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Jüdische Rundschau · 1915-04-16 · Heft 16 (16.4.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 16 (16.4.1915)
Date
1915-04-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 123 Nachdem Dr. Bogratschow seine Rede wieder aufgenommen und beendet hatte, in der er noch einmal die Ergebenheit der Juden für die Türkei betonte, erwiderte Djemal Pascha: ״Wenn es so liegt, dann werdet Ihr sicher sein, hier eine Zuflucht zu finden in einem Lande, an das Ihr Euch so angeschlossen habt. Wir werden unserer Tradition treu bleiben, und Ihr werdet bei uns Gastfreundschaft finden. Wir kennen Eure Treue, und wir schätzen die guten Eigenschaften des jüdischen Elements.“ Auf Wunsch Djemal Paschas wurden dann einige turnerische Hebungen von den Schülern vorgeführt. Nachdem er die ganze Anstalt besichtigt und wiederholt seiner Bewunderung Ausdruck gegeben hatte, durchschritt Djemal P a s c h a die Straßen von Tel A w i w und die des neuen Viertels Nachlath Benj a m i n. Die Wahrheit über Palästina Von J. Horovicz (Jerusalem) Die ״F r a n k f u r t e r Zeit u n g“ veröffentlicht am 10. April einen Artikel, den wir, obwohl unsere Leser mit den angeführten Tatsachen durch unsere Originalherichte vertraut sind, u ח g e k ü r z t wiedergeben, weil, wie bekannt, in sichtlieb tendenziöser Absicht von einer Stellungnahme der türkischen Regier u n g gegen den Z i o n i s in u s gesprochen worden ist. Wir machen auf den an anderer Stelle unseres Blattes veröffentlichten Originalbericht über den Besuch Djemal Paschas in T e 1 - A w i w aufmerksam. Die englischen Blätter, mit der ״Times“ an der Spitze, das Reutersche Bureau und ein ansehnlicher Teil der französischen Presse bemühten sich in jüngster Zeit, die Sympathien der amerikanischen und europäischen Juden dadurch zu gewinnen, daß sie in spaltenlangen Aufsätzen das bekannte Projekt erörterten, wonach die Tripelcntente bereit wäre, aus Palästina einen Juden Staat mit politischer Autonomie zu machen. Anknüpfend an diese unmaßgebliehen Zusicherungen wußte die Ententepresse auch von -Pogromen zu. berichten, die in Jaffa stattgefunden hätten, und von Zerstörungen, welche die arabische Bevölkerung in den jüdischen Kolonien angerichtet (raffe. Aber kein denkender Jude wird sich von dieser gleißnerischen Zukunftsmusik beirren lassen. Man braucht nur die amerikanisch-jüdischen Zeitungen ohne Unterschied der politischen und religiösen Richtung zu lesen, um sich zu überzeugen, daß dieses plumpe Liebeswerben mit gebührender Verachtung zurückgewiesen wird. Und selbst die russischen Zionisten, welche man damit in erster Reihe zu beeinflussen glaubte, weisen eine solche Zumutung mit der größten Entschiedenheit von sich. Das vornehmste hebräische Organ der zionistischen Organisation, der in Warschau er¬ ״Warum, meine Liebe? Nach den sieben Jahren werden wir doch wieder arm werden. Und du weißt ja, der Herabgekommene ist schlimmer daran, als wer vom Hause arm ist.“ ״O, wer wird auf so lange hinaus denken, mein Guter. Vorläufig nimm, was man dir gibt und sprich: Gelobt sei der Herr für jeden Tag! Zumal wir Chedergeld (Schulgeld) für die Kinder brauchen. Sieh, man hat sie mir nach Hause geschickt. Da spielen sie im Sand.“ Damit war Tojwje überzeugt, und eilte mit der bündigen Antwort, daß er die sieben guten Jahre unverzüglich haben wolle, zu dem fremden Mann zurück. ״Ueberleg’ dirs noch,“ meinte dieser. ״Heute bist du noch ein kräftiger Mensch und kannst verdienen, bald etwas mehr, bald etwas weniger. Was wird aber später sein? Wenn du in den älteren Jahren plötzlich arm wirst und keine Kraft mehr hast, um zu arbeiten?“ Doch Tojwje blieb fest. ״Mein Weib hat mir so geraten“ antwortete er. ״Erstens, sagte sie: Gelobt sei der Herr für jeden Tag, und zweitens hat man uns die Kinder aus dem Glieder nach Hause geschickt . . .“ ״Na, wenn’s so ist, sagte der Fremde, ,,dann geh’ heim, und ehe du noch in deine Hütte trittst, wirst du ein reicher Mann sein!