Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1925)
- Date
- 1925-01-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JUEDISC HE. RUNDSCHAU Nr. 1 Der Delcclcrtentng wird sich, wie Ich höre, mit der Neuwahl eines Vorsitzenden der Z.V.f.D. zu befassen haben. Ich glaube, dafl der Dank, den Ich persönlich Dr. Landaberg für nein entschlossenes einspringen schulde, verallgemeinert werden darf zu einem Dank des ganzen deutschen Zionismus. Wenn Jcttt ein neuer Mann an seine Stelle treten sollte, so findet er die Z, V. f. D., diesen Eindruck habe ich von Palästina aus gewonnen, In einer guten und reinen Verfassung vor. Der neue Vorsitzende wird den deutschen Zionismus voraussichtlich In der Stunde der Konstituierung der erweiterten Jewlsh Agency ru vertreten haben. Dabei, d. I». in dieser ganzen Zeit des Uebcrfang* und der Neubildung werden Verantuortungsfrcudlgkeit, icherheit Im Alte» und Kühnheit Im Neuen, Weite der Ideen und Schwung und beste Repräsentation der zionistischen Idee tcjrcnübcr der nlchtzionistischcn Welt die wünschenswertesten Igenschafton eines Leiters der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sein. Ich grQOe den XX. Delegiert entag der deutschen Zlonisten. Mit Zionigrtißl Felix Rose'nblöth. Nach der Wahl des Präsidiums und Oes Permanenzaus- Schusses erstattet Dr. Alfred Landsbcrß den Tätigkeitsbericht der Z. V, f. D. und führte aus: Der Tätigkeitsbericht Zu dem gedruckten Bericht, der sich in den Händen der Delegierten befindet, habe Ich nur einige prinzipielle Bemerkungen hinzuzufügen. Der erste Teil der Berichtsperiode seit dem Atillcronlenllichen Dclcjjlcrtcntag In Dresden fiel In die Zelt der wlrtschafl'lchen Katastrophe, die jede Arbeit In Deutschland iiikI natürlich .null die zionistische, hcnimtc. Erst seit dem Dezember des vorigen Jahres war es möglich, ungestört von materiellen Tagessorgen, wiederum kontinuierlich zu arbeiten. Der deutsche Zionismus befand »Ich in einer schweren Situation, als «ich Felix Roscnbiüth entschloß, nach Palästina zu übersiedeln und Ich den Vorsitz übernahm. Ich fand wohl eine In sich geschlossene Organisation vor, die durch die hingebungsvolle Arbeit von retix Rosenblülh während der drei Jahre, da er den Vorsitz führte, geschalten worden war. Ich betrachtete es nl« meine Aufgabe, «Uesen Zustand stieltt mir zu erhalten, sondern auch zu bessern. Wenn sieli diese Hoffnung nur in einem beschränkten Maße erfüllt hat, so lag es nicht an mangelndem Willen, sondern an der schwerwiegenden Tatsache, daß wir genötigt waren, von unserem Ideellen Kapital vu zehren und daf) es uns nicht gelungen Ist, den ideellen Fundus Iii der Berichtsperiode zu .vermehren. Wir haben jedoch auf einen beachtlichen Erfolg hinzuweisen: Es war uns möglich, nüs dem deutschen Zionismus nicht bare Leistungen herauszuholen. Auch früher Ist in der gleichen Weise gearbeitet worden, aber bis End« t<)23 war die materielle Leistung Deutschlands für den Aulhau In Palästina gering, trotz der guten Akthoden und trotz der ftitcitsft.lt der Arbeit. Unter Beibehaltung dieses erprobten System*, das sich während der Inflation nicht auswirken konnte, haben wir In der Berichtsperiode für den Kcrcn I laicssrxl und den Nationalfonds Leistungen in beachtlicher Höhe aufzuzeigen. Wir haben darum in der Kcrcn Hajcssod-Arbcit Erfolge gehabt, weil die Pro- -aganda für das Maatccr-Prinzip am Anfang der eren H.ijcssod-Arhcit in Deutschland besonders betrieben wurde. Die ideelle Arbelt nus der Vorlnflatlonszclt hat jetzt Früchte