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Jüdische Rundschau · 1925-01-09 · Heft 3 (9.1.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 3 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 \ - JUED1SCHC RUNDSCHAU Seite 23 Unsere Stellung im Wahlkampf In einer Sitzung des Dclcglcrtentige» wurde die Stellung Im Wshlkampfe mm preußischen Landesverband Jüdischer Ocmeinden behandelt. Der Referent, Dr. Foerder (Berlin), betonte einleitend die besondere Bedeutung dieser Wahlen zu der ersten jüdischen Oesamtvertretung in Preußen. Aufgabe dieser Ausspruche auf dem Delegiertentag sei es, Ober Ziel und Methoden unsere» Vorgehens zu einer Ueberelnstlmmung zu kommen. Von besonderer Wichtigkeit im Walilkampfe tat es, daß man ein konkrelcj, den Kampf lohnendes Ziel präzise und klar vertritt. Zu welchem Zwecke sammeln wir unsere An. hänger, welche* ist unsere Wahlparole? Zur Beantwortung dieser Frage ging der Referent ausführlicher ein auf die Entwicklung, die zu dem Landesverband geführt hat, und «igte, daß schon aus dieser hervorgehe, daß der neue Oesamtverband, der sozusagen Rechtsnachfolger sowohl des Deutsch-lsraclitlschcn Ocmcindcbiindcs wie des Verbandes deutscher Juden sei, neben wichtigen* gemeindcorganisatorisehen Aufgaben auch solche der politischen Repräsentation der preußischen Judenheit durchzuführen habe. Unser Ziel müsse sein, den Landesverband auszugestalten zu der Zentral, stelle für alle Angelegenheiten des deutschjüdischen Lebens, zu der großen, lebensvollen, auf der Mitarbeit alier basierenden demokratisch-politischen Repräsentanz. Es gibt auch heute bereits zahlenmäßig große Zusammenschlüsse deutscher Juden, aber diese, die oligarchlsch geleitet sind, entbehrten.letzten Endes der wirklich interessierten Mitarbeit und inneren Anteilnahme Ihrer Mitglieder. Dieie vereinsmäßigen Notabelnvertretungcn müssen nunmehr ersetzt werden durch eine demokratische politische Repräsentanz. Nur ein demokratisches Qebilde habe bei der heutigen Konstellation des deutschen Juden, tums Lebensmöglichkeit. Der Redner behandelt dann eingehender die Möglichkeiten, die slv.lt für unsere Arbeit am der Konstituierung des neuen Landesverbandes ergehen. Er geht dann auf unser Verhältnis tu den anderen großen jüdischen Organisationen ein und formuliert in diesem Zusammenhang nochmals unser Programm: Wir fordern für das Qaluth: Ablehnung der Assiniilatlonstcndcnzen, Vcrjudung und nicht Eutjudung, außerdem die Anerkennung der Tatsache Palästina. Das deutsche Judentum kann und soll sich heute nicht mehr der wirkenden Realität eines jüdischen Palästina entziehen. Die Situation Ist eine denkbar gute. Sehr viele Sympathien sind auf unserer Seite. Die Politik des „Central- Vereins" hat mit Recht Ablehnung gefunden. Es Ist von niemandem zu bestreiten, daß wir die Angegriffenen sind und der „Centralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" den von allen Oruppcn stillschweigend innegehaltenen inr.erjüdlschen Burgfrieden zerstört hat. Wogegen wir uns aber mit besonderer Intensität wenden müssen, sind die Methoden, die von unseren Oegnern für die Durchführung des Wahlkampfcs benutzt werden. Zunächst die «Wahlparole;.. „Für deutsches Judentum — -gegen Zionismus!" Abgesehen von der tatsächlichen Unmöglichkeit einer solchen Parole, — wie sähe das Judentum heute ohne Zionismus und insbesondere ohne die Mitarbeit deutscher Zionisten ausl — arbeitet man wieder einmal mit der Methode des Abrückens, des Preisgebens anderer Juden, während man sich als besonders qualifiziert der deutschen Oeff-ntlichkeit anbietet. Es fehlt auf der Oegenseite jedes konstruktive Programm; der einzige — und zwar negative — Punkt ist Kampf gegen den Zionismus. Die Haltung