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Jüdische Rundschau · 1925-01-06 · Heft 2 (6.1.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 2 (6.1.1925)
Date
1925-01-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 IUHDISCHE RUNDSCHAU Nr. 2 gemessen das träge Unverständnis clnci großen Teiles der Juden schmerzlich und beschämend Ist; er hat gezeigt, wie zum Orcifcn nahe heute schon die Lösung der Judv.ifrage wäre, wenn die Juden zu großen Taten und Opfern fähig wären; er sprach auch von den Rcalltäten der letzten Zeit, von der neuen Einwanderung, von den sich daraus ergebenden Verpflichtungen, von allen klcin'ichcn Alltagssorgen, in denen eich die Orößc der Idee ausmünzt; und über alle und In allen Worten brannte das unlöschbarc zionistische Feuer, jenes Feuer, das den Mann vorwärts treibt und nicht zur Ruhe kommen läßt und stets von neuem den Kamp! aufnehmen läßt mit Dummheit und Bosheit und Gleichgültigkeit und auch mit der widerstrebenden, schwer zu formenden Materie. Dieses Feuer ist es, das Wcizmann zum Führer macht, dieses Feuer Ist es, von dem ein Funken in alle jüdischen Herzen dringen müßte, um den Brand zu entfachen. Wenn mich In den Hencu der deutschen Zionisten dieser Brand neu entfacht wurde, wenn sie beschämt erkannten, wieviel sie bisher ihrer eigenen Sache noch sclruldig geblieben sind, wenn sie nur einen Teil der Ruhelosigkeit des Führers in sich aufgenommen haben, dann hat Weltmanns Besuch in Wiesbaden auch einen direkten zionistischen Effekt gelubt. Im Zeichen der Steigerung der zionistischen Kraft standen auch die Verhandlungen der Tagung. So wichtig auch die Erörterung der zahlreichen allgemeinen zio» nistischen Probleme und die Stellungnahme zu den Streitfragen des heutigen zionistischen Lebens ist, für einen Landesverband, der auf die Durchführung der zentralen Geschifte der Weltorganisation nicht direkten Einfluß nehmen kann, ist doch die wichtigste Aufgabe, die Schlagkraft der Zionistischen Organisation als Oanzes zu erhöhen, indem er aus dem Reservoir, das das Judentum des Landes darstellt, möglichst viel hcrausliolt. Der größte Teil der Aktivität eines Landesverbandes besteht also in zionistischer Propaganda. Folgerichtig stand auch das Problem der Propaganda gedanklich im Mittelpunkt des Dclcgiertcntags. Der Hauptteil des Referates von Kurt Blumenfeld war dem Problem der Gewinnung neuer Menschen für die Bewegung gewidmet, und auch das Referat Ooldmanns über die Reform der Weltorganisation hatte letzten lindes als Ausgangspunkt und Ziel die Idee, die Organisation durch konzentrierter« Ausprägung ihres Wesens wieder anriertungskräftig für neue Menschen zu machen. Leider vermochte der ohnedies mit Arbcirsstotf überlastete Dclegiertentag diese Probleme nicht erschöpfend zu diskutieren, zumal im Rahmen der Generaldebatte noch eine ganze Reihe anderer Fragen, die den deutschen Zionismus Intcressicren, besprochen werden mußten. Im Grunde bewegt uns seit Jahren das Problem, wie die durch die großen Anforderungen der Geldsammlungen fast verbrauchten Kräfte der Bewegung erneuert werden können, und wie auch heute die Erlordernisse der Finanzaktionen in Einklang zu bringen sind mit der für das Leben der Bewegung unerläßlichen Fortführung der