Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1925)
- Date
- 1925-01-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kr.S. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 4! Mein Rücktritt als Vizepräsident des Zloolstlschen Aktionskomitees ( Herr Oberbaurat Stricker ftat vor einigen Tagen an die Zionistische Exekutive In London ein Schreiben gerichtet, in welchem er seinen Rücktritt als Vize« Präsident des Zionistischen Aktionskomitees mitteilt und erklärt, daß er .die Qrunde für seinen Entschluß ölfcntlieh darlegen werde. Herr Stricker veröffentlicht nun in der „wiener Morgenzeitung" eine Erklärung, der wir nachstehenden Hauptteil entnehmen. Ich habe der Exekutive der Zionistischen Organisation -rjtgctcilt, daO ich meine Stelle alt Vizepräsident des Aktioriskomitccs niederlege. Ich will der zionistischen Ocffcntliettkeit die Gründe bekannteeben, finden es meine zionl- „tischen Ocrtiiinungsgcnosccu für gut, diese Qründe einer Erörterung zu unterziehen, dann habe ich den von mir erftrebien Zweck erreicht. Werden sie finden, daß diene Gründe nicht triftig reinig sind, um eine Acnderung des j*ullcen Sysicms in Betracht zu ziehen, so ist auch damit die Berechtigung meiner Handlungsweise dargetan. Dann besteht eben /wischen ihrer und meiner Auffassung von grund- Agenden Dingen eine Differenz, die es nicht zuläßt, daß ich ucitcrhln eine verantwortliche und in gewisser Hinsicht leitende Stelle in der Weltorganisation bekleide. Ich schicke noch voraus, daß auch kein einziges Motiv persönlicher Natur .erhandelt Ist. Ich scheide nicht als persönlich Verbitterter. Keiner der ücriunungsceuossen in der Exekutive und Im Aktionskomitee hat mir irgend etwas angetan. Sic sind mir immer loyal entgegengekommen, haben mir immer Wert, ichätrung nach Ocbutir, oft über Gebühr, entgegengebracht. Ich erblicke Im Bestände einer starken, von nationalem Willen getragenen Zionistischen Organisation die unerläßliche Vorbedingung für die WicJcraufrichtung des Volkes und für Jen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau des niiionalen Heimes In Palästina. Auf die nationale Organlu'.ioit verzichten oder sie als Angelegenheit «weiten Ranges behandeln, heißt den Aulhau unmöglich machen. Nun ist M weitere Bestand der Organisation gefährdet, denn der U'lllc der Selbst Vernichtung her rieht In ihr; tf herrscht bei der Majorität und bei den leitenden Stellen. Er findet seinen Ausdruck in dem heute maßgebenden Schlag- »ort, daß einzig «n<< allein das Ausmaß und das Tempo itt Aufbauarbeit In Palästina für die Zukunft des Volke» und des Lindl» maßgebend sind, und jede Arbeit hinter die Titirjkcit für die Aufbringung der notwendigen Mittel zu »teilen ist. Oclcgcntlirh wird wohl das Sprüchlein berge* jj jt: „Wir brauchen eine starke Organisation." Das lindert •b'er nichts an der Tatsache, dal» für die Erhaltung und den Aushau der nationalen Organisation weder Ji.fcrcsse trrl'andcn ist, noch Krältc und Mittel aufgebracht werden. Schon das äußere Bild der Zionistischen Organisation zeigt zcrstüicudc Wirkung der herrschenden Tendenz. Die Londoner Exekutive der Zionistischen V/dt organl- «itlon besteht aus vier Männern, von welchen drei last »l.indic abweisend find, weil sie Ocldmltlcl für die Pal.