getrauen. Wie in Deutschland stabile Verhaltnisse eintraten, waren wir sofort gerüstet und wir konnten mit der Arbeit beginnen. Der grüßte Teil der Kcrcn Ilaicssod-Zcichnungcn und Erträge rührt von Zionlstcn ne>. Die Zahl der regelmäßig Kcrcn Hajcssod-Zahlenden fst im Steigen begriffen, wenn auch der Kreis d;r Maasser-Zahler noch verhältnismäßig klein Ist. Wir haben uns jetzt jedoch nicht nur auf die finanzielle Arbeit beschränkt. Von Anfang an waren wir uns bewußt, daß wir die Ideonpropaganda in den Vordergrund rücken mÖRscii, Wenn es auch nicht gelungen ist, diese Propaganda zu vereinheitlichen, so muß dieses Ziel die zionistische Arbeit der Zukunft In Deutschland beherrschen, um. wie bereits betont, das Wedle Kapital in den Reihen der deutschen Zlonisten zu mehren. Es bcsland eine Reihe von Schwierigkeiten, dlo sich der Ideellen Propaganda in den Weg stellten. Trotzdem ist diese Propaganda möglich. Man muß die Schwierigkeiten überwinden und neue Methoden suchen. Zu diesen Schwierigkeiten gehört vor allem: Vor dem Kriege gab es eine starke ugendbewegung, die sich bemühte, in die Organisation incinzuwachsen. Nun hat die fuRcnd andere Autgaben, die sie sofort in die Hachscharah, die Vorbereitung aul Palästina, stellt und es ist nur natürlich, daß der größte Teil tlcr Jugend, die sich schon In der frühesten Zelt umschichtet und für Palästina vorbereitet, nicht In die Organiutfensrornicn der Bewegung Im Oalulli hineinwachsen kann, zumal die Erfahrungen dieser Jugend sehr jungen Datums sind. Trotzdem glaube lc,i, daß mich aus unserer gegenwärtigen Jugend bald neue Kräfte für die Organisation zu gewinnen sein werden. In diesem Jahre sind viele Menschen aus dem deutschen Zionismus nach Palästina ausgewandert. Eine große Anzahl hat Palästina als Touristen besucht und dadurch den Kontakt zwischen den Ortsgruppen und dem Lande verstärkt. Allerdings fehlen Infolge tlcr Abwanderung gerade der besten .11 c?.naV1 Paläs,i»a diese Personen in den Oruppen, wodurch die Situation erschwert wird. Seitdem der Kcrcn Hajessod begründet wurde, kolli. o ert seine Arbeit In gewissem Umfange mit der des Zlo- „\m!15: wiewohl die K.H.-Arbcit mit zionistischen Ideen geführt wird, go geht sie doch nicht bis ans letzte, bis zur runen Ideenpropaganda, die den Menschen ganz gewinnen 'V, nic.bt ,mr °lM vor> "im verlangen will. Man glaubte fleh resigniert mit dieser Tatsache abfinden zu müssen. Die Ij.tr.lcl.iing Ist rirhlig, die Resignation ist falsch. Et» spricht nicht gegen «len Kcrcn llajcssod, daß der zionistischen Arbeit üaiiurch Schwierigkeiten entstehen. Es ist uns auch früher nur in geringem Maße gelungen, Leute, besonders ältere, ' w zlon'*mu» 7» billigen. Es gelingt meist nur jüngere * uschen zu «Winnen die bereit sind, die letzte Enlscliel- «»>B /u treffen. Während man jedoch früher auf die Ki .1-1,, w, "i,,,,r"i;1M"""' "tum Kleinere im es in (neuer umidie JL,r<» illu,nc",cld /fflu,,f.cn« Menschen zu erfassen, nn;ocw:-?....irül,cr R:ir. ,"CW K^acW. hat. Mittelbar hat die .Gewinnung von solchen Me.wchen für den K.H. sehr große "cücutung, da sich dadurch der Kreis erweitert, der sich Pai'.rl.Ti dle zlo,li1Mcn «'» d'« Icsilimcn Vertreter der 1 austma-Arbcit gruppiert. tandi it ffül ur?,cwo,rdc"- I'Or diese Art der PropaicluTn... L!at dl« öc"W»n«n(r Talsacl.cnpropaganda gc- Ä ThÄen' Daffi,ter. verK*.