Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1925)
- Date
- 1925-01-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2652691-2652695--17052-3517883- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«... r -!' ,l,V Seite 34 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 4 'i „JOdlscfie Energie und arabische Apathie" „Time»" vom 5. Januar veröffentlicht folgenden bemerkenswerten Artikel ihres Jerusalem« Korrespondenten: Die Kompliziertheit der Aufgabe Großbritannien* in der Durchführung »eines Mandat* (liier Palästina ließt klar aut der Hand. Nur in Kernigerem Maß besteht da» Problem darin. Vormund eine» nicht entwickelten Volke» zu »cm, nhwohl die )'w»flc Mehrheit der Bevölkerung ganz ungebildet Ist und die eine kmistlliilianelle Kcglerumf die nötige Fähigkeit nicht besitzt. Das Hauptproblem ist, anscheinend unversöhnliche Bevölkcrungsicile und Parteien zu versöhnen. Es ist ein ungeheure* Problem. Auf einer Flache von knnrtn etwa» mehr als 0030 Qnadrahticllen leben Moslem«, Juden und Christen, alle noch weiter eingeteilt In jede nur mögliche* Unterteilung. Sekte, Nalianalrt.il. Wir können die verschiedenen Kategorien zusammen fassen in a) diejenigen, die nur Im l ande „kampieren"; h) diejenigen, die ,iu% freier Wahl Ins Lind Bekommen »lud, um mit Ihm zu verwachsen; und c) in solche-, die seit Jahrhunderten einen Teil des Landes gebildet haben und es als unbestreitbar rechtmäßige» Eigentum befrachten. .... . Die erste Kategorie wird rcprStmticrt durch die große Zahl der ausländischen oder halbausländi-chcn Einwohner, die sich für nationale oder religiöse Reprisentanten im Heiligen Lande halten — sie bieten der Administration e:ne relshe Auswahl von dornigen Problemen, die zeitweise durch den itatus quo niedergehalten werden; di: »weite Kategorie wird repräsentiert durch die neuen jüJi«chcn demente, die in Palästina eine Heimstätte suchen und »ich selbst ats die künftigen palästinensischen Staatsburger ansehen; die dritte Kategorie wird natürUch von der arabischen Majorität gebildet. Die Essens des Problems ist die Vereinigung der zweiten und dritten Kategorie. Es ist Jetzt viereinhalb Jahre her, seit eine britische Zlvii-Admlnistutbn an das Problem herangetreten ist — Zeit genug, auf Qrund der Resultate ein Urteil zu fällen und daraus die Zukuuftsaussichten zu errechnen. ..... Nach einer Schilderung der in den fetzten viereinhalb Jahren erzielten Fortschritte auf allen Gebieten der Technik und Wirtschaft fährt der Autor fort: Der größte Teil des jetzigen und sehr viel von dem künftigen materiellen "Fortschritt im Lande Ist fn unverhältnismäßigem Orade von der auswärtigen jüdischen finanziellen Unterstützung abhängig Bei dieser Oelegenh I IX es Migibracit, e'n'n sh-k ve br.itc'.en .r.tum /u k rrigieren, daß der zionistische Enthusiasmus und die finanzielle Unterstützung zu einer gewissen Bedeutune.sbsigkeit gesunken sind. Gewiß herrscht heute weniger L.Irin, draußen und weniger Indiskretion in den öffentlich mi Aufruf on, aber das Oeld fließt inch immer herein, die Maschine arbeitet noch Immer, und funklioui-'rt mit einer Gcschmkligkeit und Wirksamkeit, die man früher nicht gekannt hat. In der Hauptsache ist die Energie darauf gerichtet, Land zu kaufen, dieses Land bewohnbar, für die Behauung geeignet ■und auf diesem Lande passende Siedler ansässig zu machen. Bloßer Enthusiasmus steht heute nicht hoch im Kurs; schwere Arbeit und wissenschaftliche landwirtschaftliche Methoden nehmen den ersten Rang ein. Aber die Wirkung auf die palästinensische