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Der junge Jude · 1930-12-01 · Heft 7 (Dezember 1930) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 7 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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für -vieles der Kwuzah, aber ich bin auch für die einzelne Wohnung, für den intimeren Kaum, der unbedingt an die Stelle des Hordenspeisesaals treten muß, der nicht annähernd sozialistisch, der kasernenmäßig ist und das Denken unmöglich macht. Ich weiß, daß das oft „nur" eine Geldfrage ist, aber das ist eben das entscheidende: zum Kollektivismus der Art gehören mehr Mittel, sonst wird er primitiv und psychologisch unhaltbar sein. Sehr viel ajnders ist das schon in Ben Schemen, wo der Speisesaal z. B. viel individueller angelegt ist, wo mehrere Speisesäle bestehen und die große schöne Gemeinschaft in Gruppen eingeteilt ist. Das Individuum muß innerhalb der Gemeinschaft zur Entfaltung kommen können. Dazu gehört die eigene Zeitung, das eigene Buch, dazu gehören die eigenen Wohnräume und anderes mehr. Der moderne Sozialismus wird, wir Kautsky irgendwo ausführte, kollektiv nicht im Genießen, sondern in der Produktion sein. Der moderne Sozialismus, der eine entwickelte Technik und Industrie vorfindet, bat es nicht nötig, mit den Zeitungen und Büchern in der Weise zu sparen, daß in jedem Haus (oder in jieder Siedlung) z. B. nur ein Trotzki, nur wenige Exemplare der Tageszeitung sind, sondern wird in der Lage sein, auch dem Individuum je ein Exemplar von dem Buch zukommen zu lassen, das er begehrt, mit dem er arbeiten, das er genießen will. Und vieles andere hier nicht mehr Ausführbare wäre gegen diesen 'Kollektivismus (einzuwenden. Das scheint mir denn auch der Grund zu sein, daß der Moschaw owdim entstand, das ist auch der Grund für die verbreitete Abneigung gegen die Kwuzah, das ist auch der Grund dafür, daß z. B. gamicht asoziale Arbeiter in die Stadt oder zur Lohnarbeit flüchten uuid sich in der Kommune nicht wohl fühlen. Die Koimmune der Zukiinft wird und muß anders aussehen. Die Kommune in Palästina ist eine Notwendigkeit, geboren aus den primitiven Verhältnissen der Vergangenheit, der Gegenwart und vielleicht noch der nahen Zukunft. Sie ist aber nicht ideal, wenn sie auch viel Ideales hat. Aber nicht immer ist der Fortschritt bei ihr, obwohl die Kwuzah das fortgeschrittenste Element des zionistischen Aufbaues ist. Daß sich z- B. die Frauen in Palästina garnicht um die Geburtenregelung kümmern, daß sich keine gesellschaftliche Begelung dieser Fragen durchführen läßt, ja, daß majn fast ängstlich vermeidet über diese Probleme zu reden, gehört zu den wenig erfreuliehen Dingen der Kwuzah und des Moschaw. Hier können nur unterbewußt religiöse Nachwirkungen verantwortlich gemacht werden. Ein Zeichen dafür, wie tief die Eeligion sitzt... England und die Juden wäre ein Artikel für sieh. Die Juden und die Araber ebenfalls. Ich hörte von den Kämpfen und sprach mit wütenden Arabern. Ich glaube, die arabische Bewegung ist mehr als eine Bewegung der Effencüs, wie alle orientalischen Revolutionen mehr sind als Bewegungen von Herren. In den Siedlungen herrschte zu meiner Zeit Trauer. Die Einwanderung war gesperrt. Hier sind wir bei Fragen, die die stärksten Zweifel hervorriefen. Das sind Eure Schmerzen und waren auoh die meinigen. Hier kann nicht weiter darüber gesprochen werden, wenngleich es auch Lebensfragen sind. Ich bin schon wieder in Deutschland, aber meine Wanderung geht weiter durch Zweifel. Mein Herz ist bei den Genossen in Palästina, aber mein Hirn will nicht immer recht mit. 227

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