Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 7 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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in der Beurteilung der Probleme der Akkumulation und des Imperialismus keineswegs einig. Der Auffassung Hilferdings über die Entwicklungstendenzen der hoehkapit/alistischen Wirtschaft trat ein radikalerer Flügel entgegen, an dessen Spitze sich Rosa Luxemburg mit ihrem Werk „Die Akkumulation des Kapitals" (Franke, Leipzig 1921) stellte. Man kann dieses Werk von Rosa Luxemburg als den direkten Gegenpol zum „Finanzkapital" bezeichnen. Das „Finanzkapital" ging, gemeinsam mit Marx, von der Voraussetzung aus, daß die kapitalistische Wirtschaft rein ökonomisch imstande sei, alle ihre Akkumulationsprobleme zu lösen, allerdings nur durch das Korrektiv der Krisen; das logische Ende des Kapitalismus sah Hilferding dabei in einer Zusammenballumg alles Kapitals in finanzkapitalistischen Formen zu einem „General kartell". Im Gegensatz dazu glaubte Rcsta Luxemburg beweisen zu können, daß eine rein kapitalistische Wirtschaft das Akkumulationsproblem nicht zu lösen vermag. Nach ihr ist kapitalistische Wirtschaft nur so lange denkbar, als der Kapitalismus vorkapitalistische Sphären und Gebiete vorfindet, in der er die durch Akkumulation erzeugten Mehrprodukte abströmen lassen kann; sind alle vorkapitalistischen Gebiete aufgesogen, d. h. in kapitalistische verwandelt, dann bracht der Kapitalismus an seinen Widersprüchen zusammen. Die offensichtliche Fehlerhaftigkeit ihrer Beweisführung trug Rosa Luxemburg eine große Zahl ablehnender Kritiken ein, unter denen die Hilferdings und Otto Bauers in der „Neuen Zeit" die wichtigsten sind. Rosa Luxemburg beantwortete sie mit heftigen Gegenangriffen (im Anhang zur „Akkumulation des Kapitals"), die aber ihre eigene Position nicht verbesserten. Erst in neuester Zeit wurde der Versuch unternommen, die Grundgedanken der Luxemburgschen Akkumulationstheorie durch die Ausmerzung ihrer schlimmsten Fehtier zu retten und zur Grundlage einer Theorie des Imperialismus zu machen. Es geschah dies in dem Werk von Fritz Sternberg "Der Imperialismus" (Malik-Verlag, Berlin 1926) 7). Ob aber der Versuch gelungen ist, ist eine andere Frage, die zu untersuchen hier zu weit führen würde. Es sei nur auf die Kritik verwiesen, die in meiner Schrift „Die Entwicklungstendenzen der kapitalistischen Wirtschaft" (E. Laub'scke Verlagsbuchhandlung, Berlin 1927) an Rosa Luxemburg und insbesondere.an Sternberg geübt wird. Die eben geschilderten Kämpfe spielten sich durchwegs auf dem Boden der Marx'sehen Theorie, auf der Basis der Arbeitswerttheorie ab. Aber bereits zu Lebzeiten Karl Marx' entstand eine Schule, die die Basis des ganzen Marx'sehen ökonomischen Gebäudes, die Arbeitswerttheorie selbst, zu zierstören versuchte, indem sie ihr eine verfeinerte subjektive Werttheorie entgegenstellte, die Schule der Grenznutztheoretiker, auch österreichische Schule genannt Die Grenznutzentheorie geht von folgenden, unschwer faßbarem Grundgedanken aus: je größer die Menge ist, die jemandem von einem bestimmten Gut zur Verfügung steht, desto mehr und desto unwichtigere Bedürfnisse können durch seinen Besitz befriedigt wer- 7) Sternberg kombiniert den Marxismus mit Elementen der Oppenheimenschen Theorie, die den Mehrwert auch aus der Ausbeutung erklärt, aber andere Wurzeln der Ausbeutung sucht als Marx Das ökonomische Hauptwerk Franz Oppenheimers ist die „Theorie der reinen und politischen Oekonomie" (Belin 1910). 232