radikalen Propaganda, die statt dem Menschen zu schmeicheln, ihn on Immer höheren Forderungen mißt, Dhunrnfeld Ist es gelungen, Im llauptteil seiner Rede zu zeigen, daß diese Au'gabe, mit dem einzelnen Menschen unter dem Aspekt hödister sittlicher und menschlicher Werte zu ringen, unsere Sache emporhebt aus dem kleinlichen Kampf der sogenannten jüdischen Parteien in Deutschland, die in Wahrheit bis heute sich nicht auf die Ebene eines wirklichen ideenkampfcs zu erheben vermögen und das Leben statt mit lebendigen Werten mit Formeln zu bewältigen suchen. Die Erfahrung hat Bezeigt, daß auch für die assimilierten Kreise des Westens ein Rückweg zum Judentum offen steht, nämlich durch die umwandelnde Kralt der zionistischen Erkenntnis von der Unhaltbarkeit des jüdischen Lebens und Ihren Ur Sachen. Darum erfordert zionistische Propaganda in diesem Milieu ein Fortschreiten mit der kulturellen Entwicklung der Zelt, ein Verstehen der Elemente, aus denen die Bildung der Menschen sich zusammensetzt, die wir zu gewinnen haben. Blumcnfcld hat ein umfassendes Programm der zionistischen Arbeit entwickelt, und der Dclegiertentag hat nicht nur seine Zustimmung zu erkennen gegeben, sondern durch die Wahl Blumcnfelds zum neuen Vorsitzenden der Z.V.f.D. ihm Vollmacht und Auftrag zur Durchführung dieser Arbeit gegeben. Daß der Dclegiertentag über die Thesen betreffend die Reform unserer Weltorganisation keinen festen Beschluß gefaßt hat, war klug und vorsichtig und ist ein Beweis zionistischen Vcrantworturtgsgefülils, das sich nicht auf Einzelheiten festlegt, solange der ganze Problem' komplex nicht ausgereift Ist. Es ist nicht immer unbc< dingt notwendig, überstürzte Beschlüsse zu fassen und das Beispiel der amerikanischen Zionisten, die durch den Beschluß der Pittsburgcr Convention bezüglich sofortiger Ucbcrsicdlung der Leitung nach Palästina die ganze Bewegung gewissermaßen vor ein Ultimatum gestellt haben, schien nicht unbedingt nachahmenswert. Der Dclegiertentag hat es vorgezogen, sich damit zu bcgnügen, die Diskussion eröffnet zu haben. Er erwartet jetzt das Echo, das aus anderen Ländern kommt, denn die Vorschläge können praktische Bedeutung nur erlangen, wenn auch andere Gruppen Im Wcltzionismus sich ihnen anschließen, und eine Majorität des Kongresses sie zu den ihren macht Darauf planmäßig hinzuarbeiten, wird Sache des neugcwähltcn Landwvor- Standes sein, der vom Dclegiertentag beauftragt wurde, einen Entwurf auszuarbeiten und rechtzeitig vor dem Kongreß zu veröffentlichen. Der Dclegiertentag hatte auch die wichtige Aufgabe, einen neuen Leiter der Z.V.f.D. zu wählen. Dr.Landsberg, der nach Rosenblüths Abgang nach Palästina sich in selbstloser Weise bereit gefunden hatte, die schwere Last der Leitung der Z. V. f. L\ zu übernehmen, war infolge einer Reihe von persönlichen Umstanden nicht in der Lage, die Ocschäftc weiterzuführen. Der Dclegiertentag hat bewiesen, daß Lindsl>crg sich in der kurzen Zeit seiner Amtsführung Respekt und Wertschätzung und — man kann wohl sagen — dankbare Zuneigung bei den deutschen Zionisten erworben hat. Die Sachlichkeit und Objektivität seiner Gcsclüftsführung, der leidenschaftliche Idealismus und die unermüdliche, hingcbtingsvo'le Arbeitsfreude, vor allem