 'Jgemlich nur geometrisch zu fassenden Linie, die zwischen fntwurzelung und Elnwurzclung verläuft, läßt sieh In der T*t kein menschliches Leben führen. In einem Raum, aus Jem man die deutsche Luft herausgepumpt hat, ohne jüdische '"'einzulassen, läßt »Ich nicht atmen. Wie war nun Dlumcnfclds Antwort auf diese Frage? Y Mßt« — mit einer Resignation, die unsere menschliche Anerkennung verdient und einen groCeo ForUehritt bedeutet, die vielleicht die Tür für die Wahrheit aufschließt —;r sagte, daß die Frage für die westlichen MtnsxUen nie i»nz lösbar sei, daö es aber ein wichtiges Heilmittel gebe diese Krankheit der Leere, für die seelische Platzaugst, Jfie wir sie nennen möchten: nJtnlich neue Bewegung. gälte, immer wieder neue Menschen in den alten Kreis * ziehen, nicht etwa, um die bisherigen Arbeiter zu cnU 'Wien, sondern um ihnen, ganz Im Gegenteil, jene frische «eibung und Spannung zu geben, die allein ihre Leere «Wgiich machen könnte. So wird ihm Propaganda 'u«n Inhalt Damit Ist etwas theoretisch wie praktisch 8'«ch Unmögliches scheinbar vollzogen: es Ist der gewalu «ame Versuch unternommen, ein Problem der Substanz, das ['oblem der jüdischen Substanz schlechthin, durch ein unktlonales Auskunftsrailtel zu löten. Inhalt ohne Bewegung '» Humm, Bewegung ohne Inhalt Ist leer — so dürfen wir, Anlehnung an KaoU bekannte Formulierung, die Un. j^Pchkelt des hier verdeckten Oegensatzea aufreißen. Wer ir l w,fl1 du,ch Propaganda auf die Dauer nicht erfüllt, »ehllmrnstenfalU sein schlechtes OewUsen verlleren xv/!mlt dle Möglichkeit, »Ich jemals xu wandeln, «ut, t maiMn nun« unaerem Vorhaben getreu, die Quelle i en' d<r <llewr Orundlrrtum enUprlngt Diese Quelle 7« la der zloniaUschen Theorie der Umkehr, der Teschuwa Das Thaw Ist zwar der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets, aber der erste des Wortes Teschuwa, und der Zlonlst, der bei diesem ersten Schritt der Teschuwa, beim Willen zur Juden helt stehen bleibt und ihn als endgültigen setzt, verwechselt gleichsam in unheilvoller Welse Anlang und Ende. In der Tat beginnt der Weg jede» Umkehrers mit der Qrumlcrkcnntnls, die einstmals Im Erlebnis des Zionismus gesteckt hat und Immer wieder in ihm stecken könnte: mit der Erkenntnis der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke. Diese Orundlatsache jedes jüdischen Lebens, diese Voraussetzung, ohne die keinerlei Jüdische Zukunft überhaupt denkbar ist, hat der Zionismus für den westlichen Juden wieder entdeckt, Darin besteht ein geschichtliches Verdienst ungeheurer Art. Es ist klar, daß ein solches Ziel cur von einer Idee aufgestellt werden konnte, deren Grundtendenz dynamischer, bewegender, und nicht substantieller, wesenhafter Art war. Her/1* Zionismus war wirk, lieh eine Fahne uod wirkte am stärksten, solange man ihre Farben nicht deutlich erkennen konnte. Berliner ZfonlsSlsche Vereinigung Am Sonnabend, dno 17,1, abds. 8 Vi Uhr spricht ito Sltnngssasl, MslnfVertr. 10 Herr Dr. Leo Cohn (8»V-rtt*T dM OalTtrttUUdaputemttt 4«f Kukottv«) Ubnr (Im Tlmoiftl „Die wsm umuorsii in Jerusoiom" Die« Ut «udera geworden und mußte mit der Rffißercn Wirk'ichkelt des Aulbaus anders werden. Der Zionismus erhielt einen Inhalt: das Land Israel. AU seine reiten Anforderungen und Bedürfnisse, Verheißungen und Gefahren drängten sich In die Form der leren Bewegung ein und begannen sie zum Teil zu erfüllen. Zum Teil. Denn nun erhebt sich die neue Frage, die in Zukunft zur SchlcksnUfrage des Zionismus werden wird; die Frage: Genügt dieser Inhalt? Wer es