(c,,t n,an <*«» Zurückstellen J«oer Theorien gegenüber den Notwendigkeiten des Aufbaut. Es Ist Jedoch u. E. falsch zu glauben, daß diese Tatsachen- Propaganda allein ausreicht, wichü'g Ist, aus der gegenwärtigen Lage der Juden, ans dem getarnten Komplex der jüdi&chcn Probleme die richtigen Schlüsse zu ziehen, Wir sind in der Arbeit in Deutschland nuf uns aelhst angewiesen gewesen. Die Exekutive hat leider nicht in wünschenswertem Maße, wie vor dem Kriege, Anregungen gegeben, um die Erfahrungen der einzelnen Lande«, verbände den anderen zu vermitteln. In F.rkruumU der Tatsache, daß unsere Weltorganisation reformbedürftig Ist, wird sich der Dcteglerlenlag In einem unsolideren Punkte der Tagesordnung mit dieser Trage beschäftigen. Ich glaube, daß die neue Epoclic, die jetzt für den deutschen Zionismus anbricht, dazu beitragen wird, neue Ideen In die Arbeit zu bringen. Die nciue Leitung, die Sie für die Z. V. f. D. wählen werden, wird sich von der Erkennt, nis leiten lassen, in Ideeller Hinsicht die Organisation zu speisen, um damit die Innere Gestalt umzuformen, und das ideelle Kapital der deutschen Zionlstcn aufzufüllen. Zum Schlüsse wies Dr. Laiidsberg noch auf die Erfolge der erneuten Ii ebri Ischen %Sprn chhe wc gun R in Deutschland hin und nuf das Symbol der Stiirkc, dns In der Erwerbung eines eigene« Helmes für dlo zentralen zionistischen Institutionen ded deutschen Zionismus In Berlin seinen Ausdruck gefunden bat. , Hierauf hielt Dr. Hantke den In der letzten Zelt verstorbenen Rabbiner Dr. Masc in Mo;kau und Professor David Neu mark In Ciiicinnatl einen wannen Nachruf, worin er die Verdienste beider um den Zionismus, die jüdische Renaissance und die jüdische Wissenschaft würdigte. I>er Nachruf wurde von dem Dvleglcrtentagc stehend angehört. Entgegen der urnpillngllch festgekeilten Tagesordnung schloß sieh au den Bericht Dr. Landsberg* uniulllclbar das Referat Kurt niumenfelds Ober „Voraussetzungen und Erfordernisse der zionistischen Arbelt in Deutschland" an. Referat Blumcnlcld In seinem Referate, das wir im vollen Wortlaut nachfragen werden, geht Blumcrifckl zunächst auf «las Verhältnis •Irr /. V. f. I>. zur wYll.iifsan'«atl<>ii ein und bezeichnet als das einzige Gebiet, auf dem eine direkte Einwirkung möglich sei, die politische Arbeit der Exekutive, die iiämllch durch die Bildung einer öffentlichen Meinung Im Zionismus gestützt und beeinflußt werden könne, Insbesondere gelte dies für die Araberfrage, wo wir auch durch Erziehung der nach Palästina gehenden Menschen einen .Einfluß ausüben können. Auf allen anderen Gebieten müsse die Z, V. f. D. aui sich heran« ihre Arbeit fuhren und könne sich nicht nuf eine Unterstützung von der Exekutive verlassen, Die Bedeutung des deutschen Zionismus liege darin, daß er in einer Zeit, wo das Schwergewicht nach den westlichen LSndern verrückt werden ist, In vorbildlicher Weise zeigen könne, wie westliche Menschen, die bereits Europa In sich .•»ufr;cnommcn haben, zum Zionismus kommen. Im Ocgcnsatz zu dem pracassimilatorischen Zionismus des Oslcns, der unmittelbar die jüdische Tradition fortsetzt, gäbe es nämlich für westliche nur die andere Form einer Rückkehr zum Judentum,' die auf der Erkenntnis der Unzulänglichkeit und Uncrtr.lgllchkelt der heutigen jüdischen Situation beruht. Uchcrgehcml auf die Funktion dieses westlichen Zionismus bei der praktischen Aufbauarbeit in Palästina betont der Redner die überragende Bedeutung der Clialuzi uth. Zwar sind wir uns klar darüber, daß auch die palästinensische Gcsc)'ii:h.ift alle Hciuf.sstindc umfassen muß, das D< r u f sld e a I. aber besonders für unsere Jugend müsse der landwirtschaftliche Chaluz sein. Die