die Vornehmheit und Gerechtigkeit seines Wesens haben ihm die Sympathien gewonnen und haben bei allen deutschen Zionisten den Wunsch zurückgelassen, daß er auch In Zukunft seine Kräfte der Mitarbeit in der Leitung zur Verfügung stellen möge. Der neue Vorsitzende der Z.V.!.D., Kurt Blumcnfcld, braucht den deutschen Zionisten nicht vorgestellt zu werden. Seit zwanzig Jahren kt sein Leben mit der Bewegung in Deutschland verknüpft; wir wünschen, daß es ihm gelingen möge, das Werk seiner Vorgänger, an dem er auch bisher schon teil hatte, glücklich fortzuführen. Der deutsche Zionismus geht gestärkt aus dem XX. Delegiertcntage, der von einer selten einheitlichen und einmütigen Stimmung Betragen war, hervor. Wn« er als Ziel gewiesen hat, das durclreuführen Ist Jetzt Sache jedes Einzelnen von uns. Die Alljati-Konferenz In Tel-Awtw Von unserem Korrespondenten. a. g. Jerusalem, 21. Dezember. l!lne Konteren/, die $l:h In Palästina mit den Fragen der Alijah" beschäftigen s->ll, ist von wnliercln übet daran, wenn »le nlch» eine Woche oder gar Wo-hcn zu ihrer Verfusrtmar hat. Denn es gibt In Palästina kaum eine Frage des lischuw. die nicht unter den Gcsi-htsounlt der Alijah m betrachten wäre. Der Arbeitsmarkt, die Baubcwegiing fn der S'adt. die Arbeit In den Kolonien. (Ii1? Kwtiroth, die verschiedenen Formen unserer lnul"d''sch*'t'l rrn Ko'on'sation. der Straßenbau, die Prci<hewe'"i''g In lande U»v, a'l« wirrt Von der r.lmvaml-Miiii; brcliiUiiir, jj-formt, he-itlmmt IN gibt natiircremSn ki In Ochiet Im Lehen des Jisrhuw. da» nicht davon berührt und verändert und entwickelt würde. Eine Kenferenz. die allem gerecht werd»n soll und wlM. ganz oder telwelse. muH mm;ngen. Sie kann «ich nur mit Tellfragcn befassen und nur Teilantworten geben Die vom Wand Leuinl rum 15. Dezember nach Tel« Awiw einberufene Konteren)!, bei dir all? Kfj»e de« lischuw vertreten waren, litt von vornherein — und du war nath der Tagesordnung vorauszusehen — an einem Mangel an Begrenzung, an einer gewlss-n Rihmentoslgkelt Das Proprnmm zeigte vierzehn (!) Referate, die mit Debatten und Beschlüssen nn einem Abende und elnnm daraufHT'n'lcn Tage erledigt werden iMIten. Schon In der Rrö"ntin"sslfzung begann man zu kürzen, man begrenzte die Zelt d*r Referenten, verlor aber bereits nach dem fünften oder sechsten Vortrag die Gedu'.d und bes-hhfl, sofort fn die Debatte einzutreten, um dem Rest der Rcf'renten fn der Diskussion Raum zu gewahren. Bei der besch-änkten feit Jedoch war e» unmog'trh, auch nur einen der Pinkle, die zu erledigen waren. grünrt'lrli zu erorlern, t'lne Ausnahme bildeten i<vc| K"mn!exe. die im dringendsten Ihre Lflsung fordern: Ds» Bc> »chränkumrsreglcment der Regierung ge^cnllh-r den Einwanderern und die erste Hilfe für die Ankömmlinge. Der Prnter.t gegen da* Reglement, der mit gleicher Verve von allen Kreisen und Schichten de» Jlschuw rum Ausdruck kam, und der Appell an die ihn. Exekutive, unverzüglich alle Hebel in Bewegun? zu setzen, um Aemfcrungen hrrhcizuffihren. ist ein Zeichen dei Streben» de» Jlrhuw na' h fi"rncr Verantwortlichkeit Der lüde Im Lande rechnet dabei nicht nur mit der schweren Lage de» Im Oahilh verstreuten und leidenden Volkes, sondern er cmpFnlet es als uncerecht, dal) «lieht der organisierte