im Wahlkämpf läßt eine deutliche Assimilation an die von uns allen abgelehnte Kampfes weise bestimmter Parteien im deutschen Wahlkampf erkennen. Man müsse an das deutsche Judentum appellieren, ob es weiterhin Menschen, die derart in Jüdischen Dingen vorgingen, als ihre Führer anerkennen wolle. Ob wir dies mit wirklichem Erfolg tun, hängt ab von der Haltung unserer Propagandisten. Zweierlei sei erforderlich: Einmal ein sachliches Abgestimmtsein. Bei aller Freiheit des'Einzelnen müsse eine von allen Innegehaltene geistige Linie der Propaganda cikcnnbar sein. Jeder, der für uns im Wahlkampf auftritt, muß sich gebunden fühlen an die in gemeinsamer Ueberlegung als richtig erkannten und herausgearbeiteten Ziele. Zweitens ist notwendig eine wirklich überlegene Haltung Im Wahlkampf. Wir müssen auf billige Vcrsammlungserfolge verzichten und nicht auf bloße Polemik eingestellt sein, vielmehr den Versuch machen, unser konstruktives Programm, alle die Oedanken, die wir uns auch sonst Ober die Umgestaltung unseres jüdischen Lebens im Oaluth machen, den Wählern zu entwickeln. Erfolge ä la longue sind nur so zu erreichen. Nur eine ernste, würdige Haltung ist es, der allein sich Menschen beugen. Diese unsere Grundeinstellung verbietet uns nicht, alle erlaubten Möglichkeiten, den Wahlkampf _ erfolgreich durchzuführen, auszuschöpfen. Wir müssen z. B. Gelegenheit nehmen, die schwankende opportunistische Haltung des Ccntralvcrcins der Oeffentlichkeit mehr als dies bisher gc schelten sei, zu beleuchten. Unsere Oegner, die unserem Programm nichts Olcich wertiges entgegenzusetzen zu haben, fürchten den Angriff In einer Ebene, auf der sie uns nicht entgegentreten können. Sie suchen deshalb die ganze Basis des Wahlkampfes zu verschieben und Ihre Position durch andere Mittel zu ver Märken. Diese Methode darf nicht unterschätzt werden, ins besondere dann nicht, wenn die Argumente oder vielmehr Scheinargumente von der Oegenseite so geschickt gewählt werden, daß sie bei der ganzen Situation eine gewisse Aussicht auf Erfolg haben. Unsere Aufgabe Ist es daher, die Wähler über bestimmte Schlagworte unserer Oegner, die man als Wahlparole gegen uns zu benutzen »»cht, aufzuklären und so deren Oebrauch unmöglich zu machen. In diesem Zusammenhang müsse Insbesondere ein Begangen werden auf den Begriff der „nationalen Autonomie" und der Volksgemcinde. Die Forderung der natlo- «Jlen Autonomie geht zurück auf das bekannte Konenhagener Manifest, Dort wird verlangt: „Die nationale Autonomie auf kulturellem, sozialem und politischem Oebict für'die Jüdische Bevölkerung der Linder jüdischer Massensiedlung, sowie alle •nderen Llndtr, falls deren Jddlsche Bevölkerung Anspruch auf alt erhebt" Entscheidend Ist der '«Utere Salz, den min nicht mutwillig fortlassen darf. Wir *>*mitn haben niemals für Deutschland eine nationale aAutonomie, wie sie etwa für Polen und Litauen paßt, verlangt. Niemals hat ein Dclcglcrtcntag, niemals eine verantwortliche Leitung eine derartige Forderung erhoben, und wir tun es scJIxKcntäiwUtli auch heilte nicht. Diese Tutsachc muß mit allem Nachdruck klargestellt werden. Sollten unsere Gegner trotzdem ,nach wie vor diese falsche flchauptuug im Wahlkampf weiter gegem uns verwenden, so handelt es sich hier eben, zum mindesten von jetzt nn, um ein illoyales, die Tatsachen vklcr besseres Wissen cntMclIcndcs Vorgehen. Achnlich steht es mit der Volk^cmclndc. Auch dieser Betriff wird sehr oft In entstellender Welse benutzt. Unsere Aulgabe ist es, ihn richtig 211 interpretieren. Wir verstehen unter Volksgemcinde diejenige demokratisch, nicht ollgarchisch organisierte Gemeinde, die nicht nur geistliche Aufgaben erfüllt, sondern weitergehende Kompetenzen hat. Tatsächlich kann