Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 7 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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trennende Ideologien züchtet, wo die Eealität schon längst zur einheitlichen Erkenntnis und Tat verpflichten sollte. Die Träger des neuen Geistes zu sein, ist die wahre Aufgabe einer .innigen sozialistischen Generation. Für sie ist das Vergangene — Geschichte. Ihr Gefühl und ihr Geist steht der neuen Eealität unbeschwert gegenüber. Die Einheit der Arbeiterbewegung löst an sich allein noch nicht die ungeheuren Aufgaben, die vor unserer Generation stehen. Aber sie macht diese Lösung möglich. Sie ist die moralische und die politische Voraussetzung. J1ZCHAK TABENK1N: AUFGABEN DER CHALUZBEWEGÜNG IN DER GEGENWÄRTIGEN STUNDE. (Aus einer Kede auf der Weltkonferenz des Hechaluz.) Neue Dinge gibt es nicht für den Hechaluz soweit es den Inhalt und das Wesen der Bewegung angeht; Ihre Werte, ihr Wesen, ihr Inhalt blieben die gleichen, es änderten sich lediglich die Bedingungen. Das aber ist das wichtigste für eine Bewegung, daß sie erkennt, was in all den Jahren, ihr er Existenz wesenhaft unveränderlich blieb. Dies ihr Wesen, diese Werte die Lebensinhalt und Lebensweg für den Einzelnen im Hechaluz bestimmen, — sie sind es, die dieser Bewegung nationalen und sozialen Gehalt verleihen. Die Fortentwicklung dieser Werte, die uns einst Kraft und Stärke gaben, und ihren dauernden Bestand müssen wir nachzuweisen suchen, wenn wir die Absicht haben, ein Pazit zu ziehen und unsere Aufgaben in Einklang mit unseren gegenwärtigen Eixstenzbedingungen zu umreißen. All diese Werte: die Beziehung zum Lande, zum Volke, zur Gesellschaft, zum Kibbuz. zur Arbeit, zur Sprache, — all dies stammt noch aus der Entstehungsperiode der Chaluzbeweguing, noch aus den Tagen der zweiten Alijah. Aber im Laufe dieser Jahre, seit der Danziger Konferenz, entwickelte sich die Bewegung, und man konnte eine deutliche Aenderung in ihrer Zusammensetzung konstatieren. Schon einstmals, in der stolzen Zeit der vierten Alijah sprachen wir davon, daß wir uns einem Zeitpunkt näherten, wo wir zu einer Massenbewegung würden, — allein, damals trat das noch nicht ein. Und die wesentlichste Wandlung, die seit jener Zeit im Hechaluz vor sich gegangen ist, besteht in dem klaren Massencharakter der Bewegung im Augenblick. Das bezieht sich nicht nur auf die Quantität —, obwohl sich auch der Mitgliederbestand in diesen Jahren verdreifacht hat. Die Aenderung kommt vor allem in der Zusammensetzung des Menschenmaterials zum Ausdruck, darin, daß zu uns der Mensch der Masse, der einfache Mann kommt, der früher in unserer Bewegung fehlte. Bei uns war früher stets der Chaluz ein außergewöhnlicher, außerordentlicher Mensch aus der jüdischen Intelligenz. Und heute ist die Chaluzbewegung zu einer Massenbewegung geworden. Allüberall kamn man den neuen Typus aus den unteren Volksschichten sehen. Es ist der einfache, gewöhnliche Mensch, der sich in Klossowa*) und in jedem anderen Hachscharahzentrum findet. Auch der Typus *) Name eines Ortes in Polen, an dem Hunderte von Chaluzim im Steinbruch arbeiten. 216