Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 7 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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den; nennt man den Nutzien, den die Befriedigung des letzten Teilfoedürfnisses durch die verfügbare Menge des Gutes zu gewähren vermag, den Grenznutzen, so bestimmt dieser d<en Wert des Gutes für das betreffende Subjekt. Vom Zusammentreffen der Grenznutzwerte eines Gutes für alle Anbietenden und Nachfragenden hängt die Preisbildung auf dem Markt ab, mit der ailo Erscheinungen der Verkehrs Wirtschaft aufs engste verbunden sind. So liegt letzten Endes der subjektive Grenznutzen — und nicht ein objektiver Arbeitswert — als treibende Kraft allen wirtschaftlichen Vorgängen zugrunde. Der Schöpfer der Grenznutzentheorie, wenigstens auf deutschem Boden, ist Karl Menger. In seinem im Jahre 1871 erschienenen Werke „Grundsätze der Volkswirtschaftslehre" (Hölder-Pichler-Tempsky, 2. Auflage, Wien 1923) sind bereits alle grundlegenden Gedanken der Grenznutzentheorie enthalten. Seine Schule ist in der Behandlung des Wertprcblems kaum über ihn hinausgeschritten. Viel mehr Kopfzerbrechen machte ihr das Mehrwertproblem. Hier war es Eugen v. Böhm-Bawerk, der in seinem zweibändigen Werke, „Kapital und Kapitalzins" (I. Abt. „Geschichte und Kritik der Kapitalzinstheorien", Wagner'sehe Universitäts-Buchhandlung, Innsbruck, 2. Aufl. 1909, I. Abt. „Positive Theorie des Kapitals", 4. Aufl., Jena 1921) nach einer heftigen Kritik an allen andern Kapitalzinstheorien, insbesondere der Marx'schen Mehrwerttheorie, eine neue Theorie aufstellte, die den Mehrwert aus einem Wertunterschied zwischen gegenwärtigen und zukünftigen Gütern abzuleiten versuchte. Der Versuch Böhm- Bawerks ist gründlich gescheitert, so gründlich, daß seine Theorie selbst von den Grenznutzentheoretikern abgelehnt werden mußte. Andere Vertreter der österreichischen Schule, wie vor allem Wieser, haben andere Theorien über den Mehrwert aufgestellt, ohne aber zu einer wirklich befriedigenden Lösung gelangen zu können. Die Gesetze der Dynamik der kapitalistischen Wirtschaft schließlich wurden von der ersten Generation der grenznutztheoretischen Schule überhaupt nicht gesehen. Erst Josef Schumpeter hat in seinen Werken „Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie" (Duncker & Humblot. Leipzig 1908) und ..Die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung" (2. Auflage München und Leipzig 1925) die Entwicklungsgesetze der kapitalistischen Wirtschaft vom grenznutztheoretischen Standpunkt zu erforschen begonnen. Es hat der grenznutztheoretischen Schule an Kritikern nicht gefehlt, und es ist begreiflich, daß es vor allem die marxistische Schule war, die die werttheoretische Grundlage der österreichischen Schule angriff. Von den marxistischen Kritiken seien als die wichtigsten genannt: Eudolf Hilferding „Böhm-Bawerks Marxkritik" (Wiener Volksbuchhandlung), worin sich Hilferding im Kähmen einer Antikritik an Böhm-Bawerks Kritik der Arbeitswerttheorie mit der Grenznutzentheorie selbst auseinandersetzt; Gustav Ecksteins Aufsatz in der „Neuen Zeit" ,.Zur Methode der politischen Oefeonomie" (aufgenommen in das von Otto Jenssen herausgegebene Sammelwerk „Marxismus und Naturwissenschaft", Laub'sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1925), der sich besonders mit Schumoeter auseinandersetzt, und Bucharin ..Die politische Oekonomie des Rentiers** (Verl. f. Literatur und Politik Wien-Berlin 1926), die ausführlichste Kritik der. Grenznutztheorie, die sieh aber leider hauptsächlich auf Böhm-Bawerik und seine längst überwundene Kapitalzinstheorie beschränkt. 255