Pionierarbeit kann nur fortgesetzt werden, wenn diese unter schwersten Opfern lebenden Meusshcii das Bewußtsein haben, vom ganzen Volke gestützt zu werden. Bezüglich der Finanzaktinnen betonte der Redner die Unzulässigkeit von unkontrollierbaren Scpcrataktioncii. Im Zentrum der Fliianzaktion steht der Kcrcn tlajr-ssod, vndunn kommt die Heranziehung von IVlvatk.ipit.nl für p.'iI.Wlricu-, sischc Unternehmungen. Auch die Fln.inzaktionen müssen aber den Sinn haben, auf die Gewinnung des ganzen Menschen abzuzielen, denn nur dann wird sein lntcre«sj wirklich dauernd sein. Unter dem Aspekt der Oewinnung wertvoller Menschen müsse au:h der Kampf Innerhalb des deutscheu Judentums geführt werden. Dieser Kampf richtet sich vor allem gegen die Tendenz einer Uiil formIe rung des jüdischen Menschen. Die komplizierten menschlichen Verhältnisse, die wir a's Judenfrage empfinden, können wir nieht in eine Formel pressen lassen. Wenn z. B. der Zcntralverein immer wieder den Versuch macht, zu dekretieren, was die vorschriftsmäßige Oesinnung für deutsche Juden kt, so kann heute schon darauf verwiesen werden, «laß ein solcher Vcrsu.-h fehlschlagen muß, weil Immer wieder O.tippen entstehen werden, die noch weitergehen und die dann von ihrem Standpunkt au» die Gesinnung derer verdächtigen, die elieu selbst noch die 3csiuuung anderer Onippcn angezweifelt halten. Dies erleben wir heule IndrrNau. nianngruppe, und w fehlt jetzt nur noeh die Gruppe, die erkl.irt, auch diese Gesinnung der Nauinannlancr sei noch zu jüdisch und zu wenig dcutschnaiionnl, und es ist schwer abzusehen, wo es ein Ende gibt, wenn man einmal diese» gefährlichen Weg betritt. Unser Kampf begibt sich auf eine ganz, nndere Ebene, wir kämpfen um eine innere Umgruppierung des deutschen Judentums, Nicht die fcsliimr'ssencn Gruppen sind es, die wir zu hckatnplcn haben, wir kämpfen vielmehr gerade mit den Meiwchen, die uns nahestehen, die Iwnerli.ih unsicher geworden sind und selbst um ihr J«!cntum ringen. Wir Ziouistcn rühre» den Kampf um d'e wahre Gleichberechtigung der Juden in Deutschland, denn wir wollen nicht zulassen, daß die Giclclihcrcchllp.uug nbli.'iuglg gemacht wird von einer bestimmten Gesinnung, vielmehr Ist sie eine Frage der objektiven Voraussetzung. Redner wendet sich Regen die Veisticlic des Zentralvcrcins, durch unrichtige Behauptungen die Masse der deutschen Juden, auf deren Uiiliiforinkrllielt spekuliert wird, iriczuführen, z. B. durch das Märchen, d.u die Zlonisten für die Juden nationale Autonomie In Dcui;eli. land verlangen. Ausdrücklich Ist schon im Jahre 1VIS erklärt werden, daß von einer solchen Forderung keine Rede selu kann. Der Redner wendet sich dann wieder dm internen Problemen der .Zionistischen Organisation, zu und erklärt, daß ebenso wie wir uns gegen die opportunistische Kampfeswclse der Aitti/loiiistcn wehren, wir auch alle Versuche unfcrdnieken müssen, innerhalb den Zlon's.nus eine ähnliche opportunistische Taktik anzuwenden. Dies gilt vor allem auch für unsere Stellung zu den großen Strömungen des deutschen Judentums, die wir nicht In ihrer Gänze iU dem Zionismus iiüher oder ferner betrachten dürfen, sondern In allen Ländern gibt c$ Menschen, die für uns gewonnen werden können. Zum Schluß beschäftigt sich der Referent noch In großen Zügen mit der praktischen Arbeit der zionistischen Ortsgruppen, und belont, daß durch d.e Belebung der. Ortsgiuppen der Wc{j gefunden, werden müsse, nicht nur neue Kräfte zu gewinnen, condern auch die alten festzuhalten, das Interesse