>tinakok>ni.satlon beschaffen müssen. Da* Londoner Haupt, hurtaii, welches den zentralen Organismus der zionistischen Bewegung bilden müßte, zahlt zwei Sekretare, deren Hauptb:*c..iifiigiin|; ein fruchtloser Kampf mit ücldsorgcn kleinlichster Art ist. Denn für die Leitung der Orga* nisation hat hcittedie Bewegung nichtsQbrig. Von irgendeiner systematischen Organisationsarbeit oder gar von politischer Arbeit kann unter »olchen Umständen keine Rede sein. Politische Vertreter der Bewegung an den wichlisten Stellen, an den Sitzen der Großmächte und beim V','Jfc«J&ttnd, können nicht, eingesetzt werden. Es. fehlt das iiuiigc Geld. Ein Informationsdienst, welcher die Zionistische Organisation, die zionistische und nichtzionistische Presse und die in der Weltpolitik maßgebenden Michte und Faktoren in steter Verbindung mit der Bewegung halten sollte. Iflilt. Alles fehlt, was die Leitung in die Lage versetzen könnte, die ihr zustehende Stelle in der politischen Entwicklung der ludenschaft einzunehmen und den Kräften, welche heute die \\ cltpoliiik bestimmen, die Existenz und die Forderungen <<' jüdischen Volkes zur Kenntnis zu bringen, diese Mächte s:>n<Jig daran zu erinnern, daß es ein jüdisches Volk gibt, l'h leben und Im eigenen Lande leben will. Da» Interesse W Arbeit dieser Art Ist erstorben. Wer von diesen Problemen spricht, riskiert es, als Politikaster verschrien zu werden. D.ti Schlagwort, daß lediglich die kolonisalonschc Arbeit in Palästina, ihr Tempo und ihr Ausmaß, um die Quantität der aufgebrachten Mittel, für das Schicksa! des nationalen Hclmei maOgchcnd lind, droht die Organlsation zu ersticken. Diese Tendenz, welche zur Verödung der Organisation führte, hat andererseits die beiden Sammellnstltulc der De- J\'c8u'ifr. <fcn Nationalfonda und den Kcrcn llajcssod, in den VordcrgrunU geschoben. Dierc Hilf*orgauc sind vor die Organisation getreten, sowohl in technischer als auch In moraliscltcr Hinsicht. Man hat sie sc'hstäiidig gemacht, nicht etwa unabsichtlich, sondern ptaiimäßif, bewußt. Sic haben ihre eigenen Tagungen (man wird u.i-ftMcn* zr.r Bezeichnung ..KoiiRrcO" schreiten», ihre eigenen Direktorien, AuWchtsbdiördc», Ocncralsckrctarlatc, autonome Vertretungen in Palästlna und den Ländern. Sic verfügen über einen verzweigen und reich dotierten biircaiikratlschcn Apparat, einen eigenen Prc«c- und PropagandaUlcnst, kurz ftber alle», was der Organisation nicht zur Verfügung steht. Was die Bewegung an wertvollen Kräften hervorgebracht hat, Ist In die beiden Institute dirigiert worden. Der Wert des einzelnen Zionlstcn wird lediglich nach seinem Verhältnis zu diesen Institutionen bestimmt: Was hast du für die beiden Fonds gegeben oder getan? Die Frage der moralischen und materiellen Leistung für die Zionistische Organisation wird nicht mehr gestellt. Sic Ist durch den Vorweis der Schckcl* i|iiitlung, einen Schilling pro Jahr, rotros beantwortet. Zionistische Zusammenkünfte jeder Art werden nur dann für voll genommen, wenn ihre Tagesordnung mit Besprechungen der Möglichkeiten des Ocldoiifbringcns für die beiden Fonds gewidmet Ist, Alles andere wird als leeres Ocredo gcwcrlct. AeuBcrllch hat die Umstellung aller zionistischen Kräfte in den Dienst der beiden Sammclinstilutc ein Aufblühen derselben bewirkt. Die Kurve der Sainmclcrgrbnlssc hat «ich jah erhoben. In Wirklichkeit i»l es ein Scheinerfolg auf Kosten der dahinsiechenden nationalen Organisation. Van der lebendigen Organisation losgerissen, In den dürren Sandbaden der Neutralität verpflanzt, müssen b:ide Institutionen verkümmern. Das fühlen heute schon die einsichtigen Arbeiter In den beiden Fonds. Die besten zionistischen Köpfe und tüchtigsten zionistischen I Linde werden bei der eintönigen Arbelt erlahmen, au« einem Indifferenten