nicht ganz und gar ablehnt, aus der Geschichte eines Volkes etwas für seine nationale Elgcnnrt zu lernen — und wer das ablehnt, der dürfte nicht Zlonlst sein und bitte zum mindesten Uganda vor Palästina den Vorzug geben müssen — der wird nicht nur die Tatsache betrachte i dürfen, daß das jüdische Volk Palästina besessen hat, sondern auch die ihr eng verschwisterte Tatsache, daß es Palästina immer wieder verloren hat. Ueherlicferung und Geschichte gehen die gleiche Antwort nuf die Fragn nach dem Grund diese« Verlustes: wir waren das Land nicht wert, es hat uns ausgespieen. Dor Orund war, daß unser Volk seine eigentümliche Kraft, die In der Eigenart seiner religiösen Uebcrzcugungen und Bindungen lag, Immer wieder zugunsten fremder und übermächtiger Kulturen aufgab. Die daraus erwachsenen Partei- und Scktcitkämpfe schwächten es, nun rein machtpolitisch gesprochen, Im Innern so, daß eine wirksame Abwehr der Süßeren Mächte unmöglich wurde. Die Propheten und die Pharisäer wurden zu Elementen des staatlichen Verfalls; die größten Führer, die unser Volk Je gehabt hat, und die es für seine Geschichtsschreibung als tragende Oestaltcu auswählte, sind, vom Standpunkt Irgendeines anderen Volkes aus gesprochen, Verräter gewesen. Für uns sind sie Propheten. Die Ueberzcugung von der Jüdischen Auserwlhltheit, die Leidenschaft des Anders-Sclns waren stärker, als der naturalistische Lebenswille eines Normalvolkes. Dieser Gegensatz hat Israel Immer wieder um den Staat gebracht, aber er hat zugleich seine Ewigkeit verbürgt. Er hat es nie unter natürlichen Bedingungen leben lassen, aber er verhinderte auch »einen natürlichen Tod. Jede Bewegung nun, die diesen Gegensatz nicht als Beziehung zusammengehöriger Pole emplindet, sondern den einen der extremen Punkte als Mittelpunkt des Jüdischen Lebenskrelses erwAhlt, verfälscht den tiefsten Sinn des Judenrums und verfehlt seine welthistorische Aufgabe. Wer aufhört, nach dem Lande zu streben — und zwar nach dem realen Lande, nicht nach dessen Sinnbild — Irrt ebenso sehr wie der, der aufhört, nach den inneren Bedingungen für das Land zu streben. Die Propheten, die Im Lande waren, trugen, aU Verkörperer des echten Volks-Slnnes, Ihr metnphysisches Galuth als Ferment der Zersetzung In die voreilige Heimat hinein; die Pharls'ler und ihre Nachfolger, die Lehrer der Mlschna und des Talmuds, die z. T. schon außerhalb des Landes waren, trugen In der Gesetzgebung, die immer auch und vor allem das Land selber umspannte, die metaphysische Heimat In die niemals endgültige Verbannung hinein. II. Wenn man, von solchen Kriterien her, fragt, ob der ZionUmus eine legitime Helmkehrbewegung sei oder aber eine pseudomesslani*che und also illegitime, so Ist man In der zugleich glücklichen und schmerzlichen Lage, diese Frage heute noch nicht beantworten zu können. Diese Schwebe, in der sich das innere Lebensrecht und damit auch das Suötte Schicksal der zlonWUsehtn Bewegung noch Immer befinde'., sagt zweierlei aus: einmal, daß sie katastrophal scheitern kann und dann %on denselben demoralisierenden und entnervenden Folgen begleitet wäre, wie Jeder fehlgeschlagene Sabbatlanlsmus; zweitens aber, daß Ihr Qelirigen oder Mißlingen heute noch Jn der Hand der Zionlsten Ut, in unserer Hand. Die wahrhaft historische Entscheidung, die von uns in dieser Stunde gefordert wird, Ut nur dureh eine Innere Rechenschaftslegung vorzubereiten, die sich selber gegenüber auch das Psetidomesslanlsche und Sabbatianlsche der Bewegung nicht verschwelgen darf, well sie nur so