Landwirtschaft als Ganzes, Ist viel geringer als man annehmen sollte. Pa'ästina ist, was es war und wahrschcln'ich immer s:in wird, fn erster Linie ein Agrikutt(Irland. Der größte Teil der Bevölkerung ist auf dem Lande angesiedelt und *)S Prozent dieser Bevölkerung sind Araber. Wenn wir uns dem Hauptproblem zuwenden — der Versöhnung der arabischen Majorität mit einem Leben Seite an Seite mit einer rasch aufwachsenden und sichtlih wirkungsvollen jüdischen Bevölkerung, die gefördert wird von einer unbegrenzten finanziellen Unterstützung von außen — so ist die Aussicht In die Zukunft schwerlich beruhigend. Es ist noch wahr, daß der arabische Fcllaehe, sieh seilet überlassen, phlegmatisch ist wie je: Wandlung nach Wandlung ist jahrhundertelang über ihn dahingegangen und hat ihn vollkommen apathisch gelassen, vorausgesetzt, daß sein Stückchen Land und sein mageret Vieh Ilm instand setzten, Körper und Seele zusammc-nmhalten. Jetzt sl;ht er jüd sehe Siedlungen überall um sich herum aufwachsen. Es ist wahr, daß die Juden gewöhnlich solche» Land besiedeln, das sandig, oder sumpfig, oder mala rlire ich ist, das der wenig ausgerüstete Fellache gar nicht sich zutrauen konnte, zu kultivieren. Aber die arabischen Führer haben es unternommen, Ihm beizubringen, er würde bedrückt, »eine kleine Scholle sei in Oefahr, daß hei einer weniger exorbitanten Steuer auch er die heiseren Methoden des, Juden anwenden könnte und dasselbe Land beanspruchen könnte, das die Juden wohlfeil erstanden haben. Demselben Fellachen wird ferner gesagt, daß die Steuer und die Land- Politik der Regierung kein anderes Ziel hSttcn, als den arabischen Landbesitzer zum Verkauf zu zwingen und so den jüdischem Neuankömmlingen das Kaufen zu erleichtern. Diese Erklärungen sind wohlüberlegt (sie sind in dem Memorandum der Arabischen Exekutive an die Mandatskommission des Völkerbundes enthalten) und erfüllen ihren Zweck vorläufig. Und wenn, wie so oft. große Landstrecken, die lange Zeit an einzelne arabische Kleinpächter verpachtet waren, über die Köpfe der Eigentümer hinwef» von den nicht im Lande wohnenden Grundbesitzern an Juden verkauft werden, so Ist es noch leichter, den einfachen Fellachen zu der Ueberzeugung zu bringen von der Bedrückung, die ihm wahrscheinlich an den Bettelstab führen wird; und das Resultat Ist eine Enisode wie die am 28. November, als es zwischen den jüdischen Kolonisten und benachbarten Arabern zu Schlägereien und Blutvergießen kam. Die Arabische Exekutive Weiht für alle Absichten und Zwecke der Wortführer des palästinensischen Arahertums; und diese Arabische Exekutive — wie das obenerwähnte Memorandum zeigt — hat in den vergangenen Jahren nichts vergessen und niehts.gclernt. Immer noch beharrt sie aul einer vollkommenen VerkMnerutur der Mit- »ihrt« mW der Regierung, sr>l»n<;e als d;.t vVattour-ÖcWara.ton Basis der britischen Palästina-Politik bleibt: und Immer noch zeigt sie eine feine Geschicklichkeit, jede Regierungsver Ordnung als antiarabische Maßnahme zu bezeichnen. Der PilSM'na.Pivllloa Im Vatikan Rom. (J.T.A.) Dem Besucher der Mlsslonsausstclhing Im Vatikan bietet »ich gleich beim Eingang der Palästina- Pavillon dar. Ein Relief arcic;t eine Darstellung Palästinas, daneben »ind Reliefs der Hcill'cn Stätten zu sehen. In Glasschränken sind verschollene Ocgcns'5 d i untergebracht, die die Fortschritte dy Zivilisation in Palästina zeigen tollen. Ein besonderer Pnvillon Ist dem Lateinischen Patriarchat ge widmet; man »lebt dort palästinensische Trachten, sowie Dia gramme über die Tätigkeit der