man heute schon in unseren Oemcindcn den Anfang derartiger VoiksRcmcimlcn erblichen. Vor ollem ist zu exemplifizieren auf Hamburg, wo steh bereits eine Entwicklung im Sinuc der Volksgemcinde vollzogen hat. Diese Forderung der Volksgemcinde steht in keinem Zusammenhang mit der Forderung nach „Nationaler Autonomie". Es ist lächerlich, durch cns Wort „Sinai Im Staate", der durch die Volksgemcinde angeblich angestrebt wird, ahnungslose Wähler zu schrecken. Wenn wir als Schöpfer dieses Begriffes ihm heute diese authentische Interpretation geben, so kann niemand mehr bona fidc gegen uns mit irgendwelchen entstellenden Auslegungen arbeiten, Schließlich gibt es noch einen anderen Versuch, durch derartige Parolen die öffentliche Meinung gegen uns einzunehmen: Man stellt uns als rcligions- und gemeindefeindlich hin. Derartige Argumente beweisen, daß ihre Verfechter wenig vom Judentum und nichts vom Zionismus verstehen. Es gereicht uns fast schon zum Ueberdruß, wieder die alte Diskussion über die Beziehung zwischen Volk und Religion fuhren zu rnnssen, Diese ganze Diskussion ist nl>i.'r Im Zusammenhang mit dem Aufgabenkreis des Landesverbandes Irrelevant, Wer die Entwicklung, die zur Bildung einer jüdischen Ocsamtverlrctung geführt hat, auch nur einigermaßen kennt, weiß, daß einer der wichtigsten Gesichtspunkte, die für die Schaffung der Verfassung maßgebend waren, die Autonomie der Gemeinden gewesen ist. Diese Ist ausdrücklich im Artikel 28 der Verfassung festgelegt. Es besteht also gar nicht die rechtliche Möglichkeit für jemand, der etwa solche Gedanken hätte, sie durchzusetzen. Bei entgegengesetzten Behauptungen unserer Oegner handelt es sich um falsche Unterstellungen, ganz ähnlich, wie man uns neuerdings nachsagt, daß wir den Landesverband benutzen wollen lediglich, um agitatlonsmäflig politische Fragen zai behandeln. Wir wenden uns allerdings gegen eine Bagatcllhlcning des Landesverbandes und sind der Ansieht, daß er nicht zu einem Forum, wo lediglich Lokalangc'cgcnhcitcn ausgetragen werden, degradiert werden darf; aber andererseits setzen wir uns ebenso ein für die speziellen Innerjüdischen Aufgaben des Landesverbandes, Wir haben diese fn urjscr Wahlprogramm als wichtige Arbeitsgebiete aufgenommen und stellen unsere — wie wir glauben — nicht unbeachtliche — titige Mitarbeit für diese mannigfachen Aufgaben selbstverständlich zur Verfügung. Der Redner behandelte zum Schluß noch die wesentlichsten organisatorischen Voraussetzungen, die von unseren Freunden zur erfolgreichen Durchführung der Wahlen sorgfältig beobachtet werden müssen. * Die auf dem Dclcgicrtcntag zur besonderen Behandlung dieser Fragen eingesetzte Kommission befaßte sich In eingehender Sitzung mit dem gesamten Fragenkomplex und nahm zu den Orundgedanken des Referats in bejahender Welse Stellung. Der Oclcgicrtentag bestätigte dieses Votum der Kommission. Wahlkreis Hannover Auf Anregung von Mitgliedern des Vorstandes und des Repräscntati'cii.KolIcgitims der Gemeinde Hannover, der Vorstände der Jüdischen Ocmeinde und der Provlnzgcmelnden des Wahlkreises Hannover-Schlcswlg-I Idstein fand am Sonntag, den S.Januar, in Hannover eine Dclcgicrlcnver- Sammlung aller an der Wahl beteiligten Ocmeinden statt, um über die Aufstellung einer Einheitsliste zur Wahl zum Preußischen Landesverband zu beraten. Die Mehrheit der Delegierten erklärte sich, obwohl der Vertreter des Ccntralvcrcins, Rechtsanwalt Lichtenberg, In wiederholten Ausführungen die Befolgung der Weisung des Ccntralvcrcins empfahl, für die Aufstellung einer Einheitsliste. Diese kam dann auch nach langen Beratungen zu Stande. Auf der Liste stehen Centralvcrcinlcr, Orthodoxe und Zionlsten. Listenführer Ist Herr Landrabbiner Dr. Freund. An zweiter Stelle steht Rechtsanwalt Dr, V1 c 10 r Wandsbeck. Wahlkreis Schlesien'Land Die Kandidatenliste der Jüdischen Volkspadel" für dl« Wahlen zum Preußischen Landesverband Im Wahlkreis Schlesien-Land lautet wie folgt: 1. Arnold Wiener, Beutben (O.