und den Clan der zionistischen Arbeit zu «teigern. (Stürmischer Beifall.) Hierauf wird dlo Debatto eröffnet. Die Ccncratücftslle Dr. II.inlKet Im Bericht des Landesvorsl.Andcs über die Tätigkeit der letzten anderthalb Jahre Im Referat von Herrn Dr. Landslierg ist bereits hervorgehoben worden, daß In der Berichtszeit nicht all das durchgeführt worden ist, was wir gewünscht hätten. Mau hat recht daran getan, sr> die Kntik vorwegzunehmen, denn es wird immer eine Differenz zwischen dem geben, was getan Wersten mllllte, Und was wirklich durchgeführt werden konnte. Ich glaube, daß wir eine Plllcht des Dankes gegen Herrn Dr. Lamlsberg haben, Orr In de» h irten I'/i Jahren au der Spitze der Z.V.f.D. gestanden und der damit eine sehr schwere Aufgabe übernommen hatte. Wenn wir das politische Leben der Völker überblicken, s.» sehen wir, daß auch viel größere Völker geeignete Führer nicht aus der Erde stampfen können. Es war daher für die Z. V. f. D. nicht leicht, Felix Roscublüth das Recht zu gehen, nach Palästina zu gehen, und es war eine noch schwerere An/rahe für Herrn Dr. t.nndsberg, daß er, der mit den Brrilncr Verhältnissen nicht vertraut war, die Zügel der Bewegun» In die Hand nahm und die Arbeit mit solcher Hingebung und solcher Energie führte, (lebhafter, sich Immer wieder erneuernder Beifall.) In der Dit.kiis-.lon eibt es kolnm anJcrrn Weg, «In «Ich nut dlo Besprechung ein/einer Punkte zu beschränken. Ich will mich deshalb nur mit Palästina beschäftigen, ohne dal ich die anderen wichtigen Aufgaben der Z. V. f. D., über die in dem Bericht Rechenschaft eegehen wird, unterschätze. Ich In he dss Gefühl, daß die deutschen Zionlstcn'noch nicht die notwendigen Konsequenzen aus der neuen Situation gezogen haben, die uns eine weit stärkere Verbindung mit Palästina gegeben hat, als wir sie früher gekannt haben. Es ist Zeit, da» hiermit begonnen wird. Hier itWiclitc Ich mich vor allem mit «ler Frage der hehräli rhen Sprache hrsclialll/'cn. Wenn wir sehr tuchtlgc Menschen nach Palästina schicken, so leisten wir hiermit für Palästina wertvolle Arbeit. Das hebräische Palästina Ist stark genug, um auch einige Hunderte Menschen zu vertragen, die nur Fachkenntnisse besitzen, aber wir müssen die Judaisierung und Hebraisiciung fördern, damit unsere Menschen drüben im Lande nicht unglücklich werden. Es macht aber Menschen unglücklich, wenn sie von dem geistigen Leben Im Lande ausgeschlossen sind. Wir deutschen Zt'iiiisieu steilen h-ute nur i,j ",'<! der Jüdischen Bevölkerung In Palästina, wenn aber jetzt Ä>jO Juden monatlich nach PaU«tlm kommet, und wenn wir Ir-ffcti, daß die Einwanderum; f» dickem Umfange bestehen bleiben wird, n genügt es nicht, diß einige Hundert deutsche Zlonisten im Jahre narh Palästina gehen. Sonst werden wir unsere besondere Note In Palästina nicht zur Geltung bringen. Wenn wir nun die Palästinatcndcnr. Im deutschen Zionismus verstärken wollen, so müssen wir ihr aurh eine organisatorische Grundlage Rehen. Es y.etr*t sich, daß wir, die wir hier der Hachscliara.'i unserer Atensehen die allergrößte Sorgfalt widmen, sie vollkommen im Stielt lassen, sobald sie Im Lando selbst sind. Ich fc!tla?e daher vor, daß wir eine Agentur der Z. V. f. D. in Palästina einrichten, die die palästinensischen Interessen der deutschen Zionlsteu wahrnimmt. Aufgabe dieser Agentur i;t nicht die Organisierung der deutschen Juden In Palästina n!s ein besonderer Körper, sondern die Wahrnehmung von Inl'Teisen von Leuten, dlo nsxh Palästina gehe» od*r sich