Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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oberste Instanz der sieh selbstverwaltenden Jugendgemeinschaft sind zu Symbolen neuer Erziehung geworden. Wie wird man nun in Ben-Schemen diesen Prinzipien gerecht? Grundlage der Erziehung ist sowohl in der Chewrath Hanoar, als auch in der Che wrath-Ha jeladim der Meschek, die eigene Wirtschaft, welche die wichtigsten Zweige der Landwirtschaft umfaßt (Ackerbau, Pflanzungen, Gemüsegärtnerei, Milchwirtschaft, Geflügelzucht). Die Arbeit in der Landwirschaft füllt in der Chewrath Hanoar den größten Teil des Tages aus und zwar so, daß die 14jähr. 4 Stunden, die 15jährigen 5 Stunden usw., die 18jährigen 8 Stunden täglich arbeiten. Die sukzessive Eingliederung in die Arbeiterschaft hat den großen Vorteil, daß sie den Jugendlichen weit größere Muße und Entwicklungsmöglichkeiten gibt, als dies bei der arbeitenden Jugend, welche mit 14 Jahren voll in den Arbeitsprozeß eintritt, der Fall ist, ohne ihr jedoch das Privilegium der verlängerten Jugendperiode, wie es die bürgerliche studierende Jugend genießt, zu gewähren. In der Zeit außer der Arbeit finden TJnterrichtskurse statt, an welchen sich die Jugendlichen je nach ihren Interessengebieten beteiligen. Die einzelnen Wirtschaftszweige stehen unter der Leitung von Fachleuten oder geschulten Arbeitern, jedoch wird die Arbeit jedes Zweiges vom diesbezüglichen Fachmann und dem in diesem Zweige arbeitenden Jugendlichen geregelt. Ebenso nehmen an der Leitung der Gesamtwirtschaft, welche außer dem Betriebe auch die kommerziellen Aufgaben umfaßt, außer den Leitern der Wirtschaftszweige auch die Vertreter der Jugendlichen teil. Die Chewrath Hanoar besteht aus zwei Kwuzoth. Jede Kwuzah hat ein eigenes Haus (oder auch mehrere) mit eigener Küche. Mit jeder Kwuzah leben zwei Erzieher. Nur das Mittagessen und am Erew Schabbath auch das Abendessen nehmen beide Kwuzoth im gemeinsamen Speiseraum zusammen ein. Für die Bereitung dieser Mahlzeiten dient auch eine eigene Küche. Diese Einteilung erscheint vom rein wirtschaftlichen Standpunkt gewiß als sehr kostspielig und luxuriös Die pädagogische Erwägung, welche ihr zu Grunde liegt, geht von der Tatsache aus, daß eine Jugendgemeinschaft, in welcher die Jugendlichen zur vollen Aktivität gelangen sollen, in ihrem Umfange beschränkt sein muß. Um jedoch auch die Erkenntnis des die Gruppen einigenden Ganzen im Bewußtsein der Jugendlichen zu stärken, wurden die gemeinsamen Mahlzeiten eingeführt. Es ist übrigens ein interessantes, erst zu erforschendes Problem, inwi^fprn 'die Mehrkosten der Dezentralisierung kompensiert werden können durch eine höhere Wirtschaftlichkeit in den übersichtlicheren kleineren Gruppen. Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei noch klargestellt, daß die Kwuzoth keine Arbeitsgruppen sind, sondern Sympathiegruppen außerhalb der Arbeitszeit. Das ist zweifellos ein gewisser Mangel, der jedoch begründet ist, in der zahlenmäßigen Kleinheit der Siedlung überhaupt. Um eine pädagogische, voll befriedigende Gruppenbildung nach dem Gesichtspunkte der Arbeit, der Sympathie, der sonstigen Interessen zu ermöglichen, müßte eine .solche Siedlung mehrere hunderte von Menschen zählen. Berthold Otto („Die Zukunftsschule") postuliert sogar eine Jugendgemeinschaft von mehreren Tausenden. Auch in der Chewrath Jeladim ist die Arbeit in der eigenen Wirtschaft die Grundlage der ganzen Erziehung. Die Wirtschaft der Chewrath Jeladim, welche von der großen Wirscbaft der Chewrath Hanoar vollkommen getrennt ist, umfaßt gleichfalls, wenn auch in 164