-S.), 2. Regierungsrat Dr. Markus, Breslau, 3. Rechtsanwalt Adler, Oppeln, 4. Kaufmann Hermann Aronheim, Olclwltz, 5. Frau Direktor Mandowsky, Hindcnbürg, und 6. Ingenieur Eugen Fränkel, Llcgiillz. Der Oruppcnvcrband übcrschlcslcn Ist von dem Zionistischen Gruppenverband für Mittel- und Nicdcrschlcslcn mit der Führung der Wahlangelcgcnhclt für die Provinz Schlesien betraut worden. . / _ Der Schiedsrichter I0r die Ollomanische Siailsschild Oenf (J.T.A.). Der Völkerbundsrat bestimmte Herrn Eugene Boral (Schweiz), früher Präsident des Deutsch- Britischen Schiedsgerichtes, zum Sdtlcdsrlditcr in der Angelegenheit der Verteilung der ottomanlschen Staatsschuld auf die Nachfolgestaaten. Bekanntlich haben Palästina sowie andere Mandatsländer gegen die Höhe des auf sie entfallenden Teiles der Staatsschuld appelliert. Herr Borel teilt« mit, daß er sein Amt alt Schlndirlchter am 15. Januar aufnimmt und binnen drei Monaten seine Entscheidung bekannt geben wird. . , „Eine HcrabwOrdlouiifl des Centralvcrelas" Das Büro der Z.V.f.D. hat vor dem Dcieglcrtentag in die Jüdische Ocmeinde In Wiesbaden und Umgebung sowie an alle Jüdischen Vereine und Institutionen Wiesbadens ein Einladungsschreiben gerichtet, in welchem die Vertreter dieser Körperschaften als Ehrengäste zur feierlichen Er. ftffnungssitzung des Dclcglcrtcntigcs eingeladen werden. Dies Ist ein Akt der Höflichkeit, dem natürlich keine politische Bedeutung zukommt. In dem Formularbrief, der vom Büro verschickt wurde, wurden aus begreiflichen Oründeu, um den rein forijtcllcn Charakter zu mildern, ein paar Worte über die Bedeutung der Tagung, insbesondere der Teilnehme des Präsidenten Weltmann, und über die Bedeutung des Zionismus Bchlcchthin gesagt. Die meisten der eingeladenen Körperschaften haben, nowclt sie technisch dazu in der Lage waren, Vertreter entsandt. Von der Wiesbadener Ortsgruppe des „Ccntralvcrcins" hingegen, die mit dem gleiche» Formularbricf wie alle anderen Vereine eingeladen worden war, erhielt dis Büro des Dclcgicrtcntagcs folgendes Antwortschreiben, das jetzt auch von der Ccntralvcrcins. zeitung veröffentlicht wird: An den Landcsvors'.and der Zionistischen Vereinigung für Deutschland t. Z. Wiesbaden. Wir hcstiiticcii dankend dc:i nin/jan*» Ihrer Einladung z der Eröffnungssitzung Ihrer hiesigen Tagung. Wir würden dieser Einladung gern gefolgt sein, und zwar aus dun Gefühl der Achtung heraus, die auch zwei sich gcgNisiil/Iich gegenüberstehende Organisationen vor einander haben sollten. Leider ht 111 Ihrer Einladung gerade dieser Grundsatz gröblich verletzt word:n. Ls heißt in Ihr wörtlich: „Abgesehen .von wenigen kaum in Betracht kommenden Splittern inncihalb des \V c 11 j 11 d e n t u m s und auch dcrdcu:schcnjudcnhcit gibt es gegenwärtig keinen bewußten Juden mehr, der den Bestrebungen der Zionlsten nicht mit Sympathie gegenüber stehen wird." Wir mllsf.cn fil« srlhslversläudllclt annehmen, daß Sie Über die Zahl der Anhänger des Zionismus In Deutschland unterrichtet sind, als > wis;cn, daß die große Mehrzahl der deutschen Juden dem Zionismus nicht mit Sympathie gegen übersteht, ihn vielmehr als falsch und schädlich ablehnt. Wenn Sic diese Teile des deutschen Judentums, die ihre Vertretung In dem Centralverein detweher Staatsbürger jüdischen Glaubens sehen, triilzdcm als nicht in Betracht kommende Splitter bezeichnen, so bedeutet dieser Ausdruck nicht nur eine Herabwürdigung des Ccntralvcrcins und dir Ihm nahestehenden Kreise, sondern