Jisdtuw seihst da» Bestimmungsrecht und die Macht der Regelung der Alihh h'hen soll. Er ver'angt nicht die Oeffnung der Tore tchlech'hin, sondern daß die I c'tuncr. und wenn nM:g, die Fl-dämmim? des Stromes in seine Hand gelegt werde. Gerade die heutige .Situation Im Lande zeigt, daß es »o nicht weiter gehen kann. Es gehört zu den tätlichen Vorkommnissen, daß Arbeiten nicht oder nur In beschränktem Umfange ausgeführt werden können, weil keine Arbeiter oder keine Fachleute da sind. Da» Versagen der Alijah Im Frühjahr bei Beginn der Tabakpflanzungen Ist ein eklatante» IHsnlel dafür.!!» Ist /u hoffen, daß die kompetenten Instanzen diese brennende Frage unverzüglich zu einem erträglichen Resultat bringen werden. Der Beschluß der Konferenz, beim Waad Leuml ein Organ zur Hilfe für Einwanderer zu »chnffen. an dem alle Kreise des Jischuw beteiligt sind. Ist zu begrüßen. Ebenso die Umlage von 390 £, die die Siedlungen «(»fort zur Verfügung gestellt haben. Es wird Jetzt alle» darauf ankommen, was dieses OrTan aus sich selber macht, wie es «eine Arbelt auffallt und sie ausführ», Wenn es Ihm gelingt, tätig einzugreifen, Kt damit ein großer Teil dei Zweckes der Konferenz erreicht. Die wichtige Frage der Einwanderung der „Mittelklasse" hat die Konferenz nicht beschäftigt. Man hat wohl vorübergehend von der fieberhaften Entwicklung Tcl-Awlws gesprochen, die schwere Zweifel für die Zukunft erweckt, von der Brdcnspekulation, der Wohnungsnot, aber eben nur neben, bei. Eine umfassende Drhand'ung war unmög'hh. Sic Ist aber notwendig, wenn wir nicht unvorbereitet fn die neue FlnwandcruncMicrirdc hineingehen wollen. Die Zahl der Ollm wird und muß steigen. Welche Mittel und Wege wir aber auch finden wenden, um den Bedürfnissen der ,,AIIJah der Mittelklasse" Rechnung zu tragen, eines tst klar: In jedem Falle verlangt die wirtschaftliche Lage fn Pa'Sitlna eine Stärkung der Chaluzeinwandenng Eine Elnwrn lerung von Facharbeitern und auch von .".unskiltcd", die ein bewegliches Element bilden, das sich den Forderungen des Landes anpaßt und Imstande und gewillt Ist, jede Arbelt zu tun. die der Aufbau Im Moment erheischt, wenn heute die Stelnlndustrte In Palästina von diesen Elementen aufgeschlossen wird, wenn der judisrhe Arbeiter unter großen Entbehrungen In dla Kolonien geht, wenn die Bitiarbelt und die Installation immer mc\ »von im» besetzt werden, so bereitet dis a'lcs den Polen vor für eine Alijah mit anderen Mitteln. Täthkclten und Bedürfnissen Ohne diese Grundlage die nur der „Chaluz." bereiten kann, kann die „Alijah der Mittelklasse" zu schweren Krisen führen. Die Eröiruung des ludahlischea Instituts der Universität Jerusalem h. b. Jerusalem, 23. Dezember 1024. Seit dem Sommer vorigen Jahres hat die Arbeit In den Laboratorien auf dem Skopusbtrjrc begonnen. Aber die Universität hat erst jetit Ociegcnheit genommen, anläßlich der Eröffnung der Vorlesungen des judaistischvn Instituts vor die Öffentlichkeit zu treten. Am 22. Dr/cmbcr, dem ersten Clianukkahtage, fand die feierliche Eröffnung de» judaiMi. sehen Institute* »tatt. Die Feier vollro^ sich Im Hörsaal de» Chemischen Institut* und es wohnten Ihr auBer den Jüdischen Oisten die Vertreter der BchOrdcn und der wissen, schaftllchen Institute bei. F.röffnet wurde die Feier durch Dr. I. Magnca, welcher namens des Kuratoriums hebräisch ungefähr die folgenden Worte sprach: Heute, «m ersten Chanukkahtaje. sprechen wir den Segenspruch „Srhehcchlanu" und den Sej-enspruch von den Wundern, die Oott an uns «ctan hat.!