“ Sprach’s und verschwand, ehe Tojwje Zeit fand, ihn noch zu fragen, wie es nach den sieben Jahren sein werde. scheinende ״Hascliiloach“, schreibt unter anderem: ״Das englische Handelsvolk würde, so es festen Fuß in Palästina faßt, den Tod der jüdischen Kolonisation bedeuten . . . Sollte an Stelle Englands Frankreich seine Hand auf Palästina legen, so würden sich damit die Aussichten für die Juden um nichts verbessern. Man halte sich vor Augen, daß der vorher nie gekannte ״arabische Antis e m i t i s m 11 s“ von Frankreich eingeführt wurde, und daß diese importierte Giftpflanze von französischen Jesuiten in Palästina treulich gehütet wird. Wehe uns, wenn diese Herrschaften die Oberhand im Lande gewinnen.“ Diese Auffassung der Nächstbeteiligten ist um so ernster zu nehmen, als das Blatt schon aus Furcht vor dem russischen Zuchthaus und Sibirien heim JMiederschreiben dieser Sätze sich große Zurückhaltung auferlegen mußte. Zu Pogromen und Verwüstungen ist es glücklicherweisc in Palästina nicht gekommen. Es wird auch dazu nicht kommen. Die Türkei handelt auch in bezug auf die Kriegsgefangenen viel menschlieber als die bekannten feindlichen Staaten. Leider hat cs aber die Ententepresse durch diese Treibereien erreicht, daß der sogenannte ״arabische Antisemitis- 11111s“ wieder einmal aufgestachelt wird, indem man erst die zionistischen Kreise des Sympathisieren» mit England verdächtigte, um dann durch Unruliestiftungen das Ansehen der türkischen Regierung in den Augen der Welt herabzusetzen. In der Tat herrschte in den j u d ii i s c h cn K o I o n i e ח u in Jaffa eine gewisse Besorgnis, daß es zu Ausschreitungen der aufgehetzten arabischen Bevölkerung kommen könnte. Zum Glück hat diese Besorgnis nicht lange gedauert. Der Kommandant der 4. ottomanischen Armee und Admiral der Marine Djemal Pascha hat in Jaffa und Umgebung in Tausenden Exemplaren folgenden Befehl veröffentlicht: ״Es wird mir mitgeteilt, daß unter der Bevölkerung Nachrichten verbreitet werden, wonach unsere jüdischen Brüder in Palästina ihre nationalen Pflichten nicht erfüllen und ihre Gefühle nicht mit denen der übrigen Ottomanen übereinstimmen. Da diese Nachrichten der Wahrheit widersprechen und schädlich sein können, befehle ich mit aller Strenge, alle diese Ausstreuungen vollständig zu unterdrücken. Schwer bestraft wird jeder, der solche Nachrichten verbreitet.“ Für die Veröffentlichting und zweckmäßige Verbreitung dieses Befehls haben auch die politischen Regierungsbehörden, die Gouverneure von Jerusalem und Jaffa in ausreichender Weise gesorgt. Um der Proklamation Nachdruck zu verleihen, besuchte der Befehlshaber der syrischen und palästinensischen Armee am folgenden Tage das jüdische Viertel Tel-Awiw־ in Jaffa und das hebräische Gymnasium, wo er von den jüdischen Deputationen mit dem Chacham Basclii an der Spitze feierlichst empfangen wurde. Auf die Begrüßungsansprachen antwortete der Regierungschef 11. a.: ״Ich habe zu Euch volles Vertrauen und hoffe, daß Ihr mit uns gemeinsam arbeiten werdet. Wir werden Euch treu sein und das Land wird Euch Zuflucht bieten. Wir schätzen Euch als gutes und treues Element.“ Dreiviertel Stunden weilte der Kommandant in diesem herrlichen jüdischen Stadtviertel, dessen Einwohner durch die spekulativen Umtriebe der Ententepresse von größter Besorgnis erfüllt waren. Tojwje ging nun wieder zur Stadt hinaus. Wir wissen ja, daß er ganz weit draußen, schon fast auf freiem Felde, wohnte. Als er vor seiner Hütte ankam, sah er die Kinder im Sande spielen und genauer hinsehend, bemerkte er, daß sie aus einem Grübchen nicht Sand, sondern Gold herausscharrten .... Wirkliches Gold,/ lauteres Gold! Und damit begannen natürlich die sieben Jahre, die sieben glücklichen Jahre. Aber die sieben Jahre waren auch bald wieder um. Und pünktlich am letzten Tage des siebenten Jahres stellte sich der Fremde bei Tojwje ein, um ihm zu melden, daß abends das ganze Gold verschwinden werde, — sowohl das in der Erde, als das im Hause und selbst jenes, das ihnen etwa bei Leuten zu verstecken gelungen war .... Er fand Tojwje ganz so wie vor sieben Jahren, auf dem Marktplatz, die Rockschöße wieder hinter den Strick geklemmt, der ihm als Gürtel diente, wieder nach Verdienst aiislugend. ״Tojwje, die sieben Jahre sind um,“ sprach er ihn an. ״Das mußt du meinem Weibe sagen“, antwortete dieser. ״Denn der Reichtum war die ganzen sieben Jahre lang ihren Händen anvertraut.