Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 7 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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schlafGliche Fundierung, die der Marxismus der sozialistischen Bewegung gegeben hat, dem Ansturm der Zeit und der Gegner fest genug standgehalten hat, um ihr den Weg in die Zukunft und zum Siege zu. weisen. (Mit freundlicher Abdruckerlaubnis aus dem „Sozialistischen Literaturführer" 1928, herausgegeben vom Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit.) „BEGLEITENDE GESTALTEN«*) 10 'kleine Geschichten enthält das Buch vom Posnanski, aber es scheint, als ob es eine einzige Geschichte ist. Ganz gleichmäßig fließt durch alle Seiten der ruhige, weiche Ton des Erzählers. Menschen mit verschiedenen Naonen tauchen auf, alber sie scheinen alle zu einer Familie zu gehören. Keine Brüche, ikeine Spitzen, keine Abgründe. Geringe Handlungen, kein tragisches Zusammentreffen von Menschen. Eine stille, heimische Welt. Man muß das Buch ganz lanigsam lesen, darf die Worte nicht hastig trinken, sondern muß ihre weiche Lyrik langsam aufnehmen. Es gibt keinen schlechten Menschen in dieser Welt. Vielleicht kann es keine geben, wenn man joden Menschen versteht. Und Posnanski will den Menschen verstehen, „gilt <es doch allgemein, in dieser Welt uns zu verstehen". Oder will er die schlechten Menschen nicht sehen? Er spricht viel von Kindern, von Jungen und Mädchen. Und noch seine Erwachsenen sind oft wie Kinder. „Ein Kind hin ich, ein Kind, das noch Liebe verlangt, weich wie Wachs und sehnend," so sagt Jakob Sophir. Er will, daß die Menschen gut zu einander sind, daß sie sich liehen und — immer wieder — verstehen. Fast keiner versteht doch den andern, in unserer Welt herrscht Mißverstehen zwischen den Menschen, Mißverstehen an allen Edken und Enden. Und das nimmt allen Reichtum von der Welt und das ist ein großer Schmerz im Leben. Wie traurig wird dann die Melodie der Sprache Posnanskis! Es ist so auf der Welt, aber fast alle Menschen sind anders. Sie freuen sich, wenn sie einmal spüiren, daß es so etwas Gutes auf der Welt gibt, wie Liebe und Verstehen. Der kleine Schüler Nachum will dem Mädchen, in das er verlieht ist, zeigen,, daß er sie von ganzem Herzen versteht. Träumer sind seine Menschen. Immer haben sie die Sehnsucht nach fernen, fernen Welten und träumen von Dingen, die niemals waren. Und darum sind ihre Lieblingsstunden am Tag die Stunden der Dämmerung, wenn die Luft weich ist und Erinnerungen aufsteigen. Stunden, wo man nicht schläft, aber halbmüde ist. Alles ist da friedvoll und es kommt die Müdigkeit, die „an Süße nicht ihresgleichen hat". Am schönsten in dem Büchlein Posnanskis sind 2 Geschichten; die Geschichte einer Liebe zwischen einem Schüler und einer Schülerin „Die ersten Zweifel"; sie ist so reich, so einfach und rührend in ihrer Zärtüchikeit, diese ,,kleine Welt, über die weiche Musik gekommen ist". Und dann die Geschichte „Nach der Krankheit"; das wahre Thema für Posnanski, jene Zeit zu schildern, in der der Blick jedes Menschen, der genest, weicher wird. Die Nerven sind feinfühlig, < *) „Begleitende Gestalten", Nojvellen'band von M. Posnanski (hebräisch). Verlag „Hedim", TelrAviv. 235