•» Ist ein Wunder, da» von dem Tage t>n, wo Ür. Weirmann den Onmdstrlit dieser Universität gelegt hat, sie ekh In dem Malle entwickeln konnte, daft wir heute In Ihr drei Forschungsinstitute und die täglich wachsende üihliothek vereinigt »eltcn. Wir müssen der Zionistischen Organisation in erster Reihe dafür dankbar sein, denn Ihr gebührt vor aliem das Verdienst. Wir erwarteten heute die Anwesenheit des Mannes, der der geistige Führer jenes Geschlechtes war, welches die Eröffnung dieses Institutes erstrebt hal: Achad Haam. Leid-r hielt Ihn sein Oesiindhrlls/ustand ah, /u kommen. (Dr. Magne* las hierauf den Bilef Aclmd H.iam* vor und fuhr dann fort:) Die Itehr.ilschc Universität In Jcru>«lcm ist der vorurteilslosen Suche nach der Wahrheit gewidmet. Die Frage, welche das Institut für judalsllsche Studien zu beantworten unternommen hat, Ist die Fratje: Was Ist Judentum? Wir schallen eine breite Plattform für alle diejenigen, welche die Ocschichte des Judentums und seiner Schöplungen von der Bibel bis auf unsere Zeiten zu beleuchten bestrebt sind. Wie unsere Vorväter In ihrer Wehe die Quellen des Juden, tum» erforscht haben, so wollen wir mit dem vollständigen Apparat der wissenschaftlichen Methoden das Judentum erforschen und wie sie wollen auch wir die Lehre um ihrer «e||i-.t willen erforschen, »le soll uns nicht ein „Spaten «ein, mit dem wir graben" In der ganzen Weit gibt eis keinen Platz, wo der Ocmus Loci der Erforschung des Judenrums günstiger wäre als in Erez-Israel. Wir leben In einer großen historischen Epoche, die vielleicht (ür die Menschheit entscheidend sein wird. Eine Menge Fragen beunruhigen unsere Herzen und wollen vom S'andpunkt des Judentums beantwortet sein. Wir wollen »h.-r auch, daß diese Uiilvcrslt.it ein Platz sein »oll, wo die Orumllacrn der mmlrrueu Zlvillulkiii studiert werden sollen. Wie könnte das Judentum auf die ihm gestellten Fragen antworten, ohne daß es die Beziehungen zwischen Judentum und Welt studieren würde. Wir wollen nicht trennen hier Judentum und dort Menschentum, sondern die briden harmonisch vereinigen. Es Ist unser Ziel, den hislori. sehen Prozeß des letzten Jahrhunderts umzudrehen. Nicht Assimilation des Judentums an andere Völker, sondern Absorbtion alles des«en, was die Menschheit .geleistet hat, »owrit e» die jüdische Seele gestaltet. Wir wollen ohne jeden Chauvinismus und ohne Arroganz die Welt mit unseren eigenen Augen betrachten. Uns selbst treu wollen wir uns das erwerben, was die Menschheit geleistet hat. Wir wollen helfen die Menschheit zu retten. Vielleicht haben wir der Welt noch ein neues Wort zu sagen. In diesen Tagen des Chantikkahfcstcs, wo wir den militärischen Trlumpf der Harmonier feiern, haben unsere Wehen verordnet, daß wir die Worte sprechen! ..Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist". Nach Dr. Magne» ergrill Sir Herbert Samuel da» Wott. f.