Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1930-12-01 · Heft 7 (Dezember 1930) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 7 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3497353-3497367-3497374--721-3498139
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

der Tauschwert der Arbeitskraft ist ^raadsätzJäeh niedriger als der Wert, den der Arbeiter sohaff<t und der dem Unternehmer zufällt. Sind ähnliche Gedanken, wenn auch noch nie so scharf formuliert und — im Kähmen einer Werttheorie — so überzeugend begründet, aucih schon von früheren Theoretikern ausgesprochen worden, so war es doch Marx vorbehalten, aus dem Mehrwertgesetz die ganze elementare (Dynamik der kapitalistischen Wirtschaft mit zwingender Logik abzuleiten — eine Leistung, die (keinem anderen Theoretiker vorher oder nachher jemals gelungen ist. Wie der Mehrwert einerseits zur Grundlage der Akkumulation des Kapitals, andererseits zur Triebkraft der Konzentration des Kapitals wird, wie parallel zur Entwicklung und Zusammenbailiung des Kapitals sich das Proletariat entwickelt, zusammenballt und organisiert, wie die Gegensätze der polar zusammengeballten Klassen und die Widersprüche der (kapitalistischen Wirtschaft wachsen müssen bis zu dem Punkte, wo die Quantität der Gegensätze und Widersprüche umschlagen muß in die Qualität einer neuen Gesellsohaftsordnuiug, diesem ganzen, sich vor unseren Augen abspielenden Drama der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwidklung konnte kein landerer Denier auf die Spur kommen als der Schöpfer der materialistischen Geschichtsauffassung, Karl Marx. Wert- und Mehrwerttheorie von Marx bilden ein in sich geschlossenes System, das akzeptiert oder abgelehnt, kaum aber weiter ausgebaut werden kann. Die marxistische Schule hat sich daher im allgemeinen damit begnügt, die Wert- und Mehrwerttheorie von Marx zu übernehmen, ohne weiter an ihr zu bauen5). Hingegen bot die stürmisch fortschreitende Entwicklung der kapitalistischen Verhältnisse dem aufmerksamen Beobachter eine Fülle neuer Erscheinunigen und Probleme dar, an denen die marxistische Schule die Fruchtbarkeit der Marx'schen Gesetze der Dynamik prüfen und mit Erfolg anwenden konnte. Das Schwergewicht ihrer Arbeit verlegte die marxistische Schule daibei in die Untersuchung der Probleme der Konzentration und des Imperialismus, deren theoretische Durchdringung schon die Notwendigkeit der Klärung der Tageskämpfe und -aufgaben der sozialistischen Arbeiterschaft erzwang. Das bedeutendste ökonomische Werk der marxistischen Schule, das der Lösung dieser Probleme gewidmet war, ist „Das Finanzkapital" von Eudolf Hiäferding (Wiener Volksbuchhandlung, 2. Auflage 1923). Dieses Werk ist so grundlegend für die marxistische Einstellung zu allen Erscheinungen der hoohkapitalistischen Aera, wie dem Aktienwesen, Banfe- und Börsenwesen, Kartellen und Trusts und dem Imperialismus, daß man es mit Recht als den „vierten Band des Kapitals" bezeichnen durfte6). Die marxistische Schule blieb sich aber 5) Eine gewisse Ausnahme bildet die Schrift von Tatiana Grigorovici „Die Wertlehre bei Marx und Lassalle" (Wiener Volksbuchhandlung 1910), die den Problemen tiefer nachschürft, die die Marx'sche Werttheorie in sich birgt. 6) Eine leichter verständliche Behandlung der Fragen, die im „Finanzkapital" untersucht werden, und in derselben Grundeinstellung findet man im Werk Karl Renners „Die Wirtschaft als Gesamtprozeß und die Sozialisierung, populärwissenschaftlich dargestellt nach Karl Marx' System" (J. H. W. Dietz Nachf., Berlin 1924); eine noch einfachere Darstellung, besonders des (umstrittenen Krisenproblems in der Broschüre von Benedikt Kautsky „Wirtschaftsprobleme der Gegenwart4* (Wiener Volksbuchhandlung, 2. Aufl. 1924). 251

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.