verschiedenen Missionen. In dem. der Industrie Paläst'na» reservierten Teil' sieht man Schnitzereien aus Ollvcnholz, die die hebräische In schrift „Jeruscholajim'1 tragen; »le stimmen aus jüdischen Arbeitsstätten. Einer Statls'ik der Missionsschulen Ist zu entnehmen, d'ß in J e rusalc m 1200 jüdische Schüler katholische Erilchungslnstitutc besuchen. Amerikanische und europäische Zlonlstco Ol« Aufklärung «Ines Mlssverttündnlssea Vor einigen Wochen«) haben wir an dieser Stelle unserer Verwunderung Ausdruck gegeben, über «Inen Aufsatz des offiziellen Organs der amerikanischen Zionisten, „The New P a I e s t i u c''. der eine scharfe1 und, wie uns schien, tinberechtigte Kiillk des „europäischen Zionismus'' ent- Iiivit. Wir (reuen uns nunmehr, fisl«.lclleit /u können, d iß die Zeitung In ihrer Nummer vom 2<s Dezember »ich in außerordentlich lovaler Weise mit unseren Ausführungen auseinandersetzt. Zunächst gibt «las Blatt zu, daß der Schreiber jenes Artikel« sich von seinem Temperament etwas zu weit hinreißen ließ. Sodann erläutert es In ruhigem und unehlichem Ton, was die Amerikaner eigentlich kritisieren wollten. Es handelt sich um organisatorische Mißstände, die zweifellos in unserer Organisation, die stets an dem Kampf mit der» Orn"raphir lcldt'1, heute vorbinden »lud uml abgestellt werden miIIui Wir lir.iuclu'ii nicht eist zu hii;cti, dilt die deutschen Zionisten bereit sind, nn zweckmäßigen Reformen mitzuwirken, die auch die Hcschwerilegründe der Amerikaner beseitigen werden. Das Blatt gibt iu, daß mit dem Ausdruck „europäische Zionisten" keineswegs die europäischen Landesverbände gemeint waren, sondern die zionistischen Z c n t» a I i n s t a n z c n. Die Amerikaner — so sagt das Blatt — werden oft von diesen Instanzen Ignoriert und bevormundet, auch dort, wo sie nicht nur ein moralisches, sondern sogar riu konstitutionelles Recht haben, gehört zu werden. Es wird ein Beispiel angeführt: das Hauptbüro des N a t i o n ii I f o ii d x hat gegen den Willen «er Zionistischen Organisation Amerikas und auch der amerikanischen N.-F.-e<ainmelstfIlc eine Delegation nach Amerika geschickt, die vom Hauptbüro für ein Jahr engagiert wurde. Diese Maßnahme erschien den amerikanischen Zionisten unzweckmäßig und sie luheu dagegen protestiert. Ein andere» Mal wurde ein leitender Beamter für eine wichtige Hankinstitiitiort augcst.-l t. ohne daß die amerikanischen Mitglieder des Finanz- und Wirtschaftsrates befragt wurden, denen ausdrücklich zugesichert worden war, daß Ihr Einverständnis zu jeder wichtigen Maßnahme eingeholt werden würde. Mit solchen Methoden schaffe man nur Verärgerung und Verwirrung und diene weder der Arheltsfretidigkeit noch der inneren Harmonie aller Teile der Bewegung. Das Blatt schließt seinen Artikel mit folgenden Ausführungen, die wir nicht nur wegen ihrer prin/hklltn Wichtigkeit, sondern auch aus dein unseren amerikanischen Gesinnungsgenossen schuldigen loyalen Respekt hier vollinhaltlich wiedergeben: „Wir verstehen" — schreibt „New Pilestiue" — „die Schwierigkeiten der Situation und wären bereit, über die beklagten Mißstände hinwegzusehen, hätten wir nicht (Iis Gefühl, daß hinter diesen Irrtümern eine Anschauung steckt, die die zahlreichen Schwierigkeiten des amerikanischen Z'on!