er stellt auclj in Widerspruch mit den offenkundigen Tatsachen. Sie werden es verstehen, dal» wir einer solchen Einladung nicht folgen können. Hochachtungsvoll! Die Ortsgruppe Wiesbaden des Ccntralvcrcins deutscher Staatsbürger jüdischen ü:a-.:bcus. I. A.: Dr, Ooldstcin, stcllv. Vorsitzender. Es ist allerdings eine „Herabwürdigung des Central- Vereins", wenn-er sich rühmt, jenen Splittern des Welt- Judentums zuzugehören, die den Zionismus „als fa.sch und schädlich" ablehnen. Jedem verständigen Lc^er mußte klar seht, daß In dem zitierten Satz des Einladungsschreibens keineswegs die parteimäßige Zugehörigkeit zum Zionismus gemeint war, sondern die Sympathie für die „Bestrebungen*' der Zionlsten, also die trotz aller parteimäßigen Gegen- Sätze und trotz aller Meinungsverschiedenheiten in Eüi/clfragen heute beinahe alle Juden einigende Sympathie für den Aufbau einer jüdischen Heimstätte In Palästina. Zur Ehre der Mitglieder des Central- Vereins und zur Ehre des deutschen Judentums mü«scn wir entgegen den Behauptungen der Wiesbadener Ortsgruppe und entgegen den Anstrengungen ciuif.cr Parteifunktionär« des Ccntralvcrcins auf Orund unserer •täglichen Er» fahrungen feststellen, dnß diese allgemeine jüdische Entwicklung sich mich auf das deutsche Judentum erstreckt. Es gibt keinen schlagenderen Beweis dafür als die Begrüßungsreden zweier Männer an den Wiesbadener Dclcgicrtcntag, die zweifellos als beste Repräsentanten des nicht« zionistischen deutschen Judentums ansehen werden können. Der eine von ihnen, Rabbiner Dr. L a z a - rus, der — wenn wir nicht irren, — auch im CeutraUcrein eine Immcililn nicht ganz untergeordnete Stellung einnimmt, Sugtc in seiner vom Geiste brüderlicher Solidarität erfüllten Rede wörtlich folgende Sätze: „Ein jeder Jude trägt in sielt ein Stück dieses heiligen Landes. Ein jeder Jude wünscht, daß dieses Land wieder ein Zentrum starken jüdischen religiösen Lebens werde, und daß ein Strom der Begeisterung von dort ausgeht, der veredelnd und läuternd auf das Judentum der ganzen Welt wirkt. . . Das heilige Land ist uns allen ein Land von unauslöschlichen heiligen Erinnerungen und unauslöschlicher heiliger Sehnsucht. . . Sic Zionistcn sind vor allem berufen, den Aufhau dieses Landes zu (ordern, Wir andern wollen in brüderlicher Liebe zu Ihnen stehen und Ihnen helfen... Mit ganzem Herzen, mit dem Herzen eines deutschen Juden wünsche ich, daO das Werk mitOottes Hilfe gelingen möge" Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Herr Justizrat Marx heim er, sagte in seinem Begrüßung*, wort an Dr. Wcizmann, daß „auch wir außerhalb der Zionistischen Organisation stehenden Juden mit Verehrung auf Sic blicken und Ihrer hingebenden Tätigkeit für das jüdische Volk Bewunderung zollen, und Sie mit Freuden in unserer Stadt begrüßen," Dr. Marxlicimer betonte seine Stclluncr.als Nichtzlonist,' anerkannte aber die großen Ver. dicnstc dws Zionismus für die Erweckung und Erneuerung jßdlschcti Lebens und Fühlens. „Für uns deutsche Juden ist Deutschland das Vaterland, aber unserer Abstammung nach gehören wir einer Gemeinschaft an, die ein-! große Geschichte und große Tradition hat und wir sind stolz auf sie, Vor drei Jahren war Ich In Palästina und (.ah den neuen Aufbau des Landes In den ersten Anfängen." Der Redner schilderte in begeisterten Worten die Taten der junge» jüdischen Menschen, die für die Zukunft des Judentums ar. betten und schließt mit den bekannten Worten Theodor Hcrzlit Das Land unserer Väter lebt noch, die alte Erdt verjüng: lieh unter regsamen Händen, sie trägt wieder Blumen und Früchte, sie wird vielleicht auch eines Tages da« OlQck und die Ehre der Juden tragen.

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