dort persönliche Interessen schaffen wollen und den Nruankommenden über die ersten Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. Lieber (Chemnitz) fordert von der Exekutive die Eitieli. hing tincs Korrespondenz-Büros dir die Weltpresse. Die Z.V.f.D. sollte ihrerseits im Wege der Presse die öffentliche Meinung für den Zionismus und seine Aufgaben zu gewinnen suchen. Bbunciilcld ist der Ansicht, daß man die an der Peripherie stehenden julen gewinnen müsse. Ihm schwebt aber der Typus des kritischen, geistig hochstehenden Menschen vor. Er vergißt jedoch die große Ma-.so der Denkträgen, für die sein System gar nicht pafit. Da muH man eine andere Methode verwenden. Wir bab.'n heute ein Heer von Offizieren, Führern und Notabein, aber keine Armee und keine Soldaten. Man wirft dein Zionismus vor, daß er für |cr!c Kleinigkeit eine ausgeklügelte Theorie, eine besondere Mcthaphysik und Mystik hat. In bezug auf die Propaganda scheint jedorli dicc Systrmaiik zu leiden. I *>e Propaganda Ist unrationell und der 'Mißerfolg darf uns nkht wundern. Jede Orgsnisalionsrcform muß In den Ortsgruppen beginnen. Unser Verhältnis zu Hebräisch muß anders als platonisch sein. Trotz der bisherigen Hctonungen, wie wichtig die Kenntnis der hebräischen Sprache ist, stehen wir noch initiier auf demselben Fleck. Es ist an der Zeit, mit dieser Forderung ernst zu machen. Wenn es nicht anders geht, müssen Zwangsmittel verwendet und ein obligater Kursus eingerichtet und lestgcselzt werden, daß zionistische Funktionen nur von solchen Leuten bekleidet werden könne», die zumindest das l.chrrlel dieses Unterrichtes erreicht haben. Hieran! wird die Sitzung unterbrochen. Montag Vormitlag«Sitiung Fortsetzung der Generaldebatte. . Lcvy Wölfl (Trier) vermißt In den Rede» der Referenten die Betonung eines wichtigen Punktes: Innchallung der Disziplin. Das müßte zunächst dahin zum Ausdruck komme», daß die Delegierten pünktlich zu den Sitzungen erscheinen. . Snlly Hirsch (Hnlherslndl) hebt aus dem Briefe v.»i Felix Rdseiililüth den Gedanken hervor, daß die zionistische Ideologie nicht erstarren dürfe und daß man nicht glauben solle, sie durch die Rcalitälcn Palästinas ersetzen z» können. I»c Müdigkeit unserer seit Jahren arbeitenden Personen beruht auf einem Versagen der Exekutive, die freilich ntuii nur in brgrenzlem Umfange c'.was Ändern könnte. En se'i 'n lange, als ob der beste Teil der Juden zur Chahuiuth überginge, weswegen es an Nachwuchs für die Org.v.iisaiiMt fehlen mußte, liier liegt eine wichtige Aufgabe der neue» Leitung. Die l'oideriliig, In erster Linie «l.iliir zu sorge», daß die Jugend eine gule Allgemeinbildung erhalte, ist gefährlich, weil sie leicht' zu einer Zersplitterung führe. Wir brauchen konzentrierte Arbeit, vor allem auf dem Gcbiete der Hebralslcriin g. Die Ortsgruppen sollen nlrlit allen Wünschen zu entsprechen versuche», sond-nt sich bc wüßt auf Palästina und Hebräisch konzentrieren. Die Aufgabe des deutschen Zionismus ist es, Leute zu erziehen, die sich 'neben der Arbeilerschäft in Palästina z» behaupte» ver. mögen, ihr Vertrauen erwerben, ohne jedoch In der Arbeiterschaft aufzugehen. Niemand Ist gegen die Privatinitiative und sie soll durch Schaffung von Krcditinstilulio'f» gefördert werden. Iis Ist jedoch abzulehnen, daß die Privatinitiative mit den Interessen der Arbeiterschaft und dtr Landwirtscluft kollidiere. Redner würde es begrüßen, wenn auf dem Dclcgicrtentatfe durch eine Resolution oder einen Antrag in dieser Frage Klarheit geschaffen würde.