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Der junge Jude · 1930-10-01 · Heft 5 (Oktober 1930) · page 24

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 5 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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der sich erst seit zwei Jahren zionistischer Bund nannte, eine wertvolle Bereicherung. Gab es auch schon vor jenem Bundestage Chaluzim im JJWB„ schuf doch im Empfinden «des Bundes erst der Hohe Meißner den Chaluzbund JJWB., als welcher er dann in den kommenden Jahren weiterlebte und arbeitete. Fünf Jahre sind unterdes vergangen, von dem ersten Bundestage des vereinigten großen Bundes bis zu dem Bundestage auf dem Hohen Meißner, von dem wir heute sprechen wollen. Nicht mehr die Grundfragen eines chaluzischen Bundes waren es, in denen man auf dem Bundestage Klärung erwartete. Die Grundlagen des Bundes, die sich in den fünf vergangenen Jahren mehr und mehr gefestigt haben, nicht zuletzt beeinflußt vom der Existenz einer geschlossenen Chaluzgruppe im Lande, sie wurden in den Aussprachen des Bundestages nicht berührt. Doch es ist nur eine natürliche Erscheinung, daß ein Jugendbund nicht bei einem bestimmten Punkte seiner Entwicklung stehen »bleibt. Hatte den JJWB. in den ersten Jahren seiner zionistischen Entwicklung eine starke Tendenz zur Radikalität des Tuns zur Ghaluziuth gebracht, so mußte folgerichtig in einer späteren Zeit — nicht mehr so stark von der jugendlichen Unbedingtheit des Wollens als dem Erlebnis der Realität bestimmt — eine mehr rationale Beschäftigung mit den Voraussetzungen — politischer und wirtschaftlicher Natur — -unserer Ghaluziuth, unseres sozialistischen Zionismus einsetzen. Diese Stufen der Entwicklung sind äußerst charakteristisch für «die chaluzische Jugendbewegung, sind deutlich sichtbar z. B.: auch in der Geschichte des Haschomer Hazair. So ist es zu erklären, daß auf der Tagesordnung und im Mittelpunkte der Diskussion dieses unseres Bundestages Fragen, wie Araberpolitik standen. Es ist ein gutes Zeichen, daß der Bund Erörterung und X-ösung dieser und benachbarter Fragen nicht den zuständigen Instanzen überläßt, daß er es sich nicht erspart, sich mit allen den Problemen, die sich aus den Notwendigkeiten des Palästinaaufbaues ergeben, herumzuschlagen. Kommt noch hinzu, daß das Bewußtsein lebendig bleibt, daß diese Diskussionen, so wichtig und notwendig sie sind, doch nicht den Kern der Bundesarbeit ausmachen, daß vor idem Bunde vor allem große und schwere Erziehungsarbeiten stehen, so kann man mit dem „ideologischen"' Teil des Bundestages wohl zufrieden sein. Von allen wurde die Notwendigkeit einer gründlichen ideologischen Aussprache verspürt. Und da man ohne Rücksicht auf alle anderen Pläne der Aussprache eine maximale zeitliche Ausdehnungsmöglichkeit gab, konnte sie auch — was man sonst selten von Diskussionen behaupten kann — ein Spiegelbild der Anschauungen und Stimmungen im Bunde geben. Wie steht es mit unserem Rechte auf Palästina? Können wir in Palästina sein, ohne Araber zu schädigen und zu verdrängen? Ist die Forderung des Kibusch Awodah eine gerechtfertigte? Diese Fragen, zusammen mit der anderen, ob alles geschehen ist und geschieht, um das Recht unseres arabischen Nachbarn nicht (zu verletzen, standen hinter der Aussprache am Bundestage. Mit viel Leidenschaft haben wir in den vergangenen Monaten über diese Fragen gestritten. Es war nicht immer möglich gewesen, in den Grenzen einer „sachlichen" Auseinandersetzung zu bleiben. Stand doch auf der einen Seite ein Gefühl, die Zweifler und Kritisierenden trügen Unglauben ain -die Berechtigung unseres Werkes in die Bewegung, wären nicht letztlich erfüllt von der ungeheuren (Dringlichkeit der Judenfrage, und auf der anderen Seite der Unwillen, daß man auf all die schweren Zweifel keine Antwort bekam, ja, daß man die Berechtigung dieser Zweifel abstritt. Die Sache, um die es ging, war uns allen zu nahe, als daß wir sie allein mit der Ratio hätten betrachten können. Manches vermochte die Aussprache sicherlich zu klären. Sie konnte deutlich machen, daß das Dilemma, „wir oder die Araber1', nicht besteht. Konnte aufzeigen, daß mit Palästina das Schicksal der Judenschaft heute steht oder fällt und daß die Entscheidung über den Fortgang des Aufbauwerkes heute schon nicht mehr in einer theoretischen Erörterung getroffen werden kann, daß vielmehr der historische Prozeß der wirtschaft- 166

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