Judentum Immer und Immer wieder Ocldinlttrl herausiuzlchen. Ohne den Krallstrom, welcher vom lebenden nationalen zionistischen Judentum ausgeht, einzig und allein auf die Routine der Beamtenschaft angewiesen, muß diese Arbeit rein mecha. nisch und schließlich ergebnislos werden. Per materielle Aufbau des nationalen Helmes ist durch die Preisgabe der nationalen Organisation aufs schwerste gefährdet. Während aber die materielle Gefahr erst in den kommen, den Monaten bestimmte Form annehmen kann, sieht die politische Oefahr, als Folgeerscheinung der Preisgabe der nationalen Zionistischen Organisation, bereits heule' konkret vor uns. Die offenen und heimlichen Feinde des jüdischnationalen Helmes in Palästina haben den gewaltigen Vorteil, welchen ihnen die Passivität der schwach gewordenen Organisation bietet, erkannt und ihre Taktik dementsprechend eingerichtet. Sic haben es nicht mehr nölür, gCRcn eine die Welt umfassende, an allen Punkten der Erde ühcr nationale Kraftquellen verfügende jüdische Vn'ksorgauk'.atloit zu kämpfen, sie konzentrieren ihren Angriff einfach auf Palästina, auf das kleine Land, in welchem einige Zehntausend Juden arbeiten. Sic ignorieren den Zionismus außerhalb Palästinas, weil ihnen das die Aufgabe unendlich erleichtert. Und sie dürfen ihn ignorieren, weil er sich seihst ignoriert, weil die Zionistcn selbst nus dein, Zionismus eine.rein palästinensische Angelegenheit machen, eine Sache der Arbeit an Ort und Stelle. Wie vcrhiinguisvoll diese Auffassung werden muH, wenn der Feind sl<*h Ihr anpaßt, beweist der Vorgang, der sich jüngst.« im Völkerbund abgespielt hat. Die Mandatskommission hat dem Völkerbund einen Bericht über Palästina vorgelegt. Er war nicht zulct/t in. folge der politischen Untätigkeit der vernachlässigten Zki. nistischen Organisation wenig wohlwollend. Aber erschreckender als der Mangel des Wohlwollens In dem Berichte wirkt die Form, in welcher er über das jüdisch-nationale Heim spricht. Er verliert kein Wort darüber, daß . Palästina von der Welt dem großen jüdischen Volke als unantastbares nationales Zentrum zuerkannt wurde. Er behandelt Palästina als kleines kolonisatorisches Experiment, das gut oder schlecht ausfallen kann, mäkelt an diesem und jenem, spricht von den jüdischen Einwanderern so, als ob er. -.Ich um gnadenweise und nur mit größter Vorsicht zuzulassende, landfremde Elemente handeln würde, nicht ober um Menschen, die auf Grund ihres Rechtes, das vom Völkerbund in feierlichster Form anerkannt wurde, In ihr Land heimkehren. Der Zionistischen Organisation, welche vom Volkerbunde als Trägerin der Rechte des jüdischen Volkes ebenso feierlich anerkannt wurde, schenkt man kein Interesse. Das Memorandum der Zionistischen Orcani. sation fällt unter den Tisch, wird nicht einmal verlesen. Hingegen bildet das onti/lontotlschc Memorandum der Araber" den Ucgciistand großer Aulmerksamkcl», und mit dem Papste, dem unversöhnlichen Feinde des jüdischen Palästina, werden stundenlange Konferenzen gepflogen, wo doch das l r<!.i .linamandat weder den Arabern noch auch dem Vatikan cm Recht auf Vertretung vor dem Völkerbunde In An. Kclr,*,cnhcllcri Palästinas zuerkennt. Die Araber und der Papst!Ühi' u B,ch d,'4Vf,T «S'".