Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 7 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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heißt* darin zu leben. Ete gibt sicher viel ungemein.Wertvolles in den Kommunen, die Erziehung der Kinder ist im allgemeinen begeisternd, die geselkelmftliche Gleictetelliiiig der Frau ist erfreulich, wenn auch hier viel zu kritisieren ist, und 'vieles andere gilt mir von vornherein als energischer WiHe zur Lösung gesellschaftlicher Fragen unserer Gegenwart. Aber wird so der Sozialismus der Zukunft aussehen? Ich komme immer mehr zu der Erkenntnis: Nein! So sah der Sozialismus der Vergangenheit aus. Alles daß, was in den Siedlungen wesentliches geschieht, geschah schon bei den Oneidas,, bei den Iraniern, geschah in der Amianagemeinde, in der Gesellschaft „Harmony" und in anderen Sektierergenieinden. Freilich nie in solchem Ausmaß, nach den Berichten der damaligen Zeit auch nicht immer so erfolgreich, aber im Prinzip geschah das alles. Die Kinder wurden gemeinsam erzogen,, wenn aus religiösen Griünden nicht die Ehe untersagt war. Auch die Beziehungen zwischen Männern und Frauen waren hier und dort so. frei wie in Palästina. Der Gedanke der Gleichheit beherrschte die Menschen und ihre Siedlungen. Viele Versuche seheitertein, viele endeten {kapitalistisch, andere vergingen mit ihrem Oberhaupt, der die Siedler nur noch unter Schwierigkeiten zusammenhalten konnte. Und manche Gruppen sind ausgezogen umd dachten nicht daran, kollektiv zu siedeln. Die; Not wendigkeit war es meiner Meinung nach in Palästina, die idie Kollektivs hervorrief. In mancher Schrift wird das auch ausgesprochen. Das Problem der Arbeitslosigkeit und andere Dinge spielten neben der strategischen Bedeutung eine Eolle. Gut, also könnte man ja sagen1: «die Siedlungen sind sozialistisch, aber nur aus Notwendigkeit. Aber was würde dieses „nur aus Notwendigkeit" denn besagen? Ist der Sozialismus nicht überhaupt ,^nur eine Notwendigkeit?" Das ist meine TJeberzeugung, und zugleich der Grund, warum ich Sozialist bin, und warum ich den Sozialismus für kein Hirngespinst halte, das nur durch die Güte der Menschen verwirklicht werden kann. Also: eine Notwendigkeit ist der Sozialismus auch in Europa! Und warum erfüllt die Bourgeoisie diese Notwendigkeit in Europa nicht? Die Antwort ist einfach. Täte sie es, dann hätte sich die Bourgeoisie selbst aufgehoben. — Und in Palästina? Ist die Siedlung von heute Macht und Arbeitereinfluß?? Sicher in hohem Maße, aber nicht entscheidend. Müssen die Siedlungen durch die (kapitalistische Entwicklung in Palästina vernichtet werden? Das glaube ich nicht mehr, nachdem ich sah, daß das Leiben der Chaluzim in dem Kwuzoth viel einfacher, wenn auch leichter als das der Siedler in den Mosehwe owdim ist. Die Kwuzah lebt ärmlicher, kasernierter, schabionisierter, weniger individuell, ist billiger umd hält sich ökonomisch eher als der Moschaw owdim. Also sozialistischer? Ja! Aber sozialistisch im Sinne von Fourier und Saint Simon, kommunistisch im Sinne der Essäer und anderer Gruppen von Menschen mit hohem sozialen Bewußtsein. Aber nicht kommunistisch im Sinne des modernen Sozialismus von Marx und Engels. Das soll kein Werturteil, sondern eine Feststellung sein Die Kwuzah ist kein ökonomisches, sondern ein psychologisches Problem. Zum Moschaw gingen nicht die asozialen Pioniere über, er entsprang keinen individualistischen, sondern scheinbar doch ganz gerechten individuellen Bedürfnissen. Ich würde nicht im Moschaw owdim leben, denn er ist wieder zu viel Einzelhaushalt, die Arbeit des Hauses lastet zu sehr auf der Familie. Ich bin für die gemeinsame Küche, für die gemeinsame Erziehung, 226