*mus, aber auch seine Qualität nicht richtig ahschätz.t. Wir fühlen den Verdacht unserer Mitarbeiter jenseits des Ozeans, daß, wenn wir gegen ihre unrechten Methoden protestierten, wir nur unserem im Unbewußten schlummernden Wunsch, uns loszulösen, Ausdruck gahen. Das verdroß. Und mehr als dies — man könnte es einen Minderwertigkeitskomplex nennen, aber wir sind offen genug, es auszusprechen — wir glaubten, man betrachte uns jenseits des Ozeans als Amateure, die nicht genügend mit zionistischer Theorie und Erkenntnis gesättigt sind, nicht die eigene Sitinlnii beherrschen, und man meinte, daß, wären wir frei von Egoismus, wir sie um Mitarbeit ersuchen würden, jegliche Unterstützung willkommen heißen würden, sofern sie nur mit der Billigung von jenseits des Ozeans zu uns käme. Wir wollen nicht unbescheiden sein, aher es ist die volle Wahrheit, daß wir hier in den Vereinigten Staaten eine organisierte Kraft zionistischer Arbeiter haben, die in ihrer Ausdauer, Opferhereitschaft und Enthti'lisnttis In keinem Teil der jüdischen Welt ihresgleichen hat. Wir sind eine wachsende Organisation, wachsend an Zahl und Qualität. Wir kämpfen Segen harte Bedingungen, aber wir machen bemerkbaren Fortschritt. Ohne LlnUrbrccIinng haben wir fünt Jahre hindurch seit Clcvcland", und auch fünf Jahre vordem, uns im härtesten zionistischen Dienst abgeschunden. Wir wachsen auch an Qualität — trotzdem, was über unseren Mangel an Cr/iehungspropaganda gesagt worden ist. Wir schätzen über alle Worte, was Männer wie IV. I.ewin, Dr. Weizmann, Herr Sokolow, Dr. Ruppln und andere uns an zionistischer Erziehung (regeben haben. Aber wir glauben, daß wir eine Stufe der Entwicklung erreicht haben, 'wo nun uns zumindest die Auswahl unserer eigenen Lehrer überlassen kann. Nachdem wir uns dies vom Herzen geredet haben, »ofl nun die weifle Frledcnsfahne entrollt werden." Unnötig zu sagen, daß auch wir diese Aufklärung der amerikanischen Freunde in dem Oeiste, In dem sie gegeben ist, annehmen und gern die Hand mm Frieden reichen. Die Wahabltfn vor Jcddah London (J. T.A.) Laut den Neuesten Nachrichten haben sich die Truppen des Wahabitcn-Stiltaus dem Hauptquartier des Königs All; Jcddah, genähert. Nicht weit von der Stadt haben bereits Kämpfe zwischen den Wah.ibilcn und den Truppen de» Königs Ali von llcdschas stattgefunden. Wie es heißt, sollen die Wahabiten zurückgeschlagen worden sein. Wie die Agentur Reuter berichtet, hat der Londoner Vertreter der Regierung von llcdschas, Dr. Naji el Assil, ein 5. Januar datiertes Telegramm vom König Ali erhalten, In welchem der König mitteilt, die Truppen Ihn Sauds hätten Jcddah erreicht, seien aber durch die Kräfte der llaschlmitcn zumckgewatfet» worden, , .„Mornlng Hont" veröffentlicht eine Mitteilung aus gut iiifoimicrter Quelle, In welcher festgestellt wird, die von Kreisen der Iledsehas-Reglcrung geteilte Ansicht, England wünschte, daß Ibn Saud endlich Jcddah erobern möge, da mit die Kämpfe ein Ende nehmen, entbehre jeder Grundlage. In der Mitteilung heißt es weller: Neutralität ist die beste Unterstüzung, die wir Ibn Saud iu der gegen, wärtigen Lage geben können. Er kann sticht um Intervention bitten. Aber die britishe Regierung wird in molianuncdanischem Interesse den Frieden vermitteln. Wenn aher Ibn Saud den Vcrnnttlungsvoriichlag ablehnt, wird die britische Regierung König AH raten, den bolfnungslosen Kampf auf zugeben, damit nicht weiter mohammedanische» Blut ver gössen wird. *) Siehe Nr. 0r> vom 3. 12. 