Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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fortlaufenden Erhaltungskosten werden von einer eigenen Organisation aufgebracht. Heute zählt das Jugenddorf etwa 2(0 Kinder. Es wird noch erweitert werden, doch sind der Erweiterung aus finanziellen Gründen vorläufig recht enge Grenzen gesetzt. Die Siedlung zerfällt in den Kindergarten, die Uebergangsstufe (von 5—7 Jahren), die Chewrath-Jeladim (Kindergemeinschaft von 7—13 Jahren) und die Chewrath Hanoar (Jugendgemeinschaft bis zu 17, 18 Jahren). Außer den aus Europa hergebrachten Waisen werden hier auch palästinensische Kinder erzogen, die insbesondere auf Grund von Empfehlungen der Histadruth Hanoar Haowed (Organisation der Arbeiterjugend) aufgenommen werden. Ben-Schemen ist der Versuch einer Produktionsschule. Das bedeutet vor allem, daß die Arbeit hier als ein integraler Bestandteil, ja als 'die Grundlage der Erziehung aufgefaßt wird. Dies nicht etwa im Sinne der Schulreformer, wie Kerschensteiner u. a., welche gleichfalls „Arbeitsschule" propagieren; worunter Kerschensteiner versteht, daß die Selbstarbeit des Kindes als didaktisches Prinzip gelten soll, d. h„ daß den Kindern nicht von autoritativer Seite (Lehrer) Wissen vermittelt werden soll, welches sie im Vertrauen auf die Autorität als gültig hinnehmen (Lernschule), sondern daß sie ihr Wissen mit Hilfe und unter Anleitung des Lehrers selbst erarbeiten, wobei natürlich manuelle Arbeit eines der wichtigsten Hilfsmittel ist. Die Produkionsschule hingegen geht nicht lediglich vom didaktischen Gesichtspunkt aus. Ihre grundlegende Erkenntnis ist die soziale Bedingtheit jeder Erziehung. Bei voller Anerkennung des Selbst wertes der Jugend kann sie sich einfach der Tatsache nicht verschließen, daß auch die Jugend ein Bestandteil der jeweiligen Gesellschaft ist, und daß eine jede Erziehung, welche dieses Bewußtsein der gesellschaftlichen Verbundenheit schwächt, vom Gesichtspunkt der Gesamtheit aus verfehlt ist. Ist aber die Grundlage einer jeden Gesellschaftsordnung die Arbeit, unterscheiden sich die verschiedenen Stadien der Gesellschaftsordnung durch eine verschiedene Arbeitstechnik und Arbeitsverfassung, so ergibt sich daraus mit logischer Konsequenz, daß auch die Grundlage einer Jugendgesellschaft nur die Arbeit, die produktive, wertschaffende, wirtschaftliche Arbeit sein kann. Es ist darum klar, daß gerade eine sozialistische Bewegung Jugend gern einschaf ten, die nicht auf dieso^ G-nindlasre aufgebaut sind und seien es selbst Geistesburgen, wie Wickersdorf in seiner Glanzzeit (vgl. Gustav Wynecken: „Wickersdorf". Schule und Jugendkultur") als bürgerliche Erziehungsversuche ablehnen muß. Ja, sie kann sich auch mit einer isolierten Produktionsschule nicht begnügen, sie muß Verbundenheit mit der ganzen Volkswirtschaft postulieren (vgl. Blonsky „Die Arbeitsschule"). Ein Prinzip, welches jeder sozialistischen Erziehung eigen sein muß, ist das Prinzip der Gemeinschaftserziehung und Autonomie. Ausgehend von der Erkenntnis des eigenen Lebensstils der Jugend und dessen Eigen Wertigkeit und von der Bereicherung des Seelenlebens 'des Jugendlichen durch die Gemeinschaft und von der erzieherischen Funktion der Selbstverwaltung, ist die Begünstigung der Bildung von Jugendgemeinschaften Leitsatz jeder modernen Pädagogik. Diese Jugendgemeinschaften sind in inneren Angelegenheiten selbständig, unter Beratung, jedoch keineswegs Leitung, ihrer gewählten Führer. Die Gruppe als Kameradschaftskreis, die Schulgemeinde als 163