««'. «-cn Fehler der Zionlstcn zu verfallen, und die >alästlnafraßc als lokale palästinenslsdio Angelegenheit zu behandeln, Indem sie etwa nur von den Rechten der palästinensischen Christen und der paläsllncn. Mseneu Aiabcr sprechen. Sie sprechen und handeln im ^amen der großen Christenheit und de* großen arabischer» Volkes, Das erzwingt ihnen Achtung und Aufmerksamkeit Sic sprechen wie einst die nationale, zionistisch.' Welt. Organisation sprach, damals, als sie das Palästinamandat errang 1 Auf der einen Seite mfichtlgc. Im Dienste großer Ideen arheitenoe Feinde. Auf der anderen Seite eine Immer schwacher werdende Zionistische Organisation, welcher der Lebenswillen fehl», die ein nationales Postulat nach dem anderen fallen läßt und nur das Problem kennt, wie drr l'cdarf der kolonisatorischen Arbeit zu decken ist. Eine Or. ganisailon, die danach lechzt, sich der nationalen Führer-' rolle zu entledigen und in Form der cntnationalisicr. ten Jcwish Agcncy, die Tührung einer mehr oder mimler willigen nrutralen Judenschaft zu übertragen, welche viel, leicht Geld geben, nie aber den großen politischen Kampf für die Sicherung des nationalen Erfordernisses wird führen können und wollen. Diese Gegenüberstellung muß die schwersten Sorgen füt die nächste Zukunft unseres nationalen Heimes auslösen. Die Situation erfordert, meiner Ueberrctigung nach. Um Stillung der Politik der zionistischen Bewegung zum Zwecke der Erhaltung und des Ausbaue* der nationalen xlonlstl. sehen Weltorganisation. Die nötigen Kräfte und Mittel müssen freigemacht werden, sei es auch um den Preis, daß In der nächsten Zelt der Zustrom der Mittel für den kolonisatorischen Aufbau eine Verminderung erfährt. Dieser Schaden l«t gutzumachen. Der Schaden aber, den der Vcr. fall der Organisation verursacht, ist unübersehbar. Ich weiß, daß ich mit dieser Auffassung der Dinge im Gegensätze zur heutigen Majorität Im zionistischen Lager stehe. Ich fühle mich verpflichtet, dieser Situation dadurch Rechnung zu tragen, daß Ich auf meine verantwortliche Stelle In der Weltorganisation verzichte. PressesUtiimen Das Zentralorgnn der llitachdut in Po!<"n, „Folk und L.! n d", schreibt über den Wiesbadener Delegiertentag u. a.: „Oer deutschen Zionistischen Organisation gehören olle zionistischen Föderationen in Deutschland an. Darum ist eine Untersuchungdes Ocistrs, der in Wiesbaden geherrscht hat, von großem Interesse. Schon bei der Lektüre der Verband, hingsberichte merkt nun, daß in Wiesbaden eine andere' Stimmung als in Warschau, Lemberr» oder Tamow geherrscht hat. In Wiesbaden bat man die Stimme des wahren Zip. n I r. m u s gebort. lX>rt hat der nciißcwählle Vorsitzende, Blumrnfvid von der zentralen Bedeutung der Chaluzluth für den Aufbau Palästinas gcsnrrtchcn. Dort wurde fast von , allen Rednern unterstrichen, daß das Bcrüfsldral der jüdischen lu-ciid der fandwirtrchalilichc Chahiz werden muß. in Wiesnadrn hat man von hebräisch nicht ..hi* zu einem gewissen Oradr" gesprochen, sondern die vollständige Hebraisierung des zionistischen Lebens gefordert. Der Leader des neuen Kurses, Herr Abraham Gold* b e r g, versuchte zwar auf der Konferenz seine neuen Pläne zu lancieren — aber er hatte nur geringen Erfolg. In Deutschland existiert heute eine öffentliche zionistische Meinung, die In langer Erziehungsarbeit geschaffen wurde und die man nicht bluffen kann wie in Amerika. Der Qclst der Wiesbadener Konferenz Ist fast der einzige Lichtpunkt in der Reihe der let/.tcu zionistischen Konferenzen in Europa. Der deutsche Zionismus, mag man sich auch zu manchen seiner negativen Eigenschaften wie immer stellen, stellt heule die einzige zionistische Organisation dar, in drr die Losungen und Forderungen des arbeitenden Palästina ein warmes Echo gefunden haben." "III I I ■UM!! Hebräische