“ Und sie gingen selband zur Stadt hinaus, kamen zur selben Lehmhütte, weit draußen, fast Dieser Besuch des Kommandanten, dem in Palästina große Bedeutung beigelegt wird, hat in der jüdischen Bevölkerung von Jaffa und den Kolonien sichtliche Beruhigung allsgelöst. Die ottomanische Regierung hat übrigens auch in verschiedenen Einzel- Verfügungen das wärmste Wohlwollen für die palästinensische Judenheit bekundet. So hat /. B. der Regierungschef angeordnet, daß die zur Wegearbeit heraiigezogenen jüdischen Kräfte arn Sabbat von jeglicher Arbeit dispensiert werden. Dem Armenarzt der Deutsch-Holländischen Palästinaverwaltung in Saffed wurde gestattet, daß in Fällen, wo eine Operation nötig erscheint, der Kranke in das militärische Elospital zu G’inin gebracht werde. Die jüdischen Soldaten wurden für das Peßachfest beurlaubt. Die von den Regierungsbehörden zu billigen Preisen ausgebotenen Lebensmittel werden für die jüdische Bevölkerung mit dem größten Wohlwollen verabreicht. E? s ist daher eine Vordre h u n g von Tats a c h e n , w e ח n in an der t ü r k i s c h e n Regier 11 n g ein U e b e I w ol 1 e 11 g e gen ihre j ü - d i s c h e!1 M i t b ii r g e 1׳ a!1 d i e h t e t. ')er Minister des Innern Talaat Bev hat schon anläßlich der Frage der Einbürgerung der fremden Juden im Ministerrat betont, daß die ottomanischen Juden schon während des Balkankrieges in hervorragender Weise ihre patriotischen Pflichten erfüllten. Sie haben dem ■türkischen Vaterland besonders wertvolle Hilfe geleistet. ״Ich bin dessen sicher,“ sagte■ der Minister, ,,daß nicht nur die Juden, die in der Türkei wohnen, sondern auch die Juden in anderen Staaten mit wahrhaften Sympathien dem türkischen Reiche zugetan sind und an seinem Geschick lebhaften Anteil nehmen.“ Auch der deutsche sowie der a!afrikanische Botschafter in Konstantinopel haben sich wiederholt energisch bemüht, die durch englische und französische Zeitungsberichte gezüchtete Verstimmung zu heseifigen. Die Studenten-Organisation ״Hechawer“ Kopenhagen, 2. April 1915. Die zionistische Studenten-Organisation Hec 11 a w e r, die die zionistischen Studenten unter den jüdischen .Hochschiilern aus Rußland organisiert hat und seil Beginn des Krieges naturgemäß eine schwere Erschütterung erleiden mußte, beginnt allmählich zu ihrer normalen, emsigen Tätigkeit zurückzukehren. Die Hauptschwierigkeit der Reorganisation der Vereinigung bestand darin, daß das Zentral-Kornite, das seinen Sitz in Berlin hatte, durch die Abreise seiner Mitglieder der Auflösung verfiel. Es gelang den leitenden Gesinnungsgenossen in den zionistisehen Studentenkreisen mit Ueberwindung aller Schwierigkeiten bald darauf im neutralen Genf eine außerordentliche Konferenz einzuberufen, die die erforderlichen Maßnahmen zur Erhaltung der Organisation getroffen hat. Gegenwärtig besteht die Organisation aus zwei Gesamt-Kartellen, schon auf freiem Felde, und trafen Sserel vor der Tür, ebenso ärmlich gekleidet wie vor sieben Jahren. Nur daß über ihr Gesicht ein Lächeln gebreitet war. Oer Fremde richtete min auch ihr seine Botschaft aus. Da antwortete sie, die sieben guten Jahre hätten für sie und ihren Mann noch nicht begönnen, da sie das Gold nicht als ihr eigenes betrachtet hätten. Nur was der Mensch mit seinen Händen sieh verdiene, sei sein. Ein Reichtum aber, der einem ohne Schweiß und nicht gesucht znfalle, sei bloß ein Gut, das der liebe Gott den Menschen anvertraut, damit sie den armen Leuten davon geben . . . Darum habe sie auch von dem Golde nur für das Ghedergcld genommen. Für Gottes Thora durfte sie schon von Gottes Gokle nehmen. Sonst habe sie aber für sich und ihr Haus nichts, gar nichts verwendet. Und wenn jetzt der liebe Gott einen besserer Verwahrer für sein Gold habe, na, dann solle er es eben nehmen und dem andern übergeben. Schweigend hörte der Prophet Elias die Rede des Weibes an. Dann verschwand er, um sie dem hohen Rate des Himmels mitzuteilen. Dieser aber fand, daß es keine bessern Verwahrer gebe als Tojwje und sein Weib. Und so hörten die sieben Jahre nicht auf, solange die beiden lebten.

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