Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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liehen Ausstoßung wieder und wieder jüdische Volksmassen vor die Tore Palästinas schleudert. Das Erwachen des jüdischen Volkes zum nationalen Selbstbewußtsein und Palästina als der Ort, an dem sich dieses Selbstbewußtsein gestaltet, sind Wirklichkeit geworden. Nur unter Voraussetzung dieser bestehenden Wirklichkeit dürfen wir — auch das mag als ein Ergebnis der Aussprache genannt werden — an alle politischen und wirtschaftlichen Aufbauprobleme herangehen. Es mußte notgedrungen «so kommen, daß neben «den genannten Fragen andere wichtige nicht zur Sprache kommen konnten. Die Aussprache über die Fragen der Kibuziuth zeigte in ihrer Behandlung deutlich, daß sie von vielen nicht als zentral empfunden wurden. Und das ist sehr zu bedauern. Ohne Frage wird es Aufgabe der nächsten Zeit sein, unsere Stellung zu den großen, allgemeinen Forderungen der Kibuzbewegung im Lande zu überdenken. Unsere innige Verbundenheit mit Erez Israel hat sich immer darifri gezeigt, daß wir in (unserer Arbeit mit aller Kraft bestrebt waren, die geographische Isolierung zu überwinden. Sie wird sich nächstens auch darin zu zeigen haben, daß wir in aller Klarheit unsere Beziehung »zu jenem bedeutsamen Faktor im Aufbau — zur Kibuzbewegung — feststellen. Der Bundestag konnte diese Aufgabe noch nicht erfüllen. Man wird immer ein falsches Bild von einem Bundestage gewinnen, wenn man meint, die prinzipielle Aussprache sei .sein allein wesentlicher Inhalt. Dem ist bei weitem nicht so. Leben und Treiben zwischen den Sitzungen, Spiel und Singen, Eröffnung und Feier — das alles hat seinen wichtigen Platz. Gerade von dieser Seite gesehen, bot der Bundestag ein überaus erfreuliches Bild. Zunächst war man immer wieder erstaunt, so viele neue Gesichter zu sehen. Alte Bundestagsveteranen, deren Stolz es war, jeden zu kennen, versagten hier ob der vielen Unbekannten. Daß die alte Mißachtung der „Embleme44 im Schwinden begriffen is.t, zeigte sich an den zahlreichen Wimpeln und Fahnen, die mit ihrem leuchtenden Rot das Bild des Bundestags beleibten. Am ersten Abend die Eröffnungsfeier im Steinbruch. Im langen Zug, die Fahnen an der Spitze, war man bergan gezogen. Auf den schroffen Felsabhängen, die den Platz umgaben, ließen sich die Einzelnen nieder. Ein buntes, bewegtes Bild. In der Mitte des Platzes stehen im Halbkreise der Chor und in gerader Reihe die Fahnenträger, die ihre Fahnen und Wimpeln hoch im Winde wehen lassen. Im Stehen wird die Internationale — hebräisch — gesungen, dann folgt die Eröffnungsrede. Von den Erschütterungen des vergangenen Jahres handelt sie und unserem Bereitsein für die Aufgaben der Zunkunft. Man denkt bei gesenkten Fahnen der Toten des verflossenen Jahres. Hierauf setzt der Chor mit seinen Liedern ein, bevor Rubaschow im Namen der Histadruth den Bundestag begrüßt. Er beginnt seinen Gruß hebräisch, in einer Sprache, deren Musik von den Felswänden widerhallt, und endet ihn deutsch. Noch einige Lieder und der lange Zug formiert sich zum Abstieg. Die eigentliche Bundesfeier am Dienstag abend dann war ihrem Inhalte nach reicher. Alte und neue Chorlieder wechselten mit den Melodien der Geige. Ausdrucksstark und gefühlsecht die beiden hebräischen Sprachchöre, deren einer einen Teil der Schöpfungsgeschichte aus dem Tenach brachte. Der andere führte bei glücklicher Ausnützung der Umgebung des Steinbruchs eindrucksvolle Szenen aus Lamdans' „Massada" auf. Im gemeinsamen Gesang und der großen Horra um das Feuer endete dann der Abend. Mein Bericht wäre unvollkommen, wenn ich nicht auch der Teilnahme Rubaschows gedächte, der sich mit zwei Referaten an der Arbeit des Bundestages beteiligte. Seine tiefe Darstellungsweise, seifeie überzeugenden Analysen der Erscheinungen gaben utos viel. Die, die ihn ganz hörten, sehen heute viel klarer, unverhüllter — i*i der Araberfrage, in der Entsstöbungsgeschichte der Ereignisse und den Grundfragen unserem Wollens in Palästina überhaupt. 167