Ihr ewiges Recht herausschälen kann. Sowie man diese Frage überhaupt stellt und somit aus der erschlichenen Sicherheit heraustritt, die vor Ihr flieht, erhält das Problem Theodor llerzl«, als de* Gründers der modernen politischen zionistischen Bewegung, eine bisher ungekanntc Schwere und Schirfe. Wir müssen uns fragen: Wie Ist es möglich, daß In entscheidender Zeit ein Mann Israels Führer gewesen Ist, dem die Orundlage unserer Existenz, daa Schma liroel, gleichgültig war. Nicht' etwa, daß er sie verneint hatte, nicht etwa, daß er als einer Jener ewigen und großen Ketzer gegen Ooltes Oesett und auch gegen Pott selber, sich In trotziger l-eidenschaft dem Kreis unseres Volkes eingefügt hitte — nein: es ging Ihn nichts an. Wer seine Tagebücher zu lesen versteht und nicht durch Parteikult oder Heroenkult blind geworden Ist, der wird fühlen müssen, daß Ihn niemals der Ruf erreicht hat, um dessen Willen Juden Immer wieder gestorben sind und für den sie zu leben haben. Doch aber Ut ein Ruf an Theodor Hcrzl ergangen: der Ruf der Jüdischen Not. Ihm hat er gehorcht, und auf sein Oehelß ha» er die Verwaltung des JüdUchen Volkes In seine Hände genommen und all seine iußerc Last auf seinen Nacken. Gibt es In der jüdischen Vergangenheit oder der tradltlonsnlhcren Qegenwart einen jüdischen Menschentyp, als dessen Stelgerung und Zusammenballung man Herz! ansprechen könnte? Es gibt zwei solcher Typen, und die Entscheidung zwischen Ihnen Ut gleichbedeutend mit -der Entscheidung der Lebensfrage des Zionismus selber. Wir haben zu wihlen zwischen dem König und dem Stadl an. Die Ocschlchte aller jüdischer Könige, mit der einen Ausnahme Davids, iat eine Geschichte äußerer Siege und Innerer Niederlagen. Keiner von Ihnen ward dem Bilde gerecht, daß die Thora als das des Königs aufgestellt bat, welches nämlich das Bild des Messlas Ist An diesem Maße gemessen, bestand keiner von Ihnen — und auch David nur, well er ein achwacher, ein fliehender König war, einer, der durch List siegte und nicht durch Kralt und der die Souveränität seiner Regierung und die Autonomie seiner Tat Immer und immer wieder verschmähte. Die Innere Katastrophe der jüdischen Könlgsmacht aber wird herbeigeführt und festgestellt durch den Propheten. Als so der ungeheure Versuch, das Programm der Thora unmittelbar Im jlidtsclien Staate zu verwirklichen, als ge. acheltrrt angesehen werden mußte, als es zweifellos miß- Innren war, das messlanlsclie Reich In einem großen Durchstol>, ohne den langen Leidensweg tics Galuth aulzurichten, da teilten sich die Kräfte, die im jüdischciK König vereinigt sein sollten und Im Messlas vereinigt sein werden, In diese zwei: in den Raw und den Stadlan. Der Stadlan Ist der polltische Führer der jüdlselien Oentclniichalt, darin dem König gleich, Ihm.aber ungleich darin, daß er ganz hell dlca im Bewußtsein hat; er Ut nur der Führer nach außen, nur der öffentliche Führer. Hinter Ihm und über ihm existiert der helmliche Führer, der der wirkliche Ist: der Raw. Seitdem das jüdische Volk aus der engen Gasse des Ohclto auf die breite Straße der Weltpolitik hinausgetreten ist, genügen ihm die kleinen Sladlonlm nicht mehr. Es braucht große, und ea hat solche gehabt. Solch ein OroB-Stadlan war Monteflorc, war Rotsch lld — der allergrößte von ihnen war Theodor Hcrzl. Sein Werk, die Zio. nlstlHche Organisation, kann nur leben und Bestand haben, wenn sie all das, aber auch nur das, zu verwirklichen strebt, was In diesem FOhrcrbllde vorgezeichnet Ist: sie muß die Stadlonus-Bewcgung des