*r »nuch duüli-r, wie »Ich Vetü-nigrnhcit und Zukunft In der l'alasilnaforH'liuiig vereinigen, wie auf dickem BoJcn eine Jahrtausende alte Kultur und eJn neues zukunftsftcucliges Schaffen zusammenkommen. Er sprach die Hoffnung aus, dn(t die Universität die vielen Schwierigkeiten sprachlicher, politischer und wirtschaftlicher Natur, die ihr entgegenstehen werden, überwinden möge und daß eben diese' Schwierig, keilen sie ihren Lehrern und Schülern lkb und wert mach-n werden. Nach dem lllgh Oimnimiouer ergriff Professor I'odor das Wort und bfgiülüe (iiebr.iisch) In lant-er Rede die jmlaUtlschr Fakultät in dem Raum des Chemischen Instiiut.'s. Es sei das erstemal, daß die Wissenschaft des Judentums «ich unter die Fittiche der Naturwissenschaft begebe. Fr sehe darin ein glückliches Symhol für die Zusamincnarbcir aller Teile der Universität. Nach Professor Fodor sprach der Leiter der amerikanischen Universität R.-init (Syrien) und begrüßte in überaus herzlichen Worten die junge Scinvcsterunlvcrsitäl. Die Zusammenarbeit der Oelehrtcn- Institute des Nahen Ostens, der in den letzten Jahren so unerwartet rasch erwacht sei, verbürge eine Verbindung von rcll"iöscr Hingcminf' mit wissenschaftlichem Trust, au welche die Universitäten Punpas n'cht glauben wollen. Dvr Vorsitzende der Feier, Dr. Magncs, nahm unmittelbar nach diesen llcgrüflungsworlcn Oclegenhelt, ein hebräisches Tele, gramm zu verlesen, in welchem die Jüdischen Studenten von Uolrut mit vor Freude zitterndem Herzen die Einweihung der Jüdischen. Universität im Feste der Lichterweihe bcgrüßen. Es folgten weitere Begrüßungsreden: Protcssor Allbright namens des amerikanischen Instituts für orientalistischc Forschung, Professor II erti be rg {deutsch mit hebräischem Schlußwort) namens de» Deutschen Evun'.elischen Institutes für AÜcrtunKforschung, Ussischkln für den Nntionalfonds, Dr. Runnln für die zionistische Exekutive, Dr. Thon namens des Waad Leunii. , Die schöne und würdige Feier machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Zwei störende Momente müssen verzeichnet werden: Del der Feier wurde keine arablachc Begrüßung gehört. Die Veranstalter hatten sich die gröftte Mühe ßCRfbcn. arabische Gäste einzuladen und es helanden sich auch unter den Anwceuden arabische Oelchrte, aber keiner wigte es, die politischen Gegensätze bei diesem Anlasse durch ein Wort der iVgiüßuuj; vergessen zu machen. Auch der arabische Bürgermeister der jüdischen Stadt Jerusalem war nicht gewillt zu sprechen. Mil tiefem Schmerze vermißten die Versammelten die An. Wesenheit de» Oroßrabbinats. Während die christlich rell. giösen Behörden Vertreter gesandt hatten, der griechische Patriarch In eigener Person gekommen war, hatten es die beiden jüdischen OroOrabblncr weder für nötig befunden, zu kommen, noch die Feier zu berrüßen. Sie fürchteten »Ich offenbar, auch nur durch Ihre Anwesenheit oder eine Begrünung der Universität Autorisiert zu verleihen. Am Abend fand Im Hause Usslschkins eine Intime Nach, felcr statt, In welcher Iiisbesondcrc Bialik schöne Worte für die Aufgaben der Universität fand. Möchte sie, meinte er, den Weg finden, der Welt die alten zehn Oebote neu zu geben, aber diesmal nicht nur für die Beziehung von Mensch zu Mensch, sondern für die Beziehung von Volk zu Volk.

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