BlbüofjrapSile Die Jüdische Natlonalbibliothck in Jerusalem, die nun w:h die Bibliothek der Hebräischen Universität geworden ö'i gehört zu jenen Institutionen, die trotz, aller Hindernde, deren wichtigstes der Qcldmangcl ist, seit dem Ende <fe» Krieges den erfreulichsten Aufschwung genommen hat. fairch die Erwerbung einzelner großer Bibliotheken, insbesondere der Ooldzihcr-Bibliothek, wie auch durch Sehen- «unsen von allen Seiten wächst sie langsam zu einer wichtigen 'ammclstättc jüdischer und orientalischer Literatur heran. Ein Eewcis dieser erfreulichen Entwicklung ist auch die Her- '«gab; einer bibliographischen Vicrtcljahrsschrift „KIrjath Scphcr",von der bis nun drei Hefte vorliegen. Seit Steinschneiders Zeitschrift „Hebräische Blblio- Rraphie", die 1858 zu erscheinen begann und die er bis 1682 heraasgab, und seit der „Zeitschrift für hebräl&chc Ribliographk", wie sie von 1S°3 an durch mehrere Jahre »<*n Freimann und firody herausgegeben war, waren die Nachrichten über hebräische und jüdische Bibliographie in »erschicdencTi ZeitschriUcn verstreut, ohne daß es eine jvut oiescm Zwecke gewidmete Zeitschrift gegeben hatte. Eine bibliographische Zeitschrift für dieses Ocbict kann f'ilweder eine Zcllseltrift sein, die nur alle hebräischen Drucke f^istriert ohne Rücksicht auf das Stoffgebiet, das sie bcnindcln, oder eine Zeitschrift, die alles berücksichtigt, was mit der Ocsdiichtc und Literatur des jüdischen Volkes und K.ncn verschiedenen Acufkrungcn auf allen Lcbcnsgcbictcn w tun hat. in welcher Sprache es auch. Immer abgefaßt »in mag. Die vorliegende Zeitschrift vereinigt beide Zweige euer hebräischen oder jüdischen Bibliographie, daneben hat '« aber noch ein ihr ausschließlich clgciitüml.c.ics Oehlc», sich in kurzer Zeit zu einer ganz besonderen Bedeutung' "• entwickeln verspricht. Sic registriert lämtliche Bücher und Druckschriften, die In Palästina erscheinen in welcher Sprache auch Immer. Diese zweite Aufgabe Ist ebenso Kltwcr »ls wlchthjr. Wilirend es m allen aiKiercn Lindern von der j^Zlerumj autorisierte ZentrallnstHute gibt, an die alle In «m betreffenden Lande erscheinenden Druckschriften und Bncher in zumindest einem PfllchtejoempUr ibgcliefert werden ragten, gibt ei V» Jetzt In Ptläiün» keine solch© Bibliothek. I>ics Ist sehr zu bedauern; denn damit geht ein großer Teil der Drucke, besonders die für die Zeit um! Ihre Ereignisse su charakteristischen Broschüren und Flugblätter verloren. Dazu kommt noch eine spezielle palästinensische Literatur, d:c sogenannte „Sch norr• Li t cr a tu r", die datin besteh», daß einzelne Autoren Bücher bloß zu dem Zwecke drucken, um sie ins Ausland zu schicken, begleitet von Briden, worin die Gönner der Literatur um Unterstützung des bedürftigen Verfassers ersucht weide». Diese Bücher sind bisweilen kulturgeschichtlich sehr Interessant. Ein anderes wichtiges Gebiet bilden die verschiedenen arabischen Drucke. Obwohl die weitaus überwiegende «Mehrzahl der arabischen Bücher, die m Palästina zirkulieren, In Syrien oder Aegypten gedruckt wenten, so erscheinen «loch In Palästina selbst bereits eine Reihe arabischer Zeitungen und werden auch bisweilen Bücher veröffentlicht. So enthält die erste Nummer der Zeitschrift eine vollständige Ucbcrsicht über sämtliche Zeitschriften und Zeitungen, die In Palästina erscheinen. Nach dieser Aufstellung gibt es derzeit in Palästina 10 arabische Zeitungen. Auch die Ucbcrsicht der hebräischen Presse in ifcr gleichen Nummer, die 42 periodische Drucke an.wlgt, bietet viel