Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 7 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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bewahrend Wir haben mit der letzten Alijah manche traurige Erfahrungen gemacht. Merkwürdig! Nicht diese und ähnliche Fragen standen im Mittelpunkt der Tagung (wenn sie auch in Kesolutionen behandelt wurden), sondern ein sektiererischer Kampf, der in seiner Heftigkeit an die fanatischen Kämpfe unter gesellschaftlich Ohnmächtigen erinnerte: Ein Kampf der Ideologie des Kibbuz Arzi des Haschomer Hazair gegen die der Vereinigten Arbeiterpartei. Schon diese Gegenüberstellung ist etwas sonderbar. Es handelte sich nicht etwa in erster Linie um eine Gegenüberstellung zum Kibbuz Meuchad, sondern zur Partei; es war also nicht die Frage des gesellschaftlichen Aufbaues des Kollektivs (diese wird erst mit dem Wachstum der angesiedelten Wirtschaften des Kibbuz Arzi aikuter), sondern eine politische Frage. Der Kibbuz Arzi vertritt bekanntlich die ,.svnthetisehe" Auffassung, daß «ein Kibbuz, eine Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft, nur dann erfolgreich sein könne, wenn er auch eine ideologisch und politisch homogene Einheit darstellt. Der Kibbuz Arzi erklärt, er könne nur dann in die Partei eintreten, wenn ihm ideologische und politische Autonomie gewährt würde d. h. seine Mitglieder müßten innerhalb der Partei jeweils jene Stellung einnehmen, die der Haschomer Hazair beschließt. Das hieße aber, daß die ideologische Homogenität nur ein Postulat nach außen, nicht aber eine Tatsache im Innern ist. Wer mit seiner Ansicht innerhalb des Hasehomer Haz-air in der Minorität ist, darf sie außerhalb desselben nicht äußern. Das ist nicht ein Zeichen der vorhandenen, ,.synthetisehen" Homogenität, sondern Ausdruck des Bedürfnisses, sie künstlich herzustellen. Neben dem Gesagten aber gibt es noch akute politische Hindernisse für ein Zusammengehen mit der Partei. Es wurden Bedingurlgen für den Eintritt in die Partei aufgestellt, so die Parole des kompromißlosen Klassenkampfes und die Verstärkung der gemeinsamen Organisation mit dem arabischen Arbeiter (Irgun meschutaf). Versuchen wir nun, diese abstrakte Parole auf ihre konkrete Anwendbarkeit zu prüfen. Die Parole des Klassenkampfes ist als Ausdruck der Tatsache des Kampfes des jüdischen Arbeiters um einen größeren Anteil am Sozialprodukt und der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens zu bejahen und wir finden sie — wenn auch mit anderen Worten — auch im Programm der Partei. Aber kann zum Beispiel — und hiergegen eigentlich richtet sich ja die ideologische Opposition des Haschomer Hazair — der Lohnkampf in den Pflanzungskolonien ».kompromißlos", d. h. nur mit dem Mittel des Streiks unter Verneinung des gemeinsamen Arbeitsnachweises, der Einmischung nationaler Instanzen, vor sich gehen? Zumal in einem Lande, wo es eine erdrückende BeRervearmee von arabischen Lohndrückern inner- und außerhalb der Landesgrenzen gibt. Ist nicht gerade die auch vom Kibbuz Arzi postulierte Kooperation mit der Bourgeoisie ein Beweis für den Zwang des Kompromisses, ein Beweis dafür, daß die Tatsächlichkeit unseres Lebens zur Zusammenarbeit mit dem Bürgertum zwingt, auch wenn unsere Ideologie revolutionär ist. Und ist es ehrlich der — häufig eintretenden — Praxis der Kooperation — die revolutionäre Ideologie gegenüberzustellen? Würden wir einerseits Ideologie gegen Ideologie und andererseits Praxis gegen Praxis stellen, wäre es sehr schwer. TTnterschiedie in der letzteren zwischen dem Häsehomer Hazair und der Partei zu finden. 220