1921: „Ein schweres Mit}- Verständnis". •') In Cleveland war 1021 die Convention (Delegiertentag), bei der die Brandeis-Oruppc, zu Fall gebracht wurde. A. d. R. „J. R." „Folklsmas" und Zionismus Zur Beleuchtung der zwischen Hcbraistcu und Jidri;. schisten in Polen bestehenden Spannung vcröltcnCieln», wir den nachstehenden Artikel aus dem BialystoVet „Najcn Leben". Er kann als Aiisdniek der in besonneneren folklsllsclien Kreisen herrsch n len Stimmiin,, an sehn» werden- Es sei noch bemerkt, daß »Im Verfasser, der Redakteur de» Blattei,, j.ihrclam: sell. i Iii «Ich vordersten folkutlschen Reihen jiiktan.lui lu Red. Die „FolkMenpartci" ist heute Iu der jüdischen 0,n^ nicht aktuell, einfach deshalb, weil sie bloß eine Waln. partel ist, uml wir uns iu keiner Wahlperiode befinden Gewiß, hier und da merkt man wieder Symptome dt-« Interesses; und die Warschauer Versammlung der Folkist««. parte! (gemeint ist d>c folkistischc Konferenz, «Ii»* junp«t In Wnr'.chnii getagt hat) ist sicherlich eine kuhlie l'tselu innn,. Uml tnitztleni ixt der Puls dieser Orr.niüsjtuiu selbst |.(|i erhöhter Temperatur dermaßen schwach, daß er zum Olu des Durchschiültsjiideii gar nicht «Iringt. Die Beschlüsse der Warschauer Konferenz dörfm jedech nicht verschwiegen werden, da sie eine prinzipiell.^ bah! vielleicht eine praktische Bedeutimf» gewinnen durften Die Folklslcnpartei ist klein und unansehnlich, besit« Im Sejm nur einen Abgeordneten, kein eigen» peri küicIu« Organ und nur wenige lokale Organisationen Der fol. kistische Gedanke wirkt j«sh>ch in vielen polnischen Jud, n Selbst Zionisten vom Schlage eines Grunbaum und Wvg,>l/ij bekennen sieh "zu ihm mit liebe. Hat «loch Orrtniuvi bei uns erklärt, dal) nur eine gesunde Gallith l'.ilutnu ' J aufbauen könne. Ist denn unser Kampf für eine nationalj i personelle Autonomie etwas anderes als reiner Folkismus? \ So oft bei uns Wahlkämpfc vorkommen, geschieht «« | nicht au» dem Grunde, weil die /.» nisten die positiven 1 Postulate der Folkistcn verleugnen, sondern weil die r'olkisten ] die Zionisten bekämpfen. IXc Zionisten erklären jclocli ».teh,; daß da3 zionistische Gegcnwartsprogramm alle folkistischeus; Probleme umfaßt. : Die Existenz der folkistischen Organisa-j i tlon war daher vom ZI on i s t e n ha s s «■ bedingt ' \ Uml eher deshalb trat «lic Organisation in ruhigen Zeil n; kaum in Erscheinung, «la die lokalen Arbeiten eigentlich' \ von anderen Faktoren ausgclnhrt werden: die ökononiisrhiTt von Kaufmanns- «ind Handwerkerorgan s tioir.-n, die politischen > von den zionistischen, die kulturellen von verschiedenerlei i gemeinnützigen Faktoten. In den letzten fahren hat sich | icdrch bei einem großen Teil unserer Intelligenz das Verhältnis zum Zionismus, besonders zum Problem des l'.ilästinaaufhaus, radikal geändert. Hierdurch ist die folkktisehe Organisation auf natürliche Weise noch mehr geschwächt worden, »o daß es verlautete, daß sie zu «ler neuen Läget < Stellung nehmen wolle. i Un<l nun hören wir, daß die Warschauer Konferenz > . tatsächlich zum Zionismus Stellung genommen habe. Zunächst» ■ bezüglich der Jcwlsh Agency. Die Resolution lautet:! f da die Frage irch nicht aktuell ist, wird sie auf später verlajt (j Was heißt: nicht aktuell? Es sind schiii D'j Jahre, «Irl der Karlsbader Zhnistenkonercß seine Beschlüsse bezügl'cii «ler F.rweiterung der Agencv gefaßt hat. Die ganze Zeit werden Verhandlungen geführt, es sind sogar sehnt die Namen der für die Agencv herangezogenen Nichtzionlsten veröffentlicht wor«lcn, der Völkerbund in Genf rechnet imt der Agency als mit einer Tatsache — und da sdII sie fnr «lic Folkistenpartci noch nicht aktuell sein? Wili sie no:h niciu das Prinzip festsetzen, auf welchem die Agency nach ihrer Meinung zu basieren hätte? Ist es denn nichts weiter, als en Mittel, sich einem verantwortungsvollen Beschlüsse zu ertlichen, aus Furcht vor verschiedenen dementen von rechts tm! links, «lic revoltieren könnten, falls der Beschluß nicht n u-li ihrem Sinn wäre? Ist es nicht der Ausdruck für die A n im jeder Folkistenpartci? Einen geradezu komischen Eindnck macht aber die Resolution, die sieh für «lie Emigration und Kolonisation In Palästina ausspricht. Iis ist klar, daß nun damit dem Palastiiiaaufbau ein Stückchen Anerkennuii? zuwerfen wollte. Aber in welcher veralteten Form! I \;s!..