jüdischen Volkes sein. Nichts weniger sein und nichts mehr. Vergißt sie, daß hinter ihr, stumm und unerkennbar, der eigentliche Führer steh» — und es Ist heute, beim Anblick der empirischen Orthodoxie, Insbesondere der europäischen, allerdings leicht zu vergessen — so muß sie am Maßstab des Königs, also an der Messianltit schlechthin, gemessen werden. Solche Wertung erträgt sie nicht und sucht ihr dadurch gerecht zu werden, daß sie In pscudomesslanlscher Ucberspannung sich vergreift Dann gibt sie Antwort auf die Präge des Judentums, von dem sie wenig weiß, statt sich dem Prob'em der Judenheit zuzuwenden, zu dessen Lösung sie mit berufen Ist Dann stellt sie eine Theorie der Teschuwa auf und glaubt selber die ganze zu sein, während sie nur ihr Anfang Ut Dann verliert sie Ihr historisches Recht und macht Ihre Menschen wieder satt, so daß sie satt und leer zugleich sind, wflhrend sie doch, Ihres Beginnes eingedenk, sie hungrig und unruhig machen sollte und könnte. Wie aber müßte es sein, wenn die Zionistische Organisation sloh ah Stadlan des jüdischen Volkes begriffe? Sic wird dann nicht mehr nach einer falschen Totalität greifen und so den Weg für die echte verbauen. Dann werden Ihre Redner nicht mehr davon sprechen, daß Jede Generation Im jüdischen Volke glauben müsse, von Ihrem Werk hinge der Bestand des Volkes ab, was ein glatter Sabbatlanlsmus Ist, aber verringert um dessen Ernst, der durch ein „als ob" ersetzt wird. Sie werden dann keine Aussagen mehr über d«n tiefsten Sinn jüdischen Lebens machen und auch keine darüber, daß Im Heiligen darf Halbe eine Sünde sei. Kurz: Ihr Stadlan wird dann nicht mehr sprechen wie. ein Raw. III. Was kann die besondere Aufgabe des europäischen und deutschen Zionismus sein, Innerhalb einer Bewegung, die steh das hohe Ziel solcher Sclbstbcschcidung setzt? Zunächst einmal: zweifellos eine andere, als er heute erfüllt und als sie ihm gerade Jetzt wieder von neuem gewlesen wurde. Oewlß wird es Immer wesentlich für sein Sein und Wirken und Leben bleiben, daß er Europa kennt, aber in sehr anderem Sinne, als es der Führer des deut. sehen Zionismus gemeint hat. Der sprach auch einmal von den Versuchen, In das Leben des Oeseties hineinzukommen und tat sie als romantlsch-vorelilge und zugleich unvollständige Versuche ab. Derartiges könne lebendig nur im Lande erwachsen und sei im Oaluth Vorwegnahme und Surrogat. Wir' wollen nicht mit Blumenfeld darüber rechten, daß er sein geistiges Hauptprinzip, das Vertrauen auf die gestaltende Kraft der Idee und ihre Aktivität gerade in diesem Bezirk aufgibt Wir wollen ihm nicht vorwerfen, daß gerade Im Religiösen nun alles In Palästina „von selber kommen" soll, wogegen er sich auf allen anderen Gebieten mit berechtigter Schürfe gewandt hat. Wir wollen ihn auch nicht fragen, ob nicht die Erkenntnis des einen Ootles und das Leben In einem Qesctz, das die Spaltung der Welt In jedem Augenblick aufzuheben sucht, in völliger Unbedlngthelt zueinander gehören und Jedenfalls geistig entschieden werden müssen und nicht geographisch — sondern wir wollen an diejenigen seiner Ausführungen anknüpfen, die für Jene Oruppe ein — offenbar Improvisierte« — Programm gaben, wie sie es anders als bisher machen solle. Er schlug da vor, sich völlig aus der deutschen Kultur herauszureißen und Jenen Weg 'gewisser östlicher Kreise zu gehen, die eine Mauer um sieb'ziehen und den Versuch machen, Innerhalb dieser, ganz und gar nicht in jüdischen Zusammenhingen, Ihr Leben zu führen. Nun — gerade In der entgegengesetzten