Interessantes. So erwähnt sie eine Zeitschrift „I Icbrea Huperanlk", «lic in TeKAwlw licrausgrgclx'ii wird, mit dem Mollo „Sprich hebräisch mit den Söhnen deines Volkes und Esperanto mit deinen Nachbarn". Freilich sind unter diesen 42 hebräischen periodischen Schriften mehrere, die nicht durch Druck, sondern durch andere Vcrvlefältigungsartcn hergestellt werden. Zu diesen gehört unter anderem auch ein hektographisches Blatt „Funken", daa vom Jcnisalcmcr Koinikc der kommunistischen Arbeiterpartei herausgegeben wird. Weiter «et eine Zeitschrift „Haschachmat", das offiziell»; Organ de« Schachklub Emanucl Laskcr in Jerusalem hervorgehoben, und ein Oew crkscliaftsblalt „Hakatcr", das Organ des Verbandes der Eisenbahn-, Post- und Telegraphcn-Bcnmtcu.In Palästina. Die christlich-religiösen Zeitschriften In Palästina umfassen eine französische, eine griechische und eine deutsche Zeitschrift sowie ciitc Publikation, die französisch, spanisch und italienisch erscheint. Die Zcltschrificnübcrsldit umfaßt natürlich auch viele Organe, die nur einmal oder nur iinrcjcl* maDig erscheinen, die aber dafür charakteristisch sind für du Leben und die Strömungen, im Linde, , So Ist In der zweiten Nummer eine eigene Purlm- Zeitschrift angezeigt sowie wiederum ein Arbcitcrorgan In jiddischer Sprache unter dem Namen „Arbcitcrtribünc", die in Nr. 3 bereits abgelöst wird durch eine Publikation „Arlicilcrlraktic". Unter drn arabischen Büchern, die in Nr. 3 <!cr . bibliographischen Zeitschrift ah in Palästina erschienen angeführt werden, seien genannt ein Lehrbuch der Oeographie Palästinas, ein arabisches Lesebuch für Schulen, ein Gedichtband, eine Sammlung politlscl er Vorträge unter dem Namen „Das arabische Her/ und der europäische Verstand'', die Ucbcrsclzung eines Romans von Marie Corclly, eine lieber- Setzung des „Qclstcs der Menschheit" von Max Nordau und ein«: arabische Ausgabe des Aufsatzes Dr. Klausners „Worte der Wahrheit und des Friedens. Ucbcr die Furcht der Araber vor dem Zionismus", der Im Haschiloach erschienen war. Die hebräischen Bücher, die in Palästina er scheinen, wie auch nllc hebräischen Broschüren und Augenblickssehrlftcn sind ouneführt und zum Teil besprochen. So gibt dieser Teil der Bibliographie einen wertvollen Einblick in «las politische uml geistige Leben Palästinas und Ist dem unentbehrlich, der wirklich oll das verfolgen will, was dort vor sich geht. Die zweite bibliographische Aufgabe «Ivr Zeitschrift, nämlich all das zu sammeln, was in welcher Sprache und wo auch immer, über Judentum und Palästina geschrieben wird, ist nicht von geringerer Aufgabe als die erste Aufgabe. Auch hier erheben sich großj Schwierigkeiten, die anderer Natur sind, die hl der außerordentlichen Weite dieses Gebietes, Is fachlicher wie geographischer Hinsicht, liegen. Diese Abteilung hat vorläufig; ihren größten Wert für den hebräischen Leser In Palästina, der Im allgemeinen dk nicht-hcbrälsch geschriebenen Quellen nicht zu Ocsicht bekommt. Aber durch die Intcmationaiität dieser Bibliographie wird sie auch für deutsche Leser von Wert sein, die dort über neue englische lind amerikanische Erscheinungen auf dem laufenden gehalten werden. In einem gcwUtcn Sinne stellt Palästina hier einen Mittelpunkt her. Auch auf wichtigere Zeltsdiriftetuufsätzc wird aufmerksam gemacht; daneben wird auch eine vollständige Ucbcrsicht Ober alle Ersehe nungen und Übersetzungen der neuen hcbrälKhcn Literatur gegeben. Es dürfte wohl niemanden geben, der nicht bei der Durchsicht dieser l