--t für die Folkistenpartci nicht die Halfour-Dekl.uaih>n, <Ur San Remo-Beschluß, weiß sie denn nicht, daß in l'.il.istiiu nicht einfach eino Emigration und Kolonisation s'ntttimlet, sondern ein völkerrechtlich verbürgter Aufh.ui einrs jüdischm Nationalheim»? Oder wollte die Resolution ausdrücken, de «las Nationalhelm im Widerspruch zu unserem hie<i::en Heine stehe? Weshalb hat sie e« nicht deutlich ausgestochen.' Der Oruud ist verständlieh: der f olkismus möchte au.-li wtller vom Antlzlonismus leben, und eben desh.ilh darf er das Nationalhcim nicht ratifizieren. Dagegen muH er die Emigration und Kolonisation akzeptieren, weil dic>c Dinge bei «ler breiten Masse bereits zu pr»ptilar sin«! Auf solche unklare Halbheiten kann sich jedoch ein Parteiprogramm nicht stützen. Die Führer der FolkUicnp.m.i hätten de« Mut aufbringen «ollen, ihw Kampfposil.sm ge:;,n das Palüithiaprnhteni und die zionistische l'.il.isllii.i ubeil offen aufzugeben, und lür den Fall, daM die Folkistenpartci Ihre Daseinsberechtigung verliert, die Organisation aufzulösen. Wenn wir jüdische Demokraten besitzen, die den ganzen Komplex der jüdischen Probleme nicht von engen, zionistischen Parteist.mdptinkt auffassen, so ist nicht ihr Platz in der Polkislenpartel, die sich wie ein verlegener Anachronismus ausnimmt.'*!' Sir WyntUiam Oecdcs Ober das Palästina •Mnndnt; London. (J. T. A.) Der frühere Generalsekretär der: Palästina-Regieruni,', Brig.-Gen. Sir Wyndham De cd es, hielt hier am 5. Januar einen Vortrag über „Großbritannien und das Palästina-Mandat". Er fühlte :ius: Die Juden haben den Boden Palästinas kultiirfähig gemacht, die hcbr.ii-.elic; Sprache wieder aufleben lassen und sich iu jeder Weise bc-, müht, sei es In der Landwirtschaft, sei es in der Industrie, j Im Handel und In allen anderen Gebieten, Erfolge zu erzielen.} Es sei für jeden Juden eine schöne,Aufgabe, sielt in Palästina; einzurichten. Niemals war beabsichtigt worden, in Palästina einen jüdischen Staat zu schaffen. Das ist untunlich, und sollte das möglich sein, es würde der Moral widersprechen, daß die Minderheit im Lande den Staat bildet, hin solcher Staat sei aber auch nicht notwendig.; Die Juden schufen sich ein nationales Heim, «las überall Sympathien findet; es wird den Millionen Juden Iu der: ganzen Welt als ein leuchtendes Beispiel dienen. Das ist albs.! was beahslchtlgt worden hl. Die religiösen, politischen und wirtschaftlichen Rechte der anderen Bewohner drs : aode. werden geschützt. In diesem Geist wird die P.dastina-Vcr-, waltung geleitet. Die Juden haben zuweilen über Benaeh-; teiliguug bei der l.andvertetiung geklagt. Die palästinensische. Verwaltung will den Geist des Mandates erfüllen und die Araber nicht ihres Besitzes berauben. Di« Arbeit der Palästina-j Regierung besteht darin, eine wirUcha.'tlielte, politische und administrative Maschine zu ersinnen, die es möglich machen! kann, daß die drei religiösen Gemeinschaften in Palästina nebeneinander leben können. Gelingt das, so wi'd eine hcdeuttiugnvolk' fnteritatbirb Arbelt vollbracht und der Welt ein Beispiel gegeben werden, wie man für den Weltfrieden wltkt